Der „alte“ Neue. — Thomas Schäfer wird wieder deutscher Botschafter in Pjöngjang


Nachdem vor gut zwei Monaten Gerhard Thiedemann, der bis dahin die Bundesrepublik Deutschland als Botschafter in Pjöngjang vertreten hatte, aus dem Land und von seinem Posten in Pjöngjang verabschiedet wurde, begrüßte Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Yong-nam vor einigen Tagen seinen Nachfolger Thomas Schäfer und überreichte ihm sein Beglaubigungsschreiben (das ist der formale Akt, mit dem Botschafter von ihrem Gastland anerkannt werden). Diese Personalie ist durchaus interessant, denn Schäfer dürfte in Pjöngjang kein unbekannter sein, immerhin ist er nicht nur Gerhard Thiedemanns Nachfolger, sondern auch sein sein Vorgänger — Kurz: Er war bereits einmal (von 2007 bis 2010) Botschafter in Pjöngjang, bevor er im Rahmen der im Auswärtigen Amt üblichen Rotation von dort nach Guatemala versetzt wurde.

Ein alter Bekannter: Mögliche Gründe für diese Wahl

Das ist natürlich nicht uninteressant. Einerseits kann man durchaus kurz darüber nachdenken, warum Schäfer nach einmaliger Rotation wieder nach Pjöngjang zurückkehrt. Diese Rotation wird unter anderem durchgeführt, um zu verhindern, dass sich das Spitzenpersonal zu sehr mit einem Gastland identifiziert. Ein Stück weit würde eine wiederholte Berufung auf ein und denselben Posten in so kurzem Abstand dieser Idee zuwiderlaufen.
Ich kann mir vorstellen, dass Nordkorea nicht das attraktivste Land ist, in das das Auswärtige Amt sein Spitzenpersonal schicken kann. Die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, das alltägliche Leben im Land für das Botschaftspersonal und ihre Familien vermutlich recht eintönig und die Optionen für berufliche Initiativen aufgrund des relativ kühlen Verhältnisses zwischen der BRD und der DVRK wohl sehr begrenzt.  Daher dürften Bewerber um diesen Posten nicht gerade Schlange stehen. Und wenn sich dann jemand „freiwillig meldet“, der sich mit der Region verbunden fühlt und deshalb gerne in einem Land dort Dienst tun will, dann gibt man dem vielleicht lieber den Vorzug, als einen anderen Kollegen, der vielleicht garnicht dorthin möchte, zu drei unangenehmen Jahren zu verurteilen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Herr Schäfer wegen des besonderen Anforderungsprofils, das Nordkorea mit sich bringt und seiner persönlichen Erfahrung mit dem Land wieder dorthin geschickt wurde, weil er schon in der Vergangenheit einen guten Job dort gemacht hat und man sich einen erfahrenen Mann dort wünscht.
Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Wert persönlicher Beziehungen, mit dem politischen Personal in Pjöngjang. Während ein neuer Botschafter sich all diese Beziehungen neu erarbeiten muss und die Zusammenhänge neu erarbeiten muss, kann Schäfer bereits auf einen großen Fundus an Wissen und Kontakten zurückreifen, die sich vermutlich leichter reaktivieren bzw. „updaten“ lassen. Gerade in Zeiten des Wandels, die sich in Nordkorea mit der Machtkonsolidierung Kim Jong Uns weiter abspielen, dürfte es wichtig sein, jemanden vor Ort zu haben, der die Dynamiken des Regimes bereits abzuschätzen gelernt hat und auch einen Vergleichsmaßstab mit der Zeit vor Kim Jong Un hat.

Erfolgreiche „erste Amtszeit“

Neben diesen Spekulationen um die Beweggründe für die erneute Ernennung Schäfers gibt es aber auch noch einige weitere Aspekte zu erwähnen. Einerseits war Schäfers erste Amtszeit in Pjöngjang dem Anschein nach im Rahmen des Möglichen recht erfolgreich. Er scheint durchaus positiven Einfluss auf den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Nordkorea gehabt zu haben. So fällt zum Beispiel die Ausstellung der „United Buddy Bears“, das sind etwa 150 künstlerich gestaltete Berliner Bären, im Jahr 2008 in Pjöngjang in die Periode seiner Tätigkeit. Auch ansonsten scheint er im Bereich des Kulturaustauschs nicht untätig gewesen zu sein und damit den Spielraum genutzt zu haben, der ihm damals zur Verfügung stand.

