Wie deutschsprachige Experten die Lage auf der Koreanischen Halbinsel bewerten: Eine Netzschau


Wenn es eine verstärkte Medienberichterstattung egal wozu gibt, dann ist die Nachfrage nach Experten auch immer besonders hoch und dann haben wir die Möglichkeit, Meinung von Leuten zu hören, die sich noch besser mit dem Thema auskennen, als die Journalisten das schon tun. Und dann lohnt auch immer mal ein Blick auf diese Meinungen, der bei mir ja mittlerweile eine Tradition geworden ist (zu früheren Überblicken geht es hier: 08.03. nach Beginn der Drohungen 17.02. nach dem Nukleartest 03.01. nach Kim Jong Uns Neujahrsansprache). Die sind auch dieses Mal wieder sehr unterschiedlich und gehen in verschiedenen Aspekten nahezu in gegensätzliche Richtungen. Ich habe mir ganz ehrlich gesagt nicht alles durchgelesen/angehört, sondern nur nach dem gesucht, das Leute gesagt haben, die man als Experten bezeichnen kann. Ihr könnt ja dann selbst reinlesen/hören/gucken…

Rüdiger Frank (Uni Wien):

Fernsehinterview mit dem ZDF (01.04.2013): ZDF heute journal „Rüdiger Frank über Nordkorea“

Radioniterview mit WDR 2 (02.04.2013): Wirtschaftswende als Ziel?

Printinterview mit Spiegel Online (02.04.2013): „Kim verfolgt ein klares Ziel“
Printinterview mit dem Standard (02.04.2013): „Nordkorea will einfach in Ruhe gelassen werden“
Printinterview mit dem Kölner Stadtanzeiger (03.04.2013): Warum Kim so aggressiv auftritt
Printinterview mit dem BR (04.04.2013): Wie gefährlich ist der junge Diktator?

Hanns W. Maull (Uni Trier):

Radiointerview mit dem Deutschlandfunk (30.03.2013): Politologe: Kriegsrhetorik aus Pjöngjang richtet sich vor allem an China und die USA

Printinterview mit dem Trierischen Volksfreund (04.04.2013): „Wir erleben den Anfang vom Ende“

Werner Pfennig (FU Berlin):

Fernsehinterview mit der ARD (02.04.2013): Prof. Werner Pfennig (Politikwissenschaftler FU Berlin) zum Korea-Konflikt

Radiointerview mit BR 2 (02.04.2013): Was folgt den Drohungen zwischen Nordkorea und Südkorea?
Radiointerview mit radioeins (03.04.2013): Konflikt zwischen Nord- und Südkorea verhärtet sich

Printinterview mit der Mittelbayrischen (02.04.2013): „Zu allem Unglück ist der UN-Chef Südkoreaner“
Printinterview mit der Westdeutschen Zeitung (02.04.2013): Experte: „Ich sehe keine direkte Kriegsgefahr“

Hanns Günther Hilpert (SWP):

Radiointerview mit MDR Jump (04.04.2013): Nordkorea verschärft Drohungen gegen USA

Lars-André Richter (Friedrich-Naumann-Stiftung, Seoul):

Radiointerview mit dem Deutschlandfunk (30.03.2013): Friedrich-Naumann-Stiftung: Kim Jong-Un will seine Position festigen

Bernhard Seliger (Hanns-Seidel-Stiftung, Seoul):

Printinterview mit RTL (02.04.2013): Kim Jong Un hat große Angst davor, einen Krieg auszulösen
Printinterview mit RTL (04.04.2013): Experteninterview: Wie gefährlich ist die Lage auf der Koreanischen Halbinsel wirklich?

