Einige Grundsatzüberlegungen: Eine Sache des Maßstabs — Wie ich meine Blogthemen auswähle und warum manche aktuellen Storys für mich uninteressant sind.


Kürzlich hatte ich eine kleine Diskussion mit einem Freund, die sich darum drehte, dass er in den letzten Wochen nicht so ganz zufrieden mit meiner Themenauswahl für das Blog gewesen ist. Vor allem bedauerte er, dass ich mich eher allgemeinen Themen gewidmet habe und aktuelle Ereignisse ein bisschen aus dem Blick verloren hätte. Ich habe meine inhaltliche Ausrichtung natürlich verteidigt und gesagt, dass es eigentlich nicht wirklich was Neues gegeben habe in den letzten Wochen. Aber wirklich zufrieden sein konnte ich nicht mit der Diskussion, weil er mir aus den deutschsprachigen Medien ein paar Themen aufgezeigt hat, die schon relativ groß aufgemacht worden waren. Naja und weil ich solches Feedback ernst nehme, habe ich mir ein bisschen Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht wirklich die „falschen“ Themen aufgreife und die „wichtigen“ außer Acht lasse.

Was ist „wichtig“ und was „richtig“?

Das alles ist natürlich relativ schwierig zu diskutieren, denn erstens lässt sich die Themenauswahl nur schwer in Kategorien von „falsch“ und „richtig“ pressen, denn das sind ja rein subjektive Wahrnehmungen und zweitens sind auch Maßstäbe wie „unwichtig“ und „wichtig“ nur schwer zu nutzen. Eigentlich weiß so ziemlich niemand, der nicht gerade zum Führungszirkel in Pjöngjang gehört, was wirklich „wichtig“ ist (und selbst da scheinen die Informationen ja sehr ungleich verteilt zu sein). Allerdings führen solche Überlegungen zu „wichtig“ und „richtig“ auf eine gute Spur, denn irgendwie muss man seine Themen ja wählen und da muss es ja dann irgendwelche Maßstäbe geben.

Medien haben eigene Maßstäbe…

Natürlich könnte ich die Maßstäbe unserer westlichen Medien übernehmen und einfach die Themen aufgreifen, die dort vorgeben werden. Allerdings würde dann neben „Wichtigkeit“, die für Medien durchaus relevant ist (leider ist das mit der „Richtigkeit“ bezüglich Nordkorea nicht wirklich so), auch solche Wertmaßstäbe wie „Sensationsgehalt“, „Menschlicher Rührungsfaktor“, „Darstellbarkeit im Bild“ und damit verbunden natürlich vor allem „Marktrelevanz (in der werberelevanten Zielgruppe (von 14 -49))“ mit übernehmen, die mit der „Wichtigkeit“ konkurrieren und sie oft genug an den Rand drängen. Außerdem würde ich damit mit unseren Massenmedien konkurrieren und mal ganz ehrlich, da kann ich nicht mithalten, weder was Recherchemöglichkeiten, noch was journalistische Qualitäten etc. betrifft.

…und ich auch

Also macht es gleich mehrfach Sinn, eigene Maßstäbe zur Themenauswahl zu entwickeln. Einerseits, weil ich mich so von anderen Medien abgrenzen kann. Andererseits weil mir das auch der Sache angemessen scheint (das kann man jetzt als Kritik an der Themenauswahl der Medien verstehen, denn die ist häufig vor allem den eigenen Bedürfnissen als Wirtschaftsakteur angemessen, nicht der Sache).

