Nordkoreas Wechselwut in der Führung des Sicherheitsapparates: Mögliche Hintergründe und Interpretationen


In der letzten Zeit, macht es keinen Spaß bzw. Sinn mehr, sich die Namen nordkoreanischer Verteidigungsminister oder — etwas allgemeiner gesagt — Spitzenmilitärs zu merken. Kaum ist einer im Amt installiert und man hat sich an seinen Namen und seine Nase gewöhnt, wird er auch schon wieder ausgetauscht und verschwindet entweder ganz von der Bildfläche, oder — was häufiger ist — tritt ins zweite Glied zurück.

Neuer Verteidigungsminister – schon wieder!

Das jüngste Beispiel hierfür ist  der (jetzt) Ex-Verteidigungsminister Kim Kyok-sik, der in den letzten Tagen durch Jang Jong-nam ersetzt wurde. Der General, dem unter anderem die Verantwortung für die Versenkung der südkoreanische Fregatte Cheonan zugeschrieben wird und der wohl den Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong geleitet hat, war erst vor einem halben Jahr zum Verteidigungsminister ernannt worden. Auch sein Vorgänger Kim Jong-gak, der zuvor als aufsteigender Stern unter den nordkoreanischen Militärs gehandelt worden war, hatte nicht viel länger im Amt des Verteidigungsministers verbracht, nachdem er Kim Yong-chun abgelöst hatte. Dem war zwar eine etwas längere Zeit im Amt vergönnt, aber auch seine Ernennung im Jahr 2009 kann schon im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Regimes auf die Nachfolge Kim Jong Uns auf Kim Jong Il gesehen werden.

Jang Jong-nam: Ein unbeschriebenes Blatt

Ich will mich jetzt gar nicht in Spekulationen über die politische Ausrichtung oder Meinung Jang Jong-nams ergehen, denn einerseits weiß man ja nicht, wie lange der relativ junge Mann im Amt sein wird, andererseits ist Jang, der vorher Kommandant des 1. Armeekorps war,  ein wirklich unbeschriebenes Blatt. Er hat für seine neue Position ziemlich wenige Sterne auf der Schulterklappe und ist auch für den Altersdurchschnitt der nordkoreanischen Führung relativ jung. Mehr weiß man nicht und daher ist es wirklich schwer, vielmehr über die Person Jangs zu sagen. Jedoch wirft die Personalie ein interessantes Licht auf die Personalpolitik des jungen Kim.

Militärische Spitzenämter sind Schleudersitze…

Verteidigungsminister sind nämlich, wie bereits angedeutet, nicht die einzigen Leute, die momentan keinen besonders sicheren Job haben. Die bestehende Unsicherheit betrifft vielmehr auch andere militärischen Führungspositionen. Viel Beachtung bekam ja die überraschende Entlassung von Generalstabschef Ri Yong-ho Mitte vergangenen Jahres, als er wegen Krankheit von allen Ämtern enthoben und durch das unbeschriebene Blatt Hyon Yong-chol ersetzt wurde. Ri Selbst war 2009 ebenfalls relativ überraschend in die Spitzenposition vorgerückt und zu diesem Zeitpunkt selbst wenig bekannt. Daher wurde auch diese Personalie im Zusammenhang mit der Nachfolge Kim Jong Uns gesehen.

…genau wir Spitzenämter im generellen Sicherheitsapparat

Schaut man sich den Sicherheitsapparat jenseits des Militärs an, zeigen sich auch hier ganz ähnliche personalpolitische Muster. In den Ministerien für Staatssicherheit und Volkssicherheit wurden in den vergangenen Jahren ähnlich wie die genuin militärischen Schlüsselpositionen die Spitzen jeweils mindestens einmal ausgetauscht, nachdem sie jeweils vor nicht allzu langer Zeit ins Amt gekommen waren, so dass auch ihre Berufung bereits im Zusammenhang mit der Nachfolgevorbereitung für Kim Jong Un gesehen werden kann.

Gezielte Strategie

Man kann also durchaus davon ausgehen, dass der Ämterwechsel an Schlüsselstellen der Sicherheitsarchitektur des Landes eine gezielte Strategie ist, die im Zusammenhang mit der Nachfolge Kim Jong Uns steht. Man könnte annehmen, dass das Kern-Team der nordkoreanischen Führung (wer auch immer außer Kim Jong Un und Jang Song-thaek, sowie Jangs Frau Kim Kyong-hui dazugehören mag) generell alte Zöpfe abschneidet und neues Personal an die Spitze bringt, um das Regime zur Loyalität gegenüber Kim Jong Un zu verpflichten.
Bei näherer Betrachtung lässt sich diese Überlegung jedoch nicht halten, denn außer an den sicherheitsrelevanten Positionen lässt sich eine ähnliche Rotation, die gleichzeitig mit einer Degradierung, bzw. einem Verschwinden der betroffenen Personen einhergeht, lassen sich ähnliche Entwicklungen nicht erkennen. Zwar wurde kürzlich der Premierminister Choe Yong-rim ausgetauscht, jedoch erhielt er eine Position, die vom Status her eher höher angesiedelt ist. In der Partei dagegen blieb die Spitze weitgehend unbeschadet, auch wenn seit der Parteikonferenz 2010 insofern eine Erneuerung anlief, dass vakante Position neu besetzt wurden, jedoch wurden hier, wie auch im Parlament kaum Verlierer produziert (wenn man eine vakante Position bekommt, dann tut es zumindest insofern keinem weh, dass niemand dafür gefeuert oder degradiert werden muss). Jedenfalls kann ich mich an kaum eine Position erinnern, in der ein erst kürzlich berufener Amtsinhaber gleich wieder ersetzt wurde. Das passiert eigentlich nur im Bereich des Sicherheitsapparates.

