Nordkoreanische und chinesische Medien berichten über Kims China besuch: Worum es ging.


Die chinesischen und nordkoreanischen Behörden haben gestern Abend begonnen Details über die Reise Kim Jong Ils nach China zu veröffentlichen. Das Tourprogramm der Reise war durch Beobachter ja schon recht genau beschrieben worden und konzentrierte sich vor allem auf industrielle Anlagen und technologische Produktion (laut KCNA sagte Wen Jiabao, Kim Il Sung habe vor zwanzig Jahren die gleiche Reise gemacht). Die Berichte aus China und Nordkorea konzentrieren sich aber auf den Austausch zwischen hochrangigen Politikern beider Länder.

Kim Jong Il traf sich auf dem letzten Abschnitt seiner Reise in Peking sowohl mit Präsident Hu Jintao als auch mit Premier Wen Jiabao. Auch auf der Liste stand Xi Jinping, der mutmaßliche Nachfolger Hu Jintaos. Außerdem standen Kim Jong Il während seiner gesamten Reise laut KCNA Dai Bingguo und Wang Jiarui als Reisebegleiter zur Seite. Beide haben Nordkorea in letzter Zeit besucht und Besuch aus Kims Regime empfangen. Hinsichtlich der bilateralen Beziehungen beider Länder stellte Hu Jintao fünf Punkte in den Fokus, auf die man sich künftig konzentrieren möchte:

  • Step up high-level visits and deepen China-DPRK friendship. He welcomed DPRK leaders to visit China.
  • Make more efforts to share experiences on party building and state governance and promote economic and social development.
  • Improve mutually beneficial cooperation to benefit the two peoples.
  • Deepen exchanges in culture, education and sports, particularly the exchanges among young people, to pass on China-DPRK friendship from generation to generation.
  • Increase communication and maintain coordination on international and regional situations as well as crucial issues, and jointly safeguard regional peace and stability.

Also grundsätzlich keine Überraschungen. Weiche Themen wie Kooperation in Sport, Bildung und Kultur und hochrangige Treffen. Wirtschaftliche Kooperation wurde zwar ebenfalls erwähnt, aber was konkret in diesem Bereich angesprochen wurde klingt nicht extrem weitreichend:

China is ready to make joint efforts with the DPRK to give full play to various bilateral working mechanisms, further encourage initiatives by localities and enterprises and enhance planning and coordination in an effort to boost win-win cooperation to a higher level, Wen said.

Kim hailed the tremendous achievements of bilateral trade cooperation in recent years, adding that the two sides have taken a significant step forward in building a new cross-border bridge over the Yalu River.

Mich wundert ein bisschen, dass kein Wort von den beiden chinesisch-nordkoreanischen Großprojekten in Rason und Hwanggumpyong nicht erwähnt wurden (obwohl die Brücke damit im Zusammenhang stehen könnte, weiß ich nicht). Aber vielleicht will man noch abwarten wie sich die Vorhaben weiterentwickeln.

Eingang in den Kanon der Standardfloskeln scheint die Aussage über die Weitergabe der Freundschaft zwischen China und Nordkorea über die Generationen hinweg zu finden. Die ist sowohl in den chinesischen als auch den nordkoreanischen Statements zu finden, so auch am Ende von Kim Jong Ils Rede bei dem Bankett, das Hu Jintao zu seinen Ehren ausrichtete:

Esteemed Comrade General Secretary Hu Jintao,

Dear Chinese comrades,

I am very pleased to visit China again at the invitation of you, respected Comrade General Secretary, and have meaningful meetings with you and other Chinese friends.

I, first of all, would like to express deep thanks to you for having invited us to this grand banquet, though very busy with important internal and external political affairs, and made a friendly speech just before.

My thanks also go to the collective leadership of the Communist Party of China and other Chinese comrades for warmly welcoming us with comradely and friendly feelings during our tour from Heilongjiang Province, our first leg, to Beijing.

Visiting China again after nine months amid warm welcome, we have newly felt friendly feelings of the Chinese people, our close neighbor sharing a mountain and rivers with us.

We toured northeast China where traditional DPRK-China friendship struck root, Jiangxi Province that PresidentKim Il Sungwent round during his last China visit and other vast areas of China. During the days we have been much moved by great changes and progress made in the areas under the leadership of the Communist Party of China with you as general secretary.

We are sincerely rejoiced at the achievements of the Chinese people as at our own.

This year is very significant for the Chinese people as they will greet the 90th anniversary of the CPC and started to carry on the 12th five-year plan for economic and social development.

We sincerely hope that the fraternal Chinese people will significantly celebrate the CPC anniversary and make greater achievements in the effort for adhering to the scientific outlook on development, defending the social stability and building a harmoniously developed socialist society under the leadership of the CPC headed by you.

The Chinese party and government are greatly contributing to rejecting high-handedness and dominationism and ensuring world peace and stability by pursuing a foreign policy sovereign and independent, under the banner of peace, development and cooperation.

All their signal successes go to clearly prove the scientific nature and invincibility of socialism.

We are grateful to the Chinese party and government for valuing the DPRK-China relations, striving hard to develop them and always supporting the Korean people in their effort for socialist construction and the country’s reunification.