Relevanz

Am wichtigsten ist es mir, relevante Themen aufzugreifen. Zur Relevanz möchte ich dabei noch sagen, dass es vermutlich im Fall Nordkorea so gut wie keine Korrelation zwischen der Bedeutung eines Themas und dem Umfang der Berichterstattung in unseren Medien gibt. Wenn alle Zeitungen, von den Vierbuchstabenspringerblättern bis zum Buxtehuder Tagblatt die Tage zählen, seit denen sie dieseN oder jeneN NordkoreanerIn nicht mehr gesehen haben, dann ist das sicherlich ein guter Zeitvertreib. Wichtig ist es deswegen aber noch lange nicht. Deswegen verlasse ich mich bei der Bewertung von Wichtigkeit eher auf die Blogs und Quellen, die ich in meinen Linksammlungen untergebracht habe. Das gibt meistens ein besseres Bild. Natürlich versuche ich so früh wie möglich über relevante Themen zu schreiben. Aber es bringt nichts, jedem blöden Gerücht hinterherzuhecheln, weil es irgendwann mal wichtig werden könnte und weil eins von 30 Gerüchten ja auch am Ende einen wahren Kern hat. Ich schreibe erst dann über etwas, wenn die Anhaltspunkte, dass es sich nicht um eine Ente handelt, wirklich stichhaltig sind (und gut heißt mehr, als nur, dass man sich beim Buxtehuder Tagblatt was Tolles ausgedacht hat).

Neues und Interessantes

Aber Wichtigkeit ist natürlich nicht der einzige Maßstab, den ich anlege. Manchmal versuche ich mir und euch auch Hintergründe zu erschließen, die so vielleicht wenig oder garnicht bekannt sind (weil sie nach den Maßstäben unserer Medien oft nicht so von Belang sind). Dabei versuche ich natürlich auch nicht, das besser zu machen, was die Medien schon geleistet habe (wie gesagt, das ist ziemlich aussichtslos), sondern versuche Aspekte aufzugreifen, die einerseits interessant für mich und euch sind, andererseits aber nicht schon tausendmal breitgetreten wurden. Manchmal beschränke ich mich dabei weitgehend darauf, irgendwelche interessanten Erkenntnisse aus dem englischen Netz zusammenzufassen und für diejenigen zugänglich zu machen, die nicht so gerne englisch lesen. Manchmal suche ich mir auch selbst Informationen zusammen und baue sozusagen Eigenes.

Bloggerei als Spiegel eigener Interessen und Person

Allerdings ist so eine Sache wie Bloggerei natürlich auch was Persönliches. Ich meine, klar irgendwo freue ich mich Leser zu haben und bin über jeden inhaltlichen Austausch mit euch glücklich, aber irgendwo mache ich das auch nur aus mir selbst heraus und für mich selbst. Das heißt die Themenauswahl hat natürlich auch sehrviel mit meiner eigenen Identität zu tun. Ich bin Akademiker. Deshalb interessiert es mich, was in der akademischen Sphäre (v.a. der deutschsprachigen, aber natürlich auch darüber hinaus) zu Nordkorea geforscht und geschrieben wird und deswegen versuche ich auch  öfter mal mich daran abzuarbeiten. Gleichzeitig macht es mir auch Freude über Blogs als Instrument der akademischen Sphäre nachzudenken und mir verschiedene Anwendungsideen zu überlegen (und deshalb versuche ich immer mal irgendwas auszuprobieren. Mal was kleineres, mal was größeres). Ich als Mensch und soziales Wesen mag Kontakt zu anderen Menschen und nutze das Blog deshalb auch gerne als Netzwerk- und Diskussionstool. Dazu brauche ich dann aber auch Themen, die geeignet sind darüber zu sprechen. Zuletzt habe ich natürlich auch eigene Interessen. Ich interessiere mich zum Beispiel für Fußball. Deshalb ist es naheliegend, Fußball auch schonmal analytisch zu verwursten. Ich interessiere mich zum Beispiel nicht so für Genderfragen. Deshalb werdet ihr darüber nicht wirklich was im Blog finden. Wer sich so ein bisschen hier durchgelesen haben, der wird einiges über meine Interessen und meine (teils politischen) Positionen gelernt haben, aber so tun als ob ich neutral und objektiv sei, das ist jetzt auch nicht mein Ding, das können die Medien machen.

