Nordkoreas „Fahrplan für die Sechs-Parteien-Gespräche“ und die Strategie(n) dahinter


Update (16.01.): Gestern gab es Meldungen, dass Nordkorea recht harsche Worte an Südkorea gerichtet hat, weil dieses Interventionspläne für einen Notfall in Nordkorea entwickelt habe. Das gibts heute auch bei KCNA zu lesen. Eigentlich gehe ich nicht gerne allzu sehr auf das tägliche Propagandatrommelfeuer der KCNA ein, aber hier glaube, ich dass das Ganze als Ergänzung zum Angebot an die USA vom Montag gesehen werden kann. Ich habe also das Gefühl etwas mehr zu machen als nur im Kaffeesatz zu lesen. Hauptsächlich geht es bei dem Statement des Nationalen Verteidigungsrates, einer sehr wichtigen Institution mit Kim Jong Il an der Spitze, um eine angebliche Bedrohung durch Südkorea, die im „Emergency Ruling Plan-Puhung“ ihren Ausdruck findet. Das solche Pläne existieren (übrigens auch in China) dürfte auch für Nordkorea keine Überraschung sein. Daher kommt es bei dem Statement wohl eher auf den Zeitpunkt an und natürlich was drinsteht. Und das hat es mal wieder in sich:

  1. Nordkorea fordert die Auflösung der Institutionen, die für den Plan verantwortlich sind, das Ministry of Unification und der National Intelligence Service (NIS)
  2. Ansonsten wird ein heiliger Vergeltungskrieg angedroht
  3. Südkorea wird von allen Gesprächen um die Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen und der Denuklearisierung ausgeschlossen, bis es sich ehrlich für seine Verbrechen gegen Nordkorea entschuldigt.

Nun gut Punkt eins ist ne witzige Idee, aber die Auflösung eines Ministeriums und des Geheimdienstes ist mal wieder eine nicht erfüllbare Forderung. Nummer zwei ist die übliche Rhetorik und kann vernachlässigt werden. Was wirklich interessant ist, ist Punkt Drei. Hier wird das, was in dem Angebot vom Montag etwas verklausuliert drinstand klar und deutlich gesagt. Man will Gespräche ohne den Süden (wobei ich mal gerne sehen würde, wie die Gespräche um die Verbesserung Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea ohne Südkorea aussehen sollen). Und das könnte einen Hinweis auf die Gesamtstrategie, die dahintersteht geben:

Zurzeit sind zwei sehr unterschiedliche Kommunikationsstrategien im Gange. Während die USA umschmeichelt werden, kriegt Südkorea die härteste Rhetorik ab und wird abgewatscht. Für mich gibts daraus zwei mögliche Schlüsse zu ziehen. Entweder man versucht tatsächlich aller Register zu ziehen, um einen Keil zwischen die USA und Südkorea zu treiben, oder man fügt den eh schon nicht erfüllbaren Forderungen noch eine weitere, nicht erfüllbare hinzu. Nämlich den Ausschluss Südkoreas von allen Verhandlungen. Beide Interpretationen fügen sich nahtlos in den unten aufgeführten Katalog von Strategien ein, bzw. stützen die „Auseinanderdividieren-Idee“.

Achja, Yonhap beschäftigt sich in ihrem aktuellen „North Korea Newsletter“ ebenfalls ausführlich mit dem Vorschlag vom Montag und kommt dort wie ich zu dem Schluss, dass bei eventuellen Verhandlungen zu einem Friedensvertrag Südkorea ausgegrenzt werden soll.

Ursprünglicher Beitrag (13.01.): Nachdem ich mich gestern bereits mit Nordkoreas Forderungen für weitere Fortschritte bei den Sechs-Parteien-Gesprächen (um die Denuklearisierung des Landes) und der damit verbundenen „Medienkampagneauseinandergesetzt habe, möchte ich heute kurz darauf eingehen, was eigentlich der Zweck der ganzen Übung sein könnte, denn etwas ungewöhnlich ist die Mobilisierung der wichtigsten Botschafter im Ausland ja schon und das deutet darauf hin, dass man der Sache in Pjöngjang einige Bedeutung beimisst.

