Ein Strauß voll Buntes (XI): Chinesische Sanktionsliste, Kubanisches Waffenschiff, Pjöngjanger Metro etc. pp.


Lange keinen bunten Strauß für euch mehr gebunden. Das mag damit zu tun haben, dass ich in den letzten Monaten nicht ganz so gut im Auge hatte, was neues zu Nordkorea geschrieben wurde. Ein Glück, dass ich heute mal wieder schlecht geschlafen habe und euch deshalb nächtens ein schönes Sträußchen binden konnte. Und tatsächlich gibt es ein paar Dinge, auf die ich euch mit Freuden aufmerksam mache.

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen...

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Rüdiger Frank: Deutsche und englische Aufsätze

Anfangen möchte ich mit Rüdiger Frank. Der hat löblicherweise mal zur Abwechslung was auf Deutsch geschrieben, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Für den Asia Policy Brief der Bertelsmann Stiftung hat er in „Zwischen atomarer
Aufrüstung und Wirtschaftspragmatismus: Nordkorea im Wandel?“
die Entwicklung Nordkoreas unter Kim Jong Un zusammengefasst und analysiert. Wie meistens bei Frank bilden wirtschaftliche Aspekte einen großen Teil des Aufsatzes aber auch die Nachfolgemethoden Kim Jong Uns und ideologische Veränderungen werden betrachtet. Abschließend plädiert er, wie immer (und wie immer mit meiner vollen Zustimmung), für einen kooperativeren Umgang mit Nordkorea, der die Kräfte der wirtschaftlichen Freiheit im Land fördert und so Wandel induziert.
Daneben hat er auch mal wieder (leider nur in Englisch) seine neuesten Eindrücke von Besuchen in Nordkorea geschildert und zeichnet weiterhin das  Bild eines Wirtschaftssystems im Wandel. So sieht er beispielsweile mittlerweile neben der anhaltenden Entstehung von Verkaufsständen in Pjöngjang auch Veränderungen in anderen großen Städten des Landes. Unternehmen werben mit Marken für sich, Kreditkarten werden häufiger und neue Produkte werden eingeführt. Laut Frank sieht man eine entstehende Mittelschicht. Wie immer sind die beiden Berichte interessant zu lesen, weil sie mit unmittelbaren Beobachtungen angereichert sind und trotzdem zu theoretisch fundierten Aussagen führen.

Den deutschsprachigen Aufsatz werde ich wie immer zu der Seite Deutschsprachige Quellen und jüngere akademische Literatur hinzufügen.

Chinas Sanktionsliste

Vor einigen Tagen wurde in den Medien viel über die Liste Chinas geschrieben, die die Güter beinhaltet, die wegen der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea nichtmehr dorthin exportiert werden dürfen. Den Sachverhalt fand ich durchaus spannend (eindeutiges Signal an Nordkorea! Politikänderung?) aber erstens hatte ich keine Zeit und zweitens zu wenig Ahnung das zu bewerten. Deshalb finde ich es Prima, dass es vom Nautilus Institute jetzt eine Analyse dazu gibt, die sowohl den Inhalt der Liste, als auch die Tatsache, dass diese Liste erstellt wurde (und wie, denn das muss auf oberster politischer Ebene passiert sein) bewertet. Das ist prima, denn die Leute von Nautilus haben Ahnung. Also lest hier nach, wenn euch der Sachverhalt interessiert oder ihr euch die komplette Liste mal anschauen wollt.

Das Waffenschiff aus Kuba. Ein paar neue Infos

Ein weiteres Thema, das wirklich spannend ist, ist die Geschichte um das nordkoreanische Schiff, das mit kubanischen Waffen an Bord im Panamakanal aufgebracht worden ist. Dazu gab es vor ein paar Tagen ein Hearing vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es waren drei Sprecher geladen. Davon hat einer ein sehr spannendes Statement abgegeben und zwei, naja, solala. Solala war einerseits Mary Beth Nikitin, die sich zwar mit der Materie Nordkorea und Proliferation prima auskennt, die aber irgendwie nicht viel zu sagen hatte. Andererseits fand ich auch Maria C. Werlaus Stellungnahme eher so mittelmäßig. Das mag mit ihrem Hintergrund zusammenhängen, denn die Dame arbeitet für so einen Free-Cuba-Verein und dementsprechend geht es ihr hauptsächlich darum, zu beweisen wie bösartig und was für ein fieser Wolf im Schafspelz Kuba doch ist, um Nordkorea geht es ihr nicht so wirklich.
Wirklich spannend dagegen fand ich die Aussage Hugh Griffiths vom Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Er analysiert er nochmal eingehend die auf dem Schiff gefundenen Güter und kommt zu dem Schluss, dass die Behauptung Kubas, der Kram sei zur Reparatur nach Nordkorea geschickt worden, totaler Nonsens sei. Weiterhin mutmaßt er u.a. auf Basis der Frachtdokumente, dass die Waren unter Anwesenheit einer hochrangigen nordkoreanischen Militärdelegation verschifft worden seien. Ein weiterer Anhaltspukt dafür sei die Anwesenheit des nordkoreanischen Luftwaffenchefs, Ri Pyong-chol, des Hauptaufgabe im Einkaufen von Ersatzteilen zu bestehen scheint. Am spannendsten finde ich aber die Schlussfolgerungen über die nordkoreanisch-kubanische Proliferationsbeziehung. Denn der Modus des Schmuggels lege die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein lange eingeübtes System handle, so Griffith.

Rodmans Nordkorea-trip. Doch nicht nur Boulevard

Eigentlich garnicht spannend fand ich die Reise von Dennis Rodman nach Nordkorea. Dass sich das ein kleines Stück weit geändert hat, dafür hat Daniel Pinkston von der International Crisis Group gesorgt. In seinem Blogbeitrag geht er nämlich darauf ein, dass Rodmans reisen durchaus den Startpunkt für zivilgesellschaftliche Kontakte in Nordkorea bilden könnten und damit langfristig zu einer mentalen Öffnung der Bevölkerung beitragen könnten. Stimmt schon, aber ob man dafür unbedingt so ein TamTam machen muss?

Internetseite zur Metro von Pjöngjang

Nicht eben neu, aber trotzdem spannend finde ich eine Internetseite, die ich irgendwie bisher immer übersehen habe. Kann sein, dass einige von euch sie schon kennen, aber ein paar vielleicht nicht und die finden das möglicherweise spannend. Worum sich die Seite „The Pyongyang Metro“ dreht, das könnt ihr euch wohl selbst denken. Aber die Infos, die der Autor da zusammengetragen hat sind so vielfältig und interessant, dass ich dachte, ich weise mal darauf hin. Immerhin gibt es beispielsweise auch jede Menge schöne Fotos von der Verladung der Berliner U-Bahn-Züge und so.

Den Link zu dieser Seite werde ich wie immer der Seite Links zur Selbstrecherche hinzufügen.

Seminar am 11./12.10

Und zum guten Schluss nochmal der Hinweis auf die Veranstaltung „Die deutsche Wiedervereinigung – ein Modell für Korea?“ in der Point Alpha Stiftung Geisa (nähe Fulda). Das relativ günstige zweitägige Seminar bietet ein paar durchaus interessante Referenten und das Thema finde ich auch höchst spannend. Der Preis ist mit 80 Euro (wenn man übernachtet, sonst 60) im Rahmen. Ich hab mein Anmeldeformular auf jeden Fall am Freitag eingeworfen, vielleicht hat ja auch einer von euch Lust zu kommen.

Ein Strauß voll Buntes (X): Leichtes Sommersträußlein um Langeweile vorzubeugen


Es ist Sommer und heiß, da trifft es sich ja gut, dass ich morgen das Land verlassen werde…
Allerdings nur für eine Woche. Aber wenn ich die Wettermeldungen richtig deute, wird dann wieder alles beim Alten sein: Also eher „Sommer und kühl“.
Naja, dafür ist es da wo ich hinfliege (hm, ist nicht so groß…) ja auch irgendwie eher Sommer und kühl. Aber nun gut. Wir wollen ja nicht klagen. Jedenfalls habe ich es mir ja zur Gewohnheit gemacht, euch, wenn ich mich abmelde (nicht für lange. In einer guten Woche bin ich schon wieder da), ein bisschen Beschäftigung dazulassen. Und weil es Sommer und heiß ist, und ihr bestimmt besseres zu tun habt, als vor dem PC rumzuhängen, wird es auch nicht so viel sein. Ein kleines Sommersträußchen also, bei dem ich darauf geachtet, habe, dass es sehr leicht zu verdauen ist, also nur deutschsprachiges Zeug  heute mal…

Zu den anderen bunten Sträußen hier klicken...

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Gute Analysen von der SWP

Passenderweise hat die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gerade was Gutes produziert, das nicht superviel, aber doch spannend genug ist, um es mal anzugucken. Gleich zwei Papers zur aktuellen Situation auf der Koreanischen  Halbinsel wurden geschrieben und beide möchte ich euch ans Herz legen.
Nadine Godehardt hat sich in „Pekings zweigleisige Politik gegenüber Pjöngjang“ mit Chinas aktueller Nordkorea-Politik, Chinas Interessen gegenüber Nordkorea und der öffentlichen und akademischen Diskussion in China beschäftigt und ist der Frage nachgegangen, ob sich Chinas Politik gegenüber Nordkorea aktuell grundlegend wandelt, oder ob eigentlich alles beim Alten geblieben ist. Sie kommt  letztendlich zu letzterer Erkenntnis, allerdings finde ich, dass man einige ihrer Interpretationen auch anders betrachten kann, bzw. dass sie aufgrund knapper Informationen relativ weit gehen. Trotzdem ein spannendes Paper und eine gute Analyse.
Hans Günther Hilpert und Oliver Meier gehen in ihrem Papier „Kurskorrektur im Umgang mit Nordkoreas Atomprogramm?“ auf die künftige Strategie der westlichen Staaten gegenüber Nordkorea ein. Dabei sehen sie einen Gegensatz zwischen dem Ziel der Denuklearisierung und einem möglichen Erfolg bei Verhandlungen. Gleichzeitig sehen sie aber auch eine konsequente Haltung gegenüber dem Nuklearprogramm als essentiell an, da anderweitig der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen schweren Schaden nähme. Zur Lösung dieses offensichtlichen Dilemmas schlagen sie das vor, was man bei Dilemmata für gewöhnlich immer sucht. Den goldenen Mittelweg, eine pragmatische und trotzdem konsequente Politik. Ich muss sagen, der Artikel gefällt mir sehr gut und ich habe kaum ein Haar in der Suppe gefunden.

Natürlich werden die beiden Berichte auch auf der Seite mit deutschsprachiger Literatur verlinkt.

Der neue Verfassungsschutzbericht

Wer jetzt Gefallen am Lesen deutscher Texte gefunden hat, den interessiert vielleicht auch noch, was der Verfassungsschutz aktuell zu nordkoreanischen Aktivitäten in Deutschland sagt. Letzte Woche wurde nämlich der Verfassungsschutzbericht 2012 veröffentlicht und da gibt es wie gewöhnlich auch ein paar Seiten zu Nordkorea. Wer den Verfassungsschutzbericht 2011 kennt, der wird nicht viel Neues zu Nordkorea finden, aber viellicht haben ja ein paar von euch das noch nicht gelesen. Ansonsten stehen da ja auch sehr viele andere bedenkliche Sachen drin, die man aber gerne auch kritisch hinterfragen kann…

Für Flugzeugnerds und andere Reisefreunde

Wo ich eben schonmal das Thema „fliegen“ hatte, passt es doch ganz gut, dass es auch dazu was gibt. Hatte zwar schonmal einen englischsprachigen Reisebericht über die Flugzeugenthusiastentour verlinkt, aber vielleicht habt ihr ja eher Lust, einen auf Deutsch zu lesen und dazu noch ein bisschen was an Videoschnipseln etc. geliefert zu bekommen. Ich finde der Bericht ist nicht nur für Flugzeugnerds eine spannende Bereicherung.

