Was vorher geschah: Zusammenfassung der letzten Wochen in Nordkorea


Da bin ich wieder. Da es in den letzten Wochen ja nicht nur für diejenigen, die an deutscher Innepolitik interessiert sind, einiges (irgendwie Kurioses) zu beobachten gab, sondern auch Nordkoreainteressierte nicht über Langeweile klagen musste, dacht ich mir, ordne ich für mich (und wenn ihr mögt auch für euch) einfach mal das, was seit meinem letzten Post passiert ist. Dabei gab es sowohl, was die nordkoreanische Innen- wie auch Außenpolitik angeht ein paar interessante Ereignisse, aber auch „drumherum“ gibt es einige Dinge, die ich erwähnenswert finde.

Innenpolitik

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Am 16. Februar hätte Kim Jong Il ja eigentlich seinen 70. Geburtstag feierlich begehen können. Konnte er dann aber doch nicht, da er bis auf Weiteres indisponiert ist, so dass die Party ohne das Geburtstagskind steigen musste. Aber diese kleine Nebensächlichkeit hinderte natürlich niemanden daran, den Anlass feierlich zu begehen, nur dass sich nun einige Tagesordnungspunkte etwas anders gestalteten. Aber das übliche Brimborium fand trotzdem statt. Es gab Festveranstaltungen, eine Parade und Reden und Geschenke gab es auch.

Das Geburtstagskind wurde standesgemäß geehrt, indem es posthum zum Generalissimus ernannt wurde, womit er, was militärische Grade angeht, zu seinem Vater Kim Il Sung aufgeschlossen hat (da wo ich in Urlaub war gab es übrigens auch mal einen Generalissimus, der hat aber im Gegensatz zu Kim Jong Il über Jahrzehnte hinweg gegen alle möglichen Gegner im Feld gestanden). Das mag ein bisschen seltsam erscheinen, denn immerhin hat er nie zu Kriegszeiten Truppen befehligt, jedoch lieferte Kim Myong-chol, mein Lieblingssprachrohr nordkoreanischer Propaganda, hierfür einige Argumente, denen man mit etwas gutem Willen folgen mag: Mit Sun Tzu, einem der ersten großen Militärstrategen, dessen Arbeit noch bis in die heutige Zeit wirkt, argumentiert Kim schlicht, dass wahre militärische Führungsqualität darin liege, den Wiederstand seiner Gegner ohne Krieg zu brechen. Ob wirklich Wiederstand gebrochen wurde, darüber kann man natürlich streiten, jedenfalls hat er es „geschafft“, keinen Krieg auszulösen. Vermutlich hat sein nachträglicher Aufstieg auch damit zu tun, dass der nächsthohe Posten der des Marschalls der Koreanischen Volksarmee freigeräumt werden musste, für einen Anderen, den man aber noch nicht auf eine Stufe mit seinem Vater stellen kann.

Neben dem neuen Titel gab es auch ein schönes Kim Jong Il Denkmal. Er erhielt ein Reiterstandbild an der Seite seines Vaters und vermutlich werden in diesem Jahr allerorten in Nordkorea weitere Statuen aus dem Boden schießen, die sein Andenken bewahren helfen sollen.

Wo reiten sie denn?

Aber auch für andere gab es Geschenke. Nicht nur die Kinder auf abgelegenen Inseln wurden, wie es zu solchen Anlässen üblich ist, per Helikopter mit Geschenken versorgt, was dieses Mal allerdings einige ranghohe Funktionäre teuer zu stehen kam, wenn man den Berichten von Daily NK über einen Hubschrauberabsturz glauben darf. Vor allem gab es mal wieder Beförderungen und die Liste derjenigen, die in der militärischen Rangordnung weiter aufstiegen ist mal wieder recht interessant. Kim Jong-gak kristallisiert sich mehr und mehr als einer der starken Männer beim Militär heraus, die Kim Jong Un bei seiner Machtkonsolidierung an vorderster Front unterstützen werden (oder vielmehr sollen). Er wurde gemeinsam von der Nationalen Verteidigungskommission (NDC) und der Zentralen Militärkommission der Arbeiterpartei (CMC) zum Vize-Marschall (Vice Marschal) der Koreanischen Volksarmee (KPA) ernannt, eine Position, nach der es nur noch sehr selten weiter nach oben geht (soweit ich das überschaue gibt es zurzeit drei weitere Vice Marshals, die noch aktiv sind: Ri Yong-ho, Kim Yong-chun und Ri Yong-mu). Damit sind an der Spitze der militärischen Rangfolge mit Ri Yong-ho und Kim Yong-gak zumindest zwei Männer zu finden, deren teils rapider Aufstieg mit der Nachfolge Kim Jong Uns in Verbindung gebracht wird und die folglich wohl wichtige Stützen des jungen Kim sind.

Jedoch sind auch in den etwas nirdrigeren (Generals-)Rängen interessante Aufstiege zu verzeichnen. Mit Pak To-chun wurde ein weiterer Mann befördert, dessen Aufstieg im Kontext mit Kim Jong Uns Nachfolge gesehen werden kann und der immer al wieder auf meinem Radar auftaucht. Er steht übrigens, genau wie Kim Yong-chol, der ebenfalls in den Rang eines (fünfsterne) Generals erhoben wurde, seit Kurzem auf der Liste der Personen, die unter die Sanktionen der EU gegen das nordkoreanische Nuklearprogramm fallen (was ja möglicherweise für die Arbeit der EU bei der Identifizierung der richtigen Leute sprechen könnte, denn da hat man wohl zwei interessante Figuren ins Visier genommen).

Wegweisende Parteikonferenz steht im April an

Weitere wegweisende Personalentscheidungen werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn immerhin hat das Politbüro des ZK der Partei vor ein paar Tagen bekanntgegeben, dass Mitte April dieses Jahres eine weitere Parteikonferenz stattfinden wird. Die letzte derartige Veranstaltung wurde ja erst Ende 2010 abgehalten. Damals war Kim Jong Un ans Licht der Öffentlichkeit getreten und als quasi offizieller Nachfolger Kim Jong Ils (wenn auch nicht formal) vorgestellt worden. Dieses Mal dürfte er wohl offiziell in Schlüsselämter in Militär und Partei berufen werden. Es wird interessant zu beobachten sein, ob er alle erwarteten Positionen besetzen wird oder etwas auslässt (dazu werde ich mit Sicherheit noch etwas schreiben). Weiterhin wird es sehr interessant zu beobachten sein, welche Personen ansonsten noch nach oben gespült werden und inwiefern es eher eine Verjüngung oder eher Konstanz in der Führung des Landes geben wird. Innenpolitisch bleiben die Zeiten für Nordkoreainteressierte als spannend.

Außenpolitik

Kraftmeierei allenthalben

Aber auch außenpolitisch ist einiges passiert. Wie erwartet und gewohnt hat Pjöngjang mit Blick auf die alljährlichen Militärmanöver der USA und Südkoreas mal wieder mächtig mit den Säbeln gerasselt und allerlei Drohungen ausgestoßen. Wie ebenfalls erwartet und gewohnt ist aber bisher nichts darüber Hinausgehendes passiert und das wird wohl auch so bleiben. Manöver und Drohungen gehören eben irgendwie zur politischen Folklore zwischen den Koreas. Aber das Risiko einer wirklichen Eskalation im Gefolge dieser Manöver halte ich für eher gering. Beide Seiten haben schließlich jahrzehntelange Erfahrungen darin, mit äußerster Vorsicht zu drohen und zu rasseln. Interessant fand ich jedoch, dass Kim Jong Un heute die Einheit der Armee besucht hat, die im Jahr 2010 für den Beschuss der Insel Yonpyong verantwortlich war und das ihm dabei unter anderem die folgende Aussage zugeschrieben wird:

He ordered them to make a powerful retaliatory strike at the enemy, should the enemy intrude even 0.001 mm into the waters of the country where its sovereignty is exercised.

