Investor gefunden: Chinesische Reiseanbieter nehmen Touren ins Ressort am Kumgangsan auf


Lange nichts mehr gehört vom Tourismus-Resort im Kumgang-Gebirge. Ihr erinnert euch vielleicht: Das Ressort wurde von dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai-Asan (einer Tochter des Hyundai-Konzerns, der hier vor allem durch seine Autos bekannt ist) als einer der tragenden Pfeiler der Sonnenscheinpolitik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jungs aufgebaut. Bis 2008 besuchten über 2 Millionen Südkoreaner die Anlage. Doch dann wurde eine südkoreanische Touristin unter nicht ganz geklärten Umständen von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen und die Touren wurden abgebrochen.

Nordkoreas lange Suche nach Investoren am Kumgangsan

Seitdem diente das Ressort lange Zeit als Spielball der politischen Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul und da seitdem die Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht gerade gut waren, endete die Geschichte (wie es bisher aussieht) auch nicht gerade gut für die südkoreanische Seite. Nordkorea verkündete, dass es die südkoreanischen Besitzer enteignen würde und sah sich seitdem nach anderen Investoren für die Anlage um. Das gelang bisher eher schlecht als recht. Eine Vereinbarung mit einem Unternehmen im Besitz eines Amerikaners koreanischer Abstammung wird in der Realität  wohl kaum umsetzbar sein, denn dazu müssten die US-Behörden zustimmen, was wohl bis auf Weiteres nicht passieren wird. Außerdem gab es im September letzten Jahres noch eine kurze Episode, bei der ein nordkoreanisches „Kreuzfahrtschiff“ (umgebautes Containerschiff. Hier gibts eine Broschüre vom Schiff mit vielen Bildern, das dort als „Large-Size Cargo-Passenger Ship“ charakterisiert wird (ich weiß allerdings nicht von wann die ist. Könnte also sein, dass das noch aus den Zeiten herrührt, als die Mangyongbong 92 noch als Fähre zwischen Nordkorea und Japan diente)) internationale Touristen, aber vor allem Journalisten von Rason aus zu der Anlage im Kumgang-Gebirge brachte.

Was lange währt…: Chinesen richten Touren aus

Nun scheinen die Bemühungen Pjöngjangs aber weitere Früchte zu tragen. Chinesischen Medienberichten zufolge, werde die Anlage im Kumgang-Gebirge bald für chinesische Touristen geöffnet. Die erste Tour, die auch wieder per Schiff von Rason aus starten soll, sei für den 14. April geplant (für diese Zeit plant man ja viel in Nordkorea. Vielleicht können die Chinesen ja dann der Rakete beim fliegen zuschauen). Auch in dem Ressort würden Vorbereitungen getroffen. So soll dort am 15. April ein Duty-free-Shop eröffnen. Die Touristen bräuchten für den Besuch in der Anlage kein Visum. Auf chinesischer Seite würden vier Reiseveranstalter in der Provinz Jilin die Touren exklusiv vertreiben. Dem Bericht zufolge geht die Aufnahme der Touren auf eine Vereinbarung der nordkoreanischen und der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2010 zurück. Damals habe man sich geeinigt, das Gebiet für chinesische Touristen zu öffnen.

Spiegel der südkoreanisch-chinesischen Beziehungen

Das erinnert mich an einen Bericht aus diesem Jahr, nach dem China auf Intervention Südkoreas hin den Verkauf von Touren in das Ressort untersagt habe. Das scheint sich dann wohl jetzt geändert zu haben, nachdem diese Vereinbarung fast zwei Jahre geruht hatte. Vielleicht ist dies auch eine kleine Reaktion Chinas auf den Druck, den Seoul hinsichtlich der Flüchtlingsfrage auf es ausüben möchte. Möglicherweise sieht man zurzeit weniger Veranlassung, auf die Bedürfnisse Seouls Rücksicht zu nehmen.

Der „große Unterschied“…

Ganz witzig fand ich in dem Medienbericht zu den neuen Touren noch ein Zitat eines chinesischen Tourismusverantwortlichen. Er sagte:

The big difference between Mount Kumgang and other scenic spots is that…

[Der große Unterschied zwischen dem Kumgangsan und anderen landschaftlich reizvollen Orten ist, dass…]

und? Was würdet ihr jetzt erwarten? Also ich dachte jedenfalls da käme was vonwegen „unglaubliche Schönheit“ oder „einzigartige Flora“, „größter Wasserfall“, was weiß ich? Aber:

…tourists are not allowed to take mobile phones and professional camera equipment.

