Warum Kim Jong Uns Expressaufzug nicht ausreicht, um ihn vor interessanten Zeiten zu bewahren


Nachdem es nun einige Tage Funkstille von meiner Seite gab (ich hoffe ihr seht mir das nach, aber es gibt ja noch ziemlich viele erfreulichere Dinge im Leben, denen man sich widmen kann als Nordkorea bzw. dem Tod eines Tyrannen. Außerdem dachte ich mir, dass unsere Medien recht ausführlich berichten würden.), bin ich jetzt wieder zurück auf dem Posten. Ich habe am 23. meinen Computer ausgeschaltet und ihn erst gestern Abend wieder angemacht. In der Zwischenzeit wurde eine Unmenge an guten Analysen und Kommentaren geschrieben und ich habe nur ein paar davon gelesen. Ich werde das in Teilen nachzuholen versuchen. Das steht euch natürlich auch frei und ich empfehle euch dazu die Texte von 38 North, The Peninsula, aus der Linksammlung des National Committee on North Korea, und natürlich von North Korea Leadership Watch. Pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem es hinsichtlich der Nachfolge Kim Jong Uns noch etwas spannender werden dürfte, möchte aber auch ich nochmal ins allgemeine Crescendo einstimmen. Als erstes werde ich kurz nochmal die rapiden Fortschritte zusammenfassen, die Kim Jong Un zumindest nach außen hin bei seinem Nachfolgeprozess gemacht hat und dann werde ich kurz erläutern, warum ich glaube, dass es ab jetzt spannender werden könnte.

Was war: Kim Jong Uns Expressaufzug

Ich denke, dass viele Experten von dem Tempo überrascht waren, in dem Kim Jong Un zumindest formal bzw. vielmehr halbformal/verbal Schlüsselpositionen im nordkoreanischen Machtapparat zugesprochen bekam. Noch bevor das Trauerzeremoniell für seinen Vater abgeschlossen war, wurde er per Expressaufzug an die Spitze entscheidender Institutionen des Regimes geschossen.

Der Aufakt: Großer Nachfolger

Schon kurz nach dem Tod Kim Jong Ils wurde Kim Jong Un als:

great successor to the revolutionary cause of Juche and outstanding leader of our party, army and people.

bezeichnet. Dies war zwar noch keine formale Amtsbezeichnung, aber es brachte ihn rein verbal schon in eine Führungsposition, die den formalen Weg anzeigte.

Reine Symbolik: Der neue Zeichensatz

Ebenfalls symbolischer Natur ist die Tatsache, dass für Kim Jong Uns Namen in der nordkoreanischen Propaganda seit dem 24. Dezember der besondere Zeichensatz (im Ergebnis sieht der Namen größer aus) verwendet wird, der zuvor seinen Vorfahren Kim Il Sung und Kim Jong Il vorbehalten war. Diese symbolische Erhebung wurde auch rückwirkend eingeführt (ich hatte ja ein paar Tage vorher angemerkt, dass sein Name noch kleingeschrieben würde).

Etwas handfester: Supreme Leader des Militärs

Etwas handfester ist dagegen die Bezeichnung, die KCNA Kim Jong Un bei seinem Besuch am Sarg seines Vaters am 24. Dezember zugesprochen wurde:

vice-chairman of the Central Military Commission of the Workers‘ Party of Korea and supreme leader of the revolutionary armed forces of the DPRK

Da er sich damals ausschließlich mit Militärs zeigte, ist diese militärische Benennung zwar sinnvoll, aber ein Rechtsakt, der ihn zum Oberbefehlshaber gemacht hätte, fand bisher nicht statt. Dieser Anlass war bisher allerdings auch das einzige Mal, dass Kim Jong Un von KCNA so bezeichnet wurde. Weiterhin fällt mir auf, dass er nicht „Commander“ sonder „Leader“ genannt wird. Dies könnte eine sprachliche Würdigung der Tatsache sein, dass dies mehr ein Ehren- als ein formaler Titel ist, da sein Vater gewöhnlich den Titel „supreme Commander“ führte.

Zu erwarten: Führer der Zentralen Militärkommission der Partei

Auch in der Partei war sein Aufstieg in den ersten Tagen ungebremst. So wurde er am 26.12. als Führer der Zentralen Militärkommission der Partei bezeichnet:

Let’s stake our lives to safeguard the party’s Central Military Commission led by dear comrade Kim Jong-un.

Allerdings ist hier zu bemerken, dass es durchaus möglich ist, dass Kim Jong Un als einer von zwei (der Andere ist Generalstabschef Ri Yong-ho) stellvertretenden Vorsitzenden dieses Gremiums (ratet mal wer Vorsitzender war) die Geschäfte laut formalen Bestimmungen leitet. Schließlich wird auch hier nur gesagt, dass er die Geschäfte führt, nicht dass er Vorsitzender ist. Dazu würde auch passen, dass er ansonsten recht konsequent weiterhin als Vize-Vorsitzender der Kommission bezeichnet wird.

Ein mächtiger Posten: Vorsitzender des Zentralkomitees derPartei

In Verbindung mit einem Posten, auf den Kim Jong Un formal nicht den geringsten Anspruch erheben kann, wurde er bereits am 24.12. genannt (zum gleichen Anlass zu dem er auch als oberster Führer der Streitkräfte bezeichnet wurde):

Let us defend with our very lives the Party Central Committee headed by respected Comrade Kim Jong Un!

Damit hätte Kim Jong Un die Partei unter seiner Kontrolle, was — wenn dem tatsächlich so wäre — einen sehr bedeutenden Schritt zur Machtsicherung darstellen würde. Allerdings ist auch hier anzumerken, dass es sich aktuell wohl eher um eine Zuschreibung als um einen formalen Akt handelt. Jedoch sind solche Zuschreibungen nicht ohne die Zustimmung der anderen Entscheidungsträger möglich.

Aus berufenem Munde: Proklamation als Kim Jong Ils Nachfolger?

Gestern schließlich bekräftigte der zurzeit nominell erste Mann im Staat die Unterstützung Kim Jong Uns durch Partei und Militär anlässlich der Beisetzung Kim Jong Ils:

Standing at the helm of the Korean revolution is Kim Jong Un, the successor to the revolutionary cause of Juche.

Kim Jong Un is the supreme leader of our party and army and people as he fully personified the ideas and leadership, personality, virtues, grit and courage of Kim Jong Il.

We will turn sorrow into thousand-fold strength and courage and tide over the present difficulties and more dynamically advance along the road of Songun indicated by Kim Jong Il under the leadership of Kim Jong Un.

We, who made a pledge in bitter tears before the bier of Kim Jong Il, will accomplish the cause of the Songun revolutionary cause, the cause of building a thriving socialist nation, holding Kim Jong Un in high esteem as another General and supreme leader.

Die Aussage, dass Nordkorea auf der Straße von Kim Jong Ils Songun nun von Kim Jong Un geführt würde, wurde vielfach als die Ausrufung Kim Jong Uns als Nachfolger Kim Jong Ils bewertet. Interessant finde ich den letzten Absatz, in dem in etwa gesagt wird, dass man Kim Jong Un in Hochachtung als einem weiteren General und obersten Führer entgegentreten würde. Wäre Kim Yong-nams Ansprach in englischer Sprache gehalten worden, dann hätte ich überlegt das als Ironie zu interpretieren, aber da ich das Original nicht verstehen kann, sehe ich diese eigenwillige „noch-ein-General-und-oberster-Führer“-Formulierung als Auswuchs der oftmals etwas eigenwilligen Übersetzungen von KCNA.

Signale im Umfeld

Es gibt auch weitere Signale, die nicht direkt mit Kim Jong Un verbunden sind, aber trotzdem anzeigen, dass der Nachfolgeprozess bisher glatt und nach Plan läuft.

Jangs neue Kleider

So zeigte sich sein Onkel Jang Song-thaek (der Mann der ebenfalls gewichtigen Schwester Kim Jong Ils Kim Kyong-hui), dem eine Schlüsselstellung im alten und neuen Machtgefüge Nordkoreas zugeschrieben wird, beim Besuch Kim Jong Uns und hochrangiger Militärs an Kim Jong Ils Sarg am 24.12. erstmals in der Uniform eines VierSterne-Generals. Scheinbar wird Jang nun auch eine größere Rolle beim Militär einnehmen. Ich könnte mir eine Nationale Verteidigungskommission unter seiner Führung vorstellen, denn dort wurde er zum Stellvertreter gemacht und in diesem mächtigen Gremium ist er wohl der mächtigste Unterstützer Kim Jong Uns.

Sitzt gut der neue Anzug: Bisher wurde Jang Song-thaek noch nicht in Militäruniform gesichtet.

Sitzt gut der neue Anzug: Bisher wurde Jang Song-thaek noch nicht in Militäruniform gesichtet.

Die sieben Sargträger

Auch auf dem Beerdigungszug gab es einen interessanten Hinweis, dass sich die Führung um Kim Jong Un geschart hat. So liest sich die Liste der sieben Personen, die gemeinsam mit Kim Jong Un den Sarg Kim Jong Ils geleiteten (in einem gewöhnlicheren Rahmen wären es wohl die Sargträger gewesen) wie ein who is who der faktisch mächtigsten Männer im Land. Hinter Kim Jong Un reihten sich rechts vom Sarg mit Jang Song-thaek, Kim Ki-nam und Choe Thae-bok drei Männer ein, die eher dem zivilen Teil des Regimes zuzuordnen sind. Links waren vier Militärs zu finde.An erster Stelle mit Generalstabschef Ri Yong-ho ein Mann, der eine entscheidende Rolle für Kim Jong Uns Nachfolge spielen wird. Dass Kim Yong-chun, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission und Militär-/Verteidigungsminister an zweiter Stelle lief ist von der Symbolik her ebenfalls interessant, denn es wurde in letzter Zeit diskutiert, ob er nicht aus dem inneren Machtzirkel hinausgedrängt wurde, da er seltener mit Kim Jong Il auftrat und anders als die meisten Anderen Vertreter des Regimes nicht in jüngster Zeit befördert wurde. Anderes als Kim Jong-gak, der in den vergangenen Jahren eine recht steile Karriere hingelegt hat. U Tong-chuk kann ebenfalls seit 2009 auf einen steilen Aufstieg zurückblicken und steht einer mächtigen Sicherheitsbehörde vor. (Es ist kein großes Wunder, dass all diese Namen bei meiner kleinen statistischen Erhebung vom Herbst letzten Jahres genannt wurden).

Grafik und Bild der Sargträger. Bild: Chosun Ilbo

Grafik und Bild der Sargträger. Bild: Chosun Ilbo

Naja, jedenfalls ist die Symbolik in dieser Konstellation natürlich nicht zu übersehen. Militär und Partei halten zusammen und genauso „neue“ und „alte“ Vertreter des Regimes. Die Männer hinter Kims Sarg dürften in den nächsten Monaten und Jahren eine Rolle zu spielen haben.

Was kommen wird: Interessante Zeiten

Soweit zu dem, was war. Jetzt zu dem das kommen wird. Generell hätten die ersten Tage nach Kim Jong Ils Tod nicht besser laufen können, für Kim Jong Un und das Regime. Nach außen hin lief alles glatt und es wurde von allen Seiten Unterstützung zugesichert.

Wie weit reicht das Drehbuch

Allerdings bleibe ich bei meiner Annahme, dass das bereits weitestgehend in einem „Drehbuch“ stand. Ich vermute ganz stark, dass für die Abläufe eines möglichen Todes Kim Jong Ils in vielen Schreibtischen bereits versiegelte Briefumschläge lagen (oder so ähnlich) und das es über den Ablauf der ersten Zeit im Groben keine tiefgehenden Diskussionen geben konnte. So wurde nach außen wie nach innen signalisiert, dass alles unter Kontrolle sei. Gleichzeitig wäre ein abweichendes Verhalten schnell identifiziert worden und das Regime hätte reagieren können. Dadurch verschaffte man sich einerseits Zeit und presste vermeintliche oder tatsächliche Opposition in der Führung in eine Disziplin, vor der es kein Entkommen gab. Gerade in der Zeit nach dem Tod eines Herrschers, bei dem annähernd alle Fäden zusammenliefen, besteht natürlich ansonsten ein gewisses Risiko, dass abweichendes Verhalten im Gefolge einer Vielzahl zu treffender Entscheidungen nicht erkannt wird und dass sich potentieller Widerstand formieren kann.

Allerdings dürfte der vorgeschriebene Plot zunehmend grober werden und damit Lücken bieten. Das Ende der unmittelbaren Trauerperiode könnte einen Punkt markieren, ab dem die Planungen allgemeiner werden. Ab jetzt müssen sich der junge Kim und sein Führungsteam also noch mehr beweisen und sie müssen auch noch mehr auf der Hut sein. Auch in den Jahren nach Kim Il Sungs Tod hatte Kim Jong Il (recht dichten Gerüchten zufolge) mit Widerstand zu kämpfen und es kam zu massiven Säuberungen in Militär und Partei. Kim Jong Un könnte ähnliches bevorstehen und daher wird es wohl eine unruhige Zeit geben.

