Iran und Nordkorea: Wo Gemeinsamkeiten anfangen, wo sie aufhören und was das über Internationale Beziehungen sagt


Quelle: Flags.de

Heute will ich mich etwas ausführlicher und abstrakter mit den Beziehungen zwischen Iran und Nordkorea, unserer Wahrnehmung dieser Beziehungen und den Lehren, die der Iran aus der Geschichte der Nuklearisierung Nordkoreas ziehen kann, beschäftigen. Ich weiß, dass ich damit ein relativ großes Fass aufmache und dass ich das vielleicht nicht  zu eurer Zufriedenheit erschließen kann, aber da ich mir in letzter Zeit ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht habe, möchte ich die gern mit euch teilen. Wenn ihr mögt könnt ihr gerne nach Herzenslust kritisieren und  kommentieren…

Nordkorea: F & E für den Iran?

Wer in den letzten Monaten und Jahren die Vorgänge um Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm aufmerksam beobachtet hat, bei dem dürfte sich ein ganz bestimmter Eindruck durchgesetzt haben. Irgendwie klingt es in unseren Medien häufiger mal so, als habe der Iran seine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in weiten Teilen nach Nordkorea ausgelagert. Bei jedem relevanten Test in Nordkorea — und häufiger auch mal zwischendurch — kann man von iranischen Wissenschaftlern lesen, die nach Nordkorea reisen um zu beobachten, zu lernen oder zu beraten. Was und wie und wer, das wird nicht klar und auch die Quellen für diese Berichte sind meist gut informiert, aber vor allen Dingen sehr geheimnisvoll. In jüngster Zeit kann man auch schonmal lesen, dass Nordkorea geheimgebliebene Tests im Auftrag des Irans durchgeführt habe, dass der Iran für die Rechnung des jüngsten Nukleartests aufgekommen sei und dass Iran und Nordkorea eine „Allianz gegen die USA“ geschmiedete hätten.

Kooperation der bösen Elite

Wenn man das alles so hört kann einem ja angst und bange werden. Das Bild das sich ergibt, ist dasjenige eines Regimes in Pjöngjang, dass aus seinem Nuklear- und Raketenprogramm kein Geheimnis macht, sondern so ziemlich jeden, der sich ein Ticket nach Pjöngjang leisten kann und darüber hinaus noch ein bisschen harte Währung mitbringt, an seinem Wissen teilhaben lässt und auch das eigene Territorium gerne mal für Nukleartests zur Verfügung stellt. Gleichzeitig wird das Bild eines Iran gezeichnet, der alles tut, um an Nuklearwaffen zu kommen, der mit den bösesten der Bösen kooperiert und der — und das ist wohl entscheidend — eigentlich schon kurz vor dem nuklearen Durchbruch steht, weil er durch seine nordkoreanische Kooperation so viel Nuklearwissen sammeln kann, dass er es garnicht nötig hat, selbst Tests durchzuführen.

Böse Achse: Jetzt doch noch?

Über diese Bilder, die da erzeugt werden, habe ich dann in der letzten Zeit ein bisschen nachgedacht, weil es mir irgendwie seltsam vorkam, dass da auf Teufel komm raus immer wieder eine Verbindung hergestellt wird, die so nicht wirklich zu belegen ist, die aber aus irgendeinem Grund „herbeigewünscht“ wird. Beim Nachdenken an die Konstruktion dieser Beziehung fiel mir als erstes George W. Bushs berühmte Rede zur Lage der Nation aus dem Jahr 2002 ein, in deren Rahmen er die „Achse des Bösen“ in die Welt brachte und damit (zumindest in Teilen) bewirkte, dass sich ein verbales Konstrukt in ein reales Konstrukt verwandelte. Wenn es einen Ingenieur gab und eine Achse gibt, deren Existenz auch heute noch strittig ist, dann war George W. Bush ihr Schöpfer (warum ich das denke, das könnt ihr hier nachlesen). Aber obwohl Bushs Konstrukt noch bis in die heutige Zeit wirkt und es interessierten Gruppen leichter macht, Verbindungen zwischen dem Iran und Nordkorea zu ziehen, kann es wohl nicht als eigentlicher Grund für die Begeisterung, mit der Gerüchte über Kooperationen immer wieder in die mediale Realität geholt werden.

Bildergeschichten

Als ich dann über die konkreten Bilder Irans und Nordkoreas nachgedacht habe, die erzeugt werden, ist mir noch etwas anderes aufgefallen: Während das Bild von Nordkorea, das da gezeichnet wird, nicht wirklich viel Neues beinhaltet bzw. nahezu perfekt in das Narrativ passt, dass auch ansonsten (wohl nicht ganz zu Unrecht) erzeugt wird (es wird ein Land beschrieben, dass bereit ist, für Geld und sein Nuklear-/Raketenprogramm sehr viel zu tun, einschließlich der Weitergabe von Wissen über dieses Nuklear- und Raketenprogramm), sieht das im Fall Irans etwas anders aus.

Beweisen was man eh schon weiß…

Zwar ist man sich in vielen westlichen Hauptstädten (zumindest dem äußeren Schein nach) sicher, dass der Iran Nuklearwaffen bauen will. Aber trotz den Versuchen, dass immer wieder überzeugt und selbstbewusst vorzutragen, mangelt es an einem wichtigen Detail: Man hat keinen Beweis. Man kann zwar Indizien ins Feld führen, wie einige Aussage des bösartigen kleinen Präsident in Teheran oder die Frage, warum der Iran in ein Raketenprogramm investiert, was nur dann wirklich sinnvoll sei, wenn man auch Waffen entwickelt, die die Raketen transportieren können, aber das ist weit davon entfernt, Beweiskraft zu haben. Man kann auch die Geheimnistuerei Teherans hinsichtlich seines Nuklearprogramms als Beleg ansehen, aber als Akteur, der sich nicht ohne Grund vom mächtigsten Staat der Welt und seinen regionalen Schützlingen bedroht fühlt (ob man dafür nicht auch selbst Schuld trägt, steht auf einem anderen Blatt und soll hier nicht weiter diskutiert werden), ist ein gewisses Maß an Geheimniskrämerei mit Sicherheit nicht die schlechteste Idee. In dieser unangenehmen Situation sucht man natürlich unter Hochdruck nach Beweisen oder wenigstens Indizien. Und hier kommt — so meine Überlegung — die Vorliebe des Westens für iranische Beteiligungen an nordkoreanischen Tests aller Art ins Spiel.

…mit Hilfe der Nordkoreakooperationsgeschichten

Denn einerseits verstärkt dieses Bild natürlich die Wahrnehmung Irans als Staat, der zweifelsfrei nach nuklearer Bewaffnung strebt, denn was sollen denn iranische Wissenschaftler bei einem nordkoreanischen Nuklear-/Raketentest und warum sollte der Iran sowas finanzieren, wenn er sich nicht für die Ergebnisse interesseiert? Andererseits wird damit aber auch einem noch etwas weitergehenden Denkweg das Feld bereitet. Denn wenn Nordkorea quasi im Auftrag des Irans Nukleartests durchführt und iranische Wissenschaftler an den wichtigen Schritten dazu beteiligt sind, dann ist es den iranischen Waffenbauern ja möglich, umfassendes Know-How zu sammeln, ohne dass es westlichen Akteuren möglich wäre den Beweis anzutreten, dass der Iran tatsächlich nach Nuklearwaffen strebt (den Zweifelsfreien Beweis gibt es eben erst mit einem Nukleartest). Und wenn der Iran also auf dem Weg zum Bau einer Atombombe schon sehr weit kommen kann, ohne dass er seine Intention enthüllen muss, dann bleibt die Frage, ob man den Schritt Irans zur ernsthaft nuklear bewaffneten Macht noch verhindern kann, wenn das Vorhaben irgendwann dann öffentlich gemacht wird. Der Rest des Gedankens ist schnell gedacht: Eigentlich darf  man nicht warten, bis man beweisen kann, dass der Iran Nuklearwaffen entwickeln will, sondern man muss den nuklearen Durchbruch präventiv entgegentreten.

