Apokalypse oder was? — Wie KCNA Nordkorea zum Feelgoodcountry macht.


Wer in den letzten Tagen gelegentlich mal bei KCNA reingeschaut hat, dem könnte eine neue thematische Ausrichtung in der Berichterstattung aufgefallen sein. Die Redaktion der Nachrichtenagentur scheint sich nämlich seit neuestem verstärkt für Katastrophen und Bedrohungen in aller Welt zu interessieren. In der ganzen Zeit, seit ich damit angefangen habe mir öfter mal anzuschauen was KCNA so zu berichten hat, beschränkten sich Nachrichten aus dem Ausland eigentlich hauptsächlich darauf, dass irgendwer Kim Jong Il gepriesen hat, dass ein Regierungsmitglied dort weilte, oder dass es Gratulationen aus Nordkorea für einen „Wahlsieg“ oder ähnliches gab. Das hat sich recht schlagartig geändert, denn erstmals berichtet man bei KCNA intensiv über schlimme Ereignisse aus aller Welt.

Ernteausfälle allüberall

Am 7. Februar dieses Jahres begann man sich dann plötzlich für den Weltmarkt für Nahrungsmittel zu interessieren, ein Thema, das zuvor nie eine Rolle gespielt hatte und seitdem ist die weltweite Nahrungsmittelversorgung aus der internationalen Berichterstattung von KCNA nicht mehr wegzudenken. Am 14. Februar wurde nochmal auf die „weltweite Nahrungsmittelknappheit“ Bezug genommen, wobei Wetterereignisse dafür verantwortlich gemacht wurden. Explizit erwähnt werden Ernteausfälle in Australien (die Flutkatastrophe), China, den USA, Brasilien und Argentinien (alle durch Trockenheit). Am 15. Februar berichtete man über die Tatsache, dass in Chile der „landwirtschaftliche Notstand“ ausgerufen wurde und heute geht man gesondert auf die Trockenheit in China ein.

…die Tiere sterben an Seuchen…

Aber nicht nur Ernteausfälle aufgrund von unnatürlichen Wetterereignissen werden jüngst verstärkt thematisiert. Ein anderer großer Themenkomplex sind Tierseuchen, die weltweit um sich greifen. Am 9 Februar war der fünfzehnte Ausbruch von Vogelgrippe in Japan in diesem Winter eine Meldung wert (warum die anderen vierzehn Vorfälle nicht berichtenswert waren wurde nicht erklärt). Am 15. Februar ging man dann etwas genauer auf die Maul- und Klauenseuche ein. Die Food and Agricultural Organization der UN (FAO) habe alle asiatischen Staaten vor einer Verbreitung der Seuche aus Südkorea gewarnt. In Japan, der Mongolei und Malaysia greife die Krankheit um sich und in Malaysia habe man explizit darauf verwiesen, dass sie „importiert“ sei (woher wird zwar nicht gesagt, aber das kann man sich wohl denken…). Schön an dieser Meldung fand ich auch, dass man nicht vergaß die kranken Büffel in Simbabwe zu erwähnen. Warum auch immer. Allerdings kam dieser Bericht erst nachdem am 10. Februar schon darüber informiert wurde, dass die Krankheit in Nordkorea ausgebrochen sei. Interessant find ich auch, dass man nicht verschweigt, dass infizierte Tiere getötet würden. Eine Praxis die in Nordkorea nach eigenen Angaben nicht durchgeführt wird. Heute wurde dann gleich über zwei Tierseuchen berichtet. Einmal wurde die Vogelgrippe in Japan nochmal aufgewärmt (erstaunlicherweise dieses Mal als „Bird Flu“, während das erste Mal über „Avian Influenza“ geschrieben wurde). Zum anderen wurde die „afrikanische Schweinepest“ die sich scheinbar in Russland ausbreitet, dem Kanon der Seuchen hinzugefügt (Ich kannte die bisher auch noch nicht, aber scheint der klassischen Schweinepest ähnlich zu sein. Da seht ihr, dass auch KCNA lesen bildet…).