Die Neujahrsbotschaft: Erstes Schriftdokument der neuen Führung

Weiterhin ist es nicht mehr lange, bis die Neujahrsbotschaft in den nordkoreanischen Medien verbreitet wird, die normalerweise die Agenda der Politik für das kommende Jahr widerspiegelt. Dieser Botschaft wird ohnehin international große Aufmerksamkeit geschenkt, allerdings dürfte es dieses Jahr wirklich interessant sein, was dort zu lesen ist (und vielleicht auch was nicht), aber es könnten einige wegweisende Punkte Erwähnung finden in diesem ersten Dokument unter der neuen Führung.

Etwas weiter geblickt: Die Angst vorm Sensenmann

An eine weitere interessante Frage, die zwar nicht ganz so unmittelbar ansteht, wie die Vorgenannten, die aber eine große Sprengkraft hat, erinnerte mich die Tatsache, dass Kim Yong-nam gestern derjenige war, der Kim Jong Un quasi als Nachfolger Kim Jong Ils proklamierte. Was passiert wenn entscheidende Träger des Regimes (allen Voran Kim Yong-nam) in näherer Zukunft sterben. Kim Jong Il hat in den vergangenen beiden Jahren einen Großteil der Führung soweit verjüngt, dass Kim Jong Un wohl zumindest zehn Jahre Zeit hat, bis die nächste Verjüngungswelle ansteht. Mit dem protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong-nam ist aber noch ein Schwergewicht im Rennen, das einerseits nicht leicht zu ersetzen sein wird, wo allerdings auch noch nicht klar ist, wer ihn ersetzen wird. Ist er einmal tot, muss ein loyaler aber nicht überambitionierter Mann für das Amt gefunden und eventuell einige Aspiranten vor den Kopf gestoßen werden. Ähnlich dürfte es auch mit einigen nicht ganz so gewichtigen Ämtern sein. Todesfälle im Regime dürften in den ersten Jahren eine große Herausforderung für den jungen Kim sein.

So, ich könnte noch Stunden weiterschreiben, aber leider nur in der Theorie, denn ich habe noch Anderes zu tun. Aber ich hoffe ich werde in den nächsten Tagen nochmal dazu kommen…

Bis zum bitteren Ende — Für wen oder was hat sich Kim Jong Il eigentlich geopfert?


Man kann Kim Jong Il ja vieles nachsagen und das Meiste davon ist wohl auch wahr. Eines jedoch kann man nicht über den verstorbenen Despoten behaupten. Dass er sich nicht aufgeopfert hätte.

Nun ist der Begriff der „Aufopferung“ natürlich grundsätzlich positive besetzt und in Verbindung mit Kim Jong Il klingt das daher irgendwie seltsam, aber es ist ja nicht per Definition festgelegt, dass man sich nur für eine gute Sache aufopfern kann, denn auch das kann man Kim nicht nachsagen. Nun wird es aber kaum so sein, dass der ehemalige Diktator einfach nur zum Spaß auf Kosten seiner Gesundheit — was ihm Berichten zufolge auch bewusst gewesen sein muss — nicht von den Staatsgeschäften zurückzog, sondern (fast wörtlich) bis zum bitteren Ende in hoher Frequenz Vor-Ort-Anleitungen durchführte und vermutlich auch ansonsten seiner Arbeit ungebremst nachging. Daher finde ich es spannend, mal kurz darüber nachzudenken, was wohl das Motiv für dieses Handeln Kims war.

Kim Jong Ils Aufopferung

Zuerst möchte ich euch aber nochmal kurz einen Überblick über das Verhalten Kim Jong Ils geben, dass mich zu dem Schluss kommen lässt, dass er sich für irgendetwas (auf-)geopfert hat. Die Liste der Krankheiten, die Kim Jong Il angeblich hatte, ist sehr lang und man begann eigentlich schon daran zu schreiben, als er offiziell als Nachfolger Kim Il Sungs vorgestellt wurde, also in den 80er Jahren. Jedoch lassen sich all die Gerüchte von Diabetes und allen möglichen Krebserkrankungen kaum bewerten und so einiges wird vermutlich den Wünschen der Propagandisten aus anderen Ländern entsprungen sein. Den ersten validen Beleg, dass Kim Jong Il tatsächlich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, gab es dann 2008. Nachdem Kim nicht an der Parade anlässlich des 60. Geburtstags Nordkoreas erschien und weiter von der Bildfläche verschwunden war, verdichteten sich die Hinweise, dass tatsächlich etwas mit ihm nicht stimmte. Auch die teils kruden Versuche der Propagandaabteilung seines Landes, diese Gerüchte mit „Bildbeweisen“ zu wiederlegen, scheiterten. Die letzten Zweifel, dass Kim schwer erkrankt war wurden spätestens durch die Bilder seines Auftretens bei der Obersten Volksversammlung im Jahr 2008 ausgeräumt. Da sah er nämlich Gollum aus dem Herrn der Ringe ähnlicher, als sich selbst vor einem Jahr. Auch wirkte er zu dieser Zeit sehr geschwächt.

Kim Jong Il wirkte kurz nach seiner Genesung 2009 deutlich gezeichnet

Nichtsdestotrotz nahm er die Amtsgeschäfte danach wieder relativ zügig in die Hand, kehrte zur alten Routine der Vor-Ort-Anleitungen zurück (mit zunehmend hoher Frequenz) und besuchte China (insgesamt viermal (plus eins auf dem Heimweg aus Russland)) sowie Russland. Er zeigte sich natürlich auf allen wichtigen Anlässen und empfing darüber hinaus einige wichtige Staatsgäste. Diese Umtriebigkeit hielt er durch bis zu seinem Tod durch. Seine letzten beiden Vor-Ort-Anleitungen datieren zwei Tage vor seinem Dahinscheiden. Ob er allerdings an seinem Todestag auch tatsächlich in seinem Sonderzug saß, um einen Besuch durchzuführen, wird von südkoreanischer Seite mittlerweile angezweifelt (jedoch sollte man in solch aufgeregten Zeiten vorsichtig mit Gerüchten und Geheimdienstinformationen umgehen).

All den gennannten Aktivitäten ging Kim nach, obwohl ihm nach dem Schlaganfall von 2008 nach den Aussagen des französischen Arztes Roux vollkommen klar gewesen ist, dass die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls wuchs. Da Kim laut den Aussagen zumindest für Wochen, wahrscheinlich aber für Monate, außer Gefecht war, müssen andere die Amtsgeschäfte für ihn geführt haben. Allgemein wird angenommen, dass vor allem Jang Song-thaek ihn damals vertreten habe. Dass dies über Monate hinweg möglich war, ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass das Regime loyal zu ihm stand und dass er nicht unersetzlich war.

Motive für Kims Opferbereitschaft

Warum kehrte er aber dann mit voller Wucht in sein Amt zurück? In der Folge werde ich einfach einige Ideen ausformulieren, die ursächlich dafür sein könnten. Eine richtig gute Erklärung habe ich jedoch nicht. Ich bürge auch nicht für Vollständigkeit. Ich schreibe einfach auf, was mir in den Sinn kommt.

Die offizielle „Wahrheit“ und Kims mangelnder Realitätsbezug

Considering it as his maxim to believe in the people as in Heaven, he worked heart and soul day and night, without having any good rest, prompted by his desire to enable the Korean people to become the most dignified happy people in the world. He did just the way the President did as he always traveled a lot to mix with the people.

[Der Maxime folgend, dass er an die Menschen glaubt wie an den Himmel, arbeitete er mit Herz und Seele Tag und Nacht, ohne Pause. Dabei ließ er sich von seinem innigen Wunsch leiten, die Menschen Koreas dazu zu befähigen, zu den würdevollsten und glücklichsten Menschen der Erde zu werden. Er machte es genau wie es der Präsident [Kim Il Sung] tat, als er immer viel reiste, um sich unters Volk zu mischen.]

Vielleicht tat Kim Jong Il all dies wirklich aus dem Glauben heraus, ein besseres Land und eine bessere Zukunft für seine Bevölkerung zu schaffen. Zugegeben, das klingt seltsam, aber vielleicht wähnte er sich auf dem Weg dorthin und vielleicht sah er sich als unersetzlich auf diesem Weg. Natürlich ging und geht es vielen Nordkoreanern schlechter als den meisten anderen Menschen auf der Welt, aber es kam in der Weltgeschichte ja nicht gerade selten vor, dass Staatenlenker und Revolutionäre glaubten, mit Aussicht auf eine bessere Zukunft die Gegenwart einer oder mehrerer Generationen opfern zu müssen.

Jeder ist sich selbst der Nächste

Vielleicht hatte Kim Jong Il schlicht Angst davor, dass er sich, wenn er die Macht abgäbe, früher oder später vor einem nationalen oder internationalen Gericht verantworten würde müssen. Hätten seine Nachfolger einschneidende politische Veränderungen vorgenommen, wäre dies ein denkbares Szenario gewesen. Der einzige sichere Weg zu verhindern, dass er irgendwann die Konsequenzen für sein Tun würde tragen müssen, war es, einfach bis zum Ende zu regieren, oder bis sein Sohn fest im Sattel sitzt.

Eine ähnliche Zielrichtung hat die Idee, dass bei Kim die Ansicht vorgeherrscht hat, dass das Regime ihn oder seinen Sohn, wenn er weitgenug ist, braucht, um als Symbolfigur und Legitimation gegenüber den Trägern des Regimes und der Bevölkerung zu wirken. Hätte er aufgehört, hätte er damit das Regime ins Wanken gebracht und sich selbst eine unruhige Zukunft beschert.

Aufhören wollen, aber nicht dürfen

Wiederum mit der vorherigen Idee verbunden ist der Gedanke, dass er vielleicht gerne aufgehört hätte, ihm dies aber von den Mitgliedern des Regimes, die ihn umgaben, schlicht nicht erlaubt wurde. Hier kann es sein, dass die Führungseliten Angst davor hatten, wenn das Regime zusammenbräche für das was sie getan haben (es gibt vermutlich nicht viele, die sich keine Sorgen vor objektiven Gerichten machen müssten, geschweige vor einem wütenden Mob) gerade stehen zu müssen bzw. ihr luxuriöses Leben aufgeben zu müssen, dass ihre Positionen mit sich bringen. Vielleicht zogen sie auch die relativ berechenbare Situation einer möglicherweise wesentlich unberechenbaren und vielleicht gefährlicheren Lage ohne den „Kim-Deckel“, der alle Konflikte abdeckte, vor.

Vaterliebe

Vielleicht hatte Kim seinen Sprössling auch so gern, dass er ihn unbedingt an die Staatsführung heben wollte und um die Nachfolge des Sohnes sicherzustellen musste er eben noch einige Zeit im Amt bleiben. Es spricht zwar einiges dagegen, dass das Motiv ist, aber man kann ja nie wissen. Die Frage die ich mir stelle ist nur, warum der junge Kim sich nicht vom Acker gemacht hat bzw. macht, solange er noch aus der Nummer rauskäme. Oder ist er schon soweit drin, dass es nicht mehr anders geht? Warum Kim Jong Un sich bereitgefunden hat, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, ist aber ein anderes Rätsel, für das ich ebenfalls nicht wirklich eine Erklärung habe.

Verrückt

Vielleicht haben auch diejenigen recht, die immer behauptet haben, Kim Jong Il sei schlicht verrückt. Dann kann es tatsächlich sein, dass er all das einfach nur so gemacht hat, denn dann muss sein Handeln ja nicht unbedingt von Rationalität geprägt gewesen sein. Allerdings kann ich mir nach wie vor kaum vorstellen, wie jemand der Verrückt ist, ein Land lenken soll, dass in einer permanenten schweren Krise steckt. Ich glaube wenn er verrückt gewesen wäre, dann würden wir nicht erst jetzt über sein Ende sprechen.

Warum hat er’s getan?

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich bin mit alldem noch immer nicht wirklich zufrieden. Es kann natürlich ein Konglomerat aus alldem gewesen sein, eine Mischung aus Staatsräson und Sendungsbewusstsein, Selbstüberschätzung und Realitätsverlust sowie Vaterliebe. Aber selbst dann weiß ich nicht so genau. Und so wird es wohl auch bleiben. Wir werden es wohl nie so genua wissen.

Ich fände es aber sehr interessant und vielleicht auch erhellend, wenn ihr eure Meinung oder Ideen äußern würdet. Warum hat Kim gearbeitet, bis sein (wahrscheinlich) relativ gnädiges Ende gekommen war?

