Der Fall Newman und sein Kontext — Der Koreakrieg, der Tourismus und was wir daraus über Nordkorea lernen


Ich war in den letzten Tagen mit sehr vielen Sachen beschäftigt und kam deshalb mal wieder nicht wirklich zum schreiben (ihr glaubt nicht wie anstrengend es ist, neue Matratzen zu kaufen. Ich dachte bisher, Versicherungsvertretern könnte man nicht trauen, aber Matratzenverkäufer toppen das mit links…). Deshalb habe ich mir auch (wie von bagameri zurecht auf der Freien Beitragsseite angemerkt) die Lässlichkeit erlaubt, euch nicht auf eine recht spannende Geschichte hinzuweisen.

Der Fall Newman

Da jetzt aber die Matratzen gekauft sind und auch andere Aufgaben mir etwas mehr Raum bieten, will ich etwas zu der Geschichte von Merrill Edward Newman, einem 85 jährigem US-Bürger, der vor etwa einem Monat kurz vor dem Ende einer Reise nach Nordkorea von den dortigen Behörden festgesetzt wurde und seitdem in Gefangenschaft ist. Pikanter wird die Geschichte dadurch, dass Newman ein Veteran des Koreakriegs ist. Ende letzter Woche verbreiteten die nordkoreanischen Medien ein Geständnis Newmans, das sich auf Verbrechen gegen Nordkorea in der Gegenwart und der Zeit des Koreakrieges bezieht. Danach soll Newman koreanische Guerillakämpfer ausgebildet und befehligt haben, die im Koreakrieg Sabotageaktionen gegen Nordkorea begangen und dabei auch Unschuldige getötet haben sollen.
Im Rahmen seines aktuellen Besuchs soll er laut dem Geständnis versucht haben Kontakt zu den Familien dieser Kämpfer aufzunehmen, um sie in ein anti-Nordkoreanisches Netzwerk einzubinden. Newmans Geständnis und Entschuldigung waren handschriftlich auf mehreren Blättern notiert und er verlas sie vor der Kamera. Dabei fiel auf, dass in dem Text einige Grammatikfehler enthalten waren, die einem Muttersprachler nicht einfach so unterlaufen. Neben Kenneth Bae ist Newman somit der zweite US-Bürger, der aktuell in Nordkorea festsitzt.

Zwei Aspekte des Falles

Natürlich wird viel gemutmaßt, spekuliert und in altbekannte Kerben gehauen, wenn es um so eine Geschichte geht, aber da habe ich nicht wirklich Lust mich dran zu beteiligen. Ich möchte lieber kurz auf zwei Themen eingehen, auf die dieser Vorfall ein Licht wirft bzw. für die er weiterreichende Implikationen hat. Einmal geht es da um den Tourismus in Nordkorea und zum Anderen  um den Koreakrieg. Mit letzterem möchte ich anfangen.

Der Geschichtliche Kontext und seine Wirkung auf den Fall Newman

Wer sich ein bisschen mit der jüngeren Geschichte der Koreanischen Halbinsel befasst hat, dem dürfte bekannt sein, dass der Koreakrieg als das einschneidende und prägende Ereignis nach der japanischen Besatzung noch heute umfassende Wirkung entfaltet. Die offensichtlichste ist wohl die in ihrer Absolutheit nicht übertreffbare Teilung Koreas, aber daneben gibt es auf beiden Seiten der Demarkationslinie auch noch viele weitere Wirkungen. So kann man u.a. die Wirtschaftsstruktur Nordkoreas, die Architektur des Landes und agrarische Schwierigkeiten in Teilen auf den Koreakrieg zurückführen. Jedoch wirkt der Krieg auch auf individueller Ebene nach. Die dort erlittenen Erlebnisse und die nicht aufgearbeiteten Verbrechen sind ein Stück weit in die kollektive Identitäten beider koreanischer Völker (ich glaube ein koreanisches Volk gibt es nicht mehr wirklich) eingegangen.

