Nordkoreanische und chinesische Medien berichten über Kims China besuch: Worum es ging.


Die chinesischen und nordkoreanischen Behörden haben gestern Abend begonnen Details über die Reise Kim Jong Ils nach China zu veröffentlichen. Das Tourprogramm der Reise war durch Beobachter ja schon recht genau beschrieben worden und konzentrierte sich vor allem auf industrielle Anlagen und technologische Produktion (laut KCNA sagte Wen Jiabao, Kim Il Sung habe vor zwanzig Jahren die gleiche Reise gemacht). Die Berichte aus China und Nordkorea konzentrieren sich aber auf den Austausch zwischen hochrangigen Politikern beider Länder.

Kim Jong Il traf sich auf dem letzten Abschnitt seiner Reise in Peking sowohl mit Präsident Hu Jintao als auch mit Premier Wen Jiabao. Auch auf der Liste stand Xi Jinping, der mutmaßliche Nachfolger Hu Jintaos. Außerdem standen Kim Jong Il während seiner gesamten Reise laut KCNA Dai Bingguo und Wang Jiarui als Reisebegleiter zur Seite. Beide haben Nordkorea in letzter Zeit besucht und Besuch aus Kims Regime empfangen. Hinsichtlich der bilateralen Beziehungen beider Länder stellte Hu Jintao fünf Punkte in den Fokus, auf die man sich künftig konzentrieren möchte:

  • Step up high-level visits and deepen China-DPRK friendship. He welcomed DPRK leaders to visit China.
  • Make more efforts to share experiences on party building and state governance and promote economic and social development.
  • Improve mutually beneficial cooperation to benefit the two peoples.
  • Deepen exchanges in culture, education and sports, particularly the exchanges among young people, to pass on China-DPRK friendship from generation to generation.
  • Increase communication and maintain coordination on international and regional situations as well as crucial issues, and jointly safeguard regional peace and stability.

Also grundsätzlich keine Überraschungen. Weiche Themen wie Kooperation in Sport, Bildung und Kultur und hochrangige Treffen. Wirtschaftliche Kooperation wurde zwar ebenfalls erwähnt, aber was konkret in diesem Bereich angesprochen wurde klingt nicht extrem weitreichend:

China is ready to make joint efforts with the DPRK to give full play to various bilateral working mechanisms, further encourage initiatives by localities and enterprises and enhance planning and coordination in an effort to boost win-win cooperation to a higher level, Wen said.

Kim hailed the tremendous achievements of bilateral trade cooperation in recent years, adding that the two sides have taken a significant step forward in building a new cross-border bridge over the Yalu River.

Mich wundert ein bisschen, dass kein Wort von den beiden chinesisch-nordkoreanischen Großprojekten in Rason und Hwanggumpyong nicht erwähnt wurden (obwohl die Brücke damit im Zusammenhang stehen könnte, weiß ich nicht). Aber vielleicht will man noch abwarten wie sich die Vorhaben weiterentwickeln.

Eingang in den Kanon der Standardfloskeln scheint die Aussage über die Weitergabe der Freundschaft zwischen China und Nordkorea über die Generationen hinweg zu finden. Die ist sowohl in den chinesischen als auch den nordkoreanischen Statements zu finden, so auch am Ende von Kim Jong Ils Rede bei dem Bankett, das Hu Jintao zu seinen Ehren ausrichtete:

Esteemed Comrade General Secretary Hu Jintao,

Dear Chinese comrades,

I am very pleased to visit China again at the invitation of you, respected Comrade General Secretary, and have meaningful meetings with you and other Chinese friends.

I, first of all, would like to express deep thanks to you for having invited us to this grand banquet, though very busy with important internal and external political affairs, and made a friendly speech just before.

My thanks also go to the collective leadership of the Communist Party of China and other Chinese comrades for warmly welcoming us with comradely and friendly feelings during our tour from Heilongjiang Province, our first leg, to Beijing.

Visiting China again after nine months amid warm welcome, we have newly felt friendly feelings of the Chinese people, our close neighbor sharing a mountain and rivers with us.

We toured northeast China where traditional DPRK-China friendship struck root, Jiangxi Province that PresidentKim Il Sungwent round during his last China visit and other vast areas of China. During the days we have been much moved by great changes and progress made in the areas under the leadership of the Communist Party of China with you as general secretary.

We are sincerely rejoiced at the achievements of the Chinese people as at our own.