Erstmal nochmal kurz Nordkoreas Forderungen bzw. Fahrplan:

  • Das Ende aller Sanktionen, als Vorbedingung für die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche
  • Unmittelbar danach ist die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche möglich
  • Parallel zu den Sechs-Parteien-Gesprächen Verhandlungen mit den USA über einen Friedensvertrag den (bilateralen) Rahmen dürfen die USA „bestimmen“
  • Eine Endgültige Lösung im Streit um das nordkoreanische Nuklearprogramm ist nur nach dem Zustandekommen eines Friedensvertrages mit den USA möglich

Dieser Katalog hat es schon deshalb in sich, weil es nahezu unmöglich scheint, dass die Vorbedingung, also das Ende der Sanktionen erfüllt wird. Das haben die USA und Südkorea auch bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung des „Angebots“ deutlich gemacht. Auch die Bedingung eines Friedensvertrages mit den USA vor Lösung der Nuklearfrage scheint zumindest unwahrscheinlich, aber diese Etappe wird man unter den gesetzten Bedingungen ja eh nicht erreichen können. Und das dürfte das Regime in Pjöngjang auch recht genau wissen. Was also bezweckt man mit dieser Aktion?

Dazu gibt es ein paar Erklärungsansätze die jedoch jeweils ihre Stärken und Schwächen haben. Da das Regime jedoch entgegen der landläufigen Meinung in einem gewissen Sinne zutiefst rational handelt (wer das nicht glaubt, sollte mal darüber nachdenken, wie es wohl sonst gelungen ist, unter schwierigsten wirtschaftlichen Bedingungen, trotz dem Wegfallen wichtiger Verbündeter und in offener Feindschaft zu den USA 20 Jahre lang zu überleben), gehe ich ganz stark davon aus, dass es eine Erklärung gibt. Daher will ich die möglichen Ansätze kurz abarbeiten:

Die Einsätze in die Höhe treiben:

Das Regime geht davon aus, dass sowohl bei der amerikanischen Regierung, die mit all ihren anderen Krisen in der Welt zur Zeit mehr als genug beschäftigt ist und die nach außenpolitische Erfolgen sucht, als auch bei der südkoreanischen Regierung, die in den vergangenen Monaten versöhnliche Gesten zeigte, Momentan ein starker Wille besteht, Fortschritte im Nuklearstreit mit Nordkorea zu machen. Der erste Fortschritt wäre die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche. Einen solchen Erfolg will Pjöngjang den Anderen aber nicht „umsonst“ gewähren. Also geht man mit einer Maximalforderung in die „Verhandlungen um die Aufnahme der Verhandlungen“ und schaut was am Ende dabei rausspringt. Allerdings scheinen die Erfolgsaussichten für einen möglichen „payoff“ dieser Strategie bei dem gut koordinierten und einheitlichen Vorgehen der USA und Südkoreas zurzeit eher gering zu sein.

Bewegung in die Sache bringen:

Nordkorea möchte, dass die Sechs-Parteien-Gespräche endlich wieder in Gang kommen, weil während des Stillstandes der letzten Jahre kaum noch Hilfen aus Südkorea und den USA geflossen sind, die sich in Vereinbarungen im Rahmen dieser Verhandlungen begründen. Da von den USA ein konkreter Termin gefordert wurde, Nordkorea also unter Zugzwang stand, versucht man nun, den Ball wieder den USA zuzuspielen. Das Einfache nennen eines Datums würde Schwäche signalisieren und wäre eine schlechte Ausgangsposition für die Gespräche, daher spielt man den starken Mann, um später unter Wahrung seines Gesichts zu den Verhandlungen zurückkehren zu können. Aber hätte man dann nicht auch etwas niedrigere Hürden für die Rückkehr zu den Gesprächen setzen können?

Eine andere Spielart dieses Erklärungsansatzes wäre, dass Nordkorea aufgrund des von Südkorea immer wieder ins Spiel gebrachten „grand bargain“, bei dem alle Fragen auf einmal gelöst werden sollen, etwas besorgt ist, da die anderen Parteien das Land mit diesem konkreten Vorschlag unter Druck setzen können. Dem setzt man nun den eigenen Vorschlag entgegen, um sich dann irgendwo in der Mitte treffen zu können und de facto den Status quo zu wahren. Aber würde ein solches Vorgehen nicht das Fortschreiten der Verhandlungen komplett blockieren?

