Mobilfunk in Nordkorea: Statusupdate (II) — Nutzungspraxis, Risiken und Chancen


Heute Morgen habe ich in der FAZ diesen interessanten Artikel von Christoph Moeskes (manche von euch dürften sein Buch gelesen haben) gelesen, der sich mit der Handynutzung in Nordkorea beschäftigt. Das hat mich daran erinnert, dass ich noch etwas vorhatte: Ich wollte ja noch meinen Beitrag zur Handynutzung in Nordkorea zuendebringen.

Foto: „-Alleghany-“ unter CC-Lizenz: Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-ND 2.0)

Nachdem ich mich kürzlich eher mit den harten Fakten zu diesem Thema auseinandergesetzt habe, will ich heute mehr auf das eingehen, das über die Nutzungspraxis in Nordkorea bekannt ist. Die Quellen dazu sind zwar beschränkt, aber dieser Bericht von Rimjin-gang, der sich haargenau mit diesem Thema befasst und die auch ansonsten höchst spannende Bestandsaufnahme „A Quiet Opeing. North Koreans in a Changing Media Environment“ bieten doch ein relativ breites, wenn auch nicht nachprüfbares Bild. Da in der Praxis zwei Arten der Mobilfunknutzung eine Rolle spielen, wird der Beitrag zweigeteilt sein. Auf der einen Seite die legale Nutzung des Koryolink-Netzes, auf die sich ja auch mein Beitrag der letzten Woche bezog. Auf der anderen Seite die illegale Nutzung des chinesischen Netzes im Grenzgebiet, die zwar räumlich begrenzt, aber doch nicht zu vernachlässigen ist.

Das Koryolink-Netz

Der Dienstweg

Um an legale Handys für das Koryolink-Netz ranzukommen, muss man sich erstmal auf einen relativ komplizierten Dienstweg begeben. Dabei ist der bereits der erste Schritt, nämlich das Erlangen des Antragsformulars mitunter mit Bestechung, zumindest aber Vitamin-B verbunden. Auf diesen Antrag müssen dann Unterschriften vom Arbeitgeber, dem zuständigen Polizeibeamten und der lokalen Strafverfolgungsbehörde rauf (also ungefähr das, was man bei uns braucht, um Geheimdienstmitarbeiter zu werden), die sich zum Teil wiederum bei einem der Geheimdienste „State Security Department“ rückversichern müssen.

Die Damen von der Verkehrswacht kommt vermutlich etwas leichter an ein Mobiltelefon ran, als ihre Landsleute ohne Vitamin B. (Foto: Joseph A. Ferris III. unter CC-Lizenz: Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0))

Mit diesen Dokumenten und den persönlichen Ausweisdokumenten kann man dann in einem der offiziellen Verkaufsshops ein Handy erwerben. Nach einer Wartezeit von mehreren Wochen bis zu einem Monat kann man dann sein Handy in Gebrauch nehmen, außer man schaltet eine Vermittlungsagentur ein, die das Ganze dann auf ein oder zwei Tage verkürzen kann. Kostenpunkt etwa 20 Dollar und ein (wohl geduldetes) Abweichen vom offiziellen Weg. Auf diesem Weg kann man scheinbar auch an weitere Handys gelangen, obwohl nur eines pro Person erlaubt ist und an solche die unter einem anderen Namen registriert sind.

Ein paar Regeln

Es wird euch wenig erstaunen zu hören, dass für die Nutzung von Mobiltelefonen gewisse Regeln existieren, die ein bisschen weiter gehen als in Deutschland. Ihr übersetze sie einfach mal und ihr könnt euch selbst eine Meinung bilden:

  1. Handys dürfen nicht in Versammlungsräumen oder an Orten, wo wichtige Veranstaltungen stattfinden genutzt werden. Handys dürfen nicht in Gebäuden genutzt werden.
  2. Das Handy darf nicht zum Diskutieren inländischer Geheimnisse oder für immoralische Aktivitäten genutzt werden.
  3. Der Anmeldende darf sich nur unter seinem Namen für die Nutzung des Handy anmelden und darf ohne Erlaubnis nicht mehr als eine Nummer haben.
  4. Nur Handys, die vom Kommunikationsministerium gestattet sind, können genutzt werden. Es dürfen nur genehmigte Inhalte (Bilder, Lieder, Videos, etc.) gespeichert und genutzt werden.
  5. Nur der genehmigte Nutzer darf das Handy nutzen. Eine Weitergabe ist genehmigungspflichtig.
  6. Wird ein Mobiltelefon durch ein anderes ersetzt, muss das neue registriert werden.
  7. Wird ein Mobiltelefon verloren, muss sich sein Besitzer umgehend mit den Identifikationspapiere und der Schachtel, in der das Telefon ausgeliefert wurde, bei den zuständigen lokalen Behörden melden.
  8. Ein verlorenes oder kaputtes Handy kann nur an der Ausgabestelle repariert oder ersetzt werden, an der es ausgegeben wurde.
  9. Die notwendigen Kosten für die Nutzung des Handys müssen vor der Inbetriebnahme entrichtet werden. Hat jemand das Geld drei Monate nach dem Einreichen des Antrages nicht entrichtet, läuft die Genehmigung aus.
  10. Wird den obigen Regeln nicht nachgekommen, oder werden die entsprechenden Mobilfunkregeln oder herrschenden Richtlinien nicht eingehalten, wird der Handybetrieb zeitweise oder permanent ausgesetzt, entsprechend den Strafregeln.

Naja, manches davon ist ähnlich wie bei uns, manches ist strenger und manches ist so schwammig formuliert, dass man damit eigentlich jegliches vorgehen rechtfertigen kann.

Erstaunlich viele Funktionen

Als der Bericht verfasst wurde, gab es verschiedene Handymodelle, die zwischen etwa 200 und 400 US-Dollar kosteten. Von den Funktionen her reichten sie von Basismodellen bis zu einer Art Smartphones, zumindest sind sie mit Touch-Funktionen versehen. Für den Betrieb der Handys gibt es unterschiedliche Prepaid-Tarife. Die Handys können nicht in andere Netze telefonieren, was eine relativ wirksame Abschottung nach außen darstellt. Dafür haben sie aber im Inneren relativ umfangreiche Funktionen. Neben normaler Telefonie und Textnachrichten ist auch Videotelefonie möglich. Die Handys sind mit Kameras ausgestattet und können Mikro-SD-Karten als externen Speicher nutzen. Damit haben sie ein relativ großes Potential, nicht nur was die Kanäle des Informationsaustauschs im internen Netz angeht, sondern auch, was die Möglichkeit betrifft, Bildinformationen nach außen zu schmuggeln.

Können so einiges und sind garnichtmal so selten die Handys in Nordkorea. (Bild: Joseph A. Ferris III. unter CC-Lizenz: Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0))

Daher ist es auch nicht überraschend, dass die Mobiltelefone einer relativ scharfen Überwachung unterliegen. Einerseits werden Handys gelegentlich in der Öffentlichkeit auf irgendwelche Inhalte, die gegen staatliche Regeln verstoßen (z.B. ausländische Musik oder so) überprüft, andererseits scheinen die Nutzer fest davon auszugehen, dass sie abgehört werden und deswegen nicht über kritische Sachen sprechen.

Das chinesische Netz

Datengrundlage

Weniger überwacht, aber dafür natürlich auch weniger legal sind die Mobiltelefone, die im Grenzgebiet zu China den illegalen Zugriff auf chinesische Netze und damit potentiell den Kontakt zur ganzen Welt ermöglichen. Eine Studie mit nordkoreanischen Flüchtlingen und „Geschäftsreisenden“ gibt etwas Auskunft über die Nutzung dieser Handys. Von 250 Befragten hatten 35 über Zugang zu Mobiltelefonen. Von diesen hatte nur einer ein offiziell Registriertes, die anderen haben illegal auf das chinesische Netz zugegriffen. Dabei spielten Handys eine große Rolle für Geschäftsleute (Grenzüberschreitende Kommunikation wird einfacher), aber auch für Flüchtlinge. Die können einerseits ihre Flucht organisieren, haben aber auch später die Chance, in Kontakt mit Verwandten zu bleiben.

