Kleiner Einblick in zeitgenössische nordkoreanische Malerei: Die „Kaesong Sammlung“


Es gibt ja Themen im Zusammenhang mit Nordkorea, über die hört man ziemlich oft etwas, auch wenn die Informationen nicht immer die besten sind (Politik, Propaganda, Wirtschaft) und es gibt andere Themen, über die man kaum etwas hört und über die es kaum mal Informationen gibt. Dazu gehört nicht zuletzt das kulturelle Leben jenseits dessen, das von der Propaganda nach außen getragen wird. Daher bin ich immer froh, wenn es mal einen Blick auf dieses wenig ausgeleuchtete Feld zu erhaschen gibt, auch wenn die Informationen wie in diesem Fall nicht mehr taufrisch sind.

Ich bin nämlich eben zufällig über die „Kaesong-Sammlung“ nordkoreanischer Kunst gestoßen und der Internetauftritt zu dieser Sammlung gewährt einen Einblick in das breite Spektrum nicht propagandistischer nordkoreanischer Kunst. Die Sammlung wurde aufgebaut von dem Niederländer Frans Broersen, der mit Hilfe einer Stiftung und einem finanzkräftigen Investor über 2.000  zeitgenössische nordkoreanische Kunstwerke zusammengetragen hat. Der Internetauftritt zeigt, wie gesagt, eine kleinen Teil der Bilder der Sammlung und hilft so einen Einblick in das breite Spektrum nordkoreanischer Kunst zu gewinnen.

Wie schon im Zusammenhang mit der Ausstellung „Blumen für Kim Il Sung“ in Wien deutlich wurde, zeigen viele Werke deutliche Anleihen am französischen Impressionismus. Aber es gibt auch einiges, das mich (in meinem absoluten Kunst-Laientum, also dreht mir daraus keinen Strick) an van Gogh erinnert und manchmal würde ich auch an sogar eher an Expressionismus denken, manchmal aber auch einfach an Kitsch (aber das ist ja Geschmackssache). Es ist wirklich sehr interessant das ganze mal anzuschauen und zu sehen, dass es auch in Nordkorea Künstler gibt, die Kunst ohne (großen) politischen Ballast produzieren. Wenn man sich tiefergehend für nordkoreanische Kunst interessiert, kann man auf der Seite auch noch den Katalog der Künstler anschauen, die Werke zu der Sammlung beigesteuert haben. Auch hier zeigt sich der Querschnittcharakter der Sammlung, denn die Altersspanne der Künstler deckt von Malern Ende zwanzig bis Mitte achtzig alles ab.

Ich frage mich ob es (für Leute die Geld zum Anlegen haben) eine sinnvolle Geldanlage ist, in zeitgenössische nordkoreanische Kunst zu investieren. Immerhin werden seit ein paar Jahren ganz schön hohe Preise für Kunst bezahlt. Und wenn man dann etwas hat, das jederzeit zu einer absoluten Rarität werden könnte, weil das System in dem es entstanden ist verschwindet, könnte man sich ja durchaus vorstellen, dass dafür irgendwann hohe Preise erzielt werden (bei den Bildern die ich kitschig finde kann ich mir das allerdings nicht vorstellen). Vielleicht haben Herr Broersen und seine Investoren ja ähnlich gedacht…

Irgendwie zum Thema passend, möchte ich euch noch auf den Sammelband „Exploring North Korean Art“ aufmerksam machen. Das ist glaube ich im Zusammenhang mit einem Symposium entstanden, das zum Rahmenprogramm der oben genannten Ausstellung in Wien gehörte. Das erste Kapitel des Buchs von Rüdiger Frank, mit dem Titel, „The Political Economy of North Korean Arts“ gibt es hier zum runterladen.

Nordkoreanischer Roman und Film: Interessantes Interview und toller Fernsehbericht


Heute sind mir zufällig zwei interessante Sachen über den Weg gelaufen, die sich mit verschiedenen Aspekten nordkoreanischer Kultur befassen und auf die ich euch kurz hinweisen möchte, da es recht selten etwas zu dem Thema gibt und noch seltener auf Deutsch.

In der taz gibt es ein Interview mit Bryan Myers, der sich schon sehr lange mit diesem Thema auseinandersetzt (sein Buch „The Cleanest Race“ war (zumindest hier) etwas umstritten, aber ich kann dazu nichts sagen, weil ich es nicht gelesen habe). Darin befasst er sich mit dem nordkoreanischen Roman, zwar nicht besonders tiefgehend, aber trotzdem interessant. Spannend finde ich es zum Beispiel, dass im nordkoreanischen Roman Kim Il Sung und Kim Jong Il als fiktive Figuren vorkommen dürfen. In den Staaten des ehemaligen Ostblocks wäre das für Führungspersonen wohl eher ein No-Go gewesen. Zum Interview geht es hier.

Auf arte gab es anlässlich der nordkoreanischen Filmwoche in der Sendung Metropolis (die finde ich ohnehin klasse) einen zehnminütigen Bericht, der sich etwas tiefergehend mit dem nordkoreanischen Film befasste, verschiedene Aspekte kurz beleuchtet und nordkoreanische und deutsche bzw. französische Experten zu Wort kommen lässt. Einfach nur gut und auch für Leute, die sich nicht unbedingt mit dem Thema Film befassen, absolut sehenswert.

Und noch etwas Interessantes hat der Bericht beinhaltet. Da gab es nämlich eine Filmaufnahme des jungen Kim Il Sung zu sehen und jetzt verstehe ich noch etwas besser, was mit der frappierenden Ähnlichkeit zwischen ihm und Kim Jong Un gemeint ist…

Der jung Kim Il Sung vor gut sechs Jahrezehnten...

...und sein Enkel heute

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