Vereint im Sport II: Ping-Pong-Diplomatie reloaded


Die einende Kraft des Sports sollte man zwar nicht überschätzen, aber ein gegenseitiges Kennenlernen und gemeinsames Arbeiten auf ein Ziel hin ist immerhin ein kleiner Schritt in eine gute Richtung. Und dass aus solch kleinen Schritten größeres entstehen kann, demonstrierte ja nicht zuletzt die berühmte Ping-Pong-Diplomatie zwischen China und den USA, die der Überlieferung zufolge zur Annäherung beider Staaten Anfang der 1970er Jahre führte. Diesem Vorbild folgt auch der „Peace and Sport Table Tennis Cup“, der heute und morgen in Katar stattfinden wird und  in dessen Rahmen nicht nur Spieler aus Indien und Pakistan gemeinsame Doppel spielen werden, sondern auch zwei Teams aus Süd- und Nordkoreanern (Damen und Herren).

Dass gemeinsame Auflaufen Süd- und Nordkoreanischer Tischtennisspieler ist zwar keine Premiere, aber das letzte Mal ist schon ziemlich lange her. 1991 gewann das Damenteam im japanischen Chiba sogar eine Goldmedaille. Ein Erfolg den die Sportler sicherlich gerne wiederholen würden. Vollkommen abwegig ist das vermutlich nicht, denn Tischtennissupermacht China wird mit Katar zusammen ein Team bilden und hat damit einen relativ schwachen Partner.

Vielmehr als Symbolik steckt in dem gemeinsamen Spiel der Koreas wohl nicht drin. Aber vielmehr können Sportler wohl auch nicht zu einer Annäherung beitragen und daher ist es gut, dass aus dem Sport immer wieder positive Zeichen zu vermerken sind. Auch die Fußballkollaboration in Basel scheint nach wie vor ganz gut zu funktionieren. Kürzlich lief Pak Kwang-ryong als erster Nordkoreaner in der Championsleague auf und mit seinem südkoreanischen Kollegen Park Joo-ho scheint er sich zumindest auf dem Platz gut zu verstehen. Ich habe kürzlich irgendwo einen Artikel dazu gelesen, in dem Park berichtete, dass man sich privat aus dem Wege ginge um politische Schwierigkeiten zu vermeiden (leider weiß ich nichtmehr wo). Auch wenn weder Fußball noch Tischtennis Mauern einreißen werden, ist es trotzdem eine gute Sache, wenn die beteiligten Sportler jeden Tag erleben, dass es vermutlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Ein Stück Nordkorea kommt nach Deutschland: VfL Bochum holt Jong Tae-se


Einige von euch werden sich sicherlich noch an Jong Tae-se erinnern, den nordkoreanischen Stürmer, der aufgrund seines emotionalen Auftritts beim Absingen der nordkoreanischen Hymne vor dem Spiel gegen Brasilien einen prominenten Platz in meiner Berichterstattung über dieses Spiel bekommen hat. Eben jenen Jong  wird man im nächsten Jahr wohl öfter mal im deutschen Fernsehen bestaunen können, denn er hat vor ein paar Tagen (ich weiß, die Nachricht ist nicht brandaktuell, aber bisher empfand ich andere als wichtiger, aber ein nordkoreanischer Fußballer in Deutschland: Das gehört definitiv hierher) einen Vertrag beim VfL Bochum unterschrieben. Damit wechselt der erste nordkoreanische Spieler (und auch der Auffälligste des WM Teams) in eins der großen europäischen Fußballländer, wenn auch nur in die zweite Liga. Jong unterschrieb einen Zweijahresvertrag mit Option für ein weiteres Jahr. Ob Bochum diese Option zieht wird vermutlich auch davon abhängen, ob er seine Torgefährlichkeit im neuen Umfeld unter Beweis stellen kann, denn die ließ während der WM meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Allerdings hat er es in der zweiten Liga ja auch nicht mit solch hochkarätigen Gegenspielern wie beispielsweise Lucio zu tun und wird daher vielleicht weniger überhastet agieren wie bei der WM.