Mögliche Interpretationen der Wechselwut im Sicherheitsapparat

Diesen Sachverhalt kann man in verschiedene Richtung deuten:

  • Natürlich sind die Sicherheitsapparate insofern die relevantesten, als sie (bzw. ihre Spitzen) die Mittel in den Händen halten, mit denen sie die aktuelle Führung stürzen können. Daher ist es denkbar, dass man durch ein permanentes Durchwechseln des Führungspersonals verhindern will, dass sich zu enge Vertrauensverhältnisse zwischen Führung und Personal ergeben und damit Freiräume für potentielle Widerstandsgruppe innerhalb des Regimes entstehen. Diese Idee scheint schon bei Kim Jong Il eine Rolle gespielt zu haben, als er auf seinen Vater Kim Il Sung nachfolgte. Dadurch, dass man bestimmte Leute besser und andere schlechter stellt, hintertreibt man natürlich noch zusätzlich persönliche Beziehungen und etabliert damit den Führer als den zentralen Knotenpunkt der Kommunikation und Loyalität im Regime.
  • Man könnte aber auch, ebenfalls mit der Überlegung im Hintergrund, dass Sicherheitsorgane grundsätzlich gefährlich sind, davon ausgehen, dass hier ein Prozess im Gange ist, der dann später bei Partei und Parlament fortgesetzt wird. Die Führung versichert sich sozusagen zuerst der Waffen, um danach den Massenapparat der Partei umzukrempeln. Nach dieser Logik würden wir dann in den kommenden Jahren und Monaten weitere Personalwechsel im Politbüro und der Führung der Obersten Volksversammlung beobachten können.
  • Weiterhin könnte man die relative Ruhe im Parteiapparat gegenüber dem hektischen Kommen und Gehen bei den Sicherheitsorganen als so etwas wie ein Kräftemessen zwischen Partei und Militär sehen, bei dem die Partei die Oberhand behält. Es wird allerdings immer wieder angemerkt, dass man das Militär nicht als von der Partei losgelöste Organisation sehen könne, sondern dass das Militär sich selbst immer als das Militär der Partei sehe. Nichtsdestotrotz könnte sich die Partei sorgen darum machen, ob das auch weiterhin so wäre. Dann wären die Personalmaßnahmen ähnlich der ersten Lesart zur Herrschaftssicherung vorgenommen worden, jedoch nicht der Herrschaftssicherung eine kleinen Gruppe, sondern des gesamten Parteiapparates, der ein Umkippen zur Militärdiktatur verhindern will.

Anhaltspunkte durch kommende Entwicklungen

Was genau die Motive für das wilde Stühletauschen in den Führungsapparaten der Sicherheitsorgane sind, das werden wir nicht so schnell erfahren, allerdings können wir darauf achten, ob es zu weiteren personalpolitischen Entscheidungen kommt und wo die stattfinden, also innerhalb des Militärs oder außerhalb und an welchen Positionen. Daraus lassen sich dann glaube ich recht gute Schlüsse über das Kalkül der Personalpolitik der nordkoreanischen Führung ziehen.

Auswirkung von Neubesetzungen auf Operationsfähigkeit?

Einen Punkt möchte ich abschließend noch anmerken: In den vergangenen Monaten wurde ja viel Panik vonwegen einer bestehenden Kriegsgefahr geschoben. Dabei fand ich es kurios, dass niemand dieser Düsterseher sich dafür interessiert hat, dass Nordkoreas militärische Führung im letzten Jahr permanent ausgetauscht wurde. Ich meine, wenn ein Land tatsächlich vor hätte, einen Krieg vom Zaum zu brechen, dann wäre es vermutlich die absolut schlechteste Idee, davor die militärische Führung so handlungsunfähig wie möglich zu machen. Denn genau das dürfte so eine permanente Wechselei bewirken. Bestehende Kommunikationsstrukturen gehen zu Bruch, alte Vertrauensverhältnisse lösen sich auf und Befehlsketten müssen neu geschmiert werden. Bis man sich in so einem Amt eingearbeitet hat dürfte auch seine Zeit dauern und im Endeffekt reicht ein halbes Jahr vermutlich gerade so aus, dass man den ganzen Apparat im Blick und unter Kontrolle hat. Aber das hat wie gesagt scheinbar keinen der beobachtenden Strategen interessiert. Jetzt frage ich mich: Überschätze ich die disruptiven Auswirkungen von solchen Personalgeschichten oder wurde das nur ignoriert, weil es nicht zur allgemeinen Panikstimmung gepasst hat?

