Parteikonferenz beendet: Kim Jong Un übernimmt die Führung, Kim Jong Il ein Ehrenamt und weitere Personalrochaden


Das erste Event der „nordkoreanischen Woche“ ist heute zu Ende gegangen und wurden bereits einige interessanten Ergebnisse sichtbar (Danke C.R. übrigens für die Updates in den Kommentaren, sogar mit Übersetzung. Super!).

Kim Jong Un wurde nicht zum Generalsekretär ernannt, aber irgendwie doch.

Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist die Tatsache, dass Kim Jong Un nicht Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas wurde, sondern ein Anderer. Ganz folgerichtig hat Kim Jong Il nach seinem Vater ebenfalls ein permanentes Amt erhalten. Während Kim Il Sung als ewiger Präsident in den Herzen der Nordkoreaner weiterlebt, soll Kim Jong Il das Gleiche als ewiger Generalsekretär tun. Das wird faktisch allerdings nicht viel ändern, denn Kim Jong Un wurde zum ersten Sekretär der PdAK gewählt. Vermutlich kommen dem Amt nach der Revision der Statuten (allerdings ist das noch nicht klar, weil die revidierten Statuten noch nicht bekannt sind) der Partei ähnliche bzw. die gleichen Kompetenzen zu, wie zuvor dem Generalsekretär.

Naja, jedenfalls ist der junge Kim damit jetzt der faktische Führer der Partei und mehr konnte man von der Konferenz nicht erwarten. Daneben scheint er jetzt auch an der Spitze der zentralen Militärkommission zu sitzen, denn dort wurde Choe Ryong-hae als stellvertretender Vorsitzender „gewählt“ (zu ihm werde ich später noch ein paar Takte schreiben), also auf den Posten, den Kim Jong Un vorher inne hatte.

Choe Ryong-hae. Teil des zentralen Führungsteams

Aber auch in den Kreisen unmittelbar um Kim Jong Un wurde kräftig rotiert. Wie ich bereits vermutet hatte, wurde ein freier Stuhl im Präsidium des Politbüros des Zentralkomitees der Partei neu besetzt. Und dort nahm der eben angesprochene Choe Ryong-hae Platz. Choe ist weder ein Shootingstar des Regimes, noch ein alter Recke, sondern irgendwas dazwischen. Er gilt als alter Freund Kim Jong Ils und scheint auch mit Jang Song-thaek (Kim Jong Uns strippenziehender Onkel) gut bekannt zu sein. Interessant ist er, weil er nach hoffnungsvoller Karriere 1998 von der Bildfläche verschwand und erst 2006 in der Provinz wieder auftauchte. Ab 2010, als das Regime dann unter Hochdruck an die Nachfolge Kim Jong Uns vorzubereiten begann, kehrte Choe dann nach Pjöngjang zurück und seitdem scheint sein Aufstieg nicht zu bremsen zu sein. Erst gestern wurde er zum Vize-Marschall der Armee ernannt, dadrüber kommt dann nur noch der Marschall und den gibt es eigentlich nie, wenn man nicht der Führerfamilie angehört. Choe scheint also eine weitere zentrale Figur in Kim Jong Uns neuem Führungsteam zu sein.

Erwartbare Beförderungen.

Daneben gab es einige wenig überraschende Beförderungen und Ernennungen. So bekamen Kim Jong-gak, Jang Song-thaek und Pak To-chun bekamen volle Mitgliedschaften im Politbüros des Zentralkomitees der Partei. Kim Jong Uns Tante Kim Kyong-hui wurde ins Sekretariat des Zentralkomitees gewählt, wo bisher auch eine sehr illustre Runde versammelt war. Die Namen des Führungsteams beginnen sich zu wiederholen.

Interessant Kim Jong-gaks neuer Job und Kim Yong-chuns Verlagerung

Eine weitere Personalie, die bereits gestern bekannt wurde, ohne dass KCNA sie bisher öffentlich verlautbart hätte, betrifft Kim Jong-gak und Kim Yong-chun. Ersterer hat nämlich von letzteren als Verteidigungsminister beerbt. Interessanterweise hatte ich beide als mögliche Kandidaten für den Platz im Präsidium des Politbüros gesehen. Kim Jong-gak ist jetzt auf eine andere Art aufgestiegen und wird wohl mehr in der militärischen als in der politischen Lenkung aktiv sein. Kim Yong-chun wurde heute zum Abteilungsleiter des Zentralkomitees ernannt. Hier weiß ich nicht genau, was davon zu halten ist, klingt für mich nicht nach Aufstieg, aber er hat ja noch den Vizevorsitz der NDC inne, was ja auch nicht schlecht ist. Nichtsdestotrotz kann man ihn mal im Auge behalten.