[Er befahl ihnen einen mächtigen Vergeltungsschlag gegen den Feind zu führen, sollte der Feind auch nur 0,001 mm in die Gewässer des Landes eindringen, in denen es seine Souveränität vollzieht]

Kim Jong Un kennt jedenfalls ganz gut das „Wording“ des Generalstabs der Armee, der auch gerne diese 0,001 mm Geschichte in seine Drohungen einbaut. Außerdem sind es natürlich recht markige Worte des jungen Kim, die dem Säbelrasseln des Regimes eine etwas höhere Autorität verleihen.

USA und Nordkorea sprachen: Bescheidene Ergebnisse

Noch interessanter als die übliche Kraftmeierei finde ich aber die Gespräche zwischen den USA und Nordkorea, die es Ende dieser Woche in Peking gab. Die amerikanische Delegation wurde dabei geführt vom neuen US-Sondergesandten für Nordkorea, Glyn Davies und die nordkoreanische Seite vertrat mal wieder Kim Kye-gwan. Erwartungsgemäß gab es auch hier keine Überraschungen. Glyn Davies sagte, es habe zwar keinen Durchbruch gegeben, aber die Gespräche seien ernsthaft und gehaltvoll gewesen und es habe kleine Fortschritte gegeben. So richtig nach Erfolg hört sich das für mich aber nicht an, sondern mehr nach „Wir haben uns jedenfalls nicht gestritten… „.

Das könnte natürlich daran liegen, dass beide Seiten nach wie vor unvereinbare Positionen vertreten. Auch das Interesse auf beiden Seiten, sich weiter anzunähern ist zumindest fragwürdig. Nordkorea hat momentan innenpolitisch viel zu tun (siehe oben…) und die USA haben gerade erst in Südostasien einen Erfolg verbucht und werden das schwierige Nordkorea-Thema vielleicht eher auf die Zeit nach den Präsidentschaftswahlen verschieben (ganz sicher wird man wohl nicht großartig nachgeben wollen und außenpolitische „Schwäche“ zeigen, denn sowas ist ja immer ein gefundenes Fressen für Republikaner, die ihr konservatives Profil schärfen wollen).

Interessantes Dementi

Ganz interessant fand ich noch eine andere kleine Geschichte. Südkoreanische Zeitungen meldeten, China habe eine 3 Milliarden Dollar Investition in die nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Rason beschlossen. Solche Gerüchte sind ja nicht eben selten, aber eher selten werden sie von offizieller chinesischer Seite dementiert. Das war dieses Mal so. Warum? Keine Ahnung, aber interessant ist es.

Drumherum

Steigender Druck auf China in der Flüchtlingsfrage

Ich habe vor einiger Zeit ja schonmal darüber geschrieben, dass Südkorea eine härtere Linie gegenüber China zu fahren beginnt, was die Frage der Behandlung nordkoreanischer Flüchtlinge in China angeht. Jüngst wurde wieder ein Fall bekannt, in dem 21 Nordkoreaner in Shenyang aufgegriffen wurden und an die nordkoreanischen Behörden überstellt werden sollten. Das breite Echo, dass dieser Fall in den südkoreanischen Medien erzeugte rief dieses Mal mit Amnesty International auch ein Schwergewicht im Bereich der internationalen Menschenrechts NGOs auf den Plan. Amnesty hat eine Kampagne gestartet und dem Fall wie dem gesamten Themenfeld der nordkoreanischen Flüchtlinge damit eine noch breitere Öffentlichkeit verschafft (wer etwas tun möchte, bzw. das gute Gefühl haben möchte, zumindest ein Zeichen gesetzt zu haben, der kann sich anschließen. Nur dem vorherigen Link folgen. Da gibt es mehr Infos). Auch die südkoreanische Regierung versuchte den Druck auf die chinesische Führung zu erhöhen, indem Präsident Lee in einem Interview sagte, man erwarte, dass China entsprechend internationalen Normen handle (und die Flüchtlinge nicht nach Nordkorea zurückschicke) und indem das Außenministerium ankündigte, die Flüchtlingsfrage vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf zu thematisieren.

Ungeachtet all dessen scheint China bereits neun Flüchtlinge zurückgeschickt zu haben. Es ist also davon auszugehen, dass man sich in Peking nicht dem internationalen Druck beugen will. Das ist aus strategischer Sicht auch durchaus verständlich, denn wenn es für nordkoreanische Flüchtlinge Signale gäbe, dass bereits die Überquerung der Grenze nach China dem Erreichen des sicheren Hafens gleichkäme, dann könnte das einen Anreiz für weitere Menschen in Nordkorea setzen, die Flucht anzutreten. Das würde einerseits die Lage in den chinesischen Grenzprovinzen etwas destabilisieren, vor allen Dingen könnte es aber zu einer Dynamik führen, die die Stabilität des nordkoreanischen Regimes ernsthaft in Frage stellen könnte (auch die deutsch-deutsche Wiedervereinigung begann schließlich mit der Öffnung eines neuen Fluchtwegs). Das kann nicht im Interesse Chinas sein und daher wird man versuchen, das Thema so weit wie möglich vom Licht der Öffentlichkeit abzuschirmen und die gleiche Flüchtlingspolitik wie bisher zu fahren. Allerdings wird das gar nicht so einfach sein, wenn Gegner wie Amnesty sich das Thema erstmal zueigen gemacht haben. Aber vielleicht führt das Ganze letztendlich dazu, dass ein neuer Modus gefunden wird, der es Fluchtwilligen irgendwie erleichtert, nach Südkorea zu gelangen. Meine Hoffnungen sind jedoch begrenzt und genausogut ist der umgekehrte Fall denkbar (zum Beispiel, indem China und oder Nordkorea die Grenzkontrollen effektiver gestalten, um Flüchtlinge schon vor der Grenze abzufangen und so weitere unangenehme Publizität für China zu verhindern).

Kim Jong Nams Hotelrechnung

Eine kleinere Geschichte, die weniger ernst ist, jedenfalls hat sie für weitaus weniger Leute Konsequenzen, gab es auch noch. Vor einer guten Woche war nämlich zu lesen, dass Kim Jong Nam, Kim Jong Uns ungeliebter Bruder, der sich jüngst einem japanischen Journalisten gegenüber sehr gesprächig gezeigt und dabei seinen Bruder kritisiert und ihn damit ein Stück weit in Frage gestellt hatte, aus seinem Hotel in Macao geflogen sei. Dort sei eine unbeglichene Rechnung von etwa 15.000 US-Dollar aufgelaufen. Wenn das alles so stimmt, dann wurde ihm also nicht nur die hohe Hotelrechnung präsentiert, sondern vermutlich davor schon die Quittung für sein loses Mundwerk. Denn bisher wurde immer kolportiert, dass Pjöngjang ihm noch immer seinen Lebensunterhalt zahle, auch wenn er in Ungnade gefallen sei. Das scheint sich also jetzt geändert zu haben. Natürlich könnte dahinter auch das Ableben seines Vaters stehen, jedoch kann es genausogut ein Warnschuss der neuen Führung wegen seiner Geschwätzigkeit sein. Mal sehen, ob es in Zukunft still um ihn wird, oder ob er nun versucht sich auf anderem Wege Geld zu besorgen. Das wäre dann meiner Meinung nach mutig bis dumm, denn in Pjöngjang kennt man wohl auch andere Mittel, unliebsame Gegner ruhig zu stellen. Wir werden sehen.