Wie ich bereits vor der WM schrieb, ist Jong ein nordkoreanischer Sonderfall. Zwar hat er einen nordkoreanischen Pass und spielt für die nordkoreanische Nationalmannschaft (und war soweit ich mich erinnere der einzige Spieler, der während dem Absingen der Hymne Rotz und Wasser heulte), allerdings hat er ansonsten nicht wirklich viel mit Nordkorea zu tun. Er wurde in Japan (wo es eine große Gruppe koreanisch-stämmiger Menschen gibt, die teilweise enge Verbindungen zu Nordkorea pflegen) geboren und verbrachte (schaut man sich die Stationen seiner bisherigen Karriere an) seine Jugend in Südkorea, bevor er wieder nach Japan und dort zum Kawasaki Frontale (schöner Name) zurückkehrte. Er ist also nicht in Nordkorea sozialisiert worden und sollte man ihn mal im Interview oder so sehen, stellt er nicht den „typischen Nordkoreaner“ dar. Trotzdem ist er gerade wegen dieser Besonderheiten ein interessanter Typ, denn es bleibt für mich nach wie vor schwer verständlich, wie man in freien Gesellschaften, die Südkorea und Japan ja zweifelsfrei sind leben und sich trotzdem den Realitäten, was die Herrschaft und die Situation in Nordkorea angeht, so gänzlich verschließen kann (die Entscheidung für Nord- und nicht für Südkorea aufzulaufen kann nicht nur sportlich motiviert sein, wenn man sich seine Tränen ins Gedächtnis ruft). Vielleicht wird man im Laufe der Zeit mehr darüber erfahren. Einen ersten Eindruck seiner Person kann man durch ein kleines Interview gewinnen, das auf der Internetseite des VfL Bochum zu finden ist. Über Deutschland sagt er dort:

Hier wird alles immer sehr korrekt geklärt. Alles hat seine Ordnung, man kann sich auf Zusagen verlassen. Das gefällt mir sehr gut.

Fand ich irgendwie schön (die guten alten Klischees), aber auch bezeichnend. Zucht und Ordnung scheinen für ihn an erster Stelle zu stehen (nach dem Tore schießen natürlich, an dem er weiter arbeiten will (und muss)), ob das allerdings von seiner Erziehung herrührt oder daher, dass man sich anderswo nicht immer auf Zusagen verlassen kann (wie gesagt weiß ich nicht wie das im Sport ist, aber in der Politik haben die Oberen in Pjöngjang damit ja gelegentlich ihre Schwierigkeiten). Naja, wie sich Jong sportlich bewährt, das werden wir in den nächsten Monaten ja vielleicht beobachten können und vielleicht gibt es ja auch irgendwann noch mehr über seine Person zu lesen bis dahin habt ihr aber dann wirklich eure Ruhe vor dem Fußball.

Achja, weils so schön war…

Fußballspielen kann er auch, bei der WM zwar glücklos aber mit guten Ansätzen…

aber es geht auch besser, gegen Griechenland fast in Robben-Manier…

Nordkoreas etwas andere WM-Vorbereitung: Chaostage bei der Chollima-Elf


Heute ist es endlich (diejenigen die sich nicht für Fußball interessieren dürfen sich das „endlich“ wegdenken oder, wenn sie von der medialen WM-Berichterstattung schon extrem genervt sind, auch gerne hier aufhören zu lesen) so weit. Nordkorea hat nach 44 Jahren erstmals wieder die Möglichkeit sich auf der großen Bühne des internationalen Fußballs zu beweisen. Vor einiger Zeit (mein Gott, wie schnell dieselbe doch vergeht) ein paar Monaten habe ich mich ja schonmal allgemein mit dem nordkoreanischen Fußball beschäftigt. Da aber Kims Mannen heute Abend gegen Brasilien auflaufen werden, dachte ich mir, dass es vielleicht (meiner Meinung nach definitiv) interessant wäre, die Vorbereitung Nordkoreas auf dieses sportliche Großereignis nochmal revuepassieren zu lassen.

Wäre nämlich die Vorlaufzeit für die WM beim deutschen Team auch nur annähernd so chaotisch verlaufen wie das bei der nordkoreanischen Elf der Fall war, hätten unsere Medien sicherlich schon den nationalen Notstand ausgerufen, Günther Netzer und Gerhard Delling wären sich wahlweise bei einer vierstündigen Dauerdiskussion um die Zustände im deutschen Fußball an den Kragen gegangen oder wären einfach nur in Tränen ausgebrochen und DFB Präsident Theo Zwanziger hätte in einem neutralen Drittstaat wo man keine Ahnung von Fußball hat (Frankreich zum Beispiel) politisches Asyl beantragt. Eine erstaunlich große Zahl der nordkoreanischen Freundschaftsspiele im Vorfeld der WM wurde von mehr oder weniger vorhersehbaren Ereignissen überschattet. Die teilweise kuriosen Ereignisse reichten von höherer Gewalt über organisatorische Unzulänglichkeiten bis zu in Nordkorea wohl nur zu bekannten Problemen. Aber auch sonst stand man vor ungeahnten und hier kaum vorstellbaren Schwierigkeiten…