We are also satisfied with a good strategic understanding between our two parties and two countries and with the proper implementation of agreements reached between us and the collective leadership of CPC in the political, economic, cultural and all other fields.

The traditional DPRK-China friendship, which has invariably displayed its great vitality even in the complicated international situation, will be further consolidated and developed in the future, powerfully propelling the just struggle of our two peoples for the common cause — socialist construction and national reunification.

I am very happy that our China visit serves as a good occasion in putting spurs to the development of the traditional friendship between the two countries, which struck root deep in the minds of the two peoples, overcoming all trials through history.

Our party and government will as ever make every possible effort to steadily develop the bilateral friendship, a precious heritage and common treasure provided by revolutionaries of the elder generations of the two countries.

The DPRK-China friendship will be evergreen like forests of Mt, Paektu and will be continued through generations like the flow of the River Amnok.

Interessieren wird euch vielleicht auch noch, wer Kim Jong Il auf seinem Besuch begleitete. Natürlich war Kims vermutlich wichtigste Stütze, sein Schwager Jang Song-thaek dabei, sowie einige altgediente Diplomaten und Politiker wie Choe Thae-bok oder Kim Yong-il. Auch wieder dabei waren einige Shootingstars im Regime: Pak To-chun und Thae Jong-su, sowie Mun Kyong-dok, die seit relativ kurzer Zeit ihren Weg nach Oben angetreten haben und Kim auch schon bei seinen letzten Reisen begleitet haben. Außerdem waren einige interessante Leute aus der Diplomatenecke des Regimes dabei, die ebenfalls kürzlich in der Hierarchie aufgestiegen sind: Kang Sok-ju und Kim Kye-gwan.

Sicherlich sind in der Berichterstattung über die Reise noch einige weitere interessante Aspekte zu finden, aber von meiner Seite soll das erstmal ausreichen. Bei KCNA, Xinhua und der Global Times werdet ihr noch einiges finden können, das ich nicht verlinkt habe.

Mit dem Zug nach Peking: Kims Tournee geht weiter


Kim Jong Ils Chinareise wird dieses Mal wohl besonders lang. Heute ist der fünfte Tag der Reise und erst jetzt ist er in Peking eigetroffen, nachdem er zuvor vor allem industrielle Anlagen in Changchun und Yangzhou besichtigt hat. Außerdem hat er sich in Yangzhou Gerüchten zufolge mit Chinas ehemaligem Präsidenten Jiang Zemin und dem Top-Diplomaten Dai Bingguo getroffen. In Peking, so wird vermutet, wird Kim mit Hu Jintao und möglicherweise auch mit Wen Jiabao zu Gesprächen zusammenkommen. Vor allen Dingen dürften sich die um die Nachfolge Kim Jong Uns (von dem man weiter nicht genau weiß, ob er dabei ist (aber es sieht eher nicht so aus, sonst hätte das schon irgendwer ausgeplaudert)), die wirtschaftliche Entwicklung Nordkoreas und eventuell auch um Nahrungsmittelhilfen drehen. Wen könnte außerdem berichten, was er in Fukushima mit Naoto Kan und Lee Myung-bak besprochen hat und diplomatische Entwicklungen vorantreiben. Die Themen dürften auf den Agenden beider Seiten unterschiedlich geordnet sein, so dass es interessant wäre zu wissen, welche Dinge im Endeffekt am Meisten besprochen werden (aber das werden wir wohl nicht erfahren).

Ungewöhnlich genug finde ich, dass Wen Jiabao im Rahmen des Dreiergipfels in Fukushima bereits am Sonntag bestätigt hat, dass Kim Jong Il in China sei. Dort halte er sich auf seine Einladung hin auf, um sich im Bereich wirtschaftlicher Entwicklung fortzubilden. Auch chinesische Medien verlieren etwas die Scheu bei der Berichterstattung. Während der erste Artikel der Global Times sich vor allen Dingen auf ausländische Berichte stützte, klingen die Folgenden zunehmend unmittelbar und bauen in großen Teilen auf direkter Recherchearbeit auf. Interessant finde ich auch, was das Internetportal china.org.cn schreibt. Ich weiß zwar nicht genau, welchen Status das Portal genau im chinesischen Mediensystem hat, aber völlig der staatlichen Kontrolle entzogen dürfte es nicht sein. Naja, jedenfalls gibt es da recht ungeschminkte Kritik an Kim Jong Ils Söhnen:

Außerdem bleiben ihm, falls es sich wirklich eine Erholungsreise handelt, kaum andere Reiseziele als China übrig – im Unterschied zu seinen Jetset-Söhnen, die sich oft im Ausland vergnügt haben.

Vielleicht überinterpretiere ich das auch und dieses Medium genießt soviel Unabhängigkeit, dass es schreiben darf, was es will oder die Wendungen „Jetset-Söhne“ und „Ausland vergnügen“ sind nicht als Kritik gemeint (was mich wundern würde). Interessant aber trotzdem, wenn man bedenkt wieviel zurzeit über Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un geschrieben wird.