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Parteikonferenz beendet: Kim Jong Un übernimmt die Führung, Kim Jong Il ein Ehrenamt und weitere Personalrochaden


Das erste Event der „nordkoreanischen Woche“ ist heute zu Ende gegangen und wurden bereits einige interessanten Ergebnisse sichtbar (Danke C.R. übrigens für die Updates in den Kommentaren, sogar mit Übersetzung. Super!).

Kim Jong Un wurde nicht zum Generalsekretär ernannt, aber irgendwie doch.

Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist die Tatsache, dass Kim Jong Un nicht Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas wurde, sondern ein Anderer. Ganz folgerichtig hat Kim Jong Il nach seinem Vater ebenfalls ein permanentes Amt erhalten. Während Kim Il Sung als ewiger Präsident in den Herzen der Nordkoreaner weiterlebt, soll Kim Jong Il das Gleiche als ewiger Generalsekretär tun. Das wird faktisch allerdings nicht viel ändern, denn Kim Jong Un wurde zum ersten Sekretär der PdAK gewählt. Vermutlich kommen dem Amt nach der Revision der Statuten (allerdings ist das noch nicht klar, weil die revidierten Statuten noch nicht bekannt sind) der Partei ähnliche bzw. die gleichen Kompetenzen zu, wie zuvor dem Generalsekretär.

Naja, jedenfalls ist der junge Kim damit jetzt der faktische Führer der Partei und mehr konnte man von der Konferenz nicht erwarten. Daneben scheint er jetzt auch an der Spitze der zentralen Militärkommission zu sitzen, denn dort wurde Choe Ryong-hae als stellvertretender Vorsitzender „gewählt“ (zu ihm werde ich später noch ein paar Takte schreiben), also auf den Posten, den Kim Jong Un vorher inne hatte.

Choe Ryong-hae. Teil des zentralen Führungsteams

Aber auch in den Kreisen unmittelbar um Kim Jong Un wurde kräftig rotiert. Wie ich bereits vermutet hatte, wurde ein freier Stuhl im Präsidium des Politbüros des Zentralkomitees der Partei neu besetzt. Und dort nahm der eben angesprochene Choe Ryong-hae Platz. Choe ist weder ein Shootingstar des Regimes, noch ein alter Recke, sondern irgendwas dazwischen. Er gilt als alter Freund Kim Jong Ils und scheint auch mit Jang Song-thaek (Kim Jong Uns strippenziehender Onkel) gut bekannt zu sein. Interessant ist er, weil er nach hoffnungsvoller Karriere 1998 von der Bildfläche verschwand und erst 2006 in der Provinz wieder auftauchte. Ab 2010, als das Regime dann unter Hochdruck an die Nachfolge Kim Jong Uns vorzubereiten begann, kehrte Choe dann nach Pjöngjang zurück und seitdem scheint sein Aufstieg nicht zu bremsen zu sein. Erst gestern wurde er zum Vize-Marschall der Armee ernannt, dadrüber kommt dann nur noch der Marschall und den gibt es eigentlich nie, wenn man nicht der Führerfamilie angehört. Choe scheint also eine weitere zentrale Figur in Kim Jong Uns neuem Führungsteam zu sein.

Erwartbare Beförderungen.

Daneben gab es einige wenig überraschende Beförderungen und Ernennungen. So bekamen Kim Jong-gak, Jang Song-thaek und Pak To-chun bekamen volle Mitgliedschaften im Politbüros des Zentralkomitees der Partei. Kim Jong Uns Tante Kim Kyong-hui wurde ins Sekretariat des Zentralkomitees gewählt, wo bisher auch eine sehr illustre Runde versammelt war. Die Namen des Führungsteams beginnen sich zu wiederholen.

Interessant Kim Jong-gaks neuer Job und Kim Yong-chuns Verlagerung

Eine weitere Personalie, die bereits gestern bekannt wurde, ohne dass KCNA sie bisher öffentlich verlautbart hätte, betrifft Kim Jong-gak und Kim Yong-chun. Ersterer hat nämlich von letzteren als Verteidigungsminister beerbt. Interessanterweise hatte ich beide als mögliche Kandidaten für den Platz im Präsidium des Politbüros gesehen. Kim Jong-gak ist jetzt auf eine andere Art aufgestiegen und wird wohl mehr in der militärischen als in der politischen Lenkung aktiv sein. Kim Yong-chun wurde heute zum Abteilungsleiter des Zentralkomitees ernannt. Hier weiß ich nicht genau, was davon zu halten ist, klingt für mich nicht nach Aufstieg, aber er hat ja noch den Vizevorsitz der NDC inne, was ja auch nicht schlecht ist. Nichtsdestotrotz kann man ihn mal im Auge behalten.