Testspielchaos allenthalben

Den Anfang machte die Absage des Testspiels gegen Chile. Dort hatte just ein paar Tage vor dem geplanten Termin ein verheerendes Erdbeben (an das ihr euch wahrscheinlich noch erinnert) für schwere Verwüstungen gesorgt, so dass die Chilenen sich um anderes als um Fußball Freundschaftspiele Gedanken zu machen hatten.

Auch in Venezuela hatte der Fußbalgott es nicht eben gut gemeint mit den Nordkoreanern: In der achtzigsten Minute musste das Spiel beim Stand von 1:1 abgebrochen werden, da in dem ölreichen Land die Lichter ausgingen (wie man hört in letzter Zeit kein seltenes Ereignis. Und für die Nordkoreaner dürfte es wohl auch keine Premiere gewesen sein, in deren Heimat scheint die Stromversorgung ja auch nicht die Stabilste zu sein). Im Endeffekt war die nordkoreanische Mannschaft daran aber selbst schuld, denn sie hatte sich zuvor geweigert in der Nachmittagshitze zu spielen. Achja, als wäre das noch nicht genug gewesen, scheint vorher auch noch jemand den Trikot-Koffer in Pjöngjang vergessen zu haben. Daher war man gezwungen in geliehenen Jerseys aufzulaufen.

Aber nicht nur Südamerika barg für Kims Elf so manche Tücke. Auch in Afrika war es nicht unbedingt einfach für die Mannschaft. So versuchte man Nigerias Nationalteam für einen Test nach Pjöngjang zu locken. Dumm nur, dass man sich weigerte für die Reisekosten aufzukommen. Daher wurde das Spiel dann kurzfristig auf einen späteren Termin verschoben. Letztendlich einigte man sich darauf, kurz vor dem WM in Südafrika zu testen. Vom Ergebnis dürftet ihr vielleicht gehört haben. Im Vorfeld kam es zu einer Massenpanik, bei der 15 Menschen verletzt wurden (das Spiel ging 3:1 für Nigeria aus, aber das war dann wohl eher nebensächlich).

Natürlich gab es daneben auch noch Spiele, die ohne größere Zwischenfälle abliefen, eins davon fand sogar in Deutschland statt, aber irgendwie hat hier davon kaum jemand Notiz genommen (700 Leute um genau zu sein) obwohl zwei WM-Teilnehmer mitspielten. Der Gegner war Südafrika und Austragungsort Wiesbaden. Das scheinbar nicht besonders spektakuläre Match endete mit einem 0:0, was nicht das schlechteste Ergebnis für Nordkorea ist (allerdings muss dazu gesagt werden, dass Südafrika die Auslandsprofis nicht dabei hatte). Auch gegen den WM-Teilnehmer Griechenland kam man zu einem Unentschieden. Ob das 2:2 allerdings ein Ruhmesblatt ist dürfte fraglich sein, betrachtet man die desaströse Leistung des Rehagel-Teams gegen Südkorea. Außerdem räumte man im Februar den AFC-Challenge-Cup ab, einen Wettbewerb der Asian Football Confederation, in dem sich „Fußball-Entwicklungsländer“ für die Asienmeisterschaften qualifizieren können. Gegner waren Mannschaften wie Myanmar und Turkmenistan, das man im Finale im Elfmeterschießen bezwang (Also auch ein eher zweifelhafter Qualitätsbeleg).

