UPDATE: Nordkoreanische Filme in Berlin, Kiel und Köln — Termine sind da


Update II (06.10.2011): In Berlin ist die Veranstaltung ja mittlerweile zuende gegangen. Aber in Kiel gibts noch vier Filme zu sehen (wie man hört, platzte der Saal dort nicht gerade aus allen Nähten (wobei ich nicht weiß wie es bei allen Terminen war) und in Köln hat es noch garnicht angefangen. Leider scheint es da außer einer Fotoausstellung aber kein großartiges Rahmenprogramm zu geben. Naja, wenigstens gibt es jetzt hier das gedruckte gepdfte Programm für die Veranstaltung mit Grußworten und Filmbeschreibungen. Für drei der Filme habe ich hier noch eine kurze Besprechung gefunden, die vielleicht hilfreich ist, wenn man sich „Lighthouse“, „An Unattached Unit“ oder „A Forrest Is Swaying“ anschauen will. Als Nachlese für Berlin habe ich noch zwei relativ interessante Beiträge im Berlin-blog von NPR gefunden. Einmal über die Eröffnungsveranstaltung und einmal über ein Interview mit den nordkoreanischen Filmschaffenden, die vor Ort waren (und die, wenn man dem Artikel folgt, scheinbar nette und offene Leute sind (mit filmischer Vorliebe für James Bond)).

Updatebeitrag (17.09.2011): Die Leute vom Koreaverband haben sich scheinbar schlau gemacht und einige weitere Infos zu den DVRK-Filmwochen, die in diesem und dem kommenden Monat in Berlin, Kiel und Köln stattfinden werden, gefunden.

Babylon Berlin: Vom 24.09. bis zum 01.10.

Neben dem Veranstaltungsplan für Kiel, der ja schon feststeht, ist jetzt auch das Programm im Babylon (Rosa-Luxemburg Straße 30 in Berlin) bekannt. Dort werden vom 24.09. bis zum 01.10.2011 täglich mindestens zwei der nordkoreanischen Filme über die Leinwand flimmern. Zur Eröffnung wird am Freitag dem 23.09. ab 11.30 Uhr ein Medien- und Filmgespräch zur ersten Filmwoche der Demokratischen Volksrepublik Korea in Deutschland im Oberen Foyer des Babylon stattfinden, zu dem neben der Delegation nordkoreanischer Filmschaffender auch der Koordinator des Projekts, Dr. Uwe Schmelter (ehemaliger Regionalleiter des Goethe-Instituts in Ostasien) Rede und Antwort stehen. Am 24.09. wird die Veranstaltung dann mit Ansprachen (kann mir vorstellen, dass da dann auch wieder der nordkoreanische Botschafter in Deutschland sprechen wird), eröffnet. Außerdem gibt es eine Ausstellung nordkoreanischer Filmplakate zu sehen. Die konkreten Ausstrahlungstermine könnt ihr auf der Seite des Koreaverbandes finden.

Filmhaus Kino Köln: Vom 19.10 bis zum 25.10

In Köln wird die Filmwoche vom 19.10. bis zum 25.10.2011 vom Allerweltskino veranstaltet, aber im Filmhaus Kino Köln in der Maybachstraße 111 über die Bühne/Leinwand gehen. Hier läuft die Veranstaltung unter dem Namen „Über die Bauweise von Paradiesen“. Es ist noch kein Programmflyer veröffentlicht, sondern nur die Filmtermine, daher kann ich nichts über ein eventuelles Rahmenprogramm sagen.

Zu vielen der Filme, die im Rahmen der Filmwoche gezeigt werden, könnt ihr auf dem englischsprachigen Blog North Korean Films kurze Besprechungen und Anschauungsmaterial finden, außerdem gibt es da noch einige interessante Hintergründe zum nordkoreanischen Film.

Fernsehtipp

Für diejenigen, die nicht zufällig in Berlin, Köln oder Kiel wohnen, gibt es einen kleinen Trost, denn auf ARTE gibt es am 01.10.2011 um 14:30 den französischen Film „Nordkorea für Einsteiger“ zu sehen. Der kommt zwar nicht aus der DVRK, nutzt sie aber quasi als Kulisse und wird als Mischform zwischen fiktionalem und dokumentarischem Film beschrieben (die Story und die Figuren sind erfunden, aber auf die Kulisse wird kein Einfluss genommen). Ich weiß nicht ob es sich lohnt den Film anzuschauen, aber das kann sich  jeder selbst überlegen.

Film „Kimjongilia“ morgen in Köln


Für Kurzentschlossene die Angst haben von Vulkanasche verschüttet zu werden und deshalb bei dem schönen Wetter Indoor-Aktivitäten vorziehen oder aber einfach mal Lust haben, nen Film der Nordkorea behandelt nicht nur auf ihrem PC sodnern auf ner richtigen Kinoleinwand zu sehen, habe ich ne Veranstaltungsempfehlung für morgen. Der Dokumentarfilm „Kimjongilia“, der sich mit dem Schicksal nordkoreanischer Flüchtlinge auseinandersetzt wird im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund / Köln in der Filmpalette in Köln gezeigt (OmeU). Stattfinden wird das Ganze um 13:00 Uhr. „Kimjongilia“ hat international einige Beachtung gefunden und wird vor allen Dingen für Diejenigen, die sich für die Menschenrechtssituation in Nordkorea interessieren, eine Bereicherung bieten. Mehr Informationen zur Veranstaltung und zum Film gibt’s hier…

Traumwelten auf Zelluloid: Nordkorea und der Film


So, da bin ich wieder in alter Frische und freue mich nochmal in die Tasten hauen zu können. Die größte Kuckucksuhr der Welt hab ich leider (aufgrund schneeverwehter Straßen) nicht gesehen, dafür aber das Geburtshaus des Erfinders der Dauerwelle. Meiner Meinung nach fast gleichwertig.