[…es Touristen nicht gestattet ist, Handys und professionelle Kameras mitzunehmen.]

Hm, das fände ich aber irgendwie blöd als Tourist, wenn man nicht telefonieren und fotografieren darf. Keine Ahnung, was es damit wohl auf sich hat. Eine gute Werbung ist es jedenfalls nicht.

Hyundai Asan soll Tourmonopol am Kumgangsan verlieren — Aber die Tür bleibt einen Spalt offen


Das Regime in Pjöngjang scheint nicht mehr zu erwarten, dass die touristische Kooperation am Kumgangasan mit dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai Asan so bald wieder aufgenommen wird. Gestern veröffentlichte KCNA ein Statement des Korea Asia-Pacific Peace Committee (KAPPC), nach dem Hyundai Asan sein Monopol auf Touren zum Kumgangsan verlieren soll. Nach Ansicht des KAPPC sei die nordkoreanische Seite aufgrund des Vertragswerks über die  Touren und auf Basis internationalen Rechts, hierzu berechtigt. Ich kenne das Vertragswerk nicht und werde auch nicht vollkommen schlau aus dem Inhalt des Statements, aber klar ist, dass Pjöngjang die Tür für Hyundai Asan weiterhin offen halten möchte, aber das Gebiet im Zweifel auch ohne das Unternehmen touristisch nutzen will.

In this regard it informed the Hyundai side of its stand that it may terminate the validity of the provision of the agreement on tour of Mt. Kumgang signed with the Hyundai side which calls for granting it monopoly over the tour, the DPRK may take charge of the tour through the areas of the north side and entrust an overseas businessman with the tour and the Hyundai group may continue conducting the tour through the areas of the south side and formally handed an official document related to it to the side.

Ob das Gerede vom Gelände  der nördlichen Seite, dass der Norden nun übernehmen möchte und der südlichen Seite, die weiterhin Hyundai vorbehalten soll streng geographisch gemeint ist, oder sich möglicherweise auf die Gebäude bezieht, die von Hyundai errichtet wurden, wird hier meiner Meinung nach nicht wirklich klar (vielleicht in der koreanischen Version der Nachricht, aber die kann ich ja nicht lesen).

In dem Statement wird weiterhin die südkoreanische Regierung bezichtigt, dass nicht Sicherheitsbedenken der Grund für das lange Ruhen der Touren seien, sondern die generelle politische Linie. Ganz falsch ist das vermutlich auch nicht. Zwar war die Erschießung einer südkoreanischen Touristin ein nachvollziehbarer Grund, die Touren auf Eis zu legen und natürlich ist es Aufgabe der südkoreanischen Regierung, ihre Bürger auf solchen Touren zu schützen. Aber wenn man nicht bereit ist, mit dem Norden über die Sicherheitsbedenken zu sprechen, ist auch ziemlich klar, dass die nie ausgeräumt werden können.

Was ich außerdem noch interessant finde ist die Nennung eines unbekannten „overseas businessman“ der Interesse an der Ausrichtung von Touren in den nördlichen Gebieten haben soll. Da kann man natürlich nur raten, aber immerhin hat Koryo Tours im letzten Jahr schon einmal eine Reise zum Kumgangsan im Programm gehabt. Zwar scheint Nicholas Bonner, der Chef des Unternehmens, in Peking zu wohnen, aber ursprünglich ist er Brite und damit schon irgendwie ein „overseas businessman“. Aber vielleicht ist es auch ganz wer anderes.

Unabhängig davon ist das Ganze natürlich nicht gerade gut für Hyundai Asan. Ich habe mich ja schon öfter mal mit dem Unternehmen befasst, dass Teil des Hyundai Firmenkonglomerats ist (anders als Hyundai-Motors) und zurzeit eigentlich etwas perspektivlos dasteht. Es wurde schließlich gegründet, um Kooperationsprojekte mit Nordkorea durchzuführen und die stehen gerade nicht besonders hoch im Kurs. Dementsprechend schreibt Hyundai Asan seit Jahren Millionenverluste und hat mittlerweile begonnen, sich neue Tätigkeitsfelder zu suchen (etwas worin man in Nordkorea Erfahrungen sammeln konnte: Entwicklungshilfeprojekte). Das ist vermutlich auch vernünftig so, denn zumindest solange Lee Myung-bak im Blauen Haus sitzt (das soll keine einseitige Anklage sein, aber die Positionen Lees und Pjöngjangs liegen nunmal so weit auseinander, dass es unwahrscheinlich ist, dass man sich irgendwo treffen kann), sind Kooperationen nach wie vor unwahrscheinlich. Das Statement zeigt aber auch, dass Pjöngjang weiß, was es an Hyundai Asan hat und dass man sich da nicht alles verbauen möchte, indem man Hyundai Asan als Punchingball benutzt. Gewisse Gebiete bleiben dem Konzern vorbehalten und wenn sich die politische Situation nochmal ändert, scheint man in Pjöngjang zu hoffen, mit Hyundai an alte Kooperationen anknüpfen zu können:

Trust and cooperation between the DPRK and the Hyundai Group will go on in the future, too, and the DPRK remains unchanged in its stand to realize the desire of the south Koreans to tour Mt. Kumgang.

Aus Sicht des Regimes in Pjöngjang schließlich wäre es irgendwie ja auch dumm, dieses touristische Pfund was man da nunmal hat, auf unbestimmte Zeit brachliegen zu lassen. Scheinbar ist man ja daran interessiert mehr Touristen ins Land zu bekommen. Und da muss man halt auch was bieten.

Tschüss Hyundai Asan, Willkommen Koryo Tours? Stabwechsel im Kumgangsan?


So, da bin ich wieder in (fast) alter Frische, aber wie meine Stimme so klingt kann man ja auf der anderen Seite des digitalen Äthers nicht wahrnehmen und meine Finger machen ihren Job ganz gut. Ich hab eben mal überflogen was ich in der letzten Woche der Netzlosigkeit so verpasst habe und es war nichts besonders wichtiges dabei, was ja schonmal gut ist. Mit Fußball will ich euch fürs Erste nicht weiter beglücken/behelligen/belästigen, da werd ich nochmal drüber schreiben, wenn Kims Elf wieder in der Heimat eingetroffen ist, denn es gibt ja auch noch eine Welt jenseits des runden Leders und die will auch entsprechend gewürdigt sein. Daher erstmal eine interessante Meldung aus der Chosun Ilbo:

Scheinbar beginnt Nordkorea vorsichtig das Gelände am Kumgangsan, dass in Kooperation mit Hyundai Asan für südkoreanische Touristen erschlossen wurde, für andere touristische Projekte umzunutzen. Koryo Tours, der wohl bekannteste Anbieter für Reisen nach Nordkorea, bietet im Rahmen zweier Tourpakete Besuche im Gebiet des Kumgangsan an. Bei einer Reise vom 7. bis zum 17. August steht dabei auch ein Besuch im ehemaligen Hyundai-Ressort auf dem Programm:

Vormittags: Drive to Outer Kumgang – previously a resort operated by Hyundai for visiting South Korean tourists, newly opened to visitors from the Northern side, you’ll be the first tour group to make this journey also, stunning scenery as the road winds its way through Korea’s most beautiful mountain range. Samil Lagoon for light hiking and sightseeing, islands and pavilions abound

Nachmittags: Guided hike in Kumgangsan, see the famous peaks and valleys that Hyundai paid hundreds of millions of $ for access to, evening long drive to return to Pyongyang for a late arrival

Scheinbar sind zwar keine Übernachtungen im Ressort geplant, der Besuch dürfte allerdings ein weiteres eindeutiges Signal an Hyundai Asan sein, dass man zur Bewirtschaftung des Areals nicht auf das Unternehmen angewiesen ist. Witzig finde ich die fast höhnische Aussage im Werbetext von Koryo Tours „see the famous peaks and valleys that Hyundai paid hundreds of millions of $ for access to“, aber vielleicht hat sich die nordkoreanische Seite diesen Zusatz ja erbeten, um Hyundai nochmal daran zu erinnern, wie viel Geld da gerade in den nordkoreanischen Bergen verschütt geht. Von Hyundai Asan selbst war nur zu hören, dass dieses Vorgehen Nordkoreas nicht als Vertragsbruch gewertet werden könne, da dieses Mitbetreiber der Tourpakete sei, was ihm scheinbar die rechtlichen Grundlagen für einen Tourbetrieb mit anderem Partner in diesem Gebiet liefert.