Interessante Zeiten

So, dass war es erstmal von meiner Seite. Vielleicht habe ich euch hier nicht viel Neues erzählt, aber auf jeden Fall ist so einiges vorgefallen in den letzten beiden Wochen. Und einiges von dem Geschehenen ist entweder noch nicht abgeschlossen bzw. abschließend bewertet, oder es wirft seine Schatten voraus auf weitere Ereignisse, die in nächster Zeit noch anstehen. Die Zeiten bleiben also interessant auf der Koreanischen Halbinsel.

Alte Bekannte: Pak To-chun und Amroggang Development Banking Corporation auf der neuen Sanktionsliste der EU


Ein bisschen (oder vielmehr vollständig) hinter dem Tod Kim Jong Ils zurückgetreten ist die Tatsache, dass die EU Kommission am 2o.12. letzten Jahres die Durchführungsverordnung Nr. 1355/2011 zur Änderung der Verordnung Nr. 329/2007 des Rates über restriktive Maßnahmen gegen die Demokratische Volksrepublik Korea erlassen hat. Diese Durchführungsverordnung nimmt einige Ergänzungen im Anhang V der Verordnung Nr. 329/2007 vor. Klingt alles nicht besonders spektakulär, aber kann in der Konsequenz sehr weitreichende Folgen haben. Denn Anhang V regelt, welche Personen, Unternehmen und Banken den folgenden Restriktionen unterliegen (nach Verordnung (EU) Nr. 1283/2009 des Rates, die ebenfalls Verordnung Nr. 329/2007 änderte):

Artikel 6

[…]

(2) Sämtliche Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen, die Eigentum oder Besitz der in Anhang V aufgeführten Personen, Organisationen und Einrichtungen sind oder von diesen gehalten oder kontrolliert werden, werden eingefroren. In Anhang V werden die nicht von Anhang IV aufgeführten Personen, Organisationen und Einrichtungen aufgeführt, die gemäß Artikel 4 Absatz 1 Buchstaben b und c des Gemeinsamen Standpunkts 2006/795/GASP nach Feststellung des Rates

a) für Nordkoreas Nuklearprogramme oder seine Programme für andere Massenvernichtungswaffen oder für ballistische Flugkörper verantwortlich sind, sowie die Personen und Einrichtungen, die in ihrem Namen oder auf ihre Anweisung handeln, sowie Einrichtungen, die sich in ihrem Besitz befinden oder unter ihrer Kontrolle stehen, oder

b) Finanzdienste bereitstellen oder die Gelder, andere Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen, die für
Nordkoreas Nuklearprogramme oder Programme für andere Massenvernichtungswaffen oder für ballistische Flugkörper verwendet werden könnten, in oder durch das Gebiet der Union oder vom Gebiet der Union aus transferieren oder die solche Gelder, andere Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen unter Mitwirkung von Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten, von nach dem Recht der Mitgliedstaaten gegründeten Einrichtungen oder von im Gebiet der Union befindlichen Personen oder Finanzinstituten transferieren, sowie Personen oder Einrichtungen, die in ihrem Namen oder
auf ihre Anweisung handeln, und Einrichtungen, die sich in ihrem Besitz befinden oder unter ihrer Kontrolle stehen.
Anhang V wird in regelmäßigen Abständen, mindestens aber alle zwölf Monate überprüft.

(3) Die Anhänge IV und V enthalten, soweit verfügbar, Angaben zu den darin aufgeführten natürlichen Personen, damit die betreffenden Personen identifiziert werden können. Diese Angaben können Folgendes umfassen:

a) Nachname und Vornamen, einschließlich gegebenenfalls Aliasnamen und Titel;

b) Geburtsdatum und –ort;

c) Staatsangehörigkeit;

d) Reisepass- und Personalausweisnummern;

e) Steuer- und Sozialversicherungsnummern;

f) Geschlecht;

g) Anschrift oder sonstige Informationen über Aufenthaltsorte;

h) Funktion oder Beruf;

i) Datum der Aufnahme in die Liste.

Zudem werden in den Anhängen IV und V die Gründe für die Aufnahme in die Liste, beispielsweise die berufliche
Tätigkeit, genannt: In den Anhängen IV und V können die in diesem Absatz genannten Angaben zur Identifizierung auch über die Familienmitglieder der auf der Liste aufgeführten Personen erfasst werden, sofern sie im Einzelfall erforderlich sind, und ausschließlich zum Zweck der Überprüfung der betroffenen auf der Liste aufgeführten natürlichen Personen.

(4) Den in den Anhängen IV und V aufgeführten natürlichen und juristischen Personen, Organisationen und  Einrichtungen dürfen weder unmittelbar noch mittelbar Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden oder zugute kommen.

(5) Es ist untersagt, wissentlich und vorsätzlich an Aktivitäten teilzunehmen, mit denen die Umgehung der in den
Absätzen 1 und 2 genannten Maßnahmen bezweckt oder bewirkt wird.“

Wie man sieht, darf man mit den Leuten, Unternehmen und Banken, die auf dieser Liste stehen eigentlich keine Geschäfte machen, denn man darf ihnen ja keine Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zugeführt werden. Grundsätzlich ist dazu zu bemerken, dass vor allem die Zahl der Personen und Banken, die unter Anhang V fallen, seit 2009 stark zugenommen hat.

Pak To-chun

Allerdings wurden dieses Jahr auch zwei Personen neu auf diese Liste gesetzt, einer davon ein neuer Bekannter (der andere ist Kim Yong-chol, der natürlich auch kein unbeschriebenes Blatt ist). Pak To-chuns Karriere fand ich in der Vergangenheit ja bereits irgendwie bemerkenswert und nun zeigt sich, dass die EU vermutete, er habe als „Befehlshaber des Büros für Kernenergie“ eine entscheidende Rolle in Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm. Scheint also wirklich nicht unwichtig zu sein, der Mann.

Wichtige Nordkoreaner

So ist Pak (ganz hinten links) sehr häufig zu sehen…

Kim Jong Il guckt und alle gucken mit...

…zwar dabei aber immer im Hintergrund. Weiß nicht was es bedeutet, aber war mir schon immer aufgefallen.