Es geht nicht um Nordkorea, sondern um den Iran

Das Ergebnis meiner Überlegungen war also im Endeffekt ganz einfach: Wenn über nordkoreanisch-iranische Nuklear-  und Raketentestverbindungen berichtet wird, dann geht es in der ganzen Geschichte überhaupt nicht um Nordkorea. Eigentlich geht es nur um den Iran. Um genauer zu sein geht es darum, ein weiteres Argument für ein scharfes Vorgehen gegen den Iran zu kultivieren. Daher dürft ihr euch nicht wundern, wenn es in Zukunft mit zunehmender Besorgnis um Irans Nuklearprogramm auch zunehmende „Erkenntnisse“ über die nuklearen Beziehungen zwischen dem Iran und Nordkorea geben wird.

Nordkoreas nuklearer Weg …

Aber wenn ich diese wenig sinnvolle Konstruktion von Verbindungen zwischen dem Iran und Nordkorea kritisiere, dann soll das nicht den Blick dafür verstellen, dass Nordkorea für den Iran — ob mit oder ohne Weitergabe von Technologien und Know-How – auch in anderer Weise als wichtige Quelle für Wissen anderer Art fungiert. Denn unabhängig davon, ob der Iran nun aktiv, perspektivisch oder eigentlich garnicht an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet, hat Nordkorea für jeden Staat der Welt, der gegen den Willen der Staatengemeinschaft Nuklearwaffen entwickeln will, eine Blaupause geliefert, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

… Eine Blaupause für den Iran?

Eigentlich muss man nur möglichst lange auf dem Boden bestehender völkerrechtlicher Verträge agieren und alle Freiräume nutzen, die diese bieten. So bietet der Vertrag über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen jedem Staat das Recht, ein friedliches Nuklearprogramm zur Energiegewinnung zu betreiben. Mit diesem Recht im Rücken kann man schonmal relativ weit kommen. Gleichzeitig muss man seine Intention geheimhalten und auf Misstrauen der Staatengemeinschaft damit reagieren, dass man Uneinigkeit sät und so verhindert, dass es  zu einem Konsens hinsichtlich eines gemeinsamen Vorgehens kommt. Hierzu dienten zum Beispiel die Verhandlungen, die Nordkorea immer wieder mit den USA und später im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche führte. Der Gedanke militärisch gegen einen Staat vorzugehen, der bereit ist zu verhandeln ist ja nicht ohne Grund relativ schwierig. Das ist natürlich nur eine sehr grob umrissene Beschreibung des Vorgehens Nordkoreas und sicherlich gehören dazu noch weitere Kniffe, aber zentral sind die Ausnutzung von Lücken im  internationalen Vertragswerk, eine gewisse Dialektik, was die Bereitschaft angeht, über das eigenen Nuklearprogramm zu verhandeln und die tatsächliche Bereitschaft, es aufzugeben und eine bewusste Manipulation der Regierungen und Öffentlichkeiten der relevanten Akteure (Uneinigkeit kultivieren und säen und dadurch geeintes Vorgehen verhindern).

Ein zentrales Problem in den Internationalen Beziehungen

Und all das, was ich vorher beschrieben habe, kann man wieder sehr gut zusammenfassen und herunterbrechen auf eines der zentralen Probleme der Internationalen Beziehungen und um genauer zu sein, der Staaten im Umgang miteinander (und darüber hinaus auch der Menschen miteinander). Dieses zentrale Problem lässt sich zusammenfassen mit: „Man kann nicht in die Köpfe der Leute gucken.“ Etwas länger gesagt kann man sich der Intentionen anderer Menschen oder Staaten nie wirklich gewiss sein. Das heißt man muss sich entweder darauf verlassen, dass die Vergewisserungen anderer hinsichtlich ihren Intentionen wahr sind, dass eine Übergeordnete Instanz sie zwingt, gewisse Intentionen nicht in die Tat umzusetzen oder dass man selbst ihre Intentionen aus Indizien und ihrem Verhalten ablesen kann.

Die Interpretation von Intentionen: Riskantes Geschäft

Letzteres ist vor allem in feindseligen Beziehungen die meistgenutzt Vorgehensweise, um mit der Ungewissheit hinsichtlich des Vorhabens anderer umzugehen, aber gleichzeitig führt es auch schnell zur Eskalation. Denn einerseits impliziert ja die Tatsache, dass man Indizien nutzt um Intentionen zu identifizieren, dass man Selbstauskünften nicht glaubt und dass man übergeordneten Institutionen nicht zutraut, Verhaltensänderungen zu bewirken. Das heißt ein einmal gezogener Schluss hinsichtlich der Intentionen anderer kann kaum noch revidiert werden und führt gleichzeitig schnell zu einem Handlungsautomatismus. Der Schluss kann nicht revidiert werden, weil man Selbstauskünften der anderen Seite nicht glaubt, das heißt es gibt eigentlich keinen Weg mehr das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Da man übergeordneten Institutionen nicht zutraut, handlungsverändernd zu wirken, ist die einzige Möglichkeit die Umsetzung der mutmaßlichen Intuitionen zu verhindern, das Ergreifen eigener Maßnahmen. Eine ziemlich vertrackte Situation. Vor allem wenn man jetzt nochmal den Blick auf das Iranszenario richtet.

Implikationen für den Fall Iran

Wenn man sich das rein hypothetische Szenario vorstellt, in dem der Iran vor einigen Jahren beschlossen hat, ein ziviles Nuklearprogramm zu starten, ganz ohne militärische Hintergedanken. In diesem Szenario haben dann in der Folge alle Parteien so gehandelt, wie es tatsächlich der Fall war, samt der Zuschreibung des Westens, der Iran treibe ein militärisches Nuklearprogramm voran und verschleiere dieses Vorhaben hinter seinem zivilen Programm, sowie den Drohungen mit militärischen Maßnahmen. In diesem Szenario hat der Iran im Endeffekt zwei sinnvolle Handlungsoptionen: Entweder er gibt sein Nuklearprogramm vollständig auf. Damit hat er zwar nicht seine Intentionen enthüllt, aber das ist dann ja auch zweitrangig, weil er auf keinen Fall das unterstellte Vorhaben umsetzen kann. Oder er treibt sein Nuklearprogramm weiter voran, richtet es aber militärisch aus, weil er weiß, dass ein nuklearer Durchbruch es sehr unwahrscheinlich macht, dass ein anderer Staat ihn mit dem Ziel attackiert, sein Verhalten zu ändern. Würde er sein ziviles Programm allein vorantreiben, würde er permanent der Drohung unterliegen, dass andere Staaten Maßnahmen ergreifen, um ihn von der zugeschriebenen Intention abzubringen. Lange Rede kurzer Sinn: Unabhängig davon, was der Iran ursprünglich mit seinem Nuklearprogramm vorhatte. Mittlerweile ist es nur noch folgerichtig, wenn er ein militärisches Programm verfolgt.

Misstrauen: Die letzte Instanz

Alles in allem sind der Iran und Nordkorea sehr gute Beispiele dafür, dass die letzte Instanz in den internationalen Beziehungen auch heute noch die Angst und das Misstrauen vor den Intentionen der anderen ist. Zwar haben wir uns vielfältige Institutionen gegeben, um dieses Misstrauen aus der Welt zu schaffen und damit die Angst zu kontrollieren, aber wenn diese Institutionen nicht funktionieren, dann herrscht heute wie früher ein anarchisches System vor, in dem im Zweifel der stärkere oder der mit mehr Freunden gewinnt. Interessant wäre es, mal zu schauen, ob es in der Vergangenheit nennenswerte Fälle gab, in denen tiefes Misstrauen wieder ausgeräumt wurde, ohne dass es in dem jeweiligen Staat dem misstraut wurde, zu einem grundlegenden Wechsel, entweder des politischen Systems oder des Personals, kam.