…und auch ansonsten ist alles superbedrohlich

Aber nicht nur der Hunger (in Form von Wetterkapriolen und Tierseuchen) bedroht die Menschen in aller Welt. Auch abstraktere Bedrohungen finden seit neuestem Erwähnung bei KCNA. So informierte die Seite am 10. Februar über die Klimaerwärmung und das abnormale Wetter, das von La-Nina verursacht wird. Am 15. Februar wurde über die erneute Terrorbedrohung in den USA geschrieben (ganz sachlich und ganz ohne „imperialist warmongers“ oder so) und heute gab es gleich drei Meldungen aus der Kategorie „vermischte Bedrohungen“. In den USA greift die Grippe in 50 Staaten um sich, die pro Jahr 37.000 Menschenleben fordert. In Japan ist der Vulkan Shinmoe wieder ausgerbrochen und hat eine 3.000 Meter hohe Wolke in die Luft geblasen. Und zu guter Letzt, macht man sich ganzschön Sorgen um Dioxin aus Europa (woher genau da wisst ihr wohl).

Es muss den Menschen nicht gut gehen, nur besser.

Wenn man KCNA so liest in den letzten Tagen kann einem ja ganzschön Angst und Bange werden. Die Ernten fallen überall aus, die Tiere sterben an Seuchen und wer sich davon noch nicht genügend bedroht fühlt, der kann frei wählen zwischen Terror, Krankheit, Gift und Vulkan. Ganzschön apokalyptisch das Bild von der Welt, dass die Macher von KCNA neuerdings so zeichnen. Aber natürlich ist es nicht besonders schwer sich einen Reim darauf zu machen. Schließlich ist Nordkorea ja schon immer das Paradies auf Erden. Und wenn es im Moment auch etwas schlechter läuft, dann sollte man mal den Blick auf die armen Wichte anderswo richten. Drumrum steht nämlich alles am Abgrund. Die anderen haben genausoviele Seuchen plus Terror, Vulkane und Dioxin. Warum sollte man also unzufrieden sein im Arbeiterparadies.

Geborgenheit im Terrorkuschelstaat

Eine Alternativerklärung fiele mir allerdings auch noch ein: Die Situation im Ausland spitzt sich so lange zu, bis Kim Jong Un seinen blauen Body mit dem roten Cape und dem roten K auf der Brust überstreift und sich auf den Weg macht alle Probleme der Welt im Handstreich zu erledigen. Danach ist dann alles wieder gut. Naja, wir werden erst mal weiter beobachten können, wie KCNA die Situation in der Welt schwärzer und schwärzer zeichnet und damit versucht, ein neues Gefühl der Geborgenheit im eigenen Terrorkuschelstaat zu erzeugen. Ob die Rechnung (wieder) aufgehen wird? Ich weiß es nicht, aber tendenziell dürfte es schwerer geworden sein für die Propagandisten, den Menschen ausreichend Bunkermentalität einzutrichtern.

UPDATE: Ausbruch der Maul- und Klauenseuche offiziell bestätigt – Gefahr einer Hungerkrise steigt


Update (18.02.2011): Die World Organization of Animal Health wurde von den Behörden in Nordkorea am 8. Februar über die genauen Ausmaße des Ausbruchs informiert. Aus der Auflistung auf der Homepage der Organisation geht hervor, wo die Seuche überall aufgetreten ist und wie viele Tiere welcher Art befallen wurden. Außerdem ist dort nachzulesen, welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Nach den Angaben, die aus dem Bericht hervorgehen, sind vor allem Schweine der Seuche zum Opfer gefallen. Von den befallenen Kühen und Ziegen starben nur wenige. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen das Keulen (töten) befallener Bestände als präventive Maßnahme Standard ist, scheinen die Behörden in Nordkorea nicht zu diesem Mittel zu greifen. Nur zwei Bestände im Ryokpo district und im Taechon county könnten Ausnahmen zu bilden, weil hier alle befallenen Tiere gestorben sind. Außerdem zeigt der Bericht, dass die Fälle regional relativ weit verbreitet sind und es eine Ballung um Pjöngjang gibt. Als Gegenmaßnahmen hätten die Behörden einen lokal entwickelten Impfstoff zum Einsatz gebracht, was jedoch nicht zum Erfolg geführt habe.