Rapide Machtkonsolidierung des Führungsteams

Insgesamt lässt sich sagen, dass Kim Jong Un und seine Leute weiter rasant an den neuen Machtstrukturen arbeiten. Kim Jong Un hat die Führung der Partei erlangt und einige seiner wichtigsten Gefolgsleute in Stellung gebracht. Es kann natürlich auch genau umgekehrt sein. Das lässt sich nur schwer sagen. Nichtsdestotrotz schreitet die Machtkonsolidierung der Führungsgruppe rapide voran und die nächste Runde dürfte es dann übermorgen im Rahmen des Zusammentretens der SPA geben.

„Kim Jong Il wäre zufrieden gewesen“ — Kim Jong Uns erste Vor-Ort-Anleitung


Das nenne ich mal nahtlos! Kaum ist Kim Jong Il feierlich unter die Erde (bzw. ins Mausoleum) gebracht, macht Kim Jong Un genau da weiter, wo sein Vater aufgehört hat. Heute hat er seine erste (öffentlich gemachte) Solo-Vor-Ort-Anleitung gegeben. Was auffällt: Es bleibt alles anders.

Bleibt alles…

Am Skript hat sich nichts geändert und die Fotos sind eigentlich auch die Gleichen geblieben:

Kim Jong Un leitet an

Kennt ihr die Geste? Scheinbar hat der Rhetorik-Trainer seinen Job behalten...

Kennt ihr die Gruppenfotos? Die Ästhetik bleibt gleich...

Kennt ihr die Notizbücher? Scheinbar hat Kim Jong Un gewichtiges zu sagen, wie sein Vater.

Eine Entourage hat er auch dabei gehabt. Unter anderem waren Ri Yong-ho, Jang Song-thaek und Kim Jong-gak, die ihm schon beim Sargtragen geholfen haben, mit von der Partie. Es wird interessant zu beobachten sein, wer ihn in der nächsten Zeit begleiten wird. Aus diesem einen Anlass kann man noch wenig folgern. Trotzdem interessant.

Wer den Text der Meldung liest, dem wird auffallen, dass sie von Struktur und Inhalt ziemlich genau dem Folgt, das sonst auch in solchen Berichten stand.

…anders

Wer die Fotos genau betrachtet, dem wird nicht entgehen, dass sie nur fast gleich sind, denn es ist eben nicht Kim Jong Il, der da steht, sondern ein junger Mann, der den alten Militärs mit belehrenden Gesten Dinge erklärt. Dass das nicht dasselbe ist, das weiß natürlich jeder. Daher hat man zu einem pfiffigen Kniff gegriffen und lässt Kim Jong Un als den Ausführer des Willens und der Ideen Kim Jong Ils agieren. Bei dem was er laut dem Bericht gesagt hat, beruft er sich eigentlich immer auf Kim Jong Il. Am schönsten kommt das wohl beim folgenden Satz zum Ausdruck:

Asking in detail about the use of computers in the e-library, he said how Kim Jong Il would have been pleased, if he had looked at them.

[Sich detailliert über die Nutzung von Computern in der e-Bibliothek informierend, sagte er, dass Kim Jong Il zufrieden gewesen wäre, wenn er das gesehen hätte.]

Damit wird wohl auch ein bisschen die „Legitimierungsroute“ für den jungen Kim für die nächste Zeit klar. Er wird die Dinge, die er in seiner Zeit mit seinem Vater von ihm gelernt hat erstmal quasi stellvertretend umsetzen. Er agiert also irgendwie nicht selbst, sondern sein Vater handelt durch ihn. Damit muss er sich dann vorerst auch nicht rechtfertigen, denn er führt ja nur den Willen Kim Jong Ils aus.

Beobachtungsliste

Wie gesagt. Es wird sehr interessant zu beobachten sein, was der junge Kim in nächster Zeit zu solchen Anlässen sagt, wen er dabei hat und wo er hingeht. Mal sehen, ob er vielleicht irgendwann doch vom Drehbuch für die perfekte Vor-Ort-Anleitung abweichen wird…

Irgendwie dachte ich kürzlich an das Lied. Passt irgendwie:

Von herbstlicher Statistikwut und einer provinziellen Frischzellenkur


Wenn die Tage kürzer werden, das Wetter im Gleichschritt mit dem Abendfernsehprogramm schlechter wird und die Freundin gerade wo anders weilt, dann kommt man ja schonmal auf seltsame Ideen, womit man sich so beschäftigen kann. So ging es mir heute Abend. Daher habe ich mir gedacht, mal ein bisschen Statistik zu führen (Früher habe ich dann öfter mal meinen Besitz an 1, 2 und 5 Pfennigstücken geordnet. Da ich aber heute fast keine Pfennige mehr besitze, hab ich mir was Anderes zum Auswerten gesucht). Das Ziel meiner herbstlichen Statistikwut war Kim Jong Un. Oder vielmehr seine Nennungen bei KCNA und die Personen die sonst noch mit von der Partie waren in 19 Artikeln von KCNA. Ich dachte mir es könnte mal interessant zu wissen sein, wer so zusammen mit dem jungen Kim unterwegs ist (ich habe drei oder vier Artikel weggelassen, weil da entweder so ziemlich jedes Mitglied der Elite bei war (Mitglieder des Zentralkomitees der Partei und Beerdigung von Jo Myong-rok) oder weil zum gleichen Anlass zwei Artikel mit derselben Namensliste erschienen sind). Zwar ist mir relativ schnell bewusst geworden, dass die Aussagekraft meiner Tätigkeit hinsichtlich Kim Jong Un sehr begrenzt ist, weil viele der Anlässe einfach Termine waren, zu denen „man“ nunmal geht, wenn man sich zu Nordkoreas Schönen und Reichen zählt.

Wer ist mit Kim Jong Un unterwegs

Trotzdem haben sich durchaus ein paar Informationen ergeben. Erstmal zu denen, die am Öftesten mit Kim Jong Un zusammen genannt wurden, wobei ich Kim Jong Il mal weggelassen habe, der ist ja immer dabei.

Wie immer möchte ich noch kurz die hervorragende Arbeit loben, die der Autor von North Korea Leadership Watch mit seinen Steckbriefen, aber auch sonst, leistet.

So, damit solle es aber auch mal gut sein. Eigentlich wollte ich die Grenze bei 6 Nennungen ziehen, aber einige interessante Leute lagen da knapp drunter.

Die häufigsten Nennungen beinhalten wenige Überraschungen. Mit Ri Yong-ho habe ich mich ja schon ausgiebig befasst und naja, er ist eben wichtig. Dazu kann man vielleicht noch sagen, dass Ri, seit der Junge Kim ins Licht der Öffentlichkeit getreten ist, genau einmal mit dessen Vater zusammen auftrat, ohne das der Filius dabei gewesen wäre. Jang Song-thaek ist eben der Onkel und als guter Onkel und einer der mächtigsten Leute im Land, dessen Rolle immer ein bisschen ambivalent (naja, Onkels schmieden eben Ränke, das ist im Film so, also sollte man das auch in der Realität erwarten) betrachtet wird. Kim Kyong-hui, Jangs Frau und Kim Jong Ils Schwester wird ja auch immer unter den „da muss man drauf achten“ Leuten aufgeführt und Kim Yong-chun und Kim Ki-nam sind altgediente Regimerecken, denen wohl vertraut wird, aber die sind eben auch mit dabei. Und damit kommen wir auch schon zur ersten wirklich interessanten Person: Choe Ryong-hae (60). Der ist Berichten zufolge ein Kindheitsfreund Kim Jong Ils, machte lange Zeit eine „normale Parteikarriere“ und half Kim Jong Il scheinbar auch tatkräftig bei der Machtübernahme und Konsolidierung der Macht, wurde aber dann 1998 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt als erster Sekretär der Kim Il Sung Socialist Youth League entlassen. Er blieb dann bis 2006 in der Versenkung, als er als „chief secretary of the North Hwanghae Provincial Committee of the Workers‘ Party of Korea“ wieder auftauchte. Den Job machte er auch weiter, bis er im Rahmen der Parteikonferenz als Sekretär des Zentralkomittees der Partei nach Pjöngjang zurückkehrte. Wer den KCNA Artikel über die Beförderung Kim Jong Uns und seiner Tante zu Generälen genau gelesen hat, dem ist vielleicht auch der Dritte Name in der Reihe in Erinnerung geblieben sein. Choe Ryong-hae.

Choe Yong-rim kann man getrost in die Kategorie „Wichtiger alter Recke“ (Sekretariat des Politbüros) einordnen, der halt öfter mal dabei ist wohingegen Kim Jong-gak ja in letzter Zeit eine steile Karriere hingelegt hat. Er ist Mitglied der National Defence Commission und „first vice department director of the KPA General Political Bureau“ (mir ist die Tatsache ins aufgefallen, dass bis vor ein paar Monaten bei seiner Amtsbeschreibung immer ganz selbstverständlich der NDC-Job vorne stand. In letzter Zeit wird der aber öfter mal ganz weggelassen. Ob das was zu sagen hat?) und dort ein möglicher Nachfolger des kürzlich verstorbenen Jo Myong-rok.

Kim Yong-nam, einer der wichtigen alten Männer der nordkoreanischen Politik wird solange er noch kann öfter mal an der Seite der Kims zu sehen sein, immerhin sitzt er im Sekretariat des Politbüros. Ju Kyu-chang ist ebenfalls ein alter Vertrauensmann Kim Jong Ils, von dem auch vermutet wird, dass er in das nordkoreanische Raketenprogramm verwickelt ist. Choe Thae-bok ist eine konstante Größe in der außenpolitischen Abteilung der Partei. Interessant wiederum ist Pak To-chun. Der war bis zur Parteikonferenz Vorsitzender des Provinzkomitees der Partei in der Jagang Provinz, aber ansonsten ein sehr unbeschriebenes Blatt. Er kam im Rahmen der Parteikonferenz als alternierendes Mitglied des Politbüros und arbeitet als secretary des Zentralkomitees der Partei. Den Job haben auch einige andere, die Meisten tun aber noch was anderes daneben. Er nicht, wenn man KCNA glauben darf.

