„Nordkorea“, das Regime und die Bevölkerung: Warum wir uns ein differenziertes Bild machen sollten


In der aktuell angespannten Situation und der Berichterstattung über sie, kann man sehr viel darüber lesen, was Kim Jong Un tut und was Nordkorea tut, eigentlich wird beides dabei synonym verwendet und eigentlich ist beides falsch.

Warum wir unser Bild von „Nordkorea“ differenzieren müssen

Kim Jong Un ist nur ein einzelner Mensch. Wenn der alles das tun sollte, was ihm so zugeschrieben wird, dann hätte er ganzschönviel Arbeit und würde wohl tatsächlich über Superkräfte verfügen, wie das ja schon von seinem Vater und Großvater bekannt war. Nordkorea ist gleichzeitig aber vor allem ein Staat, der aus ganzschön vielen einzelnen Menschen besteht. Da gibt es Kim Jong Un, Militärs und andere Funktionäre und dann gibt es noch mindestens 85 % der Bevölkerung, die nicht zum Regime gehören (ich schätze das aufgrund der vermuteten Mitgliederzahl der Partei der Arbeit Koreas. Wer der nicht angehört, der wird auch nicht in besonderem Maß vom Regime profitieren können). Wenn wir sagen und schreiben, Nordkorea tut dies und das, dann schließen wir diese 85 % ein, obwohl sie hinsichtlich der Politik nichts zu sagen haben und es sich auch nicht wagen können, zu widersprechen.
Gleichzeitig sind diese 85 % der Bevölkerung aber von den Folgen der Politik ihrer Herrscher betroffen und haben unter ihren negativen Folgen zu leiden. Dadurch, dass wir uns ein Bild von „Nordkorea“ als einer Einheit prägen, die permanent den Frieden bedroht und gegen sonst anerkannte Normen verstößt, schließen wir die 85 % aus unserer Wahrnehmung aus. Der Umgang mit diesem Thema ist zwar komplex und schwierig, aber verdrängen sollte man ihn trotzdem nicht. Daher will ich heute mal versuchen, einen kleinen Ausblick auf die Folgen der aktuellen Situation für die Menschen zu geben, die in Nordkorea leben, ohne am Agieren des Regimes direkt beteiligt zu sein.

Folgen der aktuellen Krise in Nordkorea

Zu diesem Thema gab es in den letzten Tagen einige Hinweise, die sich einerseits auf wirtschaftliche Frage beziehen, andererseits aber auch auf das Wirken von Hilfsorganisationen im Land.

Warum es nicht gut ist, Nordkoreas Wirtschaft zu zerstören

Zuerst möchte ich allerdings den Blick auf wirtschaftliche Fragen lenken. Das ist natürlich eine relativ schwierige Frage, denn natürlich kann man auch argumentieren, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit in einer zentral gesteuerten Ökonomie immer auch dem zentralen Steuerelement, also dem Regime zugutekommt.
Allerdings ist dieses Argument aus mehreren Gründen nicht haltbar. Einerseits würde dieses Argument, dächte man in der Logik weiter, als einziges legitimes Vorgehen eine totale Quarantäne Nordkoreas vorschreiben. Keine Hilfen, keine Kontakte, solange bis das Regime weg wäre. Das wäre eine frappierende Missachtung eigener Normen, weil man das Leiden der 85 % offenen Auges in Kauf nähme, um ein nicht genehmes Regime weg zu bekommen (Ich dachte gerade an dieses berühmt gewordene Zitat aus dem Vietnam-Krieg: „Wir mussten diese Stadt zerstören um sie zu retten„. Wenn wir uns irgendwas auf unsere Humanität einbilden, dann ist das eine unmögliche Vorgehensweise. Weiterhin wird gerade in wirtschaftlicher Aktivität eine der Möglichkeiten gesehen, die Macht des Regimes zu brechen, denn wenn die Menschen in der Lage sind, sich unabhängig vom Staat zu versorgen, dann wird ihr Selbstbewusstsein größer und ihre Abhängigkeit wird weniger, so dass die absolute Machtfülle bei gleichzeitigen schlechten Ergebnissen hinterfragt wird. Außerdem ist wirtschaftlicher Aufbau auch im Interesse Südkoreas, denn wenn es irgendwann mal ein Ende nimmt, mit der Kim-Führung, dann könnte der Süden in der Situation sein, die Verantwortung für die nordkoreanische Bevölkerung übernehmen zu müssen. Je mehr die Wirtschaft des Landes am Boden ist, desto teurer wird das.