Wikileaks Infos

Nicht ganz so gut dürfte den Nordkoreanern gefallen haben, was sie in den Depeschen des US-State-Department nachlesen konnten, die Wikileaks veröffentlichte. Da gibt es nämlich eine Depesche, die nur von den Einschätzungen Schäfers zu internen Entwicklungen in Nordkorea handelt (im Einzelnen geht es in dem Papier von 2010 um eine 150-Tage-Arbeitsschlacht, die Nachfolgevorbereitungen Kim Jong Uns, die Einschätzung, das militärische Hardliner ihren Einfluss im Regime nach Kim Jong Ils Schlaganfall ausgeweitet hätten, Chinas Handel mit Nordkorea und die Regimestabilität). Zwar plauderte Schäfer dabei keine Staatsgeheimnisse aus, aber er äußerte sich durchaus kritisch und er teilte sein Wissen direkt mit der US-Botschaft in Seoul. Die Nordkoreaner dürften sich zwar gedacht haben, dass die Deutschen hin und wieder mit den Amis sprechen, aber ich kann mir trotzdem vorstellen, dass man jemandem, bei dem man das Schwarz auf Weiß hat, trotzdem etwas misstrauisch ist. Andererseits sind die Nordkoreaner auch pragmatisch  und wenn das ihnen in den Kram passt, dann werden sie darüber hinwegsehen können. Naja, interessant ist das trotzdem. Würde mich interessieren, ob so etwas praktische Relevanz für die Arbeit eines Diplomaten hat.

 

Viel Erfolg!

Ohne nähere Kenntnis seiner Person und der Beweggründe für seine Ernennung sagt mir mein Bauchgefühl jedenfalls, dass Schäfer eine gute Wahl für die Position und die jetzige Situation ist. Seine Kenntnisse der relevanten Akteure, der Situation vor Ort und seiner Handlungsbeschränkungen und Optionen werden ihm helfen, das Beste aus der Situation zu machen und wer weiß, vielleicht hat das auch positive Effekte auf die deutsch nordkoreanischen Beziehungen. Ich wünsche ihm für seine Amtszeit jedenfalls viel Erfolg.

Amtszeit von Gerhard Thiedemann beendet – Bisher noch kein neuer deutscher Botschafter bestimmt


Gerade bin ich ein bisschen frustriert, weil die Scheißblogsoftware meinen Scheißartikel aufgegessen hat! Aber naja, bei ein paar hundert Artikeln kommt das vermutlich rein statistisch irgendwann mal vor. Nur hoffe ich, dass sich die WordPress-Firma nicht weiter dem Zeitgeist hingibt, dass alles vorne irgendwie Schick aussehen muss und am Ende ist egal, was dahintersteht. Naja, soviel zu meinem Frust. Fast. Denn der Beitrag war eigentlich schon fertig und weil ich weder Lust noch Zeit habe, das genauso wiederzugeben kriegt ihr heute nur die Kurzversion.

Irgendwie ist es mir fast zwei Wochen durchgegangen, dass die Position des deutschen Botschafters in Pjöngjang vermutlich zum 01.07. vakant geworden ist. Gerhard Thiedemann, der den Job seit 2010 gemacht hat, ist jetzt in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei tätig. Bevor er das Land verließ, legte er allerdings noch eine ganz passable Abschiedstour hin. Er traf Außenminister Pak Ui-chun, den Parteisekretär der Partei der Arbeit Koreas für internationales Choe Thae-bok, den Vorsitzenden der Obersten Volksversammlung Kim Yong-il und den Präsidenten des Präsidiums der Obersten Volksversammlung und damit das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Yong-nam.
Das ist eigentlich eine ganz beachtliche Ausbeute. Ich hab nur mal zum Vergleich geguckt, wie viele Abschiedsbesuche die britischen Kollegen von Herrn Thiedemann absolviert haben und die Vorgängerin des jetzigen britischen  Botschafters hat nur einen gemacht, ihr Vorgänger drei.