Die Ökonomie des Bloggens

Daneben gibt es noch ein zwei ganz allgemeine Überlegungen, die meine Themenauswahl mit beeinflussen. Ich habe nur begrenzte Zeit zur Verfügung. Manchmal mehr und manchmal weniger. Daraus folgt, dass ich manchmal keine Themen angehen kann, die eine intensivere Recherche benötigen. Außerdem folgt daraus die direkte Überlegung, dass ich nicht alles schreiben kann, zu dem ich eine Idee habe. Wenn ich mich also für ein Thema entscheide, ist das gleichzeitig auch oft eine Entscheidung gegen ein oder mehrere andere Themen.  Weiterhin habe ich gewisse Qualitätsanforderungen an mich selbst. Ehe ich irgendwas hinrotze schreibe ich garnichts, dann habe ich mir und euch Zeit gespart.

Aktuelle Themen und warum ich sie nicht aufgegriffen habe

Naja und vor diesem Hintergrund will ich  dann nochmal einen Blick auf die aktuellen Themen werfen, die zurzeit von unseren Medien als wichtig angesehen werden:

Die verschwundene/schwangere/gefährdete Frau

Kim Jong Uns Frau war „verschwunden“ und ist wieder da. Kim Jong Uns Frau ist fast zwei Monate nicht vor eine Kamera getreten, jetzt aber schon. Sie ist vielleicht Schwanger. Vielleicht gibt es auch andere Gründe. Vielleicht hat sie auch einfach was anderes gemacht. Was soll ich denn dazu schreiben? Ist das wichtig? Nein. Vielleicht wird es das irgendwann. Gibt es dazu interessante Hintergründe, die nicht bekannt sind? Nein. Kann ich irgendwas dazu schreiben, das nicht schon hundertfach im Buxtehuder Tagblatt oder anderen Qualitätsmedien steht? Eher nicht. Soll ich also für ein Thema, das ihr mit drei Wörtern bei Google recherchieren könnt ein wirklich relevantes oder interessantes Thema weglassen? Ganz sicher nicht.

Das Mörsermassaker mit langem Bart

Kim Jong Un macht ein Mörsermassaker und schlachtet trauerunwillige Generäle ab. Im Ernst? Dazu soll ich was schreiben? Zu der Geschichte, deren Bart länger ist, als alle ZZ-Top Bärte zusammen? Wenn ihr mein Blog einigermaßen regelmäßig gelesen habt, dann kam euch die Story vielleicht bekannt vor. Vor einem halben Jahr gab es die schonmal. Da haben unsere Medien aber versäumt auf den blödsinnigen Zug aufzuspringen. Und deshalb soll ich jetzt eine Story aufgreifen, die sich nach 6 Monaten nicht weniger bescheuert anhört. Am besten ihr lest die Vielzahl hochwertiger Informationen und gut recherchierter Hintergründe dazu im Buxtehuder Tagblatt.

Luftballonguerilla

Naja, zu den Luftballonflugblättern habe ich ja was geschrieben. Sogar zweimal. Da hatte ich nämlich ernstlich das Gefühl, dass das wichtig sein könnte. Aber soll ich jetzt dazu nochwas schreiben, weil die PR-Leute der Luftballonguerilla ein paar Imagefilmchen in unseren Medien platziert hat? Da hab ich besseres zu tun. Das könnt ihr genausogut beim Buxtehuder Tagblatt angucken.

Noch ein Buch, noch eine Flucht.

Nungut, zum Buch „Flucht aus Lager 14“ hätte ich vielleicht was schreiben können. Aber erstens habe ich es nicht gelesen, zweitens klang alles was ich darüber gelesen habe nach einem weiteren Fluchtbuch, das schildert wie schlimm  es in Nordkorea, wie grauenvoll die Lager und wie gefährlich die Flucht ist. Das ist mit Sicherheit nicht uninteressant, aber neu klingt das in meinen Ohren auch nicht. Da liest man m.E. besser die Publikationen von David Hawk zum nordkoreanischen Lagersystem. Da gibt es auch Augenzeugenberichte, dafür aber keine „literarische Freiheit“. Naja und nur über ein Buch zu schreiben, weil der Verlag ne gute Öffentlichkeitsarbeit macht und sogar das Buxtehuder Tagblatt drüber schreibt, das widerstrebt mir doch ein bisschen.