Ein guter Tag zum Sterben: Der Zeitpunkt des Todes Kim Jong Ils und damit verbundene Implikationen für Kim Jong Uns Nachfolge


Als ich gestern vom Tod Kim Jong Ils gehört habe, da kam mir relativ schnell der Gedanke, dass der Zeitpunkt seines Todes durchaus interessant ist. Mein erster Gedanke war sogar, dass der Moment von Kims Tod annähernd wie aus dem Drehbuch ist, weil er mich einerseits an das Jahr 1994 erinnerte und weil er andererseits so passgenau zum Jahresende (Kim Jong Il kommt ja fast genau zum Jahreswechsel unter die Erde) kommt und man so schon in der Neujahrsbotschaft der Partei etc. darauf eingehen kann. Ich war auch anfänglich etwas misstrauisch, weil Kim Jong Il ja in der letzten Zeit eigentlich sehr aktiv war und bei weitem nicht mehr so krank wirkte, wie vor zwei Jahren. Aber ein Herzinfarkt kündigt sich ja auch nicht durch Krankheit oder ähnliches an. Aus dus dem Termin des Todes ergeben sich einerseits negative Auswirkungen auf das Regime und die Nachfolge Kim Jong Uns, andererseits ist der Moment des Todes Kim Jong Ils so schlecht auch wieder nicht. Daher möchte ich mir kurz die Implikationen des Zeitpunktes von Kim Jong Ils Tod anschauen.

Ein schlechter Zeitpunkt…

Generell ist natürlich zu sagen, dass der Tod Kim Jong Ils für Kim Jong Un zu früh kam. Sicherlich hätten sich der große Nachfolger und die Regimespitze etwas mehr Zeit gewünscht, um den jungen Kim auf sein Amt vorzubereiten, ihn in der Propaganda aufzubauen und zu legitimieren und die Partei-, Militär-, Sicherheits- und Verwaltungsapparate personell und strukturell noch mehr für die neue Ordnung zurechtzubiegen. Allerdings war es nach Aussagen eines Arztes, der Kim Jong Il 2008 bei seinem Schlaganfall behandelt hatte, nur eine Frage der Zeit, bis er seiner körperlichen Schwäche Tribut zollen würde. Also musste das Regime mit einem „zu frühen“ Ableben Kims rechnen und konnte nicht hoffen, dass er Kim Jong Un noch lange auf die Nachfolge vorbereiten würde können. Daraus erklären sich auch die sehr eiligen Maßnahmen des Regimes zur Vorbereitung seiner Nachfolge.

Weiterhin könnte der Zeitpunkt von Kims Tod als negativ für die Stabilität des Regimes betrachtet werden, weil aktuell einige bedeutende strategische Fragen anstehen. So wurde vor kurzem eine Vereinbarung mit den USA über die Aussetzung des Uranprogramms und weitreichende Lebensmittellieferungen der USA getroffen. Will man diese sachte Annäherung weiterverfolgen und das Uranprogramm wirklich aussetzen? Möchte man sich auch an den Süden annähern oder will man Lee Myung-bak mit einer Phase angespannter und konfliktreicher Beziehungen aus seinem Amt „verabschieden“? Diese Fragen müssen bald beantwortet werden und es ist durchaus vorstellbar, dass beispielsweise über die Fortführung des Uranprogramms unterschiedliche Meinungen bestehen. Solange Meinungen nicht wirklich zählten, sondern letztlich nur Kim Jong Ils Wort von Bedeutung war, machten gegensätzliche Meinungen kein großes Problem, da sie zugedeckt wurden. Nun könnten sich daraus aber Risse in der Führungseben bilden.

…oder eigentlich doch ganz gut?

Jedoch bietet der Tod Kim Jong Ils zu diesem Zeitpunkt für das Regime und Kim Jong Un auch einige positive Aspekte.

Sein Dahinscheiden fast pünktlich zum (aber nicht im) Jahr 2012, das für Nordkorea eine hohe Bedeutung hat, da man zum hundertsten Geburtstag Kim Il Sungs den Status einer reichen und mächtigen Nation erreichen wollte und dies auch gegenüber der eigenen Bevölkerung publik gemacht hat, kann sich das Regime zunutze machen. Man kann mit neuer Führung in das so wichtige Jahr starten und damit auch symbolisch die Entwicklung des Landes belegen (auch dass Kim Jong Un zu Kim Il Sungs hundertstem die Nachfolge antritt, lässt sich vermutlich propagandistisch ausschlachten). Sollte Nordkorea weiterhin wider erwarten 2012 keine reiche und mächtige Nation sein, könnte man dafür auch das plötzliche dahinscheiden Kim Jong Ils und die Folgen verantwortlich machen (alle sind von Trauer ergriffen etc.).

Weiterhin erinnert die aktuelle außenpolitische Situation vor allem hinsichtlich der USA an das Jahr 1994 als Kim Il Sung starb. Auch damals spielte das Nuklearprogramm Nordkoreas eine Rolle bei den Verhandlungen und auch damals wurde das endgültige Abkommen nach dem Tod des alten Führers geschlossen. Vielleicht kann sich das Regime in Pjöngjang diese aktuell in der Schwebe befindliche Verhandlungsphase zunutze machen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen und vielleicht um die USA zu überzeugen, dass man nun eine neue Politik verfolge und so die Beziehungen beider Staaten nachhaltig verbessern.

Weiterhin ist zu bemerken, dass vor allem hinsichtlich der Verbündeten Russland und China wichtige Meilensteine erreicht wurden. Die Beziehungen zu beiden sind gut wie lange nicht und davon kann Kim Jong Un sicherlich profitieren, wie sich auch darin zeigt, dass er von beiden Staatsführungen in deren Kondolenz persönlich als Führer bezeichnet wurde (China) bzw.  sogar der Adressat der Kondolenz (Russland) war. Hier ist das Feld also bestellt und Kim Jong Un hat eine optimale Startposition.

Auch im wirtschaftlichen Bereich hat Kim Jong Il zumindest versucht einiges vorzubereiten. Hier sind vor allem die desaströs gescheiterte Währungsreform (was Kim Jong Un wohl nicht geholfen hat) und die Maßnahmen hinsichtlich der SWZ an der Nordgrenze zu nennen. Es ist zwar nicht wirklich eine blühende wirtschaftliche Entwicklung abzusehen, allerdings kann sich aus den SWZ etwas entwickeln. Wenn das so sein würde, dann könnte sich Kim Jong Un schonmal einen Erfolg auf sein Fahnen schreiben.

Man weiß es nicht

Insgesamt ergeben sich aus dem Zeitpunkt von Kim Jong Ils Tod für das Regime und Kim Jong Un sowohl „negative“ als auch „positive“ Konsequenzen. Die negativen Auswirkungen auf die Nachfolge sind eher genereller Natur und bringen Kim Jong Un in eine allgemein relativ schwache Position am Anfang, aber auch in der längerfristige Perspektive, während die positiven Aspekte eher kurzfristig für wichtige Unterstützung beim Start in seiner Position und der Konsolidierung der Macht sorgen können.

Die nächsten Tage und Wochen in Nordkorea: Bleibt das Regime stabil oder kollabiert es — Die wichtigsten Aspekte


Der relativ plötzliche, wenn auch nicht vollkommen unerwartete Tod Kim Jong Ils sorgt in aller Welt für Besorgnis und Unsicherheit und das nicht vollkommen zu Unrecht, denn so viel Unklarheit über die Zukunft des Landes, das schon unter der Führung Kims oft für Außenstehende unberechenbar agierte, gab es schon sehr lange nicht mehr (zumindest seit dem Tod Kim Il Sungs 1994, des Vaters Kim Jong Ils). Da sich Nordkorea in der Vergangenheit auch nach außen immer wieder aggressiv gezeigt hatte, erst im vergangenen Jahr durch den Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong und (vermutlich auch) die Versenkung der (ebenfalls südkoreanischen) Fregatte Cheonan für Kriegsangst gesorgt und gerade in jüngster Zeit wieder massive Drohungen gegen Südkorea ausgestoßen hatte, besteht mit Kims Tod nicht nur ein Risiko für die Stabilität des kommunistischen Staates, sondern für die ganze Region. Daher ist es sinnvoll, einmal zu überlegen, welche Faktoren sich in der näheren Zukunft auf die Stabilität des Regimes in Pjöngjang, dem nun zumindest nominell Kim Jong Un vorsteht, auswirken können.

Innere Stabilität: Kim Jong Uns Nachfolge

Kim Jong Un wurde zwar offenbar als Nachfolger Kim Jong Uns benannt, doch das allein reicht natürlich nicht, um das Regime stabil zu halten. Entscheidend ist vor allem, ob ihm die Eliten auf oberer und mittlerer Ebene auf diesem Weg folgen und ob das Volk ebenfalls stillhält. Daher will ich mir diese drei Gruppen mal kurz anschauen.

Hält das Regime von oben zusammen?

Viele Beobachter befürchteten in der Vergangenheit, dass die Staatspitze Nordkoreas nach dem Tod Kim Jong Ils auseinanderbrechen könnte. Während er das Land seit Jahren mit eiserner Faust regierte und auch Mitglieder der obersten Führung bei illoyalem Verhalten (oder wenn sie im Weg waren) nicht vor Verfolgung sicher waren, ist unklar, ob Kim Jong Un bereits einen Status im Regime erreicht hat, der es ihm erlaubt, ähnlich wie sein Vater früher zu agieren. Kim Jong Il wurde von seinem Vater Kim Il Sung über Jahrzehnte hin systematisch für seine Nachfolge vorbereitet und konnte sich die Strukturen seinen Bedürfnissen entsprechend nach und nach formen. Kim Jong Uns Vorbereitungszeit begann dagegen vermutlich erst 2008 intensiv, nachdem Kim Jong Il vermutlich einen schweren Schlaganfall erlitten hatte und für Monate außer Gefecht war. In den vergangenen Jahren wurden zwar viele personelle und strukturelle Veränderungen an der Struktur des Regimes vorgenommen, um den Boden für Kim Jong Un zu ebnen, jedoch war die Zeit dazu recht kurz und es lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, ob alle Mächtigen des Regimes loyal zu Kims Sohn stehen. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte es zu inneren Konflikten in der Führung kommen, die einen langsamen oder schnelleren Zusammenbruch des Regimes bewirken könnten. Jedoch sind an absoluten Schlüsselstellen Männer wie Ri Yong-ho, der Generalstabschef des Militärs, Jang Song-thaek, der Mann von Kim Jong Ils Schwester Kim Kyong-hui, der stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission (das mächtigste militärische und außenpolitische Steuerungsorgan) war und Kim Jong Il als Vorsitzender nachfolgen dürfte und Kims Schwester Kim Kyong-hui installiert (es gibt noch mehr wichtige Stellen, die in den letzten Jahren neu besetzt wurden, was wohl heißt, dass loyal zu Kim Jong Un stehende Menschen dort sitzen), so das mit einem auseinanderbrechen an der Spitze nicht zu rechnen ist. Auch die Tatsache (nicht ganz sicher aber fast), dass Jang Song-thaek die Amtsgeschäfte während Kim Jong Ils Krankheit 2008 führte deuten auf eine Stabilität des Regimes von oben.

Unsicherheit mittlere Führungs- und Verwaltungsebene

Etwas unsicherer und noch schwieriger zu überschauen stellt sich die Situation auf mittlerer Führungs- und Verwaltungsebene dar. Um das Regime weiterhin stabil zu halten genügt es nicht nur, dass der exekutive Apparat in Pjöngjang einheitlich agiert und zusammenhält. Es ist auch notwendig, dass die Militärs, Beamten und Parteikader in der Fläche, das heißt in den Provinzen die Befehle aus Pjöngjang umsetzen und das Regime nicht zu einem Tiger, der zwar einen Kopf aber keinen Körper hat, machen (mir fällt da die Assoziation „Papiertiger“ ein). Sollte eine solche Situation eintreten, dann kann das Regime nicht mehr auf Schwierigkeiten in den Provinzen reagieren und es sind sogar bürgerkriegsähnliche Szenarien denkbar (wenn bspw. einzelne Militäreinheiten den Gehorsam einstellen oder sich sogar gegen Pjöngjang richten). Die Gefahr, dass die Kontrolle der Provinzen nicht mehr vollständig funktionieren könnte schätze ich höher ein, als die Möglichkeit einer Erosion von oben. Die Zeit der Vorbereitung für die Nachfolge war recht kurz und es ist möglich, dass zwar an der Spitze, nicht aber in der Breite loyale Kader installiert werden konnten. Auch sind durch den vermehrten Schwarzmarkthandel mit China nahe der Grenze durch Korruption möglicherweise parallele Loyalitäten und Strukturen entstanden, die nun auf eigene Kappe agieren möchten. Alles in allem ist dieses Feld aber wie gesagt kaum zu überschauen.

Die Bevölkerung: Weiter im Griff von Hunger und Angst?