Deutsche Botschaft.

Zur Zeit ohne Chef. Der Posten des deutschen Botschafters in Pjöngjang ist aktuell vakant. (Bild: fresh888 unter CC-Lizenz Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-ND 2.0))

Daraus könnte man einerseits ableiten, dass die DVRK einen gesteigerten Wert auf die Beziehungen zu Deutschland legt und deshalb viel diplomatische Aufmerksamkeit verschenkt, andererseits könnte man aber auch folgern, dass die DVRK gerade in der aktuellen Zeit besonderen Wert auf ihre Außenbeziehungen legt und Herr Thiedemann das Land sozusagen zur rechten Zeit verlassen hat, dann hätte das nicht direkt etwas mit ihm oder Deutschland zu tun, sondern mit der aktuellen Situation.

Wer die NachfolgerIn von Thiedemann werden wird, ist aktuell noch nicht klar. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes wird er schon als Botschafter in der Mongolei geführt, während die Position in Pjöngjang vom allseits beliebten N.N. freigehalten wird. Vermutlich wird sich Thiedemann freuen, den relativ unspektakulären und wohl auch wenig inspirierenden Job in Pjöngjang los zu sein. Dort haben die Mitarbeiter der deutschen Botschaft vermutlich so viele Einschränkungen wie in kaum einem anderen Land der Erde. Gleichzeitig kam Thiedemann in einer sehr schwierigen Phase, kurz nach dem Untergang/der Versenkung (who knows…) der Cheonan und kurz vor dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong durch nordkoreanische Artillerie ins Land. Weiter gab es in seiner Amtszeit eine nukleare Enthüllung (Uran), einen Nuklear- und zwei Raketentest, den Tod eines großen und den Start einen kräftigen Führers. Das meiste davon ist zwar für Diplomaten vermutlich nicht uninteressant, aber eigentlich nichts ist angetan die deutsch-nordkoreanischen Beziehungen zu verbessern und damit hat der Botschafter in einem entscheidenden Teil seines Stellenprofil einen schwierigen Job und nicht wirklich Perspektiven.

Ich hab mal geschaut, ob ich irgendwo Aussagen Thiedemanns zu seinen Aufgaben und seiner Sicht der Dinge finde und bin einerseits auf dieses nicht uninteressante Interview gestoßen, aber vor allem habe ich dashier gefunden, was sich wirklich lohnt. Dafür kann man mal ne Stunde investieren. Es ist ein kompletter Audio-Mitschnitt eines GIGA-Forums zu Nordkorea aus dem vergangenen Jahr (ich hatte auf die Veranstaltung hingewiesen, aber bisher war mir nicht bewusst, dass die komplett als Audio im Netz steht), auf dem Herr Thiedemann sehr ausführlich seine Erfahrungen als Diplomat in Nordkorea und seine persönlichen bzw. fachlichen Einschätzungen schildert. Absolut hörenswert. Allein seine Aussage, Kim Jong Un habe, als er ihn auf Deutsch ansprach nicht das geringste Anzeichen des Erkennens gezeigt (er und sein britischer Kollege haben das vor Kim Jong Ils Sarg, wo sie dem Jungen die Hand schüttelten getan um seine Sprachkenntnisse zu checken (ganz schön pfiffig!)), finde ich schon superspannend. Noch lieber wüsste ich aber, warum er dann bitte noch die Annahme aufrechterhält, Kim Jong Un sei ein paar Jahre in der Schweiz ausgebildet worden. Das ist doch totaler Blödsinn… Außer er weiß mehr (glaub ich aber nicht. Ich fürchte er glaubt der Presse.).