In Nordkorea gehört die Erinnerung an amerikanische Kriegsverbrechen zur Staatsräson. Es wird in den Schulen gelehrt und in den Familien weitergetragen. Und — das wird in unseren Breiten gerne mal verdrängt — sie beruht auf sehr realen Begebenheiten in der Vergangenheit. Jeder Krieg ist von Grausamkeit geprägt (sogar saubere chirurgische Drohnenkrieg, nur müssen wir uns das dann nicht im Fernsehen angucken) und der Koreakrieg war es auch. Allerdings war das Ausmaß der Zerstörung auf Seiten Nordkoreas wirklich sehr umfassend und das Sprichwort „keinen Stein auf dem anderen lassen“ traf wahrscheinlich selten so zu wie im Bezug auf dieses Land. Und natürlich sind auch viele Kriegsverbrechen einzelner überliefert, wobei man keine der beteiligten Parteien ausnehmen kann. Das ist ein Teil des Hintergrundes auf den das Geständnis Newmans verweist.

Die Nordkoreaner haben ihn als einen derjenigen festgenommen, die im Koreakrieg Verbrechen gegen das koreanische Volk begangen haben. Ob er wirklich das getan hat, das man ihm nachsagt weiß ich nicht, aber dass das, was er gestanden hat von irgendeinem Amerikaner getan wurde, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Nun kann man durchaus überlegen, ob die Verhaftung Newmans nicht auch in gewisser Weise als Versuch Nordkoreas zu werten ist, auf die Kriegsverbrechen der USA hinzuweisen und so etwas wie einen Verarbeitungsprozess im Sinne der nordkoreanischen Propaganda anzustoßen. Ich meine, auch andere Staaten, z.B. Deutschland verfolgen bis heute Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkrieges und grundsätzlich muss man wohl allen Staaten das Recht zugestehen, die auf eigenem Boden begangenen Verbrechen entsprechend der eigenen Gesetze zu verfolgen (oder habe ich da irgendwas übersehen). Wie gesagt, ich habe da so meine Zweifel, dass Newman wirklich der Kriegsverbrecher ist, als der er angeklagt ist, aber wenn er es ist, dann weiß ich nicht genau, was man den nordkoreanischen Behörden vorwerfen kann. Wenn er es nicht ist, könnte man darüber nachdenken, ob es sich nicht um eine indirekte Aufforderung Pjöngjangs an die USA handelt, ehrlich mit ihrer Kriegsvergangenheit umzugehen.

Auswirkungen auf den Tourismus und was wir daraus über das System lernen

Der zweite Aspekt, über den ich ein bisschen nachgedacht habe ist der Tourismus nach Nordkorea. Ihr alle werdet euch vermutlich schonmal kurz mit diesem Thema beschäftigt haben und entweder die Position: „Wieso sollte man da bloß hinfahren wollen“ oder den Standpunkt: „Ich würde das ja auch gerne mal sehen“ für sich bezogen haben. Wenn man dann hört, dass „ständig“ irgendwelche Touristen in Nordkorea festgesetzt werden, dann verliert man ein bisschen die Lust an „ich würde das auch gerne mal sehen“ denn wer weiß, vielleicht ist das ja garnicht so ungefährlich. Sowas kann natürlich nicht im Sinne der nordkoreanischen Tourismusbehörden liegen, die erst vor relativ kurzer Zeit vermeldet haben, dass sie den Tourismus nach Nordkorea stärken wollten.

Da hilft es auch wenig, dass die Festnahmen allesamt ihre Ursachen in gesetzlichen Vorschriften hatten und dass vermutlich jeder der Leute die in Gefangenschaft geraten sind sehr genau wusste, dass das was er da tut verboten und damit gefährlich ist. Nur bei Newman bin ich mir nicht so sicher, denn wenn er die Verbrechen derer er beschuldigt wird nicht begangen hat, dann konnte er eigentlich nicht damit rechnen verhaftet zu werden. Das heißt, jede Verhaftung ist ein begrenzender Faktor für die zukünftige touristische Entwicklung des Landes. (Einen sehr schönen Artikel dazu, was man als Tourist darf und was nicht und was man sich vielleicht erlauben kann obwohl man es nicht darf gibt es von Rüdiger Frank auf 38 North.)