…und die Amroggang Bank

Ebenfalls interessant finde ich eine andere sanktionierte Entität. Die Amroggang Development Banking Corporation, die jetzt von der EU sanktioniert wird (im in der Änderungsverordnung 1251/2010 von 2010 wurde sie noch nicht erwähnt) war mir nämlich 2010 schonmal aufgefallen, weil sie im Bericht des Experten Panels der Vereinten Nationen u.a. als Geschäftspartner der deutschen Commerzbank aufgeführt war. Naja, jetzt hat man in Frankfurt wohl entweder ein paar Konten eingefroren, oder man hat die Geschäftsverbindung schon früher gelöst. Ist ja nie gut fürs Image, wenn man in UN-Berichten zu Sanktionen auftaucht (Andererseits scheint man sich bei der Commerzbank ohnehin nicht für viel zu schämen. Also wenn ich mich vom Staat retten lassen müsste, mich dann nach einer Kapitalerhöhung teilweise freikaufen würde um ein paar Monate später schon wieder am Krückstock zu gehen, dann wäre mir das sehr peinlich. Irgendwie hätte man mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung doch auch das Eigenkapital stärken können, oder? Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema…).

Naja, das waren meine beiden Highlights, aber insgesamt ist dieser Anhang auch mal interessant um zu schauen, wer warum sanktioniert wird (die Ausführungen dazu sind eigentlich recht ausführlich und geben ein paar zusätzliche Hintergründe). Auch bemerkenswert finde ich es, dass es eigentlich überhaupt nicht öffentlich angesprochen wurde, dass diese wenn auch technischen, doch sehr weitreichenden Ergänzungen gemacht wurden.

Laotischer Präsident traf Kim Jong Il: Militärische Zusammenarbeit?


Choummaly Sayasone, der Präsident von Laos hat seinen dreitägigen Besuch in Nordkorea gestern beendet. Seine offizielle Visite war begleitet von einer Menge hochrangiger Gespräche und natürlich kultureller Termine, zu denen auch (wie vermutet) ein Zusammentreffen mit Kim Jong Il zählte. Worüber beide Seiten konkret sprachen, darüber schwieg man sich leider aus, allerdings gibt es einige Hinweise auf zumindest ein interessantes Thema.

Hinweise auf ein Gesprächsthema aus Sayasones Reden und…

In seinen Ansprachen im Rahmen des Treffens mit Kim Jong Il, sowie bei einem Empfang des Zentralkomites der Arbeiterpartei, erwähnte Sayasone immer zwei Themen, die die engen Beziehungen zwischen Laos und Nordkorea verdeutlichen. Einerseits die historischen Verbindungen, die auf der nordkoreanischen Hilfe im Befreiungskampf des laotischen Volkes beruhten. Andererseits aktuelle Hilfen Nordkoreas im wirtschaftlichen Bereich und bei der Landesverteidigung:

He expressed deep thanks to the fraternal party, government and people of the DPRK for having rendered precious cooperation to the struggle of the Lao people for national salvation in the past and their national defence and construction at present. [Er drückte seine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Bruderpartei, der Regierung und der Bevölkerung der DVRK aus, für die wertvolle Zusammenarbeit beim Kampf der laotischen Bevölkerung für nationale Befreiung in der Vergangenheit, sowie der nationalen Verteidigung und dem Aufbau in der Gegenwart.]

…den teilnehmenden Funktionären

Auf das Thema Landesverteidigung deuten auch noch einige andere Aspekte des Treffens. So fand sich mit Chansamone Chanyalath auch ein Vize-Verteidigungsminister im Gefolge des laotischen Präsidenten. Bei dem von Kim Jong Il und Choummaly Sayasone waren darüber hinaus auf nordkoreanischer Seite Ju Kyu-chang, der von der EU als

Erster stellvertretender Leiter der Abteilung Rüstungsindustrie (Programm für ballistische Flugkörper)

seit Ende 2010  mit einem Ein- und Durchreiseverbot belegt ist (hinter dem Link findet ihr übrigens den gesamten Text der aktuell bestehenden Sanktionen der EU gegen Nordkorea, falls  euch das interessiert), sowie Pak To-chun, der in der Partei für die Militärindustrie zuständig ist (außerdem sind beide Mitglieder der Nationalen Verteidigungskommission Nordkoreas) mit von der Partie. Im Paket klingt das Ganze für mich so, als hätten nicht zuletzt mögliche Unterstützungen Nordkoreas zur Landeverteidigung von Laos bei den Gesprächen eine Rolle gespielt. Ob Laos auch auf der Kundenliste für den nordkoreanischen Raketenbasar steht ist nicht klar, aber da dies das Spezialgebiet von Ju ist, ist auch das nicht vollkommen abwegig. Allerdings kann ich mir nicht so richtig vorstellen, wozu Laos Raketen brauch könnte. Ein Grenzkonflikt mit Thailand ist zwar noch nicht vollkommen beigelegt, wird aber wesentlich konstruktiver behandelt, als der Streit zwischen Kambodscha und Thailand.

Ein Thema: Militärische Zusammenarbeit

Naja, ob ballistisch oder anders. Ein Thema dürfte jedenfalls die militärische Kooperation gewesen sein, über die man nun wirklich extrem wenig finden kann. Würde mich ja wirklich mal interessieren, wie Nordkorea dem laotischen Volk bisher im Militärbereich unter die Arme gegriffen hat.

Geschenke gabs auch

Achja, Geschenke gabs natürlich auch. Und wie es sich seit neuestem zu gehören scheint, wurde auch mal wieder der Junior beschenkt. Allerdings interessierte sich Kim Jong Un dafür zumindest in der Fotosekunde wenig dafür. Umso neugieriger Ri Yong-ho, der mir ein bisschen vorwitzig zu  sein scheint (in ähnlichen Posen wird er nämlich öfter mal abgelichtet).

Choummaly Sayasone präsentiert Kim Jong Il und Kim Jong Un seine Geschenke

Choummaly Sayasone präsentiert staatsmännisch die Geschenke. Kim Jong Il interessiert, Ri Yong-ho (l) neugierig, Kim Jong Un macht den Hanns-Guck-in-die-Luft

Hier gibts noch den Schnelldurchlauf des Besuchs aus der Linse des nordkoreanischen Fernsehens:

Nordkoreanische und chinesische Medien berichten über Kims China besuch: Worum es ging.


Die chinesischen und nordkoreanischen Behörden haben gestern Abend begonnen Details über die Reise Kim Jong Ils nach China zu veröffentlichen. Das Tourprogramm der Reise war durch Beobachter ja schon recht genau beschrieben worden und konzentrierte sich vor allem auf industrielle Anlagen und technologische Produktion (laut KCNA sagte Wen Jiabao, Kim Il Sung habe vor zwanzig Jahren die gleiche Reise gemacht). Die Berichte aus China und Nordkorea konzentrieren sich aber auf den Austausch zwischen hochrangigen Politikern beider Länder.

Kim Jong Il traf sich auf dem letzten Abschnitt seiner Reise in Peking sowohl mit Präsident Hu Jintao als auch mit Premier Wen Jiabao. Auch auf der Liste stand Xi Jinping, der mutmaßliche Nachfolger Hu Jintaos. Außerdem standen Kim Jong Il während seiner gesamten Reise laut KCNA Dai Bingguo und Wang Jiarui als Reisebegleiter zur Seite. Beide haben Nordkorea in letzter Zeit besucht und Besuch aus Kims Regime empfangen. Hinsichtlich der bilateralen Beziehungen beider Länder stellte Hu Jintao fünf Punkte in den Fokus, auf die man sich künftig konzentrieren möchte:

  • Step up high-level visits and deepen China-DPRK friendship. He welcomed DPRK leaders to visit China.
  • Make more efforts to share experiences on party building and state governance and promote economic and social development.
  • Improve mutually beneficial cooperation to benefit the two peoples.
  • Deepen exchanges in culture, education and sports, particularly the exchanges among young people, to pass on China-DPRK friendship from generation to generation.
  • Increase communication and maintain coordination on international and regional situations as well as crucial issues, and jointly safeguard regional peace and stability.