Geschäftsmodell und Kontaktmittel

Nur die Hälfte der befragten Handynutzer besaß selbst ein Mobiltelefon, der Rest benutzte welche anderer Leute. Wegen der Illegalität der Nutzung ist das generelle Nutzungsverhalten ein ganz anderes. Die meisten entfernten die Akkus, wenn sie nicht telefonierten, was also auch bedeutet, dass sie eher selbst anriefen, als sich anrufen zu lassen und sich dabei sehr kurz fassten. Die Meisten nutzten das Handy um Menschen in China anzurufen, aber immerhin ein Drittel (oder elf, was das Ganze weniger spektakulär klingen lässt), riefen in Südkorea an, was ich persönlich interessant finde. Scheinbar gibt es im Grenzgebiet ein nicht ungefährliches Gewerbe um die illegalen Mobiltelefone, da diejenige die welche besitzen sie scheinbar anderen gegen Entgelt zugänglich machen. Da die meisten Telefonate der illegalen Handynutzer ins Ausland gehen, stellt dies ein nicht unerhebliches Einfallstor für Informationen aus dem Ausland dar.

Chancen und Risiken

Unterschiedliche Charaktere der Kommunikationsmodi

Es lässt sich also abschließend festhalten, dass die beiden Mobiltelekommunikationsmodi in Nordkorea sehr unterschiedlich in ihrem Charakter sind. Der eine ist legal, stark reglementiert und unterliegt einer vermutlich scharfen Überwachung, kann gleichzeitig aber nur zum internen Austausch von Informationen oder indirekt zur Weitergabe von Bildmaterial nach außen genutzt werden, der andere ist illegal, aber nicht reglementiert, unterliegt dafür aber auch schweren Strafen; Gleichzeitig dient er aber als Einfallstor für Informationen. Zieht man nun noch die Tatsache in Betracht, dass die mündliche Weitergabe von Informationen die verbreitetste Informationsquelle der Nordkoreaner zu sein scheint und dass diese mündliche Weitergabe über das legale Handynetz erleichtert wird, so ist es durchaus nicht abwegig, dass eine Information, die über ein illegales Handy nach Nordkorea kam, über das legale Netz sehr schnell ihren Weg durchs Land macht. Gleichzeitig ist aber auch festzuhalten, dass das Regime den Mobilfunk im Land vermutlich nicht wegen seines subversiven Charakters zugelassen hat. Es spricht ja bereits Bände, dass vor allem bei geschäftstätigen Leuten die Nutzung von Mobiltelefonen sehr beliebt ist. Kommunikation und Information sind eben unerlässlich, wenn man wirtschaftlich erfolgreich sein will. Dieser Tatsache hat man sich wohl auch in Pjöngjang gebeugt und hofft nun den Spagat zwischen notwendiger Kommunikation und Information und dem Risiko der Subversion zu schaffen.

Subversiv sind beide

Meiner Meinung nach haben beide nordkoreanischen Mobilfunkmodi für sich genommen nicht zu unterschätze subversive Potentiale, die das Regime in Pjöngjang auf unterschiedliche Weise vor Herausforderungen stellen können auch ihre Kombination kann durchaus eine Bedrohung für das Regime darstellen, vor allem, wenn die Nutzerzahl des legalen Netzes weiter wächst und die Überwachung damit zunehmend unmöglicher wird und vielleicht auch die Angst der Bevölkerung vor der, vermutlich jetzt schon nurnoch stichprobenartigen Überwachung, nachlässt. Allerdings ist hinsichtlich des legalen Netzes festzuhalten, dass es eher von wohlhabenderen Menschen genutzt wird. Die sind im durchschnittlich wohl weniger anfällig für Subversion und damit senken die erheblichen Kosten der Mobiltelefonie die damit verbundenen Risiken. Da aber Koryolink maßgeblich von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen betrieben wird, ist eine Zunahme des Kundenstammes vermutlich das Ziel der Unternehmung. Das könnte mit niedrigeren Preisen und damit mit höherem Zugang unzufriedenerer einhergehen. Ich werde jedenfalls die Handynutzung in Nordkorea weiter genau im Auge behalten…

Achso, wenn ihr mehr oder detailliertere Infos zum Thema wollt, dann sind die beiden Studien die ich oben verlinkt habe, sicherlich der beste Anfang.