Warum nehmen die also Leute fest, obwohl das dem Tourismus schadet? Naja, wenn man mal genau drüber nachdenkt, dann ist das eigentlich relativ naheliegend. Weil Tourismus und Justiz eben zwei Systeme sind, die nicht wirklich was miteinander zu tun haben. Das könnte man dann wohl als Zielkonflikte innerhalb des politischen Systems Nordkoreas beschreiben, bei denen Sicherheits-/Justizaspekte ganz klaren Vorrang vor touristischen Aspekten haben. Das ist ziemlich konsistent mit dem System Nordkoreas. Ich würde mal behaupten, dass Sicherheitsaspekte vor fast allen anderen Zielen des Systems Vorrang haben (außer vielleicht die Erfüllung der Bedürfnisse der Herrscher(familie)). Und wer einen Blick auf den Zustand der Wirtschaft und des Tourismus des Landes wirft, dem sollte bewusst werden, dass touristische und auch wirtschaftliche Aspekte sich hinter ziemlich vielen anderen Zielen des Systems anstellen müssen.

Wer deshalb irgendwie annimmt, dass Regime wüsste nicht was es täte oder würde leichtfertig seine Chancen bei der touristischen Verwertung aufs Spiel setzen, dem muss ich klar widersprechen: Das Regime weiß sehr genau was es tut und es folgt dabei einer sehr klar organisierten Prioritisierung. Und wenn sich das Regime auf der einen Seite Möglichkeiten Verbaut, dann ist es meistens wenig sinnvoll zu sagen, es würde planlos verfahren, sondern man sollte besser mal schauen, welchen Zielen es dafür auf der anderen Seite entspricht. Und wenn man das tut und merkt, dass am Ende fast immer die Sicherheit des Systems im Zentrum steht, dann hat man glaube ich auch ein Stück weit das Geheimnis des „Erfolgs“ (wobei „Erfolg“ gleichzusetzen ist mit „Überleben“) des Regimes verstanden: Kompromisslos die Sicherheit über alles andere zu stellen.

Geduld

Wenn ihr mehr konkretes zum Fall Newman erhofft habt, bitte ich euch um Geduld. Ich weiß auch nicht mehr als die Zeitungen schreiben und das zu paraphrasieren ist ja auch langweilig. Aber die Entwicklung der Geschichte könnte darauf hindeuten, dass es bald mehr zu dem Fall gibt (auch wenn es, wie der Fall Bae zeigt mitunter auch ganzschön lange dauern kann) und wenn ich dann nicht wieder irgendwelche Matratzen kaufen muss oder so, dann werdet ihr hier meine Meinung dazu lesen.
Außerdem bin ich mal gespannt, ob in den Medien, im Rahmen der Erzählungen über Newman auch mal öfter Seitenblicke auf die mit der amerikanisch-koreanischen Geschichte verbundenen unschönen Seiten des Koreakrieges geworfen wird. Das würde manchem (nicht nur) US-Bürger vielleicht ein bisschen helfen den Kontext zu verstehen.

Advertisements

Ein Bild von Nordkorea (II): Perspektiven auf die Stadt


Heute habe ich seit längerem nochmal etwas mehr Zeit und kann mich daher auch mal den erfreulichen Dingen des Lebens widmen. Zum Beispiel ein paar Fotos angucken und verlinken. Kurz, ich setze heute die Serie fort, die ich vor gut zwei Wochen angefangen habe. Es hat mir damals viel Spaß gemacht und eben bei der Auswahl der Bilder habe ich gemerkt, dass es mir auch heute wieder Spaß machen wird.

Vielen Dank auch an diejenigen, die letztes Mal kommentiert haben und ihre Meinung oder ihr Wissen mit mir und dem Rest der Leser geteilt haben. Das fand ich super und ich würde mich freuen, wenn sich auch dieses Mal wieder einige bereichernde Kommentare von euch finden würden.