Ein Sack Reis in Mostar

War noch was? Achja, Kim Jong Uns Neffe Kim Han-sol hat irgendwas gesagt. Ist das wichtig? Hm, vielleicht ist gleichzeitig in Bosnien auch noch ein Sack Reis umgefallen. Wisst ihr was? Meine Nichte hat letztens auch gesagt, das Rhein-Main-Gebiet wäre blöd. Ist das wichtig? Naja, das Mädchen ist ein Kind und war noch nie da (sie hat also ungefähr die gleiche Ausgangssituation wie Kim Jong Uns Neffe), aber für mich ist das mindestens so wichtig, wie das Gelabere anderer Kinder. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden, über eine von beiden Aussagen zu berichten. Immerhin gab es ja einen ausführlichen Artikel im Buxtehuder Tagblatt.

Kurzkommentare auf Facebook

Abschließend bleibt noch der Hinweis auf meine Facebookseite. Da gebe ich mitunter etwas pointierter meine Meinung zu diesem und jenem Thema ab. Zum Beispiel zu dem Schwachsinn mit den Mörsern, dem „Verschwinden“ von Kim Jong Uns Frau und natürlich zu der äußerst bedeutsamen Aussage eines siebzehnjährigen Weltbürgers mit  Wohnort in Mostar. Darüber hinaus steht das Blog, wie gesagt auch für jeden offen, der mit seinen Inhalten zur thematischen Vielfalt beitragen will. Wenn ihr also in der Lage seid, etwas neues, interessantes, Wichtiges oder gehaltvolles zu Kim Jong Uns Mörsermassaker zu schreiben, dann freue ich mich sehr, das hier zu veröffentlichen.

Kritik ist ein Geschenk

So, ich glaube es war ne ganz gute Idee, das auch mal für mich aufzuschreiben, was meine Themenwahl beeinflusst. Vielleicht könnt ihr jetzt meine Beweggründe nachvollziehen, vielleicht aber auch nicht. Dann bin ich begierig eure Argumente zu hören und zu diskutieren. Das Bloggerei soll schließlich auch immer ein bisschen was Prozesshaftes haben. Das heißt, dass ich Input von außen gerne aufnehme, in meine Sicht einarbeite oder zumindest darüber nachdenke. Wenn solches Input aber ausbleibt, dann mache ich eben mein Ding wie bisher. Lange rede kurzer Sinn: Kritik ist ein Geschenk und verbessert nur das Gesamtergebnis. Daher seid ihr eingeladen euch auszutoben…

Naja, und wer auf lange Bärte steht, der sollte sich vielleicht die Nachrichten von vor ein paar Monaten sparen und sich stattdessen die Erfinder der langen Bärte reinziehen, dann verschwendet er seine Zeit wenigstens mit was Sinnvollem…

„North Korean Films“: Vielversprechendes Blog rund um die nordkoreanische Filmkunst


Lange kein Blog mehr vorgestellt. Da ergibt es sich ganz gut, dass ich kürzlich über das relativ junge „North Korean Films“ von Simon Fowler gestolpert bin. Besonders freut mich natürlich, dass das Blog eine Nische abdeckt, die bisher noch weitgehend brach lag. Der Film Kritiker und Buchautor (er hat das Buch „101 Essential Chinese Movies geschrieben“ und wer weiß, vielleicht hat er ja ein ähnliches Projekt mit nordkoreanischen Filmen vor) beschreibt seinen Plan für das Blog folgendermaßen:

In this blog I review North Korean movies, link to news and report on the way North Korea is portrayed in other films.