Auf der Suche nach dem Trainingslager

Aber zur Vorbereitung auf ein WM-Turnier gehören ja nicht nur Testspiele sondern es ist ja auch oft hilfreich sich in einem Trainingslager auf die klimatischen Bedingungen im Austragungsland der WM zu gewöhnen. Das haben sich auch die Verantwortlichen des nordkoreanischen Teams gedacht und sich auf die Suche nach einem passenden Gastgeber gemacht. Swasiland war sicherlich keine schlechte Wahl, denn einerseits dürfte das Wetter dort sich nicht sehr von dem im Nachbarland Südafrika unterscheiden, andererseits wäre den nordkoreanischen Spielern in der absoluten Monarchie kein (politischer) Kulturschock wiederfahren (man könnte fast sagen, dass Nordkorea gegenüber Swasiland ein Muster an Demokratie ist. Dort wurde im Gegensatz zu Nordkorea zu den letzten Parlamentswahlen nämlich noch nicht einmal eine Partei zugelassen.). Ärgerlicherweise war man in Swasiland aber nicht bereit, die Kosten für das Trainingslager zu großen Teilen allein zu tragen. Da half selbst das großzügige Angebot Nordkorea, ein Freundschaftsspiel gegen das Team Swasilands zu spielen, Interviews mit den Spielern zuzulassen und eine (Sport-)klinik zu errichten, nichts.

Auch die weitere Suche gestaltete sich schwierig. Zwar versteht man sich in Pjöngjang ganz gut mit dem verkalkten Despoten Robert Mugabe (der übrigens meiner Meinung nach das Attribut „Wahnsinnig“ weitaus eher verdient als Kim Jong Il) weshalb es naheliegend war das nördliche Nachbarland Südafrikas für ein Trainingslager auszuwählen. Allerdings sind diese freundschaftlichen Gefühle unter der Bevölkerung nicht so verbreitet. Das Volk verübelt es den Nordkoreanern noch immer, dass dieses in den 1980er Jahren eine berüchtigte Einheit der simbabwischen Armee ausgebildet hatte, die in der Folge zwischen 8.000 und 20.000 Menschen ermordete. Nachdem es zu massiven Protesten kam (was in Simbabwe ja ne schwierige Sache ist und zeigt, wie wenig man die Nordkoreanern dort leiden kann) sagte die nordkoreanische Seite dieses Trainingslager kurz vor dem geplanten Termin ab.

Mit klimatischen Ähnlichkeiten wurde es dann eben doch nichts mehr, aber immerhin konnte man (unter Mithilfe der FIFA, aber Sepp Blatter ist ja als ihr Alleinherrscher auch irgendwie Kims Bruder im Geiste) ein bisschen in der Höhe üben, denn letztendlich landete Nordkoreas Team in der Schweiz um sich intensiv auf die WM vorzubereiten (Nordkoreaner vorbereiten und Schweiz scheint irgendwie zusammenzupassen, denn schließlich hat sich hier ja auch Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un auf sein „Amt“ als Diktator vorbereitet…). Dabei scheint man erstaunlicherweise recht offen gegenüber Fans und Autogrammjäger. Hier noch ein kurzer und interessanter Radiobeitrag zu dem Trainingslager.

Wichtiger als die Vorbereitung ist aber wohl das Team. Und auch hier hat sich Nordkorea einiges einfallen gelassen. Die Teamverantwortlichen haben sich nämlich gedacht, dass ein gut aufgestellter Sturm wichtiger sei als drei Tormänner. Dementsprechend bot man anstatt des zweiten Ersatztorhüters einen zusätzlichen Stürmer im Kader für die WM auf. Hätte man die FIFA Regularien vorher wohl mal genauer studieren sollen. Dummerweise darf ein Spieler der als Keeper nominiert ist nämlich auch nur als solcher auflaufen. Daher war dieser Kniff (der aber mal wieder die Kreativität Nordkoreas im Umgang mit Regeln zeigt) wohl ein glattes Eigentor. Aber am dritten Torwart wird die Mission WM wohl nicht scheitern…

Im Stadion oder Zuhause? In Nordkorea keine Frage

Aber nicht nur der Spielbetrieb an sich gestaltetete sich für Nordkorea schwierig. Auch im Umfeld kam es zu einer erstaunlichen Zahl organisatorischer Schwierigkeiten und Kuriositäten, wobei dieses Mal höhere Gewalt allerdings kaum eine Rolle gespielt hat, sondern eher das gespannte Verhältnis der Nordkorea zu international gültigen Regeln und die besonderen Bedingungen in diesem Land.