Christoph Pohlmann (Friedrich-Ebert-Stiftung, Seoul):

Printinterview mit dem Tagesanzeiger (31.03,2013): „Die Nordkoreaner wollen sich das nicht länger bieten lassen
Printinterview mit der DW (03.04.2013): Pohlmann: „Spirale der Provokation in Korea“

Norbert Eschborn (Konrad-Adenauer-Stiftung, Seoul):

Printinterview mit n tv (04.04.2013): „Ich rechne mit einem Angriff“

Die Situation auf der Koreanischen Halbinsel nach UN-Resolution und nordkoreanischen Drohungen: Medienschau zu den Einschätzungen deutschsprachiger Experten


Wie immer in der letzten Zeit, wenn sich auf der Koreanischen Halbinsel etwas ergibt, das hier eine breite Medienaufmerksamkeit auf sich zieht, mache ich auch heute nochmal eine kleine Presse-/Medienschau, bei der der Fokus wie immer auf der Berichterstattung liegt, die durch Expertenmeinungen fundiert ist.

Presseschauen

Vorab aber ein paar Presseschauen anderer, die eher auf Kommentare der deutschen und internationalen Presse ausgerichtet sind, was auch eine interessante Meinungsschau ermöglicht. Dazu kann ich einmal die Frankfurter Rundschau empfehlen (gottseidank gibt es sie noch, auch wenn ich gespannt bin, was die Rumpfcrew da zukünftig noch fabrizieren wird), aber natürlich auch den zeitlosen Klassiker, die Presseschau des Deutschlandfunks. Heute Morgen international und heute Mittag national, beide Male mit Nordkorea als erstem Thema.

Radio

Rüdiger Frank (Universität Wien) im Interview mit WDR 5 (Wie häufig richtet sich der Blick Franks stärker auf die internen Vorgänge in Nordkorea, als das bei anderen Analysten der Fall ist. Da man Kim Jong Un nicht einschätzen könne, sieht Frank durchaus eine bedrohliche Situation. Gute Analyse mit gutem Blick fürs Ganze.)

Rüdiger Frank (Universität Wien) im Interview mit Ö1 (Siehe oben.)

Werner Pfennig (FU Berlin) im Interview mit radioeins (Er sieht es als zentral an, den Blickwinkel der nordkoreanischen Seite zu verstehen, also so etwas wie Empathie für das Regime zu zeigen. Das sehe ich genauso. Allerdings geht mir seine „Empathie“ etwas zu weit, einfach weil es mir mitunter vorkommt, als würde er der nordkoreanischen Propaganda auf den Leim gehen. Die Militärmanöver der USA und Südkoreas gibt es jedes Jahr. Nordkorea geht nur manchmal laut, manchmal sehr laut und manchmal extrem laut damit um, ohne dass die Bedrohungslage jetzt extrem unterschiedlich wäre. Kontrovers, aber nicht schlecht.)

Werner Pfennig (FU Berlin) im Tagesgespräch mit BR alpha (Das Ganze dauert fast eine Stunde und es handelt sich dabei um eine Call-in-Sendung. Ich hab‘s mir nicht ganz angehört, aber es dürfte sich wohl  lohnen, wenn man gerade eine Stunde über hat…)

August Pradetto (Bundeswehr-Uni Hamburg) im Interview mit DRadio Kultur (Eigentlich ist mir Herr Pradetto noch nicht als dezidierter Nordkorea-Experte aufgefallen, aber er verfügt über gesunden Menschenverstand und scheint dem Thema in der Vergangenheit bereits aufmerksam gefolgt zu sein. Angenehm nüchterne und sachliche Analyse.)

Hans-Joachim Schmidt (HSFK) im Interview mit dem rbb Inforadio (Stand gestern. Wie immer solide Analyse. Ob allerdings das nordkoreanische Vorgehen primär außenpolitisch motiviert ist, darauf würde ich nicht wetten. Solide.)

„Print“

Hartmut Koschyk (MdB CSU und in den deutsch-koreanischen Beziehungen engagiert) im Interview mit dem Straubinger Tagblatt (Gute Analyse der Situation.)

