Warum ich nicht in Nordkorea investieren würde und weshalb es vielleicht trotzdem keine schlechte Idee ist


Eben habe ich in der WELT einen Artikel gelesen, den ich ganz interessant fand. Darin geht es um den bayrischen Schuhunternehmer Michael Ertl, der plant in der gemeinsam von Nord- und Südkorea auf nordkoreanischem Boden betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong zu investieren. Ich fand das deshalb relativ spannend, weil ich mir danach einfach mal überlegt habe, ob ich wohl aktuell Geld in Kaesong investieren würde. Anfangen will ich aber mit einem kleinen Korrekturblock, denn, naja, die WELT eben

WELT-Korrekturblock

Michael Ertl ist einer der ersten, aber definitiv nicht der Erste Deutsche, der in Nordkorea investieren will. Das hätte der Autor mit einem Blick ins eigene Archiv herausfinden können, wo er hätte lesen können: „Gerry Weber lässt in Nordkorea schneidern„. Oder er hätte es einfach mal beim zuverlässigen Startpunkt fast jeder Recherche versucht und sich den wirklich guten Wikipedia-Artikel zu den deutsch-nordkoreanischen-Beziehungen angeschaut (ich weiß, dass der ganz gut ist, weil ich bei der Erstellung ein (wenn auch nur geringen) Anteil hatte). Da hätte er lesen können, dass die Firma Prettl von 2007 bis 2010 in Kaesong investiert hatte, bevor sich die Pläne dort zerschlugen. Oder er hätte dort gelesen, dass die IT-Firma Nosotek seit 2008 in Nordkorea Software programmieren lässt und dass diese Firma im Gegensatz zu Ertls Plänen so richtig in Nordkorea sitzt und nicht in dem Mischgebiet Kaesong. Aber naja, ich hatte mir ja vorgenommen nicht zu kritisch zu sein und der Autor hat natürlich recht: „Erster Deutscher will in Nordkorea investieren“ ist eine wesentlich griffigere Schlagzeile als „Zirka vierter Deutscher will in Nordkorea investieren“, sowas interessiert ja dann echt keinen. Aber der Erste. Prima. Aber zurück zum Thema: Ist das jetzt eine gute Idee in Nordkorea bzw. in Kaesong zu investieren?

Würde ich in Kaesong investieren?

Hm, garnicht so einfach, weil ich natürlich nicht weiß, was in den nächsten fünf Jahren passiert:
Wenn sich Nordkoreas Außenpolitik in Zukunft friedlich und berechenbar darstellt, es keine Kriegsdrohungen mehr gibt und keine Schließungen der Sonderwirtschaftszone Kaesong und wenn man alle exportrechtlichen Fragen geklärt hat, dann ist es bestimmt keine total schlechte Idee in Kaesong zu investieren, obwohl es natürlich zumindest aktuell noch einige Hemmnisse gibt, die auch im WELT-Artikel beschrieben sind. Wenn sich das alles so wie beschrieben entwickelt, ist die Investition vermutlich vergleichbar mit einem Einstieg in einem anderen Niedriglohnland, mit gut ausgebildeten und disziplinierten Arbeitskräften.
Wenn sich aber das außenpolitische Verhalten Nordkoreas eher in aggressiven und unberechenbaren Bahnen verharrt, einschließlich Drohungen von oder tatsächlichen Schließungen der Sonderwirtschaftszone, dann  dürfte es schwierig werden, die Investitionssumme wieder reinzuholen. Zumindest wird sich Herr Ertl in diesem Fall nie sicher sein können, dass sich sein Investment je rentiert.
Da das Verhalten Pjöngjangs in den letzten fünf Jahren und auch nach dem Machtwechsel von Kim Jong Il auf Kim Jong Un sich nie dadurch ausgezeichnet hat, dass es besonders friedlich oder berechenbar gewesen wäre, würde ich eher vorsichtig sein mit positiven Prognosen für die nächsten Jahre. Gerade die Tatsache, dass Nordkorea im vergangenen Jahr erstmals so weit ging, Kaesong stillzulegen zeigt, dass die gesamte Anlage nicht so wichtig zu sein scheint, dass man sie nicht als Verhandlungsmasse nutzen würde. Ich würde nicht wetten, dass Pjöngjang in Zukunft davor zurückschrecken wird, den Komplex nochmal oder vielleicht auch komplett stillzulegen. Das Ferienressort im Kumgangsan, das seit Jahren im Dornröschenschlaf liegt, sollte hier als Mahnung dienen.

Andere Orte in Nordkorea bieten bessere Investitionschancen…

Kurz, wenn ich eine Million oder so über hätte, würde ich sie nicht in Kaesong investieren. Das soll aber kein Ratschlag sein, denn ich würde mich auch als besonders risikoavers einschätzen und natürlich hat Herr Ertl recht: Wenn man sich als erster in einem neuen Markt oder Standort etablieren kann, dann hat man bessere Chancen, wenn es irgendwann richtig losgeht. Es kann nur sein, dass man dafür einen langen Atem braucht, länger als ihn Gerry Weber und Prettl hatten. Ich würde mir sogar zweimal überlegen, ob ich als Deutscher ausgerechnet nach Kaesong ginge, denn diese Anlage ist meiner Meinung nach mit geringeren Chancen versehen, dafür aber mit höheren Risiken behaftet, als andere Optionen in Nordkorea:
Kaesong ist meiner Meinung nach sowas wie eine exterritoriale südkoreanische Produktionsstätte mit nordkoreanischen Arbeitern. Durch diese Konstellation ist der Zugang zum nordkoreanischen Markt erschwert und nur der Zugang zum südkoreanischen Wirtschaftsraum offen. Das heißt die Marktchancen, wenn sich in Nordkorea was ändert sind erstmal weniger dynamisch, als wäre man direkt im Land investiert. Gleichzeitig unterliegt Kaesong einem besonderen politischen Risiko. Immer wenn es Spannungen zwischen Seoul und Pjöngjang gibt, schwebt das wie ein Damoklesschwert über der Anlage. An anderen Orten in Nordkorea ist das so nicht gegeben.
Gleichzeitig ist Europäern der Weg nach Rason nicht verschlossen, im Gegensatz zu Südkoreanern  (Irgendwie hat mein Hinweis darauf, dass Südkoreanern der Weg nach Rason verschlossen sei, sich als Fehlannahme erwiesen. Danke Werner für die Richtigstellung!) Gleichzeitig stehen Europäern die Türen nach Rason weit offen.  Dort scheinen die Bemühungen des Regimes in Pjöngjang Wirkung zu zeigen und es entfaltet sich zur Zeit eine gewisse wirtschaftliche Dynamik. Gleichzeitig bestehen sowohl Marktchancen in Nordkorea, als auch wegen der geographischen Nähe in China und mit Abstrichen (weil es da nicht so viele Menschen gibt und so) in Russland. Politische Aspekte dürften sich eher nicht auf Rason auswirken, weil dort China und Russland die Nachbarn sind und mit denen ist vorerst nicht mit einem so tiefgreifenden Konflikt zu rechnen, wie er zwischen Nord- und Südkorea besteht.

…aber da würde ich auch nicht investieren…

Das heißt wiederum nicht, dass ich eine Investition in Rason empfehlen würde, aber wenn ich darüber nachdenken würde in Nordkorea zu investieren, dann würde ich mich eher für Rason als für Kaesong interessieren. Natürlich könnte ich auch noch über ein Joint-Venture außerhalb einer Sonderwirtschaftszone nachdenken, aber aktuell muss man dafür mutig sein. Wenn die Anfangsinvestition eher gering ist, wie ich das bei Nosotek einschätzen würde, dann kann man das Risiko vielleicht noch eingehen. Aber wenn man da viel aufbauen muss, dann zeigt der Fall Orascom (die haben scheinbar Schwierigkeiten an ihre Gewinne zu kommen, weil Pjöngjang die nicht transferiert), dass selbst globale Konzerne so ihre Schwierigkeiten mit der Führung in Pjöngjang bekommen können. Zwar bleibt man bei Orascom optimistisch, aber wenn man das viele Geld, das man in Nordkorea verdient hat, irgendwann mal woanders braucht, dann wird es kompliziert.