Es wird also deutlich, dass Nordkorea seinen strikten Kurs bezüglich des Kumgangsan-Ressorts weiter beibehält, ohne jedoch das Tischtuch mit Hyundai Asan ganz zu zerschneiden. Allerdings scheint man einen Plan-B ohne Hyundai auszuarbeiten und so würde es mich nicht wundern, wenn im nächsten Jahr längere Touren von Koryo Tours ins Kumgangsan führen würden. Hyundai Asan selbst kann an seiner misslichen Lage wenig ändern und muss darauf hoffen, dass sich die eigenen Chancen mit einer Entspannung der politischen Lage verändern. Einzig über den schwergewichtigen Mutterkonzern könnte etwas politischer Druck aufgebaut werden, aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen verspricht das wohl kaum Aussicht auf Erfolg.

Nordkorea jagt Hyundai Asan mit Ultimatum ins Bockshorn


Ich hab ja vor ein paar Tagen über die Schwierigkeiten berichtet, die Hyundai Asan zurzeit plagen. Scheinbar fand man das Ultimatum das Nordkorea gestellt hat, dort recht beeindruckend. Nordkorea hatte verkündet, dass alle Unternehmen, die Anteile am Touristenressort am Kumgangsan haben, sich bis Donnerstag dieser Woche dort einfinden sollen, ansonsten würden sie enteignet. Hyundai Asan, dem es ohnehin daran gelegen ist, dass die Touren in das Ressort wieder aufgenommen werden, scheint kein Risiko eingehen zu wollen und schickt Vertreter nach Nordkorea. Auch die staatlich betriebene Korean Tourism Organisation (KTO) hat sich entschlossen, dem Ultimatum zu entsprechen. Natürlich wird von staatlicher Seite darauf hingewiesen, dass es sich bei der KTO Delegation keine Regierungsvertreter befinden würden. Aber ob das wohl einen großen Unterschied macht?

Fakt ist, dass Nordkorea scheinbar, wenn auch nur in einem weniger bedeutenden Bereich, eine Schmerzgrenze gefunden hat, mit der man die südkoreanische Seite erpressen kann. Scheinbar will der Süden die Errungenschaften im Bereich der Touristentouren nicht so einfach null und nichtig machen lasse, bzw. Hyundai Asan und damit Hyundai hängen lassen. Langfristig wird man dann allerdings in Seoul etwas mehr auf die Wünsche des Nordens eingehen müssen. Dazu war man zwar bisher nur sehr begrenzt bereit, da man aber nun gezeigt hat, dass man hier erpressbar ist, wird es schwer sein, diesen Weg nicht weiterzugehen. Ein kleiner Etappensieg für Pjöngjang also.

Da bleibt mir dann wohl nurnoch zu sagen: „To be continued…“

Hyundai Asan in schwierigem Fahrwasser. Virtuelle Geisel Nordkoreas?


Momentan ist es ja für manche Unternehmen nicht einfach Geschäfte zu machen. Aber nicht alle Schwierigkeiten rühren von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise her. Manche haben auch einfach Probleme, weil sie schwierige Geschäftspartner haben. Ein Paradebeispiel für einen solchen Fall ist Hyundai Asan. Dieses Unternehmen steckt gerade in äußerst schwierigem Fahrwasser. Kein Wunder, wenn man weiß, dass diese Tochter des in Deutschland vor allem für seine Autos bekannten Hyundai Konzerns ist, einzig Geschäfte mit Nordkorea macht. Gleich zwei Meldungen werfen momentan ein kritisches Licht auf den Konzern und seine Zukunft. Einerseits hat der Vorstandschef des Unternehmens für die kommende Woche seinen Rücktritt angekündigt, andererseits droht Nordkorea, die Besitzungen Hyundai Asans im Kumgang Gebirge zu übernehmen und sich neue Geschäftspartner für das Touristenressort, dass als eines der Vorzeigeprojekte der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Nord- und Südkorea gilt, zu suchen.