Naja, aber das nur am Rande. Ich bin jedenfalls gespannt, wer sein Nachfolger wird und wann der entsandt wird. Eigentlich muss ich zugeben, wäre ich garnicht so traurig, wenn kein relativ kompetenzarmer FDP-Außenminister oder einer seiner direkten Untergebenen diese Entscheidung träfe und es ist ja nicht mehr so lange bis zur Bundestagswahl und ich bin immernoch guter Hoffnung, dass die Wirtschaftsliberalen dann mal ein paar Jahre in der außerparlamentarischen Opposition über ihre politische Linie nachdenken können. Aber vermutlich ist es nicht so wichtig, wer den Boschafter einsetzt, denn die sind ja Profis die politische Linien  umsetzen, sondern es ist wichtig, welche Linien vorgegeben werde, aber vielleicht kommt da ja auch was im September.

Interessante Veranstaltungen im September in Berlin, Hamburg und Graz: Für (fast) jeden etwas


Der Sommer geht langsam zuende und was interessante Veranstaltungen  angeht, ist von Sommerloch keine Spur (jedenfalls wenn man im Osten, Norden oder Österreich wohnt). Eine davon habe ich zwar schon angekündigt, aber da ich eh auf die anderen beiden aufmerksam machen möchte, nochmal der Hinweis, falls jemand es übersehen haben sollte:

GIGA Forum mit Botschafter Gerhard Thiedemann am 05.09 in Hamburg

Das GIGA in Hamburg lädt für den 5. September zu der hervorragend besetzten Veranstaltung aus der Reihe GIGA-Forum: Nordkorea nach Kim Jong II: Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“. Es wird Vorträge vom deutschen Botschafter in Pjöngjang, Gerhard Thiedemann (ich habe mir sagen lassen, dass es sehr lohnend ist ihn mal sprechen zu hören) und dem NDR Journalisten Mario Schmidt, der bis 2010 Ostasienkorrespondent der ARD war, geben. Die Moderation übernimmt mit Patrick Köllner ebenfalls ein ausgewiesener Experte und hervorragender Wissenschaftler. Die Veranstaltung ist kostenlos und man muss sich nicht anmelden. Zumindest für die Nordlichter unter Euch dürfte das eines der wenigen Highlights im Nordkorea-Jahreskalender sein, also schauts Euch an.

Mittagstisch mit WFP Landeschefin Claudia von Roehl am 04.09. in Berlin

Ein bisschen kleiner, aber nicht minder interessant ist das, was die DGVN in Berlin am 4. September veranstaltet. Sie lädt zu einem Mittagsgespräch mit Claudia von Roehl, die aktuell Landesdirektorin des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen in Nordkorea ist. In dieser Funktion hat sie sicherlich einiges zu erzählen und da die Arbeit des WFP in Nordkorea und ihre jährlichen Angaben zu Hilfebedürftigen etc. auch nicht ganz ohne Kritik von anderer Seite bleiben, gibt es auch unglaublich viel interessantes zu fragen. Ich kann einen Besuch da (bitte anmelden) nur empfehlen. Wenn jemand von euch hingeht (ist ja kostenlos) und ein paar Literaturtipps zur (schlichen und fairen (es gibt ja auch noch die von irgendwelchen gestörten Konservativen in den USA)) Kritik an der Arbeit des Fhaben will, kann er mich gerne danach fragen, ich müsste ihm schnell was nennen können.

Konzert mit dem Pyongyang Mundharmonika Ensemble am 15.09 bei Graz

Die letzte Veranstaltung auf die ich hinweisen möchte fällt gegenüber den vorherigen ein bisschen aus dem Rahmen. Vom 13. bis zum 16. September wird bei Graz das „promonica West – Das Harmonica Fest“ stattfinden. Mit dabei sein wird am 15. September um 19 h auch das Pyongyang Mundharmonika Ensemble (ich schrieb ja mal darüber). Wer also in der Gegend ist und der Harmonica Musik nicht ganz abgeneigt, der ist mit 15 Euro (Kinder 10) dabei.

Menno!

Da dürfte ja sowohl inhaltlich als auch geographisch für fast jeden was bei sein. Jetzt würde ich mir nurnoch wünschen, dass außer dem Norden, dem Osten und Österreich auch noch irgendwas Interessantes im Westen stattfindet. Naja, ich halte jedenfalls die Augen offen und wünsche Euch viel Spaß.