This year is very significant for the Chinese people as they will greet the 90th anniversary of the CPC and started to carry on the 12th five-year plan for economic and social development.

We sincerely hope that the fraternal Chinese people will significantly celebrate the CPC anniversary and make greater achievements in the effort for adhering to the scientific outlook on development, defending the social stability and building a harmoniously developed socialist society under the leadership of the CPC headed by you.

The Chinese party and government are greatly contributing to rejecting high-handedness and dominationism and ensuring world peace and stability by pursuing a foreign policy sovereign and independent, under the banner of peace, development and cooperation.

All their signal successes go to clearly prove the scientific nature and invincibility of socialism.

We are grateful to the Chinese party and government for valuing the DPRK-China relations, striving hard to develop them and always supporting the Korean people in their effort for socialist construction and the country’s reunification.

We are also satisfied with a good strategic understanding between our two parties and two countries and with the proper implementation of agreements reached between us and the collective leadership of CPC in the political, economic, cultural and all other fields.

The traditional DPRK-China friendship, which has invariably displayed its great vitality even in the complicated international situation, will be further consolidated and developed in the future, powerfully propelling the just struggle of our two peoples for the common cause — socialist construction and national reunification.

I am very happy that our China visit serves as a good occasion in putting spurs to the development of the traditional friendship between the two countries, which struck root deep in the minds of the two peoples, overcoming all trials through history.

Our party and government will as ever make every possible effort to steadily develop the bilateral friendship, a precious heritage and common treasure provided by revolutionaries of the elder generations of the two countries.

The DPRK-China friendship will be evergreen like forests of Mt, Paektu and will be continued through generations like the flow of the River Amnok.

Interessieren wird euch vielleicht auch noch, wer Kim Jong Il auf seinem Besuch begleitete. Natürlich war Kims vermutlich wichtigste Stütze, sein Schwager Jang Song-thaek dabei, sowie einige altgediente Diplomaten und Politiker wie Choe Thae-bok oder Kim Yong-il. Auch wieder dabei waren einige Shootingstars im Regime: Pak To-chun und Thae Jong-su, sowie Mun Kyong-dok, die seit relativ kurzer Zeit ihren Weg nach Oben angetreten haben und Kim auch schon bei seinen letzten Reisen begleitet haben. Außerdem waren einige interessante Leute aus der Diplomatenecke des Regimes dabei, die ebenfalls kürzlich in der Hierarchie aufgestiegen sind: Kang Sok-ju und Kim Kye-gwan.

Sicherlich sind in der Berichterstattung über die Reise noch einige weitere interessante Aspekte zu finden, aber von meiner Seite soll das erstmal ausreichen. Bei KCNA, Xinhua und der Global Times werdet ihr noch einiges finden können, das ich nicht verlinkt habe.

Bäumchen wechsel dich geht weiter: Außenpolitisches (nuklear-)Triumvirat steigt in Nordkoreas Hierarchie auf


Erstmal sorry das es so lange nichts von meiner Seite gab, aber ich steck gerade mitten in einem Umzug und das ist stressiger als man denken sollte. Zwar gönne ich mir gerade den Luxus zweier Wohnungen, aber die eine sieht aus, als wäre sie stark von Tommys Behausung in „Trainspotting“ inspiriert und die andere könnte genausogut jahrelang einem Messie Unterschlupf geboten haben (aber wenigstens ist jetzt Farbe an den Wänden (und überall sonst)), aber um das alles so „herzurichten“ braucht es Zeit. Allerdings habe ich jetzt irgendwo aus den Kartons meinen Router sowie den Laptop gezogen und werde meine regelmäßige Bloggerei wohl wieder aufnehmen können (die Trainspotting-Wohnung bin ich nämlich bald los und die Messie-Wohnung wird sich wohl nach und nach zivilisieren (wenn ich noch mehr Sachen als den Router brauche und ihnen dann sofort einen neuen Ort zuweise)). Naja, jedenfalls war ich in den letzten Tagen ziemlich abgeschnitten von aktuellen Nachrichten und suche mir daher mal ein Thema raus, das ich für wichtig und interessant halte. Da ist mir sofort die Tatsache ins Auge gesprungen, dass das muntere Bäumchenwechseldich-Spiel in der nordkoreanischen Führung auch unmittelbar vor der Konferenz der Arbeiterpartei, die nächste Woche wohl definitiv stattfinden wird, weitergeht. Und diesmal gibt es einige, meiner Meinung nach, hochinteressante Personalien zu vermelden.

