Myanmar als Modell für Nordkorea? Chancen und Hindernisse


In der vergangenen Zeit wurde ja schon viel darüber gesprochen, auf welchen Kurs die neue Führung in Pjöngjang ihr Land wohl bringen wird. Vor allem seitdem man sich relativ sicher sein kann, dass Kim Jong Un und einige Leute um ihn rum (wie konkret, das ausseiht, kann keiner wissen) die Zügel im Land ziemlich fest in der Hand halten, wird dieses Thema heiß diskutiert. Besonders da sich zeigt, dass der junge Diktator wohl manches anders machen wird als sein Vater (ob es sich dabei um Kosmetik oder um einen echten Willen zum Wandel handelt, das kann auch keiner wissen) und dass seine Präferenzen stärker auf dem Wohl der Bevölkerung liegen(ob aus populistischem Kalkül oder echter Menschenliebe kann keiner wissen). Das alles nährt nicht nur in Pjöngjang Hoffnungen für einen Aufbruch, sondern auch in manch anderer Hauptstadt ist ein vorsichtiger Optimismus zu verspüren, dass es mit dem Neuen besser gehen könnte als mit seinem schwierigen Vater.

Obamas Botschaft an Pjöngjang

Dementsprechend überrascht es auch nicht, dass der alte und neue US-Präsident Barack Obama bei seinem viel beachteten Besuch in Myanmar unter anderem auch eine direkte Botschaft nach Pjöngjang schickte, als er sagte:

To the leadership of North Korea I’ve offered a choice: Let go of your nuclear weapons and choose the path of peace and progress. If you do you will find an extended hand from the United States of America.

Der Führung von Nordkorea habe ich eine Wahl angeboten: Gebt eure Nuklearwaffen auf und wählt einen Weg des Friedens und Fortschritts. Wenn ihr das tut, werdet ihr die ausgestreckte Hand der Vereinigten Staaten von Amerika finden.

Und wer die ganze Rede gucken will…

Die Symbolik und der Kontext

Das ist nicht das erste Mal, dass er sich seit dem Führungswechsel in Pjöngjang direkt an die Herrscher dort wendet, aber die Symbolik der Aussage erschließt sich natürlich vor allen Dingen aus dem Kontext. Und da ist es eben etwas anderes, ob man die Nachricht von Seoul aus oder von Naypidaw aus sendet. Man denke nur mal zwei, drei Jahre zurück und überlege, für wie wahrscheinlich man es damals gehalten hätte, dass ein US-Präsident in so naher Zukunft Myanmar besuchen und dort sogar mit Aung San Suu Kyi zusammentreffen würde, ohne das es zu einem Umsturz in dem Land gekommen wäre. Ich glaube das hätten damals nur recht optimistische Leute in Betracht gezogen. Aber es ist passiert und damit stecken da durchaus Signale für die Führung in Pjöngjang drin.

Was erreicht werden kann und welche Herausforderungen drohen

Die Botschaft zeigt ganz klar die Möglichkeiten dessen auf, das in relativ kurzer Zeit erreicht werden kann. Nordkorea könnte, wenn es den Ansprüchen der USA und ihrer Verbündeten entspräche, in nicht allzu ferner Zukunft aus seiner diplomatischen, aber auch der wirtschaftlichen und nicht zu vergessen (zwangsweise) auch aus der sozialen Isolation heraustreten. Damit würden sich der Führung sicherlich einige neue Möglichkeiten eröffnen, die eigenen Ziele hinsichtlich der Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung zu verwirklichen. Gleichzeitig könnten sich aber durch das Wegfallen der zum Teil noch vorhandenen sozialen- und Informationsisolation auch neue Herausforderungen ergeben. Das Thema ist allerdings kaum beherrschbar und damit nicht wirklich analysierbar und ich will es daher ausklammern. Denn es gibt noch eine andere Herausforderung: Die Erfüllung der Ansprüche der USA und ihrer Verbündeter. Denn das Angebot, Nordkorea aus seiner Isolation zu entlassen ist ja nicht gerade neu. Das besteht schon wesentlich länger, als die Annäherung der USA mit Myanmar zurückreicht. Die Sache ist, dass Nordkorea die Ansprüche nicht erfüllen will. Formuliert wurde hier von Barack Obama nur ein einziger Punkt. Die Aufgabe des Nuklearprogramms. Das wollte man in Pjöngjang bisher nicht leisten und die Frage ist, ob sich daran etwas ändert, nur weil die Anreize, die im Raum standen, in Myanmar jetzt plastisch werden.