Bisher war er zwar noch nicht extrem fleißig, seine Artikel sind dafür umso interessanter. Es gibt Kritiken zu den Filmen Centre Forward (1978), Our Lifeline (2002) und From 5pm to 5am, sowie einige Hintergrundbeiträge (die aber gerne etwas ausführlicher sein dürften). Sehr interessant und vor allem für Filminteressierte eine gute Anlaufstelle ist seine „DPRK Film Database“ die er ganz unbescheiden als die

most comprehensive English-language database of North Korean films available on the internet

beschreibt. Ich bin kein Filmexperte und glaube es Herrn Fowler daher einfach mal. Sein Blog ist jedenfalls für Leute die sich für die nordkoreanische Filmkunst interessieren eine (aber noch nicht die) Anlaufstelle, die man sich mal ansehen sollte. Wenn der Autor in Zukunft ein bisschen häufiger oder ein bisschen ausführlichere Beiträge schreiben würde, dann könnte ich mich auch noch ein bisschen mehr für das Blog erwärmen und würde sicherlich regelmäßig vorbeischauen. Mal sehen wie sich das entwickelt…

Achja, mir gefällt sein Twitter-Feed ganz gut. Da gibts öfter mal links die irgendwo zwischen lustig und interessant zu verorten sind und die recht häufig in einem regionalen Bezug zu Ostasien stehen.

Blog Titel mal ernstgenommen, oder: Wo recherchiere ich zu Nordkorea ? (I)


Letztes Update: Eigentlich bringt es ja sehr wenig einen Artikel zu updaten, den kaum noch jemand liest, weil er alt ist. Daher verweise ich die, die zufällig hier landen an „Links zur Selbstrecherche“ dort gibt es mehr und ständig aktualisierte Infos zu interessanten Blogs.

Update 4: Wiedereinmal kann ich die frohe Kunde vermelden, dass mir ein weiteres deutschsprachiges Blog aufgefallen ist, in dem man öfter mal was über Nordkorea lesen kann. Dem Autor von Zirkumflex liegt vor allem die Menschenrechtssituation weltweit am Herzen und im Zusammenhang mit diesem Thema gerät auch recht häufig (so einmal in der Woche im Schnitt) Nordkorea auf sein Radar. Und dann gibts nen einigermaßen knapp gehaltenen, gut lesbaren Artikel mit einer Vielzahl weiterführender Links aus dem Bereich, den ich mal grob „Nordkorea und Menschenrechte“ nennen will, zu lesen. Außerdem gibts hin und wieder nen witzigen/skurrilen/interessanten Link oder n Video aus derselben Kategorie über Nordkorea zu finden. Besonders diejenigen, die speziell an Fragen der Menschenrechte interessiert sind, sollten hier öfter mal vorbeischauen.

Update 3: Aus irgendeinem Grund ist mir das sehr interessante Blog „North Korean Leadership watch“ bisher durchs Raster gefallen. Michael Madden beschäftigft sich hier annähernd jeden Tag mit Fragen der nordkoreanischen Führung. Dementsprechend schreibt er viel über Kim Jong Il. Was allerdings wirklich interessant ist, ist dass er darüber hinaus auch auf andere, wenig bekannte Figuren aus der politischen Elite Nordkoreas, eingeht. Weiterhin beschäftigt er sich auch mitunter mit den politischen Institutionen des Landes. Das Bog ist noch ziemlich neu, so drei Monate aber weil der Autor fleißig postet gibts schon ein ansehnliches Archiv. Außerdem hat er eine Vielzahl von Hintergrund Infos in Form von PDF Dokumenten zu den Biographien einer Vielzahl der politischen Elite angehörenden Personen, sowie zu den politischen Institutionen des Landes online. Auch das sehr interessant.

Update 2: Ein weiteres deutschsprachiges Blog das sich mit Ostasien beschäftigt und naturgemäß auch Beiträge zu Nordkorea bietet ist das von Bernhard Bartsch. Der Journalist, der für mehrere deutsche Tageszeitungen schreibt und seit 1999 in China lebt, beschäftigt sich in seinen ausführlichen Artikeln (manchmal auch auch in interessanten Interviews) mehrmals im Monat mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen Nordkoreas. Für diejenigen die gerne deutschsprachig zu Nordkorea recherchieren wollen definitv einen Besuch wert.