Hanns Günther Hilpert (SWP) im Interview mit der WELT (Solide Analyse mit meiner Meinung nach zu starker außenpolitischen Erklärung des Verhaltens Nordkoreas. Das Ziel mit den USA zu sprechen mag ein zentrales außenpolitisches Motiv sein, aber es ist bei weitem nicht handlungsleitend für das Regime.)

Christoph Pohlmann (FES) im Interview mit dem Tagesanzeiger (Pohlmann sieht die aktuellen Drohungen Nordkoreas als neue Eskalationsstufe. Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Gute, aber nicht tiefschürfende Analyse.)

Christoph Pohlmann (FES) im Interview mit der deutschen Welle (Was die Eskalationsstufe angeht, siehe oben. Ansonsten sieht man im Vergleich zum vorigen Interview, das bei einem guten Fragesteller und einer vernünftigen Vorbereitung auch der Befragte viel besser rüberkommt. Gute Sache.)

Sondererwähnung

Kürzlich habe ich mich sehr über einen ziemlich schwachen (und wenig -sinnigen) Artikel von Michael Stürmer geärgert. Aber nur weil jemand einmal etwas sehr dummes schreibt/sagt/tut, heißt das ja nicht, dass das immer so sein muss (Dieser Satz bezieht sich auf alle Menschen gleichermaßen und nicht auf einen im Speziellen). In seiner heutigen Analyse zieht Stürmer den durchaus bedenkenswerten Schluss, dass das aktuelle Gebaren Pjöngjangs vor allem an China gerichtet sei. Wie gesagt, das ist einen Gedanken wert und wurde von den vorgenannten Analysten wenig beachtet. An diesem lobenswerten Aspekt ändert sich auch dadurch nichts, dass Herr Stürmer ein paar Fakten durcheinanderwirft (Cheonan und Yonpyong in die Amtszeit Kim Jong Uns zu verlegen, zeugt von verbessernswerter Redaktion).

Was lernen wir daraus

Einige Aspekte ziehen sich durch fast alle Bewertungen:

  • Die Drohungen aus Pjöngjang sind nicht wörtlich zu nehmen.
  • Durch die neue Führung ist Nordkorea wieder unberechenbarer geworden.
  • Die Militärmanöver auf beiden Seiten bergen in dieser verbal angespannten Zeit das wahre Eskalationsrisiko.
  • Eine weitere Lehre will ich nur kurz anreißen: Dass Nordkorea mehr auf Worte als auf Taten setzt, mag auch damit zu tun haben, dass Worte ein Echo hervorrufen, dass mitunter stärker ist als das von Taten. Das mediale Echo nach den Drohungen aus Pjöngjang war nämlich (mal wieder) besser zu vernehmen, als nach dem Nukleartest. Vielleicht gibt uns die nordkoreanische Führung auch nur das, was wir wollen. Spektakel!

Kim Jong Uns Neujahrsansprache: Wie deutschsprachige Experten sie bewerten


Wie gestern bereits angekündigt, habe ich mir heute mal angeschaut, was deutsche Experten zu Kim Jong Uns Neujahrsansprache zu sagen hatten und wie die Ansprache von ihnen bewertet wurden. Alles in allem ist die Bewertung eher durchwachsen. Kein Wunder, die Leute befassen sich schon länger mit Nordkorea und haben schon viele Ankündigungen und Versprechen gehört, die dann später vergessen oder umgedeutet wurden. Allerdings sind sich eigentlich auch alle hier aufgeführten ernstzunehmenden Kenner darin einig, dass Kim Jong Un vor allem im wirtschaftlichen Bereich einen gewissen Handlungsbedarf sieht. Allerdings stimmen die Experten nicht überein, wenn es um die Frage geht, inwiefern das in seine Rede eingegangen ist. Auch seine Aussagen hinsichtlich Südkorea werden unterschiedlich bewertet. Aber am besten ihr lest und hört selbst.