Die wahren Absichten verbergen und am Ende die Schuld den Anderen zuschieben

Eigentlich will man die Verhandlungen gar nicht wieder aufnehmen. In Wahrheit hat man vor, der Welt zu zeigen, was man neues im Arsenal hat. Man ist sich sicher, dass die Taepodong 2 jetzt endlich richtig funktioniert oder man hat im geheimen in den vergangenen Jahren tatsächlich soviel Uran angereichert, dass man nun auch auf diesem zweiten Weg eine Atombombe bauen kann und will das der Welt nun vorführen, um danach unter vielerlei Konzessionen zu den Gesprächen zurückgebeten zu werden. Nur darf man seinen wichtigsten Verbündeten China dabei nicht so sehr verärgern, dass der einen am Ende komplett fallen lässt. Auch beim etwas unsicheren Kantonist Russland wäre es schlecht, wenn der die einige Front USA, Südkorea, Japan ergänzen würde. Daher wirft man die diplomatische Nebelmaschine an, zeigt jede Menge „goodwill“ (was man in China im Übrigen auch zu fressen scheint, zumindest nach außen hin) und kann am Ende sagen: „Offensichtlich wollten die USA keinen Frieden, sonst hätten sie ja auf unsere Angebote reagiert. Da sie scheinbar nicht am Abbau des Misstrauens und am Ende des Kriegszustandes interessiert sind, müssen wir davon ausgehen, dass sie schlimmes im Schilde führen. Daher waren wir gezwungen unsere Abschreckung zu verbessern!“ Aber würden China und Russland dieses etwas durchsichtige Manöver nicht durchschauen? Und muss man in Pjöngjang nicht davon ausgehen, dass das niemand kauft?

Keile zwischen die Anderen treiben

Man zeigt den USA gegenüber guten Willen und erklärt, dass eine Lösung des Konflikts mit den USA alle anderen Fragen von selbst beheben wird. Südkorea grenzt man aus (“ the parties to the Armistice Agreement“ dazu gehört Südkorea definitiv nicht und von denen spricht Nordkorea in seinen Erklärungen immer) und Russland und China zeigt man gleichzeitig, dass man proaktiv an einer erfolgreichen Lösung zu arbeiten bereit ist. Dadurch besteht einerseits die Möglichkeit, dass die US-amerikanisch-südkoreanische Einheitsfront bröckeln könnte, zum Beispiel, wenn die USA in irgendeiner Art auf die Avancen Pjöngjangs eingehen. Andererseits könnten sich neue Risse zwischen Südkorea und den USA auf der eine und Russland und China (oder nur China, das würde auch reichen) auf der anderen Seite auftun. Egal welches der beiden Ergebnisse eintritt. Die anderen Teilnehmer der Sechs-Parteien-Gespräche sind „gelähmt“ vielleicht sogar der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (im Fall China vs USA) und Nordkorea gewinnt wieder an Handlungsfreiheit, da koordinierte und strenge Sanktionen unwahrscheinlich werden. Jedoch zeigen die anderen Parteien schon seit Langem eine erstaunliche Einhelligkeit und Koordiniertheit, was Nordkorea angeht, so dass es unwahrscheinlich scheint, dass sie auf ein so durchsichtiges Manöver hereinfallen. Besonders vor dem Hintergrund, dass Nordkorea diese Taktik des Auseinanderdividierens der Parteien schon seit Jahrzehnten betreibt, was auch den USA und Südkorea nicht entgangen ist, wie Vertreter beider Länder immer wieder durchblicken ließen.

Einfach mal den Würfelbecher schütteln und sehen was dabei rauskommt

Vielleicht war man sich in Nordkorea auch einfach über all diese, ja recht positiven möglichen Ergebnisse des Vorgehens bewusst, wusste weiterhin, dass das ganze eigentlich keinen Schaden anrichten konnte und beschloss daher, einfach mal zu sehen was passiert, ohne eine weitreichende Strategie zu verfolgen. Aber wie gesagt, kann man wirklich glauben dass es Kim Jon Il und sein Regime noch gäbe, hätte man es zur Strategie gemacht, einfach nur irgendwas zu machen um dann zu sehen, was dann passiert?