Fotoalben

Und passend zum Thema Urlaub (und meinem gestrigen Beitrag) gibt es jetzt auch noch ein paar Bilder. Stephanie Kleine-Ahlbrandt, die für die International Crisis Group arbeitet und eine ausgewiesene Ostasien Expertin ist, hat nämlich jede Menge Bilder von ihren Besuchen in Nordkorea online stehen und über die bin ich kürzlich gestolpert. Wer also ein paar nette, aber nicht weltbewegende Fotoalben sehen will, der kann hier und hier gucken.

Bitte um Input: Positionen deutscher Politiker — Wen fragen und was?

Zu guter Letzt habe  ich mir gedacht, wenn das Wetter doch schlecht werden sollte und ihr doch Lust habt vor dem PC rumzuhängen, dann hätte ich eine kleine Frage nach Input für euch. Zu den letzten  Bundestagswahlen hatte ich was über die Positionen deutscher Politiker/Parteien zu Nordkorea geschrieben. Das würde ich dieses Mal auch gerne wieder machen, aber weil es bis dahin ja noch ein bisschen hin ist, kann ich mir dieses Mal etwas mehr Arbeit antun. Ich hatte gedacht, einfach ein paar Leute zu fragen. Dazu gibt es ja zum Beispiel dieses hervorragende Instrument, das ich dazu gerne nutzen würde (einfach weil ich es gut finde).

Die Fragen sind jetzt: Wen frage ich und was frage ich?

Naja und dazu hätte ich gerne Input von euch, wenn ihr mögt. Meine Vorschläge wären z.B. die außenpolitischen Sprecher aller Fraktionen, dann vielleicht noch die oder einige Mitglieder der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe und vielleicht diejenigen, die im letzten Jahr das Land besucht haben. Was meint ihr? Noch wer?

Die zweite Frage ist ein bisschen komplizierter. Da muss man erstmal überlegen, ob man alle das Gleiche fragen will, oder individuell auf die jeweiligen Leute eingeht. Ersteres ist weniger Arbeit und liefert vergleichbare Ergebnisse, letzteres könnte dafür spannendere Antworten bringen. Was meint ihr?
Und wenn man sich für eine Variante entschieden hat, dann muss man noch überlegen, was der konkrete Inhalt der Fragen ist. Ich habe ein paar Ideen, bin aber eigentlich offen. Wenn ihr mögt, könnt ihr eure Vorschläge per Mail oder Kommentar einreichen, ich werde dann sehen, wie ich das weiter diskutieren werde. Wenn ihr nicht mögt: Schade, aber auch kein Beinbruch.

Na gut, ich werde sehen, was in einer Woche so in meinem Postfach und der Kommentarspalte liegt. Bis dahin einen schönen Sommer euch…

Ein Strauß voll Buntes (IX)


Mir sind in den letzten  Tagen irgendwie ein paar Dinge untergekommen, auf die ich euch gerne aufmerksam machen möchte. Ist zwar nicht übermäßig viel, aber reicht für ein kleines aber feines Frühlingssträußchen. Also gibt es heute nochmal seit längerem nochmal einen Strauß voll Buntes.

Blumen

Zu meinen anderen bunten Sträußen kommt ihr mit einem Klick auf das Bild.

Als erstes ist mir ein tolles Angebot aufgefallen, dass leider nur einige Landeszentralen für politische Bildung den Einwohnern ihrer Bundesländer machen. Für Bürger Hamburgs, Brandenburgs und Sachsens gibt es nämlich das Buch „Flucht aus Lager 14“ von Blaine Harden, das als Vorlage zu dem Kinofilm diente, der im vergangenen Jahr hier lief, quasi umsonst. Maximal muss man die Portogebühren bezahlen. Das ist ein Angebot, das man kaum ausschlagen kann, wenn man sich für das Thema auch nur annähernd interessiert. Wer noch etwas mehr zu dem Buch wissen will, kann sich diese Rezension mal anschauen.

Dann bin ich noch über eine ziemlich frische Nordkorea-Bibliografie des GIGA in Hamburg gestoßen, die einen feinen und aktuellen Überblick über die Literatur zum Thema „Nordkorea – Politisches System, Ideologie und die Familie Kim“ bietet, wobei die Auswahl relativ weit gefasst ist. Wer auf der Suche nach aktueller Literatur ist oder einfach nur wissen will, was es so gibt, der sollte sich das mal anschauen.

Wenn man nach alten Bildern aus Nordkorea bzw. mit Nordkoreabezug sucht, dann gibt es in diesen beiden Digitalarchiven einiges zu finden. Das Bundesarchiv hat einige Propagandaposter aus der DDR, auf denen es um Solidarität mit den Koreanern geht (u.a. mit dem Slogan „Korea den Koreanern und Deutschland den Deutschen„), Bildern von Nordkoreanern, die in der DDR forschten oder arbeiteten und auch von  Staatsbesuchen, zum Beispiel dem Kim Il Sungs. Die Deutsche Digitale Bibliothek hat eine große Zahl weiterer Fotos seit 1950. Die zeigen einerseits Kinder, die nach dem Koreakrieg in der DDR aufgenommen wurden, aber auch Fotos aus Nordkorea vor allem aus den frühen 1980er Jahren sind dabei und vor allem die finde ich durchaus spannend.

Zum Schluss noch ein Termin, den ihr euch vormerken könnt, wenn ihr mögt. Am 11. und 12. Oktober diesen Jahres richtet die Hessische Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Point Alpha Stiftung das Seminar „Die Deutsche Wiedervereinigung — Ein Modell für Korea?“ aus. Das Thema klingt nicht uninteressant, aber bis jetzt gibt es auch nicht viel mehr Infos. Aber wenn dort interessante Leute sprechen, dann kann das ne spannende Veranstaltung werden. Ich behalte das im Auge und sage Bescheid, wenn es mehr Informationen dazu gibt.

Ein Strauß voll Buntes (VIII): Bunter Strauß gegen graue Wintertristesse


Eigentlich hatte ich mir ja heute morgen überlegt, was über Kim Jong Uns „Krisentreffen“ mit hochrangigen Funktionären aus den Bereichen Sicherheit und Äußeres (das ich in den Kontext „Droherei“ hätte einordnen können) und/oder über die 4. Parteizellensekretärskonferenz, die mittlerweile ohne spektakuläre Ergebnisse in Pjöngjang zuende gegangen ist (vielleicht wollte Kim Jong Un sich und seine Errungenschaften (Pjöngjang sieht irgendwie modern aus…) der „Basis“ präsentieren?) zu schreiben. Ich habe mich aber dann aus zwei Gründen dagegen entschieden: Einerseits habe ich in der letzten Zeit schon genug in irgendeinder Suppe, die vielleicht Nebel ist, vielleicht sonstwas, gestochert, ohne wirklich was schreiben zu können, andererseits hat meine Liste vorgemerkter Links mittlerweile eine erstaunliche Länge angenommen.

Daher habe ich mich umentschieden. Heute gibt es nochmal einen Strauß voll Buntes. Und weil das Wetter irgendwie trist ist, versuche ich den Strauß umso bunter zu halten…

Die anderen Sträuße, die ich bisher gebunden habe, findet ihr mit einem Klick auf die Blumen. (Foto: Gertrud K. unter CC-Lizenz: Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0))

Naja, ziemlich vielfältig sieht der Strauß jedenfalls aus und genauso breit gefächert werden auch die Inhalte sein, auf die ich heute Hinweisen werde. Es dürfte ungefähr für jeden was dabei sein…

Reisen und Fliegen

Eigentlich finde ich diesen Reisebericht so super, dass er einen eigenen Artikel verdient hätte. Aber da sich das jetzt gerade so anbietet, wird er stattdessen hier mitverwurstet. Der Bericht ist zwar schon ein paar Monate alt, aber ich bin kürzlich erst drüber gestolpert. Der Autor hat an einer Reise für Flugzeugenthusiasten bzw. Plane-watcher teilgenommen und ist daher ziemlich viel durchs Land geflogen. Naja und was ein richtiger Flugzeugfan sein will, der hat natürlich ne gute Kamera bei, mit der er jede Menge Fotos von und aus den Flugzeugen schießt, mit denen er so unterwegs war, aber natürlich nicht ausschließlich. Nichtsdestotrotz ist das was da zusammengekommen ist eine ziemlich schöne Sammlung von Fotos, die man aus dieser Perspektive selten sieht. Ein bisschen Text (englischen) gibt es auch, aber nicht soviel, dass es anstrengend werden würde. Schaut am besten selbst und habt viel Spaß dabei.

Nordkorea durch chinesische Augen

Einen weiteren kleinen Reisebericht, jedoch bei weitem nicht so spektakulär wie der vorige, gibt es hier zu lesen. Das besondere daran. Er ist von einem Chinesen geschrieben, der als Tourist nach Nordkorea einreiste und sich das Land etwas anschaute und dann später ins Englische übersetzt. Vieles von dem was er schreibt deckt sich mit den Wahrnehmungen westlicher Touristen, aber er ist eben Chinese und sieht deshalb einige Dinge eher mit chinesischen Augen. Am nettesten fand ich das Fazit, in dem als herausragend positiv die wesentlich bessere Luftqualität in Pjöngjang gegenüber chinesischen Städten, hervorgehoben wurde. Irgendwo hab ich das schonmal gehört… (Vielleicht sollte sich die nordkoreanische Regierung mal überlegen, ob sie statt einer verschmutzungsträchtigen Modernisierung diese Entwicklungsstufe nicht überspringen und gleich zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise übergehen will. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht…). Wenn euch eine chinesische Sichtweise interessiert, dann lohnt sich ein Blick auf den Bericht durchaus.

Nordkoreas Raketen: Was wir darüber wissen und was wir darüber gerne wissen würden.

Markus Schiller, ein Raketenexperte, der in den vergangenen Jahren schon häufiger mal was zu verschiedenen Aspekten von Nordkoreas Raketenprogramm gesagt hat, hat für die RAND Corporation, einen amerikanischen Think Tank ein sehr interessantes Buch geschrieben, in dem er sich sehr detailliert mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm auseinandersetzt und dem Leser erklärt, was wir wirklich über die verschiedenen Raketen, ihre Eigenschaften und Entwicklung etc. wissen, was wir nur vermuten und was wir gerne wüssten. Ich bin kein Raketenexperte und verlasse mich daher einfach darauf, dass hier nicht irgendeine politische Agenda verfolgt wird. Aber da Herr Schiller einerseits Fachexperte ist und kein „allgemeiner“ Nordkoreaexperte und weil er andererseits deutscher ist, denke ich, dass das Risiko von politischer Einfärbung des Berichts relativ niedrig ist. Also hier gibt es das gesammelte Wissen zu Nordkoreas Raketenprogramm auf relativ aktuellem Stand.

Nordkoreas Raketen: Die Iran-Connection?

