Wie deutschsprachige Experten und Politiker Nordkoreas Nukleartest bewerten: Eine Netzschau


Wie vorgestern ja bereits angekündigt, habe ich mir heute mal angeschaut, wie die deutschsprachige Expertencommunity den Nukleartest Nordkoreas einschätzt und werde für euch die relevanten Stellungnahmen, die es so gab, in aller Kürze auflisten. Und weil die Bundestagswahlen ja auch langsam wieder näher rücken und es sich dementsprechend keine Partei mehr leisten kann, zu irgendwas keine Meinung zu haben, habe ich der Liste auch noch die Äußerungen aus dem politischen Deutschland hinzugefügt.

Experten

Radio:

Eric Ballbach (FU Berlin) im Interview mit MDR Jump (Gute Analyse von Ballbach. Er benennt klar die Hintergründe des Tests und identifiziert auch weiter reichende Zusammenhänge. Sehr gut.)

Rüdiger Frank (Uni Wien) im Interview mit Ö1 (Umfangreiches Interview mit sehr guten Analysen und einem pessimistischen Blick, was möglichen Einfluss aus dem Ausland angeht. Absolut hörenswert.)

Hanns W. Maull (Uni Trier) im Interview mit dem SWR: (Schöne Analyse mit Fokus auf die Rolle Chinas und die schwierigen Beziehungen zwischen China und Nordkorea. Es wird aber auch ein Blick auf das neue Personal in den USA (Außenminister Kerry) geworfen, der meiner Meinung nach lohnt. Absolut hörenswert.)

Hanns W. Maull im Interview mit dem DLF: (Sehr ausführliches Interview mit guter, wenn auch für Nordkorea recht pessimistischen Analyse (Stichwort „Zombiestaat“). Wenig sinnvoll finde ich auch das Heranziehen des Korruptionsindexes von Transparency International, da die Einschätzungen über Nordkorea weitgehend auf Schätzungen beruhen. Ok.)

„Print“:

Rüdiger Frank im Interview mit DW World (Kurzes Interview ohne großartiges Neues. Frank fordert die bestehenden Realitäten anzuerkennen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Realistischer bis pessimistischer Blick. Wer das Radiointerview gehört hat, findet hier nicht viel Neues.)

Rüdiger Frank im Interview mit der Wiener Zeitung (Siehe oben. Nicht viel Neues, wenn man das Radiointerview gehört hat.)

Hanns Günther Hilpert (HSFK) auf der Homepage der HSFK: (Sehr prägnante Analyse die alle (möglichen) Beweggründe für den Test und mögliche Folgen prägnant auf den Punkt bringt. Allerdings fehlt eine Gewichtung der Gründe, die man durchaus vornehmen könnte. Ok.)

Hanns Günther Hilpert mit O-Tönen im Focus: (Schöner Artikel, weil die Autorin die Expertise Hilperts angezapft und ihren Artikel darauf aufgebaut hat. Die Einschätzungen Hilperts finde ich schlüssig. Außerdem gibt es einen Infokasten mit ein paar Infos zu Nordkoreas Nuklearprogramm. Lesenswert.)

Politik:

Regierung:

Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes mit der Verurteilung des Nukleartests.

Reaktion des Auswärtigen Amtes: Situationsbeschreibung und Hinweise auf bisheriges (Botschafter einbestellt) und weiteres Vorgehen (Außenministerrat der EU am 18. Februar).

Interview mit dem Russlandbeauftragten der Bundesregierung (Dr. Andreas Schockenhoff) mit wenig tiefschürfender aber nicht falscher Analyse der Situation.

CDU:

Interview des DLF mit Ruprecht Polenz, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.

Interview von DRadio Kultur mit Herbert Reul, der für die CDU im Europäischen Parlament sitzt und der Delegation des Parlaments für die Koreanische Halbinsel vorsteht.

FDP:

Pressemitteilung von Bijan Djir-Sarai, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Außenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion.

SPD:

Rolf Mützenich zu Nordkoreas Atomtest.

Interview der Nordwestzeitung mit Johannes Pflug (der schon einige Male nach Nordkorea gereist ist) .

Bündnis 90 Die Grünen:

Pressemitteilung von Agnieszka Brugger, Sprecherin für Abrüstungspolitik.

Interview des WDR mit Bärbel Höhn.

Äußerungen gegenüber der Rheinischen Post Online von Claudia Roth.

Die Linke:

Pressemitteilung von Stefan Liebich, Mitglied im Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.

 

So, das war es erstmal. Ist zwar alles nicht mehr ganz frisch, aber da seit Dienstag eigentlich nichts mehr passiert ist, trotzdem noch aktuell. Was mir hier aufgefallen ist, ist vor allem, dass es relativ wenig Infos von echten Experten zu finden gab, dafür aber relativ viel Informationsabsonderung von Seiten der Bundespolitik. Ich glaube das hat nichts damit zu tun, dass Politiker sich das Thema Nordkorea plötzlich zueigen machen, sondern dass man glaubt, es sich im Vorfeld der Bundestagswahlen im September nicht mehr leisten zu können, zu irgendetwas keine Meinung zu haben. Die Statements der Politiker wie Experten sind eigentlich nicht besonders überraschend. Je nach parteipolitischer Ausrichtung wird das Thema so gerahmt, dass man die eigene politische Richtung unterbringen kann. Ansonsten fehlt in nahezu keiner Stellungnahme der Hinweis auf die besondere Bedeutung Chinas. Das ist einerseits wahr, andererseits hätte ich mir aber auch gewünscht, dass der eine oder andere irgendeine eigene Idee in den Raum stellt und nicht nur immer auf China als potentiellen Problemlöser verweist.

Achja, was mich noch wirklich interessieren würde: Was haltet ihr eigentlich von solchen Überblicken, die ich nach wichtigen Ereignissen relativ wertneutral zu geben versuche? Sind die sinnvoll oder könnt ihr nicht wirklich was damit anfangen? Ich finde sie eigentlich ganz gut, kann aber nicht wirklich einschätzen, ob ihr was davon habt. Antwort gerne per Mail oder Kommentar…