Auch U Tong-chuk (68) ist nicht uninteressant. Auch er hat eine recht steile Karriere hingelegt, denn vor 2009 hat er keine wichtigen Ämter bekleidet, während er es seitdem zum Mitglied der NDC gebracht hat und darüber hinaus stellvertretender Minister für Staatssicherheit und ist damit eine große Nummer bei den Geheimdiensten. Auch nicht uninteressant finde ich, dass er ausgebildeter Philosoph (also um genau zu sein die nordkoreanische Version von „Philosoph“) ist. Wenn Kim Jong Un bahnbrechendes zu Juche hinzufügen will braucht er wohl solche Leute. U wird mit Jang Song-thaek in Verbindung gebracht.

Kim Yong Il ist ein erfahrener Diplomat und schon lange dabei obwohl er mit seinen 63 Jahren noch relativ jung ist. Auch Kim Yang-gon, der bis 2001 die internationale Abteilung des Zentralkomitees der Partei unter sich hatte, bevor er für vier Jahre von der Bildfläche verschwand und seit 2005 wieder höhere Ämter erlangt hat ist eher ein erfahrener Mann und schon lange in Pjöngjang. Noch interessanter finde ich allerdings Mun Kyong-dok. Der ist erst 53 und hat momentan eine Position inne, die übersetzt wohl sowas wie Bürgermeister von Pjöngjang ist. Er scheint sehr eng mit Jang Song-thaek verbunden zu sein. Er hat scheinbar eine wichtige Rolle beim Knüpfen von Jangs Beziehungs- und Loyalitätsnetzwerk geknüpft und war zusammen mit Jang bis 2006 von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist er aber zurück, ist jung (naja, jedenfalls nicht alt) und hat Beziehungen. Da könnte noch was kommen. Auch Thae Jong-su (74) und Kim Phyong-hae (69) sind interessante Kerle mit Biographien, die sich ein bisschen ähneln. Beide waren bis vor einiger Zeit nämlich Sekretäre in Provinzkomitees der Partei. Thae kam im Juni aus der Süd-Hamgyong Provinz war allerdings davor schon ein altbekanntes Gesicht in Pjöngjang. 2007 wurde er zum stellvertretenden Premierminister ernannt. Kim kam im September aus Nord-Phyongan. Beide haben Jobs in der Partei bekommen und scheinen Potential zu haben.

Wer war mit Kim in China? Surprise – Surprise…

Kurz hab ich mir auch noch angeschaut, wer Kim Jong Il auf seinen beiden Reisen nach China in diesem Jahr begleitet hat. Die Meisten die genannt wurden waren bei beiden Visiten dabei und bis auf Vier, stehen alle die in China mit dabei waren auf der Liste. Mit von der Partie waren auch vier damalige Parteifunktionäre aus den Provinzen. Choe Ryong-hae, Pak To-chun, Thae Jong-su und Kim Phyong-hae (von anderen Provinzkadern war nichts zu lesen). Also die vier die jetzt öfter mal Kim Jong Il und seinen Sohn in Pjöngjang begleiten. Von denen ist Choe sicherlich der Interessanteste, wegen der Generalbeförderungssache, weil er noch jung und mit Kim Jong Il schon lange verbunden ist.

Was man daraus über die Nachfolge lernen kann

Aber natürlich wird bei der Betrachtung der Biografien auch deutlich, dass viele Leute in die erste Reihe geholt wurden, die man vorher nicht so auf dem Zettel hatte, eine kleine „provinzielle Frischzellenkur. Das hat unter anderem mit der inneren Stabilität des Regimes zu tun. Wenn man keine Chance sieht ins Zentrum zu kommen, gibt es wenige Gründe für Loyalität dem Regime gegenüber. Daher ist es unabdingbar, dass ein Aufstieg möglich bleibt. Aber das gerade jetzt so viele Leute aufsteigen hat wohl auch mit Kim Jog Uns Nachfolge zu tun. Diejenigen die nach Pjöngjang geholt werden, können genutzt werden die alten Netzwerke aufzubrechen und es dem jungen Kim ermöglichen einen neuen Führungskern zu errichten. Sie sind nicht so sehr von den Hauptstadtränken tangiert und haben weniger bestehende Bindungen am Hofe. Das Risiko das sie falsch spielen ist also geringer. Das heißt aber nicht, dass die Alten Eliten samt und sonders verstoßen werden müssen. Ein Teil des Problems löst die Zeit von selbst, denn es sind ja tatsächlich alte Eliten. Der Rest muss sich anpassen und in die neue Ordnung einreihen. Eine schwierige Phase und je länger Kim Jong Il die Fäden in der Hand halten kann, desto stabiler wird der neue Führungskern.