…weil ich ängstlich bin. Aber: Den Mutigen gehört die Welt

Alles in allem gibt es in Nordkorea zwar große Chancen, aber die wurden schon seit langem kolportiert und nur wenige konnten wirklich Profit daraus schöpfen. Im Endeffekt hängt sehr vieles von der politischen Entwicklung im Lande ab und ich gehe nicht davon aus, dass es kurz- oder mittelfristig zu Entwicklungen kommen wird, die Nordkorea zu einem stabilen und vielversprechenden Markt machen. Vielmehr kann ich mir Entwicklungen vorstellen, die das Land destabilisieren und die Investitionen in Gefahr bringen. Entweder, weil das gegenwärtige System sich als Risiko darstellt oder weil es ins Wanken gerät und durch die entstehende Unordnung Risiken wachsen. Aber wie ich oben schonmal gesagt habe, das hängt von der individuellen Risikobereitschaft ab. Und es heißt ja nicht ohne Grund: Den Mutigen gehört die Welt…

Gut gemeinte Empörung. Warum will niemand die nordkoreanische Botschaft in Berlin sprengen?


In letzter Zeit beschäftige ich mich irgendwie ganz schön häufig mit WELT-Journalismus. Das hat einerseits damit zu tun, dass die WELT zu Nordkorea manchmal beispielhaft (oder los) schlechte Artikel zu bieten hat, andererseits aber auch damit, dass einige der WELT-Autoren es einfach nur gut meinen. Naja, aber vielleicht wisst ihr ja, was das Gegenteil von „gut“ ist… Wenn nicht, einfach hinhören.

Einer der es besonders gut meint, scheint Richard Herzinger zu sein. Der hat sich unter dem Titel „Empörungsökonomie -Nordkoreanischer KZ-Staat genießt Sympathiebonus“ ein bisschen empörungsökonomisch umgetan und sich über die mangelnde Empörung gegenüber Nordkorea empört (mit dem Ausmaß seiner Empörung hat er es fast geschafft, das bundesweite Mittel ins Lot zu bringen). Danke für ihre gut gemeinten Worte Herr Herzinger.

Gut, dass endlich mal einer sich über das achselzuckende Schweigen über Kims Horrorstaat und die daraus folgende implizite Mittäterschaft an Verbrechen gegen die Menschheit empört. Die Mittäter sind nicht irgendwelche desinteressierten Versager, oder bösartige Nihilisten, sondern es ist die Weltöffentlichkeit. Zu der gehört Herzinger wohl nicht. Nein, er informiert ja die Weltöffentlichkeit über ihre Komplizenschaft an den Verbrechen gegen die Menschheit (also irgendwie gegen sich selbst (ist jetzt die Weltöffentlichkeit oder die Menschheit die größere Menge?)).

Gut, dass endlich mal jemand der Weltöffentlichkeit die Ungerechtigkeit der Welt an einem knallharten Beispiel aus Deutschland vor Augen führt. Während die Botschaften friedliebender Nationen (die zweifelsohne zum guten Teil der Menschheit/Weltöffentlichkeit gehören) wie den USA, Großbritannien oder Israel weiträumig mit Pollern vor Autobombenterror geschützt werden (Herzinger schreibt „müssen“. Das „müssen“ ist aber immer so ein Ding. Ich weiß, sie werden geschützt. Ich habe kein Problem damit und mir ist lieber sie werden geschützt als sie werden gesprengt. Aber ob sie geschützt werden „müssen“ weiß man im Endeffekt ja erst, wenn die Poller ihren Dienst tun und einen Autobombenanschlag verhindern), scheint sich niemand ein Herz nehmen zu wollen und die sträflich ungeschützte Botschaft des KZ-Horrorstaates in die Stratosphäre bomben. Und das obwohl sie gegenüber von einem Jugendhotel zu finden ist und vermutlich unseren deutschen Ingenieursnachwuchs mit Ideen vom Kommunismus oder schlimmeren verdirbt.

Gut, dass Herzinger daraus den absolut richtigen Schluss zieht: Das Land scheint keine Feinde zu haben, die es fürchten muss. Nungut, die Beziehungen mit den USA würde ich jetzt nicht unbedingt als freundschaftlich bezeichnen und die USA würde ich jetzt auch nicht als angenehmen Feind definieren (darüber könnten einige Despoten und Terroristen, Familien von Terroristen und Leuten, die vielleicht an einem Platz waren, wo vielleicht öfter mal jemand ist, der wie Terroristen heißt und ihre Familien, Auskunft geben, aber dummerweise sind diese Leute tot), aber Herzinger hat natürlich recht: Es wird sich vermutlich kein Mitarbeiter der US-Botschaft in ein Auto setzen und zur nordkoreanischen Botschaft fahren, um sie in die Stratosphäre zu bomben. Das ist (zum Glück!) nicht der Stil der USA. Nungut, aber vielleicht waren mit diesen Feinde auch garnicht andere Staaten gemeint, sondern irgendwelche Hippiespinner, die von Pazifismus beseelt oder vom Horrorstaat schockiert vor der Botschaft auflaufen und da gegen Drohungen demonstrieren, oder gegen Taten und dann zum guten Schluss noch eine Autobombe zünden wollen (auch wenn sich das ein bisschen mit dieser Pazifismussache beißt).

Gut, dass endlich mal jemand die Horizonte der internationalen Empörungsökonomie wieder gerade rückt. Während „Imperialismus“, „Kapitalismus“ oder „Zionismus“ immer wieder in den Blick der Empörungsökonomie rücken, interessiert sich niemand für KZ-Horrorstaaten. Wie auch? Die Verbrechen dort geschehen ja auch im Verborgenen und stellen unsere Vorstellungsvermögen vor extreme Herausforderungen (Herzinger spricht von „sprengen“). Vielleicht sind wir mit unserer Empörung aber mitunter auch Sparsam, weil unser Vorstellungsvermögen zwar gesprengt, das von einigen Journalisten jedoch zu kreativen, dafür jedoch nicht zwangsweise realitätsnahen, Höhenflügen beflügelt wird und weil wir uns im Endeffekt nicht sicher sein können, ob unser Vorstellungsvermögen jetzt aufgrund von realen Geschehnissen oder irgendwelchen Hirngeburten von Journalisten gerade nicht mehr so richtig klarkommt (dabei wäre Herzinger ganz nah an der Quelle solcher kreativen Hirnflüge).

Gut, dass endlich mal jemand darauf hinweist, dass irrlichternde „linke“ und „pazifistische“ Kreise Nordkorea als heroischen Widerständler sehen, der einer imperialistischen Hegemonialmacht und dem „Finanzkapital“ trotzt. Dass diese „linken Kreise“ nicht wesentlich bedeutender sein dürften, als die „rechten“ Kreise, die ein bajuwarisches Königreich wiederaufleben lassen wollen, ist dabei natürlich nur nebensächlich. Es geht ja gegen die Richtigen und ist gut gemeint, da ist der Stil natürlich nur zweitrangig.

Gut, dass sich endlich mal jemand über „die Gleichgültigkeit“ (wessen? Die der Menschheit, der Weltöffentlichkeit oder unsere?) gegenüber Nordkorea, seinen nuklearen Drohungen und seinen Menschenrechtsverletzungen empört. Nungut, die Zahl der UN-Sicherheitsratsresolutionen gegen Nordkorea hält stramm auf die Zweistelligkeit zu; Heute stellte der Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrates seinen jährlichen Bericht zu Nordkorea vor; EU und UN erlassen jährlich Resolutionen zu den Menschenrechtsverstößen gegen Nordkorea; Menschenrechts-NGOs wie Amnesty, Human Rights Watch, oder auch die deutsch IGFM fahren regelmäßig Kampagnen gegen Menschenrechtsverstöße in Nordkorea… Aber vermutlich hat Herzinger ganz was anderes gemeint, oder irgendeine andere Weltöffentlichkeit, die nicht genug empört ist. Vielleicht den Teil der Weltöffentlichkeit der eine Schnittmenge mit linken Pazifistenkreisen bildet, die Nordkorea für seine Widerständigkeit nach wie vor super findet.