Eben sprach ich ja davon, dass Berichte und Informationen, die vor einer politischen Agenda verfasst werden, mitunter problematisch sind. Normalerweise ignoriere ich sowas, aber dashier fand ich so daneben, dass es hier seinen Platz verdient hat und den Strauß um eine seltsame Schattierung ergänzt. Ich weiß nicht was John S. Park geritten hat, als er auf Basis reiner Spekulationen und mit gutem Sinn für Verschwörungstheorien, diesen kleinen Text schrieb, in dem er behauptet, Nordkoreas erfolgreicher Raketenstart gehe direkt auf eine verstärkte Kooperation mit dem Iran auf diesem Feld zurück. Wie gesagt, er hat keinerlei stichhaltige Belege, aber vermutlich passt dieser Schluss gerade zu seinem politischen Zeitgeist und ein bisschen Achsengelaber findet man ja in manchem politischen Lager in den USA immernoch gut. Wohlandenn, lest es oder lasst es, mir gleich.

Retro DPRK

Damit kommen wir wieder zu etwas erfreulicherem. Seit einiger Zeit gibt es das Blog Retro DPRK. Das Ganze ist der gut geölten Werbemaschinerie von Koryo Tours entsprungen, aber deshalb noch lange nicht schlecht. Im Endeffekt macht der Autor der Seite nämlich nichts anderes, als Bilder hochzuladen. Aber nicht Fotos oder so, sondern eingescannte Publikationen wie Werbebroschüren oder Postkarten aus Nordkorea, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, also aus den 70er, 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Große Erkenntnisgewinne gibt das Blog zwar nicht her, dafür macht es aber einfach Spaß, das hin und wieder mal anzuschauen und ein paar alte Bilder zu gucken.

New Focus International

Ich wundere, dass dieses Blog bisher noch nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, denn ich halte es für eine echte Bereicherung und es liefert neue Perspektiven auf Nordkorea, zu denen wir sonst selten Zugang haben. Das Blog wird nämlich von einer Gruppe geflohener Nordkoreaner betrieben. Solche Seiten gibt es zwar einige, allerdings sind die für gewöhnlich nicht in englische Sprach übersetzt und das macht das für mich interessant. Die Blogger veröffentlichen so alle zwei bis drei Tage einen Artikel zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen mit Bezug zu Nordkorea. Ihre Herkunft, Erfahrungen und Kontakte helfen dabei, einen etwas anderen Blickwinkel aufzubauen, als das westliche Beobachterhäufig tun. Allerdings muss man natürlich auch immer mit einer gewissen Vorsicht an die Lektüre gehen, denn dass sie das Regime nicht mögen, haben sie ja bereits durch ihre Flucht bewiesen und daher weiß man nicht, ob in die Inhalte der Seite nicht auch eine besondere Abneigung gegen das Regime ihren Ausdruck findet. Nichtsdestotrotz ist das Blog unbedingt lesenswert.

Verschiedenes (Werbeblock)

Die Meisten von euch werden schon von dem Buch des Schweizer Geschäftsmannes Felix Abt gehört haben. Ich auch. Herr Abt macht gut und erfolgreich Werbung für das Buch (was ich nicht verurteile, denn ich würde es genauso machen) und ich weiß nicht genau, ob ich das unterstützen soll, weil ich es nicht kenne. Aber unbestritten ist, dass er lange Zeit im Land war und dadurch Erfahrungen und Wissen hat sammeln können, die relativ wenige besitzen. Außerdem finde ich Anekdoten immer toll und ich denke mal, dass sich davon die eine oder andere wird finden lassen. Letztendlich überzeugt haben mich die Aussagen einiger Leute, deren Bewertungen ich schätze. Daher gebe ich ins Blaue hinein sowas wie eine halbe Empfehlung ab: Es gibt das Buch und es könnte durchaus sein, dass sich die Lektüre lohnt. Aber ob ihr es kaufen wollt liegt bei euch. Was es umsonst gibt und was auch durchaus schonmal lohnenswert ist, sind die Ergebnisse von Herrn Abts PR-Bemühungen. Auf seiner Facebook-Seite und seinem Twitter-Account gibt es öfter mal interessante Hinweise und Diskussionen.

Achja und wenn ich schonmal auf Twitteraccounts verweise, warum nicht auch mal auf meinen. Ich nutze ihn zwar nicht so rege wie meine Facebookseite, aber habe mir kürzlich mal die Mühe gemacht und einige Listen angelegt, die man ganz gut als Nachrichtenaggregatoren über Nordkorea benutzen kann. Kostet nichts und geht einfach, also schaut euch mal an, ob sie euch vielleicht nützlich sind. Wenn der Account von jemandem oder einer Institution in den Listen fehlt, freue ich mich natürlich auch über Hinweise. Naja, vielleicht bringt‘s dem einen oder anderen ja was.

 

So, das war‘s dann mal für heute. Wie immer schließe ich mit dem Hinweis, dass ich die Blogs in den nächsten Tagen (dieses Mal wirklich, hab es letztes Mal nämlich vergessen, wie ich gerade merke) der entsprechenden Linkliste hinzufügen werde und dass ihr da eine ungleich größere Auswahl von Links zu spannenden Blogs finden könnt.

Ein Strauß voll Buntes VII: Bunte Nordkorea-Blog-Weltreise


Hm, ich war heute im Geschäft, um mir ein paar schöne Blümchen zu organisieren, weil der Herbst jetzt definitiv da ist und die Balkonkästen eines Updates bedürfen. Dabei fiel mir ein, dass auch auf meinem Blog langsam wieder ein buntes Update notwendig wird. In  letzter Zeit bin ich nämlich über mehrere interessante Blogs gestolpert, die ich eurer Aufmerksamkeit nicht vorenthalten möchte.

Die anderen Sträuße, die ich bisher gebunden habe, findet ihr mit einem Klick auf die Blumen.

Von ihrer inhaltlichen Ausrichtung wie ihrer geographischen Herkunft und sogar, was die genutzten Sprachen angeht sind sie dieses Mal sehr divers, so dass ich das Ganze mit Fug und Recht als Strauß voll Buntes verkaufen kann.

Australien

Meiner Aufmerksamkeit allzulange entgangen ist das Blog von Benjamin Habib. Der Australier Lehrt an der La Trobe University in Melbourne und einer seiner Interessenschwerpunkte liegt auf Nordkorea. Daher schreibt er auf dem Blog auch öfter mal was zu  Nordkorea und das auch gelegentlich mit erfrischenden Foki. Darüber hinaus spricht mir das, was er in seinem „about“ über den Hintergrund und die Idee seines Blogs schreibt (Erkenntnisse über die akademische Sphäre hinaus vermitteln und auch mal Ideen und Interessen nachgehen, die nicht im Zentrum ihres akademischen Interesses stehen) so sehr aus der Seele, dass er sich allein dadurch schon einen Link verdient hat. Toll wäre es, wenn man in Deutschland auch irgendwann mal mehr Blogs dieser Art finden würde. Wenigstens werden erste Schritte in diese Richtung gemacht, wie zum Beispiel mit dem Bretterblog, allerdings wird es noch lange dauern, bis sich das zu einem breiten Phänomen entwickelt, wie diese sehr spannende kleine Erhebung des Bretterblogs unter Akademikern erkennen lässt. Ach, ich schweife ab, aber immer nur auf den Teller glotzen wird ja hin und wieder langweilig, vielleicht hat ja der eine oder andere Lust über den Rand zu gucken…

Schweiz

Nicht gerade neu, aber auch nur hin und wieder mit Nordkoreabeiträgen, ist das ISN Blog des International Relations and Security Network der ETH Zürich. Das Blog hat wie der Name International Relations and Security Network schon vermuten lässt, einen sehr breiten, man könnte sagen, „globalen“ Fokus. Allerdings waren in der letzten Zeit öfter mal interessante Artikel zu Nordkorea darunter. Daher hier der Hinweis, dass man so ungefähr einmal im Monat oder alle zwei Monate was interessantes zu Nordkorea findet.

USofA

Nach Australien und der Schweiz, wäre jetzt mal ein Blick über den Atlantik angebracht. Das Blog „For now we see through a mirror, darkly… – An exploration of North Korean and American history, society, and culture“ weckt ja schon mit seinem Titel relativ hohe Erwartungen und bisher kann ich noch nicht so genau sagen, ob es dem Autor gelingen wird, dem nachzukommen. Er ist noch in der Findungsphase seines Blogs und es gibt noch nicht so viele  Beiträge, aber was ich bisher so gesehen habe, ist schonmal einigermaßen vielversprechend. So übersetzt und erklärt der Autor beispielsweise nordkoreanisches Liedgut, ich hoffe, dass der Autor Spaß ab Bloggen findet und das Blog weiterführt.

Finnland

Auch das nächste Blog ist noch ziemlich frisch und wie ich finde vielversprechend. Auch bei Koreanology beschäftigt sich der Autor eher mit kulturell historischen Aspekten beider Koreas. Er lehrt an der Universität von Helsinki koreanische Geschichte und Kultur und scheint auch Filme über Korea zu machen. Bis jetzt sind erst fünf Beiträge erschienen, aber die weisen in so verschiedene und in Blogs bisher wenig beackert Richtungen, dass das Blog eine echte Bereicherung werden könnte.

USA

Hm, und weil ich gerade schon mit dem Thema Film angefangen habe, mache ich wieder einen Satz über den großen Teich und weise euch auf ein Blog hin, von dem ich ehrlich gesagt nicht so genau weiß, was ich davon halten soll. „Land of Kim“ ist eine Art Fundraisingblog, aber mit Mehrwert für den Leser. Die Autoren sind dabei einen Dokumentarfilm über Nordkorea zu drehen und das Blog ist Teil der Kampagne, das notwendige Kleingeld dafür einzusammeln. Im Blog schreibt das Team immer mal wieder was zu Dingen, die ihnen vermutlich im Rahmen der Filmproduktion, zu der ziemlich viele Experteninterviews mit Kennern der Materie gehören, ein- oder aufgefallen ist, nicht ohne auch darauf hinzuweisen, dass noch ein bisschen Geld gebraucht wird. Das ist aber durchaus legitim, denn die Inhalte, die sich zwar häufig, aber nicht immer um Menschenrechte drehen, bieten immer mal wieder interessante neue Ideen.

Frankreich/Polen

Bisher waren wir ja nur geografisch, aber nicht sprachlich international. Das ändert sich jetzt, denn warum soll ich nicht auch mal was für die Frankophonen unter uns verlinken. Nicolas Levi betreibt seit ungefähr einem halben Jahr das Blog Péninsule Coréenne. Er bloggt sehr regelmäßig zu aktuellen politischen Entwicklungen und analysiert und kommentiert diese teils ausführlich (inhaltlich ist sein Blog meinem nicht so unähnlich, aber sein Fokus auf politischem ist vielleicht noch etwas größer). Levi betreibt sowas wie eine Ein-Mann-Beratungs-und-Think-Tank-Firma, klingt alles nicht schlecht. Zugutekommt ihm bei seinen Analysen vermutlich auch, dass er neben der französischen auch die polnische Staatsbürgerschaft hat und scheinbar ganz gute Kontakte in die akademische Sphäre Osteuropas hat (was analytisch andere Impulse bringen kann (zum Beispiel hat er scheinbar ganz gute Informationen zu dem selten diskutierten Thema nordkoreanischer Arbeiter in osteuropäischen Staaten).