Tja, das ist es, was ich mir als mögliche Erklärungen für das Vorgehen Nordkoreas zusammengereimt habe. Natürlich ist es im Endeffekt vermutlich nicht genau eine der dargestellten Strategien, aber ich gehe davon aus, dass den Strategen in Pjöngjang der eine oder andere der oben genannten Gedanken im Vorfeld ihrer kleinen Kampagne so ähnlich auch durch den Kopf gegangen ist. Und damit komm ich mal wieder zu einer mittlerweile liebgewonnenen Tradition wenn ich sage: „Was wirklich dahinter gesteckt hat, dass werden wir wohl erst in ein paar Wochen oder Monaten oder überhaupt nie erfahren. Bis dahin werde ich die Augen offenhalten.“

Nordkorea will Frieden und Denuklearisierung… zu nordkoreanischen Bedingungen!


Update:

Da bin ich aber stolz. Habe das Handeln des ach so unberechenbares Regimes vorhergesagt! Gestern Abend ist der Botschafter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen, Sin Son-ho vor die Presse getreten und hat den Inhalt des Statements, das das nordkoreanische Außenministerium am Montag veröffentlicht hatte noch einmal wiedergegeben. Mit einer interessanten Ergänzung allerdings. Scheinbar hat man auf die ablehnende Haltung der USA reagiert. Zwar bleibt die Vorbedingung (die die USA nach wie vor kaum zu erfüllen bereit sein werden) der Rücknahme aller Sanktionen bestehen, gleichzeitig erklärt man sich aber nun bereit, die Friedensgespräche mit den USA und die Sechs-Parteien-Gespräche parallel zu führen. Das könnte als kleines, aber nicht ausreichendes Zugeständnis gesehen werden. (Bewegte Bilder von der Pressekonferenz, die sich in nem recht relaxten Rahmen abgespielt zu haben scheint, gibts hier. Erstaunlich, dass gerade Foxnews als einziger Fernsehsender dazu eingeladen wurde!)

Ursprünglicher Eintrag vom 12.01.:

Gestern sorgte eine Meldung des nordkoreanischen Außenministeriums für einiges Aufsehen. Nordkorea wolle sein Waffenstillstandsabkommen mit den USA durch einen dauerhaften Friedensvertrag ersetzen und auch mit Südkorea solle eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Heute traten dann die nordkoreanischen Botschafter in Peking und Moskau vor die Medien und käuten den Inhalt der Meldung nochmal wider. Ist das Ganze also als Fortschritt im Prozess um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel zu sehen, oder schlägt das Regime in Pjöngjang seine alte Leier diesmal nur etwas lauter an?

Die genauere Betrachtung des Statements wird macht erstmal deutlich, dass wie so oft die Verpackung zwar schön, der Inhalt jedoch nichts Dolles ist.

DPRK Proposes to Start of Peace Talks

Pyongyang, January 11 (KCNA) — The Foreign Ministry of the Democratic People’s Republic of Korea issued Monday the following statement:

A year has gone by while the process for the denuclearization of the Korean Peninsula is standing at the crossroads due to serious challenges to it.

The denuclearization of the Peninsula is the goal of the policy consistently pursued by the Government of the Republic with a view to contributing to peace and security in Northeast Asia and the denuclearization of the world.

It was thanks to the sincere and exhaustive efforts of the Government of the Republic that dialogues had taken place for the denuclearization of the Peninsula since the 1990s and, in this course, such important bilateral and multilateral agreements as the „DPRK-US Agreed Framework“ and the September 19 Joint Statement were adopted.

The implementation of all the agreements, however, stopped half way or was overturned. Since then the nuclear threat on the Korean Peninsula has not been decreased, but on the contrary it has further increased and, consequently, even nuclear deterrent came into being.

The course of the six-party talks which witnessed repeated frustrations and failures proves that the issue can never be settled without confidence among the parties concerned. Still today the talks remain blocked by the barrier of distrust called sanctions against the DPRK.