Gut, dass es endlich mal einer gut meint. Und Herzinger meint es gut. Sogar richtig gut. So gut, dass ihn Nordkorea und all das, was dort geschieht, eigentlich keinen Deut interessiert. Eigentlich geht es ihm, wie das ja öfter mal in der WELT der Fall ist, nur um den Iran:

Nordkoreas Machthabern noch in den Arm zu fallen, kommen sie auf die Idee, den roten Knopf zu drücken, könnte es bereits zu spät sein. Umso mehr gilt es jetzt für den Westen, die Islamische Republik Iran unter allen Umständen rechtzeitig vom Bau der Bombe abzuhalten.

Oder fällt euch ein, wie man Nordkoreas Machthabern in den Arm fallen könnte, bevor sie auf die Idee kommen, auf den roten Knopf zu drücken? Geht nicht so richtig, oder? Aber der andere Fall, der da erwähnt wird. Also diese ebenfalls apokalyptische Diktatur in der Islamischen Republik Iran. Der kann man noch in den Arm fallen. Das wäre doch eine Idee. Oder meint Herzinger etwas anderes. Also mal so richtig preäventiv in den Arm fallen? Achja. Stimmt ja. Herzinger weiß ja bescheid, wer die Guten sind. Die dürfen dann auch mal ein bisschen präventiv. Denn könnte ja sein, dass in Pjöngjang doch mal einer auf die Idee mit dem roten Knopf kommt…Oder in Peking…Oder in Moskau…Hoffentlich nicht in Delhi…Oder sollte man denen auch mal in den Arm fallen.

Nungut. Den Rest kann man so sehen, wie Herr Herzinger, wenn man mag. Hätte er sich den einleitenden Stuss über Nordkorea gespart und wäre sofort zum Punkt gekommen: „Irans nukleare Bewaffnung muss verhindert werden, das Nichtverbreitungsregime gestärkt und Nuklearwaffen sind, wenn es sie schon geben muss, am besten in den Händen westlicher Demokratien aufgehoben.“ Hätte er das getan, dann hätte ich gedacht: „Das Ganze ist zwar nicht besonders kreativ, aber wenn man mag, dann kann man es so sehen.“ Aber so wie Herr Herzinger die Sache angegangen ist, hat er einzig den Beleg für das gute alte geflügelte Wort geliefert, nach dem das Gegenteil von „Gut“ „gut gemeint“ ist.

„Ist das Kunst oder kann das Weg?“ — Die WELT/Welt verstehen mit Dada


Irgendwie habe ich keinen Nerv mehr, jedes Mal, wenn die WELT was furchtbar bescheidenes veröffentlicht, eine, meinen ebenfalls bescheidenen Möglichkeiten entsprechend möglichst spitzzüngige (oder in diesem Fall eher „-fingrige“) Replik zu schreiben. Gut, dass der heutige Artikel zu Nordkorea dem Iran und anderen Apokalypseingenieuren, so bescheiden war, dass alles was man noch dazu schreibt, die innewohnende Bescheidenheit und damit den klaren Blick auf das Werk verstellt.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich inspiriert. Ich weiß nicht, kennt ihr cut-up? Eine gute Methode aus Bescheidenen Texten andere bescheidene Texte zu machen (man zerschnipselt einen Text und setzt ihn mehr oder weniger zufällig wieder zusammen). Ich finde das sehr angemessen, um mich dem Werk Herrn Stürmers zu nähern (der zu meinem Erschrecken nicht der neueste Praktikant der WELT ist, sondern es schon ein gutes Stück weiter gebracht hat in seinem Leben…). Ich will jetzt nicht behaupten, dass die literarische Bearbeitung dem Text mehr Sinn verleiht, aber naja, weniger ist es auch nicht geworden.

Wenn ihr mögt könnt ihr Herrn Stürmers Text auch noch lesen, aber eigentlich reicht mein großes  neusortiertes Zitat aus. Als Begleitmusik kamen mir gerade Fehlfarben in den Sinn…

Discountpreis Gleichmacher in Nordkorea?

Im globalen Waffenbasar bedient  eine Staffel israelischer Jagdbomber

der Iraner Schreckensregiment am Rande des Abgrunds seit einiger Zeit zum Bombenbau

Moskau den Plutonium-Reaktor im nordsyrischen Gebirge entwickeln ganz oder in Teilen

düstere Regime in Nordkorea namentlich Ingenieure der Apokalypse — Zusammenspiel

arabische Staaten Sie dienen der Abschreckung die Bauanweisung gegeben

alle Alarmglocken schrillen — Aus Nordkorea kündigt das Spiel der Erpressung

Irgendjemand muss die Teile geliefert den großen roten Drachen zerschmetterte

Trägerwaffen im Angebot tönte es Zeter und Mordio schnell und unauffällig — Revolution

in den Händen apokalyptischer Stoßtrupps verstärkt der jüngste Test den Griff

der gebrochenen Versprechungen eine Anlage kündigt eine Weltrevolution an

Teilhaber der frustrierenden Gespräche verändert nicht nur alle strategischen Gleichungen

am sechseckigen Tisch den die Syrer aus eigener Kraft Sanktionen im Sicherheitsrat — Schwebezustand

Abteilung für Nukleares der Nordkoreaner nach der Atommacht spüren den Druck, etwas zu tun

Sie ist im Zorn Unwiderlegt aus chinesischer Sicht beobachtet Rakete globaler Reichweite

logische Fortsetzung des Exports nuklearer Expertise einen letzten Sicherheitsabstand mitgemacht

Die Regenten des wiederauferstandenen Reichs der Mitte abenteuerlustig in Gefahr — Schutzgelderpressung

zugegen iranische Fachleute die passende nukleare Ladung so schlecht nicht bisher

solvente Käufer erschütterte nicht nur den Boden jenes Tests Erpressung ist auch die Annahme

Streben nach Status quo Reste der Anlage halben Herzens besenrein machten

kleinen roten Drachen öffentliche Abmahnung für nichts taugte aber ebnet den Weg — Möglichkeiten

Nukleartest von 2009 die chinesische Führung die beste unter allen schlechten zähmen

Gleichmacher unter den Staaten Nuklearmacht nach der ultimativen Waffe

die dortigen Mandarine nicht die Endzeitwaffe zu globale Ordnung zusammenfällt

Die Uhren des Weltuntergangs ticken zur weitreichenden Rakete staatenlose Terrorkartelle — Weltrevolution

P.S. Als ich das Gerücht, das gestern noch nicht in Deutschland angekommen war, auf Facebook kommentiert habe, hab ich zuerst auf der Homepage einer deutschen Tageszeitung nachgeguckt,  ob die es noch nicht aufgeschnappt hat. Ratet welche…

Trash zum Sonntag (III)


Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich dieses Jahr zumindest noch einmal ein bisschen Trash zum Sonntag absondern muss (bzw. darauf hinweisen, denn abgesondert haben ihn ja schon andere). Und da unsere Printmedien sich in den letzten Tagen sosehr ins Zeug gelegt haben, haben sie es sich auch redlich verdient, einmal exklusiv ihre besonderen Verdienste bei der Produktion von Ausschuss anerkannt zu bekommen. Die Schwierigkeit war dabei nicht so sehr Trash zu finden, sondern eine Auswahl zu treffen. Die fiel auf einige Dauergäste in meiner Rubrik „Medienschelte“ und ein Blatt, dass sich schon seit Jahren abrackert, auch mal aufgenommen zu werden, mir bisher aber immer einen Tick zu untrashig war. Apropos „un…“.