Wirtschaftliche Folgen der aktuellen Situation

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Folgen für die nordkoreanische Wirtschaft frappierend sein dürften. Gerade der ohnehin kaum vorhandene Tourismus dürfte unter Nordkoreas gebaren leiden. Einerseits werden kurzfristig weniger Touristen ins Land kommen. Andererseits dürften aber auch potentielle  Investoren in diesem Bereich ihr Vorhaben zweimal prüfen, bzw. rückgängig machen, wie das Beispielsweise im bei den Plänen der Hotelkette Kempinsiki,  bei der ehemalige Bauruine des Ryugyong Hotels einzusteigen, der Fall ist. Diese Aussichten sind gerade mit Blick auf die Versuche der nordkoreanischen Tourismusbehörden in den vergangenen Jahren, ausländische Touristen ins Land zu lotsen, ein Rückschlag für den Versuch eine vorsichtigen Öffnung.
Im wirtschaftlichen Bereich ist natürlich auch der Kaesong Industriepark zu nennen. Zwar halte ich seinen Wert für die tatsächlichen Perspektiven einer wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas für begrenzt, weil das Know How und das Kapital in südkoreanischen Händen blieb und die Nordkoreaner nur die (billige) Arbeit lieferten, jedoch dürfte die Anlage Effekte auf die nordkoreanischen Arbeiter gehabt haben. Es dürfte ihnen dort einerseits besser gegangen sein, als in nordkoreanischen  Betrieben, auch was die Entlohnung anging (selbst wenn sich der nordkoreanische Staat einen ordentlichen Teil davon abknapste), andererseits kam es zu einem regelmäßigen Austausch mit Südkoreanern und so möglicherweise zu einer Annäherung im Kleinen. Solange der Komplex geschlossen bleibt, ist es vorbei mit diesen Möglichkeiten.
Auch die jüngste Sanktionsrunde der UN könnte sich erheblich auf die nordkoreanische Wirtschaft auswirken. In diesem Artikel wird kurz das Problem angerissen, dass durch die nun stärker genutzten Finanzsanktionen gegen Banken auch legaler Wirtschaftsaustausch viel schwerer werden könnte, da es westlichen Unternehmen fast unmöglich gemacht würde, Geld nach Nordkorea zu transferieren. Diese Probleme könnten übrigens auch westliche  Botschaften im Land betreffen, die sich ja auch irgendwie finanzieren müssen.

Auswirkungen der aktuellen  Situation auf Hilfsorganisationen

Und damit kommen wir auch schon zur Tätigkeit der Hilfsorganisationen im Land. Denn nicht nur Unternehmen, sondern auch die europäischen Hilfsorganisationen scheinen laut dem Artikel zu fürchten, dass ihre Aktivitäten von den möglichen Finanzsanktionen, von denen die USA die EU gegenwärtig überzeugen wollen, stark eingeschränkt wären. Damit gerät erstmals der humanitäre Sektor in Gefahr, indirekt von den Sanktionen der Vereinten Nationen getroffen zu werden. Das wäre dann auch ein durchaus gültiger Beleg, dass die Sanktionen keineswegs „smart“ sind und nur der Führung schaden, sondern die gesamte nordkoreanische Gesellschaft treffen. Auch Gerhard Uhrmacher, der für die Welthungerhilfe in Nordkorea tätig ist, beschrieb heute im Interview mit dem Deutschlandfunk, dass die Sanktionen die Operationen der Hilfsorganisationen durchaus betreffen. Einerseits dadurch, dass wie beschrieben das Überweisen von Geldern schwieriger wird. Andererseits, weil die Grenzkontrollen nun engmaschiger geworden seien und dadurch der Strom von Hilfsgütern langsamer fließe, obwohl die Organisationen eigentlich von Kontrollen ausgeschlossen sein sollten. Außerdem seien die Mitarbeiter gegenwärtig alle in Pjöngjang, da man aufgrund der Sicherheitslage niemanden ins Feld schicken wolle. Einen anderen Punkt warf Gerhard Tauscher, der für die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und der Rothalbmond Gesellschaften in Nordkorea war in seinem Interview mit diesem Blog auf. Er erklärte, dass einige Geldgerber ihre Unterstützungen für die Hilfsorganisationen in Nordkorea auch vom „Wohlverhalten“ des Landes abhängig machen würden:

Man hat ja ungefähr einen Plan, wie viel Geld man ungefähr zur Verfügung hat und wenn dann die Politik eben wieder mal eine Rakete in den Weltraum schießt, oder was auch immer macht und dann gewisse Geldgeber aussteigen, dann wirkt das auch direkt auf die eigene Arbeit. Es gibt einige Geldgeber, die wirklich rein auf humanitäre Hilfe auch schauen, aber es gab auch einige Geldgeber, die dann sofort gesagt haben: “Ok. Dann nicht!” Ein Beispiel habe ich ja schon eben genannt.

Wie ich gehört habe, scheint die aktuelle Krise auch bereits in diese Richtung zu wirken, so dass es für manche Organisationen schwieriger geworden ist, Gelder aufzutreiben. Schädlich ist die aktuelle Situation vermutlich auch mit Blick auf mögliche Hilfen aus Südkorea. Die neue Präsidentin Park Geun-hye hatte angekündigt, anders als ihr Vorgänger Lee Myung-bak, humanitäre Hilfen und Politik auseinanderzuhalten (eigentlich ein Grundsatz humanitärer Hilfen (aber gut, Lee ist ja weg!)). Dies dürfte aber immer schwieriger zu vertreten sein, solange Nordkorea mit seiner Politik der Konfrontation fortfährt.

Nachdenken, bevor man über „Nordkorea“ spricht

Ich fürchte, meine kleine Aufzählung der Folgen der aktuellen Krise für die nordkoreanische Bevölkerung ist nicht vollständig und es gibt noch viele weitere Aspekte, die ich übersehen habe oder nicht kenne, aber darum geht es ja eigentlich auch nicht. Ich wollte nur das Bewusstsein wecken, dass wir, wenn wir von Nordkorea sprechen und von dem, was wir mit Nordkorea tun und lassen sollten, nicht nur die Führung dort ansprechen, sondern eine viel größere Zahl von Menschen, die nichts für die aktuelle Situation können und für die sich infolge des Vorgehens der Führung negative Konsequenzen auf das alltägliche Leben ergeben.

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Politik vs Wirtschaft: Aminex zieht sich aus Ölexploration in Nordkorea zurück


Knapp zwei Jahre ist es her, da berichtete ich über einen Öl-Explorationsdeal, den das irische Unternehmen Aminex mit den nordkoreanischen Behörden geschlossen hat. Danach durfte eine Tochterfirma von Aminex, die Korex Ltd. die zur Hälfte im Besitz von Chosun Energy Pte Ltd. (zu den beiden letzteren Unternehmen konnte ich keine vernünftigen Infos finde) ist und auch von dort aus gemangt wird, in einem Gebiet von 50.000 Quadratkilometern vor der nordkoreanischen Ostküste nach Öllagerstätten suchen. Seit der Deal geschlossen worden war, hörte man allerdings nicht mehr wirklich viel davon.

Aminex: Von Optimismus mit frustriertem Unterton zu…

Mitte letzten Jahres klangen die Aussagen des Unternehmens zur Unternehmung in Nordkorea noch recht optimistisch, wenn auch mit kritischen Untertönen:

evaluation has so far only reached the desk-top stage. This is a long-term project which is likely to come fully to fruition in a more favourable political climate. Whereas politics have improved and then deteriorated several times during the long period that Korex has been evaluating the DPRK’s potential and negotiating with its officials, the geology remains a constant and gives cause for great optimism.

[die Bewertung hat bisher nur das „Desktop-Stadium“ [meint Auswertung existierender Daten „am Schreibtisch“] erreicht. Dies ist ein langfristiges Projekt, das vermutlich bei einem politisch positiveren Klima Früchte tragen. Während sich die politische Situation während der langen Zeit, in der Korex das Potential der DVRK evaluiert und mit den Offiziellen vor Ort verhandelt hat, mehrfach verbessert und dann wieder verschlechtert hat, bleibt die Geologie unverändert und gibt großen Anlass für Optimismus.]

Ein kleines bisschen Frustration klang da aber auch schon mit, denn die Geologie wird vermutlich in ein paar hundert Jahren immernoch ungefähr gleich sein, aber ob diese Aussicht den Aktionären von Aminex reichen würde, das musste sich die Konzernführung wohl überlegen.