Gerade die Ereignisse des Arabischen Frühlings lassen vermutlich viele darüber nachdenken, ob nicht ähnliche Entwicklungen auch in Nordkorea möglich wären. Vorerst ist wohl mit einem breiten Volksaufstand nicht zu rechnen. Die Kontrolle des Regimes über die Bevölkerung ist noch immer sehr weitreichend. Es gibt keine Bewegungsfreiheit und kaum unabhängige Informations- und Kommunikationskanäle. Außerdem ist die Bevölkerung aufgrund der angespannten Nahrungsmittelsituation einerseits mit dem alltäglichen Überleben beschäftigt, andererseits dürfte auch die Angst vor Verfolgung allgegenwärtig sein. Unruhen in der Bevölkerung wären mit dem zuvor genannten Aspekt, der Erosion aus der mittleren Führungsebene denkbar. Vor allem an der chinesischen Grenze, wo Kommunikation und Information etwas unabhängiger möglich sind, könnte die Bevölkerung aufbegehren. Allerdings dürfte sich auch Pjöngjang dessen bewusst sein und gerade hier den Griff festigen.

Zerfall des Regimes vorerst unwahrscheinlich

Vorerst dürften aber die vorbereiteten Pläne überall im Land greifen und dafür sorgen, dass das Regime seine Stabilität wahrt. Allerdings ist dies nicht mit Sicherheit zu sagen. Vor allen Dingen gibt es auch noch einige andere Faktoren, die sich nachhaltig auf das Regime auswirken könnten. Und die sind kurzfristig vor allem im Agieren der befreundeten, wie der verfeindeten Staaten in der Umgebung zu sehen.

Gefahren von Außen: Nordkoreas Gegner

Viele Regierungen in aller Welt, aber vor allem die in Washington, Seoul und Tokio dürften diesen Moment einerseits erhofft, andererseits aber auch gefürchtet haben, denn die aktuelle Situation zeichnet sich aus durch ein extrem hohes Maß von Unsicherheit und Unberechenbarkeit. Einen gewissen Einfluss können sie dabei auf jeden Fall auf die Stabilität des Regimes haben und auf die Stabilität Pjöngjangs sowohl förderlich als auch schädlich einwirken. Letzteres ist kurzfristig mit einem hohen Risiko verbunden, während ersteres die große Gefahr des „weiter so“ mit sich bringt. Ich werde daher einen kurzen Blick auf die Optionen der drei Hauptgegner Pjöngjangs werfen.

Südkorea

Vor allem Südkoreas Präsident Lee Myung-bak steckt wohl jetzt in einem „Gewissensdilemma“. Er hat in den letzten Jahren eine sehr harte Politik gegenüber Pjöngjang verfolgt und vieles getan, um das Regime in Pjöngjang unter Druck zu setzen. Jedoch ist ihm ein echter „Wirkungstreffer“ nicht gelungen. In den letzten Monaten waren auch aus seiner Partei, der GNP Stimmen zu hören, die für eine veränderte Linie gegenüber Pjöngjang plädierten und wieder eine kooperativere Linie forderten. Zum aktuellen Zeitpunkt könnte es Lee Myung-bak jedoch tatsächlich gelingen, einen schweren Schlag gegen Pjöngjang zu führen, beispielsweise indem er eine Propagandaoffensive starten würde (vermutlich sind diverse Gruppen schon ihre Luftballons mit „Infomaterial“ am bestücken und hoffen auf ein Ok) oder diplomatisch in die Offensive ginge (das Regime ist in Unordnung und man weiß nicht, ob in einem solchen Fall Befehls- und Informationswege zusammenbrechen würden) und beispielsweise Gespräche etc. anböte. Das alles könnte für das Regime zusätzlichen Stress bedeuten und innere Risse noch vertiefen. Die Frage ist nur, ob das auch im Interesse Seouls wäre, denn es müsste auch mit den Folgen eines Regimekollapses klarkommen, was kurzfristig die Gefahr eines inneren oder nach außen gerichteten militärischen Konflikts mit sich brächte. Außerdem bestünde die Gefahr ungesteuerter Proliferation und vor allen Dingen würde ein Regimezusammenbruch wohl unkontrollierbare Flüchtlingsströme bewirken, die Südkorea und andere umliegende Länder unmittelbar betreffen und destabilisieren könnten. Mittelfristig wäre eine Wiedervereinigung vermutlich eine unglaubliche Belastung für Seoul und würde die Wirtschaft des Landes wegen kaum absehbarer Kosten in der risikobehafteten Weltwirtschaftslage weiter schwächen. Daher muss Seoul wohl oder übel die Füße still halten und versuchen, Stress von Pjöngjang fernzuhalten.

Die USA

Grundsätzlich ist die Situation der USA ähnlich der Seouls, jedoch wäre Washington von den möglichen direkten humanitären wie militärischen Auswirkungen eines Regimekollapses in Pjöngjang wesentlich weniger betroffen. Allerdings ist Seoul einer der wichtigsten Verbündeten in der Region und dürfte in der aktuellen Lage das strategische Vorgehen bestimmen. Ein sehr interessanter Aspekt hinsichtlich der USA ist, dass man am vergangenen Freitag einen  Deal mit Nordkorea ausgehandelt hatte, der das Einfrieren des nordkoreanischen Uranprogrammes versprach, wofür die USA im Gegenzug umfangreiche Nahrungsmittelhilfen versprochen haben und weitere Verhandlungen in Aussicht stellten. In diesem Prozess können die USA nun einhaken und versuchen, in dieser frühen Phase Einfluss zu nehmen (die Ähnlichkeit zum Tod Kim Il Sungs, als währende bis kurz nach seinem Scheiden das Genfer Rahmenabkommen (ein Abkommen, dass damals (mit wenig nachhaltigem Erfolg) das Ende des nordkoreanischen Nuklearprogramms besiegeln sollte) vereinbart wurde, ist erstaunlich) während auch Pjöngjang versuchen könnte, aus der veränderten Lage Profit zu schlagen. Es wird spannend zu beobachten sein, was hier passiert.

Japan

Japan wäre zwar von Flüchtlingsströmen aus Nordkorea nur marginal betroffen, sieht sich aber von nordkoreanischen Raketen bedroht. Generell hat das Land, das immernoch mit den Folgen des verheerenden Tsunamis und der Nuklearkatastrophe kämpft und dessen politisches System mit alljährlichen Regierungswechseln alles andere als Stabil wirkt, aktuell vermutlich ein starkes Interesse an Stabilität in der Region. Darauf deutet auch das unmittelbare Kondolieren gegenüber Pjöngjang hin. Auch könnte sich Japan mittelfristig von einem vereinigten und stärkeren Korea bedroht sehen und könnte daher am Erhalt eines stabilen Status quo interessiert sein. Vermutlich verhält man sich in Tokio sehr still und agiert höchstens in enger Absprache mit Seoul und Washington. Solche Absprachen werden ohnehin in den nächsten Tagen zwischen den dreien die Regel sein.

Eine Chance für die Feinde, aber eine zu riskante

Vermutlich werden die drei verbündeten aus den wirklich unglaublich schlechten Optionen die ihnen momentan zur Verfügung stehen die Beste wählen und sich sehr stark zurückhalten. Man will Pjöngjang nicht provozieren, was man durch Propagandaaktivitäten oder ähnliches definitiv bewirken könnte. Einzig der Versuch, sich dem neuen Regime schon in der Anfangsphase zu nähern könnte eine Möglichkeit sein. So wäre vielleicht ein teilweise-Neustart der Beziehungen möglich und man wäre besser über Vorgänge im Land informiert.

Gefahr oder Chance von Außen? Die Freunde

Sowohl zu China als auch zu Russland haben sich die Beziehungen Nordkoreas in den vergangenen Monaten bis Jahren sehr vertieft. Kim Jong Il besuchte China mehrmals und Russland erst vor einigen Monaten. Beide Staaten können nun extrem dazu beitragen, das Regime in Pjöngjang zu stützen, zumindest China hielte aber vermutlich auch einen Dolch in der Hand, mit dem er Pjöngjang den Todesstoß versetzen könnte.

Russland

Russland hat das Regime in Pjöngjang vor allem im letzten Jahr stark unterstützt. Es lieferte umfangreiche Nahrungsmittelhilfen und vereinbarte mit Kim Jong Il einige Deals, die die Wirtschaft des Landes zukünftig stärken und besser in den internationalen Handel einbinden könnten. In den vergangenen Jahren hielt Russland darüber hinaus zusammen mit China in der UN oft eine schützende Hand über Pjöngjang und wurde im diplomatischen Feld zunehmend aktiv. Der politische Einfluss ist zwar bisher begrenzt, aber gerade in dieser Situation könnte Moskau versuchen die Chance zu ergreifen und sich Zugang zu wertvollen Rohstoffreserven und Durchgangsrouten nach Seoul, sowie weitere Vorteile hinsichtlich der SWZ in Rason zu verschaffen. In diesem Zusammenhang wäre ein vertiefter politischer Einfluss denkbar. Russland hat wohl kaum Möglichkeiten schädigend auf die Regimestabilität einzuwirken, es könnte dem Regime jedoch eine bedeutende Stütze sein, wenn Moskau so entschiede.

China

China ist einer der — wenn nicht der — Schlüsselakteure. Würde China nun die Grenzen für Flüchtlinge und Helfer öffnen, seine wirtschaftlichen Unterstützungen für Pjöngjang stoppen und möglicherweise südkoreanische Agenten sowie Hilfsorganisationen uneingeschränkt im Grenzgebiet agieren lassen, dann würde dies zumindest in den Grenzregionen für starken Unfrieden sorgen. Würde es dann noch signalisieren, dass Kim Jong Un nicht die Gunst Pekings habe, könnte auch die Spitze in Unruhe geraten. Das Alles könnte zuviel für das Regime sein. Allerdings hätte China einen Bedeutenden Teil der Folgen zu tragen. Unmittelbare Folge wären massive Flüchtlingsströme, die die Stabilität im Land, um die es, wie das Beispiel Wukan zeigt ohnehin nicht bestens bestellt ist, weiter beschädigen könnten, was Peking nicht recht wäre. Außerdem fände auch China es nicht gut, wenn die Nuklearen Anlagen und Waffen Pjöngjangs außer Kontrolle einer Regierung gerieten. Vor allen Dingen wäre China ein wiedervereinigtes Korea, in dem US-Truppen möglicherweise bis an die Grenze zu China vorrücken würden (die Beziehungen beider Länder haben sich in den letzten Jahren eher verschlechtert), wohl ein Dorn im Auge. Kurz, China kann nicht an einer unkontrollierbaren Lage interessiert sein. Allerdings könnte auch China unter den aktuellen Bedingungen versuchen, mehr Zugriff auf die Führungsspitze und ihre Entscheidungen zu bekommen und den unangenehmen Verbündeten, der China immer wieder bei wichtigen Entscheidungen (wie Atomtests) nicht informiert hatte und damit für Verstimmung gesorgt hatte, besser zu kontrollieren. Das könnte bis zu direkter Einflussnahme auf die Führung reichen, allerdings sind viele Führungspersönlichkeiten in Pjöngjang alte Hasen und haben sich zusammen mit der Kim Familie schon seit Jahrzehnten einem allzu direkten Zugriff der großen Nachbarn entzogen. Interessant wird auch zu beobachten sein, ob China seine Truppen in der Grenzregion massiv verstärkt. Dies könnte darauf hindeuten, dass man mit einer Krise rechnet und sich eventuell sogar für einen Einsatz im Nachbarland (aber wohl nur als absolutes Notfallszenario) vorbereitet. Ansonsten wird China vermutlich versuchen, die Lage ruhig zu halten und den Übergang zur neuen Spitze positiv zu begleiten und vielleicht sogar zu beeinflussen.

Die Freunde bleiben Freunde — Nur, bleiben sie Kim Jong Uns Freunde?

Es ist zu erwarten, dass die beiden Hauptverbündeten Pjöngjangs versuchen werden, Nordkorea weiterhin stabil zu halten und dass sie daher versuchen werden, dem Land eher unter die Arme zu greifen. Ein Fragezeichen bleibt nur hinter ihrer Unterstützung von Kim Jong Un. Beide könnten verführt sein zu versuchen, ihren Einfluss in der aktuellen Phase, in der vieles in Bewegung gerät, zu vermehren und dazu auf anderes Personal als Kim Jong Un zurückzugreifen, oder den Jungen zum Statthalter zu machen. Allerdings unterlägen auch solche Manöver einem innewohnenden Risiko für die Stabilität des Landes. Daher wird man sich vermutlich vorerst zurückhalten bzw. aufs „Helfen“ beschränken und versuchen in der Konsolidierungsphase verstärkt Einfluss zu nehmen.