Und wo ich gerade beim Gossip bin: Yonhap befasst sich eingehend mit einer geheimnisvollen Frau, die elegant gekleidet in Kim Jong Ils Auto mitfuhr. Könnte seine vierte Frau Kim Ok sein. Wichtig? Nicht besonders. Nur interessant, dass man scheinbar keine aktuelle Vorstellung über das Aussehen von Kims Frau hat und damit mal wieder zeigt, wie erfolgreich Kim sich und sein Umfeld abschirmt.

Baut Nordkorea einen „neuen Kalten Krieg“? — Blockbildung in Ostasien


Update (07.12.2010): Das Treffen der Außenminister der USA, Südkoreas und Japans scheint so wenig Ergebnisse geliefert zu haben, dass sich viele Medien eine Berichterstattung darüber gleich ganz sparen (dass es in erster Linie um Symbolpolitik geht machte schon die Schweigeminute zu Beginn des Treffens deutlich). Tatsächlich käuten die Drei zumindest öffentlich nur die Dinge wieder, die man in den letzten Tagen schon im Dutzend hören kannte: „Starke Verdammung“; „Aufforderung an China“ und natürlich ein „Zeichen der Einigkeit“.

Interessant sind dagegen die Bewertungen von Experten hinsichtlich der Situation rund um die Koreanische Halbinsel. In einem echt interessanten Interview sprach Shi Ming, der Experte der Deutschen Welle auf diesem Sender unter anderem von begründeten Befürchtungen Chinas, dass ein

Dreier-Militärbündnis auf Hightech-level

entstehe und dass sich China dadurch genötigt sehen könnte, selbst auch

Bündnispolitisch zu reagieren.

Victor Cha, der zugegeben einen relativ harten Standpunkt vertritt, aber auch ein Kenner der Materie ist (er war ein Sondergesandter George W. Bushs für Nordkorea und hat einiges zur Politik Ostasiens geschrieben), wird in der New York Times sogar mit den Worten zitiert:

It almost shows that there is a new cold war in Asia, with Japan, the United States and South Korea on one side, and China and the North on the other side

Ich habe gestern nämlich kurz gezweifelt, ob ich da nicht ein bisschen viel rein- (und rum-)interpretiert habe. Aber wenn dem so ist, bin ich wenigstens nicht allein damit.

Ursprünglicher Beitrag (06.12.2010): Die Dinge stehen schlecht auf der Koreanischen Halbinsel und die Perspektiven sind auch nicht eben erbauend. Nordkoreas Regime hat mit der permanenten Zerrerei an den Nerven aller beteiligten Parteien eine Situation herbeigeführt, in der nicht der Zorn auf die Verursacher der angespannten Lage vorherrscht, sondern latente Konflikte unter den Parteien mehr und mehr offen ausgetragen werden. Ob es nun Strategie war oder nicht, jedenfalls ist das Regime in Pjöngjang zunehmend der Faktor, der die Beziehungen rund um die Koreanische Halbinsel ordnet und gestaltet. Auf der einen Seite wird die Dreierallianz USA-Südkorea-Japan so eng zusammen geschweißt, dass der Pattex-ich-klebe-meine-Schuhe-mit-mir-drin-an-der-Decke-fest-Kleber dagegen lasch erscheint, auf der anderen Seite brechen bestehende Konfliktlinien zwischen den drei Parteien und China immer deutlicher auf und der gute diplomatische Ton wird zunehmend durch schrille Dissonanzen ersetzt.

Diplomatische Dissonanzen I: Die USA drängen, China wiegelt ab

Zum Thema schrille Dissonanzen gibt es heute einen äußerst spannenden Artikel in der Washington Post, dessen Nähkästchenplaudereien gut mit dem Mithalten können, das in den jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen zu finden ist. In dem Artikel wird ein anonymes Regierungsmitglied der USA unter anderem mit den folgenden Worten zitiert:

The Chinese embrace of North Korea in the last eight months has served to convince North Korea that China has its back and has encouraged it to behave with impunity, […] We think the Chinese have been enabling North Korea.

China öffentlich eine Teilschuld an den Aggressionen Nordkoreas zu geben ist ein Novum und wird vermutlich nicht hilfreich dabei sein, China von einer Neupositionierung hinsichtlich Nordkoreas zu überzeugen. Das dürfte dem anonymen Einflüsterer auch durchaus bewusst sein, vor allem wenn man eine interessante Koinzidenz beachtet. Kurz vor dem Erscheinen dieses Artikels haben die Präsidenten Obama und Hu nämlich am Telefon über Nordkorea gesprochen. Dabei hat Obama Hu nochmal persönlich „gedrängt“, eine „eindeutige Botschaft“ an das Regime in Pjöngjang zu senden, dass das jüngste Verhalten vollkommen „inakzeptabel“ sei. Die Antwort Hus dürfte Obama nicht erfreut haben, denn sie lässt nicht die geringste Änderung in Chinas Position erkennen:

China is greatly concerned about the current tension on the peninsula, and deeply regrets the loss of lives and properties in the exchange of artillery fire between the Democratic People’s Republic of Korea (DPRK) and South Korea late last month.