Ich habe mir eben mal überlegt, worin die Schwierigkeit der aktuellen Situation besteht und so wie ich das sehe, gibt es da mindestens zwei Probleme, die eng miteinander verknüpft sind. Das erste ist eher grundsätzlicher Natur. Bei autoritären Regimen gibt es, wie man ja auch in diesem Fall sehen kann, Schwierigkeiten die Eliten zu erneuern. Das Problem ist, dass der Herrscher oder das Herrscher-Team wenig Anlass hat, die tragenden Eliten auszuwechseln. Einerseits haben sie sich als loyal und brauchbar erwiesen und wenn man neue Leute nach oben lässt, weiß man nicht was man kriegt. Andererseits ist es aber auch schwierig, Leute die es mal nach oben geschafft haben, wieder zu entfernen. Das schafft Unzufriedenheit und vielleicht sogar Widerstand. Deshalb kann nur in extremen Fällen auf Degradierung oder „Verbannung“ zurückgegriffen werden. Daher gibt es einen Stau oder eine Aufblähung an der Spitze. Es gibt eben keine Spielregeln wie in Demokratien, die es eine Fluktuation an der Spitze ermöglichen. Allerdings braucht das Regime aber auch einen Mittelbau, der die Befehle ausführt, weitergibt und kontrolliert. Da aber nur begrenzter Platz und vor allem begrenzte Ressourcen vorhanden sind, ist eine permanente Aufstiegsbewegung nicht möglich. Für diejenigen die sich im Mittelbau befinden ist es recht demotivierend, wenn es keinen Aufstieg geben kann. Es muss also auch eine Perspektive nach oben geben, um das Funktionieren des Mittelbaus zu garantieren. Eine recht schwierige Aufgabe, die Pjöngjang aber bisher erfolgreich gemeistert hat.

Nun steht Pjöngjang aber vor einer weiteren, kurzfristigen Aufgabe. Die Macht muss weitergegeben werden. Und da werden etablierte Elitengruppen zu einem noch größeren Problem, als sie das ohnehin schon sind. Auf den ersten. Für diejenigen die zum alten Machtkern gehören, besteht die Gefahr, dass sie unter einer neuen Führung ihre Position (oder mehr) verlieren. Daher könnten sie sich gegen eine solche Führung stemmen, die nicht glaubhaft machen kann, dass sie weiterhin gut leben können, auflehnen. Außerdem könnten sie versuchen möglichst nah an die Führung zu gelangen, um vielleicht noch besser zu leben, oder um sich abzusichern. Netzwerke und Kontakte, die umso intensiver sind, je länger diejenigen zur Führung gehörten, können da dienlich sein. Daher stellen die alten Eliten für jede neue Führung ein Gefahr da und sie müssen entweder auf absolute Loyalität eingeschworen werden oder – die sicherere Alternative – so geschwächt werden, dass sie der neuen Führung so lange nicht gefährlich werden können, bis sie ihre Macht konsolidiert hat. Dementsprechend ist es in der Vorbereitung der Machtübergabe nötig, dass Teile der alten Eliten ausgetauscht oder ihre Netzwerke geschwächt werden. Das kann man ganz gut erreichen, wenn man neues Personal einführt, das loyal ist und es strategisch so platziert, dass die alten Netzwerke nicht mehr ungestört funktionieren können. Allerdings weiß man bei neuen Leuten natürlich nicht wirklich, ob sie loyal sind. Also auch hier ein Risiko. Aber immerhin hat man ihnen den Aufstieg ermöglicht. Womit man auch wieder das Problem des Elitenstaus ein bisschen mildert, denn der Mittelbau sieht: Aufstieg ist möglich (Vielleicht wurden Ämter in der Partei aus diesem Grund teilweise nicht aufgefüllt. Um Platz für einen neuen Führungskern zu lassen). Gleichzeitig wird der Aufstieg mit der neuen Führung, nicht der Alten, Verbunden. Also gelten auch ihr die Loyalitäten. Der Wechsel in Pjöngjang läuft nach einem Plan ab der diese Tatsachen beachtet. Das ist aber noch kein Erfolgsgarant, da sehr viele Unsicherheitsfaktoren weiter bestehen.

Wie genau alles zusammen passt und gehört, das wissen die Leute in Pjöngjang vielleicht selbst nicht, deshalb will ich da garnicht rumrätseln. Aber immerhin ist die Liste von „high potentials“ die man im Auge behalten sollte wieder etwas länger geworden. In der jetzigen Phase ist es wirklich mal spannend im Auge zu behalten wer aufsteigt und wer verschwindet (wie man sieht, kommen manche davon wieder) oder stirbt und was die neu Aufgestiegenen machen. Denn jetzt wird das neue Team aufgestellt und die personellen Weichen gestellt.

Machtverschiebung zwischen nordkoreanischen Führungsorganen: Wird die CMC Kim Jong Uns NDC?