Der zentrale Unterschied: Das Nuklearprogramm

Aber das ist es doch, was die Sache im Endeffekt entscheiden muss. Da bin ich ganz auf der Seite von Scott Snyder, der in der Existenz eines richtigen Nuklearprogramms (manche behaupten ja, Myanmar habe auch sowas, aber das ist maximal ein rudimentäres Gerüst von einem Programm. Jedenfalls nichts, was wirklich von Belang ist) einen zentralen Unterschied zwischen Myanmar und Nordkorea sieht. Das Nuklearprogramm stellt für Nordkorea sozusagen einen alternativen Weg dar, während Myanmar als Alternative zum Nachgeben vor allem die Hoffnung geblieben wäre. Außerdem hat Nordkorea mit dem Aufbau des Nuklearprogramms bewiesen, dass es so etwas kann und so etwas tun will, während Myanmar mit dem Nichtaufbau eines solchen Programms gezeigt hat, dass es das entweder nicht kann oder nicht will. Daher wäre Nordkorea selbst bei einem Ausgleich mit den USA unter viel argwöhnischerer Beobachtung. Gleichzeitig würde es mit dem Nuklearprogramm ein großes Stück seiner Unabhängigkeit aufgeben. Denn neben dem Nuklearprogramm stehen ja noch einige andere Sachen auf der Agenda der USA. Zum Beispiel die Menschenrechtsfrage. Und wenn die USA dann in diesem Bereich Druck machen würden, dann könnte man sich nicht mehr so leicht abwenden, als das aktuell der Fall ist.

Der Wert des Beispiels Myanmar…

Vor allem aber — und damit bin ich eigentlich bei meinem zentralen Punkt angelangt — ist die Geschichte mit den USA und Myanmar bisher als Beispiel nicht  wirklich viel wert. Was ist denn bis jetzt passiert. Es gab einige Besuche und ein Botschafter wurde entsandt, vielleicht wurden auch schon ein paar Wirtschaftsabkommen geschlossen und einige andere Vereinbarungen getroffen. Aber wir stehen so oder so erst am Anfang dieser Geschichte. Und dass solche Liebeleien auch ganz schnell ins Auge gehen können, dass hat die jüngste Vergangenheit bewiesen.

…und die Bedeutung eines anderen Beispiels

Damals gab es einen Fall, der viel eher mit dem Nordkoreas zu vergleichen ist. Ein Staatschef, der bei der Entwicklung eines Nuklearprogrammes relativ weit gekommen war (allerdings lange nicht so weit wie Nordkorea, er hat nämlich nicht getestet), der sein Land mit eiserner Faust regierte und sich in seiner Vergangenheit mitunter als Staatsterrorist betätigt hatte, war auf das Angebot der USA und der westlichen Welt eingegangen. Er tourte durch die Hauptstädte Europas und schlug da, wo es ihm gerade gefiel seine Zelte auf (im wahrsten Sinne). Die ersten Jahre der Liebelei liefen glänzend. Zuhause durfte er weiter nach seinem eigenen Gusto verfahren und diplomatisch und wirtschaftlich kam er trotzdem super mit den westlichen Staaten klar. Doch dann erhob sich ein Teil seiner Bevölkerung gegen ihn. Und da zeigte sich, was die entgegengestreckte Hand der USA wert war. Schneller er sich versah waren westliche Flugzeuge in der Luft und „Berater“ in seinem Land und halfen den Aufständischen/Rebellen/der Widerstandsbewegung ihn zu besiegen und umzubringen.

Garantien mit und ohne Bestand

Ich glaube dieses Beispiel ist in der Erinnerung der nordkoreanischen Führung ganzschön gut verankert und eine kurze Romanze Myanmars wird das nicht vergessen lassen. Außerdem hat es in dem Fall ja auch ein paar Jahre gedauert, bis sich die neuen Freunde überlegt haben, dass sie eigentlich doch auch alte Feinde sind. Die Anreize die die USA und ihre Verbündeten der nordkoreanischen Führung bieten können, im Tausch gegen ihr Nuklearprogramm mögen noch so groß sein. Sie können nie den Status einer Garantie erreichen. Nuklearwaffen dagegen fungieren bisher ganz gut als quasi-Garanten. Niemand will ihren Einsatz, deshalb greift auch niemand einen Staat an, der welche hat. Und deshalb kann man sich als Nuklearwaffenstaat relativ sicher sein, dass man seine eigenen Probleme ohne feindliche Einmischung lösen kann.