Neue Analyse zu nordkoreanischen Nuklearexperimenten: Gab es 2010 zwei bisher unbemerkte Tests?


Heute wurde durch einen Artikel in der Zeitschrift nature ein Thema wieder aufs Tapet gebracht, das bereits vor über einem Jahr diskutiert, dann aber wieder vergessen wurde. Im Mai 2010 hatten Messstationen in Südkorea ungewöhnlich hohe Konzentrationen des Edelgases Xenon (genauer Xenon-133 und Xenon-133m) gemessen und es wurden ebenfalls deutlich erhöhte Konzentrationen des kurzlebigen Barium-140 und dessen Zerfallsprodukts Lanthanum-140 festgestellt.

Der Hintergrund: Phänomene und Spekulationen

Damals wurde vor allem wegen der hohen Xenon Konzentration spekuliert, Nordkorea sei dabei eine neue, schlagkräftigere Art von Nuklearwaffen zu entwickeln. Diese Spekulationen wurden befeuert durch Meldungen der nordkoreanischen Propaganda, man habe erfolgreiche Versuche zur Kernfusion durchgeführt. Da jedoch keine seismischen Hinweise auf einen Nukleartest in Nordkorea festzustellen war, Nordkorea keinen Nukleartest verkündete und ein Fusionsreaktor (die sehr schwierig zu bauen sind, denn bisher damit nur experimentiert und ich würde nicht wetten, dass sich das je ändert) keine Abfallprodukte produzieren würde (das Thema wurde z.B. auf Arms Control Wonk breit diskutiert. Die Leute die da schreiben und kommentieren haben echt Ahnung. Daher lohnt es sich neben dem vorher verlinkten auch das und das samt Kommentaren zu lesen), wurden diese Überlegungen bald fallengelassen und das Thema ruhte forthin.

Neue Bewertung der Fakten…

Fast jedenfalls, denn scheinbar diskutierte und untersuchte man die ungewöhnlichen Messwerte in Expertenkreisen weiter (Naturwissenschaftler haben ja oft die angenehme Eigenschaft, dass sie sich von Phänomenen, für die bisher keine plausiblen Erklärungen gefunden wurden, besonders motivieren lassen). Seine Ergebnisse dieser Nachforschungen wird Lars-Erik De Geer, ein schwedischer Wissenschaftler in der April/Mai Ausgabe der Zeitschrift Science and Global Security (die ist peer reviewed, was meistens (es gab da in der Vergangenheit leider Ausnahmen) für eine hohe Qualität bürgt) vorstellen. De Geer vermutet in dem Artikel, dass Nordkorea im April und Mai 2010 jeweils einen Nukleartest mit sehr kleiner Sprengkraft durchgeführt hat.

…und die Bewertung der Bewertung

Den Artikel von De Geer hat Geoff Brumfield zum Anlass genommen, die Annahmen in der nature schon vorab zu diskutieren und hat dazu die Meinung weiterer Experten hinzugezogen. Das Bild fällt durchwachsen aus. Während die Annahme durchaus Unterstützer finden, gibt s auch Kritiker. Diese berufen sich besonders darauf, dass ein Nukleartest nicht ohne seismische Spuren hätte ablaufen können. Es gebe durchaus andere Erklärungen für die aufgetretenen Phänomene, beispielsweise die Neubefüllung eines Reaktors in einem Nachbarland. Der Autor gab an, er hoffe dass sein Artikel die Debatte um das ungewöhnliche Phänomen neu befeuern würde und die Mitgliedsstaaten der Preparatory Commission for the Comprehensive Nuclear-Test-Ban Organization (CTBTO) die Organisation formell auffordern würden die Daten zu prüfen (ohne eine solche formelle Aufforderung kann die Organisation nicht tätig werden).

Nichts genaues weiß man nicht, aber…

Ich bin kein Physiker und erst recht kein Atomphysiker (oder was man auch immer man sein muss, um die Details zu verstehen), aber interessant finde ich diese neuen Erkenntnisse, oder vielmehr Bewertungen selbiger trotzdem. Zwar habe ich ebenfalls so meine Probleme damit, mir vorzustellen, dass Nordkorea völlig unbemerkt zwei (wenn auch kleine) Nukleartests durchführt, aber der ganze Sachverhalt macht schon hellhörig. Einerseits, weil auch ich unerklärte Phänomene (vor allem wenn sie Menschengemacht sein müssen, wie es hier der Fall war) recht unbefriedigend finde. Andererseits aber auch, weil die kryptischen Meldungen Nordkoreas hinsichtlich der erfolgreichen Kernfusion immernoch einer Klärung harren.

…die Debatte wird interessant werden

Natürlich könnte man die Meldungen der nordkoreanischen Propaganda als „Propagandaquatsch“ abtun (ich habe mich selbst darüber lustig gemacht), allerdings hat Pjöngjang ja schon zuvor bewiesen, dass es hinsichtlich seines Nuklearprogramms nicht so kreativ mit der Realität umspringt, wie in anderen Bereichen. Vielleicht sind die Erklärungen für beide Phänomene tatsächlich miteinander verbunden. Ich bin mir sicher wir werden bald mehr davon hören und bin gespannt, wie die Experten das diskutieren. Ich denke in den nächsten Tagen werden wir auf Arms Control Wonk was dazu lesen können. Immerhin wurde einer der Autoren für den nature Artikel befragt. Endgültige Gewissheit wird es aber wohl erst geben, wenn Nordkorea selbst etwas dazu vorzuzeigen oder zu sagen hat…

Leichtwasserreaktoren, ihr Brennstoff und was wir alles nicht wissen


Update (19.11.2010): Da hätte ich mal einen Tag warten sollen mit diesem Artikel. Dann hätte ich nämlich noch die Auswertungen aktueller Satellitenbilder von ISIS hinzufügen können. Die neuen Infos wurden nämlich gestern veröffentlicht. Auf Bildern vom 04.11. ist dabei deutlich zu sehen, dass es rege Bautätigkeiten auf dem Gelände des Yongbyon-Reaktors gibt. Natürlich ist das Ding alles andere als fertig, aber das Fundament ist gelegt (im wahrsten Sinne).

Ursprünglicher Beitrag (18.11.2010): Kürzlich gab es ja einigen Wirbel um den Bau eines Leichtwasserreaktors, der nordkoreanischen Angaben (übermittelt vom US-Experten Siegfried Hecker, der sich das Ganze kürzlich anschauen durfte) zufolge auf dem Gelände des Yongbyon-Reaktors begonnen habe. Wenn ich das richtig verstanden habe ist das die Erklärung, für die (bis dahin mysteriösen) Bautätigkeiten auf dem Gelände des gesprengten Kühlturmes dort. Der Reaktor soll eine Leistung von zwischen 25 und 30 Megawatt haben, also genau wie der alte Reaktor in Yongbyon, nicht wirklich zur Stromproduktion dienen, sondern zu Versuchszwecken. Grundsätzlich ist der Bau eines Leichtwasserreaktors auch nicht so problematisch wie der eines graphitmoderierten Reaktors ähnlich dem Alten, mit einer Leistung von 5 MW. Denn anders als dieser, würde sich ein Leichtwasserreaktor nicht zur Produktion waffenfähigen Plutoniums eignen.