Nur ein Gerücht? — Implikationen der Gerüchte über Kim Jong Uns Ermordung für das Regime in Pjöngjang: Die Gefahr autonomer Kommunikationskanäle


Es war ja schon zu Kim Jong Ils Lebzeiten nichts ungewöhnliches, dass allerlei Gerüchte über ihn die Runde machten. Und je mehr Teilnehmer und damit Gewicht soziale Plattformen wie Twitter und Facebook bekamen, desto viraler und rasender verbreitete sich das Ganze dann. Da zeigt sich auch ganz gut das Risiko der sozialen Medien, denn nicht die Nachrichten, die solide belegt waren verbreiteten sich am schnellsten und stärksten, sondern vor allem die, die besonders spektakulär waren. Nicht ohne Grund kam Joshua von One Free Korea mit seiner „Kim Jong Il Death Watch“-Reihe auf beachtliche 10 Artikel, in denen er sich mit Gerüchten über Kim Jong Ils Tod befasste.

Kim Jong Un ist tot. Nur ein Gerücht!…Nur ein Gerücht?

Jetzt ist Kim II tatsächlich tot und ihm folgte Kim III — nicht nur als zumindest nomineller Führer seines Regimes, sondern auch als Ziel von Gerüchten über seinen Tod. Gerade in der aktuell fragilen Zeit, in der viele Augen nach Pjöngjang schauen, werden Indizien schnell zur Grundlage von Gerüchten. Und Gerüchte verbreiten sich ja wie gesagt unter den Bedingungen des Internet ja wie gesagt blendend. Daher ist es auch nicht weiter überraschend, dass sich gestern bei Weibo, dem chinesischen Pendant von Twitter, Meldungen über Kim Jong Uns Ermordung rasend verbreiteten und dann irgendwann auch von westlichen Medien aufgegriffen wurden und auch innerhalb von ein paar Stunden auf diesem Blog auf der Freien Beitragsseite ankamen (Danke für den Hinweis Tobias und franticek). Grundlage des Gerüchts war eine ungewöhnlich große Zahl von (Rettungs-)Fahrzeugen vor der nordkoreanischen Botschaft in Pjöngjang. Und dann ging eben alles seinen Weg (ein ausführlicher Bericht zur Genese des Gerüchts gibts bei North Korea Tech).

Von der niedrigen Trefferquote von  Gerüchten im Fall Nordkorea

Mit Gerüchten ist das ja nun immer so eine Sache. Manchmal haben sie eine Grundlage in der Realität, meistens aber nicht. Ich glaube dass dieses Mal letzteres zutrifft. Jedoch ist es nicht undenkbar, dass Kim Jong Un irgendwann einem Attentat zum Opfer fällt, oder zumindest Pläne für seine Ermordung geschmiedet werden. Schließlich gibt es ja auch deutliche Hinweise, dass sein Vater wiederholt Ziel von Anschlägen oder Putschversuchen war (und der hatte vor seinem Start als Spitze des Regimes mehr Zeit, alles vorzubereiten und die Gefolgschaft auf Linie zu brzwingen). Daher sollte man die Gerüchte auch nicht immer so einfach abtun, jedoch immer erstmal als das behandeln, was sie sind. Unbestätigte Gerüchte eben. Einen Hinweis, dass man Gerüchte nicht überbewerten sollte liefern jedoch auch die Ereignisse um Kim Jong Ils tatsächliches Dahinscheiden. Denn was es im Vorfeld der Verkündigung seines Todes eben nicht gab, waren irgendwelche Gerüchte über seinen Tod. Der Informationsfilter von Nordkorea nach außen hat also bisher noch blendend funktioniert.

