Chinas Vize-Außenministerin zum Stil westlicher Medien: „[…] verantwortungsvoll […] Berichte stimmen.“


Eben habe ich ein sehr interessantes Interview mit der chinesischen Vize-Außenministerin Fu Ying gelesen. Während ich in vielen Punkten mit ihr nicht einer Meinung sein kann, hat sie eine Sache angesprochen, die ich wohl genauso unterschreiben könnte (ich hab das früher auch schonmal so ähnlich geschrieben):

Aber zurück zu den westlichen Medien. Wenn sie über China oder andere Länder berichten, dann scheinen sie weniger verantwortungsvoll zu sein, weil sie nicht beweisen müssen, dass ihre Berichte stimmen.

Wie sie darauf wohl kommt? Keine Ahnung!

Nichts ist älter als die Nachrichten von Gestern…Und die von letztem Monat? – Die Medienberichterstattung zu Nordkorea


Manchmal wundere ich mich doch sehr, was es, wenn das Thema auf Nordkorea kommt, alles in die Nachrichten schafft. Heute wurde da berichtet, Nordkorea wolle sein Nuklearprogramm nicht gegen wirtschaftliche Hilfen eintauschen, da dieses zur Abschreckung gegen die US-amerikanische Bedrohung entwickelt worden sei. Solange die USA ihre feindselige Politik und der nuklearen Bedrohung fortsetzten, sei das Nuklearprogramm nicht verhandelbar.

Soweit so gut, aber wo bitte ist hier etwas neues, was ist der Mehrwert dieser Nachricht? Reicht es, dass Nordkorea einen Punkt, der seit Monaten wieder und wieder herunter gebetet wird, wiederholt, um eine Schlagzeile daraus zu konstruieren? Offensichtlich schon. Statements aus Pjöngjang, die einen Friedensvertrag mit den USA als Voraussetzung für die Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen forderten waren in den vergangenen Wochen und Monaten ja nicht eben selten. Aber wahrscheinlich reicht das kollektive Gedächtnis unserer Medien nicht viel weiter als zwei Tage zurück. Und vermutlich glaubt man bei den Medien, dass es sich bei den Konsumenten ähnlich verhält. Aber seis drum, wenn man die Nachricht genauer liest und mit etwas Hintergrundwissen ausgestattet ist, dann kann man sich ja irgendwie zusammenreimen, dass die Schlagzeile: „Nordkorea bleibt bei Atomprogramm – Kein Tauschgeschäft“ nicht die ganze Wahrheit beschreibt. schließlich steht da ja irgendwo im Artikel der Satz:

Solange die USA ihre „feindliche Politik und ihre nuklearen Drohungen“ gegenüber Nordkorea nicht beendeten, werde das Land sein Nuklearprogramm ohnehin nicht aufgegeben, erklärte Pjöngjang.

Aber das ist auch nicht immer so. Die guten alten Yahoo! News haben die Nachricht nämlich aufs wesentliche (und weniger, aber ich habe eh die Vermutung, dass die Yahoo! News wahlweise von Praktikanten oder intelligenten Primaten zusammengestellt werden) reduziert und das liest sich dann so:

Nordkorea will auch im Gegenzug für wirtschaftliche Hilfen aus dem Ausland nicht auf sein Atomprogramm verzichten. Der Staat habe zu seiner eigenen Verteidigung Nuklearwaffen entwickelt, und „nicht, um irgendjemanden zu bedrohen oder wirtschaftliche Begünstigungen zu erhalten“, erklärte die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Es sei ein „Fehlurteil“, wenn die internationale Gemeinschaft glaube, Nordkorea werde im Austausch für Wirtschaftshilfen sein Atomprogramm beenden.