Aber vielleicht macht es zu Beginn Sinn, ein paar Sätze über Hyundai Asan, seine Entstehung und Geschichte zu schreiben (Wer selbst was dazu lesen will, sollte sich die Seite des Unternehmens anschauen. Da gibts viel Lesenswertes). Hyundai Asan hat sich das, für ein Wirtschaftsunternehmen durchaus anerkennenswerte Ziel gesetzt, durch wirtschaftliche Kooperation mit Nordkorea für Verständigung auf der Koranischen Halbinsel zu sorgen (Manchmal fände ich es bei hiesigen Unternehmen auch toll, wenn sie in irgendeiner Form höhere Ziele als Rendite anstreben würden und nicht nur Umweltschutz o.ä. groß auf ihre Fahnen schrieben, weil es gerade opportun und damit werbewirksam ist!). Damit kann es als die Realität gewordene privatwirtschaftliche Ausformung der Sonnenscheinpolitik Kim Dae-jungs gelten. Der schwierige Auftrag wurde dem Unternehmen vom Gründer der Hyundai Gruppe, Chung Ju-yung, ins Stammbuch geschrieben. Dieser war auf dem Gebiet Nordkoreas geboren worden und verspürte dementsprechend eine Verantwortung für das Wohlergehen dem Menschen in Nordkorea und für die Verbesserung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel. Im Jahr 1998, dem Jahr der Amtsübernahme Kim Dae-jungs nahm er Kontakte mit der nordkoreanischen Führung auf und erreichte einen Kontrakt über den Start des Touristenressorts am Kumgangsan (Hierbei soll auch eine symbolische Geste eine Rolle gespielt haben, in deren Rahmen Chung 500 Rinder über die Grenze zu Nordkorea getrieben hat (Was aber nicht der größte Wert gewesen sein dürfte, der für die Aufnahme der Kooperationen an Nordkorea „gezahlt“ werden musste)). Im Jahr 2000, zufällig das Jahr, in dem mit Kim Dae-jung erstmals ein südkoreanischer Präsident  nach Pjöngjang reiste, wurde dann ein Vertrag über die Eröffnung des Kaesong Industrieparks, dem zweiten Vorzeigeprojekt zwischen Süd- und Nordkorea, geschlossen. Die Entwicklung beider Projekte verlief zu Beginn aus verschiedenen Gründen schleppend und war mit vielen Fragezeichen versehen (So war zum Beispiel am Anfang nur eine Anreise per Schiff ins Kumgangsan möglich, was die Kosten erhöhte und die Besucherzahlen begrenzte), jedoch werden (oder wurden bis vor zwei Jahren) sie mittlerweile von Beobachtern als Erfolge gewertet. Im Jahr 2003 wurde allerdings in der Öffentlichkeit bekannt, dass für den Besuch Kim Dae-jungs in Pjöngjang eine Aufwandsentschädigung von 500 Millionen US Dollar von Hyundai nach Pjöngjang geflossen war. Dies brachte einerseits Kim Dae-jungs Sonnenscheinpolitik in Misskredit. Andererseits führte dies dazu (ich habe ja gestern schonmal was über rollende Köpfe und so geschrieben, das gilt wohl auch hier), dass sich der Vorstandsvorsitzende des Hyundai Konzerns, Chung Mong-hun, der Sohn des Unternehmensgründer, von einem zwölfstöckigen Hochhaus in den Tod stürzte. Daraufhin übernahm seine Frau, Hyun Jong-eun, die das Unternehmen bis heute führt, den Vorsitz. In den darauf folgenden Jahren entwickelten sich Geschäfte und Unternehmen etwas ruhiger und warfen in den Jahren 2006 und 2007 sogar Gewinne ab (allerdings ist zu bedenken, dass das Unternehmen auf direktem und indirektem Wege durch den südkoreanischen Staat subventioniert wird). Das änderte sich jedoch mit der Verschärfung der politischen Situation, die nicht zuletzt der härteren Gangart des jetzigen Präsidenten Lee Myung-bak geschuldet ist. Nachdem Mitte 2008 eine südkoreanische Touristin (Park Wang-ja) von einem nordkoreanische Soldaten nahe dem Kumgangsan-Ressort unter bisher noch immer nicht vollständig geklärten Umständen erschossen worden war, wurden die Touren ins Kumgangsan eingestellt und auch andere inzwischen entstandenen Tourismusprojekte, wie Besichtigungstouren in die grenznahe Altstadt von Kaesong wurden beendet. Zwar wurden mittlerweile Verhandlungen um die Wiederaufnahme der Touren abgehalten, jedoch gab es bisher keine konkreten Ergebnisse. Auch bei der Weiterentwicklung des Industrieparks in Kaesong gab es in der jüngsten Vergangenheit wiederholt kleinere Streitigkeiten um Gehälter und den Zugang südkoreanischer Angestellter. Und nun scheinen sich die Umstände weiter in Richtung eines (Super-)Gaus für die unter wirtschaftlichem Druck stehenden Hyundai Asan zu entwickeln. (Mehr zu den beiden Projekten könnt ihr auch auf der Seite des südkoreanischen Ministry of Unification lesen.)