Fazit: Vorerst stabil

Vermutlich reichen die inneren Vorbereitungen des Regimes aus, um in den nächsten Tagen und Wochen Stabilität zu garantieren. Die Zeit danach liegt jedoch bisher im Schatten. Entscheidend wird die tatsächliche Rolle sein, die Kim Jong Un zu spielen  in der Lage ist und die Fähigkeit des Regimes, den Griff über die Provinzen und Sicherheitsbehörden eher noch zu stärken, bis Kim Jong Un eine breite Akzeptanz erreicht hat und zumindest nach Außen und Unten als Führer akzeptiert wird. Wie sich die absolute Spitze ordnet bleibt abzuwarten, jedoch wird der junge Kim sich mehr als sein Vater auf einige Personen in der Spitze verlassen müssen.

Von außen droht vermutlich kein großes Risiko, denn es ist kein Akteur erkennbar, bei dem die Kosten nicht den Nutzen einer Destabilisierung übertreffen würden. Von den Feinden Pjöngjangs ist daher vorerst Stillhalten zu erwarten, von den Freunden zumindest „wohlwollendes Stillhalten“ vermutlich aber sogar deutliche Unterstützung.

Leider habe ich gleich anderes zu tun, aber in den nächsten Tagen wird es hier mehr zu lesen geben. Interessanterweise hat die Stiftung Wissenschaft und Politik gerade vor ein paar Tagen ein Paper herausgegeben, das sich u.a. mit Szenarien für die Zeit nach dem Tod oder abtreten Kim Jong Ils befasst. Wenn ihr also über die Perspektive für das (ungefähr) nächsten Jahr weiterlesen wollt, dann klickt hier, da habe ich das Paper verlinkt. Ansonsten findet ihr auf dem Blog Infos zu so ziemlich allem was ich oben geschrieben habe. Wer suchet der findet und wenn ihr weiterführende Inhalte sucht, schaut doch mal auf meinen Seiten mit weiterführenden Links (ziemlich weit oben auf dieser Seite habe ich weitere Seiten mit Medienquellen Think Tanks etc. verlinkt. Da gibts für jeden etwas. Momentan sitzen wahrscheinlich viele weitaus kompetentere Leute als ich an ihren Rechnern und verfassen ihre Bewertungen..

Kim Jong Ils Tod: Was auf den ersten Blick auffällt.


Zwar sind die Meldungen über den Tod Kim Jong Ils noch sehr frisch, allerdings bietet der Ablauf der bisherigen Ereignisse und die Art der Meldungen über seinen Tod schon einige interessante Aspekte, auf die ich kurz hinweisen möchte:

  • Das Regime hat nicht viel Zeit verloren, den Tod Kim Jong Ils zu melden. Als er im Jahr 2008 schwer erkrankt war (wahrscheinlich nach einem Schlaganfall) schwiegen die nordkoreanischen Staatsmedien seine Regierungsunfähigkeit über Monate hinweg tot und verbreiteten sogar falsche Meldungen, um ihn als Gesund darzustellen. Die schnelle Reaktion des Regimes deutet darauf hin, dass die Pläne für seinen Tod bereits in der Schublade lagen und jetzt vorbereitete Mechanismen greifen. Einerseits kann man in der relativ schnellen Meldung ein gewisses Selbstbewusstsein hinsichtlich der Nachfolge sehen. Andererseits aber auch das Gegenteil, nämlich dass Gerüchte durchs Land schwappen und zu einem Kontrollverlust des Regimes führen könnten. Objektiv gesehen blieb den Führern wohl nichts anderes übrig, als schnell mit der Meldung an die Öffentlichkeit zu gehen.
  • Darauf, dass momentan in Pjöngjang geplante Krisenmechanismen greifen, deutet auch die Liste des Begräbniskomitees hin. Kim Jong Un steht ganz vorne, was ihn als momentan nominell mächtigsten Mann im Staat qualifiziert. Der Rest der Liste orientiert sich an der Reihenfolge der Namensnennungen, die sich auch aus den Listen anderer Anlässe in jüngerer Zeit destillieren lässt. Die Struktur des Regimes bleibt also vorerst unverändert, denn aus diesen Namenslisten lässt sich bis zu einem gewissen Grad die Macht der jeweiligen Akteure ablesen (wer in der ersten Reihe steht ist mächtig). Ausnahmen bilden hier zumindest Kim Jong Uns Onkel Jang Song-thaek und seine Tante (Kim Jong Ils Schwester) Kim Kyong-hui, denen alle Analysten mehr Macht zuschreiben, als ihre Einordnung irgendwo im vorderen Drittel der Liste vermuten ließe.
  • Auch die sofortige Nennung Kim Jong Uns als Nachfolger lässt vermuten, dass hier ein vorbereitetes Programm abläuft.
  • Anders als bei seinem Vater und Großvater, wird der Name Kim Jong Uns bei KCNA noch nicht in größerer Schrift abgedruckt. Daraus ließe sich deuten, dass ihm noch nicht der gleiche Status zugeschrieben wird, wie seinen Ahnen. Das wäre zwar auch überraschend und plötzlich, jedoch ist er ja laut Staatsmedien jetzt der offizielle Führer und das könnte sich ja auch symbolisch niederschlagen. Jedoch muss er natürlich auch seinem Vater Respekt zollen und es könnte sein, dass hiermit noch etwas gewartet wird.
  • In den Meldungen über Kim Jong Ils Tod wird nicht nur von physischer, sondern auch von mentaler „Überlastung“ („great mental and physical strain“) gesprochen. Dass sich der große Führer physisch aufgeopfert hat, ist fast nicht abzustreiten (allerdings die Behauptung der Staatsmedien, dass es ihm dabei vorrangig um sein Volk gegangen sei), aber das seine Mentale Fitness ins Spiel gebracht wird, überrascht mich doch ein bisschen. Ich muss gestehen, dass ich die Todesmeldung seines Vaters Kim Il Sung nicht kenne und daher nicht weiß, ob das eine gebräuchliche Floskel ist, aber vom Gefühl her hätte ich gedacht, dass es ein Tabu sein müsste, die Mentale Gesundheit Kims überhaupt zu erwähnen.
  • Kim Jong Ils Tod kam zwar generell nicht extrem überraschend, denn seine Gesundheit war nach seiner Krankheit 2008 sichtbar angekratzt, jedoch kommt er zu diesem Zeitpunkt doch plötzlich, denn einerseits zeigten die Bilder von ihm, die in der letzten Zeit veröffentlicht wurden, einen eher gesünder wirkenden Mann, dessen Zustand sich zu stabilisieren schien. Andererseits hatte er noch am vergangenen Donnerstag im Rahmen seiner Vor-Ort-Besichtigungen zwei Einrichtungen besucht. Allerdings kommen Herzinfarkte ja meist sehr plötzlich.
  • Eine kleine Überraschung ist es auch, dass Japan umgehend kondoliert hat, denn die Beziehungen beider Länder sind ja nicht eben freundschaftlich. Allerdings ist es wohl allen Parteien jetzt daran gelegen, die Lage möglichst ruhig und stabil zu halten, das Land von außen nicht unter Druck zu setzen und Missverständnisse unter allen Umständen zu vermeiden. Selbst den verfeindeten Staaten Südkorea, den USA und Japan kann nichts daran gelegen sein, dass sich das Regime plötzlich destabilisiert, was unabschätzbare Folgen nach sich ziehen könnte.
  • Ein kleiner interessanter Aspekt ist, dass Korea Realtime vor einigen Tagen berichtet hat, dass die bekannteste und populärste Sprecherin des nordkoreanischen Staatsfernsehens seit Monaten von der Bühne verschwunden sei und nicht wie sonst üblich sehr regelmäßig Nachrichten verlesen habe. Ratet mal, wer die Meldung von Kim Jong Ils Tod bei KCTV verlesen hat (wenn ich mich nicht total versehen habe. Das Bild ist ganz unten)… Vielleicht ist sie ja aus einem ausgedehnten Urlaub oder dem Ruhestand zurückgeholt worden, weil sie das Gesicht der Nachrichten ist.

Momentan ist noch nicht abzusehen, wie gut das Regime mit dem plötzlichen Tod Kim Jong Ils umgehen wird und was Hintergründe und Auswirkungen sind und sein werden, jedoch wird deutlich, dass umfangreiche Vorbereitungen getroffen wurden und in der ersten Zeit vermutlich ein vorgezeichnetes Skript ablaufen wird. Aber wie gesagt, Pläne sind eine Sache, ihr Erfolg eine andere. Ich werde mich daher gleich in einem kleinen Artikel mit wichtigen Aspekten und Faktoren der aktuellen Situation befassen, die Einfluss auf die Stabilität und damit die Zukunft des Regimes und damit der ganzen Region haben werden. Habs gemacht: Hier gehts zu dem entsprechenden Beitrag (ist ein bisschen lang geworden, aber ist ja auch ein wichtiges Thema).

Kim Jong Il ist tot — Internationale Besorgnis — Lage ruhig


Update 3 (20.12.2011): Ja er ist wirklich tot und sitzt nicht mit Elvis in Memphis rum oder so. Zum Beweis hat die nordkoreanische Führung das Mediengerecht ins Bild gerückt. Auch interessant, wen man alles beim defillieren beobachten kann:

Update 2 (19.12.2011): Wenig überraschend hier erste Bilder der Massentrauer in Pjöngjang:

Update 1 (19.12.2011): Ich habe mittlerweile was zu den Dingen rund um den Tod Kim Jong Ils geschrieben, die ich bemerkenswert finde und außerdem was zu wichtigen Faktoren, die die Stabilität des Regimes in Pjöngjang in den nächsten Tagen und Wochen beeinflussen können. Wer also weiterlessen will…

Ursprünglicher Beitrag (19.12.2011): Heute Morgen (12 Uhr Mittag Ortszeit) meldeten die nordkoreanischen Staatsmedien, dass Kim Jong Il am Samstag dem 17.12.2011 um 8:30 auf einer Zugfahrt verstorben sei. Er sei einem schweren Herzinfarkt erlegen, als er auf dem Weg zu einer Vor-Ort-Besichtigung war. Er habe aufgrund seines permanenten Wirkens um eine gedeihende Nation zu errichten unter schweren mentaler und physischer Überlastung gelitten. Kim Jong Un wurde von den nordkoreanischen Medien unmittelbar als Nachfolger bezeichnet:

Standing in the van of the Korean revolution at present is Kim Jong Un, great successor to the revolutionary cause of Juche and outstanding leader of our party, army and people.

Kim Jong Un’s leadership provides a sure guarantee for creditably carrying to completion the revolutionary cause of Juche through generations, the cause started byKim Il Sung and led by Kim Jong Il to victory.

[…] Under the leadership of Kim Jong Un we should turn our sorrow into strength and courage and overcome the present difficulties and work harder for fresh great victory of the Juche revolution.

Internationale Reaktionen

Als Reaktion auf die Meldung versetzte Südkorea sein Militär und Polizei in Alarmbereitschaft und die Truppenbewegungen entlang der Demillitarierten Zone würden eng beobachtet, das Parlament trat zu einer Sondersitzung zusammen und der nationale Sicherheitsrat trat zusammen. Auch in Japan wurde der Sicherheitsrat einberufen und die USA, Japan und Südkorea würden in engen Konsultationen hinsichtlich der Ereignisse in Nordkorea stehen. Überraschenderweise drückte Japans Regierung ihr Beileid gegenüber Nordkorea aus. In Folge von Kims Tod und einer befürchteten Instabilität infolge dessen, stürzten die Aktienkurse in Südkorea ab. Auch in anderen Ländern der Region reagierten die Märkte mit Sorge.

Trauerperiode

Dem Begräbniskomitee steht nach Meldungen von KCNA Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un vor. Dies wird als Beleg dafür gedeutet, dass das Regime die Situation damit vorerst unter Kontrolle hat. Die Reihenfolge der weiteren Namen des Komittees entspricht weitgehend der wahrgenommenen aktuellen Rangfolge im Regime. Die Trauerperiode wird vom 20. bis zum 29. Dezember dauern. Vom 20. bis zum 27. werden Trauernde auf dem Kumusan Platz die Überreste Kims beweinen können (Ob sie es wirklich tun werden sei mal dahingestellt. Jedoch werden vermutlich jetzt schon Bilder von Weinenden und Verzweifelten in Dauerschleife auf KCTV laufen). Am 28. Dezember die Abschiedszeremonie und am 29. eine nationale Gedenkstunde abgehalten. Ausländische Trauerdelegationen sollen nicht empfangen werden.

Hier gibt es einen Bericht der Tagesschau mit Originalaufnahmen von der Meldung bei KCTV. Und hier habe ich mittlerweile was zu den Dingen rund um den Tod Kim Jong Ils geschrieben, die ich bemerkenswert finde und hier zu wichtigen Faktoren, die die Stabilität des Regimes in Pjöngjang in den nächsten Tagen und Wochen beeinflussen können.