The fragile security situation on the Korean Peninsula, if not properly handled, could lead to further escalation of tension, or even run out of control, which is not in the common interests of all parties concerned

Ein weiterer Aufruf an alle Seiten, die Ruhe zu bewahren und verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Kein Wort darüber, dass die gegenwärtige Krise von Pjöngjang ausgelöst wurde. Würde man die Vorgeschichte nicht kennen und nur diese Aussage lesen, könnte man nicht ausmachen wer Aggressor und wer Opfer war. Naja, und kurz nach diesem, für Obama unerfreulichen, Telefonat wird Peking beschuldigt, durch sein Verhalten zu den Aggressionen Pjöngjangs beigetragen zu haben. Zufall? Wohl kaum. Washington scheint sich von Peking momentan nichts mehr zu erwarten.

Diplomatische Dissonanzen II: China ärgert Südkorea

Aber das waren noch nicht alle interessanten Informationen in diesem Artikel. Denn auch zwischen Peking und Seoul stehen die Dinge momentan nicht so gut an der diplomatischen Front. Der Krisenbesuch des chinesischen Top Diplomaten Dai Bingguo in Seoul am 27. November scheint nämlich eher für Verstimmungen als für eine Entspannung gesorgt zu haben. Eine fünfzehn Minuten vor seinem Abflug, soll China die südkoreanischen Behörden darüber informiert haben, dass Dai auf einer südkoreanischen Airbase landen werde, die sonst Staatsoberhäuptern vorbehalten sei und dass Lee Myung-bak Termine an diesen Tag absagen solle, um für eine unmittelbares Treffen mit Dai zur Verfügung zu stehen. Das ließ sich Lee natürlich nicht gefallen und so kam es erst am nächsten Tag zu einem Treffen. Bei diesem scheint Dai hauptsächlich eine „Geschichtsstunde“ über die Beziehungen Pekings und Seouls gehalten zu haben und hinsichtlich Nordkoreas nur gesagt zu haben, man solle sich beruhigen. Quasi zwischen Tür und Angel habe er dann noch den Vorschlag eines Treffens der Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen in den Raum geworfen. Klingt so, als sei Dai Bingguo nur nach Südkorea gereist, um Lee Myung-bak und seine Regierung zu ärgern. Schaut man sich diese Geschichte so an, dann kann man das wohl als klaren Beleg für das nehmen, dass ich letzte Woche hinsichtlich des Verhandlungsvorschlags Chinas geschrieben habe. Er war nie ernst gemeint, sondern ein Manöver Chinas. Wenn man mit einem Vorschlag, der fast eine Bitte ist, zu einem Verhandlungspartner kommt behandelt man ihn nicht von oben herab, man piesakt ihn nicht mit verdeckten Frechheiten und vor allen Dingen spricht man mit ihm über den Vorschlag und nicht über Geschichte. China scheint im Moment warum auch immer viel daran gelegen zu sein, sich von den USA und deren Verbündeten abzugrenzen.

Blockbildung: USA, Südkorea, Japan, aber nicht China

Dies scheint recht gut zu gelingen, denn heute treffen sich in Washington die Außenminister der USA, Südkoreas und Japans um über eine Strategie gegenüber Nordkorea zu beraten. Ohne China, wie in fast allen Medien betont wird. Damit wird die Veranstaltung an sich natürlich ziemlich Sinnlos und ist eher in den Bereich der Symbolpolitik einzuordnen, denn es gibt kaum noch Hebel, die man noch nicht umgelegt hat (Das ganze könnte dann so aussehen: „Lasst uns noch mehr Sanktionieren! – Was denn?; Lasst uns keine Hilfen mehr geben! – Welche Hilfen?; Lasst uns die Sache vor den UN Sicherheitsrat bringen! – Aber China…; Lasst uns jedee Tag Manöver abhalten! – Machen wir schon!; Lasst uns schärfere Rhetorik nutzen! – Noch schärfer?; Lasst uns ein gemeinsames Abschlussdokument verfassen, dass Nordkoreas Aggression aufs schärfste verdammt und das Land ultimativ auffordert sowas nie wieder zu tun! Ohja, das wird helfen!). Jedenfalls wird die Dreierallianz durch den jüngsten Konflikt noch enger zusammengeführt und gleichzeitig grenzt sie sich zunehmend vor allem von China ab, wozu es auch kaum eine andere Möglichkeit gibt, denn ansonsten müsste man wohl gegenüber China und damit auch gegenüber Nordkorea einlenken. Die zunehmende diplomatische Spaltung wird noch verschärft durch das nicht abklingende Machtgeprotze der Dreierallianz. Südkorea hat wenige Tage nach dem gemeinsamen Manöver mit den USA umfangreiche Schießübungen begonnen, die teilweise echte Munition nutzen und teilweise in den umstrittenen Gewässern stattfinden sollen, in denen es auch zu dem Artilleriegefecht zwischen den Staaten kam. Gleichzeitig üben auf der anderen Seite der Koreanischen Halbinsel seit dem 3. Dezember US-Amerikanische und japanische Marine recht ausgiebig. Die russische Pravda beschreibt das Manöver als unter anderem gegen China und Nordkorea gerichtet (russische Zeitungen sehen die Dinge naturgemäß etwas anders, aber es würde mich wundern, wenn nicht einige Offizielle in China diese Sicht teilten). Tja und dann gibt es natürlich noch die offensive Rhetorik aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium, die Nordkorea unter anderem mit Luftangriffen droht, wenn es noch einmal südkoreanisches Gebiet beschießen sollte. Würde es zu einer solchen Situation kommen, wäre es vermutlich recht schwierig eine Eskalationsspirale zu vermeiden. Allerdings tut der neue Verteidigungsminister damit etwas, dass wohl gegenüber Nordkorea unvermeidlich ist. Er versucht wieder eine glaubwürdige Abschreckung zu errichten, denn in eine Eskalationsspirale will der Norden auch nicht geraten.