Alle Rechte an allen folgenden Bildern liegen bei Marc Ucker.

.

Blick über die Stadt

Dieser Blick über Pjöngjang ist wohl nicht angetan, Begeisterungsstürme auszulösen und vielleicht ist man schnell dabei, sich irgendwelche Kommentare zu sozialistischer Baukultur abzugeben.
Aber in einer Stadt, die vom Koreakrieg nachhaltig eingeebnet wurde und das kann man glaube ich wörtlich nehmen, muss eben in erster Linie mal Wohnraum geschaffen werden. In unseren Breiten sind Städte die ähnlich kaputt waren auch nicht viel schöner, nur etwas moderner.

.

Pjöngjang in Fotopose II

Aber apropos modern: Wenn dann mal was modern Aussehendes gebaut wird, dann finden wir das irgendwie auch wieder nicht gut. Schließlich wissen wir alle: Nordkorea ist ein armes Land und arme Länder sollen arm aussehen, daher sind vergammelte Platten genau das was wir uns wünschen.
Mal ganz abgesehen davon frage ich mich allerdings, ob so runde Häuser besonders praktisch sind. Hat man da auch gleich runde Möbel für gezimmert? Ich gestehe, bei architektonischen Fragen bin ich ganz zeitgeistig ein Verfechter von „quadratisch – praktisch – gut“.

.

Symmetrie

Schon besser! Und symmetrisch ist auch noch alles.
Symmetrien sind allerdings selten ein Selbstzweck. Da ich aber am anderen Ende des Bildes keinen Fluchtpunkt erkenne, auf den die Symmetrie zuläuft, ist der Punkt von dem aus das Bild aufgenommen wurde, wohl der Fluchtpunkt auf den alles zuläuft.
Das Schöne an einer Symmetrie: So hässlich die Sachen, aus der sie sich zusammensetzt auch sind (obwohl „quadratisch – praktisch – gut!“), sie selbst bleibt trotzdem irgendwie ansprechend.

.

Hinter all diesen Fenstern

Ein unspektakuläres Bild. Wohl wahr. Aber irgendwie auch wieder nicht.
Denn eigentlich besteht es ja nur aus Fenstern. Überall Fenster. Und irgendwie sind bestimmt hinter all diesen Fenstern Leute. Das ist was, was Nordkorea mit dem Rest der Welt gemein hat. Es gibt viele Fenster und hinter den Fenstern sind Leute. Und die Leute sind bestimmt irgendwie Leute wie du und ich…

.

Erstaunlich: An dieses Lied hab ich bestimmt schon  seit acht Jahren nicht mehr gedacht. Und obwohl ich es nie besonders gut, mitunter sogar richtig nervig fand, jetzt finde ich es irgendwie passend. Nicht nur wegen des Album-Titels…

.

.

Symmetrie 2

Und wenn wir schonmal bei Fenstern sind. Hier noch mehr. Sieht richtig schön sozialistisch aus. Und symmetrisch.
Weshalb in dem niedrigsten sichtbaren Geschoss wohl Gitter angebracht sind? Entweder es gibt dort extrem tieffliegende Tauben, die man so abhalten will, oder die Leute wollen ihren Teil des Volkseigentums eindeutig von den Teilen der anderen abschirmen, damit nicht am Ende wirklich einer auf die Idee kommt, das was in der Wohnung dieser Leute steht, gehöre auch ihm. Vermutlich ist etwas entsprechendes schonmal vorgekommen, sonst würde man doch garnicht auf diese Idee kommen.

.

Da geht noch was

Noch ein unspektakuläres Bild, aber irgendwie auch wieder nicht.
Weil irgendwie kam mir, sofort als ich es gesehen habe die Idee: „Da geht noch was!“. Was genau? Keine Ahnung, es wäre zum Beispiel noch Platz für ein paar Autos. Dann gäbe es mal einen vernünftigen Stau. Das wäre doch mal was, oder? Naja, eigentlich braucht es ja keinen Stau.

.