Update: Erstens scheint der Autor von „Communist Nation“ (ehemals DPRK Forum) aufgegeben zu haben. Zur Zeit ist die Seite nicht erreichbar. Ich werde das Blog noch ein Zeitchen in meiner Blogroll lassen, und wenn sich dann nichts tut, löschen.

Das Zweite was ich vermelden wollte ist etwas erfreulicher. Mir ist bei meiner Stöberei im Netz aufgefallen, dass sich Newsbento, ein deutschsprachiges Blog, das sich vorrangig mit gesellschaftlichen und politischen Themen Ostasiens beschäftigt, relativ regelmäßig zu wichtigen Entwicklungen in Nordkorea postet. Dementsprechend kann ich meiner Blogroll auch endlich was deutschsprachiges hinzufügen.

Ursprünglicher Beitrag: So, nachdem der erste Beitrag  ja recht leicht von der Hand ging stellt mich der zweite schon eher vor Schwierigkeiten. Leicht ist ein bisschen allgemeines Gesülze zum Thema abzusondern, schwerer wird es allerdings, wenn man dann konkret in die thematische Arbeit einsteigen soll. Denn: womit soll man jetzt anfangen? Unvermittelt irgendein Thema rausgreifen? Die aktuelle Entwicklung bearbeiten? Oder vielleicht irgendwas zu einem der vielen Kuriosa, die Nordkoreas Führungskräfte ja in erstaunlicher Regelmäßigkeit produzieren? Aber, stopp, das lässt sich ja vorerst noch umgehen, einfach nochmal was allgemeines, was die Leser aber trotzdem interessiert! Naja, dann will ich mal nicht weiter damit hinter dem Berg halten, sondern diejenigen Fundstellen im Internet auflisten, die sich für einen Einstieg zur allgemeinen, aber auch zur speziellen Recherche zu Fragen bezüglich Nordkoreas besonders eignen, bzw. die ich regelmäßig nutze.

Da ich hier ja schließlich in einem Blog schreibe und der Gedanke der Vernetzung in der Bloggosphäre (ich mag das Wort nicht, aber mir fällt kein besseres ein) eine große Rolle spielt, mache ich einfach mal den Anfang mit den meiner Meinung nach wichtigsten Blogs zum Thema. Das großartige Blog North Korean Economy Watch von Curtis Melvin, in englischer Sprache verfasst, kommt dem, wo ich vielleicht mal hinmöchte wohl am nächsten (und wenn ich nicht deutsch, sondern englisch bloggen würde, hätte ich mich vermutlich gehütet, ein Konkurrenzprojekt anzufangen). Melvin aktualisiert sein Blog mehrmals wöchentlich, fast täglich, und hat seinen Schwerpunkt zwar auf wirtschaftliche Themen gelegt, bedient aber auch andere Felder von Interesse. Er greift auf ein breites Spektrum an Informationen aus dem Netz, teilweise aber auch von interessierten Usern zurück und verdichtet diese zu durchweg lesenswerten Beiträgen. Wenn aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas erscheinen so sind diese samt Einschätzung Melvins zeitnah hier zu finden. Die Aktualität und Seriosität dieses Blogs zahlt sich auch durch eine relativ aktive und scheinbar zahlreiche Leserschaft aus, die Melvins Beiträge oftmals durch eigene Hinweise erweitert. Leider ist durch die große Zahl der erschienenen Beiträge die Navigation durch seine Kategorien etwas erschwert worden, da die Anzahl der Kategorien und Unterkategorien mittlerweile ausufert. Ein äußerst wertvolles, wenn auch mittlerweile etwas „vollgepacktes“ tool bietet Melvin mit der Google Earth Kartierung Nordkoreas an. North Korea uncovered beinhaltet sowohl Elemente ziviler als auch militärischer Infrastruktur, aber auch Statuen Kim Jong Ils und Kim Il Sungs und (vermutete) Wohnorte der Führungselite des Landes und viele weitere interessante geographische Angaben. Nicht nur zu Recherchezwecken, sondern auch um eine satellitengestützeten Annäherung an Nordkorea zu gewinnen ist dieses tool eine tolle Hilfe. Sofern man des Englischen mächtig ist, kann dieses Blog als Ausgangspunkt von Recherchen, vor allem zu wirtschaftlichen Aspekten, dienen. Ich hoffe ich habe an dieser Stelle nicht soviel Werbung gemacht, dass dies euer letzter Besuch dieses Blogs war, aber North Korean Economy Watch hat die Aufmerksamkeit jedes Nordkorea interessierten verdient und wahrscheinlich wäret ihr beim surfen früher oder später eh darauf gestoßen.