Eigentlich ist es ja für Fußballfans eine tolle Sache die eigene Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft anzufeuern und für eine Mannschaft auch irgendwie wichtig von den eigenen Anhängern unterstützt zu werden. Im Falle Nordkoreas ist das alles aber nicht so einfach. Vermutlich sieht es Kim Jong Il eh nicht gerne wenn sein Volk Fan von irgendetwas anderem als ihm selbst ist. Noch weniger gern sieht er es allerdings, wenn sich viele Nordkoreaner aus seiner väterlichen Reichweite begeben, denn da verliert man schnell mal die Kontrolle über ihre Handlungen. Aber irgendwie erzeugt das international ja auch immer ein seltsames Bild, wenn gar kein Nordkoreaner im Stadion sitzt. Tja und da hat man eben beschlossen 1.000 Chinesen als Ersatz-Nordkoreaner zu nehmen, merkt ja keiner. Dummerweise hat Xinhua damit aber nicht hinter dem Berg gehalten und natürlich war das mal wieder ne schöne Nachricht fürs Kuriositätenkabinett. (Da hoffen wir doch mal, dass Chinesen für das“ richtige“ Team jubeln, nachdem ein nordkoreanischer Grenzer letzte Woche drei Chinesen erschossen hat…).

Fan-Trikots werden die Chinesen wahrscheinlich schonmal nicht tragen. Da gabs nämlich auch kleinere organisatorische Schwierigkeiten. Aus irgendeinem Grund hatte nämlich keiner der Ausrüster Lust sein Logo auf die Trikots und Schuhe der nordkoreanischen Fußballer zu sehen (wobei ich mir fast sicher bin, dass keine der Firmen große Probleme damit hätte, wenn Sportutensilien von nordkoreanischen Frauen (oder Kindern) hergestellt würden). Und so hat Nordkorea erst vor kurzem einen Vertrag mit der italienischen Firma Leaga unter Dach und Fach gebracht, zu spät um die Merchandise Artikel noch auszuliefern.

Aber zum Glück wird die WM ja per Satellit in alle Welt übertragen und so können die Nordkoreaner ihre Elf von zuhause aus unterstützen. Können sie? Wäre da nicht die Sache mit dem Schiff gewesen, das ein nordkoreanischer Torpedo vor fast zwei Monaten versenkt hat wäre das alles etwas einfacher gewesen. Dann hätte nämlich die südkoreanische Sendeanstalt die Signale geliefert. So haben die zurecht erzürnten Südkoreaner allerdings kurzerhand beschlossen, den Nordkoreanern die Übertragungsrechte für die WM-Spiele nicht zu gewähren. Eine Strafe die möglicherweise auch im Volk für einen gewissen Unmut sorgen würde (auch wenn Fußballspiele bisher meist zeitversetzt ausgestrahlt wurden). Aber da man in Nordkorea wie gesagt ein etwas anderes Verhältnis zu Verträgen und Rechten hat, strahlte man das Eröffnungsspiel der WM einfach trotzdem aus. Wie sich im Nachhinein herausstellte hatte man sich die Rechte auf anderem Weg gesichert (Wie in der großen Politik ist es halt auch im Sport von Vorteil „friends in higher positions“ zu haben, nur heißen die hier eben nicht China sondern FIFA. Da schauen wohl nicht nur die Südkoreaner in die Röhre (die aber eben irgendwie doppelt)).

Fußball ist Fußball bleibt Fußball

Mittlerweile wird das ganze Chaos allerdings wohl vergessen sein. Nach einigen Tagen Vorbereitung im (dank FIFA scheinbar fast nach nordkoreanischen Standards gesicherten) Quartier in Tembsia dürfte das Team wohl mittlerweile auf dem Weg nach Johannesburg sein. Heute Abend um 20:30 h rollt das runde Leder in Johannesburg und es geht mit Brasilien gleich gegen ein Team mit Dauerabo auf den Titel des WM-Favoriten. Und dann sind die Nordkoreaner (zumindest die Elf auf dem Platz) ziemlich vielen anderen Menschen auf der Welt ziemlich ähnlich. Dann geht es eigentlich nur noch um eins: Das Runde muss ins Eckige! In diesem Sinne: Viel Spaß beim Zuschauen…

Achja, wenn ihr euch so richtig gut auf das Spiel vorbereiten wollt und kurze Backgroundinfos zu einzelnen Spielern sucht dann schaut mal hier vorbei.

Fußball in Nordkorea: Geschichte, Spieler, Hintergründe


Kürzlich hab ich ja versprochen, dass ich mich anlässlich der WM Teilnahme Nordkoreas  ernsthaft mit dem nordkoreanischen Fußball und seinen Protagonisten auseinandersetzen würde. Also hab ich mich aufgemacht (so rein virtuell mein ich natürlich) um mein Wissen über die nordkoreanischen Ballkünstler etwas zu erweitern. Das wichtigste was ich rausgefunden habe werdet ihr im Folgenden zu lesen kriegen.