Wann Myanmar interessant sein kann

So einfach ist das. Daher würde ich das Beispiel Myanmar nicht überbewerten, solange die USA von Nordkorea die Aufgabe des Nuklearprogramms verlangen. Sollten die USA den Preis aber darunter ansetzen, dann würde das Ganze auf einmal viel interessanter für Pjöngjang (denn das Beispiel Libyen wäre nicht mehr so relevant). Man behielte seine Garantie und könnte die Anreize absahnen. Wir werden sehen, welche Seite sich wie bewegt, aber im kommenden Jahr stehen die Chancen gut, dass es zu entscheidenden Entwicklungen auf der Koreanischen Halbinsel kommt, die den Weg für die darauf folgende Zeit bestimmt. Wohin der Weg führt, das hängt nicht zuletzt von den Ansichten der neuen Führungen im Spiel ab.

Neue Vorsitzende des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses — Mögliche Auswirkungen auf die Nordkoreapolitik der USA


Für die US Regierung dürfte es künftig noch etwas schwieriger werden, eine Außenpolitik gegenüber Nordkorea zu umzusetzen, die Aussichten auf eine konstruktive Lösung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel bietet. Die Zwischenwahlen für das Repräsentantenhaus haben die Mehrheitsverhältnisse dort ja bekanntermaßen verändert und dementsprechend geht der Vorsitz des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses nun an die Republikaner. Die Designierte Vorsitzende des einflussreichen Komitees, Ileana Ros-Lehtinen, hat gestern ihre Vorstellungen für ihre Arbeit dort bekanntgegeben und die lassen nicht viel Gutes hoffen.

Ros-Lehtinen, die ihren Wahlkreis in Südflorida hat und in ihrer Kindheit aus Kuba floh, gilt als außenpolitische Hardlinerin und erklärte unter anderem:

Finally, my worldview is clear: isolate and hold our enemies accountable, while supporting and strengthening our allies. I support strong sanctions and other penalties against those who aid violent extremists, brutalize their own people, and have time and time again rejected calls to behave as responsible nations. Rogue regimes never respond to anything less than hardball.

Das ist deutlich. Zwar frage ich mich, wo sie als Frau mit kubanischen Wurzeln genau die Reaktion des Castro-Regimes auf das jahrzehntelange „hardball“ Spiel der USA gegenüber Kuba sieht (insgesamt wird sie Probleme haben die Behauptung, dass „Rogue regimes“ nur auf „hardball“ reagieren, empirisch zu untermauern), aber so wie ich das sehe, ist ihre Weltsicht nicht nur klar, sondern auch, nunja, einfach. Mit einfachen (und wenig zielführenden) Weltsichten schmücken sich Außenpolitiker der Republikaner in den letzten Jahrzehnten ja ganz gerne und wie es aussieht, wird sich daran auch nicht so bald etwas ändern. Auch ihre Herkunft lässt nicht unbedingt Nachsicht erwarten, denn die Gruppe der Exilkubaner ist ja dafür bekannt, dass dort oft radikale Positionen gegenüber autoritären Regimen, vor allem natürlich dem auf Kuba, vertreten werden.

So ist wohl zu erwarten, dass das Komitee für Auswärtige Angelegenheiten unter Frau Ros-Lehtinen Druck auf die Obama Administration ausüben wird, ein noch schärfere Linie gegenüber Nordkorea zu fahren. Ein Hebel könnte der Versuch sein, Nordkorea wieder auf die Liste der Terror unterstützenden Staaten zu setzen. Hierfür setzt sich Frau Ros Lehtinen schon seit längerem ein.

Dass die US-Außenpolitik durch die neue Konstellation besser wird bezweifle ich, aber vielleicht zwingt sie die Obama Administration dazu, sich von einem „falkigeren“ Komitee abzusetzen. Durch eine solche Abgrenzung könnte Ros-Lehtinen Hillary Clinton und ihren Untergebenen zu etwas verhelfen, dass ihnen in den bisherigen zwei Jahren, zumindest hinsichtlich der Koreanischen Halbinsel, abging. Inspiration. Und eigene Ideen und Initiativen. Das wäre doch mal was! Sollte das nicht passieren ist das Gute an der Sache, dass auch ein neues, radikaleres Gesicht die US-Politik gegenüber Nordkorea nicht entscheidend verschlechtern kann. Da ist schlicht nicht mehr viel Luft nach Unten.

