Münchener Kammerorchester besuchte Nordkorea: Kulturelle Diplomatie vs Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln


Vom 5. bis zum 9. November weilte das Münchener Kammerorchester in Pjöngjang. Dort studierten die Musiker gemeinsam mit nordkoreanischen Kollegen unter Führung des Komponisten Alexander Liebreich, der bereits in der Vergangenheit einige Erfahrungen mit dem kulturellen Austausch mit Nordkorea sammeln konnte, verschiedene Stücke ein, darunter auch das obligatorische „Arirang“ und „Doraji“. Darüber hinausgab es Meisterklassen für die einzelnen Instrumentengruppen, Vorträge zur Stilistik und Epochen der einzustudierenden Stücke und Unterricht von Alexander Liebreich für die Dirigierklasse der Kim-Won-Gyun-Musikhochschule Pjöngjang, die als Gastgeberin fungierte und die nordkoreanischen Musiker stellte. Ein materielles Gastgeschenk gab es auch n och in Form von vier Hörnern, die in Nordkorea scheinbar ziemlich selten sind (hoffentlich nicht wegen der „smarten“ UN-Sanktionen, die schließlich auch Klaviere sanktionieren, aber ich glaube es hat wohl eher was damit zu tun, dass das Budget der Musikhochschule keine Hörner hergibt).

Mit diesem Besuch, der vom Goethe-Institut (unter finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes) möglich gemacht wurde, setzen die Musiker die gute Tradition der kulturellen Diplomatie fort, die vor allem durch das Goethe-Institut aufrechterhalten und unterstützt wird. Und das trotz des Rückschlags für diese weiche Form der Diplomatie, den die Schließung des Lesesaals des Instituts im Jahr 2009 mit sich brachte. Das Goethe Institut meint zu seinem fortgesetzten Engagement:

Seit der Schließung des deutschen Lesesaals in Pjöngjang bemüht sich das Goethe-Institut Korea mit Sitz in Seoul weiterhin um kulturelle Kontakte mit diesem weitestgehend isolierten Land.
Gemeinsames Musizieren ist dabei ein möglicher Weg, einen persönlichen Austausch zu schaffen und die gegenseitigen Traditionen und Auffassungen erlebbar zu machen.

Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass die angesprochenen „gegenseitigen Auffassungen“ durchaus verschieden zu sein scheinen. Jedenfalls wenn man sich die Pressemeldungen beider Seiten ein bisschen genauer anschaut. Während in der Meldung des Goethe Instituts, die ich oben paraphrasiert habe, die Künstler und ihre Arbeit, sowie die Arbeitsprozess im Zentrum standen, sieht das in der KCNA Meldung anders aus:

DPRK-German Joint Concert Given

A joint concert given by performers of Pyongyang Kim Won Gyun Conservatory and the Munich Chamber Orchestra of Germany was held at the music hall of the Conservatory on Friday.

Appreciating the concert were Ryu Kyong Il, vice-chairman of the DPRK-German Friendship Association, and officials concerned.

Also enjoying the concert were the members of the delegation of culture of Germany led by Stefan Dreyer, director the Northeast Asian Regional Office of the Goethe Research Institute of Germany on a visit to the DPRK, diplomatic envoys, representatives of international organizations and staff members of foreign embassies here.

The performers were highly acclaimed for their high artistic representation of Sinfonie No. 44 composed by Joseph Haydn and Musique Funebre fur Streicher composed by Wiltold Lutoslawski and „Arirang“, Korean orchestral music.

Einerseits ist die Meldung wesentlich „outputorientier“, es geht also eigentlich nur darum was geleistet/gespielt wurde. Andererseits blieb für die Künstler eigentlich kein Platz. Wenn über so ein Konzert berichtet wird, dann sollte doch eigentlich zumindest der Name des Dirigenten nicht fehlen, oder? Stattdessen werden andere Namen genannt. Nämlich die des stellvertretenden Vorsitzenden der nordkoreanisch-deutschen Freundschaftsgruppe (der Vorsitzende (wenn damit die parlamentarische Gruppe gemeint ist, wovon ich ausgehe) ist ja gerade in Europa unterwegs. Soweit ich das verfolgen konnte, hat er eins oder mehrere Nachbarländer im Westen Europas besucht und war in Italien) sowie ungenannte andere Offizielle die damit befasst sind. Auf deutscher Seite wurde derjenige genannt, den man wohl am ehesten als „Offiziellen“ klassifizieren kann: Stefan Dreyer der für das Goethe-Institut als Leiter der Region Ostasien fungiert. Außerdem noch ausländische Diplomaten, Botschaftsangehörige und Mitarbeiter internationaler Organisationen.

Ihr wisst was ich meine, oder? Eigentlich geht es in der Meldung nicht wirklich um die Veranstaltung oder um Kultur. Das bildet nur sowas wie den Rahmen. Wichtig sind in dieser Meldung nur die Offiziellen, die Köpfe, die auf der Veranstaltung zugegen waren (und vielleicht noch, dass man Arirang gespielt hat). Das soll nichts über den Wert des Austauschs für die Musiker und für das individuelle Erleben aussagen. Aber für mich wird ein weiteres Mal die instrumentelle Haltung des „offiziellen Nordkoreas“ zu Musik und Kultur im Allgemeinen sichtbar. Kultur als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Allerdings sollte man sich es auch nicht allzu bequem machen auf seinem hohen Ross. Denn wenn man kulturellen Austausch vor diplomatischen Hintergründen fördert, dann ist das ja im Endeffekt ebenfalls eine Art der Instrumentalisierung.