Schweden

Naja und wer es sprachlich noch ein bisschen weiter weg als französisch will, der kann sich ja mal am Nordkoreablogg des Svenska Dagbladet versuchen. Ich kann leider kein schwedisch und deshalb auch nicht wirklich was zu dem Blog sagen. Aber wenn ich nicht aus dem Kontext herausgelesen hätte, dass das Blog inhaltlich gut zu sein scheint, dann seit versichert, hätte ich das hier nicht verlinkt. Vielleicht kann ja zufällig einer von euch die Sprache und etwas mehr dazu sagen, ansonsten, naja, eben nicht.

Polen

Naja und wer glaubt, man wäre völlig ahnungslos, wenn es darum geht sich zu erschließen, was so in einem schwedischen  Text steht, der sollte sich mal an polnischen Texten versuchen. Ich tue das hin und wieder trotzdem, denn manchmal hat Northkorea.pl was, mir sonst nicht auffallen würde. Soweit ich das überblicke werden auf der Seite hauptsächlich Neuigkeiten gesammelt. Habe eben mal die Probe aufs Exempel gemacht und — siehe da — direkt eine Neuigkeit gefunden, die mir vorher nicht bekannt war. Hm, einfacher wäre es, wenn ich polnisch spräche, aber vielleicht tut das ja einer von euch.

 

So, das war‘s dann mal für heute. Wie immer schließe ich mit dem Hinweis, dass ich die Blogs in den nächsten Tagen der entsprechenden Linkliste hinzufügen werde und dass ihr da eine ungleich größere Auswahl von Links zu spannenden Blogs finden könnt.

Ein Strauß voll Buntes VI: Ernten wenn es reif ist — Papers zu Nordkorea aus sehr verschiedenen Perspektiven


Wie das im Sommer nun eben mal so ist, blüht und gedeiht momentan alles herrlich bunt und prächtig, dass es eine wahre Freude ist. Das ist nicht nur auf meinem Balkon der Fall, sondern auch bei dem, das ich hier im Blog immer gerne zu einem Strauß voll Buntem zusammenpacke.

So ist das eben im Sommer. Blumen allenthalben…

Eigentlich hatte ich garnicht vorgehabt schon wieder einen solchen Strauß zu binden, aber so ist das eben im Sommer: Man muss ernten, bevor die Feldfrüchte verblüht oder verdorben sind. Naja und mit dem, das ich hier verlinke, ist es eben ganz ähnlich: Wenn das Zeug erstmal über ein halbes Jahr alt ist (und das ist es jetzt zum Teil schon fast), dann ist es nurnoch halb so spannend. Also macht euch bereit, für einen farbenfrohen Sommerblumenstrauß…

Visuelle Repräsentation Nordkoreas: Satellitenbilder

Einsteigen möchte ich mit einem Paper aus Deutschland (mir fällt gerade auf, dass der heutige Strauß ohnehin recht „kontinental“ ist). Das GIGA in Hamburg setzt seine wirklich spannende Forschung zur visuellen Repräsentation Nordkoreas fort. Der Kopf hinter diesem Vorhaben, David Shim, hat vor ein paar Tagen ein gut 17 Textseiten langes (und mal wieder leider nicht in deutscher Sprache vorliegendes) Working Paper mit dem Titel „Seeing from Above: The Geopolitics of Satellite Vision and North Korea“ veröffentlicht.

Das Paper setzt sich aus kritisch politikwissenschaftlicher Perspektive mit der Rolle auseinander, die die visuelle Repräsentation Nordkoreas durch Satellitenbilder in der heutigen Geopolitik spielt und dekonstruiert dabei ein gutes Stück weit das Bild vom objektiven und nicht manipulierbaren Abbild der Realität durch Satellitenbilder. Dazu wirft der Autor zuerst einen kurzen Blick auf Nordkorea, als das schwarze Informationsloch, dass es für ausländische Regierungen häufig darstellt, um dann zum eigentlichen Thema des Aufsatzes, dem Satellitenbild als einer möglichen Lösung für dieses Problem zu kommen.

In der Folge beschreibt er die hohe Autorität, die Satellitenbilder als Erweiterungen des menschlichen Sichtfeldes und als Möglichkeiten des Zugangs zu Gebieten, die eigentlich versperrt sind, bieten. Satellitenbilder sind mehr als nur die bildliche Untermalung von Wissen und Informationen, sie sind selbst Wissen und Informationen und können so zu politischen Schlussfolgerungen führen, aus denen politisches Handeln folgt. Shim beschreibt dann zwei sehr interessante Fälle, in denen sich jedoch zeigt, dass Satellitenbilder keinesfalls rein objektiv sind, sondern erst einen Sinn zugeschrieben bekommen. Und im Laufe dieses Prozesses können die Bilder bestimmten Interessen dienstbar gemacht werden. Erstens zeigen die Bilder nur das, was sie eben zeigen. Hört sich erstmal blöd an, ist aber wichtig, denn diejenigen, die über die Bilder verfügen entscheiden eben auch, welches Bild und welcher Ausschnitt gezeigt wird. Als Beispiel führt er hier das sehr interessante Beispiel der Satellitenbilder von Arbeitslagern in Nordkorea an: Während südkoreanische und US Regierungen schon seit den 1990er Jahren über solche Bilder verfügen, wurden sie von Regierungsseite bisher nie veröffentlicht, sonder nur durch NGOs (z.B. hier). Das wurde damit erklärt, dass man die Fähigkeiten der Aufklärungssatelliten nicht preisgeben wolle. Gleichzeitig wurden jedoch immer wieder Satellitenbilder von Nuklear- und Raketenanlagen veröffentlicht. Das Argument für die Nichtveröffentlichung der Satellitenbilder war also nur vorgeschoben. Shim vermutet, dass sich dies damit erklären ließe, dass Satellitenbilder nur dann wichtig würden, wenn sie Relevanz in aktuellen internationalen Fragestellungen hätten. Da mit Bezug auf Nordkorea aber eine Fixierung auf die Nuklearfrage vorläge, sei es wenig verwunderlich, dass auch nur hier Satellitenbilder veröffentlicht würden. Zweitens ist es für Laien kaum möglich, den Bildern einen Sinn zuzuschreiben, dazu bedarf es erfahrener Experten. Und die können, wie das Beispiel des Auftritts Collin Powells im Vorfeld des Irakkriegs zeigt, im Endeffekt erzählen was sie wollen, Laien können das nicht wiederlegen (ich erinnere mich da auch an irgendeinen Schlaumeier einer großen deutschen Tageszeitung, der einen direkten Zusammenhang zwischen „blauen oder roten Dächern“ und Minen für Seltene Erden herstellte (weiß ich ob das so ist? Nein! Weiß er es? Nein! Ist er Fernaufklärungsexperte? Nein!)).

Darauf hin führt der Autor einen sehr interessanten Exkurs zur wohl berühmtesten Satellitenaufnahmen Nordkoreas, der Koreanischen Halbinsel bei Nacht (jetzt dürfte so ziemlich jeder wissen was gemeint ist). Er beschreibt, wie viel diese Aufnahme interpretiert hat, obwohl ihre eigentlich Aussage ziemlich dürftig ist (viel Licht gegen wenig) und zeigt so, dass gerade das berühmteste Satellitenbild nicht eine objektive Darstellung der Realität ist, sondern eine symbolische Repräsentation. Im abschließenden Kapitel versucht Shim anhand von mehreren Beispielen die These zu untermauern, dass im Fall von Satellitenbildern nicht das Glauben aus dem Sehen folgt, sondern man sieht was man glaubt. Das wohl spektakulärste Beispiel hierfür ist die Kumchangri Geschichte. Damals hatten US-Satelliten umfangreiche Baumaßnahmen in Nordkorea gesichtet und die US-Regierung vermutete in der Folge, dass Nordkorea eine unterirdische Nuklearanlage bauen wolle. Gegen die Lieferung von 600.000 Tonnen (!) Lebensmitteln, ließ die nordkoreanische Führung das Loch inspizieren und es stellte sich in der Folge heraus, dass es sich tatsächlich um ein Loch handelte (nicht mehr, nicht weniger). Später wurde bekannt, dass die nordkoreanische Führung, nachdem ihr bekannt wurde, dass das Loch beobachtet wurde, umfangreiche Baumaßnahmen angeordnet hatte, um daraus Kapital zu schlagen.

Im abschließenden Fazit mahnt der Autor, dass es wichtig sei, Satellitenfotos als Informationsquellen mit entsprechender Vorsicht gegenüberzustehen. Dem habe ich nur wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass die Lektüre des Artikels eine sehr lohnende Beschäftigung ist und dass ich sie nur wärmsten empfehlen kann.

Outsourcing nach Nordkorea?

Einen interessanten kleinen Artikel habe ich von Paul Tjia gefunden. Er befasst sich auf vier Seiten mit den Möglichkeiten des Outsourcings nach Nordkorea. Das macht er nicht ganz selbstlos, immerhin betreibt der Niederländer eine Consultingagentur, die sich mit dem Outsourcing von IT-Dienstleistungen beschäftigt. Uninteressant ist das Ganze trotzdem nicht, auch wenn der Autor natürlich etwas zu verkaufen hat und daher den Vorteilen einen etwas breiteren Raum gibt als den Risiken. So lernt man die nordkoreanische IT-Landschaft und ihr Portfolio etwas besser kennen und erfährt, dass in diesem Sektor mehr als 10.000 gut ausgebildete Arbeitskräfte teils für weniger als 10 US Dollar die Stunde bereitstehen und das die Gefahr des Job-hoppings wegen der Regulierungen der Regierung nicht so groß ist wie in anderen Ländern. Für alle die das Thema im engeren oder weiteren Sinne interessiert ist der Artikel lesenswert.

Anthropologische Perspektive auf die Nordkoreapolitik der EU

Eduardo Zachary Albrecht hat für das European Institute for Asian Studies den interessanten Artikel „North Korea in the East Asian Puzzle: Anthropological Perspectives for EU Policy Developments“ geschrieben. Ich muss sagen, dass ich den Artikel an sich nicht unbedingt gut finde, dass er aber einige Aspekte beinhaltet, die ich wirklich interessant finde so dass ich das Ganze trotz einiger Aspekte die ich schwierig finde verlinke. Albrecht beschreibt in seinem Artikel kurz und recht gelungen die Migrationsströme Ostasien, auch mit einem kleinen historischen Rückblick, wobei mir gerade der Bevölkerungsaustausch zwischen China und Nordkorea bisher so nicht bewusst war (ich dachte die chinesischen Kämpfer wären nach dem Koreakrieg alle wieder zurückgegangen). Darauf folgen zwei kurze Interviews mit nordkoreanischen Flüchtlinge, die zwar nicht uninteressant sind, die zum Inhalt des Papers aber nichts beitragen. Die hätte er sich sparen können, aber vermutlich wollte er sie irgendwie einarbeiten, wenn er sie schon durchgeführt hatte…

Im eigentlich zentralen Teil des Papers (so wirklich kann ich nicht nachvollziehen, wieso dafür das nötig war, das zuvor kam) folgt der Autor weitgehend der These die durch das Buch „The cleansest Race“ von Brian Myers in den letzten Jahren recht populär geworden ist: Nordkoreas Führung hat Rassismus und Xenophobie kultiviert und zu einem tragenden Bestandteil ihrer Legitimation gemacht. Albrecht folgert daraus, dass ein Ausgleich mit Nordkorea unmöglich sei, da das Regime die Gefahren für die rassische Reinheit, zu denen nicht nur die Amerikaner und Japan, sondern auch Russen und Europäer zählen, brauche um sich zu legitimieren und sich daher nicht nähern könne. Eine Lösung sieht der Autor in China, der einzigen Ausnahme in der nordkoreanischen Xenophobie. Die EU müsse, wenn sie Einfluss auf die nordkoreanische Politik nehmen wolle, den Umweg über China nehmen, indem sie Gemeinsamkeiten mit diesem auskundschaftet und dann die Politik koordiniert.