Also grundsätzlich keine Überraschungen. Weiche Themen wie Kooperation in Sport, Bildung und Kultur und hochrangige Treffen. Wirtschaftliche Kooperation wurde zwar ebenfalls erwähnt, aber was konkret in diesem Bereich angesprochen wurde klingt nicht extrem weitreichend:

China is ready to make joint efforts with the DPRK to give full play to various bilateral working mechanisms, further encourage initiatives by localities and enterprises and enhance planning and coordination in an effort to boost win-win cooperation to a higher level, Wen said.

Kim hailed the tremendous achievements of bilateral trade cooperation in recent years, adding that the two sides have taken a significant step forward in building a new cross-border bridge over the Yalu River.

Mich wundert ein bisschen, dass kein Wort von den beiden chinesisch-nordkoreanischen Großprojekten in Rason und Hwanggumpyong nicht erwähnt wurden (obwohl die Brücke damit im Zusammenhang stehen könnte, weiß ich nicht). Aber vielleicht will man noch abwarten wie sich die Vorhaben weiterentwickeln.

Eingang in den Kanon der Standardfloskeln scheint die Aussage über die Weitergabe der Freundschaft zwischen China und Nordkorea über die Generationen hinweg zu finden. Die ist sowohl in den chinesischen als auch den nordkoreanischen Statements zu finden, so auch am Ende von Kim Jong Ils Rede bei dem Bankett, das Hu Jintao zu seinen Ehren ausrichtete:

Esteemed Comrade General Secretary Hu Jintao,

Dear Chinese comrades,

I am very pleased to visit China again at the invitation of you, respected Comrade General Secretary, and have meaningful meetings with you and other Chinese friends.

I, first of all, would like to express deep thanks to you for having invited us to this grand banquet, though very busy with important internal and external political affairs, and made a friendly speech just before.

My thanks also go to the collective leadership of the Communist Party of China and other Chinese comrades for warmly welcoming us with comradely and friendly feelings during our tour from Heilongjiang Province, our first leg, to Beijing.

Visiting China again after nine months amid warm welcome, we have newly felt friendly feelings of the Chinese people, our close neighbor sharing a mountain and rivers with us.

We toured northeast China where traditional DPRK-China friendship struck root, Jiangxi Province that PresidentKim Il Sungwent round during his last China visit and other vast areas of China. During the days we have been much moved by great changes and progress made in the areas under the leadership of the Communist Party of China with you as general secretary.

We are sincerely rejoiced at the achievements of the Chinese people as at our own.

This year is very significant for the Chinese people as they will greet the 90th anniversary of the CPC and started to carry on the 12th five-year plan for economic and social development.

We sincerely hope that the fraternal Chinese people will significantly celebrate the CPC anniversary and make greater achievements in the effort for adhering to the scientific outlook on development, defending the social stability and building a harmoniously developed socialist society under the leadership of the CPC headed by you.

The Chinese party and government are greatly contributing to rejecting high-handedness and dominationism and ensuring world peace and stability by pursuing a foreign policy sovereign and independent, under the banner of peace, development and cooperation.

All their signal successes go to clearly prove the scientific nature and invincibility of socialism.

We are grateful to the Chinese party and government for valuing the DPRK-China relations, striving hard to develop them and always supporting the Korean people in their effort for socialist construction and the country’s reunification.

We are also satisfied with a good strategic understanding between our two parties and two countries and with the proper implementation of agreements reached between us and the collective leadership of CPC in the political, economic, cultural and all other fields.

The traditional DPRK-China friendship, which has invariably displayed its great vitality even in the complicated international situation, will be further consolidated and developed in the future, powerfully propelling the just struggle of our two peoples for the common cause — socialist construction and national reunification.

I am very happy that our China visit serves as a good occasion in putting spurs to the development of the traditional friendship between the two countries, which struck root deep in the minds of the two peoples, overcoming all trials through history.

Our party and government will as ever make every possible effort to steadily develop the bilateral friendship, a precious heritage and common treasure provided by revolutionaries of the elder generations of the two countries.

The DPRK-China friendship will be evergreen like forests of Mt, Paektu and will be continued through generations like the flow of the River Amnok.

Interessieren wird euch vielleicht auch noch, wer Kim Jong Il auf seinem Besuch begleitete. Natürlich war Kims vermutlich wichtigste Stütze, sein Schwager Jang Song-thaek dabei, sowie einige altgediente Diplomaten und Politiker wie Choe Thae-bok oder Kim Yong-il. Auch wieder dabei waren einige Shootingstars im Regime: Pak To-chun und Thae Jong-su, sowie Mun Kyong-dok, die seit relativ kurzer Zeit ihren Weg nach Oben angetreten haben und Kim auch schon bei seinen letzten Reisen begleitet haben. Außerdem waren einige interessante Leute aus der Diplomatenecke des Regimes dabei, die ebenfalls kürzlich in der Hierarchie aufgestiegen sind: Kang Sok-ju und Kim Kye-gwan.

Sicherlich sind in der Berichterstattung über die Reise noch einige weitere interessante Aspekte zu finden, aber von meiner Seite soll das erstmal ausreichen. Bei KCNA, Xinhua und der Global Times werdet ihr noch einiges finden können, das ich nicht verlinkt habe.

Pak To-chun und Thae Jong-su: Eine Rolle bei Kim Jong Uns Nachfolge?


Eigentlich hatte ich ja nicht vor, mich großartig mit den Personalien rund um das Treffen der Obersten Volksversammlung zu beschäftigen. Schließlich wurde da ja auch einiges anders bekanntgegeben, was interessant ist. Allerdings muss ich gestehen, dass ich die Person Pak To-chun (North Korea Leadership Watch hat das Profil gestern aktualisiert) dann aus verschiedenen Gründen so spannend fand, dass ich darauf nochmal genauer eingehen will.

Mir ist aufgefallen, dass Pak bei Kim Jong Ils jüngster Vor-Ort-Anleitungsoffensive, die vom 6.4. bis zum 8.4. dauerte, mit von der Partie war. Das hat mich ein bisschen gewundert, weil er ja am 7.4. in die National Defence Commission (NDC) berufen wurde und irgendwie hatte ich mir vorgestellt, dass es dazu sowas wie einen Anlass in Pjöngjang gegeben hätte. Aber andererseits war er ja mit dem Chef der NDC unterwegs, was braucht es da einen Anlass. Außerdem hat er bis zu seiner Beförderung, die ja noch garnicht so lange her ist, in genau dieser Provinz als Vorsitzender der Partei gearbeitet, vielleicht hat ihn Kim deshalb mitgenommen. Naja, während ich jedenfalls geschaut habe, ob Pak wirklich bei der Tour durch die Provinz Jagang komplett dabei war, sind mir noch zwei weitere Sachen aufgefallen.

