Claudia Roths Dienstreiseimpressionen aus Nordkorea: Bericht und Fotos


Vor einem guten halben Jahr hat ja eine deutsche Fußball/Politik-Delegation, bestehend aus DFB-Funktionären und Bundestagsabgeordneten der fünf im Parlament vertretenen Fraktionen, Nordkorea besucht.

Mit dabei war auch Claudia Roth von den Grünen. Vor ein paar Tagen hat Frau Roth ihren Reisebericht veröffentlicht, in dem sie vor allen Dingen die Gespräche der Delegation mit verschiedenen nordkoreanischen Politikern beschreibt und ihre eigene Wahrnehmung sowie ihren Standpunkt zum Umgang mit Nordkorea darstellt. Außerdem hat sie noch einige Fotos online gestellt, die ganz nett anzuschauen sind. Die Haupterkenntnis die ich aus den Bildern gewonnen habe ist, dass die Beschaffungsstelle der nordkoreanischen Regierung die Automarke von Mercedes zu VW gewechselt zu haben scheint (Allerdings ist die Aussage aufgrund der geringen Fallzahl nicht verallgemeinerbar). Außerdem scheint sich Frau Roth besonders für am Straßenrand Kräuter-schneidende Leute zu interessieren. Vielleicht wollte sie einen hungernden Nordkoreaner fotografieren?

Das Auswärtige Amt sträubte sich

Der Bericht ist recht interessant zu lesen. So finde ich es durchaus bemerkenswert, dass das Auswärtige Amt vertreten durch die Deutsche Botschaft in Pjöngjang nicht gerade begeistert über die große Truppe gewesen zu sein schien, die da zu Besuch kam. So gab man an, dass politische Gespräche in Nordkoreawegen des Wochenendes auf den die Reise fiel nicht möglich seien, im Endeffekt hatte die Delegation aber Gespräche mit allen Partnern, die sie erwarten konnte (nachdem man bei der nordkoreanischen Botschaft vorgesprochen hatte).

Wer nett war und wer nicht

Interessant fand ich auch die Schilderung der Gespräche mit den verschiedenen nordkoreanischen Politikern. Interessant deshalb, weil sie so unterschiedlich abgelaufen zu sein schienen. Der Diplomat Kung Sok-ung (genau, der der gerade eine Europareise beendet hat) war sehr diplomatisch. Der Parteifunktionär (stellvertretender Leiter der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit) Ri Yong-chol war sehr desinteressiert und schien das Gespräch einfach rumbringen zu wollen (las vom Blatt ab, beantwortete nicht gerne Fragen und verharrte in Standardfloskeln) vermutlich weil er wichtig ist und besseres zu tun hat. Als Sportminister ist Pak Myong-chol nicht so wichtig und achtete dementsprechend ganz genau darauf was er sagte, wenn er zu etwas gefragt wurde, was nicht in seinem Ressort lag. Schon spannend zu sehen, wer auf die Gäste zugeht und versucht in Sachthemen Erfolge zu erzielen und wer sich zurückhält.

Die Lesesaal-frage und Frau Roths Plädoyer gegen „Leichtfertigkeit“

Spannend fand ich auch Frau Roths Haltung zur Schließung des Lesesaals des Goethe-Instituts in Pjöngjang, zu der es Ende 2009 kam, da die Behörden in Pjöngjang sich nicht an Vereinbarungen hielten und den Zugang beschränkte. Frau Roth hält die Schließung des Saals jedoch trotzdem für kritikwürdig und ist da vielleicht ein bisschen zu viel auf die Argumentation ihres Gesprächspartners eingegangen, der erklärte,

dass dieses hin und her auf Seiten Nordkoreas Unmut und Enttäuschung auslöse.

Was Frau Roth zu der Erkenntnis führte

welcher Schaden in den sensiblen bilateralen Beziehungen durch die leichtfertige Schließung einer wichtigen kulturellen Einrichtung entstanden ist.