Radio

Rüdiger Frank (Uni Wien) im Interview mit Ö1 (Wie immer nimmt Frank da wo er Bescheid weiß klar Stellung und gibt da wo er nichts weiß ebendas zu. Sehr schön.)

Bernhard Seliger (HSS, Seoul) im Interview mit radioeins (Der Interviewer macht das nicht unbedingt seriös, aber das ändert nichts an der Expertise Seligers. Ok.)

Christoph Pohlmann (FES, Seoul) im Interview mit dem DLF (Schöne unaufgeregte Bewertung mit treffenden Analysen. Hörenswert.)

Lars-André Richter (FNS, Seoul) im Interview mit dem RBB (Gute Bewertungen gutes Interview. Hörenswert.)

Print/Online

Rüdiger Frank (Uni Wien) im Interview mit der Deutschen Welle (Super Sache. O-Ton: „Das ist ein Armutszeugnis für die westliche Berichterstattung. Ich denke, die westliche Presse hat wirklich schon bessere Tage gesehen als den, an dem diese Meldung als großer Durchbruch propagiert wurde.“ Da wird einige Euphorie in westlichen Medien ordentlich zurechtgerückt. Ansonsten ähnlich wie das Radiointerview. Sehr schön.)

Norbert Eschborn (KAS, Seoul) im Interview mit der FR (Vorsichtige und unspektakuläre Analyse. Ok.)

Bernhard Seliger (HSS, Seoul) Artikel mit O-Tönen (Guter Artikel ohne spektakuläre Inhalte. Ok.)

Werner Pfennig (FU Berlin) und Hanns Günther Hilpert (SWP) mit O-Tönen (Naja, BILD eben, das macht die Einschätzungen der Experten aber nicht schlechter. Ok.)

Die WELT hat keinen Experten zu Rate gezogen. Brauch sie auch nicht. Hat ja selbst einen…: Torsten Krauel (Die WELT) mit einem Artikel (Naja, wenn man weiß wie Krauel schreibt und was er mag, der weiß, ob er das lesen will. Unterhaltsam ist es mitunter. Wenn man sonst nichts zu tun hat Ok.)

Mehr Experteninfos habe ich nicht gefunden, aber das ist ja schonmal ein bisschen was und hilf mit Sicherheit, sich ein Bild zu machen. Viel Spaß dabei…

Interessante Analysen zu Kim Jong Uns Nachfolge und der schwierigen Situation auf der Koreanischen Halbinsel von deutschen Experten


Heute möchte ich euch kurz auf zwei, wie ich finde sehr gelungene aktuelle Analysen deutscher Experten aufmerksam machen, die sich mit der aktuellen und künftigen Situation in Nordkorea befassen.

Einen eher innenpolitischen Fokus hat dabei Eric Ballbach in seinem fünfseitigen Artikel „Der König ist tot – es lebe der König? Nordkorea nach Kim Jong-il“ in der Zeitschrift Welt Trends. Dabei vergleicht er den Nachfolgeprozess Kim Jong Ils mit dem Kim Jong Uns, arbeitet sehr schön die Unterschiede heraus, verweist aber auch auf die seitdem gleichgebliebenen strukturellen Bedingungen, die auf eine erfolgreiche Machtkonsolidierung und Kontinuität in der Politik hindeuten. Er erwartet ein außenpolitisch ruhiges Jahr 2012, da sich Nordkorea auf interne Prozesse konzentrieren müsse und daher andere Policy-Entscheidungen in den Hintergrund gedrängt würden. Provokationen wären höchstens zum Zweck der Machtkonsolidierung möglich (der Artikel ist zwar erst vor ein paar Wochen erschienen, aber seitdem ist schon viel passiert). Für die Sechs-Parteien-Gespräche seien die Hoffnungen 2012 eher schlecht, es sei denn, Nordkorea würde ein weiteres Mal versuchen auf diesem Weg an Hilfen zu gelangen.