Erstens wird Pak in den Artikeln immer in Kombination mit Thae Jong-su genannt, als würden die beiden zusammengehören (ihr wisst schon Asterix und… Dick und… und eben Pak To-chun and…)

Pak und Thae hängen ab 2. u. 3. v. l.. Pak ist immer gut an seinem breiten Gesicht und den fortschreitenden Geheimratsecken zu erkennen. Thae an seinen "Theo-Waigel-Gedächtnis-Augenbrauen". (KCNA)

Zweitens ist mir auf den Fotos von den Touren aufgefallen, dass Pak quasi ein ständiger Begleiter Kim Jong Uns ist. Auf den Gruppenfotos steht er eigentlich immer neben ihm und bei den „Action-Fotos“ ist er auch öfter mal bei dem Jungen.

Kim Jong Un 5. v.r. zu seiner Linken Pak To-chun (KCNA)

Kim Jong Il Provides Field Guidance to Jagang Machine Plant 9.4. (KCNA)

Kim Jong Un 4. v.l. zu seiner Rechten Pak To-chun (KCNA)

Kim Jong Il Provides Field Guidance to February General Steel Enterprise 6.4.

Kim Jong Un 4. v.l. zu seiner Rechten Pak To-chun (KCNA)

Kim Jong Un 2. v.r. schräg hinter ihm Pakt To-chun

Kim Jong Un 2. v.r. schräg hinter ihm Pak To-chun (KCNA)

Das hat dann auf jeden Fall mein Interesse erst so richtig geweckt und ich dachte mir, dass ich mir ja mal anschauen könnte, wie oft Pak gemeinsam mit Kim Jong Un auf den Vorort-Anweisungen auflaufen würde. Und weil mir das „and“ zwischen Paks Name und dem von Thae Jong-su ebenfalls aufgefallen ist und weil mir Thae wie Pak schonmal zu einem früheren Zeitpunkt ins Auge gesprungen waren, hab ich den gleich noch in meine Auswertung mit rein genommen.

Das Ergebnis meiner quantitativen, auf Google gestützten (hach das ist so ein praktisches Werkzeug. Wenn es das noch nicht gäbe und ich pfiffig wäre, würde ich es erfinden…) Erhebung (ich habe dabei Vorort-Anweisungen und kulturelle Veranstaltungen gezählt) ist durchaus interessant:

Vorort-Anweisungen an denen Kim Jong Un bisher Teilnahm: 43

Pak To-chun und Thae Jong-su waren dabei: 24

Nur Pak To-chun und nicht Thae Jong-su: 3

Nicht Pak To-chun aber Thae Jong-su: 6

Weder Pak To-chun noch Thae Jong-su: 10

Natürlich könnte es sein, dass die Beiden auch einfach ständig mit Kim Jong Il unterwegs sind und daher eben auch da sind, wenn Kim Jong Un mit von der Partie ist. Allerdings waren sie nur insgesamt 13 Mal mit Kim Jong Il unterwegs, wenn sein Sohn nicht dabei war. Da der aber gut 80 Termine wahrgenommen hat, fällt auf, dass die Beiden häufig in Verbindung mit Kim Jong Un aufttreten und eigentlich fast nur im Doppelpack zu haben sind.  (Übrigens waren fast alle Termine, an denen sie nicht teilgenommen haben, bei militärischen Einheiten, keine Ahnung ob das was zu heißen hat.) Allerdings muss ich hinzufügen, dass die Beiden auch fast nicht ohne Jang Song-thaek zu haben sind (nur 3 mal).

Nimmt man das Datensammesurium zusammen, dass ich da aufgetürmt habe und kombiniert es noch mit meinem Datensammselsurium von vor einem halben Jahr, dann können daraus durchaus ein paar Schlüsse gezogen werden:

  • Pak und Thae sind mir vor kanpp sechs Monaten (neben zwei anderen) schonmal aufgefallen, weil sie im Zusammenhang mit der Parteikonferenz aus den Provinzen nach Pjöngjang kamen und außerdem bei beiden Reisen Kim Jong Ils nach China im letzten Jahr dabei waren.
  • Mir ist damals aufgefallen, dass Pak keine „richtige“ Aufgabe hat. Das hat sich letzte Woche geändert, als er in die NDC berufen wurde.
  • Offenbar gehören die beiden irgendwie zusammen. Entweder weil sie neu in der Stadt sind, sich schon länger kennen, einen gemeinsamen Ansprechpartner haben oder einen ähnlichen Job haben.
  • Sie treten häufig gemeinsam mit Kim Jong Un auf. Es kann sein, dass sie etwas mit ihm zu tun haben, sozusagen einen Teil seiner „entourage“ bilden. Es kann aber auch sein, dass sie bei ihm sind, weil sein Onkel bei ihm ist. Wenn Jang Song-thaek nicht da ist, sind sie für gewöhnlich auch nicht da.
  • Pak steht auf Fotos auffällig oft (natürlich ist meine Stichprobe klein, aber ansonsten wäre das zu viel Arbeit und langweilig) neben Kim Jong Un. Dabei steht er immer (wie gesagt, kleine Stichprobe) auf der Kim Jong Il abgewandten Seite Kim Jong Uns.

Neben diesen langweiligen Schlussfolgerungen kann man natürlich auch ein bisschen rumspekulieren, was so hinter den beiden steckt:

  • Pak und Thae ist höchstwahrscheinlich eine Rolle bei Kim Jong Uns Nachfolge zugedacht. Von wem und welche genau, das bleibt zunächst im Dunkeln.
  • Vielleicht war schon im September klar, dass Pak in die NDC soll. Deshalb bekam er damals keinen richtigen Job.
  • Vielleicht gehören Pak und Thae zu Kim Jong Uns „Schattenkabinett“, dass jetzt nach und nach in Stellung gebracht wird. Dann würde Pak wohl vorerst als Kim Jong Uns Mann in der NDC fungieren. Damit wäre auch erklärt, warum der Junge nicht aufgerückt ist. Er hat stattdessen einen Vertrauensmann platziert.
  • Vielleicht gehören Pak und Thae aber auch zu Jang Song-thaek. Dann hätte er in der vergangenen Woche seine Machtbasis in der NDC und damit an der Spitze ausgebaut. Dann wäre Paks Nähe zu Kim Jong Un eher Kontrollzwecken geschuldet.

Ganz egal was genau der Hintergrund der beiden Aufsteiger ist. Ich bin mir sicher, sie werden ihre Rolle noch spielen. Vor allem Pak To-chun ist 66 Jahre alt und hat daher noch einige Zeit in der Politik vor sich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in Zukunft noch etwas von ihm hören werden. Auch Thae wird eine Rolle zugedacht sein. Allerdings ist hier noch weniger klar, wie groß die sein wird.

Von herbstlicher Statistikwut und einer provinziellen Frischzellenkur


Wenn die Tage kürzer werden, das Wetter im Gleichschritt mit dem Abendfernsehprogramm schlechter wird und die Freundin gerade wo anders weilt, dann kommt man ja schonmal auf seltsame Ideen, womit man sich so beschäftigen kann. So ging es mir heute Abend. Daher habe ich mir gedacht, mal ein bisschen Statistik zu führen (Früher habe ich dann öfter mal meinen Besitz an 1, 2 und 5 Pfennigstücken geordnet. Da ich aber heute fast keine Pfennige mehr besitze, hab ich mir was Anderes zum Auswerten gesucht). Das Ziel meiner herbstlichen Statistikwut war Kim Jong Un. Oder vielmehr seine Nennungen bei KCNA und die Personen die sonst noch mit von der Partie waren in 19 Artikeln von KCNA. Ich dachte mir es könnte mal interessant zu wissen sein, wer so zusammen mit dem jungen Kim unterwegs ist (ich habe drei oder vier Artikel weggelassen, weil da entweder so ziemlich jedes Mitglied der Elite bei war (Mitglieder des Zentralkomitees der Partei und Beerdigung von Jo Myong-rok) oder weil zum gleichen Anlass zwei Artikel mit derselben Namensliste erschienen sind). Zwar ist mir relativ schnell bewusst geworden, dass die Aussagekraft meiner Tätigkeit hinsichtlich Kim Jong Un sehr begrenzt ist, weil viele der Anlässe einfach Termine waren, zu denen „man“ nunmal geht, wenn man sich zu Nordkoreas Schönen und Reichen zählt.