Nordkoreas Medien zum Tod Kim Jong Ils

Ich werde mich gleich Gedanken zu den Folgen des Todes machen, aber vorerst könnt ihr in der Folge die Originalmeldungen von KCNA (zum selbst nachlesen gehts hier zur Homepage von KCNA) zu Kim Jong Ils Tod nachlesen:

Notice to All Party Members, Servicepersons and People

The Central Committee and the Central Military Commission of the Workers‘ Party of Korea, the National Defence Commission of the DPRK, the Presidium of the Supreme People’s Assembly and the Cabinet of the DPRK on Saturday announced the following notice to all party members, servicepersons and people:

The Central Committee and the Central Military Commission of the Workers‘ Party of Korea, the National Defence Commission of the DPRK, the Presidium of the Supreme People’s Assembly and the Cabinet of the DPRK notify with bitterest grief to all the party members, servicepersons and people of the DPRK thatKim Jong Il, general secretary of the Workers‘ Party of Korea, chairman of the National Defence Commission of the DPRK and supreme commander of the Korean People’s Army, passed away of a sudden illness at 08: 30 on December 17, Juche 100 (2011) on his way to field guidance.

He dedicated all his life to the inheritance and accomplishment of the revolutionary cause of Juche and energetically worked day and night for the prosperity of the socialist homeland, happiness of people, reunification of the country and global independence. He passed away too suddenly to our profound regret.

His sudden demise at a historic time when an epochal phase is being opened for accomplishing the cause of building a powerful and prosperous socialist state and the Korean revolution is making steady victorious progress despite manifold difficulties and trials is the greatest loss to the WPK and the Korean revolution and the bitterest grief to all the Koreans at home and abroad.

Kim Jong Il, who was born as a son of guerillas on Mt. Paektu, the holy mountain of the revolution, and grew up to be a great revolutionary, wisely led the party, the army and people for a long period, performing undying revolutionary feats on behalf of the country, the people, the times and history.

Kim Jong Il possessed of personality and qualifications as a great man on the highest and perfect level was an outstanding thinker and theoretician who led the revolution and construction along the path of steady victories with his profound ideologies and theories and remarkable leadership. He was also peerlessly political elder and outstanding and illustrious commander of Songun and peerless patriot and tender-hearted father of the people who recorded the whole history of the revolutionary struggle with ardent love for the country and its people and noble dedication.

Considering it as his lifelong mission to carry to completion generation after generation the revolutionary cause of Juche started by PresidentKim Il Sung, Kim Jong Il pushed forward the revolution and construction in line with the idea and intention of the President as the dearest comrade and the most loyal comrade-in-arms of the President.

Kim Jong Il comprehensively developed in depth the immortal Juche idea, Songun idea, fathered by the President and glorified it as the idea guiding the era of independence with his clairvoyant wisdom and energetic ideological and theoretical activities. He firmly defended and carried forward the revolutionary traditions of Mt. Paektu with pure mind, thereby giving a steady continuity to the Korean revolution.

Kim Jong Il, genius of the revolution and construction, developed the party, army and state to be the party, army and state of Kim Il Sung, put the dignity and power of the nation on the highest level and ushered in the golden days of prosperity unprecedented in the nation’s history spanning 5 000 years under the uplifted banner of modeling the whole society on the Juche idea.

Kim Jong Il, supreme incarnation of the revolutionary moral obligation, set a great example in perpetuating the memory of PresidentKim Il Sung unknown in human political history, thus making sure that the august name of the President, his undying revolutionary career and exploits always shine along with the eternal history of Juche Korea.

Kim Jong Il, great master of politics and illustrious commander born of Heaven, honorably defended the socialist gains, noble heritage bequeathed by the President, by dint of Songun politics despite the collapse of the world socialist system, the demise of the President which was the greatest loss to the nation, the vicious offensive of the imperialist allied forces to stifle the DPRK and severe natural disasters. He turned the DPRK into an invincible political and ideological power in which single-minded unity has been achieved and made it emerge a nuclear weapons state and an invincible military power which no enemy can ever provoke.

True to PresidentKim Il Sung’s behest,Kim Jong Ilset a gigantic goal to build a prosperous and powerful country and led an all-people general advance for attaining it, thus making the drive for a great revolutionary surge rage throughout the country and bringing about great innovations and leap forward on all fronts of socialist construction.

Kim Jong Il, father of the nation and lodestar of national reunification, led all the fellow countrymen to the road of independence and great national unity with his rock-firm will to implement the instructions of the President for national reunification and ushered in the June 15 era of reunification in which the noble idea of „By our nation itself“ is materialized.

As a great guardian of socialism and justice, he conducted energetic external activities for the victory of the socialist cause, global peace and stability and friendship and solidarity among peoples under the uplifted banner of independence against imperialism, thus remarkably raising the international position and prestige of the DPRK and making immortal contributions to the human cause of independence.

In the whole period of his protracted revolutionary guidance, he valued and loved the people very much and always shared weal and woe with them. He continued to make difficult forced march for field guidance, making unremitting efforts and working heart and soul to build a thriving country and improve the standard of people’s living. He died from repeated mental and physical fatigue on a train in that course.

The whole life of Kim Jong Il was the most brilliant life of a great revolutionary who covered an untrodden thorny path with his iron will and superhuman energy, holding aloft the red flag of revolution. It was the life of the peerless patriot who dedicated his all to the country and its people.

He passed away to our regret before seeing the victory of the cause of building a thriving nation, the national reunification and the accomplishment of the revolutionary cause of Juche so ardently desired by him, but laid a strong political and military base for ensuring the steady advance of the Korean revolution through generations and provided a solid foundation for the eternal prosperity of the country and the nation.

Standing in the van of the Korean revolution at present is Kim Jong Un, great successor to the revolutionary cause of Juche and outstanding leader of our party, army and people.

Kim Jong Un’s leadership provides a sure guarantee for creditably carrying to completion the revolutionary cause of Juche through generations, the cause started byKim Il Sungand led by Kim Jong Il to victory.

We have the invincible revolutionary army of Mt. Paektu faithful to the cause of the Workers‘ Party of Korea, the great unity of the army and people closely rallied around the Party, the best Korean-style socialist system centered on the popular masses and the solid foundation of the independent national economy.

Under the leadership of Kim Jong Un we should turn our sorrow into strength and courage and overcome the present difficulties and work harder for fresh great victory of the Juche revolution.

Our army and people will hold leaderKim Jong Il in high esteem forever with unshakable faith and noble sense of moral obligation. True to his behests, they will make neither slightest concession nor delay on the road of the Juche revolution, the Songun revolution but resolutely defend his undying feats and glorify them for all ages.

All the party members, servicepersons and people should remain loyal to the guidance of respected Kim Jong Un and firmly protect and further cement the single-minded unity of the party, the army and the people.

Under the uplifted banner of Songun, we should increase the country’s military capability in every way to reliably safeguard the Korean socialist system and the gains of revolution and make the torch lit in South Hamgyong Province, the drive for the industrial revolution in the new century, rage throughout the country and thus bring about a decisive turn in building an economic power and improving the standard of people’s living.

We will surely achieve the independent reunification of the country by concerted efforts of all Koreans by thoroughly implementing the Three Charters for National Reunification and the north-south joint declarations.

Our party and people will strive hard to boost friendship and solidarity with the peoples of different countries, guided by the idea of independence, peace and friendship, and build an independent and peaceful, new world free from domination, subjugation, aggression and war.

Arduous is the road for our revolution to follow and grim is the present situation. But no force on earth can check the revolutionary advance of our party, army and people under the wise leadership of Kim Jong Un.

The heart of Kim Jong Il stopped beating, but his noble and august name and benevolent image will always be remembered by our army and people and his glorious history of revolutionary activities and undying feats will remain shining in the history of the country forever.

Kim Jong Il Passes Away (Urgent)

Kim Jong Il, general secretary of the Workers‘ Party of Korea, chairman of the DPRK National Defence Commission and supreme commander of the Korean People’s Army, passed away from a great mental and physical strain at 08:30 December 17, 2011, on train during a field guidance tour.

The WPK Central Committee and Central Military Commission, DPRK National Defence Commission, Presidium of the Supreme People’s Assembly and Cabinet released a notice on Saturday informing the WPK members, servicepersons and all other people of his passing away.

Medical Analysis of Kim Jong Il′s Demise

Leader Kim Jong Il had received medical treatment for his cardiac and cerebrovascular diseases for a long period.

He suffered an advanced acute myocardial infarction, complicated with a serious heart shock, on train on December 17, Juche 100 (2011) for a great mental and physical strain caused by his uninterrupted field guidance tour for the building of a thriving nation.

Every possible first-aid measure was taken immediately but he passed away at 08:30 on December 17.

An autopsy on December 18 fully confirmed the diagnosis of his diseases.

Notice of National Funeral Committee

The National Funeral Committee released a following notice on Saturday:

It notifies that it decided as follows so that the whole party, army and people can express the most profound regret at the demise of leaderKim Jong Iland mourn him in deep reverence:

His bier will be placed at the Kumsusan Memorial Palace.

Mourning period will be set from Dec. 17 to 29, Juche 100 (2011) and mourners will be received from Dec. 20 to 27.

A farewell-bidding ceremony will be solemnly held in Pyongyang on Dec. 28.

A national memorial service forKim Jong Ilwill be held on Dec. 29.

Mourning guns will be boomed in Pyongyang and in provincial seats timed to coincide with the national memorial service in Pyongyang and all the people will observe three minutes‘ silence and all locomotives and vessels will blow sirens all at once.

All institutions and enterprises across the country will hold mourning events during the mourning period and all provinces, cities and counties will hold memorial services timed to coincide with the national memorial service in Pyongyang.

The institutions and enterprises will hoist flags at half-mast and musical and all other entertainments will be refrained.

Foreign mourning delegations will not be received.

National Funeral Committee Formed

National funeral committee will be made up of following persons:Kim Jong Un, Kim Yong Nam, Choe Yong Rim, Ri Yong Ho, Kim Yong Chun, Jon Pyong Ho, Kim Kuk Thae, Kim Ki Nam, Choe Thae Bok, Yang Hyong Sop, Kang Sok Ju, Pyon Yong Rip, Ri Yong Mu, Kim Kyong Hui, Kim Yang Gon, Kim Yong Il, Pak To Chun, Choe Ryong Hae, Jang Song Thaek, Ju Kyu Chang, Kim Rak Hui, Thae Jong Su, Kim Phyong Hae, Kim Jong Gak, U Tong Chuk, Kim Chang Sop, Mun Kyong Dok, Ri Thae Nam, O Kuk Ryol, Kim Chol Man, Ri Ul Sol, Jon Ha Chol, Kang Nung Su, Ro Tu Chol, Jo Pyong Ju, Han Kwang Bok, Paek Se Bong, Ri Yong Su, Choe Hui Jong, O Il Jong, Kim Jong Im, Chae Hui Jong, Kim Ki Ryong, Jang Pyong Gyu, Kim Pyong Ryul, Hong In Bom, Ri Man Gon, Ju Yong Sik, Kwak Pom Gi, O Su Yong, Ro Pae Gwon, Pak Thae Dok, Kim Hi Thaek, Kang Yang Mo, Rim Kyong Man, Kim Kyong Ok, Kim Myong Guk, Kim Won Hong, Hyon Chol Hae, Han Tong Gun, Jo Kyong Chol, Pak Jae Gyong, Pyon In Son, Yun Jong Rin, Jong Myong Do, Ri Pyong Chol, Choe Sang Ryo, Kim Yong Chol, Kang Phyo Yong, Kim Hyong Ryong, Ri Yong Hwan, Kim Chun Sam, Choe Kyong Song, Ri Myong Su, Jon Hui Jong, Ri Yong Gil, Hyon Yong Chol, Choe Pu Il, Yang Tong Hun, Ri Pong Juk, Kim Song Chol, Pak Kwang Chol, Ri Pyong Sam, Jon Chang Bok, O Kum Chol, Kim In Sik, Kim Song Dok, Ryo Chun Sok, Pak Sung Won, Ri Yong Chol, Pak Ui Chun, Kim Hyong Sik, Kim Thae Bong, Jon Kil Su, Ri Mu Yong, An Jong Su, Ri Ryong Nam, Ryu Yong Sop, Pak Myong Chol, Kim Yong Jin, Jang Chol, Song Ja Rip, Kim Jong Suk, Kang Tong Yun, Kim Pyong Ho, Cha Sung Su, Ryang Man Gil, Yun Tong Hyon, Ko Pyong Hyon, Ri Pong Dok, Pak Jong Gun, Choe Yong Dok, Jong In Guk, Jon Ryong Guk, Ri Hyong Gun, Hwang Sun Hui, Paek Kye Ryong, Kim Tong Il, Kim Tong I, Ri Jae Il, Pak Pong Ju, Jong Myong Hak, Kang Kwan Il, Hwang Pyong So, Kwon Hyok Bong, Hong Sung Mu, Kim U Ho, Han Chang Sun, Ri Chun Il, Ri Thae Sop, Jo Song Hwan, Tong Yong Il, Ri Chang Han, Ko Su Il, Ri Kuk Jun, Sin Sung Hun, Ri Thae Chol, Yang In Guk, Ri Hi Su, Ri Chol, Hyon Sang Ju, Ri Myong Gil, Ro Song Sil, Tong Jong Ho, Kang Min Chol, Kim Hui Yong, Jo Yong Chol, Hwang Hak Won, An Tong Chun, Paek Ryong Chon, Hong Kwang Sun, Ri Su Yong, Kim Yong Ho, Pang Ri Sun, Choe Chun Sik, Ri Je Son, Ri Sang Gun, Ri Hong Sop, Cha Yong Myong, Kang Kwan Ju, Thae Hyong Chol, Kim Pyong Hun, Kim Kye Gwan, Han Chang Nam, Kim Chang Myong, Jon Chang Rim, O Chol San, Son Chong Nam, Jong Un Hak, Cha Kyong Il, Kang Ki Sop, Choe Tae Il, Choe Yong Do, Ri Yong Ju, Jon Kwang Rok, Ri Chan Hwa, So Tong Myong, Jon Song Ung, Ji Jae Ryong, Kim Yong Jae, Ri Yong Ho, Hong So Hon, Kim Tong Il, Kim Tong Un, Kim Pong Ryong, Jo Jae Yong, Choe Chan Gon, Ryom In Yun, Kim Chon Ho, Jang Ho Chan, Song Kwang Chol, Ri Ki Su, Ri Jong Sik, Choe Hyon, Jang Myong Hak, Kang Hyong Bong, Kim Chung Gol, Kim Yong Gwang, Choe Kwan Jun, Jang Yong Gol, Kim Myong Sik, Ho Song Gil, No Kwang Chol, Jong Pong Gun, Pak Chang Bom, Choe Pong Ho, Jong Mong Phil, Jon Kyong Son, Ri Song Gwon, Choe Yong, Kim Thae Mun, Kim Yong Suk, Cha Jin Sun, Ri Min Chol, Ri Il Nam, Kim Chang Su, Pak Myong Sun, Choe Pae Jin, Kim Chol, Sim Chol Ho, O Ryong Il, Kye Yong Sam, Ryu Hyon Sik, Ko Myong Hui, Pang Yong Uk, Jang Jong Ju, Ho Kwang Uk, Ji Tong Sik, Jong Pong Sok, Choe Kwon Su, Kim Yong Dae and Ryu Mi Yong