Besonders gefallen hat mir, auch wenn dieser Punkt nicht zentral ist, dass Ballbach auch auf die Tatsache hinweist, dass es in der nordkoreanischen Bevölkerung keinerlei Erfahrungen mit einer demokratischen politischen Kultur gebe, da es bisher noch kein demokratisches System dort gegeben habe, was dem Regime zugutekäme. Dieser Punkt wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt, obwohl er eigentlich recht naheliegend ist.

In der kleinen Analyse „Szenarien für die koreanische Halbinsel. Es geht um mehr als Pjöngjangs Atomprogramm“ befassen sich Philipp Kauppert und Christoph Pohlmann für die Reihe „Internationale Politikanalyse“ der Friedrich-Ebert-Stiftung vor allem mit der internationalen Gemengelage rund um die Koreanische Halbinsel. Dabei arbeiten sie nach einer kurzen Beschreibung des aktuellen Status die zentralen strategischen Interessen der bedeutendsten Akteure, als die sie Nord- und Südkorea, die USA, China und mit Abstrichen Russland und Japan identifizieren, heraus. In der Folge beschreiben sie drei mögliche Szenarien für die nähere Zukunft (ca. 5 Jahre) der Koreanischen Halbinsel und denken abschließend über eine mögliche Rolle der EU und Deutschlands im schwierigen Annäherungsprozess zwischen den Koreas nach.

Gut finde ich hier, dass die Autoren von der Grundannahme ausgehen, dass die oberste Priorität des Regimes in Regimeerhalt und -stabilität zu suchen ist und dass andere Fragen dem grundsätzlich untergeordnet sind. Weiterhin gefiel es mir sehr gut, dass die Autoren über die Rolle Deutschlands und der EU nachdenken, Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen, ein stärkeres Engagement der EU als unabhängigem Akteur als Ausweg aus der Sackgasse fordern und sich für eine verstärkte Arbeit der deutschen politischen Stiftungen aussprechen. Diese Forderungen halte ich für sehr sinnvoll und sehe es darüber hinaus gerne, dass gerade die Friedrich Ebert Stiftung, die bisher ein recht schwaches Nordkoreaprofil besitzt, dies fordert. Es klingt ganz so, als seien die Track-II Gespräche an der Syracuse University, die von der FES (soweit ich das überblicke von Pohlmann) organisiert wurden, der Auftakt für weitere Initiativen der FES gewesen. Gut so.

Allerdings haben mir an dem Paper auch zwei Dinge nicht so gut gefallen. Einerseits hätte ich mir einen etwas kritischeren Umgang mit der Sonnenscheinpolitik gewünscht, denn die (bzw. eine Politik nach ihrem Vorbild) wird hier letztendlich als entscheidend für eine Lösung des Konflikts auf der Koreanischen Halbinsel gesehen. Auch wenn mir die Politik Lee Myung-baks genausowenig zusagt, wie den beiden Autoren, sollte man trotzdem nicht allzu unkritisch mit den Schwierigkeiten umgehen, die sich im Rahmen der Sonnenscheinpolitik ergaben. Aber die FES, in der es vermutlich zur Stiftungsräson gehört, sich der Ostpolitik Willy Brands nahe zu fühlen, kommt man vermutlich nicht drumrum solche Ansätze zu loben. Weiterhin hätte man sich drei Szenarien, die die Autoren beschreiben auch fast sparen können. Zu plakativ und zu wenig kreativ (das hat man doch schon x-mal gelesen). Im Endeffekt dienen die Szenarien fast nur dazu, die Sonnenscheinidee ein bisschen zu promoten. Aber vielleicht bin ich da auch etwas zu kritisch, weil ich mit Szenarien immer so meine Schwierigkeiten habe.

Im Endeffekt kann ich beide Analysen aber nur zur Lektüre empfehlen. Kompakt aber trotzdem gehaltvoll. So lobe ich mir das und hoffe, dass es in der nächsten Zeit mehr von diesen Autoren zu lesen gibt.