…Frustration ohne Optimismus

Hat sie gemacht und die Konsequenzen gezogen. Vielleicht war es der jüngste Raketentest, der die Unternehmensführung davon überzeugte, dass man auch in den nächsten Jahren nicht vom Schreibtisch auf die hohe See kommen würde und der dazu geführt hat, dass man sich für einen klaren Schnitt entschied. Jedenfalls gab Aminex anlässlich der Stellungnahme zum ersten Quartal 2012 bekannt:

Due to the volatile and unpredictable politics of the area Aminex has concluded that it is in the best interests of shareholders for the Company to withdraw from the Korean exploration programme and not participate in seismic acquisition.

[Aufgrund der volatilen und unvorhersagbaren politischen Bedingungen in diesem Gebiet, hat Aminex beschlossen, dass es im besten Interesse der Aktionäre des Unternehmens ist, sich aus dem Koreanischen Explorationsprogramm zurückzuziehen und nicht an seismischen Erkundungen teilzunehmen.]

Klingt also, als sei ein Ölboom in Nordkorea bis auf weiteres nicht zu erwarten. Aber wer braucht schon Öl, wenn er seine Fahrzeugflotte ebensogut mit hocheffizienten Holzvergasern betreiben kann…

Nordkoreanischer LKW mit Holzvergaser

Funktionieren doch blenden die Holzvergaser. Man braucht halt nur immer ein paar Leute auf der Ladefläche, die permanent nachfeuern. (Foto: Joseph A. Ferris III unter CC Lizenz Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0))

Zielkonflikt: (Innen-)politik vs wirtschaftliche Entwicklung

Auch hier zeigt sich wieder der altbekannte Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und anderen politischen Zielen, vor allem wohl interner Stabilisierung. Bei staatlichen Akteuren kann die Führung in Pjöngjang ja möglicherweise noch auf Verständnis für politische Argumente hoffen. Aber wenn man nach privatwirtschaftlichen Investoren sucht, dann muss man damit rechnen, dass sie sich rein an den Marktchancen orientieren. Und die werden in Nordkorea immer wieder durch das außenpolitische Agieren des Landes verhagelt, bzw. unberechenbar. Wenn sich sogar Unternehmen aus dem Land zurückziehen, die mit relativ geringen Investitionen im Geschäft sind, dann wirft das meiner Meinung nach einen sehr dunklen Schatten auf die Bemühungen, internationale Investoren (jenseits von China) vor allem für die Sonderwirtschaftszonen im Norden zu gewinnen. Denn diese potentiellen Investoren haben im Gegensatz zu Aminex bisher ja noch garkein Geld investiert und daher dürfte die Bewertung mitunter noch negativer ausfallen, vor allem wenn die Investition größer ausfallen würde.

Wo ein Wille ist, ist eben nicht immer ein Weg

Es ist zwar nur ein kleines Beispiel, aber auch hier zeigt sich wieder, dass es für Nordkorea ein sehr schwerer und steiniger Weg werden wird, die internationalen Investitionen in seine Wirtschaft breiter zu streuen und damit die immer ausgeprägter werdende Abhängigkeit von China zu mindern, wenn die Führung in Pjöngjang gleichzeitig nicht bereit ist, eine gemäßigtere außenpolitische Linie einzuschlagen. Man steht sich beim Thema wirtschaftlicher Entwicklung also weiter selbst im Weg. Und in diesem Fall würde ich dem alten Sprichwort wiedersprechen, nach dem man einen solchen findet, wenn nur der Wille da ist.

Ressourcen-Fluch erfolgreich vermieden!

Aber wer weiß, vielleicht hat sich die Führung in Pjöngjang ja auch genauso wie Marcus Noland über den „Ressourcen-Fluch“ Gedanken gemacht und verbucht es nun als Erfolg, dass das systemische Risiko, dass mit der Ausbeutung vieler Ressourcen verbunden ist, zumindest hinsichtlich möglicher Erdölfunde frühzeitig und nachhaltig abgewendet werden konnte. Denn wo nicht gesucht wird, da wird auch nicht gefunden und nichts gefördert…

Neue Zahlen zu Nordkoreas Wirtschaft: BIP und Handel mit China wachsen…vielleicht