Aber das alles hat natürlich nichts mit Nordkorea zu tun und daher kehre ich zügig zum Thema zurück. Ich werde keinen lauwärmen Kaffee aufwärmen und das berichten, dass ihr eh schon wisst, sondern im hier und jetzt einsteigen. Und hier und jetzt bin ich auf ein sehr interessantes Interview gestoßen, dass es auf korientation zu lesen gibt. Das Tolle daran ist, dass es mal eine Materie abseits der ausgetretenen Nordkorea-Pfade behandelt, nämlich nordkoreanisches Kino. Sun Ju-choi, die sich auch beruflich mit dem Thema „Film“ befasst, gibt hier Einblicke in die Entwicklung des nordkoreanischen Kinos und die Verbindungen zwischen nordkoreanischem Film und Juche Ideologie. Wer also mal einen Ausschnitt der nordkoreanischen Gesellschaft sehen möchte, der sich nicht vorrangig mit Hunger, Unterdrückung und Gefangenenlagern beschäftigt, dem sei das Interview sehr ans Herz gelegt.

Dem Einen oder Anderen mag das Thema Film und Nordkorea etwas abwegig erscheinen, denn, so könnte man denken, etwas Anderes als Propaganda wird da wohl kaum rumkommen. Allerdings stößt man, beschäftigt man sich etwas näher mit der Materie recht schnell auf einige interessante Details. Viele werden vermutlich des Öfteren die Storys über Kim Jong Ils riesiges Filmarchiv gehört haben und je nach Quelle noch zusätzlich das schlüpfrige Detail, dass er besonders von amerikanischen Pornos angetan sei, weil seine erotischen Interessen vor allem Blondinen gälten. Ich weiß es nicht besser, daher halte ich mich mit der Aussage das (besonders das mit den pornografischen Blondinen) sei in großen Teilen Quatsch, mal zurück, aber diese Idee sollte man meiner Meinung nach nicht außer Acht lassen. Eine gewisse Affinität Kim Jong Ils zum Film ist nämlich tatsächlich nicht zu leugnen.

Hierfür ist unter anderem sein in relativ frühen Jahren erschienenes Werk „Theory of Cinematic Art“ (1973) ein Beleg. Generell beschäftigte sich Kim in seinen jüngeren Jahren ausgiebig mit dem Film und wirkte aktiv an der Umgestaltung des nordkoreanischen Filmsektors mit (darf man dem biographischen Werk „Kim Jong Il. Brief History“ (1998) glauben. (Wer nen guten Virenschutz hat, oder an das Gute im (nordkoreanischen) Menschen glaubt, kann das Ganze hier runterladen.)) Resultate dieser Beschäftigung waren unter anderem die Mitarbeit an Filmen wie „Five Guerilla Brothers“ und der filmischen Adaption der Oper „Sea of Blood“. Allerdings hatte Kims Leidenschaft auch etwas handfestere (und eher dem „Nordkorea-Style entsprechende) Auswirkungen wie die Entführung der südkoreanischen Schauspielerin Choe Eun-hee und des Regisseurs Shin Sang-ok 1978 in Hong Kong. Die beiden sollten dem nordkoreanischen Film auf die Beine helfen, doch nach achtjähriger „Gasttätigkeit“ in Pjöngjang gelang ihnen 1988 in Wien die Flucht. Weniger obskure Filmförderungsmaßnahmen stellen die Gründung einer Filmschule in Pjöngjang, besonders aber das „Pyongyang International Filmfestival“, das 1987 das Licht der (Kino-)Welt erblickte und seit 1990 alle zwei Jahre (gewöhnlich im September) stattfindet, dar. Das Festival zeigt mittlerweile auch westliche Filme, die dann allerdings (natürlich) einen „systemneutralen“ Charakter haben. Insgesamt sahen sich im Rahmen dieses Events im Jahr 2008 120.000 Besucher die über hundert Filme aus über 40 Nationen (auch aus Deutschland, vielleicht hat der Eine oder Andere noch „Die Fälscher“ in Erinnerung. Den, aber auch andere international erfolgreiche Filme wie „Kick it like Beckham“ konnten sich interessierte Nordkoreaner anschauen) in den Kinos Pjöngjangs an (Das größte fasst übrigens, für ein Kino durchaus respektable, 2.000 Personen). Lesenswerte und interessante Berichte zum Pjöngjang Filmfestival 2008 gibts hier und hier. Die offizielle (und nicht besonders informative) Homepage, die das Festival übrigens als das Zehnte und nicht als das Elfte bezeichnet (vermutlich wird hier das von 1987 aus der Rechnung gestrichen) findet ihr hier.

Das solls erstmal hierzu gewesen sein, aber vielleicht werde ich mich zu gegebenem Anlass nochmal etwas näher mit dem nordkoreanischen Kino befassen, schließlich steht ja auch dieses Jahr wieder ein Festival auf dem Programm…

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