Ein Strauß voll Buntes (XI): Chinesische Sanktionsliste, Kubanisches Waffenschiff, Pjöngjanger Metro etc. pp.


Lange keinen bunten Strauß für euch mehr gebunden. Das mag damit zu tun haben, dass ich in den letzten Monaten nicht ganz so gut im Auge hatte, was neues zu Nordkorea geschrieben wurde. Ein Glück, dass ich heute mal wieder schlecht geschlafen habe und euch deshalb nächtens ein schönes Sträußchen binden konnte. Und tatsächlich gibt es ein paar Dinge, auf die ich euch mit Freuden aufmerksam mache.

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen...

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen…

Rüdiger Frank: Deutsche und englische Aufsätze

Anfangen möchte ich mit Rüdiger Frank. Der hat löblicherweise mal zur Abwechslung was auf Deutsch geschrieben, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Für den Asia Policy Brief der Bertelsmann Stiftung hat er in „Zwischen atomarer
Aufrüstung und Wirtschaftspragmatismus: Nordkorea im Wandel?“
die Entwicklung Nordkoreas unter Kim Jong Un zusammengefasst und analysiert. Wie meistens bei Frank bilden wirtschaftliche Aspekte einen großen Teil des Aufsatzes aber auch die Nachfolgemethoden Kim Jong Uns und ideologische Veränderungen werden betrachtet. Abschließend plädiert er, wie immer (und wie immer mit meiner vollen Zustimmung), für einen kooperativeren Umgang mit Nordkorea, der die Kräfte der wirtschaftlichen Freiheit im Land fördert und so Wandel induziert.
Daneben hat er auch mal wieder (leider nur in Englisch) seine neuesten Eindrücke von Besuchen in Nordkorea geschildert und zeichnet weiterhin das  Bild eines Wirtschaftssystems im Wandel. So sieht er beispielsweile mittlerweile neben der anhaltenden Entstehung von Verkaufsständen in Pjöngjang auch Veränderungen in anderen großen Städten des Landes. Unternehmen werben mit Marken für sich, Kreditkarten werden häufiger und neue Produkte werden eingeführt. Laut Frank sieht man eine entstehende Mittelschicht. Wie immer sind die beiden Berichte interessant zu lesen, weil sie mit unmittelbaren Beobachtungen angereichert sind und trotzdem zu theoretisch fundierten Aussagen führen.

Den deutschsprachigen Aufsatz werde ich wie immer zu der Seite Deutschsprachige Quellen und jüngere akademische Literatur hinzufügen.

Chinas Sanktionsliste

Vor einigen Tagen wurde in den Medien viel über die Liste Chinas geschrieben, die die Güter beinhaltet, die wegen der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea nichtmehr dorthin exportiert werden dürfen. Den Sachverhalt fand ich durchaus spannend (eindeutiges Signal an Nordkorea! Politikänderung?) aber erstens hatte ich keine Zeit und zweitens zu wenig Ahnung das zu bewerten. Deshalb finde ich es Prima, dass es vom Nautilus Institute jetzt eine Analyse dazu gibt, die sowohl den Inhalt der Liste, als auch die Tatsache, dass diese Liste erstellt wurde (und wie, denn das muss auf oberster politischer Ebene passiert sein) bewertet. Das ist prima, denn die Leute von Nautilus haben Ahnung. Also lest hier nach, wenn euch der Sachverhalt interessiert oder ihr euch die komplette Liste mal anschauen wollt.