Die erste Meldung betrifft den Rücktritt des Vorstandschefs von Hyundai Asan, Cho Kun-shik. Dieser sagte er wolle die Konsequenzen daraus ziehen, dass es ihm nicht gelungen sei die 2008 beendeten Touren ins Kumgang Gebirge wiederzubeleben. Dem Unternehmen sollen dadurch Einnahmen von etwa 225 Millionen US Dollar entgangen sein. Gleichzeitig wurde die Zahl der Angestellten im Tourismusprogramm um 2/3 reduziert und ihre Löhne um etwa 30 % gekürzt. Der Vorstandschef hatte im vergangenen Juli erklärt, aufgrund einer Kapitalerhöhung von 20  Milliarden Won sei Hyundai Asan in der Lage, eine weitere Durststrecke von etwa zehn Monaten zu überstehen, ohne das die Touren wieder aufgenommen werden würden. (Hm, rechnet man das mal genau durch, sieht Chos Aktion weniger nach Verantwortung übernehmen aus, als nach Ratten und sinkenden Schiffen) In dieser schwierigen Phase muss sich das Unternehmen jedenfalls eine neue Führung suchen, die mit den alten Problemen zu kämpfen hat.

Aber als wären die alten noch nicht genug, scheinen sich ihnen neue Probleme hinzuzugesellen. Nordkorea hat allen Anteilseignern des Kumgangsan Ressorts eine Frist bis zum 25. März gesetzt, in der sie zum Ressort kommen sollten. Die Anteile der Eigner, die die Frist nicht einhielten würden konfisziert. Während die Regierung Südkoreas das Ansinnen des Nordens kategorisch ablehnt, scheint Hyundai Asan noch unentschlossen über das weitere Vorgehen zu sein, ist doch das Kumgangsan ein bedeutendes Besitztum der Firma, dessen Enteignung in diesen finanziell angespannten Zeiten ein weiterer harter Schlag wäre. Wer da wohl nach Nordkorea fahren soll, wenn der Vorstandsvorsitzende von Hyundai Asan nächsten Mittwoch abtritt? Generell zeigt das Vorgehen Nordkoreas aber, dass man in Pjöngjang zunehmend ungeduldig wird und eine Wiederaufnahme der Touren erzwingen will. Ob dies allerdings auf diesem Wege gelingen kann dürfte fraglich sein. Denn was will man mit einem Luxusressort ohne Touristen (Kim und seine Günstlinge dürften davon ja ohnehin genug haben)?

Generell ist Hyundai Asan schon seit seiner Gründung und gerade durch den Erfolg seiner Projekte mehr und mehr zu einer virtuellen Geisel Nordkoreas geworden. Zwar dürfte ein Misserfolg der Projekte Nordkorea nachhaltigen Schaden zufügen. Allerdings beruht das, zumindest was Hyundai Asan angeht auf Gegenseitigkeit. Tja und Hyundai Asan ist eine Tochter eines nicht gerade unbedeutenden Konzerns. Vielleicht glaubt man in Pjöngjang so ein gewisses Druckmittel in der Hand zu haben. Vermutlich wird der Konzern auch aus dieser Krise irgendwie rauskommen, allerdings zeigt dieses Vorgehen Nordkoreas, dass es nicht ohne Risiken ist, in diesem Land Geschäfte zu machen. Daher konterkarieren die Drohungen die Bemühungen, in anderen Teilen des Landes Investoren zu gewinnen.

Ganz ehrlich gesagt, ist es vor allem im wirtschaftlichen Bereich äußerst schwer schlau  aus dem Vorgehen Pjöngjangs zu werden. Während in anderen Bereichen klare Linien zu erkennen sind. Herrscht hier oft gegensätzliche und unklare Politik vor. Ich glaube nicht, dass dies von einem grundsätzlichen nicht-Verstehen (markt-)wirtschaftlicher Zusammenhänge durch Nordkorea herrührt. Was ich mir vorstellen könnte ist, dass es im wirtschaftlichen Bereich Individualinteressen gelungen ist, Einfluss zu gewinnen. Während andere Politikbereiche (alles was mit Außenn- und Sicherheitspolitik zu tun hat) weiterhin fest in der Hand Pjöngjangs liegen, könnte das in diesem Bereich möglicherweise nicht mehr vollständig der Fall sein. Aber wer weiß es schon?