Beim oberflächlichen Recherchieren stößt man vor allen Dingen immer wieder auf die Info, dass Nordkorea bisher einmal an einer WM teilgenommen hat, nämlich 1966 in England. Dort hat Kim Il Sungs Team dann aber ganzschön für Aufruhr gesorgt und Italien in der Vorrunde rausgekickt. Im Viertelfinale ist ihnen dann das Kunststück gelungen, gegen Portugal 3:0 vorne zu liegen, um am Ende mit einem 3:5 nach Hause zu fahren. Aber das ist es eigentlich auch schon, wovon die (Männer)fußball-Seele Nordkoreas zehrt. Dazu gibts übrigens auch ne Doku, die ich mir bei Gelegenheit mal besorgen werde:

Jedenfalls hat man von den Fußballmännern seit diesem glorreichen Auftritt irgendwie nichtmehr so richtig was gehört. Dies könnte allerdings auch an der nicht eben kleinen politischen Einmischung in den Sport liegen. So war Kim Jong Il nach einer 3:0 Niederlage Nordkoreas gegen Südkorea 1993 so erbost, dass es für die nächsten fünf Jahre keinen internationalen Auftritt der nordkoreanischen Kicker mehr gab, denn sie sollten sich „aufs trainieren konzentrieren“. Die Frauen dagegen sorgen schon seit einigen Jahren für Furore. Die U-17 und U-20 Mannschaften der Frauen wurden in der jüngsten Vergangenheit je einmal Weltmeister, das Frauennationalteam wurde immerhin dreimal Asienmeister und musste sich bei den olympischen Spielen in Peking erst im Viertelfinale dem späteren Olympiasieger Deutschland geschlagen geben.

Hinsichtlich des Fußballs in Nordkorea, aus dem sich ja die Nationalmannschaft zu großen Teilen rekrutiert, gibt es deutliche Unterschiede zu den von uns gewohnten Strukturen. So scheint die die Infrastruktur und Ausstattung des Fußballs sehr schlecht zu sein. Scheinbar gibt es auch keine nationale Liga wie wir sie kennen, sondern Turniere, die im Rahmen verschiedener nationaler Sportfeste stattfinden. Dort ist Fußball nur eine Sportart unter mehreren, wenn auch von besonderer Beliebtheit. (Die Wettbewerbe sind: der Mount Paektu Wettbewerb im Februar, der Mangyeongdae Wettbewerb im April, der Bocheongbo Fackelschein Wettbewerb in Juni und die Republik Meisterschaften im Oktober). Die Weiterentwicklung des Fußballs wird scheinbar vom nordkoreanischen Fußballwissenschaftlichen Labor aus gesteuert, das Videos und Bücher zum Thema aus anderen Ländern importiert und auswertet (Klingt nach nem interessanten Ansatz, oder?). Es gibt acht Fußballmannschaften die zur „ersten Liga“ des nordkoreanischen Fußballs gehören von denen die Athletik Gruppe des 25. April, die dem Militär zugehörig ist, die Aprok River Athletik Gruppe, die der Polizei zugehörig ist, die Pjöngjang City Athletik Gruppe und die Lokomotive Athletik Gruppe die wichtigsten sind.