Wer Frau Ros-Lehtinen und ihre Standpunkte zu Nordkorea etwas näher kennen lernen möchte, dem sei die Aufnahme ihrer Rede auf einer Veranstaltung der Korean Church Coalition ans Herz gelegt. Er ist recht aufschlussreich und danach fand die Frau vor allen Dinge sehr unsympathisch.

Stephen Bos-wer? Der Sondergesandte als Symbol für das Scheitern der Nordkoreapolitik der USA (Meine Meinung!)


The U.S. continues to wish that North Korea would disappear. That really is our policy. So we had four years of no policy for North Korea other than waiting for them to collapse, and we’ve now had six years of that same policy, waiting for them to collapse. And you can say a lot of things about North Korea, most of them bad, but one reality is they will not go gently into that dark night.

Dieses schöne Zitat stammt von Stephen Bosworth, um genauer zu sein aus einer Rede, die die er im Jahr 2006 vor dem U.S.-Korea Institute hielt. Würde man die „six“ durch eine „ten“ ersetzen, hätte man eine recht zutreffende Charaktersierung der Politik, die die USA in der letzten Jahren gegenüber Nordkorea betrieben haben. Nur hat sich seit 2006 einiges geändert, auch in der Biographie Bosworths. Er hat seine akademische Karriere wieder gegen den diplomatischen Dienst getauscht und hatte die Möglichkeit etwas an der von ihm kritisierten Politik zu ändern.

Nur…hat er diese Chance genutzt? Dazu eine kleine Geschichte: Kürzlich habe ich mir die Kategorien meines Blogs nochmal angeguckt und mir ist besonders diese Eine negativ aufgefallen, in der ich seit Monaten keinen Eintrag mehr hinzufügen konnte. Ihr wisst schon welche ich meine „Sondergesandter Bosworth“! Natürlich liegt jetzt der Schluss nahe, dass ich diesen Beitrag nur schreibe, um die Existenz dieser Kategorie vor mir selbst rechtfertigen zu können und vielleicht liegt man mit diesem Schluss noch nicht einmal so falsch. Aber als ich mich so über diesen Umstand am Ärgern war, dachte ich: „Was soll er denn machen der arme Bosworth? Wie soll er denn unter den herrschenden Umständen die Erwartungen erfüllen, die ich in ihn gesetzt habe, als ich ihm eine eigene Kategorie gab? War es nicht mein Fehler, dass ich seinem Vorgesetzten das Gerede von einer neuen Politik gegenüber den „rogue states“ glaubte?“ Eigentlich ist Bosworth ja nur ein Rädchen im Getriebe und hat sich vor allen Dingen mal an die Vorgaben zu halten, die er von seinen Vorgesetzten bekommt. Von daher wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, betreffende Kategorie „Die neue Nordkorea-Politik Obamas“ oder so ähnlich, zu nennen. Aber hätte das etwas an meiner Misere geändert, dass ich kaum etwas unter diese Kategorie hätte fassen können? Wohl kaum! Und da, genau da liegt der Hase im Pfeffer. Nicht Bosworth hat versagt sondern Obama, jedenfalls wenn man (heißt hier ich)  ihn an dem misst, das man (vielleicht (um das zu seiner Ehrrettung hinzuzufügen) unrealistischerweise) von ihm und seiner Außenpolitik erwartet hat.

Aber nun mal ganz im Ernst. Natürlich haben es die Nordkoreaner Obama nicht leicht gemacht, als sie kurz nach seinem Amtsantritt eine Atombombe testeten. Aber wer hätte erwartet, dass dies bei Obama scheinbar zu einer Art Schock führte, von der sich seine Politik gegenüber Nordkorea bisher nicht mehr erholen konnte. Natürlich ließ er Bill Clinton nach Pjöngjang fliegen um die Damen Ling und Lee Medienwirksam vor dem nordkoreanischen Gulag zu retten, aber das war wohl nicht mehr als Symbolik, diejenige Spielart der Politik, auf die sich der junge Präsident so hervorragend versteht. Und natürlich flog auch Stephen Bosworth nach Pjöngjang. Jedoch hatte er scheinbar nicht mehr im Gepäck, als ultimative Forderungen der USA, wie sich Pjöngjang zu verhalten habe, damit es eine Chance auf Verhandlungen mit den USA bekäme (also nicht wesentlich mehr als nichts). Und dann? Dann ist die Politik der USA gegenüber Nordkorea einfach stehen geblieben. Nichts hat sich mehr seit jenem Besuch Bosworth bewegt. Nach Bosworth Reise diskutierte man noch ein Zeitchen ob es weitere Gespräche mit Nordkorea geben sollte, man hörte sich an was die Vorschläge/Forderungen Nordkoreas waren und dann tat man…nichts. Die Politik die von den USA in den vergangenen Monaten kam, war keine Nordkoreapolitik, sondern eine Politik gegenüber den Bündnispartnern. Mangels eigener Idee schloss man sich Südkorea und Japan an, nannte das ganze „strategic patience“ und musste sich ab da keine Gedanken mehr um Nordkorea machen. Das machten ja die Anderen.

