Minister für Volkssicherheit entlassen: Ein überraschender Krankheitsfall…


Heute Mittag hat eine kurze aber interessante Meldung von KCNA meine Aufmerksamkeit erregt und daher möchte ich mich nicht ganz so kurz damit befassen:

Minister of People′s Security Dismissed

Ju Sang Song, minister of People′s Security of the National Defence Commission of the DPRK, was dismissed from his post due to illness.
The NDC of the DPRK released a decision on it on Wednesday.

Hmmm?!

Plötzlicher Krankheitsfall führt dazu, dass ein Mitglied der ersten Reihe des Regimes (Ju gehört auch der Nationalen Verteidigungskommission (NDC) an und kann damit wohl ohne weiteres zu dieser Reihe der nordkoreanischen Politik gezählt werden) „entlassen“ wird? Ein doch eher ungewöhnlicher Schritt, denn normalerweise treten so schwer kranke Leute ja meist von selbst zurück oder sterben einfach in ihren Ämtern. Daher finde ich den Gedanken nicht ganz abwegig, dass das Regime wieder anfängt, an den neuen Machtstrukturen für Kim Jong Un zu puzzeln. Und dabei ist wohl eine absolut sichere Kontrolle über die internen Sicherheitsorgane unerlässlich.

Ju Sang-song

Ju Sang-song war schon seit 2003 Minister für Volkssicherheit und er und sein Ministerium bekamen vor allem in den letzten zwei bis drei Jahren ein zunehmendes öffentliches Profil. Kim Jong Il inspizierte öfter seine Einheiten, Ju durfte auch internationale Kontakte zu Amtskollegen knüpfen (v.a. nach Laos, Vietnam, Simbabwe und China) und reiste gelegentlich in diese Länder oder empfing Delegationen von dort. Im April des vergangenen Jahres wurde sein Ministerium dann umbenannt (es hieß vorher „Ministerium für öffentliche Sicherheit“ (public security)) und wurde vor allem der Verantwortlichkeit des Kabinetts entzogen und direkt der NDC unterstellt (was auch erklärt, warum die NDC Ju entlassen hat). Ju wird mit Jang Song-thaek, Kims Schwager (und „Schattenmann“, über dessen Bedeutung und Einfluss die Gelehrten streiten), in Verbindung gebracht, aber das kann man nie so genau wissen. Noch im Februar empfing Ju seinen chinesischen Amtskollegen Meng Jianzhu, unterzeichnete ein Abkommen (weiß natürlich keiner worüber genau, aber es geht wohl um bessere Kooperation) und erhielt Hilfsmaterialen (keine Ahnung was) von den Chinesen.

Das Ministerium für Volkssicherheit

Zu den Aufgaben Ministeriums für Volkssicherheit zählt unter anderem z.T. die Grenzüberwachung, z.T. die Überwachung der Bevölkerung und einige Aufgaben wie die Überwachung der Feuerwehren und Krankenhäuser, die Erhebung von Statistiken und Beobachtung der Reiseaktivitäten der Bevölkerung. Außerdem ist das Ministerium für den Betrieb von Gefängnissen und den Arbeits- und Umerziehungslagern des Landes zuständig, aus denen immer wieder über unvorstellbare Grausamkeiten berichtet wird.

Konkurrenz zum State Security Department

Das Ministerium ist ein Teil des oft recht unübersichtlichen internen Sicherheitsapparats des Regimes und konkurriert in vielen Aufgaben mit dem „State Security Department“ (SSD), das grundsätzlich Kim Jong Ils direkter Kontrolle untersteht. Das ist ja ein altbekanntes Werkzeug des Regimes (oder viel mehr der Kims) um die Kontrolle zu behalten: Körperschaften schaffen die konkurrieren, so dass keine zu stark wird und vor allen Dingen eine gegenseitige Überwachung herrscht. Das SSD wurde scheinbar 1997, also während Kim Jong Ils Machtübernahme „teilenthauptet“ und neu besetzt. Ihm steht U Tong-chuk vor (den hatte ihn schonmal auf meine „watchlist“ gesetzt), der ebenfalls Mitglied in der NDC ist und wie Ju mit Jang Song-thaek in Verbindung gebracht wird. (Manchmal habe ich das Gefühl, dass ungefähr alle mit Jang in Verbindung gebracht werden, deshalb weiß ich nicht so genau, ob man das generell allzu ernst nehmen sollte (aber vermutlich wird Jang deshalb auch so genau beäugt))

Ein versuchter Reim

Was man genau von Ju’s Entlassung halten soll weiß ich noch nicht. Er ist mit seinen 77 Jahren natürlich auch nicht mehr der Jüngste und vielleicht ist er ja wirklich krank. Allerdings frage ich mich, warum er dann öffentlichkeitswirksam entlassen werden musste und was das für eine rapide voranschreitende Krankheit ist, immerhin scheint es ihm vor einem Monat, als er mit den Chinesen zusammentraf ja noch ganz gut gegangen zu sein. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass hier weiter am Fundament für Kim Jong Uns macht gebaut wird. Könnte ja sein, dass Ju dem Regime ein bisschen zu selbstständig geworden ist, dass man ihn und sein Ministerium im vergangenen Jahr unter die direkte Aufsicht der NDC gezogen hat. Als das dann immernoch nicht gereicht hat, hat man das Ganze enthauptet. Ein für das Regime praktischer Nebeneffekt ist, dass man den freien Stuhl mit jemandem besetzen kann, dem man absolut vertraut und auf den sich Kim Jong Un stützen kann. Vielleicht macht man es ähnlich wie Kim Jong Il es mit dem SSD gemacht hat und versucht hier Kim Jong Uns absolut vertrauenswürdiges Sicherheitsorgan aufzubauen.

Im Endeffekt weiß ich es nicht (wie auch?) und habe mal wieder ein bisschen rumgereimtsponnen. Was wirklich dahintersteckt werden wir wohl höchstens daran sehen können, wie sich der Weg des Ministeriums und der Konkurrenzorganisation weiter entwickelt. Nur einer Sache an diesem Komplex bin ich mir ziemlich sicher. Irgendwas wird dahinter stecken…

Premiere: KCNA erwähnt Kim Jong Uns Nachfolge


Wenn ich mich nicht komplett täusche ist dies das erste Mal, dass man das so genau aus nordkoreanischer Feder lesen kann. Zwar werden die Worte den chinesischen Freunden (in Person von Meng Jianzhu, dem Minister für öffentliche Sicherheit) in den Mund gelegt, aber nichts desto trotz wird die Katze ein bisschen mehr aus dem Sack gelassen, oder habt ihr schonmal „Kim Jong Un“ in einem Satz mit „Nachfolge“ nennen hören?

Meng warmly congratulated Kim Jong Il upon his reelection as general secretary of the WPK and Kim Jong Un upon his election as vice-chairman of the Central Military Commission of the WPK at the historic Conference of the WPK, hailing the successful solution of the issue of succession to the Korean revolution.

Man sagt es also jetzt öffentlich und teilt bei der Gelegenheit auch gleich mit, dass die Chinesen zufrieden sind mit den Plänen.  Ansonsten aber nichts neues, Kim Jong Un wie bei allen wichtigen Anlässen an Ri Jong-hos Seite, viele wohlfeile Worte und ein Abkommen, dessen Inhalt wir nicht kennen. Interessant also, aber nicht wirklich was Neues…

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