Erstaunlicherweise gibt es außer den Spielern, die in diesen Vereinen spielen auch einige Nationalspieler, die im Ausland tätig sind. Manche von diesen gehören der Gruppe der in Japan lebenden Koreaner, die Nordkorea gegenüber loyal sind an. Andere sind aber in Nordkorea geboren und aufgewachsen und dann zu ausländischen Clubs gewechselt. Einer von diesen Spielern ist Hong Yong-jo, der nach einem Gastspiel in Serbien zum FC Rostov in die erste russische Liga wechselte. Hong, der für Nordkorea mit der Nummer 10 aufläuft gilt als einer der Leistungsträger der Mannschaft, nicht zuletzt aufgrund seiner internationalen Erfahrung. Auch Choe Myong-ho, der „nordkoreanische Christiano Ronaldo“ stammt aus Nordkorea und spielt(e weiß man nicht so genau) bei  Krylia Sovetov Samara in der ersten russischen Liga. Ahn Young-hak dagegen gehört zu der Gruppe aus Japan stammender Koreaner und spielt zurzeit in Südkorea. Auch Jong Tae-se, der „asiatische Wayne Rooney“ gehört zu dieser Gruppe. Obwohl er einen südkoreanischen Pass besaß und in Japan geboren war, entschied er sich 2007 für die nordkoreanische Nationalelf. Zur Zeit spielt er in der japanischen Liga. Diese interessante und irgendwie auch internationale Mischung hat auf jeden Fall genügt um die nordkoreanische Mannschaft in den Kreis der 32 Teams zu führen, die um die Weltmeisterschaft spielen. Jedoch dürfte ein ähnliches Husarenstück wie vor über 40 Jahren in England nötig sein, um die Gruppenphase gegen, die Elfenbeinküste, Portugal und Brasilien zu überstehen. Aber weil man die Truppe ja nicht besonders gut kennt, sind vielleicht ja ein oder zwei Überraschungen möglich. Ich werd auf jeden Fall versuchen mir ein Spiel von Nordkorea anzugucken.

Achja ums nicht zu vergessen. Hooligans haben sie scheinbar auch in Nordkorea.  Nach ner 0:2 Niederlage in Pjöngjang gegen den Iran warfen Zuschauer mit Steinen und Flaschen nach den gegnerischen Spielern und hinderten sie am Verlassen des Stadions. Erst durch das Einschreiten von Spezialeinheiten der Polizei konnte die Gewalt beendet werden. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass da nicht gerade sachte mit Aufrührern umgegangen wird. Aber auf der anderen Seite zeigt es ja auch, dass es zumindest eine Gemeinsamkeit zwischen Nordkorea und dem Rest der Welt gibt…

Schurkenstaaten und Fußball: Heute Südafrika, morgen die ganze Welt!


Nachdem sich letzte Woche das letzte europäische Team für die WM Endrunde in Südafrika qualifiziert hat, ist das Teilnehmerfeld komplett. Wesentlich früher hatte sich auch Nordkorea qualifiziert und das so ganz unnordkoreanisch ohne jeglichen Beleidigungen, Atombomben oder Drohungen (Naja, fast ganz ohne, die 0:1 Niederlage bei den Brüdern im Süden konnte man sich nicht anders als durch ein fieses Vergiftungskomplott im Zuge der Konfrontationspolitik des Präsidenten Lee Myung-bak erklären) sondern einfach durch das Spielen von recht defensivem und unattraktivem Fußball. Aber wer will es ihnen verdenken, denn schließlich haben unsere europäischen Freunde von südlich der Alpen vor drei Jahren bewiesen, dass man so auch Weltmeister werden kann (naja, ich gebs ja zu, mein Herz blutet immernoch wenn ich mich an das Halbfinale erinnere), und mit Beleidigungen haben sie, zumindest Materazzi, ja wohl auch nicht gegeizt. 

Aber zurück zum Thema, stellt euch mal vor liebe Leser, Nordkorea wäre knapp, sehr knapp in die Endrunde eingezogen, sagen wir, sie hätten in der Verlängerung des entscheidenden Relegationsspiels mit Hilfe eines Tores gewonnen, dass offensichtlich mit Hilfe der Hand erzielt wurde. De facto wäre das Ergebnis wohl das gleiche, aber all die vergnüglichen Schlagzeilen und Verschwörungstheorien die  so etwas hergeben würde — ach ich wünschte die Nordkoreaner wären durch eine solche Perfidie, die man dann wohl als deutlichen Beweis für ihre innewohnende Boshaftigkeit und Hinterhältigkeit hätte nehmen können, in die Endrunde eingezogen. „Nordkorea: Bedrohte der irre Diktator den Schiri mit Nuklearwaffen“ oder: „Koch gesteht: Schiedsrichter war nur Doppelgänger, nordkoreanisches Komplott vermutet“ oder irgendein anderer Hirnquark hätte in dicken Lettern über dem Zentralorgan der deutschen Hirnamputiertenliga, geprangt. Wahrscheinlich hätte alle Welt diskutiert, ob Kim Jong Il den armen Schiedsrichter mit dem Tode gedroht, ihm unendliche Mengen von US-Dollar aus eigener Produktion, oder  extrem viele Drogen versprochen habe, oder ob der nordkoreanische Geheimdienst den Schiri gar kurzer Hand entführt und durch einen begabten und hochintelligenten Doppelgänger, vorzugsweise Kim Jong Il himself, oder sein Sagenumwobener Sohn Kim Jong-un (von dem ja eh niemand weiß wie er aussieht, was Spekulationen ja wesentlich einfacher macht) ersetzt habe.

