Familienzusammenführungen zwischen Süd- und Nordkorea: Tatsächliche und symbolische Bedeutung


Ich muss ja ganz ehrlich zugeben, ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es heute in der eigens dazu errichteten Anlage im Kumgang-Gebirge tatsächlich erstmals seit November 2010 zu Familienzusammenführungen zwischen nord- und südkoreanischen Familien kam (hier gibt es einen Artikel von mir aus dieser Zeit, indem ich die Fakten dazu (stand 11/2009) zusammengetragen habe), die durch den Koreakrieg getrennt worden waren. Heut, am ersten Tag des für sechs Tage angesetzten Ereignisses trafen 140 Südkoreaner, die mit dem Bus in die Anlage gereist waren, mit 180 Verwandten aus dem Norden zusammen. Unter den zusammengeführten Familien waren auch solche, bei denen die Väter als Fischer nach Nordkorea entführt worden waren und sich scheinbar danach dort eingelebt haben. Ich will mich in der Folge kurz mit der tatsächlichen und symbolischen Bedeutung dieses Ereignisses auseinandersetzen und eine Bewertung versuchen.
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Tatsächliche Bedeutung und symbolische Ebenen

Die Familienzusammenführungen betreffen zwar nur eine relativ kleine (und schnell kleiner werdende) Personenzahl, sind jedoch von ihrer humanitären und vor allem symbolischen Bedeutung her nicht zu unterschätzen. In der Vergangenheit waren solche Ereignisse eigentlich immer erstes sichtbares Zeichen einer (vom Norden) angestrebten Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Koreas. Genauso waren Absagen als Signal der Unzufriedenheit des Nordens zu werten.
Aber die symbolische Bedeutung reicht natürlich ein gutes Stück über die Tagespolitik hinaus, denn diese Familien sind sozusagen sichtbarer Ausdruck des Bandes, das beide Koreas zusammenhält. Sie zeigen, dass es noch nicht so lange her ist, dass Korea eins war und koreanische Familien diesseits und jenseits des 38. Breitengrades sich sehen und begegnen konnten, wie sie wollten.
Und damit sind wir schon bei einer weniger positiven symbolischen Ebene der Familienzusammenführungen angelangt. Denn wer sich die Bilder des Ereignisses anguckt, dem wird auffallen, das die Leute die sich da treffen sehr alt sind. Viele Südkoreaner die ihre Verwandten im Norden sehen wollten sind gestorben, ohne dass ihnen das vergönnt war und momentan trifft dieses Schicksal regelmäßig weitere Süd- und Nordkoreaner.
Das sichtbare Band zwischen den Koreas wird dünner und damit wird es auf beiden Seiten der Demilitarisierten Zone immer schwerer werden, den Menschen zu vermitteln, dass Korea wirklich zusammen gehört und wirklich eins ist. Wie im Norden die Stimmungslage ist weiß man nicht, aber im Süden macht sich in den jüngeren Altersgruppen eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der gemeinsamen koreanischen Geschichte breit. Das ist per se nicht schlimm, aber es wird in Zukunft den Umgang mit einem sich wandelnden oder umstürzenden Nordkorea oder gar eine Widervereinigung ungemein erschweren.
Nicht zu vergessen ist bei alldem Symbolischen und Politischen natürlich die menschliche Ebene. Einigen 100 Menschen wird diese Zusammenführung so wichtig sein, wie ich es mir eigentlich garnicht vorstellen kann und wie ich es deshalb auch nicht in Worte fassen werde. Das Glück dieser Menschen für sich genommen ist ein großer Wert und kann mit den anderen Aspekten nicht wirklich abgewogen werden, aber wir wissen alle, dass die darüber schwebenden politischen Bedingungen immer bestimmend dafür sind, ob diese Menschen glücklich sein werden oder nicht.

Bewertung: Symbolik und individuelles Glück als zentrale Elemente

Eine Bewertung der Familienzusammenführungen muss daher auf mehreren Ebenen stattfinden und man darf dieses Ereignis leider nicht zu euphorisch abfeiern.
Auf der tagespolitischen Ebene sind diese Zusammenführungen ohne Zweifel als wichtiges Signal zu sehen, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nichts handfestes (außer eben für die betroffenen Menschen) ist. Wenn die Manöver in Südkorea in Kürze starten, dann kann das Signal, das der Norden hier gesetzt hat sehr schnell vergessen sein. Muss nicht, kann aber.
An die gesamte koreanische Bevölkerung setzt die Zusammenführung zweifelsfrei ein sehr wichtiges Zeichen. Es erinnert alle nach langen Jahren, in denen Konflikt und Spannung zwischen den Koreas dominierten, dass man doch gemeinsame Wurzeln hat und dass man die nicht so einfach abschlagen kann.
Gleichzeitig zeigen die Zusammenführungen aber auch, dass die gemeinsamen Wurzeln langsam verdorren, dass das was eint verschwindet und die Unterschiede immer weiter in den Vordergrund rücken. Allen beteiligten muss klar sein, dass jedes Jahr der Spannung und Konfrontation die Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit mehr und mehr verschwinden lässt. Handeln im Sinne der Versöhnung tut jetzt not, wenn man sich eine solche Versöhnung überhaupt noch wünscht.
Das individuelle Glück der Betroffenen kann man wie gesagt nicht wirklich in dieses Kalkül hereinziehen, aber man kann den Umgang mit diesem Glück betrachten und daraus Schlüsse ziehen. Es steht vollkommen außer Zweifel, dass das Regime in Pjöngjang keinen Gedanken an das Glück dieser Menschen verschwendet. Für die nordkoreanische Führung sind die Familienvereinigungen nichts mehr als Instrumente der Politik. Wenn man ein entsprechendes Signal aussenden will, dann lässt man sie zu, wenn nicht, verzichtet man darauf oder sagt sie sogar kurzfristig ab (was ja noch ein perfideres Spiel mit dem Glück der Menschen ist). Auch im Süden mag es manchmal solche Tendenzen geben, aber ganz so zynisch ist man im Umgang mit Menschen dort nicht. Ich denke der Umgang Pjöngjangs mit den Familienzusammenführungen ist ein plakativer Beleg dafür, wie wenig das Regime sich um das individuelle Wohl seiner Menschen schert.

Die Uhr tickt

Alles in allem sehe ich in den Zusammenführungen vor allen Dingen Symbolik auf verschiedenen Ebenen und individuelles Glück einiger weniger. Die tatsächliche politische Bedeutung der Zusammenführungen ist zu vernachlässigen und sollte nicht überschätzt werden. Aber gleichzeitig sollte die Symbolik ausreichen allen Verantwortlichen klar zu machen, dass ein „Weiter so“ ein Erhalt des Status quos nicht dazu führt, dass alles so bleibt wie es wahr, sondern dass sich für das Koreanische Volk damit die Perspektiven für eine gemeinsame und gute Zukunft immer weiter verdüstern.

Investor gefunden: Chinesische Reiseanbieter nehmen Touren ins Ressort am Kumgangsan auf


Lange nichts mehr gehört vom Tourismus-Resort im Kumgang-Gebirge. Ihr erinnert euch vielleicht: Das Ressort wurde von dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai-Asan (einer Tochter des Hyundai-Konzerns, der hier vor allem durch seine Autos bekannt ist) als einer der tragenden Pfeiler der Sonnenscheinpolitik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jungs aufgebaut. Bis 2008 besuchten über 2 Millionen Südkoreaner die Anlage. Doch dann wurde eine südkoreanische Touristin unter nicht ganz geklärten Umständen von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen und die Touren wurden abgebrochen.

Nordkoreas lange Suche nach Investoren am Kumgangsan

Seitdem diente das Ressort lange Zeit als Spielball der politischen Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul und da seitdem die Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht gerade gut waren, endete die Geschichte (wie es bisher aussieht) auch nicht gerade gut für die südkoreanische Seite. Nordkorea verkündete, dass es die südkoreanischen Besitzer enteignen würde und sah sich seitdem nach anderen Investoren für die Anlage um. Das gelang bisher eher schlecht als recht. Eine Vereinbarung mit einem Unternehmen im Besitz eines Amerikaners koreanischer Abstammung wird in der Realität  wohl kaum umsetzbar sein, denn dazu müssten die US-Behörden zustimmen, was wohl bis auf Weiteres nicht passieren wird. Außerdem gab es im September letzten Jahres noch eine kurze Episode, bei der ein nordkoreanisches „Kreuzfahrtschiff“ (umgebautes Containerschiff. Hier gibts eine Broschüre vom Schiff mit vielen Bildern, das dort als „Large-Size Cargo-Passenger Ship“ charakterisiert wird (ich weiß allerdings nicht von wann die ist. Könnte also sein, dass das noch aus den Zeiten herrührt, als die Mangyongbong 92 noch als Fähre zwischen Nordkorea und Japan diente)) internationale Touristen, aber vor allem Journalisten von Rason aus zu der Anlage im Kumgang-Gebirge brachte.

Was lange währt…: Chinesen richten Touren aus

Nun scheinen die Bemühungen Pjöngjangs aber weitere Früchte zu tragen. Chinesischen Medienberichten zufolge, werde die Anlage im Kumgang-Gebirge bald für chinesische Touristen geöffnet. Die erste Tour, die auch wieder per Schiff von Rason aus starten soll, sei für den 14. April geplant (für diese Zeit plant man ja viel in Nordkorea. Vielleicht können die Chinesen ja dann der Rakete beim fliegen zuschauen). Auch in dem Ressort würden Vorbereitungen getroffen. So soll dort am 15. April ein Duty-free-Shop eröffnen. Die Touristen bräuchten für den Besuch in der Anlage kein Visum. Auf chinesischer Seite würden vier Reiseveranstalter in der Provinz Jilin die Touren exklusiv vertreiben. Dem Bericht zufolge geht die Aufnahme der Touren auf eine Vereinbarung der nordkoreanischen und der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2010 zurück. Damals habe man sich geeinigt, das Gebiet für chinesische Touristen zu öffnen.

Spiegel der südkoreanisch-chinesischen Beziehungen

Das erinnert mich an einen Bericht aus diesem Jahr, nach dem China auf Intervention Südkoreas hin den Verkauf von Touren in das Ressort untersagt habe. Das scheint sich dann wohl jetzt geändert zu haben, nachdem diese Vereinbarung fast zwei Jahre geruht hatte. Vielleicht ist dies auch eine kleine Reaktion Chinas auf den Druck, den Seoul hinsichtlich der Flüchtlingsfrage auf es ausüben möchte. Möglicherweise sieht man zurzeit weniger Veranlassung, auf die Bedürfnisse Seouls Rücksicht zu nehmen.

Der „große Unterschied“…

Ganz witzig fand ich in dem Medienbericht zu den neuen Touren noch ein Zitat eines chinesischen Tourismusverantwortlichen. Er sagte:

The big difference between Mount Kumgang and other scenic spots is that…

[Der große Unterschied zwischen dem Kumgangsan und anderen landschaftlich reizvollen Orten ist, dass…]

und? Was würdet ihr jetzt erwarten? Also ich dachte jedenfalls da käme was vonwegen „unglaubliche Schönheit“ oder „einzigartige Flora“, „größter Wasserfall“, was weiß ich? Aber:

…tourists are not allowed to take mobile phones and professional camera equipment.

[…es Touristen nicht gestattet ist, Handys und professionelle Kameras mitzunehmen.]

Hm, das fände ich aber irgendwie blöd als Tourist, wenn man nicht telefonieren und fotografieren darf. Keine Ahnung, was es damit wohl auf sich hat. Eine gute Werbung ist es jedenfalls nicht.

Hyundai Asan in schwierigem Fahrwasser. Virtuelle Geisel Nordkoreas?


Momentan ist es ja für manche Unternehmen nicht einfach Geschäfte zu machen. Aber nicht alle Schwierigkeiten rühren von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise her. Manche haben auch einfach Probleme, weil sie schwierige Geschäftspartner haben. Ein Paradebeispiel für einen solchen Fall ist Hyundai Asan. Dieses Unternehmen steckt gerade in äußerst schwierigem Fahrwasser. Kein Wunder, wenn man weiß, dass diese Tochter des in Deutschland vor allem für seine Autos bekannten Hyundai Konzerns ist, einzig Geschäfte mit Nordkorea macht. Gleich zwei Meldungen werfen momentan ein kritisches Licht auf den Konzern und seine Zukunft. Einerseits hat der Vorstandschef des Unternehmens für die kommende Woche seinen Rücktritt angekündigt, andererseits droht Nordkorea, die Besitzungen Hyundai Asans im Kumgang Gebirge zu übernehmen und sich neue Geschäftspartner für das Touristenressort, dass als eines der Vorzeigeprojekte der wirtschaftlichen Kooperation zwischen Nord- und Südkorea gilt, zu suchen.

Aber vielleicht macht es zu Beginn Sinn, ein paar Sätze über Hyundai Asan, seine Entstehung und Geschichte zu schreiben (Wer selbst was dazu lesen will, sollte sich die Seite des Unternehmens anschauen. Da gibts viel Lesenswertes). Hyundai Asan hat sich das, für ein Wirtschaftsunternehmen durchaus anerkennenswerte Ziel gesetzt, durch wirtschaftliche Kooperation mit Nordkorea für Verständigung auf der Koranischen Halbinsel zu sorgen (Manchmal fände ich es bei hiesigen Unternehmen auch toll, wenn sie in irgendeiner Form höhere Ziele als Rendite anstreben würden und nicht nur Umweltschutz o.ä. groß auf ihre Fahnen schrieben, weil es gerade opportun und damit werbewirksam ist!). Damit kann es als die Realität gewordene privatwirtschaftliche Ausformung der Sonnenscheinpolitik Kim Dae-jungs gelten. Der schwierige Auftrag wurde dem Unternehmen vom Gründer der Hyundai Gruppe, Chung Ju-yung, ins Stammbuch geschrieben. Dieser war auf dem Gebiet Nordkoreas geboren worden und verspürte dementsprechend eine Verantwortung für das Wohlergehen dem Menschen in Nordkorea und für die Verbesserung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel. Im Jahr 1998, dem Jahr der Amtsübernahme Kim Dae-jungs nahm er Kontakte mit der nordkoreanischen Führung auf und erreichte einen Kontrakt über den Start des Touristenressorts am Kumgangsan (Hierbei soll auch eine symbolische Geste eine Rolle gespielt haben, in deren Rahmen Chung 500 Rinder über die Grenze zu Nordkorea getrieben hat (Was aber nicht der größte Wert gewesen sein dürfte, der für die Aufnahme der Kooperationen an Nordkorea „gezahlt“ werden musste)). Im Jahr 2000, zufällig das Jahr, in dem mit Kim Dae-jung erstmals ein südkoreanischer Präsident  nach Pjöngjang reiste, wurde dann ein Vertrag über die Eröffnung des Kaesong Industrieparks, dem zweiten Vorzeigeprojekt zwischen Süd- und Nordkorea, geschlossen. Die Entwicklung beider Projekte verlief zu Beginn aus verschiedenen Gründen schleppend und war mit vielen Fragezeichen versehen (So war zum Beispiel am Anfang nur eine Anreise per Schiff ins Kumgangsan möglich, was die Kosten erhöhte und die Besucherzahlen begrenzte), jedoch werden (oder wurden bis vor zwei Jahren) sie mittlerweile von Beobachtern als Erfolge gewertet. Im Jahr 2003 wurde allerdings in der Öffentlichkeit bekannt, dass für den Besuch Kim Dae-jungs in Pjöngjang eine Aufwandsentschädigung von 500 Millionen US Dollar von Hyundai nach Pjöngjang geflossen war. Dies brachte einerseits Kim Dae-jungs Sonnenscheinpolitik in Misskredit. Andererseits führte dies dazu (ich habe ja gestern schonmal was über rollende Köpfe und so geschrieben, das gilt wohl auch hier), dass sich der Vorstandsvorsitzende des Hyundai Konzerns, Chung Mong-hun, der Sohn des Unternehmensgründer, von einem zwölfstöckigen Hochhaus in den Tod stürzte. Daraufhin übernahm seine Frau, Hyun Jong-eun, die das Unternehmen bis heute führt, den Vorsitz. In den darauf folgenden Jahren entwickelten sich Geschäfte und Unternehmen etwas ruhiger und warfen in den Jahren 2006 und 2007 sogar Gewinne ab (allerdings ist zu bedenken, dass das Unternehmen auf direktem und indirektem Wege durch den südkoreanischen Staat subventioniert wird). Das änderte sich jedoch mit der Verschärfung der politischen Situation, die nicht zuletzt der härteren Gangart des jetzigen Präsidenten Lee Myung-bak geschuldet ist. Nachdem Mitte 2008 eine südkoreanische Touristin (Park Wang-ja) von einem nordkoreanische Soldaten nahe dem Kumgangsan-Ressort unter bisher noch immer nicht vollständig geklärten Umständen erschossen worden war, wurden die Touren ins Kumgangsan eingestellt und auch andere inzwischen entstandenen Tourismusprojekte, wie Besichtigungstouren in die grenznahe Altstadt von Kaesong wurden beendet. Zwar wurden mittlerweile Verhandlungen um die Wiederaufnahme der Touren abgehalten, jedoch gab es bisher keine konkreten Ergebnisse. Auch bei der Weiterentwicklung des Industrieparks in Kaesong gab es in der jüngsten Vergangenheit wiederholt kleinere Streitigkeiten um Gehälter und den Zugang südkoreanischer Angestellter. Und nun scheinen sich die Umstände weiter in Richtung eines (Super-)Gaus für die unter wirtschaftlichem Druck stehenden Hyundai Asan zu entwickeln. (Mehr zu den beiden Projekten könnt ihr auch auf der Seite des südkoreanischen Ministry of Unification lesen.)

Die erste Meldung betrifft den Rücktritt des Vorstandschefs von Hyundai Asan, Cho Kun-shik. Dieser sagte er wolle die Konsequenzen daraus ziehen, dass es ihm nicht gelungen sei die 2008 beendeten Touren ins Kumgang Gebirge wiederzubeleben. Dem Unternehmen sollen dadurch Einnahmen von etwa 225 Millionen US Dollar entgangen sein. Gleichzeitig wurde die Zahl der Angestellten im Tourismusprogramm um 2/3 reduziert und ihre Löhne um etwa 30 % gekürzt. Der Vorstandschef hatte im vergangenen Juli erklärt, aufgrund einer Kapitalerhöhung von 20  Milliarden Won sei Hyundai Asan in der Lage, eine weitere Durststrecke von etwa zehn Monaten zu überstehen, ohne das die Touren wieder aufgenommen werden würden. (Hm, rechnet man das mal genau durch, sieht Chos Aktion weniger nach Verantwortung übernehmen aus, als nach Ratten und sinkenden Schiffen) In dieser schwierigen Phase muss sich das Unternehmen jedenfalls eine neue Führung suchen, die mit den alten Problemen zu kämpfen hat.

Aber als wären die alten noch nicht genug, scheinen sich ihnen neue Probleme hinzuzugesellen. Nordkorea hat allen Anteilseignern des Kumgangsan Ressorts eine Frist bis zum 25. März gesetzt, in der sie zum Ressort kommen sollten. Die Anteile der Eigner, die die Frist nicht einhielten würden konfisziert. Während die Regierung Südkoreas das Ansinnen des Nordens kategorisch ablehnt, scheint Hyundai Asan noch unentschlossen über das weitere Vorgehen zu sein, ist doch das Kumgangsan ein bedeutendes Besitztum der Firma, dessen Enteignung in diesen finanziell angespannten Zeiten ein weiterer harter Schlag wäre. Wer da wohl nach Nordkorea fahren soll, wenn der Vorstandsvorsitzende von Hyundai Asan nächsten Mittwoch abtritt? Generell zeigt das Vorgehen Nordkoreas aber, dass man in Pjöngjang zunehmend ungeduldig wird und eine Wiederaufnahme der Touren erzwingen will. Ob dies allerdings auf diesem Wege gelingen kann dürfte fraglich sein. Denn was will man mit einem Luxusressort ohne Touristen (Kim und seine Günstlinge dürften davon ja ohnehin genug haben)?

Generell ist Hyundai Asan schon seit seiner Gründung und gerade durch den Erfolg seiner Projekte mehr und mehr zu einer virtuellen Geisel Nordkoreas geworden. Zwar dürfte ein Misserfolg der Projekte Nordkorea nachhaltigen Schaden zufügen. Allerdings beruht das, zumindest was Hyundai Asan angeht auf Gegenseitigkeit. Tja und Hyundai Asan ist eine Tochter eines nicht gerade unbedeutenden Konzerns. Vielleicht glaubt man in Pjöngjang so ein gewisses Druckmittel in der Hand zu haben. Vermutlich wird der Konzern auch aus dieser Krise irgendwie rauskommen, allerdings zeigt dieses Vorgehen Nordkoreas, dass es nicht ohne Risiken ist, in diesem Land Geschäfte zu machen. Daher konterkarieren die Drohungen die Bemühungen, in anderen Teilen des Landes Investoren zu gewinnen.

Ganz ehrlich gesagt, ist es vor allem im wirtschaftlichen Bereich äußerst schwer schlau  aus dem Vorgehen Pjöngjangs zu werden. Während in anderen Bereichen klare Linien zu erkennen sind. Herrscht hier oft gegensätzliche und unklare Politik vor. Ich glaube nicht, dass dies von einem grundsätzlichen nicht-Verstehen (markt-)wirtschaftlicher Zusammenhänge durch Nordkorea herrührt. Was ich mir vorstellen könnte ist, dass es im wirtschaftlichen Bereich Individualinteressen gelungen ist, Einfluss zu gewinnen. Während andere Politikbereiche (alles was mit Außenn- und Sicherheitspolitik zu tun hat) weiterhin fest in der Hand Pjöngjangs liegen, könnte das in diesem Bereich möglicherweise nicht mehr vollständig der Fall sein. Aber wer weiß es schon?

Südkorea untersagt Reise von Gläubigen nach Nordkorea


Laut Yonhap hat die südkoreanische Regierung eine Reise von 4.000 Buddhisten nach Nordkorea untersagt. Vom 30. Januar bis zum 2. Februar war Rev. Jaseung der Führer des Jogye Ordens, der größten buddhistischen Sekte in Südkorea, nach Pjöngjang gereist. Dort hatte er im Rahmen von Gesprächen mit Offiziellen der Buddhist Federation of Korea, der staatlichen buddhistischen Organisation Nordkoreas, Besuchsreisen südkoreanischer Buddhisten vereinbart. Die Reisen sollten ins Kumgang Gebirge führen, wo der buddhistische Singye Tempel steht, der im Koreakrieg zerstört und mit Hilfe des Jogye Ordens von 2002 bis 2007 wieder aufgebaut wurde. Nicht lange nach der Eröffnung des Tempels waren die Touristentouren von Südkoreanern ins Kumgang Gebirge beendet worden, nachdem eine Touristin von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen worden war. Neben dem Besuch des Tempels sollten auch Gespräche über weiteren Austausch auf der Agenda stehen. Das südkoreanische Ministry of Unification empfahl den Buddhisten nun allerdings von der Reise abzusehen. Dazu wurde folgende Begründung geliefert:

With the current state of inter-Korean relations uncertain, such a large scale visit to Kumgang Mountain to contact working-level (North Korean) counterparts does not seem relevant […] Therefore, we requested the Jogye order to refrain (from the visit).

Bei dem unsicheren Status der Beziehungen sind also Kontakte auf Arbeitsebene nicht relevant. Aha, hört sich irgendwie so an, als wäre jemand angefressen, dass die eigenen Gespräche um die Wiederaufnahme der Touristentouren gescheitert sind, andere aber scheinbar erfolgreicher sind. Die Selbstverständlichkeit, mit der die südkoreanische einer nicht staatlichen Gruppe eine Reise nach Nordkorea untersagt macht gleich mehrere Tatsachen deutlich:

  1. Dieses Vorgehen verdeutlicht, dass der Geist des Kalten Krieges in gewissem Maß noch auf beiden Seiten der DMZ weht. Zivilgesellschaftliche Freiheiten werden den Interessen des Staates unterworfen, wenn es um Nordkorea geht.
  2. Die südkoreanische Regierung scheint momentan die Zügel fest in der Hand halten zu wollen. Man möchte nicht das Risiko eingehen, dass gesellschaftliche Kontakte zu Ergebnissen führen könnten, die die eigene politische Linie konterkarieren.
  3. Wenn Südkoreas Regierung das will, kann sie gesellschaftlichen Gruppen bestimmte Vorgehensweisen gegenüber Nordkorea untersagen. Das wirft ein interessantes Licht auf die Episoden mit den Propagandaflugblättern, die von südkoreanischen Aktivisten via Luftballons nach Nordkorea geschickt wurden. Hier stritt die Administration nicht ein. Folglich wollte man nicht einschreiten und folglich hatten die wütenden verbalen Attacken Nordkoreas gegen die südkoreanische Regierung im Kern etwas Wahres. Die Aktionen wurden geduldet und hätten verhindert werden können.

Wie gesagt, mich überrascht das Vorgehen der südkoreanischen Regierung etwas. Scheinbar traut man sich nicht, dem autoritären System in Pjöngjang vollständige bürgerliche Freiheit als Gegenmodell gegenüberzustellen. Mal sehen ob es im Bezug auf diese Vorgänge in den nächsten Tagen noch mehr Infos gibt. Hier könnte ich mir Kritik aus eher „Sonnenscheinorientierten“ Gruppen der Gesellschaf vorstellen.

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