Kalter Krieg im Kleinen

All das was oben beschrieben wurde sind Symptome der veränderten strategischen Situation auf der Koreanischen Halbinsel, die mich mehr und mehr an etwas zu erinnern beginnt, das eigentlich lange vorbei ist und das sich niemand zurück wünscht: Den Kalten Krieg. Wir haben den Aufbau von Abschreckungskapazitäten und wir haben Provokationen auf verschiedensten Ebenen, diplomatisch und militärisch. Vor allem haben wir aber etwas, dass in den letzten Jahren zu einem „richtigen“ Kalten Krieg fehlte. Es bilden sich Blöcke, zwischen denen Misstrauen das Leitmotiv ist und die ihr Handeln zunehmend an den Bedürfnissen ihres Blocks und nicht den individuellen Landesbedürfnissen ausrichten. Natürlich sind die entstehenden Grenzen in ihrer Schärfe noch nicht mit denen im Kalten Krieg zu vergleichen, aber die Mauern werden höher und das Regime in Pjöngjang hat dazu einen großen Beitrag geleistet. Mit jeder Provokation, aber auch mit jedem „Angebot“ an die USA und Südkorea, das abgelehnt wurde, legte Kim Jong Il ein paar Steine auf die Krone der Mauer und mauerte China gleich mit ein. Was mit Russland ist weiß man noch nicht, aber es als wohlwollend neutral zu bezeichnen käme wohl hin und vielleicht findet Kim ja auch noch ein paar Haken, mit denen er Russland an „sein Lager“ binden kann.

Pjöngjang profitiert

Damit hat Pjöngjang ein weiteres Mal das erreicht, dass eine wichtige Möglichkeit zum Überleben offenhält. Einen Konflikt unter den entscheidenden Parteien in seiner Umgebung. Die nordkoreanischen Diplomaten haben ihre Fähigkeit andere Staaten gegeneinander auszuspielen und davon zu profitieren schon ein halbes Jahrhundert lang kultiviert und vermutlich werden sie auch von dem bestehenden tiefen Riss profitieren. Dabei ist die Gefahr natürlich nicht zu missachten, dass Pjöngjang mehr und mehr an Unabhängigkeit an China abgeben muss und zum Satelliten degradiert wird. Bisher ist von einem Verlust der Autonomie gegenüber China wenig zu sehen. Ganz im Gegenteil hat Nordkorea großen Anteil daran, dass die Kluft so tief wurde, es ist also der Baumeister dieses neuen Kalten Krieges.

Natürlich hat auch Lee Myung-bak mit seiner Haltung dazu beigetragen, aber wer weiß, vielleicht hat er Kim Jong Il damit etwas ermöglicht, dass sich dieser schon seit langem wünschte. Nach innen kann das Regime wieder auf die „Belagerungsmentalität“ als stabilisierenden Faktor setzen, der bestehende interne Konflikte in der Zeit des Übergangs zu Kim Jong Un überdeckt. Nach außen gibt es klare Verhältnisse. Man weiß wo der Freund und wo der Feind steht und muss sich keine Sorgen machen, dass man in der Zeit des Übergangs auf einmal von China im Stich gelassen wird. Und vielleicht kann man aus dem Konflikt ja sogar noch etwas Kapital schlagen. Wer weiß, aber vielleicht hat man sich in Pjöngjang für das Modell „Kalter Krieg“ für die Machtübergabe entschieden. Das muss man wohl weiter im Auge behalten. Die einzigen die das noch wirklich verhindern können sind die USA und ihre Verbündeten. Die Gegenseite scheint erstmal gewillt und bereit, sich weiter einzuigeln.

Nordkoreas Entwicklungsplan — Investition: Ja bitte! Märkte: Nein danke!


Hallo, da bin ich endlich wieder und möchte mich erstmal entschuldigen, dass ich in einer eigentlich recht ereignisreichen Nordkorea-Woche nicht zum schreiben kam. Aber die Woche war eben nicht nur dort ereignisreich, sondern auch hier. Ich hatte eine Wohnung in ner neuen Stadt zu suchen und meine alte vor Ort an den Mann/Frau zu bringen und sollte damit entschuldigt sein (solche Aktionen sind echt stressiger als man denken sollte). Aber ihr wisst ja wo man sich noch sonst so up-to-date halten kann und daher hoffe ich, dass es zu verkraften war. Ich hatte noch nicht einmal Zeit die Neuigkeiten oberflächlich zu verfolgen und habe jetzt nicht wirklich Lust mir die Nachrichten der letzten Woche in aller Breite durchzulesen, nur um euch zu erzählen, was ihr eh schon wisst. Daher suche ich mir einfach etwas raus, das mir besonders interessant erscheint.