Wer ist mit Kim Jong Un unterwegs

Trotzdem haben sich durchaus ein paar Informationen ergeben. Erstmal zu denen, die am Öftesten mit Kim Jong Un zusammen genannt wurden, wobei ich Kim Jong Il mal weggelassen habe, der ist ja immer dabei.

Wie immer möchte ich noch kurz die hervorragende Arbeit loben, die der Autor von North Korea Leadership Watch mit seinen Steckbriefen, aber auch sonst, leistet.

So, damit solle es aber auch mal gut sein. Eigentlich wollte ich die Grenze bei 6 Nennungen ziehen, aber einige interessante Leute lagen da knapp drunter.

Die häufigsten Nennungen beinhalten wenige Überraschungen. Mit Ri Yong-ho habe ich mich ja schon ausgiebig befasst und naja, er ist eben wichtig. Dazu kann man vielleicht noch sagen, dass Ri, seit der Junge Kim ins Licht der Öffentlichkeit getreten ist, genau einmal mit dessen Vater zusammen auftrat, ohne das der Filius dabei gewesen wäre. Jang Song-thaek ist eben der Onkel und als guter Onkel und einer der mächtigsten Leute im Land, dessen Rolle immer ein bisschen ambivalent (naja, Onkels schmieden eben Ränke, das ist im Film so, also sollte man das auch in der Realität erwarten) betrachtet wird. Kim Kyong-hui, Jangs Frau und Kim Jong Ils Schwester wird ja auch immer unter den „da muss man drauf achten“ Leuten aufgeführt und Kim Yong-chun und Kim Ki-nam sind altgediente Regimerecken, denen wohl vertraut wird, aber die sind eben auch mit dabei. Und damit kommen wir auch schon zur ersten wirklich interessanten Person: Choe Ryong-hae (60). Der ist Berichten zufolge ein Kindheitsfreund Kim Jong Ils, machte lange Zeit eine „normale Parteikarriere“ und half Kim Jong Il scheinbar auch tatkräftig bei der Machtübernahme und Konsolidierung der Macht, wurde aber dann 1998 aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt als erster Sekretär der Kim Il Sung Socialist Youth League entlassen. Er blieb dann bis 2006 in der Versenkung, als er als „chief secretary of the North Hwanghae Provincial Committee of the Workers‘ Party of Korea“ wieder auftauchte. Den Job machte er auch weiter, bis er im Rahmen der Parteikonferenz als Sekretär des Zentralkomittees der Partei nach Pjöngjang zurückkehrte. Wer den KCNA Artikel über die Beförderung Kim Jong Uns und seiner Tante zu Generälen genau gelesen hat, dem ist vielleicht auch der Dritte Name in der Reihe in Erinnerung geblieben sein. Choe Ryong-hae.

Choe Yong-rim kann man getrost in die Kategorie „Wichtiger alter Recke“ (Sekretariat des Politbüros) einordnen, der halt öfter mal dabei ist wohingegen Kim Jong-gak ja in letzter Zeit eine steile Karriere hingelegt hat. Er ist Mitglied der National Defence Commission und „first vice department director of the KPA General Political Bureau“ (mir ist die Tatsache ins aufgefallen, dass bis vor ein paar Monaten bei seiner Amtsbeschreibung immer ganz selbstverständlich der NDC-Job vorne stand. In letzter Zeit wird der aber öfter mal ganz weggelassen. Ob das was zu sagen hat?) und dort ein möglicher Nachfolger des kürzlich verstorbenen Jo Myong-rok.

Kim Yong-nam, einer der wichtigen alten Männer der nordkoreanischen Politik wird solange er noch kann öfter mal an der Seite der Kims zu sehen sein, immerhin sitzt er im Sekretariat des Politbüros. Ju Kyu-chang ist ebenfalls ein alter Vertrauensmann Kim Jong Ils, von dem auch vermutet wird, dass er in das nordkoreanische Raketenprogramm verwickelt ist. Choe Thae-bok ist eine konstante Größe in der außenpolitischen Abteilung der Partei. Interessant wiederum ist Pak To-chun. Der war bis zur Parteikonferenz Vorsitzender des Provinzkomitees der Partei in der Jagang Provinz, aber ansonsten ein sehr unbeschriebenes Blatt. Er kam im Rahmen der Parteikonferenz als alternierendes Mitglied des Politbüros und arbeitet als secretary des Zentralkomitees der Partei. Den Job haben auch einige andere, die Meisten tun aber noch was anderes daneben. Er nicht, wenn man KCNA glauben darf.

Auch U Tong-chuk (68) ist nicht uninteressant. Auch er hat eine recht steile Karriere hingelegt, denn vor 2009 hat er keine wichtigen Ämter bekleidet, während er es seitdem zum Mitglied der NDC gebracht hat und darüber hinaus stellvertretender Minister für Staatssicherheit und ist damit eine große Nummer bei den Geheimdiensten. Auch nicht uninteressant finde ich, dass er ausgebildeter Philosoph (also um genau zu sein die nordkoreanische Version von „Philosoph“) ist. Wenn Kim Jong Un bahnbrechendes zu Juche hinzufügen will braucht er wohl solche Leute. U wird mit Jang Song-thaek in Verbindung gebracht.

Kim Yong Il ist ein erfahrener Diplomat und schon lange dabei obwohl er mit seinen 63 Jahren noch relativ jung ist. Auch Kim Yang-gon, der bis 2001 die internationale Abteilung des Zentralkomitees der Partei unter sich hatte, bevor er für vier Jahre von der Bildfläche verschwand und seit 2005 wieder höhere Ämter erlangt hat ist eher ein erfahrener Mann und schon lange in Pjöngjang. Noch interessanter finde ich allerdings Mun Kyong-dok. Der ist erst 53 und hat momentan eine Position inne, die übersetzt wohl sowas wie Bürgermeister von Pjöngjang ist. Er scheint sehr eng mit Jang Song-thaek verbunden zu sein. Er hat scheinbar eine wichtige Rolle beim Knüpfen von Jangs Beziehungs- und Loyalitätsnetzwerk geknüpft und war zusammen mit Jang bis 2006 von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist er aber zurück, ist jung (naja, jedenfalls nicht alt) und hat Beziehungen. Da könnte noch was kommen. Auch Thae Jong-su (74) und Kim Phyong-hae (69) sind interessante Kerle mit Biographien, die sich ein bisschen ähneln. Beide waren bis vor einiger Zeit nämlich Sekretäre in Provinzkomitees der Partei. Thae kam im Juni aus der Süd-Hamgyong Provinz war allerdings davor schon ein altbekanntes Gesicht in Pjöngjang. 2007 wurde er zum stellvertretenden Premierminister ernannt. Kim kam im September aus Nord-Phyongan. Beide haben Jobs in der Partei bekommen und scheinen Potential zu haben.