Ein weiters lesenswertes Blog stellt DPRK Studies dar, das von der inhaltlichen Ausrichtung her ein breiteres Feld abdeckt und von den professionellen bedingten Kenntnissen des Autors über Nordkorea profitiert. Allerdings aktualisiert der Autor das Blog weniger regelmäßig, vermutlich aufgrund beruflicher Verpflichtungen, was dazu führen kann, dass auch bei bedeutsamen aktuellen Entwicklungen in Nordkorea zugehörige Artikel garnicht oder erst mit Verspätung erscheinen. Allerdings ist ein wöchentlicher Blick in diese Blog trotz dieses Defizits durchaus angebracht. Neben den inhaltlichen Beiträgen bietet diese Seite eine breite und interessante Linksammlung zu einer Vielzahl von weiterführenden Seiten (Allerdings funktionieren leider einige der Links nicht mehr) und zu bedeutenden Dokumenten wie zwischenstaatlichen Verträgen, aber auch zur Verfassung von 1972 (JA, Nordkorea hat eine Verfassung, auch wenn diese seit 1972 mehrmals verändert wurde und generell nicht so bedeutend in der Tagespolitik ist wie das in westlichen Demokratien gewöhnlich der Fall ist). Generell bietet auch dieses Blog einen guten Ausgangspunkt zur vertiefenden Recherche.

Ein etwas jüngeres Blog sowohl was die „Bloghistorie“ als auch den Stil des Blogs angeht ist DPRK Forum. Seit Ende 2008 werden hier Themen mit Bezug zu Nordkorea (gelegentlich auch ohne Verbindung zum Thema Nordkorea, aber nicht störend oft) behandelt. Dabei setzt der Autor oft (Nachrichten-)videos und Bilder ein, was die Lektüre des Blogs erleichtert und auch als Fundstelle dienen kann, wenn man auf der Suche nach kurzen Videobeiträgen oder Bildern (hier ist die Fotosammlung hervorzuheben, die einige beeindruckende Einblicke in die nordkoreanische Alltagswelt anbietet) zum Thema ist. Allerdings sind die inhaltlichen Analysen weniger tiefgründig als diejenigen in den beiden zuvor beschriebenen Blogs. Nichtsdestotrotz ist auch dieses Blog einen gelegentlichen Besuch wert.

Wer sich einmal näher mit der Materie Nordkorea beschäftigt hat, mag schon einmal auf den Namen Andrei Lankov gestoßen sein. Lankov, ein ausgewiesener Experte zu Nordkorea, den seine Laufbahn auch schon an die Kim Il Sung Universität in Pjöngjang führte, verfügt sicherlich über tiefe Einblicke in das „Innenleben“ Nordkoreas die er auch relativ häufig in seinem Blog preisgibt. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass er auf russisch blogt. Dies macht die Lektüre für viele potentielle Leser relativ kompliziert. Zwar kann man sich hier zum Glück mit dem Google Übersetzungstool behelfen, allerdings wird der, der dieses Tool schonmal genutzt hat wissen, dass das nicht immer die reine Freude ist. Wer aber über diese Klippe gehen will (irgendwie kommt mir diese Redewendung in diesem Zusammenhang mal wieder komisch vor, aber ich folge da meiner Intuition und belasse sie an diesem Ort), dem bieten sich sicherlich interessante und fast tagesaktuelle Analysen eines wirklich kompetenten Wissenschaftlers.