Kang Sok-ju: Erfahrener Recke mit gutem Netzwerk

Nordkorea hat am vergangenen Mittwoch seinen außenpolitischen Stab innerhalb des Kabinetts neu sortiert. Nachdem vor gut drei Monaten Choe Yong-rim als neuer Premierminister an die Spitze der Regierung gerückt war, wurde ihm nun mit Kang Sok-ju ein erfahrener Außenpolitiker als erster Vize Premierminister zur Seite gestellt. Vor allen denjenigen, die die (außenpolitischen) Entwicklungen bezüglich Nordkorea schon seit längerem verfolgen dürfte der Name ein Begriff sein, denn Kang spielte als Verhandlungsführer Nordkoreas eine tragende Rolle bei den Verhandlungen um das Genfer Rahmenabkommen. Außerdem hatte er 1991 die Ehre die Rede anlässlich der Aufnahme in die Vereinten Nationen (S. 52 – 57, aber das ist hauptsächlich das übliche diplomatische Gerede) zu halten. (Diese und weitere Reden nordkoreanischer Diplomaten vor der UN, sowie Links zu anderen Dokumenten der UN zu Nordkorea könnt ihr auch in meiner entsprechenden Linksammlung finden.) Es wird vermutet, dass Kang sich in seiner Position vor allem um Nordkoreas Außenpolitik kümmern wird. In manchen Pressemeldungen wird Kang als „Architekt des nordkoreanischen Nuklearprogramms“ dargestellt (wie genau er zu diesem Attribut kommt weiß ich nicht genau, aber naja, Verhandlungsführer und Architekt, das ist ja fast das Gleiche), aber was da dran ist weiß ich nicht genau, da es aber nur ein paar Medien aufgreifen vermute ich mal, nicht so viel. Achja, ein weiteres spannendes Detail: Kang gehört zur Familie Kim Jong Ils. Wenn auch nur entfernt, er ist ein Cousin seines Vaters Kim Il Sung (aus der Linie von dessen Mutter), so ist dies mal wieder ein Beispiel dafür, dass auch die Familie (die herausragendsten aktuellen Belege sind wohl Kims Schwester Kim Kyong-hui sowie ihr bekannter Mann Jang Song-thaek) für Kims Machterhaltungsstrategie eine große Rolle spielt. Außerdem arbeitete Kang im Laufe seiner Karriere schon unter Kims Schwester und scheint auch mit ihrem Mann in Verbindung zu stehen.

Kim Kye-gwan: Nordkoreas Mann bei den Sechs-Parteien-Gesprächen

Kangs vorheriger Posten als erster Vize-Außenminister, den er für 24 Jahre innehatte wurde auch sofort wieder besetzt und zwar durch einen weiteren bekannten Namen. Kim Kye-gwan dürfte den Meisten als Chefunterhändler Nordkoreas bei den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung des Landes in Erinnerung sein. Außerdem spielte er eine wichtige Rolle für Nordkoreas Beziehungen zu den USA und sprach unter anderem mit den beiden Ex-Präsidenten Clinton und Carter, als diese zu diversen Gefangenenbefreiungen in Pjöngjang weilten. Darüber hinaus reiste er auch außerhalb der Sechs-Parteien-Gespräche wiederholt nach China und traf sich dort unter anderem mit Chinas Chefunterhändler und seit diesem Jahr Sondergesandten für die Koreanische Halbinsel Wu Dawei. Auch Kim Kye-gwan spielt schon seit langem in der obersten außenpolitischen Riege Nordkoreas mit. Seit 1995 war er Vize-Außenminister und bekleidete zuvor einige wichtige Funktionen im außenpolitischen Apparat Nordkoreas. Sein Aufstieg kann direkt mit Kim Jong Il in Verbindung gebracht werden, denn er wurde von diesem (wobei scheinbar auch Kim Kyong-hui und Jang Song-thaek mittaten) in den 1970ern ins Außenministerium berufen.