Auf dem Treffen zwischen Hu Jintao und Kim Jong Il während dessen überraschendem China Besuch in der vergangenen Woche soll es unter anderem zu einem (meiner Meinung nach) bemerkenswert offenen Hinweis Hu Jintaos zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas gekommen sein. Die Korea Times schreibt:

The Chinese leader urged Kim to push forward with economic reforms and modernization in the North.

Hu further said economic development could not be achieved without cooperating with the outside world, adding “this is the inevitable route to go with the times and to accelerate the development of a country.”

Und dass:

The Chinese leader’s “recommendations” appeared not to have aroused the ire of North Korea’s Dear Leader.

Der Zusammenhang, in den die Korea Times diese Aussagen stellt, finde ich zwar etwas schief, denn die Irritationen, die der damalige südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun mit ähnlichen Kommentaren ausgelöst hat, sind natürlich vor dem Hintergrund der besonderen Nord-Süd Beziehungen zu sehen und es lässt sich daraus nicht unbedingt ein generelles „Redeverbot“ zur wirtschaftlichen Öffnung des Landes ableiten. Nichtsdestotrotz ist es einerseits recht bemerkenswert, dass Hu dieses Thema so direkt angesprochen hat (natürlich nur wenn die Berichte zutreffend sind), andererseits fällt auf, dass sich Kim davon nicht hat irritieren hat lassen.

Daraus würde ich nicht ableiten, dass die nordkoreanische Führung mit chinesischen Ideen der wirtschaftlichen Öffnung vollkommen d’arcord ist, oder einen der, von Wissenschaftlern oft als Modellskizze vorgeschlagenen Entwicklungspfade (China oder Vietnam), einschlagen wird. Allerdings signalisiert eine solche Reaktion Kims klar, dass man sich über die Notwendigkeit eines irgendwie gearteten Umsteuerns im wirtschaftlichen Bereich durchaus bewusst ist und dass bei diesem Umsteuern auch das Ausland eine Rolle spielen wird. Aber der Begriff  „Kooperation mit dem Ausland“ ist natürlich ein Weiter und kann so oder so (oder ganz anders) ausgelegt werden. Dass Nordkorea zunehmende Kooperation mit dem Ausland sucht war in den Monaten kaum zu übersehen und ich vermute, dass sich in diesem Bereich schon einiges im Verborgenen abgespielt hat (wie beispielsweise der Fall Indien zeigt, dass unbemerkt von den Beobachtern zu einem der größten Handelspartner Nordkoreas geworden ist). Allerdings legt die nordkoreanische Führung bei dieser Kooperation auf einen Punkt ein sehr starkes Augenmerk. Die absolute Kontrolle der Kooperation bleibt beim Staat. Wer der Partner auf der anderen Seite ist, ist nicht wichtig, aber auf der nordkoreanischen Seite gibt es keinen Platz für den Markt. Dies deckt sich auch mit dem rigiden Vorgehen, dass das Regime in den letzten Monaten gegenüber sich entwickelnden marktwirtschaftlichen Strukturen an den Tag gelegt hat.

Für die wirtschaftliche Entwicklung Nordkoreas lassen sich daher meiner Meinung nach zwei grundlegende Trends feststellen, die die Ausrichtung der Wirtschaft des Landes in den nächsten Jahren bestimmen wird. Einerseits hat man sich scheinbar damit abgefunden, dass eigentlich in der Juche-Ideologie fest verankerte Paradigma der Autarkie auch mehr und mehr öffentlich fallenzulassen (in der Realität war es dem Nordkoreanischen Staat ja nie gelungen, Autarkie umzusetzen. Schon immer war man auf Austausch mit bzw. Hilfen von anderen Staaten angewiesen). Dieser Schritt erleichtert es den Verantwortlichen in Nordkorea um ausländische Investitionen zu werben. Andererseits will der Staat aber weiterhin alle Fäden in der Hand halten, auch wenn es um ausländische Investitionen geht. Der Markt und damit Verbunden auch Gedanken, die in der Bevölkerung „marktwirtschaftliches Denken“ auslösen könnten, soll weiterhin draußen bleiben. Was zwischen Nordkorea als Staat und den Investoren abläuft steht auf einem anderen Blatt, denn hier müssen mitunter Regeln der globalen Märkte beachtet werden. Doch die Bevölkerung soll von diesen Ideen abgeschirmt werden. Gelingt es dem Regime, die Rohstoffe des Landes (wozu ich auch Humankapital zähle) gewinnbringend an ausländische Investoren zu verkaufen (mit dem Ziel einer zumindest bedarfsdeckenden Versorgung großer Teile der Bevölkerung), während es die Menschen im Land vor einer allzu starken „geistigen Infiltration“ „schützt“, kann es das Land wirtschaftlich und ideologisch stabil halten und damit die Erfolgschancen für das eigene Überleben stärken. Dadurch, dass Schwellenländer wie bspw. China und Indien, denen die Bedingungen einer Kooperation weniger wichtig sind an Wirtschafts- und Finanzkraft gewinnen, verbessern sich auch die Chancen einer solchen Strategie Nordkoreas. Die große Frage bleibt meiner Meinung nach aber, ob die Idee des Marktes nicht schon in „zuvielen“ Köpfen in Nordkorea verankert ist, bzw. ob man das Entstehen solcher Ideen dauerhaft unterdrücken kann. Aber das muss die Zukunft zeigen.