Wer einen Leichtwasserreaktor hat, braucht auch Treibstoff…

Hier ist das Problem etwas anders gelagert, denn man benötigt angereichertes Uran um einen Leichtwasserreaktor zu betreiben (wer ab und zu den Nachrichten über den Iran lauscht, der dürfte mit ein paar Hintergründen versorgt sein). Und wenn ein Leichtwasserreaktor gebaut wird, dann ist wohl auch zu erwarten, dass man sich die Fähigkeit zur Produktion des Treibstoffs für diesen Reaktor zulegt. Und damit sind wir mal wieder bei dem geheimnisvollen Urananreicherungsprogramm Nordkoreas, über das eigentlich niemand so recht was weiß.

…das vielseitig verwendbare Uran

Glücklicherweise haben David Albright und Paul Brannan vom Institute for Science and International Security (ISIS) das gesammelte Unwissen über den Stand des Programmes erst  vor gut einem Monat in einem umfangreichen Bericht (30 Seiten) zusammengefasst. Ich habe den nur in Auszügen gelesen, also eine spannende Stelle, das Fazit und die Zusammenfassung der Ergebnisse, aber das reicht mir vorerst. Wenn ihr mehr wissen wollt könnt ihr hier selbst nachlesen. Aus den Mengen der nach Nordkorea geschmuggelten Materialien zum Bau von Gaszentrifugen zur Anreicherung von Uran geht hervor, dass das Land eine Fabrik mit bis zu 3.000 Gaszentrifugen betreiben, oder innerhalb des nächsten Jahrzehnts aufbauen könnte. Damit könnte man waffenfähiges Uran für 1 bis 2 Atombomben im Jahr produzieren (Atombomben mit Uran als Spaltmaterial sind einfacher zu handhaben und vor allen Dingen zu miniaturisieren). Allerdings gibt es nur sehr grobe könnte und vielleicht Angaben und soweit ich das verstanden habe, beruht die Schätzung auf der Menge nach Nordkorea geschmuggelter Aluminiumrohre. Allerdings weiß man nicht, ob auch alle anderen Materialien, die auf dem Einkaufszettel standen, besorgt werden konnten. Was das Programm angeht, bewegt man sich also weiter im Ungewissen.

Deutschland die Exportnation. Auch Nordkorea profitierte (fast)

Gewiss und für mich interessant ist allerdings, dass zur Errichtung des Programms auch (mal wieder) deutsche Ingenieurskunst (das ist übertrieben, eigentlich war die deutsche Firma nur Zwischenhändler) gefragt war. Allem Anschein nach besorgte die Optronic GmbH aus Königsbronn nämlich, für ein undurchsichtiges Firmennetzwerk unter der Leitung des Chefeinkäufers Yun Ho-jin, das scheinbar zum Einkauf schwierig zu besorgender Waren aufgebaut worden war, ebensolche Aluminiumrohre zum Bau von Gaszentrifugen. Zwar bekam Optronic den Export der Rohre nach Nordkorea von den deutschen Behörden verboten, allerdings schien das die Firmenführung nicht weiter zu interessieren, so dass die Rohre verschifft wurden. Allerdings bekamen die Behörden Wind davon und die Ladung wurde in Ägypten entladen. Insgesamt hätte Optronic Rohre für 4.000 Zentrifugen liefern sollen/wollen (Geld stinkt halt nicht und strahlen tut es erst recht nicht). Aber es wäre ja auch eine Schande, wenn irgendwo auf der Welt Waffenfabriken oder ähnliches gebaut werden und keine Deutsche Firma mitmischt. Als Exportnation Nummer zwei ist das wohl eine Frage der Ehre!

Die Lösung: Verhandlungen. Das kann teuer werden

Die Autoren des Berichts sprechen sich dafür aus, dass die Sache mit der Urananreicherung auf dem Verhandlungsweg, also im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche geklärt wird. Grundsätzlich kein schlechter Plan. Aber das dürfte mal wieder ganzschön teuer werden. Vermutlich kostet es erstmal was, überhaupt über das Thema zu sprechen. Dann, die Anlage anzusehen und wenn sie dann tatsächlich abgebaut werden soll: Ohohoh…

Solltet ihr euch generell für das Nuklearprogramm Nordkoreas interessieren dann schaut euch die Seite von ISIS mal genauer an. Da gibt es nämlich schon seit 1992 öfter mal Berichte (ich glaub insgesamt über 50) über das Programm und wenn man das alles liest, dann ist man wohl auf einem relativ umfassenden Stand…

Das Paradoxon um Nordkoreas Nuklearwaffen – Warum sie abschrecken obwohl keiner weiß ob, was, wieviel und wann …


…“Weil keiner weiß ob, was, wieviel und wann!“ wäre wohl eine angemessene und kurze Antwort. Sucht man nach einer längeren Version des ganzen, kann man sich mal dass sehr interessante „Documented Briefing“ anschauen, das Bruce W. Bennett für die RAND Corporation, einem der renommiertesten und dem konservativen (wer dahingehend Zweifel hat sehe sich das Briefing an, die dürften dann ausgeräumt sein) Spektrum zuzuordnenden Think Tank aus den USA, angefertigt hat (Kurz zum Thema: Was ist ein „Documented Briefing“? Im Endeffekt eine verschriftlichte Version eines Vortrages, in dem der Sprechtext und die jeweiligen Power Point Folien enthalten sind. Das Ganze ist besser zu lesen als man denkt, wenn auch nicht sehr gut). In seinem Vortrag mit dem Titel „Uncertainties in the North Korean Nuclear Threat“ geht Bennett ausführlich auf die oben aufgelisteten Punkte ein: Ob, bzw. wie viele Nuklearwaffen Nordkorea hat, welche Größe diese haben und welche Methoden es gibt sie ans Ziel zu bringen und schließlich was der Anlass für ihren Einsatz sein könnte und welche Wirkungen zu erwarten sind. Wie gesagt fand ich das Briefing sehr interessant und das gleich aus mehreren Gründen. Einerseits – was offensichtlich sein dürfte – aufgrund seines Inhaltes, aber vor allen Dingen, weil auch im Subtext eine interessante Botschaft vermittelt wird, die den Kern der Sache vermutlich besser trifft als alles, was Bennett in seinem Briefing gesagt hat.

Zuerst aber mal kurz zum Inhaltlichen: In Bennetts Text ist eine Spannweite zwischen (theoretisch) Null bis (sehr spekulativ) 50 hinsichtlich der Zahl der nordkoreanischen Nuklearwaffen zu finden. Er trägt viele gesicherte, aber auch jede Menge auf Gerüchten und Hörensagen (von vielem von dem hab ich bisher noch nie was gehört) beruhende Informationen zusammen und kommt so auch zu einer sehr breiten Spanne was mögliche Mittel zur Beförderung der Waffen und deren Sprengkraft angeht. Die Sprengkraft wird zwischen einer und 10 Kilotonnen TNT oder mehr (was das Ganze natürlich wieder ins Unklare befördert) angegeben. Hinsichtlich der Beförderung könnte Nordkorea (mit weit zurück liegender oder aktuellerer) Hilfe durch andere Staaten oder Akteure die Fähigkeit besitzen, die Waffen zu miniaturisieren und als Gefechtsköpfe an Raketen anzubringen. Oder das Regime kann nicht mehr, als die Waffen als „nukleare Landminen“ am Wegesrand zu deponieren und bei einer möglichen Invasion einzusetzen. Hier wie so oft ist Bennets Schluss: „Man weiß es einfach nicht!“. Dieser Schluss hält den Autor allerdings (wie ebenfalls so oft) nicht davon ab, einfach das Schlimmstmögliche Anzunehmen und den Rest seiner Analyse auf diese Voraussetzung aufzubauen (Eine bezeichnende Unterschrift einer Grafik um dies zu verdeutlichen: „Maximum casualties, assuming weapon detonates in the worst location“). Liest man das Alles durch hat man das Gefühl, dass die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes der nordkoreanischen Nuklearwaffen, die eine ziemlich hohe Sprengkraft haben und ihr Ziel ziemlich genau treffen können, schon zu Beginn eines möglichen Konfliktes (also recht unvorbereitet) und mit riesigen Opferzahlen, fast unabwendbar ist (leicht dramatisiert, aber nur sehr leicht). Wie gesagt, generell ist das sehr interessant, aber es ist durchaus mit Vorsicht zu lesen. Dadurch, dass der Autor an jeder Abzweigung den Weg einschlug, der durch den düsteren Dornigen Wald mit den Monstern führte, tut sich im Überblick ein ziemlich gruseliges Bild auf. Allerdings gibt es eben auch die Wege, die nicht ganz so unangenehm scheinen, nur hat Bennett von denen gekonnt abgelenkt, bzw. sie übergangen.