Ri Yong-ho: Jung aber erprobt

Der dritte im Bunde der Aufsteiger ist zwar weniger bekannt, aber gehört inhaltlich in die Selbe Gruppe wie Kang und Kim. Ri Yong-ho nahm unter Kim Kye-gwan an den Sechs-Parteien-Gesprächen teil, hatte verschiedene Posten im außenpolitischen Apparat Nordkoreas inne, unter anderem spielte er eine Rolle bei den Beziehungen zu den USA und begleitete unter anderem in diesem Jahr Außenminister Pak Ui-chun auf dessen Reise durch Südostasien und zum ASEAN-Regional-Forum in Hanoi. Ri gilt als Schützling von Kang Sok-ju, ist aber im Gegensatz zu diesem (71) und Kim Kye Gwan (67) mit seinen 56 Jahren noch ein wahrer Jungspund und repräsentiert die jüngste Generation von Führungspersonen, die in Nordkoreas Staatsspitze aktiv sind.

Was man daraus lernt

Was es mit diesen Beförderungen genau auf sich hat kann wohl keiner so genau sagen, allerdings gibt es einige Bemerkenswerte Sachverhalte in diesem Zusammenhang:

  • Wie unschwer zu erkennen ist, stehen alle drei schon seit langem im engen Zusammenhang mit den Verhandlungen um die Denuklearisierung Nordkoreas. Das die nordkoreanischen Unterhändler im Rahmen der Gespräche um Nordkoreas Nuklearprogramm immer wieder Gewinne aus dem Programm schlagen konnte, ohne dass das Land echte Zugeständnisse gemacht werden mussten ist eine Binsenweisheit. Daher könnten die Beförderungen eine Belohnung für ihre bisherigen Erfolge darstellen.
  • Darüber hinaus kann man daraus aber auch den Schluss ziehen, dass Nordkorea ein Zeichen setzen wollte. Nämlich dass Verhandlungen Priorität eingeräumt wird und das Leute die sich damit auskennen daher bedeutendere Positionen im Staat einnehmen (vielleicht auch mit etwas mehr Kompetenzen verbunden).
  • In eine ähnliche Richtung deutet die Tatsache, dass sowohl Kim Kye-gwan als auch Ri Yong-ho in ihrer Laufbahn mit den Beziehungen zu den USA befasst waren. Auch dies könnte als Geste gesehen werden, die symbolisieren soll, dass man die Beziehungen zu den USA auf neue Beine stellen will.
  • Bei den Beförderungen scheint es keine Verlierer gegeben zu haben. Wenn ich mich täusche war der Posten, den Kang nun bekleidet, nicht besetzt und die Kim und Ri rückten dann nur in die jeweils freigewordenen Positionen auf.
  • Alle drei stehen direkt oder indirekt (bei Ri konnte ich nichts finden, aber er wird ja von Kang protegiert) mit Jang Song-thaek und Kim Kyong-hui in Verbindung und dürften damit den Einfluss Jangs innerhalb des Regims weiter untermauern.
  • Die drei Männer gehören zwar verschiedenen Generationen der nordkoreanischen Führung an, aber selbst Kang, der älteste dieses Triumvirats hat mit 71 vermutlich noch einige Jahre vor sich und Ri ist selbst nach westlichen Maßstäben noch im besten Politikeralter und könnte in einer veränderten Führung als erfahrenes und loyales Mitglied den Übergang mit gestalten.
  • Interessant finde ich auch den Zeitpunkt der Beförderung, kurz vor der Konferenz der Partei. Jedoch weiß ich nicht (das kann man kaum einschätzen), ob die Beförderungen in irgendeiner Verbindung mit der Konferenz stehen. Allerdings glaube ich es eigentlich nicht, denn so wichtig ist das Ganze nun auch wieder nicht, dass es als Vorbereitung für das Große dienen kann, das die Konferenz ja angeblich mit sich bringen wird. Und schließlich geht es hier um Positionen im Kabinett und nicht in der Partei. Aber wie gesagt, wissen kann man es nicht.

Der Aufstieg des außenpolitischen Triumvirats kann also in verschiedener Hinsicht interpretiert werden. Nach innen hin stabilisieren und festigen die drei, die durch langjährige Tätigkeit im Regime ihre Loyalität bewiesen haben, die momentanen Strukturen und können darüber hinaus einen Teil der „Rampe“ für den Übergang bilden. Nach außen können die Beförderungen als Signal gesehen werden, dass Nordkorea sich künftig aktiv in Verhandlungen mit den USA und wohl auch den anderen vier Parteien stürzen will. Interessant wird auch sein, ob Kim und Ri ihre Positionen bei den Sechs-Parteien-Gesprächen (sollten sie wieder aufgenommen werden) behalten werden. Sollte das der Fall sein, werde ich mich damit nochmal näher befassen.