Naja, schon klar, dass man Projekte der eigenen Regierungszeit verteidigen will, aber es kann eben auch Schaden anrichten, wenn man selbst nicht eine konsequente Haltung einnimmt (und sich von einem nordkoreanischen Vertreter „hin und her“ vorwerfen zu lassen… Jedenfalls sehe ich die Schließung eher als Zeichen von Konsequenz, denn von Leichtfertigkeit.

Ein kaum wahrgenommener Erfolg

Achja und einen kleinen Erfolg, der kaum Publik gemacht wurde, gab es durch die Reise auch noch zu verbuchen. In Nordkorea bat die deutsche Delegation um die Zusammenführung von deutschen Familien mit ihren nordkoreanischen Vätern (die Verbindungen gehen auf DDR-Zeiten zurück). In einem Fall kam es scheinbar einen Monat nach der Delegationsreise tatsächlich zu einem erstmaligen Zusammentreffen deutscher Familienmitglieder mit dem Familienvater in Nordkorea. Nachzuhören am Ende dieser Aufnahme.

Nicht weltbewegend aber interessant

Generell ist zu sagen, dass ich es gut finde, dass Frau Roth den Bericht veröffentlicht hat, denn irgendwie haben wir ja auch dafür bezahlt. Von daher ist es auch unser Recht, Bericht erstattet zu bekommen. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich alles gut finde, was sie geschrieben hat (und ob da so etwas Heikles drinsteht, dass sie sich mit  der Veröffentlichung ein halbes Jahr Zeit lassen musste, weiß ich auch nicht. Aber vielleicht wollte sie auch einfach, dass das nicht irgendwie in den Kontext mit der Dopinggeschichte gesetzt wird.). Was mir noch ein bisschen gefehlt hat war ein kleines Addendum mit einer Nachlese zur WM. Ich meine immerhin ist die Frauen-WM in Deutschland vorbei und die nordkoreanische Mannschaft schon lange wieder zuhause. Der unrühmliche Abgang ist in Erinnerung und dazu hätte Frau Roth, wenn sie den Bericht schon so spät veröffentlicht, auch was schreiben können. Es kann nicht Ziel sein, im Umgang mit schwierigen Partnern wie Nordkorea sicher einer ist, jegliche Kritik sein zu lassen, wenn sich der Partner kritikwürdig verhalten hat. Naja, am besten ihr verschafft euch selbst einen Eindruck von dem Bericht.

DFB Reise nach Nordkorea: Ein MoU, ein Job für die Grünen und konservative Prinzipientreue


Die deutsche Delegation, die Nordkorea im Rahmen der „Welcome Tour“ zur Frauen Fußball WM in Deutschland in diesem Jahr besucht hat, dürfte mittlerweile wieder in Deutschland gelandet sein. Anlass genug jedenfalls, um euch schonmal kurz zu informieren, was über die Reise, an der neben DFB Chef Theo Zwanziger und der Leiterin des Organisationskomitees Steffi Jones, auch Parlamentariern aller Bundestagsfraktionen (Claudia Roth (Grüne), Dr. Thomas Feist (CDU), Patrick Kurth (FDP), Dr. Johannes Pflug (SPD), Katrin Kunert (Linke)) und 14 (!) Journalisten teilnahmen, so berichtet wird. Erstmal das Video von KCNA, das hauptsächlich aus Händeschütteln besteht (das gibts schon ein paar Tage auf der KCNA-Seite, aber man muss um das anzusehen, glaube ich, irgendwelche Software runterladen und da habe ich gewisse Vorbehalte)