Nach der „nordkoreanischen Woche“: Einschätzungen deutscher Experten


Nach so einer ereignisreichen Woche wie der Letzten lohnt es sich, sich mal anzuschauen, was deutschsprachige Kenner der Materie so zu den Ereignissen in Nordkorea zu sagen haben (natürlich lohnt es sich auch, zu gucken, was in anderen Ländern gesagt wird, aber das machen sicherlich schon andere mindestens genausogut wie ich das könnte und wenn es schonmal was sinnvolles aus Deutschland gibt, dann sollte man das auch nutzen). Daher habe ich mal die Interviews und Statements von Leuten zusammengetragen, die sich von Berufswegen mit der Materie befassen.

Walter Klitz von der Friedrich Naumann-Stiftung in Seoul, der dort auch zuständig ist für Projekte mit Nordkorea, hat sich in zwei Interviews vor allem zu dem Raketenstart befasst. Am 13.04. sprach er mit dem NDR. Dabei stellte er klar heraus, dass es sich bei dem Start um einen Verstoß gegen internationales Recht gehandelt habe (die UN-Sanktionen) und dass mögliche Folgen (z.B. Sanktionen) vor allem an China hingen, das bis jetzt die Sanktionen nicht umgesetzt habe. Weiterhin hält er in den nächsten Jahren eine weitere wirtschaftliche Öffnung (v.a. gegenüber China) für möglich und sieht für die nächsten Wochen auch die Möglichkeit weiterer Provokationen wie einem Atomtest. Ein solches Vorgehen würde dem gewöhnlichen Muster Nordkoreas folgen, nach dem bei innenpolitischem Bedarf außenpolitische Spannungen aufgebaut würden.

Am 14.04. äußerte er sich dann mit dem WDR. Auch in diesem Interview nennt Klitz die oben angesprochenen Punkte, geht aber außerdem darauf ein, dass der Misserfolg des Starts seiner Meinung nach keine Auswirkungen auf den Nachfolgeprozess hab, da die anderen Ereignisse der Woche gezeigt hätten, dass die Herrschaft bereits weitgehend konsolidiert sei. Weiterhin sieht er einen unverkrampfteren Umgang mit den Medien (z.B. durch die Tatsache, dass der Misserfolg eingestanden wurde und Journalisten ins Land durften). Weiterhin sagt Klitz, dass die Nahrungsmittelsituation nicht so schlecht sei, dass es aber schon saisonbedingte Knappheiten gäbe.

Patrick Köllner vom GIGA in Hamburg hat dagegen am 13.04 mit der schweizer BLICK gesprochen (warum auch immer). Eigentlich weiß man doch, dass da nicht mehr bei rumkommen kann, als eine Headline wie „Mir tun die Ingenieure leid!„. Aber naja, ich glaube die Ingenieure müssen sich nicht wirklich sorgen machen, denn wenn man irgendwann mal einen Satelliten (oder was Anderes) erfolgreich starten will, dann braucht man sie wohl.

Zum Glück sprach er aber auch noch mit einem seriösen Medium und konnte daher am selben Tag auch noch über den WDR etwas von seiner Fachkenntnis unters Volk bringen. Jedenfalls scheint ihn die Tatsache überrascht zu haben, dass Pjöngjang das Scheitern des Tests offen zugab (aber wen hat das schon nicht überrascht). Weiterhin sieht auch er die Möglichkeit eines Atomtests. Löblicherweise räumt er auch mit dem Quatsch den unbestätigten Gerüchten vonwegen Testament Kim Jong Ils auf und schreibt das „Propagandisten“ zu (sagt aber nicht aus welchem Land). Für den Test hält er neben außenpolitischen auch innenpolitsche Gründe als ausschlaggebend und glaubt, dass die Planungen dafür schon lange vor Kim Jong Uns Machtübernahme angelaufen sind und der Junge das dann nur fortgeführt hat. Weiterhin spricht man über die Beziehungen zu China, wobei Köllner China in einer Dilemmasituation sieht und sagt, dass die Beziehungen beider Staaten ohnehin stark belastet seien (dazu hätte ich gerne noch mehr gehört, da weiß ich nämlich nicht genau, was gemeint ist).

