Ein Strauß voll Buntes: Nordkorea-Lesefutter für verregnete Sommerferientage


Hm, wenn man so aus dem Fenster guckt, dann denkt man ja glatt es ist Herbst. Ich tendiere jedenfalls momentan eher zu Heizung als zu Badehose. Wenn es euch ähnlich geht und ihr euren Camping-Urlaub gerade gecanelled habt, will ich euch vor den Risiken übermäßiger Langweile bewahren: Es gibt nämlich einiges zu lesen, das relativ neu ist. Eigentlich wollte ich es Euch einzeln und richtig vorstellen, aber ich weiß nicht, wann ich dazu komme das alles wirklich zu lesen und nicht nur zu überfliegen und daher mache ich Euch einfach mal drauf aufmerksam und wenn Euch die Themen interessieren, dann könnt Ihr ja selbst schauen ob es gut ist.

Seit einem Zeitchen ist schon ein neues Buch von Haggard und Noland draußen, das sich mit der Möglichkeit der ökonomischen Einflussnahme auf Nordkorea befasst und dabei vor die Zeit von 2000 bis heute betrachten. Wie immer haben die Beiden jede Menge verlässliche Zahlen genutzt und ausgewertet, so dass es schon allein deswegen lohnt, sich die knapp 70 Seiten anzuschauen (nicht nur Handelszahlen gibt es zu lesen, sondern bspw. auch eine Auswertung der Ziele von Kim Jong Ils vor Ort Anweisungen von 2000 bis 2010. Das Ergebnis zu dem die beiden kommen kling übrigens vermutlich für viele recht unbefriedigend: Das Regime lässt sich in seinem Verhalten weder von Zuckerbrot noch von Peitsche wirklich beeinflussen. Ob sich das in Zukunft ändern wird, dürfte in großen Teilen von der Entwicklung des Regimes abhängen. Von außen ist da also nicht viel zu machen. Hier gehts zu: Engaging North Korea: The Role of Economic Statecraft.

Auch William A. Boik befasst sich mit den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea. Dazu schaut er sich das Gesamtbild der Beziehungen der USA zu Nordkorea in den letzten zehn Jahren, die Situation in Nordkorea und Interessen anderer Staaten in der Region an und leitet daraus eine Bewertung der bisherigen US Politik und Handlungsempfehlungen ab. Der US Politik stellt er dabei ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Das Strategielose agieren vor allem seit der Präsidentschaft George W. Bushs habe die Handlungsmöglichkeiten der USA eher beschränkt und die Situation verschlechtert. Als essentiellen ersten Schritt sieht Boik die Erstellung einer konsistenten Strategie für das Verhalten gegenüber Nordkorea vor allem im Hinblick auf eine Wiedervereinigung. Ich habe die gut 50 Seiten mal angelesen, weil mir der Autor nichts sagte und denke, ich habe schon besseres gelesen, aber auch schon schlechteres. Manchmal kratzt mir das Büchlein ein bisschen zu sehr an der Oberfläche. Ich habe das Gefühl, dass der Autor vielleicht einige Punkte hätte weglassen sollen um dafür bei anderen etwas tiefer einzusteigen. Aber naja, jeder nach seinem Gusto. Den Nordkoreanern scheinen seine Ergebnisse übrigens sehr gut gefallen zu haben, denn tatsächlich wurde ich gestern bei der Lektüre von KCNA auf die Publikation aufmerksam. Ich kann mir auch vorstellen, was in Pjöngjang die Herzen höher schlagen ließ. Eine Empfehlung war nämlich beispielsweise die regelmäßige Aufnahme offizieller bilateraler Kontakte und die Errichtung eines Verbindungsbüros der USA in Pjöngjang. Hier gehts zu: Understanding the North Korea Problem: Why it has become the “Land of lousy options”

Einen sehr spannenden Artikel gibt es von Joshua Pollack zu lesen. Der Rüstungsexperte (er schreibt auch regelmäßig bei Arms Control Wonk) befasst sich hier mit der Entwicklung des Handels Nordkoreas mit ballistischen Raketen. Er hat dabei die Änderungen der Muster des Handels anhand von abgefangenen Lieferungen und von Berichten beleuchtet und schließt daraus eine interessengeleitete Evolution des Handelsverhaltens Nordkorea. Abschließend zieht er Schlüsse für eine mögliche nukleare Proliferation Nordkoreas. Wer sich für Nordkoreas Waffengeschäfte interessiert, für den dürfte die 13 Seiten einiges hergeben, vor allem weil man auch mal halbwegs belastbare Zahlen komprimiert an einem Ort findet. Hier findet ihr: The Evolution of North Korea’s Ballistic Missile Market

Abschließend will ich euch noch auf das Korea Institute for National Unification (KINU) und speziell auf das International Journal of Korean Unification Studies aufmerksam machen. Das hätte ich eigentlich schon längst tun sollen, aber ich habe mich immer so kurios geärgert. Irgendwie kommt mein Adobe Reader nämlich äußerst oft nicht mit den PDFs des KINU klar und irgendwie kann ich momentan auch nur die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift öffnen (ist das bei euch auch so, oder habe ich ein individuelles Software/whatever Problem?). Naja, jedenfalls schätze ich die Zeitschrift eigentlich sehr und habe sie früher auch sehr gerne benutzt, vor allem weil man sicher sein kann, dass halbjährlich fast zweihundert Seiten mit interessanten und aktuellen Artikeln zu Nordkorea enthalten sind. Die aktuelle Ausgabe (die ich erstaunlicherweise öffnen kann) hat den Schwerpunkt “Nachfolge Kim Jong Uns” und beispielsweise haben auch Kongdan Oh und Ralph Hassig einen Artikel, aber es gibt auch Beiträge südkoreanischer Autoren. Ich stimme nicht mit allem überein was drin steht, aber das wäre bei 180 Textseiten ja auch irgendwie seltsam. Naja, jetzt wisst ihr Bescheid und könnt selbst mal reinschauen. Ach übrigens: Das KINU hat auch andere durchaus interessante Publikationen, auch da lohnt sich ein Blick.

So, sollte der Sommer also jetzt vorbei sein, dann sollte Euch vorerst trotzdem nicht langweilig werden. Ihr habt ja genug Lesefutter. Aber natürlich solltet Ihr deswegen die Beobachtung aktueller Entwicklungen nicht vernachlässigen. Ihr wisst ja wo ;)

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