BILDs Un(glaublich) kreativer Spitzname

Warum nicht gleich mit unser aller Lieblingsunterhaltungsmedium und seiner neuen publizistischen Linie gegenüber Nordkoreas Diktator beginnen. Von Zeit zu Zeit habe ich mich ja schon an Springers Bestem und seinen Namensentwürfen für Kim Jong Un abgearbeitet. Die entwickelten sich vom wenig kreativen „noch irrer als sein Vater“ vor Amtsantritt über den irgendwie lahmen „Bubidiktator“ zum bisherigen kreativen Höhepunkt springerschen Medienschaffens: „Kim Jong Un(heimlich)“ finde ich schon ziemlich in Ordnung und was vor allem toll daran ist. Die Idee hat potential. So wurde das höchstinspirierende Bild, dass auch mich gestern zu geistigen Tiefflügen animiert hat mit „Kim Jong Un(cool)“ beschrieben. Der Anfang ist also getan und jetzt kann selbst der popeligste Bildvolontär lustige Schöpfungen wie Kim Jong Un(tadelig) /(terirdisch) /(bewaffnet) /(ten ohne) /(zerstörbar) /(tergeganen) /(derberg) /(endlich viele Optionen lustiger Namenszusätze eben) in die Welt blasen. Astreine Sache! Das Ding ist ein Selbstläufer und echter Schrott, dafür vielen Dank an die BILD. Ansonsten muss man nicht viel über den Artikel  sagen. BILD eben. Da wird an der antiquierte Inneneinrichtung nordkoreanischer Satellitenkontrollzentren genauso herumgenörgelt wie an ihrer mangelhaften technologischen Ausstattung:

Und ein Satelliten-Kontrollzentrum stellt man sich auch irgendwie technologisch besser ausgerüstet vor. Nur wenige Computer sind zu sehen.

So ein Ärger! Eigentlich schon bedenklich, wenn man überlegt, dass in einer durchschnittlichen Springer-Redaktion vermutlich viermal soviele Computer rumstehen. Hoffentlich kommt der Autor jetzt nicht auf die Idee selbst einen Satelliten ins All zu schicken. Scheint ja technologisch ziemlich anspruchslos zu sein. Mit den paar blöden Computern…

Die Schäbigkeit der Interpretation

Auch unser zweiter Aspirant ist in die Bildinterpretation eingestiegen. Und das ist er ziemlich ernsthaft angegangen. Anders als die Springerkollegen hat der Autor von Spiegel Online sich derart in die (Un)tiefen des Bildes verstrickt, dass er sogar (Un)geheuerlichkeiten aufdeckte, die ohne sein Zutun vermutlich vollkommen (un)bemerkt und (un)beschrieben geblieben werden (ich (un)terlasse das jetzt mal, da wird man ja wahnsinnig mit der ganzen Unnerei hier). Dazu bemüht der Autor sogar einigen theoretischen Unterbau, aber die Frage die sich mir stellt. Gibt das Bild das überhaupt her. Ich meine nein. Die kulturhistorischen Überlegungen zur Repräsentation von Operettendiktatoren im Bild finde ich zwar durchaus lesenswert, aber zu schreiben, Kim Jong Un wäre auf dem Bild dargestellt/inszeniert „wie ein schäbiger Gangster“ finde ich dann doch etwas weit gesprungen. Erstens sind Fotos wie die samt seltsam anmutenden Klamotten, Desinteresse im Blick und leerem Aschenbecher vor sich bereits von seinem Vater in großer Zahl überliefert, zweitens hatte ich bei diesem Bild eine Menge Assoziationen, aber einen schäbigen Gangster stelle ich mir anders vor. Vor allem aber sind die Schlüsse, die der Autor aufgrund seiner Überinterpretation zog finde ich daher mehr als schwierig:

Das Agenturfoto des nordkoreanischen Diktators lässt nur zwei Interpretationen zu: Entweder Kim Jong Un ist entmachtet, eine Witzfigur mit groteskem Irokesenschnitt, vorgeführt von den nordkoreanischen Militärs.

Oder es handelt sich bei ihm um einen visionären Strategen: Der Mann, der die überkommene Optik der Operettendiktaturen des 20. Jahrhunderts überwindet.

Ich verstehe natürlich, der Autor kommt eher aus der Kulturecke und macht deshalb das, was er gut kann: Bilder beschreiben und interpretieren. Aber erstens geht es hier nicht um Kultur sondern um Politik und in der politischen Sphäre stehen Bilder anders als im Bereich der Kunst nicht für sich selbst, sondern sind (nur) im Kontext zu verstehen und deshalb genügen zweitens Bilder nie, um mit ihnen die Realität zu erklären. Da hätte der Autor sich mal bei den Geheimdienstlern und Beobachtern die mit der Satellitenaufklärung Nordkoreas befasst waren informieren können. Die hätten ihm ein Liedchen davon singen können, dass die Bilder die man so sieht eben manchmal nur das zeigen was sie zeigen sollen und dass man vor lauter Bilderinterpretiererei schonmal einen Raketenstart übersehen kann…

Neues vom Godfather of Bildinterpretierei – oder auch nicht

Ach und wenn wir schon bei Bilderinterpretiererei sind, dann liegt es ja extrem nahe, dass wir uns zum Abschluss auch nochmal mit dem Godfather of Bilderinterpretieren himself beschäftigen. Der Mann, der allein an der Farbe eines Daches erkennt, was darunter vorgeht. Der Mann, der sich besser mit den Besitzverhältnisse nordkoreanischer Villen auskennt als die Nordkoreaner…Oder auch nicht. Leider ist der jüngste Artikel in der WELT nämlich nicht mit einem Namen gekennzeichnet. Aber wer schon einmal das Vergnügen hatte, einen Artikel dieses Autors zu lesen, der weiß was dazugehört und dem fällt auf, dass dieser Artikel genau dem typischen Bauschema folgt. Ein ordentlicher Schuss Kalter Krieg Romantik (hier hervorragend präsent durch die Erinnerung an Erich Honecker), ein gute Portion Gerüchte und Sensationen (Iranische Wissenschaftler wurden eingeflogen, damit der Test hinhaut — vielleicht wurden sie eingeflogen und vielleicht aus diesem Grund), eine saftige Prise Faktenwissen (wer die Ereignisse in Nordkorea nicht regelmäßig verfolgt, der kann nicht alle die Detailinfos einbauen die hier einfließen), gewürzt mit einer erstaunlichen Portion von Schlampigkeit bei der Recherche (nein, der Satellit heißt nicht „Kwangmyongsong 2“ (der kreist nämlich laut Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA schon seit 2009 um die Erde). Diese Auskunft hätten übrigens auch die Kollegen von der BILD (oder so ziemlich jeder anderen Zeitung) geben können, die haben das nämlich alle sachlich richtig dargestellt) und teils unverständlichen kausalen Erklärungen.

Nur zögernd und eher leise entschloss Washington sich zu einer Verurteilung des Starts, obwohl der einzige Funktionär, der Kim Jong-un außer dessen Onkel beim Start begleitete, Kims Rüstungschef Pak To-chun war.

Ja und? Und wenn der einzige Funktionär der ihn begleitet hat ein anderer gewesen wäre, oder wenn ihn drei Funktionäre begleitet hätten, wie hätte sich dadurch das erwartbare Verhalten Washingtons wohl verändert? Keine Ahnung! Vielleicht wollte der Autor nur ein bisschen Namedropping betreiben. Ist ja nie schlecht. Was diesen Artikel trotz der zugegeben ordentlichen Faktenkenntnisse (von größeren unerklärlichen Fauxpas mal abgesehen) des Autors zum Trash qualifiziert. Es geht hier nicht um Informationsvermittlung, sondern eigentlich nur darum überlieferte Klischees zu bedienen und zu festigen. Nordkorea, der obskure Staat mit der irren Führung und den bösen Freunden der uns an die guten alten Zeiten des Kalten Krieges erinnert als es noch so schön einfach war die guten von den bösen zu unterscheiden. Das alles ist mehr als bedenklich weil es mit der Realität nicht wirklich was zu tun hat, sonder nur mit einer Hirngeburt eines Chefkommentators.