Was die Zukunft zeigen wird ist, dass Nordkorea weder versuchen wird dem chinesischen, noch dem vietnamesischem Entwicklungsmodell zu folgen. Dass diese beiden immer wenn es um Nordkoreas Wirtschaft geht hervorgekramt werden ist einerseits verständlich, denn es bestehen grundsätzliche Ähnlichkeiten zwischen den Situationen dieser Staaten damals und derjenigen Nordkoreas heute. Andererseits wird dabei aber immer die besondere Situation missachtet, die die Teilung Koreas für Nordkorea bedeutet und die viele unterschiedliche Facetten hat. Allein aufgrund dieser Tatsache glaube ich, dass das Regime die Notwendigkeit für ein eigenes Modell sieht.

Cheonan und China: Was gerade wichtig ist


Zurzeit gibts ja gleich zwei Themen im Bezug zu Nordkorea, die die Medien beherrschen. Das Eine ist Kims Reise nach China, samt Spekulationen und Berichten wo er war, was er angeschaut hat, wer dabei war und vor allen Dingen was er gesagt hat. Das Andere der Untergang der Cheonan mit Spekulationen und Berichten darüber, was für Beweise es gibt, warum Nordkorea es gemacht hat und vor allen Dingen, wie Südkorea reagieren wird/soll. Beide Felder sind – wie ich meine – immernoch sehr spekulativ. Nichtsdestotrotz sollte ich wohl mal die Fakten zusammenfassen damit man auf dem neuesten Stand ist.

Zuerst also zur Cheonan, denn da ist man schneller fertig, was die Fakten anbetrifft. Yonhap berichtet, dass ein Vertreter der Regierung gesagt habe, am Wrack der Cheonan seien Spuren von Sprengstoff gefunden worden, die zum Bau von Torpedos verwendet werden. Weiterhin an der Explosionsstelle Aluminiumsplitter gefunden worde sein, was ebenfalls auf einen Torpedo als Ursache hinweisen würde. Etwas seltsam mutet die Anmerkung an, es werde geprüft ob ein Torpedo deutschen Fabrikats im Spiel sein könnte, den Nordkorea genutzt haben soll um von der eigenen Schuld abzulenken und eine falsche Fährte in Richtung Südkorea zu legen, dass solche Torpedos nutzt (Oder finde nur ich das seltsam). Einen anderen interessanten Bericht habe ich in der Korea Times gesehen. Hier wird berichtet, die Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung gegen Individuen eingeleitet, die gegenstandslose Gerüchte über die Ursachen des Untergangs gestreut hätten. Unter anderem sei der frühere Sekretär von Verteidigungsminister Kim Tae-young, Park Seon-won, in den Blickpunkt des Interesses der Behörden gerückt. Unter anderem soll das folgende Pressestatement dafür verantwortlich sein:

„The information the South Korean government has, but has not disclosed, is in the hands of the United States. The Korean government is refusing to make public detailed information, including the destination to where the Cheonan was heading at the time of the explosion and how fast it was sailing.“

Versteh ich nicht, was daran jetzt so schlimm war, ihr? Aber weiter im Text. Park soll unter Roh Moo-hyun als Sekretär des Präsidenten in Nordkorea-fragen gearbeitet haben. So weit so gut, aber mehr verstehen tu ich das immernoch nicht. Hat er Gerüchte gestreut die nicht auf Nordkorea hinwiesen? (Ich meine wegen Roh) Das sehe ich in seinem Statement auch nicht. Neben diesem Fall sollen zehn weitere Gerüchte untersucht werden. Wie gesagt, ich blicke nicht ganz durch, wo da die Linien in der südkoreanischen Administration verlaufen, aber da eigentlich immer nur Sachen durchsickern, die auf Nordkorea hindeuten, kann ich mir wenig anderes verstellen (Es sei denn in Südkorea folgen einige der Argumentationslinie, die Kim Myong-chol kürzlich in seinem Artikel vertreten hat. Aber das davon in den südkoreanischen Medien so garnichts berichtet würde? Naja, aber vielleicht hört man auch hiervon bald mehr. Auf jeden Fall ist die Informationspolitik der südkoreanischen Seite weiterhin alles andere als klar und eindeutig sondern fördert eher das Entstehen immer neuer Gerüchte.