Ist ein Gipfel zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak möglich? Neue Berichte. — Was ist eure Meinung?


Am Wochenende berichteten südkoreanische Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass hinter den Kulissen weiter über ein mögliches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak nachgedacht wird. Die jüngsten Meldungen berufen sich dabei auf eine Bemerkung, die ein ebenfalls nicht namentlich genannter nordkoreanischer Offizieller gegenüber Vertretern der „Elders“ gemacht haben soll, als er im August New York besuchte. Der nordkoreanische Politiker habe für den kommenden Januar ein vorbereitendes Treffen zwischen Vertretern Süd- und Nordkoreas vorgeschlagen, bei dem dann konkret über einen möglichen Gipfel diskutiert werden soll.

Dem Bericht zufolge überlegen die Elders, als neutraler Vermittler an den Vorbereitungsgesprächen teilzunehmen. Allerdings soll Jimmy Carter scheinbar bei künftigen Vermittlungsbemühungen außen vor bleiben. Angeblich würde ihm von Seiten des südkoreanischen Präsidenten seine Haltung nachgetragen, die er zu Beginn dieses Jahres an den Tag gelegt hatte. In der kommenden Woche soll eine Delegation der Elders — vermutlich unter Leitung von Gro Brundtland, ehemalige norwegische Ministerpräsidentin und Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation der UN — nach Seoul reisen um diese Botschaft zu übermitteln und anschließend nach Pjöngjang fahren, wohl um eine mögliche Antwort Seouls weiterzuleiten.

Diese Berichte, auch wenn bisher noch nicht bestätigt, enthalten eine große Zahl interessanter Informationen. Ich glaube in diesem Fall nicht, dass es nur haltlose Gerüchte sind, weil die Infos nicht aus irgendeiner südkoreanischen Geheimdienstquelle gesickert sind, sondern von einem US-amerikanischen Wissenschaftler kamen und weil ein ziemlich konkreter Fahrplan für die nächsten Schritte genannt wurde, nämlich ein Besuch der Elders in Seoul und dann in Pjöngjang noch in dieser Woche. Wir werden also sehr bald sehen, was da dran ist. Aber jetzt mal zu dem Interessanten, das in den Meldungen drinsteckt:

  • Man scheint in Pjöngjang weiter an einem Gipfeltreffen mit Lee Myung-bak interessiert zu sein. Wenn das kein Manöver ist, um von Seoul mit Propagandaflugblättern und ähnlichem in Ruhe gelassen zu werden, ist das ein gutes Zeichen, das mich ein bisschen überrascht.  Ich hätte gedacht, man würde Lee seine unnachgiebige Haltung der letzten Jahre nicht verzeihen und ihm daher den (symbolischen) Erfolg eines Gipfeltreffens nicht gewähren. Aber vielleicht fischt man ja auch nur ein bisschen nach Geschenken von Seoul.
  • Die Reise der Elders im April nach Pjöngjang scheint doch kein absoluter Misserfolg gewesen zu sein. Auch wenn sie mit leeren Händen und ohne Treffen mit Kim Jong Il aus Pjöngjang abreisen mussten und auch in Seoul nicht mit ungeteilter Freude empfangen wurden, scheinen sie sich in die Rolle eines Vermittlers gebracht zu haben, der von Pjöngjang akzeptiert und gezielt angesprochen wird. Man hat damals also wichtige Grundsteine für eine weitere Vermittlertätigkeit gelegt.
  • Allerdings kann Jimmy Carter wohl nicht selbst die Früchte der Initiative ernten, bei der er wohl eine Haupttriebfeder darstellte. Scheinbar hat er mit seiner teils harschen Kritik an Seoul und Washington (wenn ich mich richtig erinnere warf er den beiden Regierungen im Zusammenhang mit der nicht-Gewährung von Nahrungshilfen auf indirektem Wege Menschenrechtsverletzung vor) den  Bogen überspant und wird von Seoul nicht als neutral betrachtet. Folglich muss er wohl bei künftigen Reisen der Elders nach Korea zuhause bleiben (aber er ist ja auch nicht mehr der Jüngste und hat sich das verdient).
  • Die einzige nordkoreanische Delegation, die im August in New York war und von der ich gehört habe war die vom ersten stellvertretenden Außenminister Südkoreas Kim Kye-gwan. Der sprach Ende Juli mit dem damaligen Sondergesandten Bosworth und blieb dann bis zum 2. August. Wenn die Bemerkung von ihm oder einem Mitglied seiner Delegation gekommen wäre, dann wäre das ein gutes Zeichen, denn einerseits wäre sie dann im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit Bosworth getroffen worden, was auf eine Zufriedenheit Pjöngjangs mit dem Verlauf des Gesprächsprozesses hindeutet, andererseits würde dann ein gewisses Maß an politischer Autorität dahinterstehen, denn Kim Kye-gwan besitzt definitiv das Vertrauen Pjöngjangs und spricht für die Machthaber dort.
  • In Pjöngjang scheint man es nicht eilig zu haben. Dass man erst im kommenden Januar vorbereitend über einen Gipfel sprechen möchte kann ein gutes, aber auch ein schlechtes Zeichen sein. Ich sehe es als positiv an, dass man den Januar als Termin anpeilt, weil man dann zumindest bis dahin Verhandlungen anzustreben scheint. Das würde heißen, die Tür für Gespräche wird erstmal eher nicht aufgrund von Frustration und Unzufriedenheit auf Seiten Pjöngjangs mit einem Knall zufallen. Damit wird dem vorsichtigen Beschnuppern mit den USA und Südkorea weiterer Raum eingeräumt und das ist gut. Negativ wäre die Zeitspanne zu bewerten, wenn man nur plant, nur weitere Zeit zu gewinnen. Man will keine weiteren Scherereien mit Südkorea und den USA haben und versucht beide solange zu ködern und friedlich zu halten, bis zumindest die Wahlen in Südkorea vorbei sind.

Erstmal muss sich natürlich zeigen, ob an den Berichten was dran ist. Aber nachdem das noch diese Woche passieren wird, denke ich, dass es grundsätzlich eine gute Sache ist, wenn die Koreas miteinander über ein konkretes Ziel sprechen. Noch besser finde ich es, dass dann vielleicht eine unabhängige Partei mit am Tisch sitzen wird, denn nach gescheiterten Verhandlungen gab es ja öfter mal sehr unterschiedliche Legenden über den Verlauf der Gespräche und den Grund für den Abbruch. Wenn eine vermittelnde Instanz dabei wäre, dann könnte sich keine Seite mit einer billigen Lüge aus der Affäre ziehen (was definitiv schon vorkam). Aber wie weit der Prozess tragen kann hängt vor allem von Pjöngjangs Agenda ab. Eigentlich sollte man ja denken, dass es mit Lee kein Gipfeltreffen geben wird. Aber Pjöngjang hat sich in der Vergangenheit schon oft sehr flexibel hinsichtlich früherer eigener Aussagen gezeigt. Von daher sollte man niemals nie sagen. Wir werden sehen.

Was denkt ihr: Ist ein Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Lee Myung-bak denkbar, oder wird es frühesten unter Südkroeas nächstem Präsidenten wieder eine Chance auf einen Austausch auf höchster Ebene geben? Ich habe hier eine kleine Umfragemaske gebaut, aber natürlich steht auch die Kommentarfunktion für umfangreichere Anmerkungen zur Verfügung.

 

Der Fluch der bösen Tat — Warum Kim Jong Il nichts aus Gaddafis Ende lernen kann: Er wusste schon alles…


In letzter Zeit erscheint in den südkoreanischen Medien alle paar Tage ein Artikel, die Bezüge zwischen dem Schicksal Muammar al-Gaddafis und Kim Jong Ils Herrschaftshandeln und seinem „Sicherheitsempfinden“ herstellen. Wer aber tatsächlich glaubt, dass Kim Jong Il und seine Handlanger sich nun bibbernd in ihren Palästen verkriechen und ihr Handeln immer unter dem Gedanken: „Mir darf nicht das selbe zustoßen wie Gaddafi“ planen und umsetzen der springt wohl etwas zu kurz (und wer sich permanent darüber wundert, dass Nordkoreas Medien nicht über Gaddafis Tod berichten, der sollte sich mal fragen, ob er nichts besseres zu tun hat (wenn KCNA etwas über den Tyrannenmord schreiben würde, dann wäre das berichtenswert)). Mit Sicherheit ist in Pjöngjang das Ende Gaddafis aufmerksam beobachtet worden und mit Sicherheit haben sich einige Leute in der obersten Führungsebene einige Gedanken darum gemacht. Zu weitreichenden Verhaltensänderungen dürfte das aber nicht geführt haben, denn im Endeffekt konnte man in Pjöngjang nichts aus dem libyschen Bürgerkrieg lernen, das im Regime nicht ohnehin schon bekannt war und in Teilen das bisherige und auch künftige Handeln des Regimes mitbestimmen wird.

Widerstand schon in den Anfängen ersticken…

Am Anfang von Gaddafis Sturz stand Widerstand aus der Bevölkerung, der in manchen Teilen des Landes um sich griff und dazu führte, dass die Kontrolle über Bengasi, das ohnehin vom Regime misstrauisch betrachtet wurde, verlorenging. Kim dürfte daraus die einfache Lehre ziehen, dass es erst garnicht soweit kommen darf, dass sich gerade in wenig zuverlässigen Landesteilen Widerstand organisiert. Gerade dort ist es für das Regime also wichtig, die Überwachung aufrechtzuerhalten und Widerstand schon zu ersticken, bevor er sich zu einer organisierten Bewegung entwickelt. Natürlich lässt sich nicht wirklich eine Einschätzung treffen, ob dies alles noch gut funktioniert, aber da in den vergangenen Jahren kaum über Proteste berichtet wurde (eigentlich gab es nur im Zusammenhang mit der Währungsreform unbestätigte Berichte über offenen Widerstand) scheint der Kontroll- und Unterdrückungsapparat bisher erfolgreich jeden glimmenden Funken auszutreten.