Klingt dann nochmal ne Nummer drastischer. Aber warum das Ganze? Warum macht man sich überhaupt die Mühe, aus einer Nicht-Nachricht eine Nachricht zu konstruieren und diese dann im Zweifel noch n bisschen zu frisieren, indem man entscheidende Bauteile weglässt? Natürlich weiß ich es nicht, aber ich kann es mir irgendwie vorstellen. Themen im Zusammenhang mit Nordkorea haben es ja in der vergangene Zeit recht häufig in die deutschen Nachrichten geschafft. Das Thema ist also irgendwie im Kopf der Konsumenten wie der Redakteure/Journalisten präsent. Wenn die Agenturen dann irgendwas im Zusammenhang mit Nordkorea über den Ticker schicken, denkt vermutlich der Eine oder Andere. „Achja, der Irre mit der Bombe und seinem abstrusen Persönlichkeitskult, der bald stirbt, die Menschenrechte verletzt und seinen geheimnisvollen Sohn an der Staatsspitze installieren will. Darüber müssen wir berichten.“ Außerdem hört man in der letzten Zeit ja ziemlich viel von Atomprogrammen und liest auch öfter mal was darüber, dass es der Iran wohl genauso wie Nordkorea machen will. Nuklearwaffen sind also zurzeit ein kleines Hype-Thema. Und wenn es dann eine Nachricht zum nordkoreanischen Nuklearprogramm gibt, egal wie inhaltsleer sie ist, denkt vermutlich der Eine oder Andere: “ Oh, irgendwas über Atombomben. Es habe ja gerade eh alle Angst, dass der Iran morgen mit Atombomben um sich wirft. Und wenn ein anderer Schurkenstaat irgendwas über Atomwaffen und so sagt, dann müssen wir darüber berichten.“

Tja und Ruckzuck wird aus ner Nicht-Nachricht ne Nachricht. Wäre das Timing anders, hätte sich um Nordkorea nichts getan in de letzten Wochen und würde der Iran weiterhin brav sein Uran nur zu 3,5 % anreichern und wäre die IAEA nicht besorgt, dann hätte sich vermutlich auch niemand für das Statement aus Nordkorea interessiert. Aber in der Politik kommts halt auch ganz schön oft aufs Timing an.

Nur noch ne kleine Schlussbemerkung hinsichtlich Timing und Iran. Nordkorea dürfte das Buhei um Irans Nuklearprogramm mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachten. Einerseits ist es natürlich ganz im Sinne Nordkoreas, dass die Gefahr von Nuklearer Proliferation und der Notwendigkeit des Abbaus von Nuklearprogramm hoch auf der internationalen Agenda firmiert, denn so kann man auch seine eigenen Belange auf diese setzen und es besteht ein gewisser Druck auf die USA, existierende Probleme konstruktiv anzugehen. Gleichzeitig könnte Nordkorea aber auch die Gefahr sehen, dass dem Thema Iran (das zurzeit ja eindeutig heißer gehandelt wird) der Großteil der internationalen Aufmerksamkeit und besonders derjenigen der USA zukommt. Ist das der Fall, kann Nordkorea trotz einer „günstigen“ Positionierung seines Themas nicht darauf hoffen, dass seine Belange ernsthaft angegangen werden. Und was tut man da? Man versucht das Thema präsent zu halten, indem man zum Beispiel Sperrzonen nahe den Grenzgewässern zu Südkorea erklärt (haben sie mal wieder gemacht) oder diese Sperrzonen gar mit schwerem Artilleriefeuer belegt (ihr erinnert euch). Tja, wir werden sehen, was man sich im Kampf um Aufmerksamkeit noch so einfallen lässt.

Bosworths Pjöngjang-Reise, oder: Wie die Medien einen langweiligen Besuch aufwerten


Hab mir eben mal kurz angeschaut wie die Medien den Besuch von Stephen Bosworth so bewerten und fand das Ergebnis so interessant, dass ich spontan entschieden hab, dass ich dazu was kurzes schreiben muss. Warum das einen Beitrag wert ist? Weil die armen Medienvertreter so gar nicht wissen, wie sie den Ertrag von Bosworths Reise zu bewerten haben. Die Schlagzeilen zu dem Thema reichen von: „Ein Amerikaner bewegt Nordkorea zu Atomgesprächen„, oder „Nordkorea will zurück an den Verhandlungstisch„, „Pjöngjang will Atomgespräche wieder aufnehmen„, über „Nordkorea zu Verhandlungen bereit„, „Nordkorea grundsätzlich für Wiederaufnahme der Atomgespräche„, bis zu „Zeitpunkt für Atomgespräche mit Nordkorea ungewiss„, „US-Gesandter ohne Zusagen aus Nordkorea abgereist„, oder „Nordkorea verweigert Zugeständnisse„.