Christoph Pohlmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Seoul gab dem schweizer Tagesanzeiger am 13.04. ein Interview. Er sieht das Scheitern des Starts als Blamage und erwartet n der Folge einen Prestigeverlust für das Regime. Allerdings erkennt er auch Vorteile, denn die USA hätten es nun schwerer, Nordkorea als Bedrohung für seine Sicherheit darzustellen. Pohlmann weist mit Recht daruf hin, dass die faktische Bedrohung (vor allem für Seoul) durch das konventionelle Arsenal Nordkoreas aktuell weit größer sei, als die Gefahr durch die Nuklearwaffen, die aber für die Führung das einzzige Mittel sei, zu überleben (dazu hätte ich gerne mehr Infos, denn so einfach ist das wohl nicht). Als außenpolitisch zentral für die Zukunft Nordkoreas sieht er die USA und China.

Oliver Thränert von der SWP hat am 13.04 mit der Deutschen Welle gesprochen. Dort erzählte er viel von „ausländischer Hilfe“ beim Raketenprogramm, die er vor allem in dem Wechsel ehemaliger sowjetischer Raketenbauer nach Ende der UdSSR sieht (ist ja auch noch nicht lange her) und sagt daher, die Rakete bestände nur aus russischer Technologie (Naja, das habe ich so noch nicht gehört, aber ist wahrscheinlich Definitionssache). Daher sei Pjöngjang auch von einem Erfolg des Starts ausgegangen. Das Scheitern habe keine Auswirkungen auf die Nachfolge Kim Jong Uns und man müsse sich auch in Zukunft darauf einstellen, dass es einen Wechsel zwischen Annäherung und Provokation gebe. Die USA würden versuchen, das (Nordkorea) Thema so weit wie möglich zu ignorieren, aber Pjöngjang hätte Mittel und Wege, sich immer wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu drängen.

Abschließend dann noch eine ganz andere Einschätzung der Satireexperten vom Postillion. Die können nämlich beim besten Willen keinen gescheiterten Raketenstart erkennen, sondern den höchst erfolgreichen Versuch eines anderen militärischen Geräts…

Gerne hätte ich auch noch ein paar politische Reaktionen vorgestellt, denn zuletzt beim Zustandekommen des Deals zwischen den USA und Nordkorea (ist ja schon ewig her. Über einen Monat…) hatte ja annähernd jede Partei eine Pressemeldung dazu. Das ist dieses Mal anders. Nur unser Außenminister Guido Westerwelle kam nicht umhin, was zu sagen: Er verurteilte den Start als Verstoß gegen das Völkerrecht und verlangte eine deutliche Reaktion des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.

Warum sich sonst niemand äußern wollte? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich lässt sich sowas parteipolitisch einfach nicht gut verkaufen und daher gibts keine Pressemitteilungen. Bei dem Deal konnte man konstruktiv aber kritisch dies und das fordern und damit außenpolitische Kenntnisse beweisen. Im aktuellen Fall müsste man einen Vorschlag machen, der besser wäre als die reine Drohung mit Sanktionen. Und da gibt es eben recht wenige Ideen: Daher scheint es besser den Mund zu halten, als zum x-ten Mal dieselben Sprüche zu klopfen.

Ich bin auch gespannt, ob der Eine oder Andere aus den Reihen der deutschsprachigen Experten was zu den internen Änderungen der letzten Woche schreibt. Bisher wurde davon ja nur am Rande gesprochen, aber ist eben auch ganzschön viel und da müssen sich die Kenner vermutlich selbst erstmal überlegen, ob man da in der trüben Regimesuppe rumstochern will, oder sich besser zurückhält.