Familienzusammenführungen zwischen Süd- und Nordkorea: Tatsächliche und symbolische Bedeutung


Ich muss ja ganz ehrlich zugeben, ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es heute in der eigens dazu errichteten Anlage im Kumgang-Gebirge tatsächlich erstmals seit November 2010 zu Familienzusammenführungen zwischen nord- und südkoreanischen Familien kam (hier gibt es einen Artikel von mir aus dieser Zeit, indem ich die Fakten dazu (stand 11/2009) zusammengetragen habe), die durch den Koreakrieg getrennt worden waren. Heut, am ersten Tag des für sechs Tage angesetzten Ereignisses trafen 140 Südkoreaner, die mit dem Bus in die Anlage gereist waren, mit 180 Verwandten aus dem Norden zusammen. Unter den zusammengeführten Familien waren auch solche, bei denen die Väter als Fischer nach Nordkorea entführt worden waren und sich scheinbar danach dort eingelebt haben. Ich will mich in der Folge kurz mit der tatsächlichen und symbolischen Bedeutung dieses Ereignisses auseinandersetzen und eine Bewertung versuchen.
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Tatsächliche Bedeutung und symbolische Ebenen

Die Familienzusammenführungen betreffen zwar nur eine relativ kleine (und schnell kleiner werdende) Personenzahl, sind jedoch von ihrer humanitären und vor allem symbolischen Bedeutung her nicht zu unterschätzen. In der Vergangenheit waren solche Ereignisse eigentlich immer erstes sichtbares Zeichen einer (vom Norden) angestrebten Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Koreas. Genauso waren Absagen als Signal der Unzufriedenheit des Nordens zu werten.
Aber die symbolische Bedeutung reicht natürlich ein gutes Stück über die Tagespolitik hinaus, denn diese Familien sind sozusagen sichtbarer Ausdruck des Bandes, das beide Koreas zusammenhält. Sie zeigen, dass es noch nicht so lange her ist, dass Korea eins war und koreanische Familien diesseits und jenseits des 38. Breitengrades sich sehen und begegnen konnten, wie sie wollten.
Und damit sind wir schon bei einer weniger positiven symbolischen Ebene der Familienzusammenführungen angelangt. Denn wer sich die Bilder des Ereignisses anguckt, dem wird auffallen, das die Leute die sich da treffen sehr alt sind. Viele Südkoreaner die ihre Verwandten im Norden sehen wollten sind gestorben, ohne dass ihnen das vergönnt war und momentan trifft dieses Schicksal regelmäßig weitere Süd- und Nordkoreaner.
Das sichtbare Band zwischen den Koreas wird dünner und damit wird es auf beiden Seiten der Demilitarisierten Zone immer schwerer werden, den Menschen zu vermitteln, dass Korea wirklich zusammen gehört und wirklich eins ist. Wie im Norden die Stimmungslage ist weiß man nicht, aber im Süden macht sich in den jüngeren Altersgruppen eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der gemeinsamen koreanischen Geschichte breit. Das ist per se nicht schlimm, aber es wird in Zukunft den Umgang mit einem sich wandelnden oder umstürzenden Nordkorea oder gar eine Widervereinigung ungemein erschweren.
Nicht zu vergessen ist bei alldem Symbolischen und Politischen natürlich die menschliche Ebene. Einigen 100 Menschen wird diese Zusammenführung so wichtig sein, wie ich es mir eigentlich garnicht vorstellen kann und wie ich es deshalb auch nicht in Worte fassen werde. Das Glück dieser Menschen für sich genommen ist ein großer Wert und kann mit den anderen Aspekten nicht wirklich abgewogen werden, aber wir wissen alle, dass die darüber schwebenden politischen Bedingungen immer bestimmend dafür sind, ob diese Menschen glücklich sein werden oder nicht.

Bewertung: Symbolik und individuelles Glück als zentrale Elemente

Eine Bewertung der Familienzusammenführungen muss daher auf mehreren Ebenen stattfinden und man darf dieses Ereignis leider nicht zu euphorisch abfeiern.
Auf der tagespolitischen Ebene sind diese Zusammenführungen ohne Zweifel als wichtiges Signal zu sehen, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nichts handfestes (außer eben für die betroffenen Menschen) ist. Wenn die Manöver in Südkorea in Kürze starten, dann kann das Signal, das der Norden hier gesetzt hat sehr schnell vergessen sein. Muss nicht, kann aber.
An die gesamte koreanische Bevölkerung setzt die Zusammenführung zweifelsfrei ein sehr wichtiges Zeichen. Es erinnert alle nach langen Jahren, in denen Konflikt und Spannung zwischen den Koreas dominierten, dass man doch gemeinsame Wurzeln hat und dass man die nicht so einfach abschlagen kann.
Gleichzeitig zeigen die Zusammenführungen aber auch, dass die gemeinsamen Wurzeln langsam verdorren, dass das was eint verschwindet und die Unterschiede immer weiter in den Vordergrund rücken. Allen beteiligten muss klar sein, dass jedes Jahr der Spannung und Konfrontation die Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit mehr und mehr verschwinden lässt. Handeln im Sinne der Versöhnung tut jetzt not, wenn man sich eine solche Versöhnung überhaupt noch wünscht.
Das individuelle Glück der Betroffenen kann man wie gesagt nicht wirklich in dieses Kalkül hereinziehen, aber man kann den Umgang mit diesem Glück betrachten und daraus Schlüsse ziehen. Es steht vollkommen außer Zweifel, dass das Regime in Pjöngjang keinen Gedanken an das Glück dieser Menschen verschwendet. Für die nordkoreanische Führung sind die Familienvereinigungen nichts mehr als Instrumente der Politik. Wenn man ein entsprechendes Signal aussenden will, dann lässt man sie zu, wenn nicht, verzichtet man darauf oder sagt sie sogar kurzfristig ab (was ja noch ein perfideres Spiel mit dem Glück der Menschen ist). Auch im Süden mag es manchmal solche Tendenzen geben, aber ganz so zynisch ist man im Umgang mit Menschen dort nicht. Ich denke der Umgang Pjöngjangs mit den Familienzusammenführungen ist ein plakativer Beleg dafür, wie wenig das Regime sich um das individuelle Wohl seiner Menschen schert.

Die Uhr tickt

Alles in allem sehe ich in den Zusammenführungen vor allen Dingen Symbolik auf verschiedenen Ebenen und individuelles Glück einiger weniger. Die tatsächliche politische Bedeutung der Zusammenführungen ist zu vernachlässigen und sollte nicht überschätzt werden. Aber gleichzeitig sollte die Symbolik ausreichen allen Verantwortlichen klar zu machen, dass ein „Weiter so“ ein Erhalt des Status quos nicht dazu führt, dass alles so bleibt wie es wahr, sondern dass sich für das Koreanische Volk damit die Perspektiven für eine gemeinsame und gute Zukunft immer weiter verdüstern.

UPDATE (02.09.2013): Die Causa Bae vor der Lösung — USA schicken Gesandten nach Nordkorea, um US-Bürger zu befreien


Update (02.09.2013): Wer die Nachrichten (oder die Kommentare unter diesem Betrag (Danke Werner für den Hinweis)) aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass es keine Berichte über einen Besuch Robert Kings gab, bzw. dass gemeldet wurde, dass Nordkorea King wieder ausgeladen habe.
Mittlerweile hat die nordkoreanische Seite auch eine Erklärung darüber abgegeben, was der Grund für den abrupten Kurswechsel war. Nach Aussage eines Sprechers des Außenministeriums, hätten die USA durch die Teilnahme von (nuklearwaffenfähigen) B-52 Bombern am Militärmanöver Ulchi Freedom die positive Atmosphäre für einen humanitären Dialog zerstört. Außerdem äußerte der Sprecher Unverständnis darüber, dass die USA von dem Vorgehen „überrascht“ gewesen seien. Denn man habe vorab die US-Seite über den „New-Yorker Kommunikationskanal“ (Nordkoreas Botschafter bei den Vereinten Nationen, über den häufig Kommunikation zwischen beiden Seiten läuft) über die Gründe des Vorgehens informiert.

Ein bisschen überrascht bin ich von dieser Entwicklung schon. Ich hatte gedacht, der Deal sei schon eingetütet, aber es zeigt sich mal wieder wie wahr im Falle Nordkorea meine Abschlussphrase „unverhofft kommt oft“ ist. Und bei näherer Betrachtung liegt eine bestimmte Interpretation der wahren Hintergründe auch relativ nahe.
Die Geschichte mit den B-52 ist nur  vorgeschoben. Vermutlich sind wirklich welche davon über den koreanischen Luftraum geflogen, aber da das keiner an die große Glocke gehängt hat, hätte das eigentlich auch niemand gewusst, hätten die Nordkoreaner das nicht aufs Tapet gebracht.
Der eigentlichen Ursache kommt man vermutlich schon näher, wenn man sich anguckt, was ich unten zur Bedeutung Baes für die nordkoreanische Strategie gegenüber den USA geschrieben habe. Bae ist eine der wenigen Optionen, über die die Nordkoreaner schnell und einfach mit den USA ins Gespräch kommen können. Gleichzeitig kündigte Robert King an, nur schnell nach Nordkorea zu fliegen, Bae zu holen und wieder abzudampfen. Für Pjöngjang hätte das bedeutet, den wichtigen Joker einfach so „wegzuschenken“. Vermutlich wollte man die USA zu weiterer Kommunikation bewegen, was wohl schiefging und am Ende stand dann das Ergebnis, das wir jetzt sehen. Ähnlich sehen das auch die Autoren von der Hankyoreh in dieser schönen Analyse.

Damit ist die Möglichkeit Bae frei zu bekommen noch nicht verstrichen, allerdings wissen die USA jetzt, was der Preis ist und dass Nordkorea den Mann vermutlich nicht günstiger wird ziehen lassen. Den Sprung über den langen Schatten, den ich unten beschrieben habe, müssen die USA wohl immernoch vollziehen, wollen sie ihren Bürger retten. Ob sie es tun, steht erstmal in den Sternen, aber wir werden vermutlich bald mehr wissen und wenn nicht, dann ist das schlecht für Kenneth Bae.

Ursprünglicher Beitrag (28.08.2013): Nachdem aus Nordkorea vor zwei Wochen eindeutige Signale kamen, dass man Kenneth Bae gerne loswerden wolle, reagiert Washington jetzt. Wie gestern bekannt wurde, planen die USA eine kleine Delegation um Robert King, den Sondergesandten der US-Regierung für Menschenrechte in Nordkorea, ab Freitag nach Pjöngjang zu schicken, um Bae zu befreien. Dieses Vorhaben dürfte recht große Chancen auf Erfolg haben, denn die durch Bae vor zwei Wochen kommunizierte Forderung lautete, dass ein „hochrangiger Vertreter“ der US-Regierung nach Pjöngjang kommen und sich im Namen der USA entschuldigen solle, dann, so Bae in einem Video, sei er sicher freigelassen zu werden.
Kenneth Bae war im November letzten Jahres in Nordkorea festgenommen worden und im Mai zu 15 Jahren Arbeitslager wegen Verbrechen gegen den Staat verurteilt worden. Sein konkretes Vergehen waren wohl missionarische Aktivitäten im Land. In letzter Zeit waren Sorgen um Baes Gesundheitszustand laut geworden, nachdem er deutlich abgemagert in ein Krankenhaus eingeliefert worden war.

Großer Sprung über den Schatten

Die Freilassung Baes (interessanterweise liege ich grundsätzlich in diesem Fall mit dem mir ansonsten absolut unerträglichen Doug Bandow auf einer Linie, der u. a. argumentiert, es sei nicht der Job der US-Regierung, Leute zu befreien, die Gesetze anderer Länder brechen), die wohl kaum noch in Frage steht, ist ein weiteres Signal der Entspannung aus Pjöngjang. Ich hatte nicht erwartet, dass es so schnell zu einer Einigung im Fall Bae kommen würde. Dabei habe ich allerdings nicht die nordkoreanische Seite, sondern die USA als Hindernis gesehen, denn es ist schon ein relativ großer Sprung über den eigenen Schatten, einen Gesandten als Bittsteller nach Nordkorea zu schicken. Allerdings sah man wohl keinen anderen Weg, Bae zu befreien, denn ansonsten hätte man dem nordkoreanischen Ansinnen wohl nicht so nachgegeben.

Entspannungssignale aus Pjöngjang

Die Reise Kings kommt jedoch in einer Phase, in der Nordkorea sehr darum bemüht ist, die zuvor unglaublich angespannten Beziehungen mit Südkorea und den USA in eine positivere Richtung zu lenken. Während es mit dem Süden zu einer rasanten Verbesserung der Beziehungen kam und nach den Fortschritten in der Frage des Kaesong-Industrieparks auch das seit Jahren geschlossene Tourismusressort am Kumgangsan in den Blick beider Seiten rückte, gab es mit den USA bisher nicht wirklich Fortschritte. Zwar signalisierte Nordkorea durch sein Lockerbleiben bei den jüngsten Militärübungen der USA und Südkoreas eindeutig den Willen zur Verbesserung der Beziehungen, allerdings gibt es momentan kaum gemeinsame Ansatzpunkte mit den USA.

Bae als Joker zur Kontaktaufnahme mit den USA

Kenneth Bae ist einer der wenigen Joker des Nordens, die kurzfristig Wirkung entfalten können. Daher wird man King vermutlich auch nicht so ruckzuck wieder entschwinden lassen, sondern vielmehr ein paar Gespräche zwischen ihm und nordkoreanischem Führungspersonal einfädeln, bei denen der Wille der nordkoreanischen Führung zum Ausgleich (wie Ernst das gemeint ist und wie lange dieser Wille Bestand haben wird, steht auf einem anderen Blatt) mit den USA unmittelbar an die US-Administration herangetragen werden wird.

Wie es weiter geht, entscheiden die USA

Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass es nachdem King mit Bae in die USA zurückgekehrt ist, schnell weitere Gespräche geben wird, denn damit würde die US-Regierung eingestehen, dass sie tatsächlich nach dem Drehbuch Pjöngjangs handelt und sich von den Strategien der nordkoreanischen Führung steuern lässt. Allerdings ist es andererseits durchaus verlockend, die Chance zu ergreifen und zu versuchen, dauerhafte Fortschritte mit der immerhin veränderten und verjüngten Führung in Pjöngjang zu erzielen, selbst wenn dieses Spiel in der Vergangenheit schon häufiger mal danebenging. Wir werden uns wohl noch ein paar Tage gedulden müssen und der im Falle Nordkoreas allzuoft wahren Phrase „unverhofft kommt oft“ nachhängen.

Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel (III): Grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea


Klickt auf das Bild und findet die anderen Artikel der Serie, die bisher erschienen sind.

Nikola Medimorec

Der dritte Teil der Serie behandelt die grenzüberschreitenden Projekte von Russland, China und Südkorea mit Nordkorea. Hierbei geht es nicht zu sehr ins Detail, weil die vorgestellten Projekte in der Planung bzw. Umsetzung sind und sich so noch viele Veränderungen vollziehen können. Darüber hinaus ist das Thema mit seiner Mischung aus wirtschaftlichen und politischen Interessen sehr komplex. Vielmehr soll mit dem dritten Teil der Serie „Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel“ das Grundprinzip verdeutlicht werden, um die Bedeutung dieser Projekte verstehen zu können.

Das andere Korea

Südkorea ist eigentlich eine Insel. In drei Himmelsrichtungen von Meer umschlossen und im Norden ist die Grenze mit Nordkorea. Das führt zu absurden Überlegungen wie Tiefseetunnel nach Japan und sogar nach China. Die einzige Möglichkeit für die Expansion von Verkehrswegen ist in Richtung Norden, was unter den bestehenden Umständen nur wenige Kilometer über die Grenze möglich ist.

Die Karte zeigt vorhandene und fehlende Bahnverbindungen zwischen Süd- und Nordkorea. (Quelle: LEE, SUNG-WON (2010): Integrated Transport and Logistics Infrastructure Development for Northeast Asia: With Special Emphasis on Korean Peninsula, S. 17.)

Die Sonnenschein-Politik Südkoreas in der vorigen Dekade engagierte sich primär für grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea. Diese sollten für mehr Stabilität, Sicherheit und Annäherung sorgen. Die Wiederherstellung der Schienen- und Straßenverbindung der Kyungui-Linie nördlich von Seoul nach Kaesong (mit der Verlängerung nach Pyongyang), der Aufbau des Kaesong Industriekomplexes und die Entwicklung des Touristenressorts in der Bergregion Geumgang über die Ostküste zählen zu den Projekten. Heute wird nur noch die Autobahn Nr. 1 (oder auch Unification Highway genannt) zum Transport von Gütern und Personen zwischen Südkorea und Kaesong genutzt. Nachdem eine südkoreanische Touristin vom nordkoreanischen Militär im Gebiet von Geumgang erschossen wurde, wurden diese Touren suspendiert. In den fünf Jahren waren um die 300.000 Touristen dort. Ob man Kaesong als Erfolgsmodell bezeichnen kann, ist schwierig zu beurteilen. Die Infrastruktur wurde komplett von Südkorea gestellt und es ist eine Möglichkeit für südkoreanische Betriebe billig Produkte herstellen zu lassen. Die Zahl von Arbeitern und gefertigten Produkten steigt, aber ursprünglich war geplant, dass bis 2012 ca. 730.000 Nordkoreaner dort arbeiten. Diese Zahl wirkt illusionär, wenn man betrachtet, dass es heute nur 50.000 Arbeiter sind. 2008 suspendierte Nordkorea jeglichen Zugtransport von Kaesong in Richtung Süden. Aber der Gütertransport per Schiene hat sich wegen dem geringen Produktionsvolumen nie wirklich gelohnt. Auf der Westverbindung operieren nur noch Lkws, die Rohstoffe anliefern und mit fertigen Produkten wiederkommen. Als eine weitere Verbindung zwischen dem Norden und Süden könnte außerdem noch eine Schienen- und Straßenverbindung im Innern der Halbinsel durch einen Wiederaufbau von jeweils weniger als 30 km hergestellt werden.

Russland

Russland ist vor allem daran interessiert den Hafen von Rajin zu benutzen, weil es der nördlichste, über das Jahr komplett eisfreie Hafen an der Westpazifik-Küste ist. 2001, als sich King Jong-Il und Vladimir Putin trafen, wurde der Grundstein für dieses Projekt gelegt. Mittlerweile ist die ca. 52 km lange Schienenstrecke mit Mehrschienengleise (wegen der untersch. Spurbreite) fertiggestellt und ab Oktober 2012 sollen dort Gütertransporte durchgeführt werden. Außerdem spielt Russland eine signifikante Rolle in der Stabilität und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, weil Russland mit beiden Teilen gute Beziehungen unterhält. Das zeigt sich vor allem durch die Planung der Gas-Pipeline, die von Russland durch Nordkorea nach Südkorea verlaufen soll. Die Bedeutung dieses Projekts für eine Annäherung ist extrem hoch.

Bei den Nachbarn sehr begehrt. Der Hafen von Rajin. (Quelle: Google Earth)

Rohstoffhungriges China

Chinas Intentionen sind relativ klar: Ressourcen und Wirtschaftswachstum. China investiert sehr viel in Nordkorea. Es ist kein Geheimnis, dass China Nordkorea am Leben erhält. Die Investitionen lassen sich in zwei Arten einteilen: Förderung von Ressourcen und Ausbau der intranationalen Infrastruktur. Dazu kommt unter dem Schlagwort „Chang-Ji-Tu“ mehrere Projekte, die für Nordkorea bedeuten, dass China viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur stecken wird und dafür die Rechte auf bestimmte Bodenschätze erhält. Die Grenzgebiete Chinas würden wirtschaftlich von Kooperationen mit Nordkorea profitieren. Autobahnen und Grenzübergänge sind bereits auf chinesischer Seite realisiert. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist in Planung. Aber auf nordkoreanischer Seite läuft die Umsetzung viel langsamer ab und scheitert teils schon in der Planungsphase bei Verhandlungen oder Finanzierungsfragen. China ist wie Russland auch an der Nutzung von Rajin bzw. anderer Häfen an der koreanischen Ostküste interessiert. Die Straßenverbindung von der chinesischen Region Jilin bis nach Rajin sind verbessert worden und 2011 wurde chinesische Kohle über Land nach Rajin und dann per Schiff nach Shanghai transportiert.

 Grenzüberschreitende Projekte: Schwierige Aufgaben mit großem Potential

Die grenzüberschreitenden Projekte zeigen, wie schwer es unter den aktuell gegeben Umständen, also bei fehlender Stabilität, Sicherheit und Frieden, ist, zwischenstaatliche Kooperationen mit Nordkorea aufzubauen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, was für ein Potential Nordkorea in der Zukunft unter den Bedingungen einer freien Marktwirtschaft hätte. Für die wirtschaftliche Entwicklung der grenznahen Regionen Chinas und Russlands sind diese Kooperationen vorteilhaft und für Nordkorea überlebenswichtig. Jedes dieser Projekte wird wichtiger Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Entwicklung eines wiedervereinten Koreas.

 

Alle dargestellten Inhalte sind nur ein Abriss meiner Abschlussarbeit „Reunification Through Transport. Lessons from the German Transport Unity Transport Projects for the Korean Peninsula“. Wer sich für die Quellen, mehr Details, weitere Ausführungen interessiert und das gesamte Bild der Verkehrswegestruktur kennenlernen möchte, kann meine Abschlussarbeit unter folgendem Link erwerben: http://www.lulu.com/shop/nikola-medimorec/reunification-through-transport-lessons-from-the-german-unity-transport-projects-for-the-korean-peninsula/ebook/product-20282587.html

Investor gefunden: Chinesische Reiseanbieter nehmen Touren ins Ressort am Kumgangsan auf


Lange nichts mehr gehört vom Tourismus-Resort im Kumgang-Gebirge. Ihr erinnert euch vielleicht: Das Ressort wurde von dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai-Asan (einer Tochter des Hyundai-Konzerns, der hier vor allem durch seine Autos bekannt ist) als einer der tragenden Pfeiler der Sonnenscheinpolitik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jungs aufgebaut. Bis 2008 besuchten über 2 Millionen Südkoreaner die Anlage. Doch dann wurde eine südkoreanische Touristin unter nicht ganz geklärten Umständen von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen und die Touren wurden abgebrochen.

Nordkoreas lange Suche nach Investoren am Kumgangsan

Seitdem diente das Ressort lange Zeit als Spielball der politischen Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul und da seitdem die Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht gerade gut waren, endete die Geschichte (wie es bisher aussieht) auch nicht gerade gut für die südkoreanische Seite. Nordkorea verkündete, dass es die südkoreanischen Besitzer enteignen würde und sah sich seitdem nach anderen Investoren für die Anlage um. Das gelang bisher eher schlecht als recht. Eine Vereinbarung mit einem Unternehmen im Besitz eines Amerikaners koreanischer Abstammung wird in der Realität  wohl kaum umsetzbar sein, denn dazu müssten die US-Behörden zustimmen, was wohl bis auf Weiteres nicht passieren wird. Außerdem gab es im September letzten Jahres noch eine kurze Episode, bei der ein nordkoreanisches „Kreuzfahrtschiff“ (umgebautes Containerschiff. Hier gibts eine Broschüre vom Schiff mit vielen Bildern, das dort als „Large-Size Cargo-Passenger Ship“ charakterisiert wird (ich weiß allerdings nicht von wann die ist. Könnte also sein, dass das noch aus den Zeiten herrührt, als die Mangyongbong 92 noch als Fähre zwischen Nordkorea und Japan diente)) internationale Touristen, aber vor allem Journalisten von Rason aus zu der Anlage im Kumgang-Gebirge brachte.

Was lange währt…: Chinesen richten Touren aus

Nun scheinen die Bemühungen Pjöngjangs aber weitere Früchte zu tragen. Chinesischen Medienberichten zufolge, werde die Anlage im Kumgang-Gebirge bald für chinesische Touristen geöffnet. Die erste Tour, die auch wieder per Schiff von Rason aus starten soll, sei für den 14. April geplant (für diese Zeit plant man ja viel in Nordkorea. Vielleicht können die Chinesen ja dann der Rakete beim fliegen zuschauen). Auch in dem Ressort würden Vorbereitungen getroffen. So soll dort am 15. April ein Duty-free-Shop eröffnen. Die Touristen bräuchten für den Besuch in der Anlage kein Visum. Auf chinesischer Seite würden vier Reiseveranstalter in der Provinz Jilin die Touren exklusiv vertreiben. Dem Bericht zufolge geht die Aufnahme der Touren auf eine Vereinbarung der nordkoreanischen und der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2010 zurück. Damals habe man sich geeinigt, das Gebiet für chinesische Touristen zu öffnen.

Spiegel der südkoreanisch-chinesischen Beziehungen

Das erinnert mich an einen Bericht aus diesem Jahr, nach dem China auf Intervention Südkoreas hin den Verkauf von Touren in das Ressort untersagt habe. Das scheint sich dann wohl jetzt geändert zu haben, nachdem diese Vereinbarung fast zwei Jahre geruht hatte. Vielleicht ist dies auch eine kleine Reaktion Chinas auf den Druck, den Seoul hinsichtlich der Flüchtlingsfrage auf es ausüben möchte. Möglicherweise sieht man zurzeit weniger Veranlassung, auf die Bedürfnisse Seouls Rücksicht zu nehmen.

Der „große Unterschied“…

Ganz witzig fand ich in dem Medienbericht zu den neuen Touren noch ein Zitat eines chinesischen Tourismusverantwortlichen. Er sagte:

The big difference between Mount Kumgang and other scenic spots is that…

[Der große Unterschied zwischen dem Kumgangsan und anderen landschaftlich reizvollen Orten ist, dass…]

und? Was würdet ihr jetzt erwarten? Also ich dachte jedenfalls da käme was vonwegen „unglaubliche Schönheit“ oder „einzigartige Flora“, „größter Wasserfall“, was weiß ich? Aber:

…tourists are not allowed to take mobile phones and professional camera equipment.

[…es Touristen nicht gestattet ist, Handys und professionelle Kameras mitzunehmen.]

Hm, das fände ich aber irgendwie blöd als Tourist, wenn man nicht telefonieren und fotografieren darf. Keine Ahnung, was es damit wohl auf sich hat. Eine gute Werbung ist es jedenfalls nicht.

Hyundai Asan soll Tourmonopol am Kumgangsan verlieren — Aber die Tür bleibt einen Spalt offen


Das Regime in Pjöngjang scheint nicht mehr zu erwarten, dass die touristische Kooperation am Kumgangasan mit dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai Asan so bald wieder aufgenommen wird. Gestern veröffentlichte KCNA ein Statement des Korea Asia-Pacific Peace Committee (KAPPC), nach dem Hyundai Asan sein Monopol auf Touren zum Kumgangsan verlieren soll. Nach Ansicht des KAPPC sei die nordkoreanische Seite aufgrund des Vertragswerks über die  Touren und auf Basis internationalen Rechts, hierzu berechtigt. Ich kenne das Vertragswerk nicht und werde auch nicht vollkommen schlau aus dem Inhalt des Statements, aber klar ist, dass Pjöngjang die Tür für Hyundai Asan weiterhin offen halten möchte, aber das Gebiet im Zweifel auch ohne das Unternehmen touristisch nutzen will.

In this regard it informed the Hyundai side of its stand that it may terminate the validity of the provision of the agreement on tour of Mt. Kumgang signed with the Hyundai side which calls for granting it monopoly over the tour, the DPRK may take charge of the tour through the areas of the north side and entrust an overseas businessman with the tour and the Hyundai group may continue conducting the tour through the areas of the south side and formally handed an official document related to it to the side.

Ob das Gerede vom Gelände  der nördlichen Seite, dass der Norden nun übernehmen möchte und der südlichen Seite, die weiterhin Hyundai vorbehalten soll streng geographisch gemeint ist, oder sich möglicherweise auf die Gebäude bezieht, die von Hyundai errichtet wurden, wird hier meiner Meinung nach nicht wirklich klar (vielleicht in der koreanischen Version der Nachricht, aber die kann ich ja nicht lesen).

In dem Statement wird weiterhin die südkoreanische Regierung bezichtigt, dass nicht Sicherheitsbedenken der Grund für das lange Ruhen der Touren seien, sondern die generelle politische Linie. Ganz falsch ist das vermutlich auch nicht. Zwar war die Erschießung einer südkoreanischen Touristin ein nachvollziehbarer Grund, die Touren auf Eis zu legen und natürlich ist es Aufgabe der südkoreanischen Regierung, ihre Bürger auf solchen Touren zu schützen. Aber wenn man nicht bereit ist, mit dem Norden über die Sicherheitsbedenken zu sprechen, ist auch ziemlich klar, dass die nie ausgeräumt werden können.

Was ich außerdem noch interessant finde ist die Nennung eines unbekannten „overseas businessman“ der Interesse an der Ausrichtung von Touren in den nördlichen Gebieten haben soll. Da kann man natürlich nur raten, aber immerhin hat Koryo Tours im letzten Jahr schon einmal eine Reise zum Kumgangsan im Programm gehabt. Zwar scheint Nicholas Bonner, der Chef des Unternehmens, in Peking zu wohnen, aber ursprünglich ist er Brite und damit schon irgendwie ein „overseas businessman“. Aber vielleicht ist es auch ganz wer anderes.

Unabhängig davon ist das Ganze natürlich nicht gerade gut für Hyundai Asan. Ich habe mich ja schon öfter mal mit dem Unternehmen befasst, dass Teil des Hyundai Firmenkonglomerats ist (anders als Hyundai-Motors) und zurzeit eigentlich etwas perspektivlos dasteht. Es wurde schließlich gegründet, um Kooperationsprojekte mit Nordkorea durchzuführen und die stehen gerade nicht besonders hoch im Kurs. Dementsprechend schreibt Hyundai Asan seit Jahren Millionenverluste und hat mittlerweile begonnen, sich neue Tätigkeitsfelder zu suchen (etwas worin man in Nordkorea Erfahrungen sammeln konnte: Entwicklungshilfeprojekte). Das ist vermutlich auch vernünftig so, denn zumindest solange Lee Myung-bak im Blauen Haus sitzt (das soll keine einseitige Anklage sein, aber die Positionen Lees und Pjöngjangs liegen nunmal so weit auseinander, dass es unwahrscheinlich ist, dass man sich irgendwo treffen kann), sind Kooperationen nach wie vor unwahrscheinlich. Das Statement zeigt aber auch, dass Pjöngjang weiß, was es an Hyundai Asan hat und dass man sich da nicht alles verbauen möchte, indem man Hyundai Asan als Punchingball benutzt. Gewisse Gebiete bleiben dem Konzern vorbehalten und wenn sich die politische Situation nochmal ändert, scheint man in Pjöngjang zu hoffen, mit Hyundai an alte Kooperationen anknüpfen zu können:

Trust and cooperation between the DPRK and the Hyundai Group will go on in the future, too, and the DPRK remains unchanged in its stand to realize the desire of the south Koreans to tour Mt. Kumgang.

Aus Sicht des Regimes in Pjöngjang schließlich wäre es irgendwie ja auch dumm, dieses touristische Pfund was man da nunmal hat, auf unbestimmte Zeit brachliegen zu lassen. Scheinbar ist man ja daran interessiert mehr Touristen ins Land zu bekommen. Und da muss man halt auch was bieten.

Die Familienzusammenführungen: Ein (strategisches) Zeichen Pjöngjangs. Mehr nicht.


Am vergangenen Wochenende hatten erstmals seit etwa einem Jahr Familien, die im Koreakrieg getrennt wurden und von da an in den verfeindeten Bruderstaaten lebten, die Gelegenheit, sich auf dem eigens dafür errichteten Gelände im Kumgangsan zusammenzufinden. Wie es bei solchen Anlässen ganz natürlich ist, gab es viele Emotionen, die von Freude über das lange erwartete Wiedersehen bis zur Trauer über die kurze gemeinsame Zeit, die den Verwandten vergönnt war, reichten (Hier geht’s zu dem ausführlichen Beitrag, den ich anlässlich der Treffen im Jahr 2009 geschrieben habe).

Keine humanitären Gründe, sondern Symbolwirkung als Hintergrund

An den Zusammenführungen lässt sich immer wieder gut ablesen, welches unermessliche menschliche Leid die seit Jahrzehnten anhaltende, fast hermetische Trennung des koreanischen Volk über viele Menschen auf beiden Seiten der Grenze gebracht hat. Was sich aber auch gut ablesen lässt, ist, dass die Zahl derer, die direkte familiäre Bindungen in den jeweils anderen Teil des Landes hat, täglich abnehmen dürfte. Es wird vermutet, dass von den 80.000 Menschen, die sich in Südkorea ursprünglich für ein Treffen mit Verwandten in Nordkorea hatten registrieren lassen, mittlerweile über die Hälfte verstorben ist. Mit dieser Generation dürfte auch ein Teil der direkten emotionalen Bindung, die zwischen den Menschen der Koreas besteht, sterben. Zwar besteht auch ohne diese direkten Bindungen das Gefühl fort, dass die Teilung überwunden werden muss, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein eher abstraktes Gefühl das Gleiche ist, wie der Wunsch, sein Lebensende mit Brüdern und Schwestern aus dem anderen Korea zu verbringen. Nichtsdestotrotz war es für die Mitglieder der 110 Familien, die  sich bis vorgestern getroffen haben sicherlich eine unglaublich wichtige Angelegenheit. Für diejenigen, die ihre Verwandten  bisher nicht wiedersehen konnten dürfte es allerdings nicht mehr als einen Hoffnungsschimmer sein, denn bisher waren die Treffen immer ein Zeichen des Entgegenkommens aus Nordkorea, dass aber bei veränderter politischer Großwetterlage genauso plötzlich ein Ende fand wie es zuvor begonnen hatte. Das Problem bei den Familienzusammenführungen ist, dass man sich bisher nicht auf eine Institutionalisierung der Treffen einigen konnte, so dass sie einzig von individuellen Entscheidungen der Führung in Pjöngjang abhingen. Da man im Norden aber auch weiß, dass die (PR-)Wirkung der Treffen nachlässt, wenn es sie ständig gibt, dürfte die Zahl selbiger auch in Zukunft begrenzt bleiben und ist eine Institutionalisierung unwahrscheinlich (da müsste schon einiges bei rumkommen für Pjöngjang).

Von  den Toten auferstanden: Für tot erklärte südkoreanische Soldaten nahmen teil

Die Entscheidung für die Treffen ist von Seiten des Nordens weniger aus dem Wunsch heraus entstanden, den Menschen etwas Gutes zu tun, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass man Annäherung wünscht. Die Menschen und ihre Emotionen sind dem Regime wohl herzlich egal, sie sind wie so oft nur Mittel zum Zweck zum Erreichen übergeordneter Ziele. In diese Kategorie dürfte wohl auch die Tatsache fallen, dass auf den Treffen vier ehemalige Soldaten der südkoreanischen Armee auftauchten, deren Schicksale nach dem Koreakrieg nicht geklärt waren und die zwischenzeitlich für tot erklärt wurden. Was genau die Führung in Pjöngjang  mit dieser „Vorführung“ bezweckt hat ist nicht klar, aber ein Ziel dürfte es gewesen sein, dem Süden die Tatsache unter die Nase zu reiben, dass Soldaten der Armee Südkoreas nach dem Krieg freiwillig in Nordkorea geblieben sind. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Frage der entführten Südkoreaner im Norden, denn es kann der Führung in Pjöngjang als Beleg dafür dienen, dass wirklich Südkoreaner freiwillig im Norden blieben, was die offizielle nordkoreanische Lesart bezüglich aller in Nordkorea befindlichen Südkoreaner ist.

PR-Aktion und strategisches Werkzeug. (Viel) mehr nicht

Alles in Allem sollte man die Familienzusammenführungen als Zeichen der Annäherung nicht überbewerten. Es ist einfach eine PR-Maßnahme des Nordens, von der man weiß, dass sie immer ein großes Echo erzielt, weil es von solchen Ereignissen immer so tolle Fotos und Anekdoten zu berichten gibt, die ideal für die mediale Verwertungsmaschinerie sind. Eigentlich sind diese Treffen genauso ein Werkzeug in der strategischen Trickkiste des Regimes wie beispielsweise Rakten- oder Atomtests. Nur eben auf der entgegengesetzten Seite der Klaviatur. Beide sind öffentlichkeitswirksame Ausdrücke der Stimmung in Pjöngjang und beide zielen nicht zuletzt auf die Emotionen der Menschen ab. Die Einen sollen Angst erzeugen, die anderen Glück, Hoffnung und Freude. Naja, wie gesagt. Diejenigen die von Pjöngjangs Zeichen profitieren konnten dürfen sich glücklich schätzen, aber im großen Bild wird deutlich, dass sich am strategischem Vorgehen des Regimes nicht das Geringste geändert hat.

China untersagt den Verkauf von Touren zum Kumgangsan-Ressort


Kürzlich habe ich darüber berichtet, dass chinesische Reiseanbieter Touren verkauft haben, die unter anderem zum Kumgangsan führen sollen. Dies kann als erster Schritt Nordkoreas gesehen werden, nach neuen Partnern für die Nutzung des Touristenressorts im Kumgangsan zu suchen. Das Ressort war als Kooperationsprojekt mit der südkoreanischen Hyundai Tochter Hyundai Asan errichtet worden und bis 2008 waren über zwei Millionen südkoreanische Touristen dorthin gereist. Nachdem ein nordkoreanischer Soldat aber eine südkoreanische Touristin erschossen hatte wurden die Touren abgebrochen und nicht wieder aufgenommen. Seit Ende letzten Jahres verschärfte Nordkorea den Ton bezüglich des Kooperationsprojekts und fror die südkoreanischen Besitzungen dort ein. Nun scheinen die chinesischen Behörden Reiseanbietern untersagt zu haben, weiterhin Reisen zum Kumgangsan zu verkaufen. Diese Order soll vom nationalen Tourismus Büro Chinas ergangen sein und eine Reaktion auf eine Anfrage des südkoreanischen Ministeriums für Kultur, Tourismus und Sport darstellen. China respektiere alle relevanten Rechte südkoreanischer Unternehmen  und hoffe, dass bestehende Unstimmigkeiten durch den interkoreanischen Dialog geklärt werden könnten.

Damit hat Südkorea die Chancen Hyundai Asans wohl etwas verbessert, die Touren zum Kumgangsan irgendwann wieder aufnehmen zu können. Gleichzeitig sind Nordkoreas Chancen gesunken, einen anderen Partner für das Ressort zu finden und so auf diesem Weg wieder Einnahmen zu erzielen.

Nächster Halt Kaesong? Nordkorea zieht die Daumenschrauben an.


Nordkorea hält seine Drohkulisse gegenüber den Kooperationsprojekten mit Südkorea aufrecht. Nachdem man die Zusammenarbeit mit südkoreanischen Firmen am Kumgangsan für beendet erklärt hatte, sind nun nordkoreanische Offizielle zu Inspektionen im Industriepark in Kaesong unterwegs. Die Tatsache erinnert natürlich an die drohend klingenden Worte, die der Norden im Zuge der Erklärung der Enteignungen im Kumgangsan von sich gab. Dort wurde nämlich darauf hingewiesen, dass auch die Aktivitäten im Industriepark in Kaesong noch einmal vollständig auf den Prüfstand gestellt werden könnten. Teil der Inspektionsgruppe ist unter anderem ein direkt von der National Defense Commission entsandter Mann. Dies deutet darauf hin, dass die Entscheidung für die Inspektionen auf oberster Ebene getroffen wurde. Im Jahr 2008 als es zum letzten Mal zu einer solche überraschenden Inspektion kam, wurden kurz darauf die Transportverbindungen von Südkorea nach Kaesong stark eingeschränkt. Daher ist der Besuch wohl ein schlechtes Omen für die Nord-Süd-Kooperation.

Generell habe ich mich schon ab und zu gefragt, was Nordkorea daran hindern würde, bei Bedarf die Grenzen dicht zu machen, zu sagen: „Danke für den Industriepark aber wir brauchen euch jetzt nicht mehr“ und dann die Südkoreaner mit nem Arschtritt nach Hause zu schicken (oder auch nicht, aber das würde dann vermutlich so richtig Ärger geben). Bis jetzt ist mir kein wirklich stichhaltiger Grund eingefallen, der Nordkorea daran hindern würde. Vielmehr würde es dem Politikstil Pjöngjangs entsprechen. Das Einzige was dem im Wege Stünde wäre wohl, dass dann alle Register gegenüber dem Süden gezogen wären. Aber naja, vielleicht gibt es ja doch einen guten Grund, der mir nur nicht eingefallen ist…

Einreise chinesischer Touristen nach Nordkorea wird einfacher. Nächster Halt Kumgangsan?


Es wurde ja viel über Tourismus in Nordkorea gesprochen in der letzten Zeit. Dabei ging es vornehmlich um die Schwierigkeiten, die momentan rund um das Nord-Süd-Kooperationsprojekt am Kumgangsan bestehen. Heute gibt es dazu ein paar neue Meldungen. Es wird berichtet, dass Nordkorea vier Arbeiter die für die Instandhaltung des Zentrums, in dem die Familienzusammenführungen durchgeführt wurden, zuständig waren, aufgefordert wurden das Land zu verlassen. Es wird vermutet, dass der Norden so den Druck  auf Seoul erhöhen will. Gleichzeitig gibt es aber die (meiner Meinung nach wesentlich interessantere) Meldungen chinesischer Medien, dass eine erste Gruppe chinesischer Touristen, die mit einem Touristenvisum nach Nordkorea eingereist ist, in Pjöngjang eingetroffen ist. Zwar gab es auch schon bisher chinesische Touristen in Nordkorea (die Zahl wird mit etwa 20.000 pro Jahr angegeben), allerdings konnten diese nur mittels Geschäftsvisum einreisen, was die Reise ins Nachbarland scheinbar mit einem erheblichen administrativen Aufwand verknüpfte. Nun sind die Reisen einfacher zu bewerkstelligen und es wird daher mit einer Zunahme des Tourismus aus China gerechnet. Allerdings seien die Kapazitäten der nordkoreanischen Seite begrenzt. Bisher findet die Anreise auf dem Luftweg statt, was zu dem relativ hohen Preis von 5280 Yuan (754 US-Dollar) führt. Künftig soll aber eine Anreise mit der Bahn angeboten werden, wodurch die Preise auf etwa 3000 Yuan sinken würde.

Die Zunahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und Nordkorea, die vor allem in den letzten Monaten zu bemerken ist erstaunt mich immer wieder. Da scheint ein beträchtlicher politischer Wille auf beiden Seiten zu bestehen, die nordkoreanische Wirtschaft anzukurbeln. Vermutlich ist das eine bedeutende Säule des Plans Nordkorea bis zu Kim Il Sungs 100tem 2012 zu einer aufblühenden und mächtigen Nation zu machen. Naja und sollte sich die Situation um das Ressort am Kumgangsan weiter zuspitzen, würde dieses eine Möglichkeit bieten, die Kapazitäten Nordkoreas für die Aufnahme chinesischer Touristen beträchtlich zu steigern. Ein Schelm der Böses dabei denkt, aber ein Zufall ist es bestimmt nicht, dass die ersten chinesischen Urlauber mittels Touristenvisum nach Nordkorea einreisen, während sich gleichzeitig der Streit um das Touristenprojekt am Kumgangsan verschärft. Wie es weiter geht? Wir werden sehen.

Die Luft wird dünner am Kumgangsan…Jedenfalls für Südkoreaner!


Am Donnerstag wurde via KCNA bekanntgegeben, dass Nordkorea die südkoreanischen Besitzungen im Bereich des Kumgangsan enteignen und die Touren in Zusammenarbeit mit einem (ungenannten) anderen Betreiber schnellstmöglich wieder aufnehmen wolle. In einem ersten Schritt soll das Familienzusammenführungscenter, das Feuerwehrgebäude und einige weitere Immobilien, die sich im Besitz des südkoreanischen Staates oder ihm indirekt (wie die südkoreanische Tourismusorganisation) verbundener Institutionen befinden, vom nordkoreanischen Staat übernommen werden. In weiteren Schritten sollen dann die, von privaten Unternehmen (allen voran natürlich Hyundai-Asan) betriebenen, Teile des Kumgangsan-Ressorts enteignet werden. Die Schuld für diese Zuspitzung schiebt die nordkoreanische Seite (wie das ja kaum anders zu erwarten war) der südkoreanischen Regierung zu. Dabei versucht man auch Rechtfertigungen im Rahmen des internationalen Rechts zu finden. Dementsprechend wird die Enteignung als Kompensation für entgangene Gewinne und bereitgestellt Leistungen beschrieben. Es sei in der internationalen Geschäftswelt Usus, dass Verträge die über längere Zeit nicht erfüllt würden ihre Gültigkeit verlören. Am Schluss der Erklärung  verweist Nordkorea außerdem noch darauf, dass

In case the south Korean conservative group continues mocking at the sincere efforts of the DPRK and defiling them and escalate confrontation with the DPRK quite contrary to the spirit of the joint declarations and the desire of the nation, we will reexamine the work in the Kaesong Industrial Zone in an all-round way.

Man scheint also gewillt, im Zweifel auch den zweiten großen Erfolg der Sonnenscheinpolitik Kim Dae-jungs, den Kaesong-Industriepark auf den Prüfstand zu stellen.

Über die exzessive Verwendung des Worts „puppet“

(An der Erklärung an sich, die in der üblichen KCNA-Rhetorik verfasst ist, hat mich besonders die exzessive Verwendung des Begriffs „puppet“ begeistert. Ich meine, natürlich, der Begriff ist auf jeden Fall die Nummer Eins unter den Bezeichnungen für die südkoreanische Regierung. Aber spätestens ab der achten Nennung hätte ich mir mal ein bisschen Abwechslung gewünscht. „Warmonger“ oder sowas, wobei das in dem Kontext natürlich nur begrenzt gepasst hätte.)

Schuldige und Opfer

Aber zurück zum Thema. Die südkoreanische Regierung protestierte natürlich gegen das Vorgehen und forderte Nordkorea auf, bestehende Probleme durch Dialog zu klären. Allerdings hat die Regierung in Seoul wenig bis gar nichts in der Hand, dass das Regime in Pjöngjang von seinem Vorhaben abhalten könnte. Dementsprechend klingen die Appelle des Vereinigungsministeriums recht hilflos. Der Verweis auf eine Problemlösung durch Dialog scheint die einzige Idee zu sein, die den Strategen im Ministerium eingefallen ist. In Anbetracht der Tatsache, dass eine solche Problemlösung während der letzten zwei Jahre nicht zu Stande kam, was wohl nicht allein der Position Nordkoreas, sondern auch der harten Haltung der Regierung um Lee Myung-bak zuzuschreiben sein dürfte, klingt ein Verweis auf Dialog doch recht hohl. Aber aus Sicht der Regierung in Seoul gibt es ja auch nicht viel zu verlieren am Kumgangsan und dementsprechend halten sich die Bemühungen bisher in Grenzen. Anders ist das dagegen für Hyundai Asan. Dem Konzern könnte eine Enteignung der Besitzungen mit einem Wert im dreistelligen Millionenbereich (US-Dollar) existentielle Schwierigkeiten bereiten. Daher hat Hyundai-Asan den Aufforderungen des Regimes in Pjöngjang, am Kumgangsan zu erscheinen Folge geleistet und dementsprechend fordert man (auch recht hilflos) nun weitere Gespräche. Gleichzeitig tauchen aber Gerüchte auf, dass ein chinesischer Investor das Projekt am Berg Kumgang weiterbetreiben könnte. Dies würde einerseits zu der starken Zunahme chinesischer Geschäftsaktivitäten in Nordkorea vor Allem seit Beginn des Jahres passen. Andererseits würde es helfen den Schritt Nordkoreas zu erklären, denn in diesem Fall dürfte man sich weitere Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft versprechen, während man gleichzeitig etwas Druck auf die südkoreanische Seite entfalten könnte. Unterdessen fielen an der Börse in Seoul die Kurse südkoreanischer Unternehmen mit Geschäften in Nordkorea, da sich diese in einem Geschäftsumfeld bewegen, das so unsicher ist wie seit langem nicht mehr.

Kaesong als nächstes auf der Liste

Weiterhin von Bedeutung scheint der Verweis auf den Industriepark in Kaesong zu sein. Hier zeichnet die nordkoreanische Regierung eine „road-map“ darüber, was passieren wird, sollte die Regierung in Seoul nicht von ihrer harten Position abweichen. Zwar ist das ganze bisher nur eine Drohung, allerdings ist die Tragweite derselben wesentlich größer als die des Vorgehens am Kumgangsan. In Kaesong sind über 40.000 nordkoreanische Arbeiter angestellt und der Park dürfte für mehr südkoreanische Unternehmen von großer Bedeutung sein, als das Projekt am Kumgangsan. Gleichzeitig würden Einschränkungen hier aber auch die Einnahmen Pjöngjangs empfindlich beschneiden. Daher ist abzuwarten, ob es sich bei dieser Drohung nicht eher um einen Bluff handelt. Allerdings machen die Ereignisse am Kumgangsan eine solche Drohung recht glaubwürdig.  Es dürfte jedoch noch einige Zeit dauern, bis Nordkorea diese wahrmachen würde. Vorerst kann man die Schmerzen der südkoreanischen Unternehmen am Kumgangsan instrumentalisieren und abwarten, ob sich in Seoul etwas tut. Auch die Aufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche würde es vorerst verhindern, dass sich in Kaesong entscheidendes tut. Also bleibt vorerst mal wieder nur Abwarten und Tee trinken.

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