Wer war mit Kim in China? Surprise – Surprise…

Kurz hab ich mir auch noch angeschaut, wer Kim Jong Il auf seinen beiden Reisen nach China in diesem Jahr begleitet hat. Die Meisten die genannt wurden waren bei beiden Visiten dabei und bis auf Vier, stehen alle die in China mit dabei waren auf der Liste. Mit von der Partie waren auch vier damalige Parteifunktionäre aus den Provinzen. Choe Ryong-hae, Pak To-chun, Thae Jong-su und Kim Phyong-hae (von anderen Provinzkadern war nichts zu lesen). Also die vier die jetzt öfter mal Kim Jong Il und seinen Sohn in Pjöngjang begleiten. Von denen ist Choe sicherlich der Interessanteste, wegen der Generalbeförderungssache, weil er noch jung und mit Kim Jong Il schon lange verbunden ist.

Was man daraus über die Nachfolge lernen kann

Aber natürlich wird bei der Betrachtung der Biografien auch deutlich, dass viele Leute in die erste Reihe geholt wurden, die man vorher nicht so auf dem Zettel hatte, eine kleine „provinzielle Frischzellenkur. Das hat unter anderem mit der inneren Stabilität des Regimes zu tun. Wenn man keine Chance sieht ins Zentrum zu kommen, gibt es wenige Gründe für Loyalität dem Regime gegenüber. Daher ist es unabdingbar, dass ein Aufstieg möglich bleibt. Aber das gerade jetzt so viele Leute aufsteigen hat wohl auch mit Kim Jog Uns Nachfolge zu tun. Diejenigen die nach Pjöngjang geholt werden, können genutzt werden die alten Netzwerke aufzubrechen und es dem jungen Kim ermöglichen einen neuen Führungskern zu errichten. Sie sind nicht so sehr von den Hauptstadtränken tangiert und haben weniger bestehende Bindungen am Hofe. Das Risiko das sie falsch spielen ist also geringer. Das heißt aber nicht, dass die Alten Eliten samt und sonders verstoßen werden müssen. Ein Teil des Problems löst die Zeit von selbst, denn es sind ja tatsächlich alte Eliten. Der Rest muss sich anpassen und in die neue Ordnung einreihen. Eine schwierige Phase und je länger Kim Jong Il die Fäden in der Hand halten kann, desto stabiler wird der neue Führungskern.

Ich habe mir eben mal überlegt, worin die Schwierigkeit der aktuellen Situation besteht und so wie ich das sehe, gibt es da mindestens zwei Probleme, die eng miteinander verknüpft sind. Das erste ist eher grundsätzlicher Natur. Bei autoritären Regimen gibt es, wie man ja auch in diesem Fall sehen kann, Schwierigkeiten die Eliten zu erneuern. Das Problem ist, dass der Herrscher oder das Herrscher-Team wenig Anlass hat, die tragenden Eliten auszuwechseln. Einerseits haben sie sich als loyal und brauchbar erwiesen und wenn man neue Leute nach oben lässt, weiß man nicht was man kriegt. Andererseits ist es aber auch schwierig, Leute die es mal nach oben geschafft haben, wieder zu entfernen. Das schafft Unzufriedenheit und vielleicht sogar Widerstand. Deshalb kann nur in extremen Fällen auf Degradierung oder „Verbannung“ zurückgegriffen werden. Daher gibt es einen Stau oder eine Aufblähung an der Spitze. Es gibt eben keine Spielregeln wie in Demokratien, die es eine Fluktuation an der Spitze ermöglichen. Allerdings braucht das Regime aber auch einen Mittelbau, der die Befehle ausführt, weitergibt und kontrolliert. Da aber nur begrenzter Platz und vor allem begrenzte Ressourcen vorhanden sind, ist eine permanente Aufstiegsbewegung nicht möglich. Für diejenigen die sich im Mittelbau befinden ist es recht demotivierend, wenn es keinen Aufstieg geben kann. Es muss also auch eine Perspektive nach oben geben, um das Funktionieren des Mittelbaus zu garantieren. Eine recht schwierige Aufgabe, die Pjöngjang aber bisher erfolgreich gemeistert hat.

Nun steht Pjöngjang aber vor einer weiteren, kurzfristigen Aufgabe. Die Macht muss weitergegeben werden. Und da werden etablierte Elitengruppen zu einem noch größeren Problem, als sie das ohnehin schon sind. Auf den ersten. Für diejenigen die zum alten Machtkern gehören, besteht die Gefahr, dass sie unter einer neuen Führung ihre Position (oder mehr) verlieren. Daher könnten sie sich gegen eine solche Führung stemmen, die nicht glaubhaft machen kann, dass sie weiterhin gut leben können, auflehnen. Außerdem könnten sie versuchen möglichst nah an die Führung zu gelangen, um vielleicht noch besser zu leben, oder um sich abzusichern. Netzwerke und Kontakte, die umso intensiver sind, je länger diejenigen zur Führung gehörten, können da dienlich sein. Daher stellen die alten Eliten für jede neue Führung ein Gefahr da und sie müssen entweder auf absolute Loyalität eingeschworen werden oder – die sicherere Alternative – so geschwächt werden, dass sie der neuen Führung so lange nicht gefährlich werden können, bis sie ihre Macht konsolidiert hat. Dementsprechend ist es in der Vorbereitung der Machtübergabe nötig, dass Teile der alten Eliten ausgetauscht oder ihre Netzwerke geschwächt werden. Das kann man ganz gut erreichen, wenn man neues Personal einführt, das loyal ist und es strategisch so platziert, dass die alten Netzwerke nicht mehr ungestört funktionieren können. Allerdings weiß man bei neuen Leuten natürlich nicht wirklich, ob sie loyal sind. Also auch hier ein Risiko. Aber immerhin hat man ihnen den Aufstieg ermöglicht. Womit man auch wieder das Problem des Elitenstaus ein bisschen mildert, denn der Mittelbau sieht: Aufstieg ist möglich (Vielleicht wurden Ämter in der Partei aus diesem Grund teilweise nicht aufgefüllt. Um Platz für einen neuen Führungskern zu lassen). Gleichzeitig wird der Aufstieg mit der neuen Führung, nicht der Alten, Verbunden. Also gelten auch ihr die Loyalitäten. Der Wechsel in Pjöngjang läuft nach einem Plan ab der diese Tatsachen beachtet. Das ist aber noch kein Erfolgsgarant, da sehr viele Unsicherheitsfaktoren weiter bestehen.

Wie genau alles zusammen passt und gehört, das wissen die Leute in Pjöngjang vielleicht selbst nicht, deshalb will ich da garnicht rumrätseln. Aber immerhin ist die Liste von „high potentials“ die man im Auge behalten sollte wieder etwas länger geworden. In der jetzigen Phase ist es wirklich mal spannend im Auge zu behalten wer aufsteigt und wer verschwindet (wie man sieht, kommen manche davon wieder) oder stirbt und was die neu Aufgestiegenen machen. Denn jetzt wird das neue Team aufgestellt und die personellen Weichen gestellt.