Robert Park auf dem Weg der Besserung: Er redet wieder — Sehr viel!


Lange Zeit war es still um Robert Park, dem US-amerikanischen Missionar mit koreanischen Wurzeln, der Ende letzten Jahres nach Nordkorea einreiste, um ein Zeichen der Liebe zu setzen (oder sowas). Nachdem er etwa einen Monat später in die Freiheit entlassen worden war, gab es außer einem, offensichtlich auf etwas seltsamen Wegen zustande gekommenen (und noch in Gefangenschaft entstandenem) Interview mit der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA, eigentlich keine ernstzunehmenden Informationen von Park.

Nun scheint sich sein Zustand soweit gebessert zu haben, dass er über das Erlebte mit den Medien sprechen kann. Die Betonung liegt auf den. Ich bin gestern zufällig über ein Interview mit ihm gestolpert (interessanterweise bei der Falun-Gong Zeitung Epoch Times, aber Park wird sich wohl sagen: „Hauptsache religiös“) und hab dann ein bisschen weitergeguckt. Ohne viel Suchen habe ich vier verschiedene Interviews gefunden, die vor etwa einer Woche innerhalb recht kurzer Zeit entstanden sind. Das mit der Epoch Times (ins Deutsche übersetzt) und der Chosun Ilbo sogar an einem Tag in denselben Räumen. Gerade habe ich gemerkt, dass das Interview mit AP auch in denselben Räumlichkeiten stattfand, nur an einem anderen Tag (andere Klamotten). Außerdem hat er dem Christian Broadcasting Network (mehr muss ich dazu wohl nicht sagen), noch ein Telefoninterview gegeben (ca. 10 Min.), dass man hier nachhören kann.

Und, was hatte Park zu sagen? Eigentlich nicht so viel. Über das Erlebte könne und wolle er nicht sprechen, da die Folter und der Missbrauch zu traumatisch seien (ähnliche Kommunikationsstrategie wie Lee und Ling, nur dass die nichts von Folter und Missbrauch zu berichten hatten). Als er ins Land gekommen sei habe er den Nordkoreanern erzählt, die Amerikaner, die Südkoreaner und Jesus würden sie lieben, um dann ein Kirchenlied anzustimmen. Das Interview bei KCNA sei ihm mit Gewalt abgezwungen worden und man müsse die Bemühungen verstärken, Kim Jong Ils Regime zu stürzen, wofür auch er alles tun werde. Außerdem hatte er bei allen Interviews einen Ordner mit Bildern von hungernden Kindern und so dabei.

Was mir auffiel: Seine Lethargie scheint er abgelegt zu haben, seine Auftritte waren ganzschön energiegeladen und er kann wirklich gut reden. Außerdem scheint er sich im Vorfeld recht genau überlegt zu haben, was er wohl sagen würde. Wie sonst hätte er es wohl geschafft, dass in allen Interviews die fast wortgleiche Aussage:

As a result of what happened to me in North Korea, I’ve thrown away any kind of personal desire. I will never, you know, be able to have a marriage or any kind of relationship

zitiert wird. Naja, wird sich wohl überlegt haben, was am besten passt und das schön auswendig gelernt zu haben. Auf jeden Fall scheint Park die nordkoreanischen Behörden ganz besonders extrem geärgert zu haben mit seinem Liebesgerede. Denn wie man bei dem AP-Interview nachlesen kann, wurden weder Ling und Lee, noch der kürzlich freigelassene Aijalon Mahli Gomes misshandelt, gefoltert oder gar missbraucht. Letzterem wurde von einem Arzt in den USA sogar attestiert, er sei „superbly“ behandelt worden. Aber wie gesagt. Wahrscheinlich sind die Nordkoreaner bei dem ganzen Kirchenlied-Gesinge von Park einfach ausgeflippt…

Welchen Zweck er mit seiner Interview-Offensive verfolgt ist mir noch nicht ganz klar. Anders als Laura Ling scheint Park noch kein Buch geschrieben zu haben, dass neben der Bewältigung des Erlebten sicherlich auch ein nettes Nebeneinkommen bieten würde. Aber mir scheint er auch tatsächlich ein Überzeugungstäter zu sein. Er glaubt an das was er macht, versucht sich jetzt zu einem Märtyrer zu stilisieren und an die Spitze einer „Wir-beten-Nordkorea-kaputt-Kampagne“ zu stellen. Meiner Meinung nach ist das nicht besonders erfolgversprechend (Einen weiß ich schonmal, der sich davon nicht überzeugen lässt. Der Autor von Monster Island scheint Park das ganze Buhei, das er verursacht hat, sowie sein Interview mit KCNA noch nicht so recht verziehen zu haben. (Allerdings hätte er sich die Spekulationen um Parks sexuelle Orientierung gerne sparen können, die sind unnötig und nicht besonders zielführend.)), aber solange Herr Park nicht nochmal über den Tumen rennt, ist ja alles gut…

Euna Lee und Laura Ling? Ja sie leben noch…


…und haben sich nach einem Jahr entschieden, ihre Erlebnisse in Nordkorea publik zu machen (was eine recht lange Zeit für Menschen ist, deren Job es ist, Sachen publik zu machen). Nachdem sie im September letzten Jahres ein (inhaltlich) recht mageres Op-ed in der LA Times veröffentlicht haben, in dem sie ein bisschen was darüber erzählten, wie sie in die nordkoreanische Gefangenschaft gerieten und wie es war, wieder frei zu kommen (die Zeit dazwischen sparten sie weitestgehend aus und beriefen sich darauf, dass dies die schrecklichen Erinnerungen an die Zeit wachrufen würde (das sei ihnen zugestanden, denn wer weiß schon was ihnen dort zugestoßen ist)), werden sie ihre Erlebnisse nun bald in einer Sendung des US-amerikanischen Kabelsenders Current schildern. Die Sendung soll am 19. Mai ausgestrahlt werde und etwa zeitgleich wird auch das Buch „Somewhere Inside: One Sister’s Captivity in North Korea and the Other’s Fight to Bring Her Home“ erscheinen, das Laura Ling in Zusammenarbeit mit ihrer Schwester Lisa geschrieben hat.

Da scheinen die Beiden ihr Trauma ja mittlerweile ganz gut verarbeitet zu haben… Aber es ist ja bekannt, dass es manchmal ganz gut ist, ein solch schlimmes Erlebnis offensiv anzugehen. Auch hilfreich zur Traumabewältigung ist vermutlich Geld (je mehr desto besser). Davon dürfte Frau Ling wohl einiges verdienen. Ein weiterer wirklich glücklicher Zufall für sie ist auch die Tatsache, dass die Show und das Buch fast zeitgleich erscheinen und dass es ihr gerade nochmal gelungen ist, ihr Trauma zu bewältigen, während das Thema, auch dank Robert Park (ob er wohl auch an seinen Memoiren schreibt? (Wäre auf jeden Fall nicht hilfreich für Lings Buchprojekt, wenn Park früher dran wäre)) und Aijalon Mahli Gomes, noch heiß ist…

Nordkorea verhängt harte Strafe gegen US-Amerikaner


Lange nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem Amerikaner, der aus bisher noch nicht völlig geklärten Motiven (es wird aber vermutet, dass sie denen Robert Parks ähneln könnten) von China aus nach Nordkorea einreisteging. Jetzt gibt es allerdings Neuigkeiten. Und die hören sich nicht gut an. Yonhap berichtet unter Berufung auf KCNA, dass Gomes zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden sei. Weiterhin solle er eine Geldstrafe von 70 Millionen Won zahlen (nach offiziellem Wechselkurs 700.000 Dollar). Das sieht erstmal so aus, als wäre Gomes das „vergönnt“ was Robert Park ursprünglich angestrebt hatte. Aber erinnert man sich zurück an die Causa Ling & Lee, dann fällt einem natürlich ein, dass auch diese Beiden zu einem (mit zwölf Jahren noch etwas längeren) Aufenthalt in einem der berüchtigten nordkoreanischen Lager verurteilt wurden. Jedoch schwebte zur Rettung Medienwirksam Ex-US-Präsident Bill Clinton ein und brachte die Beiden in die Heimat zurück.

Nicht unwahrscheinlich, dass Nordkorea auch in diesem Fall darauf hofft, dass die USA versuchen werden ihren Bürger vor der Haft zu bewahren (unwahrscheinlich finde ich es dagegen, dass Nordkorea Gomes tatsächlich in eins der berüchtigten Gulags sperren wird, die bisher noch kein Westler in Augenschein nehmen konnte). Allerdings ist dieser Fall natürlich etwas anders gelagert, als derjenige Lees und Lings. Immerhin ging Gomes wie Park scheinbar freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft. Würden die USA Gomes einfach so freikaufen wäre das ein fatales Signal. Dass es in den USA eine recht große Zahl von Menschen gibt, die im festen Glauben, das Gott es schon richten wird irgendwelche mehr oder weniger sinnvollen Aktionen starten, ist ja nichts Neues. Für einige dieser Leute könnte es wohl das Zeichen sein die Koffer zu packen und sich nach Nordkorea aufzumachen, würde man Gomes freikaufen. Und dass es für die USA nicht eben angenehm wäre, alle paar Wochen als Bittsteller vor das Regime in Pjöngjang zu treten, um einen eigenen Bürger freizubekommen ist ja klar (Wenn man sich die Geldstrafe anschaut, könnte das für Nordkorea ja sogar noch zu einer neuen Einnahmequelle werden). Daher bin ich mal gespannt, wie die Geschichte um Gomes weitergeht…

Meldungen: Nordkorea verhaftet wieder US-amerikanischen Staatsbürger


Nordkoreanischen Angaben zur Folge soll an der Grenze zwischen China und Nordkorea am vergangenen Montag erneut ein amerikanischer Staatsbürger nach einem unerlaubten Übertritt in Richtung Nordkorea festgenommen worden sein. Das melden mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf die nordkoreanische KCNA. Weitere Angaben zu diesem Vorfall wurden bisher nicht gemacht und auch von amerikanischer Seite wurden die Meldungen bisher nicht bestätigte.

Der Dritte Vorfall dieser Art innerhalb eines Jahres

Sollten sich die Behauptungen als wahr erweisen, wäre dies der dritte Vorfall dieser Art innerhalb eines Jahres. Im März 2009 wurden die beiden amerikanischen Reporterinnen Euna Lee und Laura Ling mit der gleichen Begründung festgenommen. Der verhängten Strafe von 12 Jahren Arbeitslager konnten sie nach fünfmonatigem Aufenthalt in nordkoreanischem Gewahrsam nur durch einen Besuch des Ex-Präsidenten Bill Clinton in Pjöngjang entgehen (Ob neben dem Besuch noch andere Zugeständnisse seitens der USA gemacht wurden ist unklar und wird das wohl auch bleiben.). Ende Dezember 2009 wurde dann Robert Park verhaftet. Auch er war unerlaubt über die chinesische Grenze eingereist, hatte sich aber freiwillig in die Hände der nordkoreanischen Behörden begeben, um auf die Situation im Land aufmerksam zu machen (Über die Motive oder vielmehr den Erfolg Sinn der Aktion lässt sich sicherlich trefflich streiten, relativ klar ist aber, dass er weiterhin in Haft ist.).

Identität im Dunklen

Lee und Ling wurden bei Dreharbeiten an der Grenze zwischen China und Nordkorea verhaftet und innerhalb von zwei Tagen war die Identität der beiden klar. Robert Park hatte, wie bereits gesagt, Nordkorea mit der Absicht betreten verhaftet zu werden und Meldungen der Festnahme wurden unmittelbar danach aus Kreisen, die mit ihm in Verbindung standen, verbreitet. Beim jüngsten Ereignis (Wie gesagt unter dem Vorbehalt, dass an den Meldungen was dran ist) stehen die Dinge etwas anders. Scheinbar hat niemand den US-Bürger seit vergangenem Montag vermisst, womit eine Aktion aus ähnlichen Motiven wie Park ausgeschlossen werden kann. Auch Reporter die im Grenzgebiet arbeiten, dürften andere über ihr Vorgehen informieren und folglich würde ihr Fehlen wohl innerhalb weniger Tage auffallen.

Ein christlicher Aktivist?

Als Erklärung würden mir die im Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea sehr aktiven Menschenrechtsgruppen (oft Südkoreaner, aber wie der Fall Park belegt auch Amerikaner mit religiösem Hintergrund) einfallen. Möglicherweise handelt es sich hier um jemanden aus einer dieser Gruppen, der einen Schritt zu weit gegangen ist. Die Verhaftung eines Aktivisten würde auch mit dem Sachverhalt zusammenpassen, dass Nordkorea in den vergangenen Wochen versucht die Durchlässigkeit der Grenzen zu mindern, wie zum Beispiel die Angaben über einen Schießbefehl gegen Flüchtlinge belegen. Zur Linie der großen Außenpolitik würde es dagegen nicht so gut passen, da man sich gegenüber den USA in der vergangenen Zeit recht konziliant gezeigt hatte. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass es das gute Recht Nordkoreas ist, illegal einreisende Festzunehmen. Und das wissen wohl auch die USA. Bald wird es vermutlich mehr Infos geben und dann werde ich zu gegebenem Zeitpunkt was dazu schreiben….

Clinton macht den Carter, oder: Die Reise nach Pjöngjang und jüngste Zeichen der Entspannung. Hintergründe und Zusammenhänge.


In den vergangenen Wochen haben sich die Beziehungen Nordkoreas sowohl zu den USA als auch zu Südkorea erheblich verbessert. Diese bisher kurze aber heftige Entspannungsphase folgt auf eine Periode sich stetig verschlechternder Beziehungen der DVRK mit den beiden anderen Staaten.

Was war…

Mit Südkorea kühlten sich die Beziehungen seit dem Amtsantritt Lee Myung-baks im Februar 2008 ab. Dies ist unter Anderem mit der veränderten Haltung Lees, der die Annäherungspolitik die seine beiden Vorgänger gegenüber Nordkorea betrieben hatten, beendete, zu erklären. Das Ende des Tourismusprojektes im Kumgangsan nach der bisher nicht vollständige geklärten Erschießung einer südkoreanischen Touristin durch einen nordkoreanischen Soldaten und die strengere Haltung bezüglich des Kaesong Industrieparks, einem Kooperationsprojekt in dessen Rahmen südkoreanische Investoren auf nordkoreanischem Boden nordkoreanische Arbeiter beschäftigen, sind deutliche Belege dieser erkalteten Beziehungen. Daneben sorgten die Raketentests im April diesen Jahres und der Nukleartest am 25. Mai 2009 zu verschärften Beziehungen Nordkoreas mit annähernd allen Staaten der Welt, insbesondere aber den USA. Schon durch die Verhaftung der beiden Reporterinnen Euna Lee und Laura Ling nach einem angeblich nicht genehmigten Grenzübertritt am 17. März diesen Jahres, waren die Beziehungen zu den USA stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Schon kurz nach der Verhaftung der beiden asiatischstämmigen Frauen wurde über Zusammenhänge zwischen der angespannten Situation zwischen den USA und Nordkorea rund um den angekündigten Test einer Interkontinentalrakete und der Festnahme sowie dem angekündigten Verfahren gegen die beiden Frauen spekuliert.

Nach der Verurteilung zu zwölf Jahren in den berüchtigten nordkoreanischen Arbeitslagern (zur näheren Information hierzu kann sowohl der recht ausführliche Beitrag auf One Free Korea dienen, bei weiterem Interesse aber auch der hervorragende Bericht The Hidden Gulag von David Hawk.) wurde eine Art Menschenpoker wahrgenommen, in dem Nordkorea gute Karten zu haben schien. (Allerdings wurden die Karten scheinbar als nicht so gut wahrgenommen wie sie tatsächlich waren, denn damals wurde „nur“ mit einer Entsendung des etwas umstrittenen äußerst kontrovers diskutierten demokratischen Gouverneurs von New Mexiko Bill Richardson oder des Ex-Vizepräsidenten Al Gore gerechnet.) Wie gut Kims Blatt wirklich war, zeigte sich jedoch, als Anfang August diesen Jahres nicht Al Gore, sondern sein ehemaliger Chef in Pjöngjang eintraf und sozusagen „den Carter machte„. Dieser hatte 1994 mit seiner Vermittlungsreise nach Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen ermöglicht, dass zu einer zwischenzeitlichen (aber wie wir ja wissen nicht besonders nicht im geringsten nachhaltigen) Beilegung des Konfliktes um das nordkoreanische Nuklearprogramms geführt hatte. Sicher ist, dass Clinton wie Carter vor 15 Jahren die offensichtlichen Ziele seiner Mission erreicht hat. Allerdings begann schon unmittelbar nach der Heimkehr der beiden Journalistinnen und ihrem prominenten Chauffeur eine heiße Diskussion (hierzu zum Beispiel DPRK Forum oder auch One Free Korea, mit etwas harscherer Meinung, oder wer es gerne (etwas) „seriöser“ (sprich durch den Online Ablegers eines Printmedium mit bedeutender Auflagenzahl publiziert) mag: Spiegel Online) um den Preis dieser Mission, denn schließlich lässt sich für das (mal wieder) isolierte Kim Regime kaum etwas besser vor den Propagandakarren spannen, als ein echter Ex-Präsident des imperialistischen Erzfeindes, der als Bittsteller nach Pjöngjang kommt. (Für einen echten Präsidenten, was unzweifelhaft noch besser wäre, braucht es wohl noch etwas mehr als zwei Journalistinnen, vor zehn Jahren soll der Preis dafür sich auf das Ende eines Raketenprogrammes belaufen haben, aber es ist ja eine Binsenweisheit, dass in Nordkorea die Preise (jedenfalls auf außenpolitischem Parkett, wie das auf den Märkten im Land aussieht, darüber können wir ja ein anderes Mal sprechen) stark schwanken) 

Also warum hat Clinton das gemacht? Wollte er Kim Jong Il etwas Gutes tun und hat ihm deshalb den  Propagandaerfolg gewährt? Ist sein Saxophon kaputt und er muss sich jetzt anderweitig beschäftigen? Oder wollte er nur beweisen, dass er auch ohne seine Frau ganz nah hinter sich zu haben etwas erreichen kann? Das sind zwar alles recht schlüssige irgendwie interessante Erklärungen, allerdings muss es da noch etwas anderes geben. Die entscheidende Frage ist hier wohl eher: Warum hat man Clinton das machen lassen? Tja, vermutlich weil es um mehr ging, als „nur“ um zwei Journalistinnen (natürlich kann man die nicht in einem nordkoreanischen Gulag verrotten lassen, allerdings hätten die bei Bedarf (alles eine Frage des Preises, in diesem Falle vermutlich in harter Währung zu entrichten) auch etwas leiser in ihre Heimat zurückgeführt werden können).

…was ist…

Tja und da sind wir schon im hier und jetzt eingetroffen, nach einem mehr oder weniger ausgiebigen Ritt durch die Vorgeschichte. Was fällt uns hierzu ein? So einiges würde ich mal sagen: Die Düsen des Flugzeuges mit dem die beiden Journalistinnen gelandet waren, dürften kaum abgekühlt gewesen sein, da (genauer am 10. August) war auch schon die aktuelle Chefin von Hyundai Hyun Jeong-eun auf dem Weg nach Pjöngjang um die Projekte in Kaesong und im Kumgansan, sowie die Familienzusammenführungen zwischen nord- und südkoreanischen Familien, die im Koreakrieg getrennt worden waren und die Seit längerem ausgesetzt waren, wieder auf die Bahn zu bringen. Gleichzeitig fällt in die Zeit ihrer Anwesenheit in Nordkorea auch die Freilassung eines seit über 5 Monaten in nordkoreanischer Haft befindlichen Mitarbeiters von Hyundai Asan, die im Kaesong Park tätig war. Anders als der Fall Lee/Ling war diese „Geiselnahme“ zwar in den westlichen Medien mit weniger Aufmerksamkeit bedacht worden, jedoch ein bedeutender Streitpunkt zwischen Nord- und Südkorea. Diesem ersten Schritt der Annäherung (wenn auch nicht vollständig, da mit einer vierköpfigen südkoreanischen Besatzung eines Fischerboots, die Ende Juni die Seegrenze zu Nordkorea überschritten hatten, weiterhin „Geiseln“  in nordkoreanischer Hand verbleiben (Jaja ich weiß… Siehe unten!)) folgte bereits wenige Tage später der Nächste. Eine nordkoreanische Kondolenzdelegation unter Führung des  Sekretärs des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Koreas Kim Ki-nam, offiziell entsandt um das Beileid des Kim Jong Ils für den Tod Kim Dae-jungs zu überbringen, traf zuerst mit dem südkoreanischen Minister für Vereinigung zusammen, um schließlich auch Lee Myung-bak persönlich eine Botschaft von Kim Jong Il zu überbringen. Und dann liest man heute (na ja fast heute, aber: s.u.!) noch das hier. Was soviel heißt wie: Nordkorea ist scheinbar wieder bereit über sein Nuklearprogramm zu sprechen, was kurzfristig sicherlich als Fortschritt gelten kann (auch wenn diese Gesprächsbereitschaft bisher langfristig keine Veränderungen am Fortschreiten des Programms gebracht hat). Andererseits deuten Überlegungen der USA eine hochrangige Delegation unter Chefunterhändler Bosworth nach Pjöngjang zu schicken darauf hin, dass man in Washington das beharren auf den Sechs-Parteien-Gesprächen als einzigem Kommunikationskanal langsam aufzugeben scheint. Sollte ein solches Treffen in Pjöngjang tatsächlich stattfinden, so können die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA als besser beschrieben werden, als sie in der Amtszeit George W. Bushs je waren.

…und was gewesen sein könnte

Liest man nun all dies, und macht man sich klar, dass es innerhalb weniger Wochen sowohl mit den USA als auch mit Südkorea zu wesentlich verbesserten Beziehungen gekommen ist, eingeläutet vom Besuch Bill Clintons, so ist zumindest die Frage berechtigt, ob dies alles nicht irgendwie zusammenhängt. Na gut, der Tod Kim Dae-jungs hängt vermutlich sicherlich mit nichts von alledem direkt zusammen, aber der Besuch der Delegation und das Treffen mit Lee Myung-bak war wohl eher kein Zufall (und zeigt zudem, dass das angeblich erstarrte und von Machtkämpfen zerrüttete Regime in Pjöngjang mit erstaunlicher Präzision und Schnelligkeit auf nicht vorhersehbare kurzfristige Entwicklungen reagieren kann). Da der Besuch Clintons zeitlich am Anfang dieser rapiden Entwicklung stand, könnte die Antwort auf die Frage warum man ihn nach Pjöngjang schickte Folgende sein: Das war der erste Teil eines Handels, der weitaus weiter reichte, als nur zu einem ex-Präsidenten und zwei Journalistinnen, und in irgendeiner Art die oben beschriebenen Entwicklungen beinhaltete.

Ich weiß ja! Weit gesponnen, aber es fällt mir persönlich schwer, solche Koinzidenzen als Zufälle zu verbuchen. Sicherlich werden die nächsten Wochen zeigen, ob es weitere Schritte geben wird, die ein Aufeinanderzugehen Nordkoreas auf der einen und Südkoreas und der USA auf der anderen Seite implizieren. Dumm nur, dass die Frage über Inhalte eines möglichen Deals vermutlich nie ganz beantwortet werden wird (auch wenn Bill, Euna und Laura jeweils ein Buch zu der Story schreiben (nicht unwahrscheinlich)). Das oben Beschriebene wirft außerdem noch eine weitere Frage auf. Sind die Geschehnisse der letzten Wochen Glücksfälle? Oder gab es im Vorfeld dieser Annäherung einen Akteur, dessen Ziele sich ungefähr mit den jetzigen Ergebnissen deckten? Und wenn ja: Wen? Ich weiß es nicht und ich weiß auch nicht ob man es wissen kann. Aber ich habe ein Gefühl das mir sagt: Kim Jong Il ist mit dem Verlauf der letzten Wochen äußerst zufrieden und schaut relativ optimistisch in die nächsten Monate. Allerdings gilt es für ihn noch die Profite der Manöver der letzten Monate abzugreifen. Wie gesagt, nur ein Gefühl, vielleicht schreib ich ja später nochmal hierüber.

Wir werden sehen wie es sich weiter entwickelt, aber ich denke, dass es jetzt nochmal ein paar Jährchen dauern wird, bis man in Nordkorea ne neue und verbesserte Taepodong II Rakete zusammengeschraubt hat und nen neuen Nuklearsprengsatz scharf. Und mit der Obama Administration lässt sich ja auch besser umgehen als mit den Jungs von George W. Bush. Von daher wirds vorerst bestimmt wieder etwas friedlicher auf der koreanischen Halbinsel. Aber wie gesagt, lass dich überraschen…

Ach ja und was gewesen sein werden wäre (sollte es diesen Tempus wirklich geben, dann nur für solche Trottel wie mich, die Beiträge schreiben um sie dann erst ein paar Tage später zu veröffentlichen)

P.S. Da sieht man was man davon hat, wenn man nochmal drüberlesen will und dann unerwartet Besuch bekommt. Das wird wohl zu meinem Lernprozess dazugehören. Wir haben jetzt vier Tage Später und es hat sich mal wieder (hätte ich Pfiffikus mir ja auch denken können) einiges getan. Die vier Fischer sind auch schon wieder zuhause  (oder zumindest auf dem Weg dorthin) und die Familienzusammenführungen scheinen vorerst unter Dach und Fach zu sein. Ich nehme das mal als Bestätigung von meinem oben erläuterten ohne jetzt en detail darauf einzugehen.

Aber stopp! Da war doch noch etwas. Was? Man hört nicht viel von den durch die Vereinigten Arabischen Emirate gerade erst aufgedeckten Waffenlieferungen von Nordkorea an den Iran, sondern nur von freigelassenen Fischern und Familienzusammenführungen? Stimmt! Das mag seltsam finden wer will, wenn man bedenkt, dass vor ein paar Wochen vermutlich noch ein Aufschrei der Empörung (vor allem aus den USA) durch die Staatenwelt gehallt wäre. Aber mein Gott, das ist jetzt schon einen Monat her und wie gesagt, die Zeiten ändern sich schnell (und was juckt uns da das Dumme Geschwätz von gestern…) und im Moment kann man solch negatives Geschwätz eben nicht gebrauchen, will man Entspannungspolitik propagieren. Also wird das wohl eher auf kleiner Flamme gekocht werden. So, aber jetzt Schluss mit der Schreiberei und schnell nochmal drüber und dann ins Netz damit, bevor ich noch ein P.P.S. zum Friedensnobelpreis für Kim Jong Il schreiben muss…

Noch eine Sache kurz, zur Entschuldigung sozusagen: Ich wollte eigentlich noch n paar nette Bildchen einbinden, also das übliche Bill mit Kim, Bill mit Euna und Laura am Flughafen Kim mit Hyun Jeong-eun, Kim Ki-nam mit Lee Myung-bak, das übliche halt. Allerdings ist es mir aus irgendeinem Grund in der jetzigen Phase meines Lernprozesses nicht möglich. Das mag an mir liegen, oder an den Programmieren von WordPress, aber ich gelobe Besserung. Ich wird versuchen mir das anzueignen, dass die Augen auch mal was anderes als Buchstaben angucken dürfen. Und bis dahin könnt ihr die passenden Bilder ja per Google Bildersuche ausfindig machen.