Gestern ist mir ein kleiner Artikel ins Auge gesprungen, in dem es mal wieder Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkorea gab. Solche Artikel lese ich immer besonders gerne, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass man schlicht keine vernünftigen Zahlen zu Nordkoreas Wirtschaft finden kann (und bisher noch nach dem Gegenbeweis suche, denn ich wäre froh, wenn ich ihn fände), weil die Informationsbasis für solche Zahlen annähernd Null ist. Gleichzeitig bin ich aber immer begierig neue Zahlen zu lesen, nur um ein Gefühl für jüngste Entwicklungen zu bekommen (diejenigen die die Zahlen herausgeben werden ja nicht würfeln, sondern schon auf Basis irgendwelcher wissenschaftlicher Methoden agieren, daher glaube ich schon, dass solche Zahlen ganz hilfreich sind, um Tendenzen zu erkennen (so nach dem Motto: „Besser; Schlechter; ungefähr gleich)).

BIP wächst um 4,7 Prozent

Für das Jahr 2011 kommt das Hyundai Research Institute zu dem Ergebnis, dass Nordkoreas Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,7 Prozent gestiegen sei und dass Nordkoreas pro Kopf BIP nun bei 720 US-Dollar läge. Als Ursache sieht das Institut den gesteigerten landwirtschaftlichen Ausstoß des Landes und dass

Pyongyang also stepped up its efforts to meet its goal of building a strong and prosperous nation in 2012.

[Pjöngjang ebenfalls seine Bemühungen steigerte, das Ziel des Aufbaus einer starken und florierenden Nation im Jahr 2012 zu erreichen.]

Letztere Aussage finde ich ziemlich dämlich, denn sie enthält keinerlei Fakten, sondern nur einen Allgemeinplatz. Wenn ich einen Bericht sehe, dessen Ergebnis die Zahl 4,7% ist, dann erwarte ich eher Aussagen wie: „Die Kohleproduktion stieg um 127.500 Tonnen (12,7%) während der Abbau von Gold stagnierte.“ Wenn es solche Aussagen nicht gibt, dann frage ich mich, wo die 4,7 Prozent herkommen.

Handel mit China wächst weiter rasant

Interessant fand ich hingegen die neuesten Zahlen über den Handel zwischen Nordkorea und China. Den setzt das Institut für 2011 mit 5,63 Milliarden US-Dollar an, was einem erneuten Wachstum um über 60% gegenüber 2010 bedeuten würde, als der Handel zwischen China und Nordkorea bei 3,47 Milliarden US-Dollar lag und ebenfalls um über 50% zum Vorjahr gewachsen war. Grundsätzlich halte ich die Zahlen des Hyundai Research Institute daher für durchaus vorstellbar, allerdings frage ich mich, wo sie herkommen (und das so früh im Jahr).

Das große „Aber“

Naja, eigentlich schreibe ich das, was ich immer in solchen Fällen schreibe: Man kann mit Zahlen über Nordkorea nicht vorsichtig genug umgehen. Sie sind zwar nicht wertlos, aber sie haben bei weitem nicht den gleichen Wert, wie Zahlen zum BIP entwickelter Staaten. Man sollte also nicht zuviel darauf rumreiten.

Abschließend noch eine weitere Zahl, die das eindrücklich belegt: Wenn ich argumentieren  will, dass es der nordkoreanischen Wirtschaft so richtig schlecht  geht, dann nehme ich einfach die 720 Dollar pro-Kopf BIP, die das Hyundai Research Institute herausgefunden hat. Wenn ich aber beweisen will, dass es dem Land doch garnicht so schlecht geht, dann nehme ich lieber die Zahl, die im World Factbook des CIA (unter „Economy“) zu lesen ist. Da wird nämlich das pro-Kopf BIP mit 1.800 US-Dollar angegeben (Kaufkraftbereinigt). Naja, soviel zu den Zahlen…

Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (II, Think Tanks und aktuelle Informationen und Analysen)


Vorweg erstmal ne kleine Entschuldigung. Ich hatte ja eigentlich vorgehabt, eine regelmäßige Artikelserie zu starten und hab schon zwischen dem ersten und zweiten Beitrag die selbst gelegte (zeitlich) Latte gerissen. Aber ich war mit dem Interview mit Herrn Klitz, der Korrektur-/Endphase diverser Diplomarbeiten von Freunde und dann privat relativ beschäftigt und hab dementsprechend nur zu aktuellen Entwicklungen, die dies meiner Meinung nach erforderten, geschrieben. Aber jetzt hab ich die unmittelbaren Stressfaktoren abgearbeitet und kann mein Vorhaben zumindest in Teilen einhalten. Besserung zu geloben, was meine Disziplin bei der Einhaltung von selbstgesteckten Zielen angeht, wäre wahrscheinlich etwas zu viel. Ich schwäche das einfach etwas ab und gelobe zu versuchen mich zu bessern. Und nach diesem kurzen mea culpa gehts schon los mit dem, das euch wohl wesentlich mehr interessieren dürfte.