Die regionale Verbreitung zeigt, dass es den Behörden bisher scheinbar nicht gelungen ist, die Ausbreitung effektiv einzudämmen. Nicht besonders hilfreich dürfte dabei sein, dass man versucht die erkrankten Tiere zu erhalten. Was der Hintergrund dafür ist dürfte wohl klar sein. Man will die begrenzten Ressourcen im Land nicht weiter ausdünnen. Ob sich dies jedoch nicht als Fehler erweisen wird, muss sich noch zeigen.

Ursprünglicher Beitrag (14.02.2011): Die schlechten Nachrichten für Nordkoreas Agrarsektor reißen nicht ab. In der vergangenen Woche gaben die Behörden offiziell den Ausbruch der Maul und Klauenseuche bekannt. Bisher seien über 10.000 Ochsen, sowie Rinder und Schweine von der tödlichen und hoch ansteckenden Krankheit befallen. Davon seien bereits einige tausend verendet. Damit bestätigen sich die inoffiziellen Berichte aus dem Januar, dass die  Krankheit in Nordkorea grassiere. Die Behörden hätten am vergangenen Mittwoch die Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen über den Ausbruch der Krankheit informiert und stünden nun im Kontakt mit der FAO um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Anders als Südkorea, das im vergangenen Jahr über ein Drittel seines Schweinebestandes aufgrund der Seuche eingebüßt hatte, war das Damoklesschwert bisher an Nordkorea vorübergegangen. Allerdings kann das Regime in Pjöngjang massive Verluste im Tierbestand anders als der Süden auch nicht so einfach ausgleichen, während die Tragweite großer Verluste für die nordkoreanische Landwirtschaft weitaus schwer wöge. Anders als in Südkorea ist im Norden ein großer Teil des Ackerbaus nicht (mehr) mechanisiert, dass heißt dass beispielsweise zum Pflügen Ochsen als Zugtiere benötigt werden. Verendete ein bedeutender Teil von Nordkoreas Ochsen durch die Krankheit, würde dies anders als in Südkorea nicht nur eine weitere Verknappung von Fleisch bewirken, sondern mittelfristig auch die Produktion von Grundnahrungsmittel wie Reis und Getreide einschränken. Damit würde sich die ohnehin angespannte Nahrungsmittelsituation weiter verschärfen. Da das Land seinen Grundbedarf auch ohne eine solche Krise und trotz Hilfen aus China nicht zu decken vermag, erhöht sich das Risiko für eine schwere Nahrungsmittelkrise in diesem und dem nächsten Jahr weiter. Damit dürfte auch die zunehmend verzweifelt werdende Suche des Regimes nach Hilfen aus dem Ausland weitergehen.

Maul- und Klauenseuche in Nordkorea ausgebrochen


Pressemeldungen zufolge ist die Maul- und Klauenseuche in Nordkorea ausgebrochen. Die Krankheit die Huftiere wie Kühe, Schweine und Schafe befällt, verläuft tödlich und ist extrem ansteckend. Wie genau die Seuche ins Land kam ist nicht bekannt, allerdings grassiert sie momentan auch in Südkorea. Zwar hatte der Norden den Import von südkoreanischem Fleisch nach dem Ausbruch gestoppt, allerdings möglicherweise zu spät (obwohl ich mich frage, inwiefern da überhaupt was aus Südkorea eingeführt wurde). Personen die kürzlich in Nordkorea waren berichten von Gegenmaßnahmen. So würden Quarantänemaßnahmen ergriffen.

Für den Norden dürfte eine um sich greifende Tierseuche weitaus schwerwiegendere Folgen haben, als für Südkorea, denn jeder Verlust an potentiellen Nahrungsmitteln verschärft die ohnehin permanent schwierige Nahrungsmittelsituation weiter. Auch kann das Land eventuelle Ausfälle nicht so leicht durch Import ausgleichen (man könnte natürlich ketzerisch anmerken, dass es nicht unbedingt nötig wäre, ein Drittel des Staatseinkommens in das Militär zu investieren). Mich überrascht die Tatsache, dass die Krankheit überhaupt ins Land gelangt ist. Leider werden auch keine Angaben gemacht, wo die Krankheit grassiert, denn das würde Hinweise auf den Verbreitungsweg geben. Interessant zu beobachten wird bleiben, wie schnell die Krankheit eingedämmt werden kann. Wenn dies lange dauert wäre das ein Hinweis, dass sich Personen und Ware trotz Quarantäne im Land bewegen können.

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