Bonustrah

Naja, viel schwere (bzw. schwer zu ertragende) Kost so kurz vor Weihnachten und damit ihr nicht schlechtgelaunt den dritten Advent feiern müsst, hab ich noch einen echt trashigen und auf keinen Fall schweren Bonustrash für euch

Bericht des UN-Experten Panels: Deutliche Fingerzeige, dumpfe Sanktionen und nordkoreanisch-syrische Zusammenarbeit


So, habe mir eben mit neuem Haarschnitt den Bericht des UN-Expertenpanels zur Umsetzung der Sanktionen gegen Nordkorea durchgelesen und es war wie jedes Jahr eine durchaus spannende Lektüre. Vieles von dem, das wir da lesen können, haben wir vorher schonmal gehört, aber zu vielen Aspekten die angesprochen werden, werden auch neue Details bekannt.

Es geht nichts verloren

Interessant auch, wie die Mitglieder des Panels einzelne Informationen bewerten. Oft hilft das dem unbeteiligten Beobachter (uns) ein bisschen besser zu verstehen, was jetzt eine vermutlich glaubwürdige Information ist und was mit großer Wahrscheinlichkeit den Hirngespinsten oder Vermutungen einzelner entsprungen sein wird. Ganz witzig finde ich auch, wie das Panel mit der Tatsache umgegangen ist, dass ihr letztjähriger Bericht nicht veröffentlicht werden konnte. Man hat nämlich einfach alle wirklich wichtigen Informationen auch in den diesjährigen Bericht reingeschrieben, so dass nichts verlorenging. Interessant im Zusammenhang mit dem Nichterscheinen des letztjährigen Berichts fand ich übrigens diese Fußnote:

One Panel member, Xiaodong Xue, would like to disassociate himself from the 2011 report, since he did not sign it despite his full participation in the drafting process. The report remains an internal document of the Security Council.

Ein Panel-Mitglied, Xiaodong Xue, möchte sich vom Bericht des Jahres 2011 distanzieren, da er ihn trotz seiner vollständigen Teilnahme an der Erstellung nicht unterschrieben hat. Der Bericht bleibt ein internes Dokument des Sicherheitsrates.

Da wird relativ klar, warum Herr Xue den Bericht nicht unterschrieben hat, nämlich auf Weisung von Oben. Denn warum hätte er sonst permanent mitarbeiten sollen, um dann am Ende seine Stimme zu entziehen. Interessant jedenfalls, dass er in diesem den diesjährigen Bericht dann unterschrieben hat, denn wie gesagt: Alles Wichtige aus dem letzten Jahr steht da drin.

Syrien und Nordkorea da ging so einiges.

Aber das nur am Rande. Im Vorfeld wurde ja schon viel über die Verbindungen zwischen Syrien und Nordkorea geschrieben, die durch den Bericht beleuchtet würden (und ich habe mich dem gleichen Thema ja schonmal von einer anderen Warte aus genähert). Und tatsächlich sind neben ollen Kamellen wie dem Al-Kibar Reaktor (Paragraph 60) auch ein paar Sachen dabei, über die man bisher noch nicht so genau Bescheid wusste. Einmal geht es da um einen Fall aus dem Jahr 2007 als eine Ladung von Raketenteilen aufgebracht wurde. Die kam definitiv aus Nordkorea und wenn man die außerdem in der Ladung enthaltenen „Care-Pakete“ miteinbezieht, dann ist wohl davon auszugehen, dass damals nordkoreanische Entwickler den syrischen Kollegen beim Bau von Scud-Ds halfen (Paragraph 57). Über aktuellere Mutmaßungen über Raketenkooperationen möchte sich das Panel nicht so definitiv äußern, bemerkt aber, dass eine solche Weiterführung des Engagements zum Verhalten Nordkoreas passen würde. Außerdem seien Ähnlichkeiten in den Konstruktionen denkbar (Paragraph 58).

Über die Geschichte mit den Schutzanzügen und Gasmasken, die 2009 irgendwo auf dem Weg nach Syrien abgefangen wurden, konnte man auch schon was lesen, aber nichts genaues wusste man nicht. Insgesamt wurden in einem relativ kurzen Zeitraum Ende 2009 zwei Ladungen mit Chemieschutzausrüstung für Syrien abgefangen. Da aber in einem der Fälle Schutzstiefel fehlten, hält das Panel es für naheliegend, dass zumindest eine Lieferung nach Syrien durchgekommen sei (Paragraphen 65 und 66). Ende 2010 fing Frankreich darüber hinaus eine Ladung von Rohmaterialien ab, deren wahrscheinlichste Verwendung die Produktion von Artilleriemunition und Raketen gewesen sei (Paragraph 67). Da kommt schon einiges zusammen. Allerdings ist auch zu bemerken, dass einige der Geschichten älter sind und dass das nicht unbedingt damit zu tun haben muss, dass diese beiden Länder extrem viel zusammengearbeitet haben, sondern auch damit zusammenhängen kann, dass hier beide Staaten unter scharfer  Beobachtung stehen. Andere Handelspartner Nordkoreas in Afrika stehen beispielsweise weniger im Fokus der Weltöffentlichkeit (z.B. Kongo-Brazzaville, über dessen rege (Waffen-)Handelsbeziehungen zu Pjöngjang Paragraph 71 Auskunft gibt).

Deutschland: Vorbildlich und erfinderisch

Jedoch war natürlich nicht der ganze Bericht nur Syrien. Es gibt auch durchaus andere interessante Aspekte. So tauchte auch in diesem Bericht wieder Deutschland auf. Anders jedoch als im vorvergangenen Jahr, als die Commerzbank Eingang fand, weil einer ihrer Geschäftspartner dem Panel ein bisschen suspekt war, las man dieses Mal nur Gutes. Der Botschafter in Pjöngjang wusste zu berichten, dass die Sanktionen keine negativen Auswirkungen auf den Betrieb der Botschaft hätten (was sein russischer Kollege scheinbar etwas anders sieht (Paragraph 109)). Vor allem aber demonstrierten die deutschen Behörden, wie eifrig sie möglichen Sanktionsverstößen nachspüren. Im Jahr 2009/10 habe man einen potentiellen Verstoß gegen die Sanktionen geprüft, sei aber zum Schluss gekommen, dass die Lieferung von 6 Schiffsdieseln (oder sowas ähnlichem, bin kein Seemann) nicht gegen Sanktionen verstoße (Paragraph 90).

Und sogar die deutschen Medien werden als Hinweisgeber zitiert. Allerdings die, die immer mal wieder durch Hirngespinste und wild zusammenfabulierte Geschichten auffällig werden. Gut daher, dass das Panel die Behauptungen der WELT, die sich auf ungenannte westliche Sicherheitskreise beriefen (macht man ja gerne dort), stark in Zweifel zieht (Das könnte man ja schon fast als redaktionelle Linie sehen, dass man auf Teufel komm Raus eine Achse Teheran-Damaskus-Pjöngjang erfinden will, egal wie abwegig die Geschichten auch sein mögen)  (Paragraph 25 bes. Fußnote 22).

Smarte Sanktionen oder dumpfes Embargo?

Und damit bin ich auch schonwieder bei einem meiner Lieblingsthemen. Nämlich bei der Frage danach, wie Smart die Sanktionen wirklich sind und was alles Luxusgüter sein können. Ich meine, allein die Dual-Use Güter (also Sachen mit mehreren möglichen Verwendungszwecken, von denen einer die Waffenproduktion ist) für die Waffenproduktion bringen für die nordkoreanische Wirtschaft ja schon einige Einschränkungen mit sich, aber da halte ich es ja noch für sinnvoll, die trotzdem zu sanktionieren. Aber zu Sachen, die ich einfach mal als „Dual-Use-Luxusgüter“ bezeichnen möchte, kann man ja irgendwie fast alles zählen. Und das machen einige Staaten auch scheinbar. Während es in Deutschland ja (mit gutem Grund) schon fast ein Menschenrecht ist, einen Computer zu besitzen, zählen für Japan gebrauchte Notebooks zu Luxusgütern. Ebenso Musikinstrumente. In Italien scheinen Kinos als Luxus zu gelten, jedenfalls fing man Gegenstände ab, die zum Bau eines Kinos gedient hätten (Paragraphen 77 und 82). Ich denke da eher an kulturelle Teilhabe oder sowas. Aber gerade der Fall mit den Notebooks wirft die Frage auf: Wird da Regimespitzen ihr dolles Leben vermiest, oder hält man nicht auch irgendwie die Entwicklung eines Landes auf? Und was ist an den Sanktionen denn bitte noch smart, wenn ja eigentlich irgendwie alles zu Luxuszwecken oder als Waffenvorprodukte gebraucht werden kann. Das ist dann doch nur eine pfiffige Umetikettierung des guten alten aber ebenso dumpfen Embargos.