Tja, aber damit nicht genug. Wenn man sich das alles gefragt hat, dann kann man ja auch noch weiterdenken. Es wäre ja zum Beispiel überlegenswert, warum Nordkorea überhaupt will, dass die Fußball-Nationalmannschaft nach Südafrika fährt. Ich meine, es ist ja allgemein bekannt, das die Interessen des gemeinen nordkoreanischen Machthabers kaum darüber hinausgehen, die Welt mit einem Atomkrieg zu bedrohen, mit Waffen, Drogen und Falschgeld zu handeln, arglose Journalistinnen zu entführen und es sich selbst extrem gut gehen zu lassen. Währenddessen ist es bekanntermaßen das einzige Interesse des gemeinen nordkoreanischen Volksmassemitgliedes, Wurzeln zum Essen auszugraben, unterdrückt zu werden, zu fliehen oder sich von irgendwelchen evangelikalen Weltverbesserungsfreaks bekehren zu lassen. Also wer hätte ein Interesse an Fußballern in Südafrika gehabt? Wohl nur Kim Jong Il! Und da seine Interessen ja oben schon vollständig dargelegt wurden, könnte die Tour der „Fliegenden-Pferde“ wohl nur im Zusammenhang mit dem Wohlergehen des Lieben Führers, dem Absatz von Waffen, Falschgeld und Drogen, vermutlich aber mit einem Atomkrieg zusammenhängen. Und wer würde schon die Gefahr von wandelnden nordkoreanischen Atombomben einfachso auf sich beruhen lassen? Genau! Niemand! Und dementsprechend würde vermutlich etwa 12 Minuten nach dem Handtor des Nordkoreaners (vermutlich ein Klon des vielseitig begabten Kim Jong Il), der weitsichtige Barrack Obama den UN-Sicherheitsrat zusammenrufen und in guter alter amerikanischer Tradition, die neusten Erkenntnisse und Skizzen des CIA über als nordkoreanische Fußballer getarnte wandelnde Atombomben (wahlweise Chemiewaffenlabors) vorlegen. Etwa 37 Minuten später wäre Nordkorea wahrscheinlich dann nurnoch eine Fußnote der Geschichte gewesen, denn jeder weiß: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Und ich armer Mensch hätte dann garnichts mehr zu tun gehabt. Von daher bin ich sehr glücklich, dass es nicht ein nordkoreanischer Spieler war, dem der Ball „unglücklich“ an die Hand, und dann vom Fuß ins Tor gesprungen ist. Aber was will ich eigentlich mit dem ganzen Zeug jetzt sagen? Da hab ich auch keine Ahnung. Eigentlich wollte ich was zu Fußball in Nordkorea schreiben. Aber weil ich es für  ein recht interessantes Gedankenspiel gehalten habe zu überlegen was wäre wenn, konnte ich einfach nicht anderes. Ich konnte nicht anders als eine vollkommen fiktive Geschichte erfinden, von einem schrecklichen Krieg, ausgelöst durch einen irgendwie suspekten Nuklearstaat mit darbender Wirtschaft, dessen Staatschef einen Komplex wegen seiner Größe hat und dessen Nukleararsenal bis vor einigen Jahren zum Großteil auf Deutschland zielte…(Aber warte mal! Das letzte stimmt ja gar nicht für Nordkorea, sondern nur für). Naja, entweder ich bin extrem verrückt (naheliegend) oder ihr extrem kurzsichtig (das müsst ihr selber wissen). Ich weiß jedenfalls wer Thierry Henry während der WM genauestens im Auge behält. Und sollte er auch nur das geringste Anzeichen dafür zeigen, eine getarnte wandelnde Atombombe zu sein, dann…na dann weiß ich wenigstens warum Frankreich unbedingt zur WM will. Auf den Titel können sie ja kaum Ambitionen haben, wenn man sich mal an die letzte EM und die WM Qualifikation zurückerinnert.

Achja, und was ich noch versprechen wollte: Ich werde euch sobald wie möglich noch etwas eingehender (und vielleicht sogar auf jeden Fall seriöser) über Fußball in Nordkorea informieren.