Rapide Machtkonsolidierung des Führungsteams

Insgesamt lässt sich sagen, dass Kim Jong Un und seine Leute weiter rasant an den neuen Machtstrukturen arbeiten. Kim Jong Un hat die Führung der Partei erlangt und einige seiner wichtigsten Gefolgsleute in Stellung gebracht. Es kann natürlich auch genau umgekehrt sein. Das lässt sich nur schwer sagen. Nichtsdestotrotz schreitet die Machtkonsolidierung der Führungsgruppe rapide voran und die nächste Runde dürfte es dann übermorgen im Rahmen des Zusammentretens der SPA geben.

UPDATE: Rodong Sinmun geht Online — Wohin führt Nordkoreas Netzoffensive?


Update (22.02.2011):Werner hat eben darauf aufmerksam gemacht, dass es ein kurzes „Vergnügen“ war, mit dem Auftritt von Rodong Sinmun. Die Seite war nur an dem Tag, als ich darüber schrieb (und ein paar Tage davor), erreichbar. Wenn einer von euch darüber was weiß, kann er gerne bescheidgeben. Ich werde auch die Augen offenhalten.

Ursprünglicher Beitrag (17.02.2011): E-Papers sind ja nicht unbedingt was Neues und Internetauftritte von Tageszeitungen sind in unseren Breiten Standard. Spannend wird es allerdings, wenn nordkoreanische Publikationen ins Netz gehen, denn damit öffnen sich die Inhalte nordkoreanischer Propaganda für eine wesentlich breitere Lesergruppe. Den Schritt in die Weltöffentlichkeit hat nun Rodong Sinmun, das Organ des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas gemacht. Seit gestern kann man alle Inhalte des Propagandaorgans auf dem Internetauftritt http://www.rodong.rep.kp/ finden. Man kann sich entweder einzelne Artikel auf der Seite anschauen, oder sich das e-Paper im PDF-Format durchlesen. Auf North Korea Tech, durch das ich auf die Seite aufmerksam geworden bin, steht, dass das Archiv bis Anfang dieses Jahres zurückreicht. Als Grundvoraussetzung zur Lektüre des Blattes muss man allerdings der Koreanischen Sprache mächtig sein, denn eine englische Version ist nicht verfügbar. Aus dem Grund kann ich auch nicht wirklich was zu Struktur und Aufbau der Seite sagen.

E-Paper von Rodong Sinmun vom 17.02.2011, Seite 1

Für alle die die sprachlichen Fähigkeiten haben und sich für die interne Propaganda des Regimes interessieren dürfte der neue Internetauftritt aber eine großartige Fundstelle sein. Neben KCNA gibt es nun eine weitere Quelle, die man regelmäßig auswerten kann und die vielleicht einen noch stärkeren Blick auf die Sicht der Partei (ich weiß nicht wo KCNA organisatorisch eingeordnet ist) erlaubt und außerdem eine deutlichere Sicht auf die nach innen gerichtete Propaganda des Regimes gewährt. Denn Hauptadressaten der Rodong Sinmun dürften ja Nordkoreaner sein, was auch das Fehlen eines englischsprachigen Auftritts erklärt. Gleichzeitig wird damit aber die Frage nach dem Zweck des Auftritts aufgeworfen. Sehen wir hier erste Anzeichen, dass das Regime für Teile der Bevölkerung Teile des Internets bereitstellen will? Eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen, denn es wäre eine ungeheure Gefahr für das Regime, aber vielleicht gibt es da einen langfristplan.

Wenn man sich so anschaut, wie eifrig die „PR-Abteilung“ des Regimes in letzter Zeit an der Präsenz im Internet arbeitet, bin ich mal gespannt, was noch für Internetauftritte zu erwarten sind. Eine Organisationsseite der NDC oder des Kabinetts? Eine Fanseite für Kim Jong Un? Kim Jong Il bloggt über seine Sicht der Dinge (Er wäre ja nicht der Erste. Chavez tut es und Ahmadinedjad ist schon wieder drüber weg (obwohl ich seine Inhalte sehr geschätzt habe, irgendwie)? Wir wissen es nicht, aber ich bin gespannt und denke, dass da im kommenden Jahr noch einiges zu erwarten ist.