Interessante Nebenaspekte in diesem Teil betreffen die Analyse des Autors zur aktuellen Nordkoreapolitik der EU. Er sieht hier einen Wandel, weg von einer Agenda der ökonomischen Öffnung hin zu humanitären Fragen. Wahrscheinlich hat er recht. Eine andere interessante Anmerkung betrifft, ist die „schlechte Angewohnheit“ der EU (wie er schön schreibt) hinter den Kulissen andere Ziele zu verfolgen, als sie nach außen verfolgt. Im Fall Nordkorea habe dies dazu geführt (das schreibt er nicht, aber schlechte Angewohnheiten muss man ja erstmal praktizieren, damit sie als solche identifiziert werden können), dass die EU den Status quo aufrecht erhalten habe, indem sie unmöglich zu erfüllende Forderungen an Pjöngjang gerichtet habe. So sei die Öffentlichkeit zuhause zufrieden gewesen (man hat sich ja eingesetzt…) während man selbst sein Ziel erreicht hat (es war alles beim Alten geblieben). Der Autor geht davon aus, dass die EU dieser Angewohnheit nicht mehr folgt, aber irgendwie klingt das eher wie Zweckoptimismus (denn ansonsten wäre es ja eigentlich Quatsch gewesen, das Paper zu schreiben).

Nordkoreanische Perspektive: Vertrauensbildung zwischen den USA und Nordkorea und ein die Möglichkeit einer Wiedervereinigung Koreas als Föderation im Vergleich zur europäischen Integration

Vielleicht werdet ihr euch fragen, wo denn bitte ein nordkoreanischer Standpunkt herkommen soll, wenn nicht von den üblichen Propagandaorganen. Die Antwort ist ganz einfach: Aus Schweden. Das dort ansässige Institute for Security and Development Policy (ISDP) beherbergt nämlich seit einiger Zeit mindestens einmal pro Jahr jeweils zwei nordkoreanische Gastwissenschaftler, die dann jedesmal jeweils ein Paper schreiben. Ich wollte euch schon länger mal darauf aufmerksam machen, hatte es aber zwischenzeitlich vergessen. Ri Hyon-song, der Autor des ersten Papers forscht am Institute for Disarmament and Peace in Pjöngjang. Sein Aufsatz „Confidence Building Between the DPRK and the U.S.: The Foundation for Settling the Korean Issues“ sollte sich dem Namen nach mit Vertrauensbildung zwischen Nordkorea und den USA befassen. Aber eigentlich geht es in weiten Teilen darum, den USA die Schuld für die angespannte Situation auf der Koreanischen Halbinsel und der Nicht-Lösung des Konfliktes dort zuzuschreiben. Eigentlich nur das Kapitel zu den Prinzipien der Vertrauensbildung orientiert sich etwas anders. Dort werden als Prinzipien „Gegenseitiges Vertrauen und Respekt“ (mutual respect and equality) und „gleichzeitges Vorangehen“ (simultaneous action) genannt, auf deren Basis ein Friedensvertrag den Ausgangspunkt für Vertrauen zwischen beiden Staaten legen soll. So weit so wenig neu. Aber eben mal anders präsentiert.

Der zweite Aufsatz von Jong Chol-nam mit dem Titel „Federation: A Comparative Study of European Integration and Korean Reunification“ spielt da schon in einer anderen Liga. Der Autor stellt auf zwanzig Seiten die Geschichte der Europäischen Einigung und das nordkoreanische Modell einer Demokratischen Föderalen Republik Koryo vor, um dann einen Vergleich zwischen beiden zu ziehen. Dabei arbeitet er Parallelen und Unterschiede zwischen den Modellen heraus um im Endeffekt eine Föderation als ideales Modell für Korea darzustellen. Abschließend gibt er einen kleinen Ausblick auf die Effekte, die eine Föderation der Koreanischen Staaten auf die EU hätte. Auch wenn häufiger mal Standpunkte durchscheinen, die von einem Weltbild herrühren, dem der Autor folgen muss (was die Arbeit ein Stückweit normativ macht, nämlich immer da, wo es politisch kritisch wird, also die Interessen Nordkoreas einfließen), wird bei der Lektüre des Aufsatzes doch einiges sehr schnell deutlich: Der Autor kennt sich gut mit der europäischen Geschichte und auch Geistesgeschichte aus und hat sich auch mit politikwissenschaftlichen Theorien beschäftigt. Sein Ansatz ist kreativ und handwerklich gut durchgeführt. Wo er keine nordkoreanischen Propagandalinien vertreten muss, merkt man nicht unbedingt, dass der Autor Nordkoreaner ist, man merkt, dass er Wissenschaftler ist.

Damit hebt sich die zweite erfreulich von der ersten Arbeit ab (ganz ehrlich, den Kram hätte ich nach ein bisschen KCNA Lektüre auch zusammenkloppen können), die nur altbekannt nordkoreanische Positionen wiedergab und eigentlich kaum einen wissenschaftlichen Anspruch hatte. Wenn man sich das so anguckt und dazu weiß, dass nordkoreanische Gastforscher eigentlich nur im Zweierpack zu haben sind (damit sie gegenseitig aufeinander aufpassen können), stellt sich hier fast die Frage, ob das ISDP in diesem Fall nicht einen Gastforscher und einen Aufpasser zu Besuch hatte. Wenn ich mal ein bisschen mehr Zeit hab, lese ich mir auch die älteren Publikationen nordkoreanischer Gastwissenschaftler beim ISDP mal an und gucke, ob die qualitativen Unterschiede da ähnlich eklatant sind. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr das natürlich auch machen. Hier gibt es die Asienpublikationen des Instituts und solche, deren Autoren koreanische Namen haben sind meistens von den Gastwissenschaftlern verfasst (was euch aber nicht davon abhalten soll, auch mal andere anzugucken, da gibt es nämlich viele interessante).

Hm, mir geht langsam die Puste aus, aber ich habe noch ein bisschen was. Werde mal was schneller machen:

Gute Daten, schlechte Daten: Rüdiger Frank zu den nordkoreanischen Budgetzahlen und was man daraus lernen kann

Rüdiger Frank folgt mal wieder seiner wirtschaftswissenschaftlichen Profession und mischt diese mit seinen Nordkoreaerfahrungen um eine kleine Lehrstunde zur Auswertung der offiziellen Erklärung der nordkoreanischen Regierung zum Staatsbudget zu geben. Dabei zeigt er zuerst die Schwächen auf, die die Zahlen externer Quellen so haben (z.B. die Bank of Korea, die ja jedes Jahr mit einer Zahl wie + 0,8 % die Wirtschaftsentwicklung beschreibt) um dann zu zeigen, was man aus dem, was der Premier alljährlich an konkreten Zahlen so rausrückt, rauslesen kann. Dazu benötigt man laut Frank vor allem die folgenden zwei Kunstfertigkeiten: Das Vergleichen und die kreative Interpretation. Er beschreibt recht einleuchtend, dass die Budgetzahlen vermutlich gute Kennzahlen für die Einschätzungen der Führung über die zivile Wirtschaft des Landes sind. Weiterhin macht er auf zwei bemerkenswerte Aspekte Aufmerksam, die das diesjährige Budget enthielten: Eine Transaktionssteuer und Zahlen für einen gross industrial output. Für Details lest ihr am besten selbst, ist alles was kompliziert zu erklären.

Ein deutscher Blickwinkel: Einschätzungen von Johannes Pflug

Ein kleiner Hinweis noch auf ein Redemanuskript des SPD Politikers Johannes Pflug, der in Bochum vor ein paar Monaten einen Vortrag über Nordkorea hielt (habs zwar schon auf der Freien Beitragsseite verlinkt, aber passt zu meinem bunten Strüssche). Innerhalb Nordkoreas existieren verschiedene Strömungen die um die politische Ausrichtung des Landes streiten (Diesen Punkt macht er sehr stark). Pflug gibt darin seine Einschätzung zur aktuellen Situation in Nordkorea ab und analysiert dabei teilweise recht scharf. Interessant auch, dass er immer mal wieder aus dem Nähkästchen plaudert und Aussagen verschiedener Gesprächspartner zitiert.

Besonders interessant fand ich dabei folgende Einschätzung: Nordkorea wird (oder vielmehr wurde) von einem Quartett geführt: Kim Jong Un, Jang Song-thaek, Kim Kyong-hui und Ri Yong-ho. Was mit Ri ist, wissen wir ja (zumindest, dass er nicht mehr zu einem Führungsquartett gehört) das für unterschiedliche Richtungen steht und nicht für eine kooperative Führung sozialisiert ist. Man könnte die Ereignisse um Ris Entlassung damit erklären, man könnte sie aber auch anders erklären.

Ein paar (zwei sind mir aufgefallen) schwer erklärbare inhaltliche Schnitzer gab es im Manuskript, ich glaube einmal war es eine Jahreszahl und einmal hat er Uran und Plutonium verwechselt (ich glaube 1994 war von Urananreicherung noch keine Rede. Aber sowas kommt vielleicht vor, wenn man viel zu tun hat und das Redenschreiben anderen überlässt, die vielleicht nicht so fit in Nuklearfragen sind. Außerdem finde ich es immer ein bisschen schwierig, wenn jemand nicht mal auf die Idee zu kommen scheint (sie jedenfalls nicht äußert), dass seine Gesprächspartner ihm vielleicht genau das erzählen, was er hören will. Das muss nicht so sein, aber mitunter scheinen das nordkoreanische Offizielle ja zu tun.
Und wenn man deren Aussagen dann kritiklos für seine eigene Argumentation übernimmt, dann handelt man ja auch irgendwie fahrlässig. Nichtsdestotrotz ist das durchaus lesenswert.

Die USA und Nordkorea: So einfach ist die Geschichte nicht

Leon V. Sigal beschäftigt sich in „In Deep Denial on North Korea and Prospects for US-North Korea Negotiations“ mit der Nordkoreapolitik der USA in den letzten zehn Jahren und lässt daran fast kein gutes Haar. Dabei nimmt er die Geschichtsinterpretation zweier ehemaliger US-Präsidentenberater für Ostasienfragen (Jeffrey Bader (Obama) und Victor Cha (Bush)) nach fast allen Regeln der Kunst auseinander und zeigt eine andere Lesart der Historie zwischen beiden Staaten auf.

Schade ist dabei nur, dass er überzieht und manche Sacherhalte eindeutig zugunsten Pjöngjangs auslegt (die Hinweise auf die Versenkung der Cheonan gehen garnicht, auch wenn er schreibt, dass Schiffeversenken natürlich kein Weg sei)…
Aber ansonsten, äußerst lesenswert, weil hier einige Zeitgeistthesen hervorragend zerpflückt werden und darauf hingewiesen wird, dass auch die USA einiges dazu beigetragen haben, dass vor allem in den letzten zehn Jahren getroffene Vereinbarungen immer wieder kollidiert sind.