Apropos Gerüchte. Kim Jong Ils China-Besuch war offensichtlich keins. Neben einigen Fotos, hat die chinesische Seite den Besuch diese Mal sogar bestätigt und angeblich die südkoreanische Regierung aufs genaueste gebrieft, worum es bei den Treffen zwischen Kim und Hu Jintao und scheinbar auch Wen Jiabao (seltsamerweise finden die Meisten Medien dieses Treffen nicht einmal einer Erwähnung wert) gegangen sei. Viel Messbares scheint jedenfalls nicht rausgekommen zu sein (Allerdings glaube ich nicht, dass Artikel wie der der Chosun Ilbo, die scheinbar China zu einer offeneren Informationspolitik drängen sollen, viel Sinn machen. Eigentlich ist doch klar, dass sowas eher kontraproduktiv wirkt. Aber naja, dass müssen die Redakteure wohl selbst wissen). Die Statements, dass sich Nordkorea weiterhin um die Denuklearisierung bemühen wolle sind ja nicht gerade neu. Das sagt man schon lange. Nur verlangt man eben die Erfüllung von Bedingungen, die Südkorea und die USA (zurecht) nicht erfüllen wollen. Tja und ansonsten gibts nur schwammige Verlautbarungen, die es jedesmal gibt weil sie zum guten Ton gehören. Sowas wie: Man will die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich intensivieren. Wir werden wohl weiter die Augen offen halten müssen, ob sich an der Politik was ändert, oder ob es neue Investitionen gibt.

Leider habe ich mal wieder nicht so viel Zeit wie ich gerne hätte und muss es daher für heute dabei belassen…

Kim besucht China: Was auf der Agenda steht.


Der Besuch Kim Jong Ils in China, über den ja schon seit längerem spekuliert wurde, scheint heute Morgen begonnen zu  haben. Berichten zufolge überquerte Kims Zug um 5:20 Ortszeit bei Dandong die Grenze nach China und reiste dann in die Hafenstadt Dalian auf der Halbinsel Liaodong weiter. Kim, der sehr selten ins Ausland reist und sich dann immer auf sein bevorzugtes Fernreisemittel, die Bahn, verlässt (Gerüchte besagen er habe Flugangst) war zum letzten Mal im Jahr 2006 in China zu Besuch. Im November letzten Jahres hatte Chinas Präsident Hu Jintao Kim Jong Il eingeladen, eine „Angebot“ das Kim nur schwerlich ausschlagen konnte und das immer wieder zu Spekulationen über einen möglichen Besuch Kims in China geführt hat.

Wie Kims Reiseroute aussehen und was bei seinen Konsultationen mit Hu Jintao auf dem Programm stehen wird ist natürlich nicht bekannt, allerdings dürfte über einige Punkte sicherlich gesprochen werden. Schon die erste Station seiner Reise, die Stadt Dalian, die bei Beobachtern für einige Verwunderung sorgte, lässt vermuten, dass wirtschaftliche Fragen eine bedeutende Rolle spielen dürften. In den letzten Wochen waren Berichte laut geworden, Nordkorea wolle den Hafen in Rajin, der zu Sonderwirtschaftszone Rason gehört, ausbauen und es seien bereits Docks an chinesische und russische Unternehmen verpachtet worden. Es wird gemutmaßt, dass Kim in Dalian Expertise über Hafenentwicklung einziehen wolle. Ein weiteres Thema dürfte die Denuklearisierung Nordkoreas sein. Die Vorbereitungen der Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung des Landes waren in den vergangenen Monaten in eine Sackgasse geraten. Hier könnte der Besuch Kims, der in solch bedeutenden Themen die Entscheidungen trifft, entscheidende Impulse geben (Es würde mich nicht überraschen, wenn man in den nächsten Tagen einen neuen Anlauf Nordkoreas in diese Richtung sehen würde). Wie oben bereits angedeutet, dürften auch wirtschaftliche Themen einen hohen Stellenwert bei den Gesprächen haben. In den letzten Monaten sind Meldungen über Investitionen chinesischer Unternehmen in Nordkorea in kurzen Zeitabständen aufeinander gefolgt. Hier könnte über neue Deals gesprochen werden (außerdem hat man lange nichts mehr von dem 10 Milliarden Geschäft gehört, dass China angeblich im Norden plant). Vielleicht Ganz sicher tauscht man sich auch über den Untergang der Cheonan, seine möglichen Gründe und die Folgen aus (da würde ich gerne Mäuschen spielen (bin aber wohl nicht der Einzige)). Ein weiterer Punkt der anstehen könnte wäre eine  Vorstellung des vermutlichen „Thronfolgers“ Kim Jong Un. Es wurde in der Vergangenheit bereits viel darüber spekuliert, ob und wann er bereits China besucht hat. Aber seit sich (wenn es denn so ist) Kim auf ihn festgelegt hat, war es sicher nicht dort. Und ne formelle Vorstellung gegenüber dem wichtigsten Patron muss wohl sein. Außerdem muss der Junge ja auch mal was darüber lernen wie die Dinge in der „großen Politik“ laufen.

Tja da gibt es einiges zu besprechen und ich bin mir sicher, dass es auch das eine oder andere Ergebnis zu vermelden geben wird. Dementsprechend halte ich die Reise im Auge und werde mich, wenns was Neues gibt, dem auch ausgiebig widmen.

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