Das führt dann auch recht schnell zu einer anderen Frage: Ist das schlimm? Nein, denke ich, aber es hilft um so mehr zu verstehen, warum die nordkoreanischen Nuklearwaffen, die ja eine Art Phantom sind, trotz ihrer diffusen Gegenwart in der Realität, doch eine reale Abschreckungswirkung haben können und wie ich nach der Lektüre von Bennetts Text vermute, tatsächlich haben. Wenn ein politischer Entscheidungsträger auch nur mit einem geringen Prozentsatz in Betracht zieht, dass das Regime in Pjöngjang in der Lage und gewillt ist, schon zu Beginn einer möglichen Invasion Südkoreas, oder aufgrund von inneren Querelen, Nuklearwaffen gegen Seoul zu richten, von denen schon Eine möglicherweise schon zu hunderttausenden Opfern und dem Kollaps des Gesundheitssystems führen würde, wie könnte ein solcher Entscheidungsträger dann nicht abgeschreckt sein. Und das obwohl weil er nicht weiß, wie weit es mit den nordkoreanischen Waffen tatsächlich her ist.

Damit  kann man den Schritt zum eigentlichen Punkt machen und ist damit fast wieder im Kalten Krieg angekommen, nur noch grundsätzlicher und tiefgreifender, als es das zwischen den USA und der Sowjetunion je der Fall war. Der Kern der Sache ist die Unsicherheit. Während im Falle der USA und der Sowjetunion jedoch die Kapazitäten einigermaßen einzuschätzen waren und die Unsicherheit sich nur auf Einsatzregeln und -pläne bezog, herrscht im Falle Nordkoreas nahezu gänzliche Unsicherheit. Man weiß nicht was die Nordkoreaner haben und wie sie es einsetzen würden. Dies ist es was den Nuklearwaffen Nordkoreas solche Wirkung verleiht, nicht ihre Sprengkraft. Und solange es keiner Partei gelingt den Schleier von den Waffen zu ziehen, bzw. solange das Regime die nahezu perfekte Abschirmung aufrecht erhalten kann, so Lange werden die nordkoreanischen Nuklearwaffen eine Abschreckungswirkung haben, die der der US-amerikanischen nicht nachsteht. Ich bin gespannt ob Kim es schafft seine Geheimnisse gegen den Rest der Welt weiterhin so gut zu verteidigen. Ist das nicht der Fall, verliert er ein bedeutendes Stück seiner „Abschreckung durch Unberechenbarkeit.“ So hat Bennetts Vortrag insgesamt – obwohl inhaltlich sehr einseitig – einiges deutlich gemacht, das mir vielleicht sonst nicht so zu Bewusstsein gekommen wäre.

Die in der Überschrift gestellte Frage würde ich jetzt auch etwas anderes beantworten, als ich das Eingangs getan habe: „Nicht die Nuklearwaffen schrecken ab – Die Ungewissheit tut es!

Nordkoreas Nuklearwaffen: Haufen Plutonium + Raketen ≠ Atomraketen


Nur ganz kurz, weil ich nicht soviel Zeit habe und gleich weg muss, möchte ich euch auf einen kleinen Absatz im „Bulletin of the Atomic Scientists“ aufmerksam machen der hilft, einige Missverständnisse hinsichtlich der nordkoreanischen Nuklearwaffen klarzustellen:

Despite two nuclear tests and production of enough plutonium for 8–12 nuclear bombs, North Korea has yet to demonstrate that it has operationalized any weapons. The U.S. intelligence community has yet to credit North Korea’s missile systems with a nuclear weapons capability, meaning that Pyongyang is not believed to be capable of delivering a nuclear warhead with a missile.

Was wohl soviel heißt wie: Nordkorea ist nicht in der Lage seine Nuklearwaffen auf Raketen zu schrauben und kann diese de facto nur im eigenen Land zur Explosion bringen. Soviel also zu den Drohungen Nordkoreas mit nuklearer Abschreckung (obwohl das natürlich funktionieren könnte: „Wenn ihr einmarschiert zünden wir eine Bombe, dann seid ihr auch alle tot!“) und soviel zu den Horrorszenarienzeichnern die von Zeit zu Zeit den „irren Diktator“ mit seiner Bombe als riesige Bedrohung ausmalen.

Was aber viel interessanter ist, obwohl man es ja eigentlich wusste, aber es selten schwarz auf weiß gelesen hat: Die USA wissen, dass Nordkorea die Nuklearwaffen nicht auf seine Raketen schrauben kann. Noch nicht! Da frag ich mich doch glatt: Warum geben sie sich nicht mehr Mühe das auch zukünftig zu verhindern. Denn eins ist klar. Wenn die Fähigkeit erstmal besteht, dann ist die Situation für die USA wesentlich unkomfortabler. Und auch wenn man davon ausgeht, dass Nordkorea rational handelt und dieses Rakete nicht einfach so abschießt, so dürften während einer instabilen Situation in Nordkorea, die irgendwann zu erwarten ist, einigen Strategen in den USA Schweißperlen über die Stirn laufen. Wenn man in den USA also wirklich so lange wartet, hat Nordkorea auch gegen die USA den „Instabilitätstrumpf“ in der Hand: „Wenn ihr uns weiter sanktioniert könnte es sein, dass das Regime instabil ist. Und dann weiß niemand was mit unseren Atomraketen passiert…“ Aber naja, Strategic Patience ist ja auch ne tolle Politik. Bessert zwar die Lage nicht und verringert die Optionen für die Zukunft, dafür hats aber nen super klingenden Namen!

Nichts ist älter als die Nachrichten von Gestern…Und die von letztem Monat? – Die Medienberichterstattung zu Nordkorea


Manchmal wundere ich mich doch sehr, was es, wenn das Thema auf Nordkorea kommt, alles in die Nachrichten schafft. Heute wurde da berichtet, Nordkorea wolle sein Nuklearprogramm nicht gegen wirtschaftliche Hilfen eintauschen, da dieses zur Abschreckung gegen die US-amerikanische Bedrohung entwickelt worden sei. Solange die USA ihre feindselige Politik und der nuklearen Bedrohung fortsetzten, sei das Nuklearprogramm nicht verhandelbar.

Soweit so gut, aber wo bitte ist hier etwas neues, was ist der Mehrwert dieser Nachricht? Reicht es, dass Nordkorea einen Punkt, der seit Monaten wieder und wieder herunter gebetet wird, wiederholt, um eine Schlagzeile daraus zu konstruieren? Offensichtlich schon. Statements aus Pjöngjang, die einen Friedensvertrag mit den USA als Voraussetzung für die Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen forderten waren in den vergangenen Wochen und Monaten ja nicht eben selten. Aber wahrscheinlich reicht das kollektive Gedächtnis unserer Medien nicht viel weiter als zwei Tage zurück. Und vermutlich glaubt man bei den Medien, dass es sich bei den Konsumenten ähnlich verhält. Aber seis drum, wenn man die Nachricht genauer liest und mit etwas Hintergrundwissen ausgestattet ist, dann kann man sich ja irgendwie zusammenreimen, dass die Schlagzeile: „Nordkorea bleibt bei Atomprogramm – Kein Tauschgeschäft“ nicht die ganze Wahrheit beschreibt. schließlich steht da ja irgendwo im Artikel der Satz:

Solange die USA ihre „feindliche Politik und ihre nuklearen Drohungen“ gegenüber Nordkorea nicht beendeten, werde das Land sein Nuklearprogramm ohnehin nicht aufgegeben, erklärte Pjöngjang.

Aber das ist auch nicht immer so. Die guten alten Yahoo! News haben die Nachricht nämlich aufs wesentliche (und weniger, aber ich habe eh die Vermutung, dass die Yahoo! News wahlweise von Praktikanten oder intelligenten Primaten zusammengestellt werden) reduziert und das liest sich dann so:

Nordkorea will auch im Gegenzug für wirtschaftliche Hilfen aus dem Ausland nicht auf sein Atomprogramm verzichten. Der Staat habe zu seiner eigenen Verteidigung Nuklearwaffen entwickelt, und „nicht, um irgendjemanden zu bedrohen oder wirtschaftliche Begünstigungen zu erhalten“, erklärte die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Es sei ein „Fehlurteil“, wenn die internationale Gemeinschaft glaube, Nordkorea werde im Austausch für Wirtschaftshilfen sein Atomprogramm beenden.

Klingt dann nochmal ne Nummer drastischer. Aber warum das Ganze? Warum macht man sich überhaupt die Mühe, aus einer Nicht-Nachricht eine Nachricht zu konstruieren und diese dann im Zweifel noch n bisschen zu frisieren, indem man entscheidende Bauteile weglässt? Natürlich weiß ich es nicht, aber ich kann es mir irgendwie vorstellen. Themen im Zusammenhang mit Nordkorea haben es ja in der vergangene Zeit recht häufig in die deutschen Nachrichten geschafft. Das Thema ist also irgendwie im Kopf der Konsumenten wie der Redakteure/Journalisten präsent. Wenn die Agenturen dann irgendwas im Zusammenhang mit Nordkorea über den Ticker schicken, denkt vermutlich der Eine oder Andere. „Achja, der Irre mit der Bombe und seinem abstrusen Persönlichkeitskult, der bald stirbt, die Menschenrechte verletzt und seinen geheimnisvollen Sohn an der Staatsspitze installieren will. Darüber müssen wir berichten.“ Außerdem hört man in der letzten Zeit ja ziemlich viel von Atomprogrammen und liest auch öfter mal was darüber, dass es der Iran wohl genauso wie Nordkorea machen will. Nuklearwaffen sind also zurzeit ein kleines Hype-Thema. Und wenn es dann eine Nachricht zum nordkoreanischen Nuklearprogramm gibt, egal wie inhaltsleer sie ist, denkt vermutlich der Eine oder Andere: “ Oh, irgendwas über Atombomben. Es habe ja gerade eh alle Angst, dass der Iran morgen mit Atombomben um sich wirft. Und wenn ein anderer Schurkenstaat irgendwas über Atomwaffen und so sagt, dann müssen wir darüber berichten.“

Tja und Ruckzuck wird aus ner Nicht-Nachricht ne Nachricht. Wäre das Timing anders, hätte sich um Nordkorea nichts getan in de letzten Wochen und würde der Iran weiterhin brav sein Uran nur zu 3,5 % anreichern und wäre die IAEA nicht besorgt, dann hätte sich vermutlich auch niemand für das Statement aus Nordkorea interessiert. Aber in der Politik kommts halt auch ganz schön oft aufs Timing an.

Nur noch ne kleine Schlussbemerkung hinsichtlich Timing und Iran. Nordkorea dürfte das Buhei um Irans Nuklearprogramm mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachten. Einerseits ist es natürlich ganz im Sinne Nordkoreas, dass die Gefahr von Nuklearer Proliferation und der Notwendigkeit des Abbaus von Nuklearprogramm hoch auf der internationalen Agenda firmiert, denn so kann man auch seine eigenen Belange auf diese setzen und es besteht ein gewisser Druck auf die USA, existierende Probleme konstruktiv anzugehen. Gleichzeitig könnte Nordkorea aber auch die Gefahr sehen, dass dem Thema Iran (das zurzeit ja eindeutig heißer gehandelt wird) der Großteil der internationalen Aufmerksamkeit und besonders derjenigen der USA zukommt. Ist das der Fall, kann Nordkorea trotz einer „günstigen“ Positionierung seines Themas nicht darauf hoffen, dass seine Belange ernsthaft angegangen werden. Und was tut man da? Man versucht das Thema präsent zu halten, indem man zum Beispiel Sperrzonen nahe den Grenzgewässern zu Südkorea erklärt (haben sie mal wieder gemacht) oder diese Sperrzonen gar mit schwerem Artilleriefeuer belegt (ihr erinnert euch). Tja, wir werden sehen, was man sich im Kampf um Aufmerksamkeit noch so einfallen lässt.

Der Brief von Nordkoreas UN Botschafter, oder Wie jetzt! Uran auch noch?


UPDATE: Eine recht ausführliche Interpretation zum Brief von Nordkoreas Botschafter bei den Vereinten Nationen Sin Son-ho an den Präsidenten des Sicherheitsrates der VN, gab es gestern von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Hier wird der Brief hauptsächlich mit der Unzufriedenheit Nordkoreas mit der Obama-Administration erklärt, da diese bisher wenig Bereitschaft zu bilateralen Gesprächen mit der DVRK, anstelle der ungeliebten Sechs-Parteien-Gespräche, gezeigt habe:

Pyongyang’s provocative announcement indicates that the socialist country is apparently growing impatient at the Obama administration’s reluctance to talk bilaterally with Pyongyang outside of the six-nation disarmament talks.

[…]

 The warnings came just hours before Stephen Bosworth, the U.S. special representative on North Korea policy, was to arrive in Seoul as part of his three-nation Asia tour to discuss North Korea issues. Bosworth said after his arrival here that there was „nothing new“ to Pyongyang’s latest claims of its supposed progress in enriching uranium and weaponizing plutonium.

   He also declined an invitation from Pyongyang during his swing. The North reportedly extended an invitation to Bosworth to visit Pyongyang for bilateral talks, but the Obama administration rejected the offer, saying the North should first return to the six-way talks.

   Signaling its desire for direct talks with the U.S., the KCNA said, „The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S.“ „We have never objected to the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world itself. What we objected to is the structure of the six-way talks which had been used to violate outrageously the DPRK’s (North Korea’s) sovereignty and its right to peaceful development,“ it added.

Was Yonhap sonst noch zu dieser Problematik schreibt könnt ihr hier nachlesen.

Ursprünglicher Eintrag: Nanana, was musste man denn gestern auf der Seite der Korean Central News Agency (KCNA) lesen? Nordkorea hat die experimentelle Phase der Urananreicherung erfolgreich beendet und will auch mit der Plutoniumaufbereitung fortfahren. Und das alles hat man in einen Brief an den Präsidenten des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (VN) reingeschrieben. Das will ja alles so gar nicht zu dem passen, was man in den letzten Wochen vom Regime in Pjöngjang gehört hat und irgendwie ist es auch was ganz anderes, als ich mir das vorgestellt habe (ich meine, die Sache mit dem australischen Schiff in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Waffen für Iran, das hätte man ja noch als Betriebsunfall verbuchen können). Aber eins nach dem Anderen: Erstmal: was hat Nordkorea eigentlich genau gesagt gestern, das kann man entweder bei der KCNA nachlesen, oder direkt hier ge-copy-pasted: 

Der Brief

Pyongyang, September 4 (KCNA) — The permanent representative of the DPRK to the United Nations sent a letter to the president of the UN Security Council Thursday.