Der Finger zeigt deutlich wie nie auf China

Naja, aber ist es eben auch wieder nicht. Denn Nordkorea steht ja nicht ganz allein, sondern hat einen wohlwollenden großen Bruder an der Nordgrenze. Und auf den wird im aktuellen Bericht recht deutlich mit dem Finger gezeigt: Wenn ich richtig gezählt habe, wird Dalian, die große chinesische Hafenstadt westlich von aber relativ nah an Nordkorea dreimal als Zwischenstation für illegale nordkoreanische Fracht genannt. In dem Teil, der sich mit den Arten des Transports beschäftigt (Paragraph 95), kann man lesen, dass Nordkorea sich der Tatsache bewusst ist, dass die eigene Schiffsflotte unter scharfer Beobachtung steht. Daher versuche man die Waren in Containern zu verschiffen, die, wenn sie erstmal im internationalen Warenstrom mitschwimmen, kaum mehr auszumachen sind. Daher nutze man große Reedereien zum Verschiffen der Güter (an anderer Stelle wird bezüglich der Schmuggelmethoden der Vergleich zum Vorgehen der organisierten (Drogen-)Kriminalität gezogen (Paragraph 100)).

Because none of the mainstream shipping companies calls at ports of the Democratic People’s Republic of Korea, all containers to or from the country have to be processed through a neighbouring regional trans-shipment hub. Since 2006, the Democratic People’s Republic of Korea has progressively lost access to some of these ports.

Weil aber keine der großen Reedereien Häfen Nordkoreas anläuft, müssen alle Container nach und von Nordkorea durch einen benachbarten regionalen Knoten laufen. Seit 2006 hat Nordkorea mehr und mehr Zugang zu einigen dieser Häfen verloren.

Naja, Dalian scheint jedenfalls nicht dazu zu gehören, so die Implizite Botschaft, die man da rauslesen kann. In keinem der vorherigen Berichte wurde so deutlich gemacht, dass China der Pferdefuß bei den Sanktionen ist. Trotz aller diplomatischer Zurückhaltung bleibt hier eigentlich kein Raum mehr für Interpretationen. Umso erstaunlicher, dass man dieses Jahr der Veröffentlichung des Berichtes wieder zustimmte.

Es gibt noch mehr interessantes, also lest ihr am besten auch noch selbst. Aber ich will euch nicht ermüden und ziehe daher hier einen Strich.

Die WELT ärgert sich über „Rätselhaftigkeit“ Nordkoreas. Ich ärgere mich mit! — oder: Kleines Feedback für großen Blödsinn


[…] es ärgert ihn, wenn ein Land als „rätselhaft“ bezeichnet wird. Auch in Nordkorea leben normale Menschen. Im benachbarten China war der Personenkult bis 1976 nicht weniger groß, und trotzdem haben die Chinesen das Denken nie verlernt, so wenig wie die Menschen in der DDR.

Diese Zeilen konnte man gestern in der „WELT am Sonntag“ lesen und ganz ehrlich: Das klingt doch alles sehr vernünftig und respektabel. Da scheint ein unvoreingenommener Kopf sich jenseits der üblichen Klischees Gedanken zu machen und mal hinter die Kulissen des „rätselhaften“ Nordkorea schauen zu wollen. Das nenne ich doch mal vorbildhaft in der deutschen Medienlandschaft, wo sonst allzu häufig die Wahrheit auf dem Altar der schnellen und spektakulären (und damit den gängige Marktkriterien folgenden) Schlagzeile geopfert wird. Aber klar, dass kann man von einem Mann wie Torsten Krauel, der sich als Chefkommentator der „Welt“-Gruppevorstellt, auch nicht anders erwarten. Man schafft es in einem der renommiertesten Printmedien ja nicht soweit nach oben, indem man jedem billigen Klischee hinterherrennt, jedes Gerücht als Sensation verkauft und jede Halbwahrheit als Faktum ausgibt. Das schafft man doch nicht…oder?

Amnesie, Humor oder Brett vorm Kopf

Hm, hätte Herr Krauel die oben von mir zitierten Zeilen seinem Beitrag vorangestellt und den Text dann veröffentlicht, ohne nochmal drüberzulesen, dann hätte man sagen können, er hat die Erwartungen die er selbst geweckt hat nicht erfüllen können. Dummerweise steht dieser Absatz aber ganz am Ende seines Textes, was eine sinnvolle Folgerung wesentlich erschwert.

Entweder Herr Krauel litt unter temporärer Amnesie und hat schlicht vergessen, was er da vorher verzapft hat oder ist ein Mann mit sehr viel (und sehr bösem Humor) der sich gern mal selbst auf die Schippe nimmt um die Leser ein bisschen zu irritieren oder — und das ist die, für die deutsche Medienlandschaft bei weitem unerfreulichste Erklärung — das Brett vor seinem Kopf ist so dick, dass er wirklich glaubt, der erste Teil seines Textes würde mit seinem abschließenden Kommentar über seine Motivation übereinstimmen und nicht wie eine grandiose satirische Überspitzung wirken.

Wenn man sonst nichts zu tun hat…

So jetzt aber genug der einleitenden Worte und zurück zum Text:

Donnerstagabend verbrachte ich mit nordkoreanischem Fernsehen. Es gibt im Internet eine Mediathek des Senders Pjöngjang. Man lernt etwas dabei. Zum Beispiel, dass die Trauerprozession für den Staatschef Kim Jong-il im Südwesten der Hauptstadt außer Kontrolle geriet. Trauernde schnitten den Sargwagen von der nachfolgenden Kolonne der Funktionärsautos ab. […] Man erinnert sich, wie 1989 eine Massenversammlung Ceausescus urplötzlich in die rumänische Revolte umschlug.

Naja, scheint ja doch kein so fordernder Job zu sein, Chef Kommentator bei der Weltgruppe zu sein. Oder gibt es eine andere Erklärung warum man in dieser Position einen Donnerstagabend mit nordkoreanischem Fernsehen verbringt (über das Sozialleben des Herrn kann und will ich mir kein Urteil erlauben. Aber immer wenn ich drohe dem Drang zu erliegen, mir eine mehrstündige Trauerprozession untermalt von nordkoreanischem Sprachpomp anzugucken, rufe ich Verwandte an, die ich seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen habe oder sowas) aber naja, zum Glück leben wir ja in einem freien Land, wo jeder seinen Neigungen nachgehen kann.

Ein bisschen neidisch bin ich allerdings auf den Herrn Krauel, weil er Zugang zur Mediathek des Senders Pjöngjang hat. Und vor allen Dingen, weil er im Gegensatz zu mir den Sender Pjöngjang überhaupt kennt. Sollte er dashier jemals lesen, wäre ich ihm für eine kurze E-Mail mit Link sehr dankbar (und würde alles, was ich bisher geschrieben habe und noch schreiben will, nochmal überdenken).