Nachdem ich letztes Mal schon den Newsletter der Good Friends mit dazugenommen habe, dachte ich, schreibe ich euch heute mal darüber, wo man noch Informationen und Analysen zu aktuellen Entwicklungen finden kann, die regelmäßig erscheinen und die Vorgänge in Nordkorea von einer eher wissenschaftlichen Warte betrachten. Dazu gibts ein paar Seiten von Think Tanks, die ich wirklich wärmstens empfehlen kann.

Nautilus Institute: Täglicher Newsletter und Analysen zu aktuellen Entwicklungen sowie eine Vielzahl von Hintergrundressourcen

Das Nautilus Institute ist ein Think Tank der eine Vielzahl von Experten im Bereich Asien-Pazifik vernetzt. Als Ziele hat sich das Institut gesetzt Frieden und Sicherheit schaffen und Nachhaltigkeit zu fördern. Das Netzwerk der Experten aus Forschung und Praxis soll helfen, Lösungen für die miteinander verbundenen Gefahren eines Nuklearkrieges, städtischer- und Energieunsicherheit und dem Klimawandel in der Region Asien-Pazifik zu entwickeln. In diesem Rahmen beschäftigt sich das Nautilus Institute auch ausgiebig mit Nordkorea. Im täglich erscheinenden Newsletter, dem NAPSNet Daily Report, zur Region Asien-Pazifik sind immer die wichtigsten Ereignisse mit Bezug zu Nordkorea enthalten. Darüber hinaus gibt es mehrmals im Monat im Policy Forum Online Analysen (oft) namenhafter Wissenschaftler (Rüdiger Frank schreibt hier öfter und ich glaube Andrei Lankov auch) zu aktuellen Vorgängen in Nordkorea. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch das DPRK Briefing Book, das sich zu fast allen bedeutenden Themen mit Bezug zu Nordkorea beschäftigt, aber kein Buch im eigentlichen Sinne ist, sondern eine relativ gut sortierte und umfangreiche Materialsammlung. Da sind also jede Menge PDFs zu den verschiedenen Themen verlinkt. Kann ich nur jedem empfehlen, der eine Recherche zu einem etwas speziellern Thema anfängt. Leider wurde das Briefing Book, glaube ich seit einigen Jahren nicht mehr geupdated, so dass die neuesten Materialen aus dem Jahr 2005 sind, es ist aber trotzdem toll. Zu der Seite ist generell zu sagen, dass sie graphisch und technisch nicht besonders Nutzerfreundlich gestaltet ist, was ich nicht wirklich verstehe. Die haben echt sehr gute Inhalte, wieso schaffen sie es nicht da einen Informatiker dranzusetzen, der die Seite mal ein bisschen auf Vordermann bringt. Aber naja, so muss man schonmal n bisschen rumklicken bis man das gefunden hat was man sucht. Und das lohnt sich auf jeden Fall. Fazit: Hervorragende Inhalte, aber ausbaufähiger Internetauftritt.

Center for Strategic and International Studies (CSIS): Vierteljährlicher Newsletter mit Analyse