Die Wirkkraft von Gerüchten, unabhängig vom Wahrheitsgehalt

Interessant ist das Aufkommen von Gerüchten auch im Hinblick auf Nordkoreas vorsichtige Öffnung gegenüber dem WWW. Natürlich sind bisher nur einige Propagandaorgane des Regimes online und verbreiten Informationen in alle Welt. Aber einerseits weiß man nicht, inwiefern auch über das nordkoreanische Intranet eine zunehmende Vernetzung möglich ist. Auch die eine Million Mobilfunknutzer in Nordkorea sind nicht zu unterschätzen. Mit zunehmender Möglichkeit zur Vernetzung und damit wachsenden Datenmengen, die auszuwerten sind, dürfte es dem Regime immer schwerer fallen, jede SMS und jede E-Mail zu lesen. Und wie die vermutlich eher wenig Medienkompetenten nordkoreanischen Mediennutzer mit Gerüchten umgehen (immerhin war bisher alles was an Nachrichten oder Informationen verbreitet wurde, irgendwie von staatlicher Seite als „wahr“ bestimmt), muss sich erst noch zeigen. Auch ein anderes Moment würde ich nicht ganz außer Acht lassen. Je mehr Propagandalautsprecher Zugang  zum Netz haben (und damit die Möglichkeit zur direkten Verbreitung), desto größer ist auch dort die Fehleranfälligkeit. Natürlich wird es dort mannigfaltige Schutzmechanismen gegen die Verbreitung ungewollter Nachrichten geben, aber undenkbar ist es nicht, dass entweder durch „bösen Willen“ Einzelner, oder durch individuelle Fehler Meldungen veröffentlicht werden, die so nicht nach außen dringen sollten. Und sowas ist unter den Bedingungen des WWW eben nicht mehr einzufangen. Auch wenn es nach innen hin recht schnell behebbar sein wird. Früher waren bei Staatsstreichen immer Fernsehsender und Radiostationen zentrale Ziele von Putschisten. Heute dürften auch Schnittstellen zum Netz interessante Ziele darstellen, denn sie lassen sich vielleicht auch ohne dauerhafte Übernahme, für Attacken einer Art „Informationsguerilla“ nutzen.

Implikationen für Nordkorea: Risiken von Informationsfreiheit erkennen und bewerten

Das alles sind zwar eher Zukunftsträume und ich glaube nicht, dass Gerüchte oder echte Informationen von innen oder außen das Regime in Pjöngjang in naher Zukunft ernsthaft ins Wanken bringen werden. Jedoch haben die Ereignisse der arabischen Rebellion (bevor man den Frühling tatsächlich einläutet, sollte man genau im Auge halten, ob nicht der Winter nochmal zurückkommt) gezeigt, wie schnell Informationen die sich nicht mehr einfangen lassen eine Dynamik entwickeln. Daher bin ich mir sicher, dass das Regime in Pjöngjang sehr genau beobachtet, wie sich die verschiedenen Möglichkeiten zur Vernetzung und zur informationellen Unabhängigkeit auf die Kontrollmöglichkeiten von Regimen auswirkt. Gerade die Tatsachen, dass die jüngsten Gerüchte in China entstanden sind, wird zu denken geben. Daher wird man sich vermutlich sehr genau überlegen, wie weit man der eigenen Bevölkerung die Möglichkeit geben will, autonom zu kommunizieren und sich unabhängig von der Regierung zu vernetzen.

Das Regime werkelt an der Büchse der Pandora

Das ist im Endeffekt eine recht einfache Kosten-Nutzen-Abwägung für das Regime und ich stelle mir die Frage, wo der Nutzen ist? Die Kosten bzw. Risiken sind ja bekannt. Daher kann ich mir vorstellen, dass man weiterhin sehr vorsichtig sein wird, was das Öffnen weiterer unabhängiger Kommunikationskanäle innerhalb des Landes angeht und erst Recht, was Kanäle von außen nach innen betrifft. Nur der umgekehrte Weg wird vermutlich weiter vorangetrieben werden. Die Frage ist nur, ob man mit der breiten Einführung von Mobilfunk nicht schon die Büchse der Pandora geöffnet hat und einer breiten Bevölkerungsgruppe Möglichkeiten gewährt hat, die nicht mehr beschränkt werden können. Das wird mittelfristig auf jeden Fall ein Thema sein, dass man sehr genau m Auge behalten sollte.

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