Naja, aber klingt jedenfalls ganz gut. So nach Kaltem Krieg und Kommunisten, die uns mit ihrer Propaganda verseuchen wollen. Zum Glück schützt der Autor uns davor, indem er die Adresse der Mediathek für sich behält. Aber wartet mal. Mediathek? Die müsste man doch wirklich kennen! Nachtrag: Müllersmichi hat in einem Kommentar auf einen Link hingewiesen, den es in dem Artikel gibt (ob schon immer, das weiß ich nicht genau). Der führt zur Mediathek des „Senders Pjöngjang“. Wer gut chinesisch japanisch (Mein Fehler! Danke amey für die Berichtigung) kann findet sich da zurecht. Vielleicht meint er KCNA? Aber da gibt es keinen Film, der eine außer Kontrolle geratende Masse zeigt… Hm, irgendwo habe ich doch schonmal… Achja:

Für die einen ist es Youtube, für die anderen die wahrscheinlich größte Mediathek der Welt… Hier kann man ungefähr ab Minute 49:30 die Szene sehen, auf die Herr Krauel verweist. Dazu, ob es sich hier tatsächlich um einen Kontrollverlust oder um eine gut organisierte Choreographie gehandelt hat, will ich mich nicht äußern, das kann jeder für sich selbst bewerten. Ob ein Volksaufstand, wie in Rumänien am 21. Dezember 1989, zu diesem Zeitpunkt eine Option gewesen wäre, auch darüber lässt sich streiten. Aber das Szenario, das hier angedeutet wird ist nicht unmöglich, auch wenn es mir vorkommt, als sei Ceaușescu nur hinzugezogen worden, um die Erinnerung an die guten alten Zeiten zu wecken, als noch klar war, wer Freund und wer Feind war und als sich unsere Ordnung endlich zu ihrem unaufhaltsamen Siegeszug gegen die Gleichmacher und Utopisten aufmachte. Da schaut man sich doch auch gern eine zweistündige Begräbnisprozession an, in deren Verlauf das Pendel der Geschichte fast ein weiteres Mal die Bösen in Form eines Volksaufstands von der Platte gefegt hätte…

Wer mag kann es Herrn Krauel gleichtun und sich das anschauen. Solltet ihr aber was Besseres zu tun haben: Ich versteh das, ich habs mir auch nicht wirklich angeguckt.

Gut, dass wir nicht Kim Jong Un gewählt haben…

Eine andere Sendung zeigt, wie die Armee dem neuen Herrscher Kim Jong-un vorführt, was sie kann: Sie feuert mit Raketenwerfern im scharfen Schuss über eine Hafenstadt hinweg, Salve auf Salve. Man stelle sich vor, die Bundeswehr mache dasselbe für Angela Merkel in Emden.

Na dann bin ich ja froh, dass wir bei den letzten Wahlen nicht Kim Jong Un zum Kanzler gemacht haben. Was der wohl erst machen würde, wenn er merken würde, dass wir keine Wehrpflicht mehr haben und nicht ein Viertel der Bevölkerung direkt oder indirekt zur Bundeswehr gehören. Dann würde er Emden wohl mit eigenen Händen abreißen. Aber lasst euch das auch eine Warnung für 2013 sein. Oder wollt ihr sehen wie Oskar und Gregor Salve auf Salve über Emden hinweggehen lassen. Gut das wir unsere Angela haben…

Luxuswissen

Zwei Marschälle eröffnen das Spektakel in je einem nagelneuen Mercedes der S-Klasse, einem Landaulet-Sondermodell mit verlängertem Radstand und Rollverdeck. Solche Fahrzeuge kosten pro Stück leicht eine Viertelmillion Euro. Die Botschaft der Militärs: Wir haben Geld, UN-Sanktionen kümmern uns nicht, und im Übrigen machen wir, was wir wollen. Ich mache das auch. Ich fliege per Google Earth zu jedem der rund 30 Paläste der Kim-Dynastie.

Naja, bin im Autotuning nicht so fit, aber sowas muss man als Chefkommentator wohl wissen (vielleicht schaut Herr Krauel an anderen Donnerstagabenden ja stundenlang Pimp my Ride auf MTV oder so und kennt sich daher mit SLK-Landaulets und ähnlichem so blendend aus), und wenn er sagt die Kosten soviel, dann stimmt das wohl.

Allerdings dürften die zwei Männer, die in den teuren Kisten standen wohl eher keine Marschälle gewesen sein. Die sind nämlich äußerst selten in Nordkorea (noch seltener als ein Landaulet-Sondermodell mit verlängertem Radstand und Rollverdeck glaube ich sogar), aber das nur nebenbei. Interessanter fände ich wiederum zu wissen, woher Herr Krauel so genau über die Standorte der Kim-Paläste informiert ist. Vielleicht hat er ja bei North Korean Economy Watch nachgeschaut, dessen Autor Google Earth ja nordkoreatechnisch mit einer Unmenge interessanter Daten gefüttert hat. Aber das hätte man dann doch auch sagen können Herr Krauel. Ehre wem Ehre gebühre. Woher allerdings die detaillierten Infos über die Sicherheitsausstattung der Villen und die Renovierungsmaßnahmen dort kommen? Keine Ahnung. Vielleicht sind die in der Mediathek des Senders Pjöngjang dokumentiert?

Blaue, rote, neue… Hauptsache seltene Pilze (oder so ähnlich)

Das Geld kommt aus den Minen für Seltene Erden, die wie Pilze aus dem Boden schießen, mit neuen blauen oder roten Dächern.

Achso! Dass man Minen an neuen blauen oder roten Dächern erkennt und dass Minen für Seltene Erden momentan wie Pilze aus dem Boden schießen war mir bisher noch nicht so zu Bewusstsein gekommen. Aber auch hier scheint Herr Krauel mehr zu wissen als der geneigte Leser. Haben in Deutschland Seltene Erden Minen auch neue blaue oder rote Dächer? Dann sehe ich aus meinem Küchenfenster gerade mindestens vier. Und per Google Earth würde ich bestimmt noch ein paar mehr identifizieren können (ja, ich weiß das Seltene Erden in Deutschland noch seltener sind als in Nordkorea. Aber wieso dann diese ganzen neuen roten oder blauen Dächer, das macht doch garkeinen Sinn…).

Zahlenreiterei

Nordkorea ist ein Land mit inzwischen fast einer Million Handys und ebenso vielen politischen Gefangenen in Bergwerk-Arbeitslagern.

Da scheinen die Nordkoreaner ja wieder ein paar Handys eingesammelt und dafür ein paar Leute eingesperrt zu haben. Das Schicksal der mindestens 150.000 Leute, die wirklich in den Lagern einsitzen wird durch diese Zahlenreiterei natürlich nicht besser, aber eben auch nicht durch kreative Realitätsretusche (oder aber Herrr Krauel weiß auch hier wieder viel mehr).

Der junge Staatschef Kim Jong-un macht im TV aber einen selbstsicheren, manchmal fast sogar geselligen Eindruck. Immerhin war er als Schüler in der Schweiz, und es heißt, er wolle sein Land bis 2019 öffnen und modernisieren.

Auch hier bin ich eindeutig auf der Seite der Unwissenden. Weder hat bisher irgendwer auch nur annähernd einen Beweis vorgelegt, dass Kim Jong Un je in der Schweiz war (wobei man zur Entlastung von Herrn Krauel sagen muss, dass das mittlerweile schon viele als gegebe akzeptiert haben) noch hat mir jemand geflüstert, dass Kim Jong Un sein Land bis 2019 öffnen und modernisieren will. Und warum überhaupt 2019? Weil Nordkorea da 71 wird. Aber naja, mal wieder scheint der Autor da mehr zu wissen.

Wäre nur schön, wenn er ab und zu mal die Quellen seines riesigen Wissensvorsprungs teilen würde, der sich ja nicht nur aus der Mediathek des Senders Pjöngjang speisen kann. Ich hoffe mal, dass er seine Infos nicht von „Geheimdienstkumpel“ Hans Rühle zugesteckt bekommt, der für die WELT ja hin und wieder erstaunliches „rausfindet“, wie zum Beispiel den Quatsch mit dem Atomtest für den Iran. In diesem Fall haben sich die Leute von Sino-NK die Mühe gemacht, den hanebüchenen Unfug zu beleuchten.