Gespräche und ein MoU

Im Rahmen des zweitägigen Aufenthalts trafen sich die Fußballfunktionäre unter anderem den Chef des nordkoreanischen Fußballverbands Ri Jong-mu und die Politiker mit Yang Hyong-sop, der Vizepräsidenten der Obersten Volksversammlung und Mitglied des Politbüros ist. Auch Jürgen Klimke, ein Parlamentarier der CDU, der Nordkorea unabhängig von dieser Reise kürzlich besuchte, hatte mit ihm die Ehre (vielleicht spricht Yang ja deutsch oder er ist für deutsche Angelegenheiten mit verantwortlich). Als greifbares Resultat der Reise kann man wohl das Memorandum of Undestanding sehen, das Zwanziger und Ri unterzeichnet haben. Darin wird vereinbart, dass beide Verbände bei der Trainerausbildung und im Schiedsrichter- und Nachwuchsbereich intensiver zusammenarbeiten wollen. Außerdem scheint sich Zwanziger ein Länderspiel im Männerbereich gut vorstellen zu können.

Die Grünen als „Jubel-Nordkoreaner“

Auch Claudia Roth wurde von der nordkoreanischen Seite auf ihre Art gewürdigt. Scheinbar fragten nordkoreanische Funktionäre sie darauf an, ob ihre Partei die nordkoreanischen Frauen bei der WM nicht geschlossen unterstützen könne. Scheinbar ist man noch nach der Suche nach einem adäquaten Fanblock für die WM (bei der Herren WM im vergangenen Jahr gab es ja gewisse Diskussionen um „gemietete“ Fans). Weshalb man die Frage allerdings an Roth adressierte, kann ich mir nicht so genau vorstellen (Vielleicht die Haarfarbe in Kombination mit dem Namen?). „Natürlicher“ Ansprechpartner wäre wohl eher Katrin Kunert von der Linken gewesen (ob sie selbst dafür zu haben gewesen wäre bezweifle ich zwar, aber in der Basis gäbe es da sicherlich den einen oder anderen), aber vermutlich haben die nordkoreanischen Fußballvertreter die deutsche Parteienlandschaft nicht so genau studiert und sich eher von Äußerlichkeiten leiten lassen.

CDU und FDP: Prinzipientreu

Von ihren Prinzipien leiten ließen sich dagegen Thomas Feist und Patrick Kurth. Die beiden Vertreter der CDU und FDP hatten scheinbar keine Lust, sich Kim Il Sungs (un-)sterbliche Überreste anzugucken und weigerten sich daher am Besuch im Mausoleum teilzunehmen (damit haben sie aber auch die Chance verpasst, den von Journalisten mit Vorliebe beschriebenen „Riesenstaubsauger“ zur Stäubchenentfernung anzugucken). Scheinbar hatten die beiden also nicht nur keine Lust, Kim Il Sung anzuschauen, sondern wollen in Zukunft auch nicht mehr gern nach Nordkorea fahren. Mit dieser Aktion sollten sie vor solchen Anfragen künftig ziemlich sicher sein. Was genau die Beweggründe für ihre Entscheidung waren weiß ich nicht so genau, aber Parteilinie kann es wohl nicht sein. Von anderen Vertretern ihrer Parteien hat man jedenfalls nicht gehört, dass sie sich bei Besuchen so vehement gegen die zugegeben etwas seltsam anmutende Verehrung des großen Führers — und damit aber wohl auch gegen das Protokoll — gewehrt haben. Allerdings stammen sowohl Feist als Kurth aus der ehemaligen DDR und da kann man ja schon verstehen, dass man noch eher eine Abneigung gegen Riten hat, die bspw. denen in Stalins Sowjetunion recht ähnlich sind.

Keine Sorge, da kommt noch was…

Wenn die vierzehn Journalisten aus dem Pressetross in nächster Zeit ihre Erlebnisse verarbeiten, sollte man sich ja keine Sorgen machen, zu wenig über die Reise informiert zu werden. Aber das findet ihr schon selbst. Ich werde mich dem Thema nur dann nochmal widmen, wenn etwas Interessanteres als das übliche Überwachungs-/Armuts-/Kulturschock-/Riesenstaubsauger-Zeug, vermeldet wird.

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