Nightfall

Und wer weiß, wenn es mal ein paar ordentliche Staus gäbe, dann würde es vielleicht nicht mehr nur so aussehen, als würde der Smog über der Stadt stehen.
Naja sei’s drum. Ich finde dieses Bild irgendwie abgefahren. Sieht aus, als wäre es aus meinem Traum ausgebrochen. Weiß nicht, ob das ein guter Traum war, aber irgendwie surreal kommt mir das alles rüber.

.

Pjöngjang in Fotopose

Allerdings glaube ich, dass die nordkoreanischen Gastgeber dashier eher als einen gelungenen Schnappschuss verstehen würden. Ich meine, natürlich kann man nicht gerade sagen, die Stadt würde in einem Lichtermeer strahlen, aber die Fassadenbeleuchtung sieht doch irgendwie modern aus. Insgesamt würde ich bei diesem Bild, wenn die Kims nicht in der Mitte strahlen würden (im doppelten Sinn), nicht unbedingt als erstes an Nordkorea denken.

.

Feierlaune

Und wenn wir schonmal bei „gelungenen Schnappschüssen“ sind. Dashier wäre wohl auch mit Wohlwollen betrachtet worden. Schließlich sieht man die richtigen Seiten der Häuser, wo die Fassaden schön frisch getüncht sind und die Girlanden schön wehen.

.

Ein Farbklecks

Hier dagegen bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich mein, hier sieht ja nicht nur das Wetter trist aus. Es gibt zwar einen Farbklecks, den man mit Wohlwollen betrachten kann, aber der vermittelt eigentlich nur den Eindruck, man sei nicht ganz fertig geworden. Aber naja, die Geste zählt!

Deutsch-Koreanische Geschichte(n) — Koreakrieg — Aktuelle Analyse — Eine kleine Linkliste


Gleich werde ich das machen, was man am 1. Mai so macht, aber vorher will ich euch auf zwei Dinge aufmerksam machen, die in den letzten Tagen meine Aufmerksamkeit für einige Zeit auf sich gezogen haben, ohne dass sie in irgendeiner Art „hochaktuell“ wären und außerdem noch auf eine druckfrische Analyse hinweisen.

Koreakrieg

Das erste ist eine kleine Fotosammlung. Zu sehen sind qualitativ hochwertige und inhaltlich eindrucksvolle Bilder aus dem Koreakrieg. Ich schreibe nicht gerne zum Koreakrieg, denn ich bin der Ansicht, dass dazu schon alles geschrieben bzw. gesagt wurde, was nötig war und leider noch einiges mehr. Die Bildstrecke hat mir gefallen, weil sie ohne große Aufregung zeigt, was der Koreakrieg war. Mal lagen die Einen in den (Massen-)Gräbern und die Anderen hatten die Gewehre, mal war es umgekehrt. Nur mit Napalm schmissen vornehmlich die ganz Anderen.

Deutsch-Koreanische Geschichte

Außerdem ist mir vor ein paar Tagen eine Dokumentation über den Weg gelaufen (natürlich nicht, Dokumentationen können ja gar nicht laufen), die ein sehr interessantes Kapitel deutsch-koreanischer Geschichte beleuchtet. Es geht um die Schicksale (Ost-)deutscher Frauen, die Beziehungen bzw. Ehen mit nordkoreanischen Studenten hatten, die zum Studium in der DDR weilten und dann nach Nordkorea zurückgerufen wurden.

Die Dokumentation ist nichts Spektakuläres, aber wirft ein einfühlsames Licht auf eine wenig beachtete Episode. Die Dokumentation ist zwar von einem englischen Autor, aber netterweise nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen, so dass man die ganze Geschichte auch verstehen kann, wenn man keine Lust auf englische Filme hat.

Aktuelle Analyse der HSFK

Abschließend habe ich dochnoch was sehr aktuelles. Quasi Frisch aus der PDF-Presse kommt eine aktuelle Analyse von Hans-Joachim Schmidt von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung mit dem Titel: „Nordkorea als Nuklearmacht — Chancen der Kontrolle„. Ich hatte noch keine Zeit, das ganz durchzulesen (sind ja auch immerhin 35 Seite, dafür muss ich mir ein bisschen Zeit nehmen), aber nach dem was die Zusammenfassung und das Inhaltsverzeichnis sagt, dürfte sich die Lektüre lohnen. Außerdem beschäftigt sich der Autor schon seit Jahren v.a. mit den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel und verfügt daher über fundiertes Wissen.

China und Nordkorea: (I) Geschichte der Beziehungen bis 2000


Ich habe mich ja lange drumrum gewunden, aber natürlich weiß ich, dass es eigentlich sein muss und dass es vermutlich auch den Einen oder Anderen interessiert. Daher füge ich mich heute in mein Schicksal (wohl etwas zu große Worte, aber irgendwie empfinde ich das so. In letzter Zeit fühlt sich ja fast jeder berufen sich zu allen möglichen noch so abwegigen Aspekten im Bezug zu China zu äußern, so dass ich kaum noch Lust habe irgendwas zu lesen wo das Wort drin vorkommt, aber der Aspekt ist halt so wichtig, dass ich hier wohl wirklich nicht drumrum komme.) und schreibe mal ein bisschen was über die Beziehungen zwischen China und Nordkorea. Dabei werde ich weniger die aktuellsten Entwicklungen in den Blick nehmen, sondern eher einen allgemeinen Hintergrundartikel schreiben, denn das was man allgemein öfter mal in der Presse liest ist mitunter doch arg verkürzt.

In diesem Rahmen werde ich versuchen zu verdeutlichen wie sich die Beziehungen beider Staaten in der Vergangenheit entwickelt haben, welche Bedeutung Nordkorea für China und vice versa hat, was die Motive in den Beziehungen sind und welche Perspektiven für die Freundschaft (Wenn es denn eine ist) beider Staaten bestehen. Und weil das Thema so umfangreich ist (ein anderer Grund aus dem ich nie so richtig Lust hatte das mal anzugehen) werde ich euch das Ganze in mehreren Happen präsentieren (hab ich mir gerade überlegt habe, nachdem ich angefangen hab mich nochmal ein bisschen (und merken musste, dass das Wort „bisschen“ hier gänzlich fehl am Platz ist) einzulesen). Heute gibt es erstmal die Entwicklung der chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen bis zur Jahrtausendwende.

China als Retter im Koreakrieg

China hat schon seit den Anfangsjahren seiner Entstehung eine essentielle (wenn auch wechselhafte) Rolle für Nordkorea gespielt. Während man sagen könnte, dass die Sowjetunion für die Zeugung der DVRK verantwortlich war, war es China das den Geburtshelfer spielte und dem Land letztendlich den Lebensatem einhauchte. Nachdem sich Kim Il Sung 1950 entschlossen hatte (eigentlich hatte er sich schon früher dafür entschieden, sah aber nun den Zeitpunkt als günstig) Korea mit Gewalt wiederzuvereinigen und daran in letzter Minute von einer massiven UN-Mission unter US-amerikanischer Führung gehindert wurde, sah es bald darauf so aus, als würde die Gegenoffensive der UN-Truppen die Existenz Nordkoreas beenden, bevor sie so richtig begonnen hatte. Binnen weniger Wochen drängten MacArthurs Truppen die Nordkoreaner bis zum Yalu, dem Grenzfluss zu China, zurück. Durch dieses Vorgehen fühlte sich die chinesische Seite bedroht (unter Anderem, weil in der Geschichte Chinas die Mandschurei immer wieder als Einfallstor fremder Mächte (zuletzt der Japaner) gedient hatte und man daher die vorrückenden amerikanischen Truppen mit größtem Misstrauen betrachtete) und Warf eine zunächst etwa 300.000 Mann starke „Freiwilligenarmee“ in die Schlacht. Die schiere Masse an Menschen (denn die Ausrüstung war eher nicht so beeindruckend) genügte um die Niederlage Nordkoreas zu verhindern und die südkoreanischen und UN-Truppen zurückzudrängen. Das Ergebnis ist bekannt, letztendlich wurde die vor dem Krieg bestehende Teilung des Landes wiederhergestellt und verfestigt. Die Unterstützung Nordkoreas kostete etwa 400.000 Chinesen das Leben.