Wer mag kann dann auch noch direkt den Artikel „Kim Jong Un Is No Reformer“ von Victor Cha in der Foreign Policy lesen und sich die Thesen angucken, die Cha (den Sigal ja hart angeht) so vertritt. Allerdings ist dazu zu sagen, dass sich Cha (der sonst besser schreibt) dieses Mal nicht mit Ruhm bekleckert hat (So verstehe ich nicht, warum an einer Stelle der Augenschein total wertlos sein soll (Kim Jong Un ist kein Reformer, weil er eine junge Frau hat, in der Schweiz war (wer weiß es?) und Mickey mag während er an anderer Stelle vollkommen legitim ist (Kim Jong Un sieht aus wie Kim Il Sung, deshalb ist er ein Fan einer Hardcore-Juche-Version). Die einzige Erklärung: Weil es dem Autor in den Kram passte.).

Ein Blick ins Innenleben des nordkoreanischen Sicherheitsapparates

Ken Gause, der sich einen Namen als Analyst der inneren Strukturen des nordkoreanischen Regimes gemacht hat, wirft in „Coercion, Control, Surveillance, and Punishment: An Examination of the North Korean Police State“ einen Blick in die Funktionsweise des nordkoreanischen Sicherheitsapparates. Das immerhin gut 180 Seiten fassende Buch beschreibt dabei umfassend die verschiedenen Sicherheitsapparate und ihren Aufbau, um dann zu beleuchten, welchen Tätigkeiten die Organisationen nachgehen. Daraufhin beleuchtet er die Entwicklung des ganzen Sicherheitsapparates als Beziehungsnetz zwischen diesen verschiedenen Organen und der Führung des Staates. Ich hab das noch nicht gelesen, aber Ken Gause als Autor und ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung sagen mir, dass ich in Zukunft öfter dort reinschauen werde.

Nordkorea und die digitale Welt. Ein Blick von innen.

Vor einiger Zeit wurden unsere Medien ja mal kurz mit Berichten über eine Organisation nordkoreanischer Untergrundreporter geflutet, aber irgendwie gab es aus dieser Quelle nicht wirklich viel Interessantes, außer ein paar Fotos. Jetzt hat Rimjin-gang aber was wirklich Spannendes veröffentlicht, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Die Leute der Gruppe haben nämlich einen dreiteiligen Bericht zur Nutzung digitaler Medien in Nordkorea produziert.
Im ersten Teil geht es um Handys. Dabei wird beschrieben, wie der Prozess verläuft, in dessen Rahmen man in den Besitz eines Handys kommt (es ist etwas komplizierter als hier), welche Regeln es im Zusammenhang mit Handys gibt, welche Dienste und Modelle verfügbar sind und wie die Geräte genutzt werden. Der zweite Teil befasst sich mit Computern und ist ähnlich wie der erste strukturiert und abschließend werden mögliche Auswirkungen dieser neuen Entwicklungen auf die nordkoreanische Gesellschaft diskutiert. Hier gibt es wirklich einiges Neues zu erfahren, also schauts euch an.

So, dass war viel heute, aber wie gesagt, man muss die Ernte dann einfahren wenn sie reif ist. Also viel Spaß mit dem Strauß…

Ein Strauß voll Buntes V: Papers, Zeitschriften, Atlas, APs North Korea Journal — Beschäftigung für die Sommerferien


In letzter Zeit ist mal wieder einiges liegen geblieben bei mir. Nicht, weil  es irgendwie nicht gut wäre, sondern weil ich schlicht nicht hinterher kam, das ganze gute Zeug aufzuarbeiten (vor allem Noland und Haggard waren ziemlich fleißig in den letzten Wochen und hatten einen beachtlichen Ausstoß von drei Papers in zwei Monaten. Junge, Junge!). Damit ich mir nicht irgendwann vorwerfen muss, ich hätte es euch nicht gesagt, habe ich beschlossen, mal wieder einigermaßen kurz und Bündig einen Strauß voll Buntes zu packen. Der ist, wie es sich im Sommer gehört, besonders bunt, so dass für Jede/n was dabei sein sollte. Ich habe es nicht geschafft, alles zu lesen (was entweder an meiner Faulheit oder am Fleiß der Anderen, vermutlich aber einer Kombination aus beidem liegt) was schade ist, weil ich euch nichts empfehle, von dem ich nicht ausgehe, dass es irgendwie interessant ist, aber vielleicht komme ich dann ja irgendwann dazu, wenn ich es brauche.

Haggard und Noland zu wirtschaftlichen Verknüpfungen und Geschlechterrollen

Naja, fangen wir einfach mal mit den Papers von Haggard und Noland an. Im Mai veröffentlichten sie eins, dass die Frage von wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Nordkorea auf Unternehmensebene beleuchtet und damit das Paper, über das ich hier geschrieben habe, vertieften. Wie bei Haggard und Noland so üblich, haben sie sich dem Thema auf Basis einer Befragung von Unternehmen genähert. Zu „Networks, Trust, and Trade: The Microeconomics of China–North Korea Integration“ geht es hier lang.

Eine ziemlich ähnliche Übung, die aber natürlich inhaltlich trotzdem ganz andere Ergebnisse lieferte haben sie auch für südkoreanisch-nordkoreanische wirtschaftliche Verflechtungen auf Unternehmensebene durchgeführt und darüber noch im selben Monat ein Paper rausgehauen. Hier lang zu „The Microeconomics of North–South Korean Cross-Border Integration“.

Und kürzlich haben sie sich dann noch eines ziemlich anderen aber nicht minder spannenden Themas angenommen. Der Veränderung der Geschlechterrollen in Nordkorea, Frauen haben durch ihre Dominanz in den Marktaktivitäten (was vor allem gesetzlichen Regelungen geschuldet ist) eine neue Rolle errungen, stehen aber gleichzeitig einem männlich dominierten Staatswesen gegenüber, dem sie wenig entgegenzusetzen haben. Diese Ergebnisse wurden mit Hilfe der Befragung von Flüchtlingen gewonnen. Ich hab nur den Abstract gelesen, aber das klingt spannend. Zu „Gender in Transition: The Case of North Korea“ kommt ihr hier.

Dossier von interessanten Autoren. Guter Überblick

Daneben gab es im Mai ein ziemlich interessantes Dossier des „American Foreign Policy Council“. Keine Ahnung, ich kenne den Laden nicht, aber ich kenne die Autoren die an dem Dossier mitgeschrieben haben und die lassen vermuten, dass der Verein eher konservativ ausgerichtet ist. Aber nicht schlimm. Einerseits kann man nie genug von Andrei Lankov lesen und andererseits gibt es sehr selten mal was (open Content mäßiges) von Nicholas Eberstadt (was damit zu tun haben könnte, dass er immer nur seine These aus den 1990ern vom (wirtschaftlichen) Kollaps Nordkoreas verteidigen will, was mit der Zeit langweilig wird. Die vier Artikel des Dossiers setzen sich mit Nordkoreas Nuklearprogramm und dem Vorgehen gegenüber diesem (Peter Brookes), der Frage der Stabilität des Systems (Andrei Lankov), der wirtschaftlichen Lage (Nicholas Eberstadt) und dem schwierigen Feld der humanitären Hilfen (James S. Robbins) auseinander. Es gibt nicht großartig was Neues zu lesen, aber jeweils gute Zusammenfassungen zu den Themen, wie sich das für ein Dossier auch gehört. Finden könnt ihr es hier.

Mark Fitzpatrick zur EU-Rolle gegenüber Nordkorea

Ein sehr spannendes Paper, von dem ich mir wünschen würde, dass es auch ein paar deutsche bzw. europäische Entscheidungsträger läsen, hat Mark Fitzpatrick für das EU-Non-Proliferation-Consortium geschrieben, in dem unter anderem die deutsche HSFK und das schwedische Sipri vertreten sind. Darin beschreibt er die Herausforderungen, die von Nordkorea auf dem Feld der Proliferation (also nicht nur der nuklearen) ausgehen um dann die Rolle der EU in diesem Feld bisher (eine Zeit lang war die ja recht aktiv) und eine mögliche Perspektive für die Zukunft zu beschreiben. Das Paper ist sehr geerdet und verlangt von der EU keine grundsätzliche Politikänderung, nur eine etwas aktivere Politik. Als einen zentralen ersten Schritt schlägt Fitzpatrick dabei die wechselseitige Eröffnung von Botschaften in Pjöngjang und Brüssel vor. So könnte die EU unter anderem unabhängig von den USA und Südkorea Informationen gewinnen und in mögliche politische Prozesse aktiver eingreifen. So wie Fitzpatrick es darstellt gab es bisher keine ernsthaften Initiativen, wechselseitig Botschaften zu eröffnen. Das stimmt allerdings so nicht. Wie man hier nachlesen kann, baten die Nordkoreaner darum, genau dies zu tun (jedenfalls eine eigene Botschaft bei der EU zu eröffnen. Das wurde jedoch von der EU blockiert). Daher ist vielleicht die gesamte EU-Politik nicht so positive zu bewerten, wie Fitzpatrick das tut und ein erster Schritt wäre es, sich eine Linie gegenüber Nordkorea zurechtzulegen, die unabhängig von denen der USA und Südkoreas ist. Darin sehe ich nämlich momentan noch das Problem und so kann man auch nicht als ehrlicher Makler agieren, wie Fitzpatrick ganz richtig rät. Zu dem sehr lesenswerten Paper kommt ihr hier.

Wie die NLL entstand. Neues (bzw. Altes) aus den Archiven

Jetzt wird es eher historisch. Vom North Korea International Documentation Project (NKIDP) des Wilson Center gibt es mal wieder ein sehr spannendes Dossier, in dem wie immer beim NKDIP Quellen aus Archiven verschiedener Geheimdienste und anderer Behörden unterschiedlicher Länder ausgewertet wurden und so ein relativ differenziertes und oftmals neues Licht auf historische Momente und Sachverhalte werfen. Dieses Mal geht es um die Entstehung der Northern Limit Line, also der de facto Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea im Gelben Meer, die jedoch vom Norden nicht anerkannt wird und wo es in der Vergangenheit relativ regelmäßig zu Zusammenstöße kam. Zum „NKIDP e-Dossier No. 6: The Origins of the Northern Limit Line Dispute“ kommt ihr, wenn ihr hier klickt.

Zeitschrift: Korean Histories

Und da wir gerade schon historisch unterwegs sind, bleiben wir noch kurz da. In Leiden (NL) veröffentlicht Remco Breuker die peer-reviewte Zeitschrift Korean Histories. Der Titel spricht für sich. Das Feld ist relativ breit und es geht nicht nur um Nordkorea. Aber hin und wieder gibt es auch mal etwas dazu, wie z.B. in der letzten Ausgabe: „North Korean Art Works: Historical Paintings and the Cult of Personality“ von Min-Kyung Yoon. Artikel wie Zeitschrift sind eine schöne Abwechslung, wenn man nicht nur an aktuellen Fragen interessiert ist, sondern auch die historischen Hintergründe erschließen möchte.

Zeitschrift: Asian Literary Review

Ebenfalls gut für eine etwas andere Perspektive ist die Zeitschrift Asia Literary Review. Auch hier gibt es hin und wieder was zu Nordkorea (und Literatur, spannende Kombination über die es selten was gibt). Zwar sind nicht alle Artikel frei zugänglich, aber manche. Derhier zum Beispiel über die Figur Kim Seon-dal die zum Schatz der Koreanischen Volkssagen gehört und vor allem auch in Nordkorea sehr populär ist.

Nordkoreanischer Atlas

Für die eher geographisch interessierten bin ich hier noch über einen eingescannten nordkoreanischen Atlas aus dem Jahr 1997 gestolpert. Leider kann ich nicht so viel damit anfangen, aber vielleicht hilft es euch ja für irgendwas.

Die Früchte ihrer Arbeit: APs North Korea Journal

Zu guter Letzt noch was für Leute, die sich nicht mit ellenlangen Artikeln zu speziellen Themen rumschlagen wollen, sondern mehr Lust auf Presseerzeugnisse haben. Dass die AP ein Büro in Pjöngjang hat wussten wir ja schon alle. Mir war bisher nur leider entgangen, dass es von der AP eine Seite gibt, auf der der gesamte Ausstoß dieses Büros zentral gesammelt wird. Bilder, Artikel und Tweets der Mitarbeiter vor Ort sind im „North Korea Journal“ von AP immer zeitnah zu finden und stellen wohl eines der besten medialen Schaufenster dar, das es von westlichen Medien nach Nordkorea momentan gibt. Irgendwie bricht sich mein PC immer einen ab, wenn ich die Seite aufrufe, aber das Ding ist auch schon ziemlich alt und kaputt (wenn ihr auch so einen PC habt, dann könnten seine Schwierigkeiten von der AP-Seite herrühren).

Die Links werde ich wie immer in die entsprechenden Linkseiten einsortieren. Die Zeitschriften zu den andere Online Zeitschriften und die AP Seite zu den Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Radio, Fernsehen und sonstigen Hilfsmitteln.

Ein Strauß voll Buntes IV: Blog, Bücher, Sammlung und Abwesenheitsnotiz


Nachdem ich ein paar Wochen sehr wenig Zeit hatte, weil ich viel zu tun habe, habe jetzt ich in den nächsten zwei Wochen garkeine Zeit, weil ich garnichts zu tun habe. Ich werde nämlich in Urlaub fahren und mir dabei anschauen, wie es so ist, in geteilten ostasiatischen Staaten. Allerdings im kapitalistisch(er)en Teil, der gleichzeitig eine echte Insel ist (im Gegensatz zu Südkorea als aktuell „virtuelle“ Insel). Seltsames Ziel? Stimmt. Aber nem gewonnenen Gaul schaut man ja nicht so genau auf die Zähne und deshalb nehme ich das mal gerne mit (eigentlich nimmt meine Freundin mich gerne mit, denn sie hat das schließlich gewonnen). Naja, jedenfalls werde ich wohl eher nicht dazu kommen, was zu schreiben. Damit euch nicht ganz so langweilig wird, habe ich euch noch ein paar Sachen zum Lesen zusammengestellt, mit denen ihr im Zweifel die Langeweile vertreiben könnt.

Chris Green: Pyongyang Destination

Als erstes möchte ich euch auf das Blog von Chris Green aufmerksam machen. Wenn ihr gelegentlich mal bei DailyNK reinlest, der Seite von Menschenrechtsaktivisten, die es sich zum Ziel gemacht hat, über Nordkorea zu berichten, dazu häufig auch auf (nicht nachprüfbare) Insiderinformationen zurückgreifet und dabei eine klare politische Agenda verfolgen, deren Ziel letztendlich der Sturz des Regimes in Pjöngjang ist, dem wird der Name vielleicht im Ohr klingen, denn Green ist der englischsprachige Redakteur von DailyNK. Ich muss sagen, dass ich nicht immer alles blendend finde, das Green schreibt, denn manchmal scheint ihm eher die politische Agenda die Feder zu führen als das Ziel, solide Berichterstttung zu machen. Nichtsdestotrotz greift er häufig wichtige Themen auf und hat Zugang zu Informationen, an die nur wenige rankommen. Daher lohnt es sich durchaus, nicht nur bei DailyNK vorbeizuschauen, sondern auch Greens private Meinung auf seinem Blog „Destination Pyongyang“ nachzulesen.

Bücher zur Vertrauensbildung und einer möglichen Wiedervereinigung

Weiterhin möchte ich euch auf zwei Bücher aufmerksam machen. Das erste ist zwar schon etwas älter, aber trotzdem noch aktuell. „Tools for Building Confidence  on the Korean Peninsula“ (herausgegeben vom schwedischen sipri und dem css der eth Zürich) wurde bereits 2007 veröffentlicht, aber da sich seitdem nicht wirklich viel im Bereich der Vertrauensbildung getan hat, ist die Werkzeugkiste, die aus insgesamt 57 konkrete Methoden zur Vertrauensbildung besteht noch weitgehend unangetastet und damit heute och genauso aktuell wie vor gut 4 Jahren. Durchaus interessant mal konkret nachzulesen, was getan werden kann, um die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel zu senken. Relativ frisch aus der Presse ist dagegen „Korean Unification and the Positions and Roles of the Four Neighboring Powers“ (einfach auf den Download Link unten klicken („Eng“)), das das KINU Ende 2011 veröffentlichte. Der Name spricht für sich. In dem Buch geht es um die Position der Nachbarstaaten bei einer eventuellen Koreanischen Wiedervereinigung. Als analytische Folie wird dafür u.a. der Fall der deutschen Wiedervereinigung genommen. Zwar hatten im deutschen Fall die Siegermächte auch faktisches Mitspracherecht, was im Fall der koreanischen Nachbarstaaten anders ist, aber in beiden Fällen spielen die Interessen anderer Mächte eine entscheidende Rolle. Das Buch ist daher nicht nur interessant, um die Interessenlage auf der Koreanischen Halbinsel etwas besser zu verstehen, sondern auch um eine kleine Rückschau auf die deutsche Wiedervereinigung zu werfen. Ich habe beide Bücher nicht komplett gelesen, sondern nur überflogen, aber was ich denke, das sich in beiden Fällen die Lektüre lohnt, wenn ihr euch dafür interessiert.

Quellenarbeit von Sino-NK

Noch ein kleiner Hinweis auf eine Arbeit von Sino-NK (die Seite ist ja ambitioniert gestartet, aber hat bisher alles erfüllt, was versprochen wurde. Ich finde wirklich gut, was Adam und seine Mitstreiter aus dem Boden gestampft haben und hoffe, dass sie die bisherige Qualität aufrechterhalten können). Dort hat man sich ein bisschen in die Quellenarbeit gestürzt und öffentlich gemachte Protokolle und Dokumente westlicher wie „östlicher“ Staaten ausgewertet, um ein Licht auf die chinesische-nordkoreanischen Beziehungen von 1983 bis 1985 zu werfen. Für uns interessant ist auch, dass eins der ausgewerteten Dokumente ein Protokoll einer Konversation zwischen Kim Il Sung und Erich Honecker ist.

Gut für den Überblick: northorea.Collected

Zu guter Letzt möchte ich euch noch auf northkorea.Collected aufmerksam machen. Die Seite trägt die updates von den wichtigsten Nordkorea-blogs zusammen und zeigt an wenn auf Youtube neue Videos von den „üblichen Verdächtigen“ Uploadern zu finden und sammelt die tweets der wichtigsten Nordkorea-Twitterern. Außerdem sind noch einige Zeitungen etc. in der Liste. Die Seite ist echt super, um einen kleinen Überblick über die sozialen Medien etc. zu behalten.

Bis die Tage…

Ok, das wars von meiner Seite vermutlich für die nächsten zwei Wochen. Macht‘s gut, friert nicht ein (wobei das bitterkalte Wetter ja erstmal vorbei ist). Ihr wisst ja, dass ihr jede Menge weiterführende Links auf meiner Linkseite und den Unterseiten davon findet. Und wenn es drängendes zu diskutieren gibt, steht euch dafür bei Bedarf die Freie Beitragsseite zur Verfügung. Bis demnächst…

Ein Strauß voll Buntes III (Multimedial): Satire, Reportage und Zeitschrift


In der vergangenen Ausgabe von Extra 3 (vielleicht nicht der einzigen Satiresendung, aber definitiv eine der allerallerbesten) hat man sich mal wieder Nordkorea gewidmet und etwas genauer, der Nachfolge Kim Jong Uns. Natürlich bietet Nordkorea (und nicht zuletzt Kim Jong Un) eine ziemlich große Zielscheibe (also im Falle Kim Jong Un jetzt nicht nur im wahrsten Sinne) für Satire und daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Macher von Extra 3 nicht zum ersten Mal ihren Spott mit dem Regime und seiner Führung treiben. Für die die teils grandiosen Filmchen noch nicht kennen, habe ich nochmal alles zusammengesucht, was Extra 3 so gemacht hat:

Die armen Mitarbeiter der Botschaft in Berlin haben offensichtlich ganzschön zu leiden unter der subversiven Frechheit der Extra 3 Leute (ist zwar kein exklusiver Nordkoreabeitrag, aber weil ich die Grundidee so supi finde, trotzdem dabei)…

Und zum Abschluss mein definitiver all-time-favorite. Einfach nur gut:

Und weil ich gerade schon so schön dran bin mit Hinweisen, mache ich auch gleich weiter (damit ihr am Wochenende auch was zu gucken habt)…

Interessante Reportage über nordkoreanische Flüchtlinge in Südkorea

Arte hat nämlich momentan ein recht interessantes Projekt laufen, in dessen Rahmen es sich etwas näher mit zwölf Nordkoreanern befasst, die jetzt im Süden leben. Natürlich wird damit die Problematik der nordkoreanischen Flüchtlinge im Süden nicht annähernd hinreichend abgedeckt, aber in den Interviews gibt es doch schöne Einblicke in Innenleben und Motive der Flüchtlinge. Außerdem wird immer noch weiteres Hintergrundmaterial (z.B. in der Episode „Der Filmemacher“ zum nordkoreanischen Film etc.) angeboten. Daneben strahlt Arte heute Abend um 18:20 eine Reportage über die Demilitarisierte Zone (vom Süden aus betrachtet) aus.

Schaut euch die Sachen mal an, da gibt es einiges Interessantes zu finden.

Online Zeitschrift zu Ostasien

Und wer nicht immer nur konsumieren will, sondern auch mal sein eigenes Hirn ein bisschen in Gang bringen möchte, der kann ja was lesen. Zum Beispiel im Journal of East Asian Affairs, das ich erstaunlicherweise bis jetzt immer übersehen habe. Die zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift wird vom Institute for National Security Strategy, einem staatlichen südkoreanischen Think Tank, herausgegeben und befasst sich wie der Name schon sagt mit Themen aus der Region Ostasien. Damit spielt eben auch Nordkorea häufiger eine Rolle und den Schwerpunkt bilden dabei Beiträge aus dem weiteren Themenfeld Sicherheitspolitik (womit man aus südkoreanischer Sicht natürlich ein sehr breites Spektrum an Nordkorea-Themen abdeckt. In der aktuellsten Ausgabe werden bspw. die Beziehungen zwischen Nordkorea und Polen näher beleuchtet. Spannend…). Das Archiv der Zeitschrift reicht zurück bis ins Jahr 2004. Gibt also schon viel Lesestoff…

Wie immer füge ich das Magazin natürlich der Kategorie „Online Zeitschriften“ meiner Linkrubrik hinzu.

Ein Strauß voll Buntes II: Nordkorea-Lesefutter für kalte Herbst- und Wintertage


In meinen Lesezeichen sammeln sich mal wieder mehr und mehr Links zu interessanten Artikeln und Seiten an und ich werde wohl vorerst nicht die Zeit haben, das alles wirklich intensiv durchzulesen und euch dann auch noch vorzustellen. Daher habe ich euch einfach mal wieder eine kleine Leseliste gemacht, in der ihr interessante Publikationen zu verschiedenen Themen finden könnt und mit der ihr euch über die kälter und kürzer werdenden Herbsttage „retten“ könnt, wenn ich euch zu wenig oder über zu uninteressante Themen schreibe.

Wie auf nordkoreanische Provokationen reagieren

Für das Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat sich bis Oktober der südkoreanische General Lee Sung-chool sehr intensiv mit möglichen Reaktionen des US-Südkoreanischen Bündnisses auf künftige militärische Provokationen Nordkoreas befasst. Dabei hat er sich sehr ausgiebig mit den strategischen Rahmenbedingungen in der Region, möglichen Formen militärischer Provokationen und der richtigen Antwort auf diese bzw. der richtigen Vorbereitungen für sie, befasst. Als Ergebnis kam er zu einer langen Reihe von Handlungsempfehlungen, die in ihrer Gesamtheit wohl vorerst nicht umgesetzt werden können. Allerdings kann man manche Entwicklungen in Südkorea (dem Kauf bestimmter Waffensysteme etc.) durchaus vor diesem Hintergrund sehen. Hier gehts zu: „The ROK-U.S. Joint Political and Military Response to North Korean Armed Provocations„.

Nordkoreas Raketenprogramm: Wie darum verhandeln?

Ebenfalls mit einem militärischen Thema befasste sich eine Gruppe vom US-Korea Institute der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) an der Johns Hopkins University um Joel S. Wit, einem Experten für Waffenkontrolle und Abrüstung. Die Gruppe nahm sich mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm eines Themas an, dass erstaunlicherweise kaum im Fokus der Aufmerksamkeit von US-Politikern steht, obwohl Nordkorea ohne dieses Programm wohl nie ein direktes Risiko für die USA darstellen würde. Die Autoren beleuchten den aktuellen Status des Raketenprogramms um dann einen strategischen Verhandlungsansatz für die USA zu entwerfen, der nach Meinung der Autoren auch für Nordkorea das Potential für einen akzeptablen Kompromiss berge. Interessanter Text zu einem unverständlicherweise vernachlässigten Thema: „Missile Negotioations with North Korea: A future strategy

Nordkoreanische B- und C-Waffen: Nichts genaues weiß man nicht

Kürzlich machte auch ein Artikel der japanischen Publikation „The Diplomat“, die sich mit internationalen Beziehungen mit Fokus auf Asien befasst, auf ein vernachlässigtes Thema aufmerksam. Mögliche nordkoreanische Programme für biologische und chemische Waffen. Über dieses Thema wird nicht ohne Grund so wenig geschrieben, denn darüber gibt es noch weniger Informationen als beispielsweise über Nordkoreas Nuklerprogramm und daher lässt sich eigentlich sogar die Existenz solcher Programme zweifelsfrei belegen, zumindest lassen sich aber kaum Aussagen über Ausmaß und Zielrichtung treffen. Daher ist es keine schlechte Sache, wenn sich J. Berkshire Miller Gedanken um den Umgang mit dieser Bedrohung macht. „North Korea’s Other Weapons Threat

Nordkoreanische Agenten in Südkorea

Ebenfalls bei „The Diplomat“ ist ein interessanter Artikel erschienen, der sich mit der Infiltration Südkoreas mit nordkoreanischen Agenten befasst. Dieses Thema war im vergangenen Jahr wiederholt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt, nachdem Mordpläne nordkoreanischer Agenten an Dissidenten und Aktivisten aufgeflogen waren (Es ist ja gerade vor ein paar Tagen wieder ein Versuch eines Agenten aufgedeckt worden, als Flüchtling getarnt in den Süden einzureisen). Eingerahmt wird die Reportage durch die Erzählung über Kim Shin-jo, der 1968 zu der Agententruppe gehörte, die den südkoreanischen Präsidentenpalast angriffen, um den damaligen Präsidenten Park Chung-hee zu töten. Kim war der einzige von 31 Agenten, der lebendig gefasst wurde, wurde 1997 amnestiert und arbeitete dann als evangelischer Pfarrer. (Zur Geschichte des Angriffs auf den Präsidentenpalast und Kim gibts bei ROK-Drop einen interessanten Hintergrundartikel.) „North Korea’s Clumsy Assassins

Baufortschritte des LWR in Yongbyon

Auf 38 North gab es vor ein paar Tagen einen Artikel, der die Fortschritte Nordkoreas beim Bau des Leichtwasserreaktors in Yongbyon anhand von aktuellen Satellitenfotos analysierte. Die Autoren stellten fest, dass große Fortschritte gemacht wurden und dass die äußere Hülle in sechs bis zwölf Monaten (noch 2012) fertig werden könnte. Allerdings würde es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der Reaktor Strom erzeugen würde.“North Korea Makes Significant Progress in Building New Experimental Light Water Reactor (ELWR)

Die Neocons leben: Frieden schaffen mit Waffen (und Regimewechsel)

Ein größeres Fass machte Michael Mazza vom American Enterprise Institute (AEI) auf. Seine Analyse soll der US-Regierung nicht weniger zeigen, als den Weg zum Frieden auf der Koreanischen Halbinsel. Wer weiß, was das AEI für Standpunkte vertritt (kleiner Tipp: Ich glaube George W. Bush hat oft Außenpolitik betrieben, die das AEI so vorgeschlagen haben könnte. Sein ehemalige UN-Botschafter Bolton schreibt regelmäßig für das AEI), der kann sich denken, wie es gelingen soll dort Frieden zu schaffen — nämlich nicht ohne Waffen. Mazza schägt eine Two-Track Strategy vor, bei der kurzfristig für Frieden gesorgt wird, indem auf jede Provokation Pjöngjangs eine entsprechend härtere Vergeltung erfolgt. Langfristig glaubt man beim AEI immernoch an den Regime-Change (der Erfolg dieser Politik spricht ja schließlich für sich (da wundert es auch nicht, das Mazza Maßnahmen mit Vorbild aus den Zeiten des Vietnamkriegs als erfolgversprechend sieht…). Ich denke anders als Mazza, aber es ist j trotzdem anregend und interessant, das Spektrum der Ideen zu überblicken. Und dazu gehören eben auch Vorschläge aus dem sehr konservativen Lager: „Peace through Pressure: Toward a New Allied Strategy for Contending with North Korea

Nicholas Eberstadts konstruktiver Beitrag zur humanitären Debatte: „Intrusive Aid“

Und weil ich gerade schon in der eher konservativen Ecke stehe, passt es auch gut euch auf das hinzuweisen, was Nicholas Eberstadt über humanitäre Hilfen für Nordkorea geschrieben hat. Kurz gesagt erklärt Eberstadt die bisherige humanitäre Hilfe für gescheitert und plädiert für eine vollständige Neuausrichtung der Hilfen nach einem Ansatz, den er mit „intrusive Aid“ bezeichnet. Kurz gesagt möchte er die Rolle des nordkoreanischen Staats bei den Hilfen darauf beschränken, objektive und nachprüfbare Daten über die Umstände im Land zu liefern. Der Rest, also vor allem die Entscheidung, wem geholfen wird und die Hilfen werden dann von den Hilfeleistenden übernommen. Wenn das Regime gegen diesen Ansatz verstoßen würde, würde dies zu einem sofortigen Ende der Hilfen führen. Eberstadts Ansatz hat gegenüber den Ideen vieler seiner Kollegen den Vorzug, dass er nicht pauschal gegen Hilfen plädiert, sondern konstruktive Verbesserungsvorschläge macht und damit einen vernünftigen Beitrag zur Diskussion leistet. Ob das umsetzbar ist, das weiß, wie er selbst sagt niemand. Allerdings wird man es nie erfahren, wenn man es nicht versucht. „We Need Intrusive North Korea Aid

Nordkoreas digitale „Revolution“

Mit einem völlig anderen Thema befasste sich Alexandre Y. Mansourov kürzlich in einem Hintergrundbericht für das Nautilus Institute. Er beschäftigt sich mit dem offensichtlichen Wandel in Nordkorea was IT angeht. Er beschreibt sehr umfassend die Entwicklungen der vergangenen Jahre und analysiert mögliche Gründe und Auswirkungen der veränderten Haltung Pjöngjangs gegenüber den neuen Technologien. Neben der Analyse finde ich auch die umfassende Bestandsaufnahme des aktuellen Status sehr wertvoll. In den Anhängen lässt sich einiges interessantes finden: „North Korea on the Cusp of Digital Transformation

Was Südkoreaner denken

Was ich mich oft frage, ist was eigentlich die südkoreanische Bevölkerung über Nordkorea und über die Politik südkoreanischer Regierungen gegenüber dem Bruderstaat denkt. Vermutlich wird dazu echt viel erhoben, allerdings wird es wohl oft nicht ins Englische übersetzt. Trotzdem gab es in letzter Zeit zwei Beiträge zu dieser Fragestellung. Einmal bloggten Jaesung Ryu und Stephan Haggard zweimal auf Basis südkoreanischer Daten dazu. Zum Anderen gab es ein kleines Paper vom ASAN Institute for Policy Studies, das sich mit ähnlichen Fragen befasste. Eine interessante Erkenntnis beider Studien ist, dass die Beziehungen zu Nordkorea nur von einem sehr geringen Teil der Bevölkerung als wichtigstes Thema der südkoreanischen Politik gesehen werden. Die Werte fielen nach der ASAN Istitute Studie von etwa 32 % im Januar auf knapp 9 % im Oktober: „South Korean Public Opinion on North Korea & the Nations of the Six-Party Talks

Umfassende Infos zu Nordkoreas Wirtschaft: Korea Economic Institute (KEI)

Als letztes ist mir kürzlich aufgefallen, dass ich euch noch nie Explizite auf das Korea Economic Institute (KEI) hingewiesen habe. Warum ich das vergessen habe weiß ich nicht, aber es könnte damit zusammenhängen, dass meine mentale Liste mit Artikeln, die noch zu schreiben sind immer länger wird und ich oft die aufschiebe, die keinen tagesaktuellen Hintergrund haben. Ich weise euch besser jetzt gleich auf das KEI hin, als das nochmal ein paar Jahre aufzuschieben. Das KEI ist eine der besten Quellen für alles, was in näherem oder fernerem Zusammenhang mit Nordkoreas Wirtschaft steht. Es erscheinen jedes Jahr einige neue Artikel zu Nordkorea und die Archive sind gut gefüllt. Wenn ihr euch für Nordkoreas Wirtschaft interessiert, dann schaut euch einfach mal im Archiv um und bookmarkt euch die Seite oder tragt euch im RSS-Feed ein, damit ihr auf dem Laufenden bleibt. Wenn ihr alle interessanten Papers von KEI durchlesen wollt, dann habt ihr jedenfalls einige Zeit zu tun und zwar nicht nur, weil das Archiv irgendwie nicht besonders gut sortiert ist und das Suchwerkzeug nur mittelgut funktioniert (lasst euch davon keinesfalls abhalten, stöbern lohnt!): Korea Economic Institute – Ressources

Viel Spaß beim Lesen

Das war mal wieder einiges, das darauf gewartet, gelesen zu werden und ich denke, es dürfte auch für die Meisten etwas dabei sein. Mal sehen wann sich wieder soviel Lesestoff angesammelt hat, dass ich einen Sammelhinweis verfassen werde. Aber mit alldem solltet ihr ein paar verregnete Herbsttage füllen können…

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