Vereint im Sport II: Ping-Pong-Diplomatie reloaded


Die einende Kraft des Sports sollte man zwar nicht überschätzen, aber ein gegenseitiges Kennenlernen und gemeinsames Arbeiten auf ein Ziel hin ist immerhin ein kleiner Schritt in eine gute Richtung. Und dass aus solch kleinen Schritten größeres entstehen kann, demonstrierte ja nicht zuletzt die berühmte Ping-Pong-Diplomatie zwischen China und den USA, die der Überlieferung zufolge zur Annäherung beider Staaten Anfang der 1970er Jahre führte. Diesem Vorbild folgt auch der „Peace and Sport Table Tennis Cup“, der heute und morgen in Katar stattfinden wird und  in dessen Rahmen nicht nur Spieler aus Indien und Pakistan gemeinsame Doppel spielen werden, sondern auch zwei Teams aus Süd- und Nordkoreanern (Damen und Herren).

Dass gemeinsame Auflaufen Süd- und Nordkoreanischer Tischtennisspieler ist zwar keine Premiere, aber das letzte Mal ist schon ziemlich lange her. 1991 gewann das Damenteam im japanischen Chiba sogar eine Goldmedaille. Ein Erfolg den die Sportler sicherlich gerne wiederholen würden. Vollkommen abwegig ist das vermutlich nicht, denn Tischtennissupermacht China wird mit Katar zusammen ein Team bilden und hat damit einen relativ schwachen Partner.

Vielmehr als Symbolik steckt in dem gemeinsamen Spiel der Koreas wohl nicht drin. Aber vielmehr können Sportler wohl auch nicht zu einer Annäherung beitragen und daher ist es gut, dass aus dem Sport immer wieder positive Zeichen zu vermerken sind. Auch die Fußballkollaboration in Basel scheint nach wie vor ganz gut zu funktionieren. Kürzlich lief Pak Kwang-ryong als erster Nordkoreaner in der Championsleague auf und mit seinem südkoreanischen Kollegen Park Joo-ho scheint er sich zumindest auf dem Platz gut zu verstehen. Ich habe kürzlich irgendwo einen Artikel dazu gelesen, in dem Park berichtete, dass man sich privat aus dem Wege ginge um politische Schwierigkeiten zu vermeiden (leider weiß ich nichtmehr wo). Auch wenn weder Fußball noch Tischtennis Mauern einreißen werden, ist es trotzdem eine gute Sache, wenn die beteiligten Sportler jeden Tag erleben, dass es vermutlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Vereint im Fußball: Beim FC Basel spielen Süd- und Nordkoreaner zusammen


Passend zur Frauen-Fußball WM habe ich eben eine interessante Meldung rund um die schönste Nebensache der Welt gelesen. Keine Angst, ich werde nichts von Blitzschlägen und ähnlichem schreiben, die ursächlich für die 2:0 Niederlage des nordkoreanischen Frauenteams gegen die USA war. Ich will mich stattdessen den Herren widmen. Wie ja im letzten Jahr im Zuge der Herren WM bekannt wurde, hält der Schweizer Karl Messerli viele oder alle Transferrechte nordkoreanischer Spieler für Westeuropa und soll (und will) sie dementsprechend auch vermitteln. Im letzten Jahr ist ihm das auch mit zumindest zwei Kickern gelungen, die beim schweizerischen Zweitligisten FC Wil spielten. Einer der beiden, Pak Kwang-ryong, wechselt nun zum FC Basel, dem aktuellen Schweizer Meister, der auch Chancen auf die Champions League-Teilnahme hat. Die ersten Gehversuche des Stürmers, der bis 2016 unter Vertrag steht scheinen recht erfolgreich gewesen zu sein.

Damit ist nach Jong Tae-se ein weiterer Nordkoreaner oben im europäischen Profifußball angekommen (natürlich ist Schweizer Meister wohl noch etwas besser, als dritter der zweiten Bundesliga). Allerdings ist Pak anders als Jong ein „echter“ Nordkoreaner, der auch dort geboren wurde. Da stellt sich für mich natürlich die Frage, wie das „organisatorisch“ geregelt wird, denn vor einer Verseuchung vor fremdem Gedankengut wird man den Spieler wohl kaum schützen können. Vor allen Dingen nicht, da zu dieser Saison ein weiterer koreanisch sprechender Spieler zum FC Basel wechselte. Der südkoreanische Nationalspieler Park Joo-ho. Dass die Zusammenarbeit  im Fußball ganz gut klappen kann belegten beide auch gleich, als Park eine maßgeschneiderte Flanke für ein Tor Paks servierte. Und wenn man auf dem Feld so gut zusammenspielt, wird man sich wohl auch neben dem Platz mal unterhalten. Ob das Paks ideologische Reinheit unbeschädigt lassen wird? Könnte sowas wie ein erster winziger Schritt zu so etwas wie „Fußball-Diplomatie“ sein. Natürlich weiß ich nicht, ob Pak irgendwelche Sonderregeln einhalten muss, aber bei einem professionellen Erstligaclub dürfte eine permanente Abschirmung des Kickers unmöglich sein. Das dürfte auch den verantwortlichen Nordkoreanern bewusst sein.

Ich denke, dass man das las ein (weiteres) Signal einer sehr vorsichtigen Öffnung des Landes sehen kann. Weitere Beispiele sind die Aktivitäten im Bereich Medien und Internet (Es sieht so aus, als hätten KCNA und AP jüngst etwas vereinbart) sowie die Ausweitung des Liniennetzes der Staatsfluginie Air Koryo (auch hier hat sich seit meinem letzten Bericht ja noch einiges getan (Kuwait und Shanghai). Das wird vermutlich sehr, sehr langsam und vorsichtig (Kims Regime will ja überleben und weiß daher, dass überstürztes Handeln selbstmörderisch ist) vonstattengehen und vielleicht auch mal Rückschläge erfahren, der strategische Wille scheint aber da zu sein.

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