Abseits von diesen Überlegungen ist wie gesagt die individuelle Dimension zu sehen. Und in die wird es heute Mittag auf DRadio Kultur einen sicherlich spannenden Einblick geben. Dann (laut Sendeplan um 15:07) wird Alexander Liebreich über seine Reise Auskunft geben (hier der Link zum Interview). Darauf freue ich mich, denn es ist oft angenehm Kulturleuten zuzuhören, die oft in ihrer Wahrnehmung weniger politisch verstellt sind.

Veranstaltungshinweise: Nordkoreanische Musik und Filme in mehreren deutschen Städten


Die Tatsache, dass sich in diesem Jahr die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea zum zehnten Mal jährt, ist bisher noch nicht wirklich ein großes Thema gewesen. Nun nehmen aber zwei wirklich interessante Veranstaltungen aus dem Feld der kulturellen Kooperation dieses Datum als Aufhänger, um für sich zu werben. Und damit ihr die Veranstaltungen nicht verpasst/überseht möchte ich euch kurz darauf aufmerksam machen.

Nordkoreanische Musiker (und Musik) in Freiburg, Hamburg und Berlin

Das erste Projekt kommt aus dem Bereich Musik. Prof. Dr. Bernhard Wulff , ein Hochschullehrer an der Freiburger Musikhochschule hat eine Zusammenarbeit deutscher und nordkoreanischer Musiker angestoßen, bei der der Schwerpunkt auf den beiden traditionellen koreanischen Instrumenten Changuu (eine Art Trommel) und Kayagum (so ähnlich wie eine Zither) liegt. Die Musiker werden für vier Tage gemeinsam arbeiten und die Ergebnisse der Kooperation dann im Rahmen von Konzerten in Freiburg, Hamburg, Berlin und Pjöngjang vorstellen. Leider konnte ich bisher nur den Termin für das Konzert in Freiburg finden, dass am 04.09. um 17:00 im Augustinum stattfinden wird. Wenn jemand schon was über die Konzerte in den anderen Städten gehört hat (ich vermute, dass sie nach dem Termin in Freiburg stattfinden), freut es mich, wenn er mir bescheidgibt.

Filmwochen mit spannendem Rahmenprogramm in Kiel, Köln und Berlin

Die zweite Veranstaltung soll den nordkoreanischen Film für deutsche zugänglich machen. Dazu werden in Berlin, Köln und Kiel sowohl aktuelle, als auch ältere nordkoreanische Filme gezeigt. Neben den 13 nordkoreanischen Filmen, die in Kiel zwischen dem 25.09 und dem 16.10. vorgeführt werden (ein Programm für Kiel gibt es hier), bietet die Tournee durch die drei Städte auch noch ein spannendes Rahmenprogramm. Eine Gruppe nordkoreanischer Filmschaffender begleitet die Veranstaltung und soll soweit ich das verstanden habe auch an den drei Veranstaltungsorten für Gespräche mit den  Besuchern bereitstehen. Die Delegation besteht aus Frau Ryom Mi Hwa, Geschäftsführerin der Korean Film Import and Export Corporation (Korfilm) aus Pjöngjang, Herrn Pak Jong Ju, Regisseur der 2. und 3. Folge des Films The Country I Saw und Verdienter Künstler des Volkes der DVR Korea, sowie Herr Choe Il Sim, Drehbuchautor des Films The Country I Saw. Zumindest in Kiel wird auch der Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Korea in Deutschland, Ri Si-hong zur Eröffnung der Filmwoche am 25.09. erwartet. Außerdem werden zwei der Filmvorführungen noch durch Gastvorträge ergänzt. Am 04.10. wird der Journalist Malte Herwig zu Filmindustrie und Filmkunst in Nordkorea referieren und am folgenden Tag wird Bernd Göken, der Geschäftsführer der Hilfsorganisation Cap Anamur über seine Erfahrungen im Rahmen seiner Reise nach Nordkorea berichten, von der er erst kürzlich zurückkehrte.

Für mich klingt das nach nem ziemlich guten Programm. Leider konnte ich auch hier nur vernünftige Info für Kiel finden. In  Berlin soll die Filmwoche wohl am 24. 09. starten und im Babylon Kino stattfinden und wo und wann es in Köln stattfinden wird, weiß ich nicht. Aber wenn dort das Programm ähnlich umfangreich ist wie in Kiel, dann ist das wohl definitiv einen Besuch wert. Wenn ihr also Infos über die Veranstaltungen in Köln und Berlin habt, freue ich mich auch hier über sachdienliche Hinweise.

Wenn ihr euch zu einigen der Filme näher informieren möchtet, dann kann ich euch für einen schnellen Überblick entweder die Seite des Veranstalters empfehlen, oder das  Blog „North Korean Films„, wo einige der Filme die ausgestrahlt werden, schon besprochen wurden.

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