Noting that he would like to bring the attention of the president to the DPRK’s already stated principled stand and countermeasures in connection with a letter addressed to the DPRK by the so-called „Sanctions Committee“ of the United Nations Security Council (UNSC) requesting a clarification, he continued:

The DPRK totally rejects the UNSC „Resolution 1874“ which was unfairly orchestrated in June 13 in wanton violation of the DPRK’s sovereignty and dignity and that the DPRK will never be bound by this resolution.

We do not feel, therefore, any need to respond to the request made by the UNSC „committee“.

Had the UNSC, from the very beginning, not made an issue of the DPRK’s peaceful satellite launch in the same way as it kept silent over the satellite launch conducted by south Korea on August 25, 2009, it would not have compelled the DPRK to take strong counteraction such as its 2nd nuclear test.

It is all fair and square to find that the DPRK took its steps of action to cope with the high-handed act and threat which are aimed at depriving the DPRK of its rights to peaceful economic construction.

It would be a miscalculation if the UNSC, rather than apologizing for violating the legitimate right of a member state of the UN, thought that we would recognize the „sanctions resolution“ which was framed up in the same way as the thief turning on the victim with a club over the DPRK’s self-defensive steps.

We have never objected to the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world itself. What we objected to is the structure of the six way talks which had been used to violate outrageously the DPRK’s sovereignty and its right to peaceful development.

The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S. nuclear policy toward the DPRK.

The DPRK has already made clear its countermeasures to cope with sanctions as well.

Reprocessing of spent fuel rods is at its final phase and extracted plutonium is being weaponized.

Experimental uranium enrichment has successfully been conducted to enter into completion phase.

We are prepared for both dialogue and sanctions.

If some permanent members of the UNSC wish to put sanctions first before dialogue, we would respond with bolstering our nuclear deterrence first before we meet them in a dialogue.

If the UNSC only continues this standoff without making a proper judgment of which path is more favorable for the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world, the DPRK will be left with no choice but to take yet stronger self-defensive countermeasures as it had already warned.

So weit so gut. Da hat der Vertreter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen ja einiges reingepackt in seinen Brief: Also erstmal interessant finde ich, dass er sich darüber auslässt, das man keinen Grund sehe, auf eine Anfrage des Sanktionskommitees des Sicherheitsrates zu reagieren… Aber irgendwie hat man ja doch reagiert. Man hat ja einen Brief geschrieben, aber halt an den Präsidenten des Sicherheitsrates! Aber wer ist denn überhaupt der Präsident? Die Präsidentschaft rotiert in alphabetischer Reihenfolge und wechselt jeden Kalendermonat. Und wie es der Zufall so will, hat Anfang September – ja ratet mal wer? – Genau! Der Vertreter der Vereinigten Staaten diese Position eingenommen. So hat der nordkoreanische Abgesandte also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Den VN ne Botschaft zukommen gelassen, wobei aber durch das Timing recht deutlich wird, wem sie eigentlich gilt.

Dann geht es weiter, indem man sich darüber beklagt, dass Resolution 1874 des Sicherheitsrates nach dem „friedlichen Satellitenstart“ der DVRK in unverantwortlicher Weise in die Souveränität Nordkoreas eingegriffen hätte und dadurch „starke Gegenmaßnahmen wie den zweiten Nukleartest“ verursacht hätte. Hier wird auch auf angebliche Doppelstandards hingewiesen, da beim Satellitenstart Südkoreas am 25. August 2009 Stille bewahrt worden sei. Weiterhin halte ich den Vergleich des Sicherheitsrates und seiner Resolution 1874 mit einem Dieb mit einem Knüppel für ein weiteres wunderbares Beispiel nordkoreanischer Kreativität im weiten Feld der Beschimpfungen!

Im Folgenden wird es dann aber auch inhaltlich interessanter: Man habe kein Problem mit der Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel, oder der ganzen Welt (Gestern habe ich ja über die Positionen der deutschen Politiker zu Nordkorea geschrieben. Mich erinnert der Satz ehrlich gesagt sehr Stark an die Aussagen der Linken, ob das Zufall ist? Keine Ahnung!). Das Problem sei die Struktur der Sechs-Parteien Gespräche, die genutzt worden seien, um die Souveränität Nordkoreas und sein Recht auf friedliche Entwicklung auf unerhörte Art und Weise zu verletzen. Scheinbar ist man in Nordkorea zurzeit nicht zufrieden zu sein mit dieser Struktur. Unmittelbar danach zielt  der Rundumschlag dann auf die USA. Hier wird die Verbindung zwischen der amerikanischen Nuklearpolitik gegenüber Nordkorea und der Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel hergestellt. Man kritisiert zuerst die Struktur der Sechs-Parteien Gespräche und adressiert danach genau einen Teilnehmer: Die USA. Wenn dass mal kein Appell für bilateral Gespräche ist… (Oder vielleicht ne Art „Erinnerung“, sich an getroffene Abmachungen zu halten?)

Und zum Schluss werden – und das ist der Teil der Nachricht, den die Medien hauptsächlich aufgegriffen haben – die Maßnahmen aufgezählt, die Nordkorea als Reaktion zur Verfügung stehen: Die Aufbereitung der Brennstäbe aus Jongbjon und die Umwandlung in Atomwaffen, sowie die erfolgreiche experimentelle Anreicherung von Uran, so dass diese nun in die Fertigstellungsphase eintreten könne. Daher sei man sowohl für Dialog als auch für Sanktionen gewappnet. Die Sache mit dem Uran, dass war für die Medien der eigentliche Sprengstoff hinter der Nachricht. Denn bisher hatte Nordkorea immer geleugnet, ein auf Uran basierends Nuklearprogramm zu haben. Das ist also eine Art Bekenntnis. Was der Unterschied zwischen einem auf Uran und einem Plutonium basierendem Programm ist, darauf will ich unten noch kurz näher eingehen. Jetzt erstmal zur Nachricht zurück: In den Medien wurde das Bekenntnis, ein auf Uran basierendes Programm zu besitzen, hauptsächlich als Drohung und ähnliches aufgefasst. Schaut man sich diese fünf kurzen Abschnitte aber genau an:

1. The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S. nuclear policy toward the DPRK.

2. The DPRK has already made clear its countermeasures to cope with sanctions as well.

3. Reprocessing of spent fuel rods is at its final phase and extracted plutonium is being weaponized.

4. Experimental uranium enrichment has successfully been conducted to enter into completion phase.

5. We are prepared for both dialogue and sanctions. [habs der Einfachheit halber durchnummeriert.]

dann fällt von der Struktur hier einiges auf:  In 1. wird die Bedeutung der USA für die Denukliarisierung hervorgehoben, eben schon als Gesprächsappell interpretiert. 2. verweist auf Sanktionen. 3. und 4. sind eine Art Statusbericht Nordkoreas, es sagt, was es hat und wo es steht, nicht mehr (ich sehe hier keine Drohung), aber auch nicht weniger (immerhin gibt es erstmals zu ein auf Uran basierendes Programm zu besitzen, das ist an sich schonmal einiges). Aber dann kommt der eigentliche Kern in 5. man ist sowohl zu einem Dialog (1.) bereit, als auch zu Sanktionen (2.). Wenn man die Sache mit dem Dialog, die von den Medien eher weniger gewürdigt wurde, durch denkt, dann hat die Nennung des Uran-Programmes in Zusammenhang mit Dialog eine ganz andere Bedeutung. Man legt die Uran Karte nicht nur als Bedrohung auf den Tisch, sondern sie wird zur Verhandlungsmasse ein Schritt, zu dem Nordkorea bisher offensichtlich nicht bereit war. In diesem Satz steckt also ein großes Angebot.

Abschließend wird dann der schwarze Peter einigen Mitgliedern des Sicherheitsrates zugeschoben. Wenn diese Sanktionen vor Dialog setzten, so müsste Nordkorea sein Arsenal ausbauen, bevor es zum Dialog käme. Auf gut Deutsch: Nordkorea ist bereit dies Situation weiter zu verschärfen und versucht den anderen Parteien (den USA) klar zu machen, dass der einzige Effekt weiterer Sanktionen sei, dass man dann später einem noch stärkeren Nordkorea (mit noch mehr Verhandlungsmasse) gegenüberstünde. Aber an sich ist auch hier die Bereitschaft für Verhandlungen zu erkennen. Was allerdings der Preis ist, dass wissen wohl nur die beteiligten Parteien. Nordkorea jedenfalls hat den Wetteinsatz erhöht, indem es sein Uran-Programm noch auf sein Plutonium-Programm draufgelegt hat.

Uran und Plutonium, der feine Unterschied…

So, nun nochmal kurz zu der Sache mit dem Uran und dem Plutonium. Die Zeitungen und Nachrichtensendungen unterscheiden zwar beides, erklären aber wenig über die tatsächlichen Unterschiede und die sind beträchtlich. Ich will jetzt hier auch nur ne Kurzform abgeben, weil ne Lange Version echt zu umfangreich wäre. Das mach ich vielleicht die Tage mal. Also erstmal Plutonium: Plutonium-239 eignet sich am Besten zum Bau einer Nuklearwaffe, es ist eine Art „Abfallprodukt“ aus dem Betrieb von bestimmten Kernkraftwerken (die um es ein bisschen verwirrender zu machen, auf Basis von Uran arbeiten) und kommt in der Natur nicht vor. Allerdings ist das Zeug, was dann in den abgebrannten Brennstäben solcher Kernkraftwerke drin ist noch immer nicht Atomwaffenfähig, sondern muss noch wiederaufbereitet werden. Danach kann dann ne Bombe gebaut werden, wenn genug Plutonium-239 vorhanden ist, welches zu mindestens 93 % angereichert ist. Allerdings ist der Bau der Bombe an sich nach dem leichten Gewinnungsprozess recht kompliziert und auch mit Testerei verbunden. Also: Produktion: relativ einfach: Bau: relativ schwer.

Bei Uran ist die Sache etwas anders gelagert: Das Zeug kommt in der Natur vor (im Übrigen auch in größeren Mengen in Nordkorea), allerdings liegt der Anteil von Uran-235 welches für den Bau einer Bombe notwendig ist bei 0,71 %. Um waffentaugliches Uran zu haben braucht man aber zumindest einen Anteil von 90 % Uran-235 (Die Zahlen sind hier unterschiedlich). Also muss man auch hier Anreicherung betreiben. Allerdings bleibt das nicht wie beim Plutonium schön einfach  als Abfall vom Betrieb eines Kenkraftwerkes übrig. Nein, hier gibts verschiedene Methoden, wobei die mit den berühmten Gaszentrifugen der zur Zeit gängigste Weg unter Schurkenstaaten zu sein scheint. Genau, das Zeug mit dem auch der Iran dauernd rumhantiert, das Libyen nach erfolgloser Probiererei wieder abgebaut hat und das (bzw. das know how dazu )der pakistanische Wissenschaftler Abdul Kadir Khan scheinbar an jeden weitergegeben hat, der genug Bares auf der hohen Kante hatte oder im Tausch Raketentechnologie geliefert hat (stimmt! Das war Kim und seine Gang). Naja jedenfalls ist hier die Produktion anspruchsvoller und Energieintensiver (was für Nordkorea evtl. eine Rolle spielen dürfte, wie diese Bilder nahelegen), aber wenn man das Zeug erstmal hat, dann ist die Herstellung einer Bombe wesentlich leichter als im Fall von Plutonium und kann evtl. auch ohne Tests ablaufen. Außerdem brauchst du hierfür kein Kernkraftwerk, das jeder sehen, und wie im Fall vom Irak 1981 und vermutlich Syrien vor 2 Jahren auch kaputtmachen kann. Also: Produktion: relativ kompliziert aber einfacher zu verbergen; Bau relativ einfach und evtl. ohne Tests durchführbar.

Und was man daraus lernt

Ja und wenn Nordkorea jetzt wirklich beides hat, dann heißt das erstens: Wenn man auch Jongbjon kaputtmachen würde, so hätten sie immernoch scheinbar nicht lokalisierte Anlagen zur Anreicherung von Uran. Zweitens: wäre das Arsenal kaum mehr abzuschätzen, drittens: könnte es sein, dass sie auch ohne weitere Tests, Bomben bauen würden, die Tests wären also nicht mehr sicheres Zeichen dafür, wie erfolgreich sie auf dem Weg zur Bombe sind. Viertens: gäbe es plötzlich wie oben schon gesagt eine wesentlich größere Verhandlungsmasse. Und fünftens könnte das auch Implikationen für die Bewertung früherer und künftiger Zusammenarbeit mit dem Iran haben. Wahrscheinlich hab ich noch einiges vergesse, aber das kann ich ja dann schreiben, wenn ich ausführlicher auf die beiden möglichen Nuklearprogramme etc. eingehe. Nachlesen könnt ihr den ganzen Krma mit Uran und Plutonium, einfach und schwer etc. pp. erstmal in unterschiedlichen Komplexitätsstufen und mit variierendem Umfang hier zur Uranproduktion (auf der Seite gibts noch mehr Lesenswertes), oder hier zum kompletten Produktionsprozess von Atomwaffen, oder auch hier kurz und knackig zum Unterschied zwischen Uran- und Plutonium basierenden Nuklearwaffenprogrammen.  

Übrig bleibt nachdem ich das geschrieben hab immernoch eine wichtige Frage: Warum versetzt Nordkorea gerade jetzt, wo doch alle Zeichen auf Entspannung stande, die Welt mit seinem Bekenntnis wieder in Aufregung?

Wissen kann das wohl keiner, aber es gibt da ein paar Möglichkeiten sich das zu erklären. Eine währe, dass die Hypothesen um einen internen Machtkampf in Pjöngjang stimmen und dass nachdem eine Fraktion die Weichen auf Friede-Freude-Eierkuchen gestellt hatte, ein Heckenschütze aus ner anderen Fraktion, das wieder sabotieren wollte. Eine Andere währe, dass man mal wieder versucht die USA und Südkorea auseinanderzudividieren. Während man mit den Einen (Südkorea) auf Liebkind macht, packt man die Anderen (USA) etwas härter an. (Macht aber wenig Sinn, weil dann der Umgekehrte Weg sicherlich gangbarer gewesen wäre (Obama eher der relaxte Typ; Lee Myung-bak eher der Fiese)). Und natürlich könnte das alles, was ich zumindest in Teilen glaube. Von den Medien falsch aufgefasst worden sein. Vielleicht ist der berühmte Brief in erster Linie ein Eingeständnis, das nur aus traditionellen Gründen mit ein paar markigen Worten eingepflegt wurde. Und vielleicht war das offene Eingeständnis des auf Uran basierenden Nuklearprogramms auch eine Forderung der USA an Nordkorea, bevor es zu weiteren Verhandlungen kommt. Und wer will bei so einem Eingeständnis schon zu Kreuze kriechen. Nordkorea sicherlich nicht. Oder es war eine Art bluff, um ein bisschen Dynamik in die ganze Situation zu bringen (wobei man so richtige Bluffs von Nordkorea eher selten sieht).

Wie gesagt, man weiß es nicht. Aber um mit Fox Mulder zu sprechen „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen“ und ähnlich wie Fox Mulder das desöfteren Tat, gehe ich davon aus, dass die US Regierung mehr weiß. Deswegen werd ich mir die Reaktionen auf den Brief Seitens der US-Vertreter in den nächsten Tagen mal ganz genau anschauen.

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