Entschuldigt bitte, dass ich in letzter Zeit so viel über die inneren Vorgänge des Regimes schreibe und spekuliere und so wenig über andere interessante Hintergründe. Aber im Regime tut sich gerade so viel Interessantes, dass ich da einfach nicht dran vorbei komme. Tja, und da wisst ihr wohl schon, was euch erwarte. Mir ist heute, als ich die KCNA Meldungen überflogen habe, nämlich eine ins Auge gesprungen. Der Artikel ist überschrieben mit: „Talks between Delegation of DPRK National Defence Commission and Chinese High-ranking Military Delegation„.

Da stimmt doch was nicht…

Wenn ich eine solche Überschrift lese habe ich bestimmte Erwartungen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kim Jong Il die Gespräche als Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission (Ich nutze der Einfachheit halber die englische Abkürzung NDC) leitet. Aber da es sich vermutlich um Arbeitsgespräche handelt kann er sich auch raushalten und um seine Gesundheit kümmern. Dann würde ich aber erwarten, dass die nordkoreanische Seite der Delegation der NDC von einem Vizevorsitzenden, vielleicht Jo Myong-rok, Kim Yong-chun oder Jang Song-thaek geleitet würde. Aber nichts dergleichen.

NDC-Delegation (fast) ohne NDC-Mitglieder

Um genau zu sein ist unter den aufgelisteten Teilnehmern nur ein Mitglied der NDC, nämlich Kim Jong-gak. Der hat zwar auch in der letzten Zeit eine recht steile Karriere hingelegt und ist noch recht jung (67), aber er ist erst vor einem guten Jahr in die NDC aufgerückt, also kein etabliertes und hochrangiges Mitglied. Das finde ich schonmal bemerkenswert, wenn bei einer NDC-Delegation nur ein NDC-Mitglied teilnimmt. Noch bemerkenswerter finde ich aber, wer die NDC Delegation geleitet hat. Das war nämlich Ri Yong-ho (schon wieder der). Der ist Vizevorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei, wurde aber mit der NDC noch nie (außer in schlecht recherchierten Meldungen) in Verbindung gebracht.

CMC als Kim Jong Uns „eigenes“ Machtvehikel?

Für mich ist das Ganze erstens ein seltsamer Sachverhalt und gibt zweitens breiten Raum für Interpretationen: Ich habe mir schon seit der Berufung Kim Jong Uns zum Vizevorsitzenden der zentralen Militärkommission der PdAK (ich kürze auch das englisch mit CMC ab) Gedanken darüber gemacht, ob es nicht sein könnte, dass diese sozusagen nach und nach die Position einnehmen soll, die die NDC im Falle Kim Jong Ils innehatte. So eine Art Führungsvehikel in der Mache. Das wäre eine Methode, die auch bei Kim Jong Il funktioniert hat, denn die Bedeutung die sie heute hat, gewann die NDC ja erst mit Kim Jong Il (oder umgekehrt), sie wurde als Führungsinstrument aufgebaut und auf Kims Bedürfnisse zurechtgeschnitten. Warum sollte Kim Jong Un dann nicht sein eigenes Instrument bekommen, vor allem weil dieses dann auch auf seine Bedürfnisse anpassen kann. Aus dieser Überlegung heraus habe ich mir gedacht, dass es Sinn machen würde, die CMC mal genauer im Auge zu halten. Und was kann ein deutlicheres Zeichen dafür sein, dass die CMC an Einfluss gewinnt, als die Tatsache, dass ihr Vizevorsitzender eine Delegation der NDC anführt, die auch noch kaum NDC Mitglieder beinhaltet. Für mich steckt da viel drin.

Personalüberschneidungen: Vertrauensleute und high potential

Ich  habe dann mal nachgeschaut und es gibt ein paar Leute, die in beiden Gremien sitzen: Jang Song-thaek, über den wohl nicht viel sagen muss (hoch gehandelt, angeheirateter Onkel Kim Jong Uns und öfter mal als wichtig(st)er Strippenzieher im Hintergrund beschrieben), Kim Yong-chun (74), neben Kim Jong Il einziger Marschall der Koreanischen Volksarmee, ehemaliger Generalstabschef und jetzt Verteidigungsminister, gilt als treuer Gefolgsmann Kim Jong Ils, sowie Kim Jong-gak, den ich ja schon oben genannt habe und der wohl ein „high potential“ des nordkoreanischen Militärs ist. Was haben die Drei gemein? Zwei von ihnen haben enge Bindungen zu Kim Jong Il und alle drei sind noch nicht in dem Alter, in dem ihr baldiger Tod sehr wahrscheinlich ist. Sie könnten als Vertrauensmänner Kims in der CMC gesehen werden und als Brücke zwischen NDC und CMC, über die evtl. auch ein Teil der Macht transferiert werden könnte.

Augen offen halten

Ob ich da zu weit gesprungen bin werden wir in der nächsten Zeit beobachten können. Hört man öfter mal was von der CMC und wird ihre Position wichtiger, dann würde das meine Theorie untermauern. Wenn nicht. Naja, irren ist menschlich.