Zum runden Ende gehört ein Lob

Naja, aber ich habe irgendwann mal was von konstruktiver Kritik gelernt und dass man ein Feedback positiv beginnen lassen und zuende bringen soll. Daher nun nochmal ein ausgesprochenes Lob an Herrn Krauel! Mit diesem Satz haben Sie etwas sehr wahres geschrieben und ich bin vollkommen und ungeteilt Ihrer Meinung:

Auch in Nordkorea leben normale Menschen. Im benachbarten China war der Personenkult bis 1976 nicht weniger groß, und trotzdem haben die Chinesen das Denken nie verlernt, so wenig wie die Menschen in der DDR.

Wenn sie die geringfügigen Unzulänglichkeiten im Rest Ihres Beitrages noch damit in Einklang bringen könnten, dann könnte Ihr das richtig gut werden. Weiter so!

Ein paar Worte an den Autor

Und nun noch kurz Spaß bei Seite. Ist das wirklich Ihr ernst Herr Krauel? Sie beschweren sich, wenn Nordkorea als „rätselhaft“ bezeichnet wird? Wissen Sie woher das kommt? Ein Land wird vielleicht deshalb als rätselhaft empfunden, weil Medienschaffende ein so unverständliches widersprüchliches und skurriles Bild des Landes erzeugen, dass es einfach nicht real sein kann. Naja und was nicht real sein kann, das wird gemeinhin vielleicht als Rätselhaft empfunden. Vielleicht, Herr Krauel, wäre es ein Ansatz zur Enträtselung, wenn Sie erstmal nur noch Belegtes und Richtiges über das Land schreiben würden. Vielleicht würden sich einige Rätsel dann ganz schnell von allein lösen.

Achja, und da sie sich so über diese Rätselei und Geheimniskrämerei ärgern gibt es von mir ein paar ganz exklusive Infos, wo sie anfangen können, mit diesem Gerede Schluss zu machen. Es scheinen einige Infiltranten bis in Ihre direkte Umgebung gelangt zu sein. Vielleicht lassen Sie die an Ihrem reichhaltigen Wissen teilhabe, über das sie verfügen. Vielleicht ist für die dann auch einiges nicht mehr so „Rätselhaft“ und „Geheimnisvoll„.

Schlussworte

Aber naja, wenn ich ganz ehrlich bin, erwarte ich von der WELT nichts anderes, als das, das sie gestern mal wieder abgeliefert hat. Erstaunt hat mich nur die selbstentblößende Art, mit der das vorgetragen wurde.

Ich habe in der Vergangenheit ja schon hin und wieder auf Springers Blättern rumgehackt. Das hat nichts mit einer besonderen persönlichen Antipathie oder so zu tun, aber zumindest in Bezug auf Nordkorea kriegen es die anderen Printmedien in Deutschland einfach nicht hin, soviel Quark  zu schreiben. Vielleicht findet sich bei Gelegenheit ja mal ein ähnlicher mentaler Schwächeanfall in einem Konkurrenzprodukt…

P.S.

Achso, dass hätte ich ja fast vergessen! Damit ihr nicht glaubt, ich hätte mir den Blödsinn ausgedacht hier der Link zum Nachlesen. Ihr könnt sogar Eure Meinung hinterlassen.

Oh, ich habe gerade in der Überschrift zum Artikel gelesen, dass der mit „Die Leidenschaft unserer Autoren“ beobertitelt ist. Wenn der Autor allerdings Nordkorea mit Leidenschaft, also gern, beobachtet, also quasi Höchstleistungen abruft, will ich nicht wissen, wie er mit Themen umspringt, für die er keine Leidenschaft entwickeln kann…

„Die unheimliche Normalität des Sozialismus“ oder Die unheimliche Dämlichkeit der WELT? Die Übergänge sind fließend…


Kürzlich hat der Fotograf David Guttenfelder, der ja bereits Anfang des Jahres tolle Bilder aus Nordkorea mitgebracht hat, erneut eine sehr schöne Fotostrecke vorgelegt. Wie gesagt, die Fotos sind echt schön und erlauben einen etwas unverstellteren Blick auf das Land. Allerdings ist es ja leidergottes den Mitarbeitern gewisser Printmedien gestattet, die Bilder mit eigenen Unterschriften zu versehen. Und wenn man das gekonnt macht, dann kann man jemandem doch glatt die Freude am schönsten Bild nehmen.

Das hat ein Mitarbeiter der WELT geradezu meisterlich hinbekommen und damit hat sich die WELT auch eine Würdigung meinerseits verdient. Sie hat schon lange ihr Bestes getan, mal hier ein bisschen Raum eingeräumt zu bekommen, denn so platt, meinungsBILDend und uninformiert berichtet auch ansonsten kein Medium in Deutschland, dass den Anspruch einer gewissen Seriosität erhebt, über Nordkorea. Da merkt man eben, wes Geistes Kind die WELT ist und durch welche Schule ihre Mitarbeiter gehen. Naja, worum es eigentlich geht. Ich habe noch selten nie ein so großes Maß an Dämlichkeit in 33 Bildunterschriften gesehen. Eine kleine Auswahl:

Ein Bild, wie es eigentlich überall auf der Welt enstehen [sic!] könnte: Männer fiebern gebannt bei einem Fußballspiel mit.

Doch die Aufnahme ist nicht irgendwo entstanden, sondern im kommunistischen Nordkorea. Dort wird auch das Vergnügen streng bewacht. Regierungssoldaten sichern das Yanggakdo Stadion in der Hauptstadt Pjöngjang ab.

Ach was! Die Nordkoreaner vergnügen sich also… Und ich dachte die wären den ganzen Tag mit dem Bau von Atombomben, dem Menschenverachten oder wahlweise mit hungern und unterdrückt werden beschäftigt. Ich dachte vergnügen würde man sich nur „irgendwo“ anders. Und Stadien werden in diesem verrückten Polizeistaat auch noch abgesichert. Gut das wir sowas nicht brauchen…

Pauli gegen HSV (Foto von airsoenxen)

Pauli gegen HSV. Wer braucht da schon Absicherung? (Foto von airsoenxen)

Randalemeister 2011... (Foto von loop_oh)

Überall ist die Anpassung an einen westlichen Lebensstil offensichtlich. Sogar ein Burger-Restaurant gibt es in Pjöngjang. Auf eine aufwändige Beleuchtung, wie es bei globalen Fast-Food-Ketten üblich ist, scheint man hier jedoch zu verzichten.

Ach. Na wenn der westliche Lebensstil überall offensichtlich nachgeahmt wird, dann hat unser Vorbild wohl bald schon (wieder) über die Roten gesiegt, oder wie?

Selbstgebrautes, einheimisches Bier genießt dieser Mann an der Theke einer Bar. Seht her, scheinen diese Bilder zu sagen, es gibt nichts, auf das man in Nordkorea verzichten müsste.

Ich dachte, die Bilder wurden von einem westlichen Fotografen gemacht, nicht von KCNA. Warum soll das Bild dann sagen: „Seht her, wir haben sogar Bier!“

Und diese Soldatinnen verlassen sowieso nur im Stechschritt ihre Kaserne.

Stechschritt? Weiß der Typ denn garnichts? Eigentlich ist es ja fast ein Wunder bei der nordkoreanischen Vorliebe für diese Form des Paradeschritts, aber diese Mädels paradieren garantiert nicht im Stechschritt…

Auch die Bewegungen Jong-ils auf dem politischen Parkett werden umgehend für Propagandazwecke genutzt. Diese Briefmarke zeigt Nordkoreas starken Mann mit einer Delegation der EU.

„Und hier sitz Jong Il neben Bill. Hinten stehen Joe, Jim und Sam“ (hab ich mal geraten…).

Naja, auch die restlichen Bildunterschriften zeichnen sich wahlweise durch die starke Überzeichnung von Klischees oder eine unglaubliche Unkenntnis der Materie aus. Eigentlich kann man dem WELTklasse Produzenten der Unterschriften ja keinen Vorwurf machen. Mich wundert es vielmehr, dass sich die WELT nicht schämt den Quark zu publizieren. Aber wenn man schon das Geld für die Bildrechte investiert, dann könnte man doch auch jemand Qualifizierten an die Bildunterschriften setzen. Das hier wäre zum Beispiel ein Fortschritt: