Robert Park auf dem Weg der Besserung: Er redet wieder — Sehr viel!


Lange Zeit war es still um Robert Park, dem US-amerikanischen Missionar mit koreanischen Wurzeln, der Ende letzten Jahres nach Nordkorea einreiste, um ein Zeichen der Liebe zu setzen (oder sowas). Nachdem er etwa einen Monat später in die Freiheit entlassen worden war, gab es außer einem, offensichtlich auf etwas seltsamen Wegen zustande gekommenen (und noch in Gefangenschaft entstandenem) Interview mit der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA, eigentlich keine ernstzunehmenden Informationen von Park.

Nun scheint sich sein Zustand soweit gebessert zu haben, dass er über das Erlebte mit den Medien sprechen kann. Die Betonung liegt auf den. Ich bin gestern zufällig über ein Interview mit ihm gestolpert (interessanterweise bei der Falun-Gong Zeitung Epoch Times, aber Park wird sich wohl sagen: „Hauptsache religiös“) und hab dann ein bisschen weitergeguckt. Ohne viel Suchen habe ich vier verschiedene Interviews gefunden, die vor etwa einer Woche innerhalb recht kurzer Zeit entstanden sind. Das mit der Epoch Times (ins Deutsche übersetzt) und der Chosun Ilbo sogar an einem Tag in denselben Räumen. Gerade habe ich gemerkt, dass das Interview mit AP auch in denselben Räumlichkeiten stattfand, nur an einem anderen Tag (andere Klamotten). Außerdem hat er dem Christian Broadcasting Network (mehr muss ich dazu wohl nicht sagen), noch ein Telefoninterview gegeben (ca. 10 Min.), dass man hier nachhören kann.

Und, was hatte Park zu sagen? Eigentlich nicht so viel. Über das Erlebte könne und wolle er nicht sprechen, da die Folter und der Missbrauch zu traumatisch seien (ähnliche Kommunikationsstrategie wie Lee und Ling, nur dass die nichts von Folter und Missbrauch zu berichten hatten). Als er ins Land gekommen sei habe er den Nordkoreanern erzählt, die Amerikaner, die Südkoreaner und Jesus würden sie lieben, um dann ein Kirchenlied anzustimmen. Das Interview bei KCNA sei ihm mit Gewalt abgezwungen worden und man müsse die Bemühungen verstärken, Kim Jong Ils Regime zu stürzen, wofür auch er alles tun werde. Außerdem hatte er bei allen Interviews einen Ordner mit Bildern von hungernden Kindern und so dabei.

Was mir auffiel: Seine Lethargie scheint er abgelegt zu haben, seine Auftritte waren ganzschön energiegeladen und er kann wirklich gut reden. Außerdem scheint er sich im Vorfeld recht genau überlegt zu haben, was er wohl sagen würde. Wie sonst hätte er es wohl geschafft, dass in allen Interviews die fast wortgleiche Aussage:

As a result of what happened to me in North Korea, I’ve thrown away any kind of personal desire. I will never, you know, be able to have a marriage or any kind of relationship

zitiert wird. Naja, wird sich wohl überlegt haben, was am besten passt und das schön auswendig gelernt zu haben. Auf jeden Fall scheint Park die nordkoreanischen Behörden ganz besonders extrem geärgert zu haben mit seinem Liebesgerede. Denn wie man bei dem AP-Interview nachlesen kann, wurden weder Ling und Lee, noch der kürzlich freigelassene Aijalon Mahli Gomes misshandelt, gefoltert oder gar missbraucht. Letzterem wurde von einem Arzt in den USA sogar attestiert, er sei „superbly“ behandelt worden. Aber wie gesagt. Wahrscheinlich sind die Nordkoreaner bei dem ganzen Kirchenlied-Gesinge von Park einfach ausgeflippt…

Welchen Zweck er mit seiner Interview-Offensive verfolgt ist mir noch nicht ganz klar. Anders als Laura Ling scheint Park noch kein Buch geschrieben zu haben, dass neben der Bewältigung des Erlebten sicherlich auch ein nettes Nebeneinkommen bieten würde. Aber mir scheint er auch tatsächlich ein Überzeugungstäter zu sein. Er glaubt an das was er macht, versucht sich jetzt zu einem Märtyrer zu stilisieren und an die Spitze einer „Wir-beten-Nordkorea-kaputt-Kampagne“ zu stellen. Meiner Meinung nach ist das nicht besonders erfolgversprechend (Einen weiß ich schonmal, der sich davon nicht überzeugen lässt. Der Autor von Monster Island scheint Park das ganze Buhei, das er verursacht hat, sowie sein Interview mit KCNA noch nicht so recht verziehen zu haben. (Allerdings hätte er sich die Spekulationen um Parks sexuelle Orientierung gerne sparen können, die sind unnötig und nicht besonders zielführend.)), aber solange Herr Park nicht nochmal über den Tumen rennt, ist ja alles gut…

Gefangenenaustausch auf Nordkoreanisch: Tausche verrückten Missionar gegen wahnsinnigen Polit-Wirrkopf


Nachdem sich vergangene Woche erneut ein US-Amerikaner nach Nordkorea verirrt hat, scheinen die Behörden in Pjöngjang beschlossen zu haben, dass man Robert Park nicht mehr brauchen kann. Warum? Ich hab dazu diverse Theorien entwickelt die mir allesamt äußerst wahrscheinlich scheinen:

So könnte es sein, dass man in Nordkorea nur eine begrenzte Aufnahmekapazität für verrückte Ausländer hat (nur eine Gummizelle) und da der neuste Gast vermutlich wesentlich angenehmer ist („Lasst mich in eurer Armee dienen um die imperialistischen Horden zu bekämpfen.“) als Park („Schaut mal ich habe hier einen Brief für Kim Jong Il, da steht drin, dass ihr alle zurücktreten sollt und dann sperrt mich in ein Gefangenenlager, damit ich möglichst medienwirksam zu Tode kommen kann, nachdem ich allen Insassen die Liebe und den Glauben an unseren Heiland gebracht habe!“) hat man sich für Ersteren als Dauergast entschieden.

Aber Vielleicht, gibt’s ja auch ne Sammelzelle und die beiden Spaßvögel haben sich einfach allzu schlecht vertragen, ich meine ein von religiösem Sendungsbewusstsein getriebener Spinner und ein politisch-militaristisch motivierter Freak; da finden sich vermutlich sehr wenig Gemeinsamkeiten…

Allerdings könnte es auch sein, dass man in Nordkorea durchaus zwei getrennte Gummizellen für verrückte Einwanderer hat und dass Park schlicht auf die Dauer genervt hat. Und was macht man mit einem nervenden Ami? Man erlaubt sich einen ziemlich derben Scherz mit ihm und schickt ihn dann heim. Nach ausgiebiger Auswertung der nordkoreanischen Quellen zu diesem Thema, scheint mir diese Theorie am naheliegendsten. Weil dass was KCNA zur causa Park schreibt so witzig ist, werd ich mich gleich gesondert damit beschäftigen. Und bis dahin werden wir sehen, ob der zweite Grenzwanderer irgendwann nochmal als nordkoreanische Kampfmaschine in Erscheinung tritt, oder ob ers sich auch irgendwann nochmal anders überlegt…

Amerikanischer Missionar/Liebesprediger/Märtyrer in Nordkorea verschwunden, warum ich nicht um ihn weine…


Seit einigen Tagen geistert, will man sich über Nordkorea informieren, vor allem das Schicksal des amerikanischen „Missionars“ Robert Park durch die Medien, der von China aus die Grenze zu Nordkorea überschritt und währenddessen lautstark proklamierte, dass er die Liebe Gottes bringe. Achja und einen Brief, in dem er den Rücktritt Kim Jong Ils und die Auflösung der nordkoreanischen Gefangenenlagern forderte, hatte der Gute angeblich auch noch dabei. Eigentlich hatte ich vorgehabt, diesen Stuss komplett zu ignorieren, weil dieses Blog ja nicht „Internationaler-Trottel-Report“ oder so heißt. Aber weil Nordkorea bei der Sache ja eine gewisse Rolle spielt und Herrn Park völlig übertriebene Aufmerksamkeit geschenkt wird, hab ich mich dann doch noch überwinden können, meine Meinung zum Besten zu geben.

Über die zwiespältige gefährliche und wenig hilfreiche Rolle, die vor allem südkoreanische und amerikanische Missionsgruppen in Nordkorea spielen, hab ich mich ja schonmal reichlich ausgelassenk**zt. Im Kontext dieses irrationalen und kurzsichtigen Sendungsbewusstseins ist wohl auch die Aktion Parks zu sehen. Nur konsequenter… Während die meisten Besserchristen durch ihre Aktionen vornehmlich das Leben der Menschen in Nordkorea, die mit ihnen in Kontakt kommen, in Gefahr bringen, geht Parks Ansatz etwas weiter. Der hat nämlich erklärt, dass er nicht aus der nordkoreanischen Gefangenschaft befreit werden will und im Zweifel auch in nordkoreanischer Gefangenschaft sterben wolle. Gut so. Wenigstens betrifft seine Entscheidung nur ihn selbst. Und außerdem ist zumindest ein religiöser Fanatiker aus dem Verkehr gezogen.Aber was hat sich Park von seiner Aktion eigentlich versprochen? Wie das ja oft bei Fanatikern der Fall ist, kann man das erstmal schwer verstehen. Vermutlich wollte er seine Verhaftung provozieren und so die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Menschenrechtslage in Nordkorea lenken. Das erste ist ihm mit Sicherheit gelungen, das Zweite irgendwie auch…Aber die Medien, die sonst ja kaum eine Chance zur Verteufelung und Panikmache bezüglich Nordkorea vorüberziehen lassen, reagieren in diesem Fall erstaunlich ruhig und beschreiben nur neutral die Fakten. Warum? Weil die Aktion total dämlich ist und weil es kaum eine Möglichkeit gibt, wohlwollend darüber zu berichten. Nur mal so zum Beispiel. In Deutschland kann die illegale Einreise auch mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe sanktioniert werden. Und auch wenn wir hier die freie Rede wesentlich höher schätzen als in Nordkorea, so gibt es trotzdem auch hier Sachen, die man im Gegensatz zu anderen Ländern nicht sagen darf. Beispiel gefällig? Mir fällt da die Holocaustlüge ein. Wenn hier ein Mensch anderer Nationalität (sagen wir mal nicht EU) ohne die gewöhnlichen Einreiseformalitäten einreisen würde, dabei laut proklamieren würde, die Gaskammern habe es nie gegeben, dann hätte er zumindest die formalen Anforderungen für ne Freiheitsstrafe erfüllt. Und meiner Meinung nach hätte ers nicht besser verdient.Aber mein Gott, ist das alles jetzt auch nur eine einzige Zeile wert? Eigentlich nicht. Wenn ich bei Rot über ne Ampel fahre geb ich vielleicht den Führerschein ab. Zurecht. Klar kann ich sagen, dass ich gegen das inhumane Verkehrsrecht der deutschen Behörden protestieren wollte. Das wird aber hier niemanden interessieren. Wenn ich in Malaysia illegal einreise, krieg ich mit nem Stock den Arsch gehauen. Zurecht. Klar kann sagen, dass ich gegen die Beschränkung meiner Bewegungsfreiheit demonstriere. Aber so stehts dort nunmal im Gesetz. Wenn ich mit ner Waffe auf jemanden Schieße, den ich für nen Einbrecher halte, geh ich in Deutschland vielleicht in den Knast. Zurecht. Klar kann ich sagen, dass ich mich selbst verteidigen musste und jeder eine Waffe zu diesem Zweck tragen dürfen sollte. Aber…Genau, in unserem Gesetz steht was anderes. Was ist das also für ne dämliche Art des Protestes die sich Herr Park da hat einfallen lassen? Genau. Extrem dämlich.Aber vielleicht kann er ja den anderen Möchtegernweltrettern zum Vorbild dienen, auf das sich die nordkoreanischen Gulags mit „Missionaren“ und religiösen Fanatikern aller Art fülle mögen, und dass diese in Zukunft keinen Schaden mehr anrichten können! Robert Park hat einen Weg gefunden, die Welt Stück für Stück zu bessern.