It is our conclusion that it is necessary to pay primary attention to building confidence between the DPRK and the United States, the parties chiefly responsible for the nuclear issue, in order to bring back the process for the denuclearization of the Korean Peninsula on track.

If confidence is to be built between the DPRK and the US, it is essential to conclude a peace treaty for terminating the state of war, a root cause of the hostile relations, to begin with.

When the parties are in the state of war where they level guns at each other, distrust in the other party can never be wiped out and the talks themselves can never make smooth progress, much less realizing the denuclearization. Without settling such essential and fundamental issue as war and peace no agreement can escape from frustration and failure as now.

The peace treaty by nature should have been already concluded in the light of its intrinsic necessity, regardless of the nuclear issue. Had durable peace regime been established on the Korean Peninsula long ago, the nuclear issue would have not surfaced.

Now that the issue of concluding the peace treaty is mentioned in the September 19 Joint Statement, too, it is good to move up the order of action as required by practice in the light of the lesson drawn from the failure of the six-party talks.

The conclusion of the peace treaty will help terminate the hostile relations between the DPRK and the US and positively promote the denuclearization of the Korean Peninsula at a rapid tempo.

Upon authorization, the DPRK Foreign Ministry courteously proposes to the parties to the Armistice Agreement an early start of the talks for replacing the AA by the peace treaty this year which marks the lapse of 60 years since the outbreak of the Korean War.

The above-said talks may be held either at a separate forum as laid down in the September 19 Joint Statement or in the framework of the six-party talks for the denuclearization of the Korean Peninsula like the DPRK-US talks now under way in view of their nature and significance.

The removal of the barrier of such discrimination and distrust as sanctions may soon lead to the opening of the six-party talks.

If the parties to the AA sincerely hope for peace and security and the denuclearization of the Peninsula, they should no longer prioritize their interests but make a bold decision to deal with the fundamental issue without delay

Zwar in erstaunlich nüchterner Sprache und mit recht wenigen Anschuldigungen gegen die anderen Parteien verfasst, enthält das Statement im Grunde genommen nichts neues. Ähnliches gab es zum Beispiel am 23. November 2009 oder am 14. Oktober 2009 zu lesen:

KCNA 23.10.2009:

[…] To replace the armistice agreement with a peace agreement as early as possible is one of the most reasonable and practical ways for establishing a new peacekeeping mechanism in the Korean Peninsula and turning the present unstable state of ceasefire into the state of lasting peace. […]

KCNA 14.10.2009:

[…] A peace accord should be concluded between the DPRK and the U.S. if the nuclear issue on the peninsula is to be settled.

The U.S. should roll back its hostile policy toward the DPRK and opt for the conclusion of the peace agreement as it would help clear the Korean Peninsula of the nuclear threat and ensure peace there. […]

Zugegeben ist der Rahmen beider Meldungen etwas konfrontativer, aber drin steht letztlich das Selbe. Nichtsdestotrotz ist die Meldung von Gestern in einigen Punkten konkreter, weswegen sich eine nähere Analyse trotzdem lohnt:

  • Die Sechs-Parteien-Gespräche in ihrer jetzigen Form sind gescheitert (Bemerkenswert: Es wird niemand für das Scheitern der Sechs-Parteien-Gespräche verantwortlich gemacht)
  • Der Grund dafür ist vielmehr das bestehende Misstrauen aufgrund des Kriegszustandes zwischen Nordkorea und den USA
  • Daher sollten zuerst die grundlegenden Probleme behoben werden, da ansonsten Misserfolge vorprogrammiert sind
  • Sobald ein Friedensvertrag besteht, ist eine Lösung des Nuklearstreits in kürzester Zeit möglich
  • Für die Verhandlungen kann entweder ein separates Forum entwickelt werden, oder der Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche wie es bei den momentan stattfindenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea der Fall ist
  • Die Aufhebung der Sanktionen gegen Nordkorea wird eine schnelle Aufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche ermöglichen

Und um das jetzt nochmal auf den Punkt zu bringen:

Nordkorea fordert:

  • Einen Friedensvertrag mit den USA ohne Vorbedingungen
  • Die Aufhebungen der Sanktionen gegen das Land

Nordkorea bietet:

  • den USA die Auswahl des Forums an. (Entweder bilateral im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche, oder bilateral in einem anderen Rahmen (ja ihr habt Recht, das macht praktisch gar keinen Unterschied!)
  • nach der Erfüllung seiner Bedingungen eine unmittelbare Fortsetzung der Sechs-Parteien-Gespräche

Ok, ich weiß nicht ob ihr da irgendwo ein Angebot seht, ich sehe eigentlich nur Forderungen. Und zwar ziemlich hohe. Und ich weiß auch nicht wo unsere Medienvertreter was von Südkorea gelesen haben, ich konnte nichts finden. Der Verweis auf die Mitglieder des Waffenstillstandsabkommens dürfte Südkorea eher faktisch ausschließen, denn Südkorea hat dieses Abkommen nicht unterzeichnet (sondern nur China, die USA und Nordkorea). Ok, also eigentlich mal wieder viel Lärm um nichts.

Aber vielleicht eben doch etwas mehr, denn scheinbar haben sich die Nordkoreaner Sorgen gemacht, die Meldung könnte falsch (nämlich als Zugeständnis) verstanden werden, bzw. irgendjemand könnte das Angebot übersehen/-hört haben. Dementsprechend schickte man heute Choe Jin-su, den Botschafter in China vor, der das ganze nochmal mit deutlichen Worten erklärte.

Seine Aussagen laut einer Reuters Meldung:

The best thing would be for the DPRK and the United States bilaterally to first sit down together for talks.

Only concluding a peace treaty can eradicate the hostile relations between the DPRK and rapidly and actively advance denuclearisation of the Korean peninsula.

Only if the sanctions on the DPRK – these barriers expressing discrimination and distrust – are removed can the six-party talks resume.

If the sanctions on the DPRK are lifted, then the six-party talks can resume immediately. The key word is immediately.

Auch der nordkoreanische Botschafter in Moskau, Kim Jong-jae, ist heute vor die Presse getreten und hat ähnlich wie sein Kollege in Peking, die Verlautbarung von Gestern in etwas klareren Worten wiedergegeben. Außerdem hat er spezifiziert, dass es die UN-Sanktionen sind, die Rückgängig gemacht werden müssen, bevor man wieder zum Sprechen bereit sei.

Würde mich nicht wunder, wenn noch heute der nordkoreanische Botschafter bei den Vereinten Nationen auch ein Interview geben würde. Schließlich gibts keine nordkoreanische Botschaft in den USA, aber man muss ja dafür sorgen, dass die richtigen Leute hören, was man zu sagen hat.

In Anbetracht der Tatsache, dass Nordkorea seine Botschafter im Ausland vorschickt, scheint es sich bei dem aufgestellten Katalog um etwas mehr, als  die standardmäßige Rhetorik zu handeln. Was wir hier lesen konnten ist wohl der konkrete Fahrplan, den Nordkorea für die Denuklearisierungsverhandlungen bietet. Da die USA darauf wohl kaum eingehen werden, wird es vermutlich erstmal ein Gezerre um den weiteren Fahrplan geben denn offensichtlich ist Nordkorea nicht bereit, die Gespräche einfach so wieder aufzunehmen. Aber natürlich werden die Maximalforderungen auch nicht erfüllt werden. Also hat sich nicht besonders viel geändert, außer dass die Forderungen Nordkoreas klar auf dem Tisch liegen.

Und das soll mich zu meiner letzten Bemerkung führen. Mich überrascht das große Selbstvertrauen, mit dem Nordkorea auftritt. In Anbetracht der Geschichte mit der Währungsreform dachte ich, man sei dort gerade etwas mehr mit internen Schwierigkeiten beschäftigt. Scheint aber nicht der Fall zu sein. Vielleicht hat man dort ja schon irgendwas gebastelt (wahrscheinlich was mit nem lauten Rums), mit dem man die Welt erschrecken kann  um dann zu vermelden, dies alles sei eine Folge des Unwillens der Anderen, das Misstrauen durch einen Friedensvertrag abzubauen.

Und so kann man das alles jetzt wirklich kurz auf den Punkt bringen, wenn man frei nach Erich Maria Remarque sagt: „Im Norden nichts Neues!“

%d Bloggern gefällt das: