Interessanter Reisebericht: Sophie Schmidt erzählt von der Schmidt/Richardson Reise nach Nordkorea


Mir ist erst kürzlich aufgefallen, dass ich schon ewig keinen Reisebericht mehr verlinkt habe. Das dürfte in erster Linie damit zu tun haben, dass sich diese Berichte im Allgemeinen so ungeheuer ähnlich sind. Diese Ähnlichkeit rührt daher, dass die grundlegenden Erlebnisse aller Touris gleich sind (Handy, Fotos, Guides, etc.) und dass es auch garnicht so einfach ist, Orte zu besuchen die nicht zum Standardprogramm gehören. Da ich euch aber nicht mit immergleichen Berichten langweilen wollte, habe ich beschlossen, nurnoch auf die hinzuweisen, die in irgendeiner Art etwas Besonderes an sich haben.

So einen Bericht gibt es jetzt nochmal. Ihr erinnert euch ja vielleicht an die viel tamtamte Reise von Bill Richardson (ex New Mexiko) und Eric Schmidt (Google) nach Nordkorea, bei der substantiell eigentlich nichts rumkam außer ein bisschen mediales Rampenlicht auf Pjöngjang (sie haben ja noch nichtmal den armen Kenneth Bae befreien können, da muss wohl nochmal sonstwer rüberfliegen) und ein paar schlaue Sprüche von Eric Schmidt (aber wenn man schonmal da ist, dann muss man ja wenigstens ein paar Sprüche reißen..).

Nachdem die Ergebnisse der Visite nicht wirklich greifbar geworden sind, hat jetzt wenigstens Sophie Schmidt, Erics Tochter die ebenfalls zur Reisegruppe gehörte, einen Bericht zu der Reise geschrieben und erzählt uns, wie sie den Besuch erlebt hat. Eigentlich hat sie, denke ich, ziemlich ähnliche Voraussetzungen wie viele Touristen die nach Nordkorea fahren. Sie weiß ein Bisschen was, aber nicht allzuviel über das Land, geht aber ziemlich unvoreingenommen an die Sache. Und weil ihr Besuch doch kein ganz normaler Touribesuch war, hatte sie etwas besseren Zugang als die meisten anderen Besucher im Land. So gibt es relativ wenige Berichte, die erzählen und zeigen, wie es in den Gästehäusern der Regierung aussieht. Die Wenigsten gehen ins Parlamentsgebäude und im Mausoleum, in dem man mittlerweile auch Kim Jong Il angucken kann, waren seit dem Umbau glaub ich auch noch nicht viele. Jedenfalls habe ich noch nirgends sonst gelesen, dass Kim Jong Ils Lieblingscomputer, ein 15 Zoll Macbook Pro da ausgestellt ist.

Naja, der Bericht ist jedenfalls wie ich finde recht charmant geschrieben und wenn man über das gewöhnungsbedürftige Layout mal hinwegsieht (da hat die junge Frau Schmidt nicht unbedingt gute Werbung für die Dienste von Google gemacht) kann man bestimmt das eine oder andere Schmankerl finden. Also viel Spaß beim lesen.

Die anderen Reiseberichte, die ich in der Vergangenheit auf dem Blog verlinkt habe, könnt ihr hier finden.

Nordkorea modernisiert sich! — Zumindest im Netz…


Gestern überraschte mich (und vor mir Bagameri. Vielen Dank für den Hinweis!) die Korean Central News Agency (KCNA) mal wieder mit einer umfassenden Neugestaltung und teilweise inhaltlichen Umstrukturierung ihres Internetauftritts. Damit setzt Pjöngjang sowas wie eine kleine Tradition fort, nach der zum Jahresanfang häufiger mal Neuerungen an den Internetauftritten der Staatsmedien vorgenommen werden. Anfang 2011 ging das Parteiorgan Rodong Sinmun mit ihrer Homepage an den Start und wenig später das Auslandsradio Stimme Koreas. Anfang 2012 beglückte uns die Rodong Sinmun dann mit einem englischsprachigen Auftritt.

Moderne(re) Optik

Der neue Auftritt ist von der Optik her (über vielmehr kann ich eh nicht urteilen, da hoffe ich auf die Computernerds, die sich ja gerne mit technischen Details auseinandersetzen) wesentlich moderner als der alte, was ihn aber noch lange nicht in die Internetmoderne bringt, aber näher ran als zuvor. Hier zum Vegleich die alte und die neu Startseite:

Der alte Auftritt von KCNA sah nicht unbedingt verheerend aus, aber irgendwie nach Marke Eigenbau.

Der alte Auftritt von KCNA sah nicht unbedingt verheerend aus, aber irgendwie nach Marke Eigenbau.

Die neue Startseite erscheint dagegen dirchaus moderner und frischer.

Die neue Startseite erscheint dagegen durchaus moderner und frischer.

Ich will jetzt hier nicht jedes inhaltliches Detail durchkauen, das mir an der neuen Seite aufgefallen ist, aber einiges finde ich dann doch erwähnenswert:

Registrierungsfunktion

Dank Bagameris Selbstversuch weiß ich, dass man sich gefahr- und folgenlos registrieren kann (man kann sich dann einloggen, aber das ändert erstmal nichts am Zugang etc.). Wozu das gut sein soll bleibt erstmal im Dunkeln, aber vielleicht interessiert man sich bei KCNA ja auch dafür, wer die Leser sind. Oder man hat langfristig ein selbsttragendes Finanzierungsmodell im Auge, wer weiß.

Kein Juche Jahr

Auf einen weiteren spannenden Aspekt macht North Korea Tech aufmerksam. Bei den Datumsangaben (in allen Sprachen) fehlt nämlich vollkommen die Juche Zeitrechnung. Stattdessen wird das Datum einzig nach dem weltweit gängigen Kalender angegeben. Zufall ist das jedenfalls nicht, denn im Zentrum der Startseite fliegt momentan auch permanent die 2012 und nicht die 101 ein. Was das zu bedeuten hat? Keine Ahnung. Vielleicht ein einfaches Signal, dass man nach vorne schaut und sich weltoffen geben will. Vielleicht hat es auch eine weitergehende symbolische Bedeutung, zum Beispiel, dass mit Kim Jong Un eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Wer weiß das schon. Ich jedenfalls nicht.

Kim Il Sung und Kim Jong Il verlieren ihre Plätze

Inhaltlich sind mir noch einige weitere Dinge aufgefallen, die etwas bedeuten können, aber nicht müssen. In den Kategorien im Kopf der Seite wurden die Reiter „Life“, „History“ und „Scenic Spots“ ausgemustert. Vor allem fehlen aber die zuvor prominent platzierten „Kim Jong Il’s Activities“, „Kim Jong Il’s Works“, „Kim Il Sung’s Works“ und „Kim Il Sung’s Reminiscences“ jetzt komplett. „Kim Jong Un’s Activities“ hat einen Platz in der Seitenleiste gefunden. Auch die Tatsache, dass Kim Jong Il und Kim Il Sung keine prominenten eigenen Plätze mehr auf der KCNA Homepage haben, könnte man durchaus als eine Hinwendung zur Gegenwart/Zukunft sehen. Als ein bewusstes Signal der Modernisierung. Die berühmte Fettschrift bleibt dagegen allen lebenden und toten Herrschern Nordkoreas erhalten.

Kyodo Banner

Ein anderes Detail, das ich schon immer seltsam fand und für das ich trotz relativ intensiver Recherche keine wirkliche Erklärung finden konnte, war der Link auf die japanische Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß der Seite (die anderen Banner dort gehören zu den nordkoreanische Seiten Naenara, Uriminzokkiri, Rodong Sinmun und Stimme Koreas), das m.E. nicht unbedingt dorthin passte.

Was mich schon immer gewundert hat, war das Banner der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß von KCNA.

Was mich schon immer gewundert hat, war das Banner der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß von KCNA.

Dieses Banner findet man auf der neuen Homepage nicht mehr. Vielleicht ist das Banner auch einem Mitarbeiter von Kyodo aufgefallen und man bat, das doch in Zukunft wegzulassen. Oder es gab eine stillschweigende Kooperation, die dann irgendwann beendet wurde. Auch das weiß ich nicht, aber ich muss da ja in Zukunft auch nicht mehr drüber nachdenken.

Searchengine: Optimierung mit Google?

Was mich bis jetzt noch ein bisschen stört, ist das irgendwie seltsam funktionierende Suchwerkzug der Seite. So gibt die Seite für die Suchbegriffe „Jang Song Thaek“ und „Ri Yong Ho“ jeweils nur einen Treffer aus. Im Gegensatz dazu gibt es zu Kim Jong Un insgesamt 111 Trefferseiten mit Ergebnisse seit dem 1.1.2012. Ob die Tatsache, dass zu diesem Termin Kim Jong Il gerade zwei Wochen tot war ein Zufall ist oder das Datum bewusst gewählt ist, das weiß ich nicht, kann aber sein. Vielleicht kann Eric Schmidt von Google Kim Jong Un ja ein bisschen bei der Optimierung des On-Site Suchwerkzeugs beraten, wenn er in den kommenden Tagen/Wochen mit unklarer Mission nach Nordkorea fliegt. Das wäre doch mal eine feine Sache.

Das Logo: Kleine Stilkritik

Zum Schluss noch eine kleine Stilkritik an dem neu designten Medialogo von KCNA.

Das Bild ist unter „Medialogo“ abgelegt.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hatte nur positive Assoziationen. Eine Mischung aus Star Wars und Knight Rider. Keine Ahnung wieso, aber das ist doch mal was…

Radikaler Umschwung?

Wer weiß, wo gerade in unseren Medien alles Mögliche als Zeichen „radikalen Umschwungs“ gelesen wird (Wem außer der FAZ ist es denn bitte neu, dass Nordkorea nach ausländischen Investoren für seine Sonderwirtschaftszonen sucht? Auch wenn mich natürlich brennend interessieren würde, welche deutschen Wissenschaftler alles an dem Masterplan für Nordkoreas Wirtschaft arbeiten. Für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar…) warum sollte dieser Relaunch nicht der erste Schritt in eine völlig neue Zeit sein? Ein paar Schlauen wird die Idee bestimmt kommen.