Ein Strauß voll Buntes sozusagen. Für jeden was dabei. Wenn man grundsätzlich positiv drauf ist und immer ans Gute im Menschen glaubt, dann kann man sich ja für eine der ersten Schlagzeilen entscheiden. Rechnet man permanent mit dem Ende der Welt und ist die einzige Frage, wie das kommen wird, dann ist man wohl eher am Ende der Liste gut aufgehoben. Herrlich! Ist ja auch langweilig wenn immer das Gleiche in allen Zeitungen steht. Ich meine, klar, in den Kommentaren und auf den Meinungsseiten gibt’s öftermal deutliche Unterschiede. Aber wenn man einfach nur aufgrund von Fakten über ein Ereignis berichtet, find ichs schon erstaunlich, dass es sich in der einen Schlagzeile so anhört, als würde Nordkorea morgen sein komplettes Nuklearprogramm einschrotten und übermorgen der Weltfrieden ausbrechen, während die andere so klingt, als sei man in Pjöngjang weiterhin voll auf stress gebürstet und würde weiterhin einen Konfrontationskurs fahren. Aber ist ja auch nicht einfach für die, die die Artikel verfassen müssen.Und wie kommt das Ganze im Endeffekt zu Stande? Ich habe ja gestern bereits gesagt, dass es nicht viel ist, was Bosworth aus Pjöngjang mitgebracht hat. Da man aber nicht aus Nordkorea heimkehren und dann überhaupt nichts sagen kann, hat er n paar Allgemeinplätze und diplomatische Plattitüden zum Besten gegeben. Das Problem der Medien ist  nun, dass das Thema Nordkorea zwar einen gewissen Nachrichtenwert hat, man also berichten muss. Dass man aber schlecht berichten kann, dass es nichts zu berichten gibt. Was also tun? Genau! Man interpretiert die Aussagen die man hat möglichst so, dass es nach ner interessanten Nachricht klingt und Leser findet. Am besten sind dazu natürlich eindeutig negative oder eindeutig positive Nachrichten. Der Leser interessiert sich schließlich nicht für „mittelmäßige“ Schlagzeilen. Dementsprechend sind es mit dem dradio und der Deutschen Welle auch zwei öffentlich rechtliche Medien, die sich mit mittelmäßigen Schlagzeilen begnügen, die sind schließlich nicht so sehr wie die privaten auf Leser angewiesen (Meiner Meinung ein (kleiner) Beleg für den Wert öffentlich rechtlicher Medien!). Unsere Leitmedien (Natürlich vor allen Dingen der Spiegel, aber ich nehm auch mal den Focus dazu) sehen die Sache eher positiv, ohne jedoch (sicherlich, um nicht am Ende falsch zu liegen) überschwänglich zu werden. Ein Großteil der (Gesamt-)Nachrichten ist weiterhin eher dem positiven Lager zuzuordnen (Ich stütze mich dabei auf die nichtwissenschaftliche Methode einer Google-Analyse). Vermutlich weil es für ne richtige Weltuntergangsnachricht nicht reicht und man von Seiten Nordkoreas sonst besser verwertbare Weltunteragangsnachrichtenvorlagen (herrliches Wort) kennt (Nicht einmal ne klitzekleine Drohung gab es!).Ich frag mich ob irgendwer die Verzweiflung der Berichterstatter hinsichtlich der „richtigen“ Interpretation der Ergebnisse von Bosworths Reise genauso witzig/kurios findet wie ich, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es nicht so ist. Seis drum..