…die Führungsebene zusammenhalten und…

Nachdem deutlich wurde, dass die Proteste nicht schnell erstickt werden könnten, liefen einige hochrangige Vertreter von Gaddafis Regime zur Opposition über. Sie brachten u.a. militärisches Know How und wohl auch Kontakte ins Ausland mit. Kim weiß, dass er seine Führung zusammenhalten muss und unsichere Kantonisten eine Bedrohung für das Überleben seines Regimes darstellen können. Gerade in Phasen des Aufruhrs ist der Verlust hochrangiger Kader an den Gegner ein destabilisierender Faktor. Gleichzeitig ist es für hochrangige Vertreter des Regimes sehr verlockend, überzulaufen, sobald sie die Chance/Gefahr wittern, dass das Regime untergeht. Einerseits ziehen sie (oft im wahrsten Sinne) ihren Kopf aus der Schlinge und haben andererseits die Möglichkeit, weiterhin an prominenter (und einträglicher) Stelle die Geschicke des Landes mitzulenken. Dieses generelle Risiko dürfte auch Kim Jong Il kennen und Hinweise auf Säuberungen innerhalb des Regimes zeigen, dass die Kader einerseits unter einer scharfen Beobachtung stehen dürften und andererseits unter ständigem Druck stehen, ihre Loyalität zu beweisen. Dies dürfte es ihnen auch sehr schwer machen, einen Widerstand von oben zu organisieren (sie haben ja einen ziemlich fetten Spatz in der Hand, während die Chancen auf die Taube auf dem Dach mit erheblichen Risiken verbunden sind). Die Motivation dazu dürfte hauptsächlich dann entstehen, wenn man sich ohnehin in Gefahr sieht, Opfer einer Säuberung zu werden.

…die Ausländer draußen

Vermutlich waren beide vorher genannten Faktoren notwendig, um Gaddafis Ende zu ermöglichen. Allerdings hätten sie wohl nicht zum Erfolg geführt, wenn nicht die NATO sich als Luftwaffe und Waffenlieferantin der Rebellen eingebracht hätte. Die letzte entscheidende Lehre, die Kim Jong Il aus Libyen hätte ziehen können ist also: Das Ausland vom Konflikt fernhalten. Unter diese Kategorie fällt wohl unter anderem Nordkoreas Nuklearprogramm, für das ich ja auch schon gewisse Lehren des Kim Regimes diskutiert habe, aber auch insgesamt das hohe Maß an Unberechenbarkeit und Drohpotential, dass das Regime aufbieten kann. Staaten die möglicherweise in Frage kämen in Nordkorea zu intervenieren können nur schwer einschätzen, was in Folge einer solchen Intervention geschehen würde. Würde Seoul in Schutt und Asche gelegt werden? Würde Nordkoreas Raketenarsenal gegen Südkorea, Japan und die US-Basen in beiden Ländern eingesetzt werden? Was könnte das Regime noch aufbieten, von dem man nichts weiß? Unter den aktuellen Gegebenheiten ist kaum ein Szenario vorstellbar, unter dem ausländisches Militär eine humanitäre Intervention in Nordkorea wagen würde. Mit der Weiterentwicklung des Nuklearprogramms nimmt die Wahrscheinlichkeit für so etwas künftig noch weiter ab.

Der Fluch der Bösen Tat

Wie gesagt: Eigentlich hält sich Kim Jong Il ohnehin schon recht genau an das Handbuch für Diktatoren und das Ende Muammar al-Gaddafis dürfte ihm höchstens dahingehend eine Lehre gewesen sein, dass man niemals weich werden darf, wenn man nicht heimlich irgendwo in der Wüste verscharrt bestattet werden will. Da Kim bisher keine Zeichen von Weichheit gezeigt hat, dürfte er sich seiner Sache relativ sicher sein und nur begrenzte Angst davor haben, dass in naher Zukunft Volksmassen gegen ihn aufstehen, seine Gefolgschaft überläuft und andere Staaten Bomben auf sein Territorium werfen. Es ist zwar eine unangenehme Wahrheit, aber der Fluch der bösen Tat hat das Regime in Pjöngjang definitiv zu einem Punkt gebracht, an dem es für viele kein Zurück mehr geben kann. Die einzige Möglichkeit die die Herrschenden in noch haben, ihr restliches Leben in Freiheit und Luxus (und vor allen Dingen lebendig) zu verbringen, ist immer weiter so ziemlich alles mit Füßen zu treten, was in unserer Welt so an Normen und Werten zu finden ist. Die Ereignisse in Nordafrika zeigen: Wer damit aufhört verliert früher oder später ganz sicher; Wer es nicht tut nur vielleicht…

Was macht eigentlich Kim Kyong-hui?


Wenn ihr hier häufiger mal mitlest, dann wisst ihr ja, dass ich ganz gerne die Bilder von Kim Jong Ils Vor-Ort-Anleitungen angucke. Meistens interessiert mich dabei, was und vor allen Dingen wer dort zu sehen ist. Allerdings ist mir in letzter Zeit nochmal besonders deutlich aufgefallen, wer dort nicht zu sehen ist. Es ist nämlich schon eine erstaunliche Sache, wie häufig Kims Schwester Kim Kyong-hui, die in der Partei für Leichtindustrie zuständig ist und mit ihrem Mann Jang Song-thaek eine gewichtige (wenn auch nicht genau geklärte) Rolle in der Dynamik des Regimes spielt, Kim Jong Il begleitet und wie selten man sie auf Gruppenfotos sieht. Ähnlich ist das auch mit ihrem Mann, aber den sieht man wenigstens ab und zu mal. Sie habe ich glaube ich zuletzt auf dem Massengruppenfoto auf der Parteikonferenz im letzten Jahr gesehen. Und da frage ich mich doch glatt: Was macht sie denn, während die Entourage auf dem Gelände von Fabriken und Bauernhöfen rumstromert, weise Worte sagt (bzw. in der Mehrzahl mitschreibt), Maschinen in Artefakte verwandelt und für Fotos posiert?

Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, aber ein paar mögliche Ideen:

  • Vielleicht ist die Gute einfach ein bisschen Kamerascheu und sehr auf ihre Privatsphäre bedacht. Es gibt einfach keine Fotos, weil sie immer das Weite sucht, wenn eine Kamera auf den Plan tritt.
  • Vielleicht stimmen auch die Gerüchte über ihren schlimmen Rücken, die irgendwer mal vor einem halben Jahr in die Welt gesetzt hat und sie hat keine Lust sich mit Rollator oder Buckel fotografieren zu lassen.
  • Vielleicht passt sie auch nicht so gut in die nordkoreanische „Männergesellschaft“, denn sie ist wohl die Frau in Nordkorea mit dem bei weitem wichtigsten Parteiamt. Vielleicht ist es aus irgendeinem Grund politisch nicht gewollt, sie in prominenter Position darzustellen (aber sie wurde ja öffentlichkeitswirksam zur Generalin ernannt, das finde ich also nicht so wahrscheinlich).
  • Was ich mir auch noch vorstellen könnte ist, dass sie einfach besseres zu tun hat, als die oben beschriebenen Tätigkeiten. Es gibt eben auch Arbeit zu tun und die erledigt sich nicht dadurch, dass Kim Jong Il hin und wieder eine Weisheit absondert und alle anderen Mitschreiben. Vielleicht ist Kims Schwester eine von den Personen, die vor und hinter ihrem Bruder aufräumen, vielleicht noch einen Blick in die Bücher der jeweiligen Einrichtung werfen und sich um das kümmern, was es zu beschaffen und produzieren gilt. Dazu würde auch passen, dass gemutmaßt wird, Frau Kim und ihr Mann Jang Song-thaek hätten das Management des Landes in der Zeit, in der Kim Jong Il schwer krank war, für ihn übernommen.

Wie gesagt, ich weiß es einfach nicht, aber ich finde die letzte Idee irgendwie charmant, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie ein Land funktionieren kann, in dem niemand Managt und alle stumpf die Weisheiten Kim Jong Ils abschreiben und dann versuchen danach zu leben und zu wirken. Wenn ihr bessere Ideen habt, was Kim Kyong-hui so treiben könnte, während sich die Anderen in Pose werfen und Sachen gucken, dann nur her damit…

Die Ökonomie des Notierens —Von der Bedeutung von Kim Jong Ils Worten und ihrer ungewöhnlichen Wertschätzung in seiner Gefolgschaft


Eine Frage, die ich mir schon seit einiger Zeit stelle und die ich bisher nicht für mich befriedigend beantworten kann, ergibt sich aus den Fotodokumentationen von Kim Jong Ils Vor-Ort-Anleitungen. Wenn man sich seine Begleiter auf diesen Bildern so anschaut, dann könnte dies schnell zu der Vermutung führen, dass eines der Hauptprodukte der nordkoreanischen Wirtschaft kleine Notizbücher sein müssen. Eigentlich hat immer jedes Mitglied der Entourage (also nicht nur die örtlichen Funktionäre und Manager, sondern auch die hochrangigen Kader) einen solchen Block in der Hand und ganz schön häufig schreiben sich alle gleichzeitig etwas auf.

Kim Jong Il gibt eine Vor-Ort-Anleitung im Ryongjin Obstbaubetrieb

Allzeit bereit zum notieren..

Kim Jong Il gibt der Raknang Basis-Plastikgüterfabrik behinderter Soldaten eine Vor-Ort -Anleitung

...sogar auf Gruppenfotos...

Kim Jong Il gibt Vor-Ort-Anleitung im Fleischgeschäft in der Pothongmum Straße

...und man notiert...

Kim Jong Il gibt Vor-Ort-Anleitung auf Obstbaubetrieb und neuer Obstverarbeitungsfabrik

...nur...was?

Da muss der Verbrauch doch ganzschön hoch sein. Meine Frage bezieht sich allerdings nicht so sehr auf den Bezugs- oder Produktionsweg der Notizblöcke, sondern auf die Inhalte, die sich die Funktionäre da notieren. Ich kann mir einfach nicht so recht vorstellen, was Kim Jong Il immer zu sagen hat, das so wichtig ist, dass es sich alle anwesenden notieren müssen.

Wenn man sich die Bilder so anschaut, dann habe ich wirklich Schwierigkeiten mir vorzustellen, was er in diesem Moment so weltbewegendes gesagt haben kann? Hat er auf dem dritten Bild einen Witz gemacht, den sich alle merken wollten und daher mitschrieben? Und auf dem vierten Bild? Hat er gesagt, dass ihm die Verpackung nicht zusagt? Oder hat er etwa so etwas gesagt wie:

The appearance of the country is changing day by day thanks to the dynamic drive for a great surge across the country and this remarkable change confidently heralds a bright future of a powerful nation to appear in the near future. [Die Erscheinung des Landes wandelt sich Tag für Tag dank der dynamischen Bewegung für eine große Aufwallung im ganzen Land und diese bemerkenswerte Veränderung deutet voller Zuversicht den Weg in eine strahlende Zukunft einer mächtigen Nation, die in naher Zukunft erscheinen wird.]

In order to increase the fertility of soil in the orchards of the farm it is necessary to make an effective use of circular production system of fruit growing and stock breeding, stock breeding and fruit growing, he noted, underlining the need to revitalize the management of the Taedonggang Pig Farm and apply more organic compound fertilizers to orchards. [Um die Fruchtbarkeit des Bodens in den Plantagen des Betriebs zu steigern ist es notwendig, das zirkuläre Produktionssystem (den Fruchtwechsel? abwechselnde Nutzung des Bodens) des Obstwachstums und der Baumzucht, Baumzucht und Obstwachstum effektiv zu nutzen, sagte er. Er unterstrich die Notwendigkeit das Management der Taedonggang Schweinefarm zu revitalisieren und mehr organischen Dünger auf den Plantagen zu nutzen.

Solche Ratschläge gibt er jedes Mal, wenn er eine solche Anleitung macht. Und wenn die Manager der Fruchtplantagen, Schweinefarmen und Minen des Landes tatsächlich darauf angewiesen sind, dass Kim Jong Il vorbeikommt und ihnen die Grundlagen ihres Jobs erklärt, dann wäre das zwar eine Erklärung für die wirtschaftliche Situation des Landes, aber dann hätte das Regime wohl nicht so lange durchhalten können.

Ich meine, natürlich kann es sein, dass Kim Jong Il irgendwelche Ziele für den Ort seiner Anleitung festlegt oder seinen Begleitern Anweisungen gibt, Materialien oder ähnliches zur Verfügung zu stellen. Aber das muss doch nicht jeder mitschreiben…

Ganz ehrlich gesagt kann ich mir eigentlich nur vorstellen, dass alle mit Notizblöcken rumlaufen, weil sich das so gehört. Wahrscheinlich weiß jeder, dass vermutlich auch auf der nächsten Anleitung kein extrem wichtiger Geistesblitz zu Tage gefördert wird. Aber es weiß eben auch jeder, dass es besser für ihn ist, so zu tun, als würde auf jeder Anleitung mindestens ein unglaublicher Geistesblitz zustande kommen. Vermutlich ist auch das Mitschreiben hauptsächlich eine Art Ehrenbezeugung gegenüber Kim, von dem auch ganz alltägliche Worte, für jeden einzelnen und den ganzen Staat extrem wichtig sein können.

Wenn jemand sich mit dem Aufschreibritual auskennt, (gab es das in der DDR auch so?) würde es mich sehr freuen, wenn er mir aus meiner Unwissenheit helfen kann…