Das Waffenschiff aus Kuba. Ein paar neue Infos

Ein weiteres Thema, das wirklich spannend ist, ist die Geschichte um das nordkoreanische Schiff, das mit kubanischen Waffen an Bord im Panamakanal aufgebracht worden ist. Dazu gab es vor ein paar Tagen ein Hearing vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es waren drei Sprecher geladen. Davon hat einer ein sehr spannendes Statement abgegeben und zwei, naja, solala. Solala war einerseits Mary Beth Nikitin, die sich zwar mit der Materie Nordkorea und Proliferation prima auskennt, die aber irgendwie nicht viel zu sagen hatte. Andererseits fand ich auch Maria C. Werlaus Stellungnahme eher so mittelmäßig. Das mag mit ihrem Hintergrund zusammenhängen, denn die Dame arbeitet für so einen Free-Cuba-Verein und dementsprechend geht es ihr hauptsächlich darum, zu beweisen wie bösartig und was für ein fieser Wolf im Schafspelz Kuba doch ist, um Nordkorea geht es ihr nicht so wirklich.
Wirklich spannend dagegen fand ich die Aussage Hugh Griffiths vom Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Er analysiert er nochmal eingehend die auf dem Schiff gefundenen Güter und kommt zu dem Schluss, dass die Behauptung Kubas, der Kram sei zur Reparatur nach Nordkorea geschickt worden, totaler Nonsens sei. Weiterhin mutmaßt er u.a. auf Basis der Frachtdokumente, dass die Waren unter Anwesenheit einer hochrangigen nordkoreanischen Militärdelegation verschifft worden seien. Ein weiterer Anhaltspukt dafür sei die Anwesenheit des nordkoreanischen Luftwaffenchefs, Ri Pyong-chol, des Hauptaufgabe im Einkaufen von Ersatzteilen zu bestehen scheint. Am spannendsten finde ich aber die Schlussfolgerungen über die nordkoreanisch-kubanische Proliferationsbeziehung. Denn der Modus des Schmuggels lege die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein lange eingeübtes System handle, so Griffith.

Rodmans Nordkorea-trip. Doch nicht nur Boulevard

Eigentlich garnicht spannend fand ich die Reise von Dennis Rodman nach Nordkorea. Dass sich das ein kleines Stück weit geändert hat, dafür hat Daniel Pinkston von der International Crisis Group gesorgt. In seinem Blogbeitrag geht er nämlich darauf ein, dass Rodmans reisen durchaus den Startpunkt für zivilgesellschaftliche Kontakte in Nordkorea bilden könnten und damit langfristig zu einer mentalen Öffnung der Bevölkerung beitragen könnten. Stimmt schon, aber ob man dafür unbedingt so ein TamTam machen muss?

Internetseite zur Metro von Pjöngjang

Nicht eben neu, aber trotzdem spannend finde ich eine Internetseite, die ich irgendwie bisher immer übersehen habe. Kann sein, dass einige von euch sie schon kennen, aber ein paar vielleicht nicht und die finden das möglicherweise spannend. Worum sich die Seite „The Pyongyang Metro“ dreht, das könnt ihr euch wohl selbst denken. Aber die Infos, die der Autor da zusammengetragen hat sind so vielfältig und interessant, dass ich dachte, ich weise mal darauf hin. Immerhin gibt es beispielsweise auch jede Menge schöne Fotos von der Verladung der Berliner U-Bahn-Züge und so.

Den Link zu dieser Seite werde ich wie immer der Seite Links zur Selbstrecherche hinzufügen.

Seminar am 11./12.10

Und zum guten Schluss nochmal der Hinweis auf die Veranstaltung „Die deutsche Wiedervereinigung – ein Modell für Korea?“ in der Point Alpha Stiftung Geisa (nähe Fulda). Das relativ günstige zweitägige Seminar bietet ein paar durchaus interessante Referenten und das Thema finde ich auch höchst spannend. Der Preis ist mit 80 Euro (wenn man übernachtet, sonst 60) im Rahmen. Ich hab mein Anmeldeformular auf jeden Fall am Freitag eingeworfen, vielleicht hat ja auch einer von euch Lust zu kommen.

(UPDATE II 19.07.2013): Nicht nur brauner Zucker: Die Entdeckung eines Schiffs mit Raketenteilen wirft neues Licht auf die Kubanisch-Nordkoreanischen Beziehungen


Update II (19.07.2013):

Erstaunlich. Auch Nordkorea nutzt in diesem Fall eine relativ ungewöhnliche Kommunikationsstrategie, indem es sich zu dem Fall äußert. Die Stellungnahme des nordkoreanischen Außenministeriums besagt ungefähr das gleiche, wie es auch die zuvor erfolgte Stellungnahme Kubas beinhaltete: Es handelt sich um veraltete Waffen, die zur Überholung nach Nordkorea geschafft und dann nach Kuba zurückgeliefert werden sollten. Die Durchsuchung des Frachters war ungerechtfertigt und erfolgte unter einem Vorwand.

Diese Forderung ist allerdings relativ illusorisch, wenn man bedenkt, dass sich gleichzeitig Experten des UN-Panels zu den Sanktionen gegen Nordkorea auf den Weg gemacht haben, um das Schiff und die Ladung zu begutachten.

Interessant fand ich auch einen Bericht der Chosun Ilbo (BILD-like, also Vorsicht), nach dem ein ähnlicher Schiffsbesuch Kubas durch einen nordkoreanischen Frachter im vergangenen Jahr erfolgt war. Das ist insofern bemerkenswert, weil laut Bericht solche weiten Strecken mit relativ kleinen Frachtern eigentlich keinen ökonomischen Nutzen ergeben, jedenfalls wenn nur erlaubte Ware transportiert wird. Im Endeffekt ist das allerdings egal, denn was damals auf dem Schiff war, wird niemand mehr herausfinden können.

Update I (17.07.2013):

Dank der kubanischen Regierung sind schnell weitere Details über den vorliegenden Fall bekannt geworden. In einer Stellungnahme gab das kubanische Außenministerium bekannt, bei den Waffen auf dem Frachter Chong Chon Gang handle es sich um veraltete Waffensysteme, die weiterhin Kuba gehörten und nur zur Reparatur nach Nordkorea geschickt worden seien. Bei den insgesamt etwa 240 Tonnen Waffen handle es sich um zwei Volga und Pechora Luftabwehrraketensystemen, neun Raketen in Teilen und Stücken, zwei Mig-21 Jagdflugzeuge und 15 Antriebe für diese Flugzeuge.
Die Tatsache, dass die Transaktion durch verschiedene Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verboten bleibt, ganz unabhängig davon, ob die Waffen jetzt nach Nordkorea verkauft werden sollten, oder nur dort in Reparatur geschickt wurden. Resolution 1718 beschließt

dass alle Mitgliedstaaten die Lieferung, den Verkauf oder den Transfer der nachstehenden Gegenstände an die DRVK, auf direktem oder indirektem Weg, über ihr Hoheitsgebiet oder durch ihre Staatsangehörigen oder unter Benutzung von ihre Flagge führenden Schiffen oder Luftfahrzeugen, und gleichviel ob sie ihren Ursprung in ihrem Hoheitsgebiet haben oder nicht, verhindern werden

worunter alle Waffensystem und Ersatzteile fallen, die auf dem Schiff transportiert genannt werden.

Ein bisschen ungereimt

Allerdings muss ich zugeben, dass ich der Darstellung des kubanischen Außenministeriums noch nicht so ganz glauben kann und will. Bei den vielen Gedanken, die man sich um den Zustand der kubanischen Luftwaffe und über die Auswirkungen der zwei MIG-21 und der 15 Antriebe auf die Wehrfähigkeit des Landes gemacht hat (als wäre es nicht vollkommen egal, ob Kuba im Härtefall zwei MIG mehr oder weniger hätte), hat man nämlich den Zustand der nordkoreanischen Luftwaffe außer Acht gelassen. Zwar sind die nordkoreanischen Flugzeugingenieure für ihr Improvisationstalent bekannt, allerdings fliegt ein Großteil der nordkoreanischen Flugzeuge nicht, weil es reparaturbedürftig ist und Ersatzteile fehlen. Und als ich dann noch „MIG-21“ hörte, erinnerte ich mich an eine andere Geschichte. Vor kurzem wurde nämlich ein geplatzter Deal bekannt, in dem Nordkorea unter der Hand von einem mongolischen Luftwaffengeneral 20 kaputte MIG-21 gekauft hatte, um die eigene Flotte reparieren zu können.
Naja und da frag ich mich, ob man dann, wenn man noch nicht mal für die eigenen Flugzeuge Ersatzteile hat, fremde Flieger unter hohem Risiko ins Land holt, um sie mit relativ geringem Ertrag reparieren zu können. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kubaner ganz legal die Ersatzteile hätten besorgen können und wenn sie selbst dazu nicht in der Lage gewesen wären, hätten auch nordkoreanische Ingenieure ins Land kommen können und die Flieger da reparieren. Für naheliegender halte ich es, dass die Flieger als Ersatzteile gekauft wurden.

Jedenfalls bin ich mit der bisherigen Auflösung der Geschichte noch nicht ganz zufrieden und gespannt, ob jetzt, oder in fernerer Zukunft dazu noch mehr kommt.

Ursprünglicher Beitrag (16.07.2013):

Erst kürzlich habe ich mich mit dem nordkoreanischen Waffenhandel befasst und dabei besonders auf die Praktiken beim Export von schweren Waffen fokussiert, da gibt es deutliche Hinweise, dass diese Waffengeschäfte keine Einbahnstraße sind.
Heute morgen kommen Meldungen aus Panama, nach denen bei der Durchquerung des Panamakanals ein unter nordkoreanischer Flagge fahrendes Frachtschiff aufgebracht wurde, das Raketenteile an Bord gehabt hat. Angaben des panamaischen Präsidenten Ricardo Martinelli zufolge war das Schiff von Kuba aus nach Nordkorea unterwegs und transportierte offiziell braunen Zucker. Die panamaischen Behörden durchsuchten das Schiff an der atlantischen Seite des Kanals, weil sie Drogen an Bord vermuteten. Das aggressive Verhalten der Crew und der Selbstmordversuch des Kapitäns im Laufe der Überprüfung führten dann dazu, dass man sich sicher war irgendetwas an Bord zu finden, was sich dann auch bestätigte. Es handelt sich wohl um noch nicht näher identifizierte, aber technisch ausgefeilte Bauteile für Raketen, die sich in zwei Containern des Schiffes fanden.

Raketenteile Nordkorea

Keine Ahnung was das ist. Brauner Zucker ist es aber jedenfalls nicht (außer man benutzt in Nordkorea seltsame Zuckerstreuer…) (Quelle: Ricardo Martinelli via Twitter. Mit einem Klick auf das Bild kommt ihr zu seinem Tweet).

Rechtslage ist klar

Zum jetzigen Zeitpunkt ist über den Fall noch sehr wenig bekannt und mitunter kann es ein paar Jahre dauern, bis das im Bericht der UN-Expertengruppe auftaucht, die sich mit der Umsetzung der Sanktionen gegen Nordkorea befasst. Allerdings ist die Rechtslage natürlich glasklar: Nordkorea darf keine Raketenteil importieren, das besagt eine ganze Reihe von UN-Resolutionen (in Resolution 1718 in Paragraf 8 a ii findet ihr die geltende Rechtslage dazu). Dementsprechend werden wir auf jeden Fall irgendwann mehr dazu erfahren.

Kuba: Neues Teil in Nordkoreas Proliferationspuzzle

Allerdings gibt es schon jetzt einige interessante Aspekte, auf die näher eingegangen werden kann. Wie Marcus Noland in seiner Analyse zum Bericht des Expertenpanels der VN zu den Sanktionen gegen Nordkorea richtig anmerkte, wurden bisher zwar schon viele Versuche Nordkoreas entdeckt und verhindert, Waffen zu exportieren, allerdings war bis zum jetzigen Zeitpunkt über die Gegenrichtung, also den Import von Materialien zur Entwicklung der Raketen- und Nuklearprogramme des Landes kaum etwas bekannt.
Man wusste zwar, dass Nordkorea auf Hilfe von außen angewiesen war und hatte auch einige Mutmaßungen, woher die Hilfe kommen könnte, aber konkretes war nicht entdeckt worden. Auch tauchte Kuba bei diesen Mutmaßungen bisher eher selten auf. Eigentlich stand hier der Iran im Fokus, manchmal auch Pakistan (aber vielleicht ist das auch dem Zeitgeist geschuldet, der wahre Feind sitzt zurzeit eben nicht so sehr in Havanna, sondern eher in Teheran). Daher könnte die jüngste Entdeckung einen Meilenstein darstellen bei den Versuchen, Nordkoreas Bezugswege für relevante Materialien auszutrocknen oder zumindest so zu erschweren, dass die Fortschritte des Programms maßgeblich verlangsamt und verteuert werden. Daher ist dieser Fund schonmal von besonderer Relevanz.

Beziehungen zwischen Nordkorea und Kuba: Bedeutender als gedacht

Zwar ist es kein Geheimnis, dass Kuba und Nordkorea durchaus gute Beziehungen pflegen, Militärattachés ausgetauscht haben und sich auch mal auf Militärebene gegenseitig besuchen, aber bisher wurde Kuba zumindest öffentlich nicht als eines derjenigen Länder genannt, das zum Proliferationsnetzwerk Nordkoreas gehört. Das dürfte sich jetzt ändern. Auch ich werde künftig die Beziehungen zwischen Kuba und Nordkorea in einem neuen Licht betrachten, bisher hatte ich die nämlich eher als historische Artefakte gesehen, die zwar noch da sind, aber nicht so recht Ergebnisse in der Realität liefern.
Interessant ist aber auch die Koinzidenz zu einem Treffen, das ich unter „Beziehungspflege“ abgelegt hatte, dessen zeitliche Nähe zu der jetzigen Entdeckung aber auf einen direkten Zusammenhang hindeuten könnte. Vor gut zwei Wochen besuchte nämlich eine nordkoreanische Militärdelegation, angeführt vom relativ neuen (aber das ist aktuell ja in Nordkorea fast jeder Militär) Generalstabschef Kim Kyok-sik Kuba und traf dort unter anderem mit Staatspräsident Raúl Castro zusammen. Im Rahmen einer solch hochrangigen Reise dürfte man vermutlich auch, zumindest am Rande, über einen bevorstehenden Transport, der für die Nordkoreaner nicht unwichtig gewesen sein dürfte, gesprochen haben. Vielleicht sollte ich in Zukunft noch genauer hinschauen, wo hochrangige nordkoreanische Militärs so hinfahren…

Die Rolle Kubas bleibt vorher unklar: Produzent, Zwischenhändler oder Umladehafen?

Welche Rolle Kuba letztlich in der Geschichte konkret gespielt hat, muss sich erst noch rausstellen. Ich bin kein Kuba-Experte, allerdings würde es mich wundern, wenn das Land, das direkt vor der Haustür der USA liegt, Nordkorea irgendwelche wichtigen raketentechnischen Entwicklungen voraus hätte (wie allergisch die USA auf weitreichende Raketen in Kuba reagieren, zeigt ja die Sache mit der Kubakrise vor gut 50 Jahren. Daher kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Kubaner etwas mit direktem Raketenbezug (es ist ja von „Raketenteilen“ die Rede) produziert, das die Nordkoreaner nicht selbst besser machen könnten. Daher wäre es für mich durchaus denkbar, dass Kuba nur die Zwischenstation der Güter war und entweder als Zwischenhändler, oder als Umladehafen fungierte, um die Route der Teile zu verschleiern oder den Transport vollkommen unauffällig zu machen. Die Frage wäre dann aber immernoch, wo kam das Zeug her und wie lange spielt Kuba schon eine Rolle in Nordkoreas Transportnetzwerk. Jedenfalls wird der Panamakanal als Nadelöhr in Zukunft vermutlich  noch viel aktiver nach nordkoreanischen Schiffen gescannt werden und vielleicht werden wir in Zukunft dann noch mehr Entdeckungen erleben.

1 + 1 = Pi hoch e x 1000 oder: Wie man Nordkorea, Venezuela, Kuba, Obama und Mini-U-Boote in einer Story unterbringt


Ein Mini-U-Boot das mit einem Selbstmordkommando besetzt ist wird aus einem Mutterschiff zu Wasser gelassen, nähert sich unauffällig seinem Ziel, feuert einem Torpedo ab und fährt dann direkt an das Ziel heran, dort sprengt die Crew das Boot und gibt dem Ziel damit den Gnadenstoß. Der Vorfall hält auch Tage später die Welt in Atem und der Präsident erklärt ihn zur nationalen Katastrophe. — So weit, so bekannt — Nur handelt es sich hier nicht um die neuesten Theorien und Kaffee aufwärm Aktionen rund um den Untergang der Cheonan. Nein, so stellen sich einige Hirnis in den Staaten vor, sei die Bohrinsel Deepwater Horizon gesunken. Natürlich ist die Geschichte noch etwas weiter ausgeschmückt (Obama hat scheinbar irgendwas von SWAT-Teams gesagt, die die Ölbohrinseln im Golf von Mexiko überprüfen sollten. Dies war dann sowas wie ein Elfmeter für den geübten Verschwörungstheoretiker (manche glauben aber auch, dass Obama mit Hilfe der SWAT-Teams die Ölindustrie verstaatlichen wolle) und man musste nur noch ein paar Details drumrum erfinden recherchieren. Sonst noch dabei:

  • Der Kreml in Moskau (Veröffentlichte den Bericht über die böse Tat Nordkoreas)
  • Kuba (Hier legte das Mutterschiff mit dem Mini-U-Boot an Bord ab)
  • Venezuela (Ziel des Mutterschiffes)
  • Amerikanischer Präsident (Sorgte mittels SWAT-Teams für Informationssperre, Nordkorea will ihn vor ein unlösbares Dilemma stellen)
  • Nordkorea (Möchte die Überprüfungskonferenz des Nichtproliferationsabkommens die heute beginnt torpedieren (und natürlich die Bohrinsel))
  • Ein unlösbares Dilemma (Lässt Obama weiter ungehindert Öl in den Golf von Mexiko ausströmen oder nutzt er das einzig wirksame Mittel gegen das Bohrloch die „Nukleare Option“)

Den Rest kriegt man sich wohl alleine zusammengereimt. Außer vielleicht: Wusstet ihr noch nicht, dass das Bohrloch nur durch die Explosion einer thermonuklearen Bombe verschlossen werden kann?

Das haben die Jungs von der European Union Times (lasst euch vom Namen nicht täuschen, das ist echt ein Dreck übelster Sorte. Faschistoide Propaganda garniert mit Verschwörungstheorien (Da wünscht man sich echt manchmal ein Supercomputerhacker zu sein und denen n paar virtuelle Bomben ins Postfach zu legen (Darf man sowas sagen? Ich distanziere mich mal vorsichtshalber davon.)) echt fein hingekriegt, haben sie schön die Nachrichten geguckt, eins und eins zusammengezählt (Nordkorea hat Mini-U-Boote und in den USA sinkt ne Bohrinsel: Wenn es da mal keinen direkten Zusammenhang gibt…) und Pi hoch e mal tausend rausgekriegt. Naja, wenigstens sind so alle Bösewichte in einem Boot: Obama, Kim, Hugo und Fidel/Raul. Ich frag mich nur was der Herr Ahmadinejad an dem Tag gemacht hat (Bisher hab ich noch nirgends gelesen, dass er das Mutterschiff steuert), oder ist er einer von den Guten, weil er ja ein Vorzeigeantisemit ist.

Warum ich euch mit dem Unfug belästige? Ich fands einfach so herrlich abstrus. Wären diejenigen die das rausgefunden haben in Nordkorea geboren, wären sie wahrscheinlich Chefredakteur von KCNA oder so. Aber man soll ja auch nicht schlecht über Hirnis reden. Während manche die „Story“ kommentarlos übernommen haben (Schauts euch trotzdem an. Da gibts nämlich ein Foto des Blogautoren TexasFred, das weitaus mehr für sich spricht, als sein Name), haben andere sofort und blitzgescheit erkannt (denn würde der Kreml seine „kommunistischen Kammeraden“ (O-Ton) ans Messer liefern? Da kann doch was nicht stimmen! (In welchem Jahr leben wir nochmal?)), dass die ganze Sache mit Nordkorea natürlich totaler Quatsch ist. Wer sonst könnte eine solch perfide Tat durchführen, die das Potential hat, die Exxon Valdez zu toppen als — die Umweltschützer natürlich! Aber das ist ne andere Geschichte/Theorie…

Bevor ich eure und meine Zeit weiterverschwende geh ich mich lieber mal abduschen um den Dreck und Gestank den ich in diesen ekligen Ecken des Netzes (ich kann die Frage, die ich mir vor einiger Zeit gestellt habe mittlerweile sicher beantworten: Das Netz muss Ecken haben. Wenn auch keine Manifesten, so doch irgendwie virtuell-metaphysische (wie auch immer). Und wenns keine Ecken sind, sinds halt Löcher, vorzugsweise zu versehen mit dem Attribut „drecks-„, denn wie sollte man dies „Orte“ sonst bezeichnen) loszuwerden und hoffe bei Gott, dass ich da nicht so schnell wieder hinmuss.

Das „isolierte“ Nordkorea — Was ist das eigentlich?


Kim Yong-nam, Nordkoreas Nummer zwei und protokollarischer Staatspräsident hat momentan eine recht stressige Zeit. Nachdem er seine Minitournee durch einige Staaten West- und Zentralafrikas abgeschlossen hatte standen in Pjöngjang einige Besuche auf dem Programm, die so wichtig war, dass der Vertreter Kim Il Sungs auf Erden (jetzt wo ich das schreibe erinnert es mich an irgendetwas, aber keine Ahnung woran…) sich die Ehre gab. Unter anderem traf er sich in der letzten Woche mit einer kubanischen Militärdelegation und am selben Tag mit einer Gesandtschaft des iranischen Außenministeriums. Die Informationen über das Treffen sind naturgemäß recht knapp, allerdings meldete ungefähr zeitgleich die iranische Nachrichtenagentur IRNA, dass für den Sommer dieses Jahres ein Besuch Kim Yong-nams im Iran geplant sei, also sorgt man schonmal dafür, dass es Kim auch in der Zukunft nicht langweilig wird. Diese Woche gabs dann wieder ein Highlight, denn wenn sich schonmal ein Oberhaupt einer UN-Organisation nach Pjöngjang bemüht (und Geschenke bringt), weiß man dies dort auch entsprechend höflich zu behandeln und dementsprechend gabs ein offizielles Zusammentreffen zwischen den Beiden. Damit hatte Kim seine Pflichten in Pjöngjang gerade rechtzeitig erledigt um sich nach Shanghai zu begeben um dort der Eröffnungsfeier der Expo beizuwohnen. Schließlich hat Nordkorea in diesem Jahr die Chance genutzt, auch mal an einer Weltausstellung teilzunehmen (In recht exklusiver Nachbarschaft übrigens. Direkt neben dem nordkoreanischen Pavillon steht nämlich das Irans, naja aber beide Staaten sind ja nun auch schon seit annähernd zehn Jahren Nachbarn — auf der guten alten Achse des Bösen). Tja und wenn man in China ist, dann trifft man natürlich auch wichtige Leute, in diesem Fall den chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Interessant ist in diesem Fall auch, dass Hu sich nach seinem Treffen mit Kim auch mit Südkoreas Lee Myung-bak zusammengesetzt hat. (Ob sich hier wohl eine Art Expo-Diplomatie entwickelt?).

Das alles ist natürlich nicht extrem spektakulär, aber irgendwie fand ich die vielen hochrangigen Aktivitäten Kim Yong-nams doch interessant. Warum? Eines der Worte, dass relativ häufig im Zusammenhang mit Nordkorea genannt/geschrieben wird ist „isoliert“. Da frage ich mich ja glatt: Wie genau definiert man isoliert? Ich hatte mir bisher immer so etwas wie einen starken Mangel an Kontakten zu anderen darunter vorgestellt. So ganz scheint das ja nicht zu stimmen. Man könnte das natürlich etwas verfeinern, indem man das Ganze um ein „von“ erweitert. zum Beispiel – „von gesellschaftlichen Kontakten“ – „vom World Wide Web“ – „von den internationalen Finanzmärkten“ – „von den USA und ihren Verbündeten“. Was ich damit sagen will? Naja, die in den Medien oft herangezogene Isolation nimmt meist Bezug auf eine Art zwischenstaatliche Isolation. Das ist aber die Art von Isolation, die man Nordkorea am wenigsten attestieren kann. Im Endeffekt ist der Begriff nicht mehr und nicht weniger als eine Leerformel, deren Aussage irgendwas ist wie: „Die Idioten versuchen tatsächlich ohne uns westlichen Mächte klarzukommen!“ und das zeigt wiederum einen gewissen Mangel an Reflektion und eine gewisse Überheblichkeit in unseren Breiten. Denn implizit sagt man damit natürlich auch: „Kontakte mit afrikanischen, amerikanischen und asiatischen Staaten zählen nicht.“ Warum die nicht zählen sollen, darüber kann man wohl nur spekulieren, aber es wird wohl was damit zu tun haben, dass es sich bei diesen Staaten um gesetzlose Schurken und Rabauken handelt. Ich möchte hier keinesfalls irgendeinen Staat und sein Vorgehen verteidigen, oft sind es Schurken und Rabauken. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob eine solch arrogante Position es überhaupt möglich macht, eine Verständigung mit solchen (- es sind nicht gerade wenige -) Staaten zu ermöglichen. Gäbe es nur einen oder zwei davon, wäre es wohl keine Probleme, aber wenn die Zahl der Staaten, die wir als „isoliert“ betrachten (nicht von denen zu sprechen, die uns völlig egal sind, weil es winzige Fleckchen in Afrika sind) in die Dutzende geht, dann wird es eben kompliziert. Die Staatenwelt ist nun einmal recht heterogen und unter diesen Voraussetzungen von seinen eigenen Wunschvorstellungen auszugehen ist nicht zielführend. Natürlich kann man versuchen einen Schurken zu zwingen „gut“ zu werden (ich habe mich ja kürzlich schonmal mit den „Guten“, vor allem aber den „Bösen“ beschäftigt). Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren recht eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Vorgehen oft kontraproduktiv ist. Also mein kurzes Statement dazu: Zwang, als einziges Mittel der Politik führt zu nichts (achja: Abwarten und Teetrinken führt zu noch weniger).