Das Freundschafts- Kooperations- und Beistandsabkommen

Diese mit Blut besiegelte Freundschaft blieb, allerdings mit wechselnder Intensität, bis heute bestehen. Zwischen Kim Il Sung und Mao Tse-tung bestand eine gute persönliche Beziehung und da viele Militärs beider Staaten Seite an Seite gekämpft hatten bestanden auch ansonsten enge Kontakte zwischen den Führungsebenen beider Staaten. Diese Beziehungen erfuhren 1961 im „Treaty of Friendship, Cooperation und Mutual Assistance“ auch eine formal Verankerung. Inhaltlich geht das (grundsätzlich bis heute bestehende) Abkommen recht weit, indem es unter Anderem in Absatz II festlegt:

The Contracting Parties undertake jointly to adopt all measures to prevent aggression against either of the Contracting Parties by any state. In the event of one of the Contracting Parties being subjected to the armed attack by any state or several states jointly and thus being involved in a state of war, the other Contracting Party shall immediately render military and other assistance by all means at its disposal.

Daneben werden auch wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie die Wiedervereinigung Koreas auf „friedliche und demokratische Weise, so wie es dem Interesse des koreanischen Volks entspricht“ festgeschrieben.

Wechselhafte Freundschaft

Jedoch entwickelten sich die Beziehungen unabhängig von diesem Vertrag recht wechselhaft. Nordkorea war nicht gewillt sich in eine einseitige Klientelbeziehung zu einer der beiden Großmächte China und Sowjetunion zu begeben. Mit dem aufbrechen des sino-sowjetischen Gegensatzes Ende der 1950er Jahre und seiner Manifestierung in den 1960ern der sie 1969 an den Rand eines Krieges führte, bot sich für Nordkorea das für beide Seiten von strategischer Bedeutung war, die Gelegenheit, durch geschicktes Lavieren Konzessionen von beiden Seiten zu erlangen. Nach dem Tod Maos und dem Beginn der vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping – vor allem seit den 1980er Jahren – neigte sich Nordkorea allerdings mehr der Sowjetunion zu, da die chinesische Linie nun immer weniger den eigenen ideologischen Vorstellungen von einer guten Außenpolitik entsprach. Auch die chinesische Politik gegenüber Südkorea die Anfangs in einer „ein-Korea-Politik“ bestand, sich dann später zu einer „de-jure-ein-Korea; de-facto-zwei Korea-Politik“ wandelte und in der vollständigen Anerkennung der Republik Korea 1992 gipfelte, konnte der Führung in Pjöngjang nicht gefallen.

Unentschiedenheit nach dem Ende der Sowjetunion

Obwohl sich für Nordkorea mit dem Niedergang des Ostblocks Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre die Grundvoraussetzungen grundsätzlich geändert hatten, versuchte China sich nicht unmittelbar als neuer und alleiniger Patron des immer tiefer in die Krise schlitternden Landes anzubieten. Vielmehr wahrte man von Seiten Pekings ein schwaches Profil und versuchte sich soweit wie möglich aus dem innerkoreanischen Konflikt, aber auch aus dem 1994 erstmals offen auftretenden Streit um Nordkoreas Nuklearprogramm herauszuhalten. So versuchte man in aus der Schusslinie zu bleiben während man sich gleichzeitig alle Alternativen offenhielt (eine Verhalten, das Chinas Außenpolitik in den 1990er Jahren generell kenzeichnete).