The Marmot’s Hole von Robert J. Koehler ist zwar kein dezidiertes Nordkorea-Blog, sondern beschäftigt sich vielmehr mit koreanischen Belangen insgesamt. Allerdings ist es trotzdem einen Blick wert, da der Autor seit über zehn Jahren in Seoul lebt und von dort aus blogt und so eher einen südkoreanischen Blick auf Nordkorea widerspiegelt (auch wenn er seine amerikanische Herkunft nicht verbergen kann und will) und mehrmals in der  Woche über nordkoreanische Themen schreibt.

Wer  sich für Meinungen bezüglich Nordkorea interessiert die eher dem Lager der amerikanischen Falken zuzuordnen sind, der sollte sich One free Korea von Joshua Stanton ansehen. Seine relativ harte Position was das Vorgehen gegenüber Nordkorea angeht, wird in fast jedem seiner täglichen Beiträge deutlich. Wer sich nicht an der oftmals fast aufdringlich deutlich bezogenen Position Stantons stört, für den bietet sich einerseits ein relativ guter Überblick über Menschenrechtsfragen, vor allem zu Nordkoreas Straflagern, andererseits kann man hier teilweise auch einen Überblick über das Meinungsspektrum in den USA zum Thema Nordkorea bilden, da Stanton auch offen Aussagen derjenigen zu widerlegen sucht, die am anderen Ende des Meinungsspektrums liegen. Generell existieren in den USA einige Blogs, die sich mit Menschenrechtsfragen und Nordkorea auseinandersetzen und ein Spiegel einer relativ schlagkräftigen Lobbyarbeit in dieser Beziehung zu sein scheinen. Wer sich mit Menschenrechtsfragen in Nordkorea auseinandersetzt und gleichzeitig die Tatsache im Hinterkopf behält, dass es sich hier oftmals um die Ergebnisse aktiver Lobbyarbeit handelt, der kann sich Love North Korea oder auch North Korean Human Rights Matters ansehen.

Euch wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich bis hierher kein deutsches Blog genannt habe. Das hat seinen Grund und der ist nicht, dass ich mich vor Konkurrenz fürchte. Nein, mir ist einfach keiner bekannt. Das kann daran liegen, dass ich zu schlecht recherchiert habe, oder dass der mögliche Betreiber dieses Blogs denselben nicht gut genug vermarktet hat. Sei es, wie es ist, sieht so aus als würde ich mich in einer Marktlücke bewegen. Super, wenn ich nicht zuviel Werbung für die teilweise hervorragende englischsprachige Konkurrenz gemacht habe oder ihr lieber auf Deutsch lest, dann seid ihr wohl bis auf weiteres auf mich angewiesen. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden…

Hm, abschließend bleibt zu sagen: sollte ich ein hervorragendes Blog vergessen haben, vielleicht sogar ein deutschsprachiges, dann gebt mir bescheid. Ich schaus mir an und werde es gegebenenfalls hinzufügen. Wenn jemand koreanisch kann und ein echt gutes südkoreanisches Blog zu dem Thema hat, kann er mir auch gerne bescheidgeben, ich werde dann versuchen das gegenzuchecken und ggf. s.o..

Weiter Quellen zur Recherche über Nordkorea jenseits der „Bloggosphäre“ (wie ich das Wort hasse! Alternative Formulierungsvorschläge nehme ich gerne entgegen!) gibts dann bald. Und bis dahin ein Tipp: Wikipedia mag zwar gut sein um nen Überbick zu bekommen, die Grenzen der Erkenntnisgewinnung sind damit aber noch nicht vollkommen ausgereizt! Aber das wisst ihr ja schon alle, sonst wärt ihr ja jetzt nicht hier, sondern würdet euch schließlich gerade das hier durchlesen. Und wenn ihr damit schon durch wäret dann vielleicht das hier, obwohl, ihr wollt ja ernsthafte Information, aber recht lustig ist das trotzdem und wers noch ne Nummer platter mag dem sei dieses Prachtstück gesammelten Blödsinns ans Herz gelegt.