Das CSIS hat sich zum Ziel gesetzt strategisches Einsichten und Lösungen für die Regierung (v.a. der USA) internationale Organisationen, die private Wirtschaft und die Zivilgesellschaft zu generieren. Es beschäftigt sich mit allen Weltregionen, aber eben auch recht ausgiebig mit Asien. Wie schon gesagt ist das CSIS etwas US fokussiert, was aber die Qualität der Informationen keinesfalls schmälert, man kann es aber im Hinterkopf behalten. Vierteljährlich wird das E-Magazin Comparative Connections herausgegeben, in dem verschiedene Länderexperten zu den bilateralen Beziehungen Ost-Asiens (+USA) schreiben (Hier betätigen sich u.a. Scott Snyder und Victor Cha). Es werden auf jeweils etwa 10 Seiten die Beziehungen der Koreas zueinander und mit den USA und China im letzten Quartal revuepassieren gelassen und analysiert. Außerdem gibts ne chronologische Auflistung der Ereignisse in den jeweiligen Beziehungen, die sehr empfehlenswert ist, wenn man irgendwas nachgucken will. Außerdem gibts bei CSIS gelegentlich mal ne Analyse zu aktuellen Themen, aber das muss man dann auf der Seite recherchieren. Leider hab ich auch hier, obwohl sie optisch sehr schön gestaltet ist, nicht ganz den Durchblick, wo man was findet. Die ist auch irgendwie durcheinander. Aber suchen kann sich lohnen. Fazit: Comparative Connections ein Muss für jeden der sich für die bilateralen Beziehungen der Region und Nordkoreas interessiert.

IFES – Institute for Far Eastern Studies: Zeitnahe Informationen und Analysen zu Nordkorea und Online Journal

Das IFES ist ein forschungsorientierter Think Tank, der an der Kyunganam Universität Seoul angesiedelt ist. Es will durch Forschung mit Fokus auf die Koreanische Halbinsel zu Frieden auf derselben und zur Vereinigung Koreas beitragen. Ergebnis dieser Forschungsarbeit sind gleich mehrere lesenswerte Publikationen. Das NK Brief informiert zeitnah und mit oft ausführlicheren Hintergrundinformationen, als man in der Presse finden kann, zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehnissen in Nordkorea. Im IFES Forum sind Analysen südkoreanischer und internationaler Wissenschaftler zu aktuellen Vorgängen in Nordkorea zu finden. Im ICNK Forum schließlich werden, wenn auch in recht großen zeitlichen Abständen, sehr lesenswerte Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas veröffentlich. Weiterhin gibt es die wissenschaftliche Zeitschrift Asian Perspectives zum herunterladen. Das dreimonatlich erscheinende Journal beschäftigt sich zwar nicht ausschließlich mit Nordkorea, aufgrund seines Fokus auf Ostasien, gibt es allerdings in nahezu jeder Ausgabe mindestens ein Artikel zu diesem Thema. In seiner Gesamtheit deckt das Informationsangebot des IFES ein breites Spektrum von Informationen ab, so dass man hier immer mal vorbeischauen kann, wenn man Infos zu einem speziellen Thema sucht. Das NK Brief liefert außerdem einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in Nordkorea. Die sinnvolle und angenehme Navigation auf der Seite vereinfacht die Recherche hier noch zusätzlich. Fazit: Hervorragend wenn man keine bedeutende Entwicklung verpassen will oder zu speziellen (v.a. wirtschaftlichen Themen) recherchiert.

Daily NK: Aktuelle Informationen oft direkt aus Nordkorea von Aktivisten für Menschenrechte und Demokratisierung in Nordkorea.

Daily NK ist eine weniger akademische Informationsquelle als die zuvor Genannten. Eigentlich ist es fast eine Art Online-Zeitung. Da die Macher aber klare politische Ziele verfolgen habe ich mich gescheut, Daily NK unter der Rubrik „Presse“ einzuordnen. Daily NK beschäftigt sich mit politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgängen in Nordkorea und hierzu gibt es mehrere sehr interessante Beiträge pro Tag zu lesen, die schön präsentiert und oft mit Fotos versehen sind. Besonders toll an der Seite ist, dass eine Vielzahl von Kontakten zu Menschen in Nordkorea zu bestehen scheint. Dies erlaubt oft interessante Einblicke in die Vorgänge in Nordkorea. Allerdings muss ich gestehen, dass ich Daily NK gegenüber immer etwas misstrauisch bin. Die Informationen sind nicht nachprüfbar und werden oft recht einseitig ausgelegt. Daher sollte man sich beim Lesen der Seite immer bewusst sein, dass die Macher versuchen könnten, die Meinung der Leser zu beeinflussen (vielleicht sogar zu manipulieren). Aber wenn man das beachtet und das gelesenen kritisch hinterfragt, bietet Daily NK eine durchaus lesenswerte und aufgrund ihrer Informationskanäle hochinteressante Informationsquelle. Fazit: Interessante Informationen oft von Menschen aus Nordkorea, aber mit Vorsicht zu genießen.