Wirtschaftliche Beziehungen: Ebenso wechselhaft wie die politischen

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Nordkorea über die gesamte oben beschriebene Zeitspanne spiegeln in hohem Maß die politischen Verhältnisse zwischen beiden Staaten wieder. Lief es gut zwischen Peking und Pjöngjang nerreichte auch der Handel zwischen den beiden Staaten hohe Anteile an Nordkoreas Außenhandel (bis zu 60 %). Waren die Beziehungen gerade angespannt, wurden auch wesentlich weniger Waren ausgetauscht (ca. 10 %). In der neuen Situation Anfang der 1990er Jahre bis zum Ende des Jahrzehnts blieben die offiziellen Handelszahlen zwischen den Staaten zwar weitestgehend konstant (ganz grob gesagt um eine halbe Milliarde US-Dollar +/-), allerdings gab es daneben zwei Entwicklungen, die aus diesen Zahlen nicht abzulesen sind. Erstens verlangte China (wie auch die Sowjetunion) zum Jahr 1992 harte Währung für die Exporte nach Nordkorea. Aufgrund des Mangels an Handel mit anderen Staaten und der nicht vorhandenen Möglichkeit zum Schulden machen stellte sich dies für Nordkorea kompliziert dar und dürfte einer der Faktoren gewesen sein, die die Wirtschaft des Landes ab 1994 vollends ins Chaos stürzte. Zweitens begann China später wieder große Mengen der Exporte nach Nordkorea in Form von Tauschgeschäften abzuwickeln oder als unentgeltliche Hilfen zu gewähren. Die Menge der auf diesen Wegen gelieferten Güter wird von China nicht bekannt gegeben und taucht in den Statistiken nicht auf. Daher sind die Zahlen über den Handel beider Staaten nur von begrenztem Wert. 1994 soll China aber schon drei Viertel der Energie- und Nahrungsmittelimporte Nordkoreas abgedeckt haben. Während der Nahrungsmittelkrise von 1994-98 gab es darüber einen wachsenden „kleinen Grenzverkehr“ mit dessen Hilfe sich Menschen aus grenznahen Gebieten versorgte und der natürlich auch in keiner Statistik auftaucht. In dieser Zeit scheint die Bedeutung Chinas für Nordkorea weiter zugenommen zu haben, ohne dass strategische Entscheidungen getroffen wurden. Die Hilfen waren eher ad hoc Maßnahmen um den Status quo aufrechtzuerhalten.

Schlussworte etc.

Rein geschichtlich betrachtet hat es also keine langfristige und eindeutige Klientelbeziehung zwischen China und Nordkorea gegeben, allerdings wuchs Chinas Bedeutung fast zwangsweise mit dem Ende der Sowjetunion. China scheint in dieser Zeit jedoch noch nicht beschlossen zu haben, dass Regime in Pjöngjang um jeden Preis zu stützen (ob es das jetzt um „jeden Preis“ tun wird ist natürlich fraglich, allerdings scheint man zumindest einen hohen Preis zu akzeptieren). Die Haltung bis zur Jahrtausendwende war eher eine Abwartende, sich alle Alternative offen haltende.

Was die Motive in den Beziehungen beider Staaten zueinander sind, welche Faktoren dabei in der öffentlichen Betrachtung eher im Hintergrund stehen, darüber werde ich das nächste Mal schreiben, wenn ich wieder Zeit finde mich dem Thema zuzuwenden. Achja, ihr habt vielleicht gemerkt, dass ich hier recht wenig verlinke. Das hat damit zu tun, dass das sehr viel Arbeit wäre ohne euch viel zu helfen, weil das Meiste was ich hier schreibe aus langen PDF Dokumenten kommt. Ich werde nach jedem Beitrag eine allgemeine Leseempfehlung geben, die ein bisschen an das Thema ranführt und am Ende der Serie dann ne recht umfassende Quellensammlung zu dem Thema geben.

Heute möchte ich „North Korean foreign relations in the Post-Cold War world“ von Samuel S. Kim empfehlen. Es reicht natürlich weit über die chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen hinaus aber als Einführung in dieselben ist es trotzdem sehr lesenswert. Generell gibt es glaub ich kaum was Besseres (auch nicht im Geschäft oder der Bibliothek), das man als Einführung zu den Außenbeziehungen Nordkoreas lesen kann.