Und dementsprechend ward Bosworth seit Februar diesen Jahres eigentlich nicht mehr gesehen. Im Februar tourte er nochmal durch die Partnerländer bei den Sechs-Parteien-Gesprächen und im Mai hatte er die Ehre von Außenministerin Clinton besucht zu werden, nachdem die Versenkung der Cheonan offiziell Nordkorea zugeschrieben wurde. Und was hat die ganze Übung („strategic patience“ ein unglaublich doofer Euphemismus!) gebracht? Genau, Nichts! Aber das ist eine Wahrheit, die mir nicht unbedingt neu ist. Die Dinge werden selten besser, wenn man nichts tut. Und zu warten dass Kim stirbt und sich das Regime wahlweisen: – selbst zerfleischt oder – super friedlich und offen wird, ist zwar eine Art Plan, aber es ist kein viel Besserer als seine Karriereplanung auf Lottoscheine aufzubauen. Wahrscheinlich wird die Welt nicht untergehen, wenn Obama seine „strategic patience“ in den nächsten zweieinhalb Jahren weiter durchzieht, aber er wird seinem Nachfolger (oder sich selbst) definitiv einen schwierigeren Fall überlassen, als er selbst bei seinem Antritt vor der Brust hatte. Er hat doch mit Bosworth einen erfahrenen Diplomaten zur Verfügung, der sich nun schon seit über einem Jahr mit Nordkorea beschäftigt. Warum gibt er ihm nicht etwas Freiraum? Warum versucht Obama nicht endlich einen Prozess in Gang zu setzen, der langfristig die Situation auf der Koreanischen Halbinsel bessern wird.

Nordkorea will seine Wirtschaft aufbauen und will dazu eine geeignete Atmosphäre schaffen, noch wäre Zeit für eine Initiative der USA. Sich nach seinen Bündnispartnern zu richten ist dagegen nicht eben hilfreich. Die wissen auch nicht was sie tun sollen. Die einen wechseln im Jahrestakt ihre Regierungschefs und die anderen stehen gerade fassungslos vor dem Ergebnis ihrer harten Politik gegenüber Nordkorea. Alle wissen: es bringt nichts. Für die Südkoreaner hieße eine Änderung ihrer Politik über den eigenen Schatten springen, was für Ostasiaten oftmals eine schwierige Übung ist. Aber für Obama? Nicht mehr als eigene Versprechen einzulösen. Und das sollte selbstverständlich sein! Also los jetzt! Dann kann ich auch mal was über in der Kategorie „sondergesandter Bosworth“ einordnen.

1 + 1 = Pi hoch e x 1000 oder: Wie man Nordkorea, Venezuela, Kuba, Obama und Mini-U-Boote in einer Story unterbringt


Ein Mini-U-Boot das mit einem Selbstmordkommando besetzt ist wird aus einem Mutterschiff zu Wasser gelassen, nähert sich unauffällig seinem Ziel, feuert einem Torpedo ab und fährt dann direkt an das Ziel heran, dort sprengt die Crew das Boot und gibt dem Ziel damit den Gnadenstoß. Der Vorfall hält auch Tage später die Welt in Atem und der Präsident erklärt ihn zur nationalen Katastrophe. — So weit, so bekannt — Nur handelt es sich hier nicht um die neuesten Theorien und Kaffee aufwärm Aktionen rund um den Untergang der Cheonan. Nein, so stellen sich einige Hirnis in den Staaten vor, sei die Bohrinsel Deepwater Horizon gesunken. Natürlich ist die Geschichte noch etwas weiter ausgeschmückt (Obama hat scheinbar irgendwas von SWAT-Teams gesagt, die die Ölbohrinseln im Golf von Mexiko überprüfen sollten. Dies war dann sowas wie ein Elfmeter für den geübten Verschwörungstheoretiker (manche glauben aber auch, dass Obama mit Hilfe der SWAT-Teams die Ölindustrie verstaatlichen wolle) und man musste nur noch ein paar Details drumrum erfinden recherchieren. Sonst noch dabei:

  • Der Kreml in Moskau (Veröffentlichte den Bericht über die böse Tat Nordkoreas)
  • Kuba (Hier legte das Mutterschiff mit dem Mini-U-Boot an Bord ab)
  • Venezuela (Ziel des Mutterschiffes)
  • Amerikanischer Präsident (Sorgte mittels SWAT-Teams für Informationssperre, Nordkorea will ihn vor ein unlösbares Dilemma stellen)
  • Nordkorea (Möchte die Überprüfungskonferenz des Nichtproliferationsabkommens die heute beginnt torpedieren (und natürlich die Bohrinsel))
  • Ein unlösbares Dilemma (Lässt Obama weiter ungehindert Öl in den Golf von Mexiko ausströmen oder nutzt er das einzig wirksame Mittel gegen das Bohrloch die „Nukleare Option“)

Den Rest kriegt man sich wohl alleine zusammengereimt. Außer vielleicht: Wusstet ihr noch nicht, dass das Bohrloch nur durch die Explosion einer thermonuklearen Bombe verschlossen werden kann?

Das haben die Jungs von der European Union Times (lasst euch vom Namen nicht täuschen, das ist echt ein Dreck übelster Sorte. Faschistoide Propaganda garniert mit Verschwörungstheorien (Da wünscht man sich echt manchmal ein Supercomputerhacker zu sein und denen n paar virtuelle Bomben ins Postfach zu legen (Darf man sowas sagen? Ich distanziere mich mal vorsichtshalber davon.)) echt fein hingekriegt, haben sie schön die Nachrichten geguckt, eins und eins zusammengezählt (Nordkorea hat Mini-U-Boote und in den USA sinkt ne Bohrinsel: Wenn es da mal keinen direkten Zusammenhang gibt…) und Pi hoch e mal tausend rausgekriegt. Naja, wenigstens sind so alle Bösewichte in einem Boot: Obama, Kim, Hugo und Fidel/Raul. Ich frag mich nur was der Herr Ahmadinejad an dem Tag gemacht hat (Bisher hab ich noch nirgends gelesen, dass er das Mutterschiff steuert), oder ist er einer von den Guten, weil er ja ein Vorzeigeantisemit ist.

Warum ich euch mit dem Unfug belästige? Ich fands einfach so herrlich abstrus. Wären diejenigen die das rausgefunden haben in Nordkorea geboren, wären sie wahrscheinlich Chefredakteur von KCNA oder so. Aber man soll ja auch nicht schlecht über Hirnis reden. Während manche die „Story“ kommentarlos übernommen haben (Schauts euch trotzdem an. Da gibts nämlich ein Foto des Blogautoren TexasFred, das weitaus mehr für sich spricht, als sein Name), haben andere sofort und blitzgescheit erkannt (denn würde der Kreml seine „kommunistischen Kammeraden“ (O-Ton) ans Messer liefern? Da kann doch was nicht stimmen! (In welchem Jahr leben wir nochmal?)), dass die ganze Sache mit Nordkorea natürlich totaler Quatsch ist. Wer sonst könnte eine solch perfide Tat durchführen, die das Potential hat, die Exxon Valdez zu toppen als — die Umweltschützer natürlich! Aber das ist ne andere Geschichte/Theorie…

Bevor ich eure und meine Zeit weiterverschwende geh ich mich lieber mal abduschen um den Dreck und Gestank den ich in diesen ekligen Ecken des Netzes (ich kann die Frage, die ich mir vor einiger Zeit gestellt habe mittlerweile sicher beantworten: Das Netz muss Ecken haben. Wenn auch keine Manifesten, so doch irgendwie virtuell-metaphysische (wie auch immer). Und wenns keine Ecken sind, sinds halt Löcher, vorzugsweise zu versehen mit dem Attribut „drecks-„, denn wie sollte man dies „Orte“ sonst bezeichnen) loszuwerden und hoffe bei Gott, dass ich da nicht so schnell wieder hinmuss.