Das neue Personaltableau im Politbüro: Das Regime arbeitet schon seit zwei Jahren an der Nachfolge


Am vergangenen Wochenende habe ich am Seminar der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit über die Koreanische Halbinsel teilgenommen und ich muss sagen, es war sehr interessant und hat sich durchaus gelohnt. Es ist doch nochmal etwas anderes, wenn Menschen, die einen direkten Blick auf das Regime in Pjöngjang werfen konnten ihre Sichtweisen referieren und man sie auch zu manchen Sachen näher fragen kann, als einfach nur deren Texte zu lesen. Auch mal interessant war die Ansichten der Südkoreaner zu hören, die an dem Seminar teilgenommen haben, das hilft ein tieferes Verständnis für deren Sicht der Dinge zu gewinnen. Ich hatte mir ursprünglich überlegt einen kleinen Bericht darüber zu verfassen, habe die Idee aber aus verschiedenen Gründen verworfen, allerdings habe ich einige interessante Denkanstöße mitgenommen, die ich in den nächsten Wochen hier verarbeiten werde. Aber zu schreiben gibt es ja trotzdem was.

Und zwar möchte ich mich mit einem sehr interessanten Artikel von KCNA beschäftigen. Dort gibt es kurze biographische Profile der Mitglieder des Sekretariats des Politbüros des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) (für den langen Namen kann ich nichts, da aber jedes „des“ sozusagen eine Entscheidungsstufe „höher“ bedeutet, sind das recht wichtige Leute) sowie Profile von Mitgliedern des Politbüros des Zentralkomitees der PdAK (zur näheren Erklärung und Bedeutung der Begriffe schaut am Besten mal bei NK Leadership Watch vorbei interessant hierzu war auch ein Beitrag der Joong Ang Ilbo). Wer sich Mitglied dieser Organe nennen darf, der gehör zweifelsohne zur Führungselite der Partei und des Landes.

Das Sekretariat: Drei alte Recken und ein „Jungspund“

Das Sekretariat des Politbüros (den Rest des Rattenschwanzes schneide ich mal ab…) ist mir fünf Personen besetzt. Zu vieren davon gibt es Angaben von KCNA, über den fünften weiß ja ohnehin jeder alles was es zu wissen gilt (allerdings dürfte das nicht der einzige Grund der Autoren gewesen sein, ihn (und interessanterweise seine Schwester Kim Kyong-hui, aber die hat ja auch ziemlich viel von Kim Il Sungs Blut) auszunehmen, Respekt ist eben alles). Im Präsidium sitzen neben Kim Jong Il Kim Yong-nam (geb. 1928), Choe Yong-rim (geb. 1930), Jo Myong-rok (geb. 1928) und Ri Yong-ho (geb. 1942) (wie immer wenns um Leute geht habe ich Links zu den hervorragenden Steckbriefen von NK Leadership Watch gesetzt). Schaut man sich die Leute etwas näher an, fällt oberflächlich einiges auf: Erstmal das hohe Durchschnittsalter (76 Jahre), das sogar gegenüber dem vorherigen Präsidium erheblich gestiegen ist (da lag es exakt beim Alter Kim Jong Ils, der Rest der Präsidiumsmitglieder hatte nämlich schon seit Längerem das Zeitliche gesegnet). Zusammen mit Ri Yong-ho ist Kim Jong Il hier das Nesthäkchen und es wäre wohl auch keine Überraschung, wenn das Gremium bald wieder übersichtlicher würde. Weiterhin ist interessant zu sehen, welche Ämter die Präsidiumsmitglieder sonst noch so bekleiden: Kim Yong-nam ist seit 1998 Präsident der Obersten Volksversammlung Nordkoreas und damit per Verfassung der administrative Vertreter Kim Il Sungs auf Erden (das Staatsoberhaupt). Über Choe Yong-rim haben wir ja kürzlich schon was gehört, da er erst im Juni zum Premierminister ernannt wurde und damit vor allem in wirtschaftspolitischen Fragen Einfluss gewonnen hat. Yo Myong-rok ist Vizemarschall (ich kenne mich mit Militärrängen einfach zu schlecht aus und weiß daher nicht genau was eine deutsche Entsprechung zu „vice marshal“ ist, aber viel höher geht es nicht, da es nur zwei richtige „marshals“ gibt) der nordkoreanischen Armee und Vize Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission (die ja bekanntlich das mächtigste Staatsorgan Nordkoreas ist), sein Job bei der Armee war/ist die Steuerung der Indoktrination und Überwachung der Armee (lebenswichtige Aufgaben für das Regime, wer das tut muss absolut auf Linie liegen). Ri Yong-ho schließlich hat keine ganz so herausgehobene Stellung wie die vorher genannten da hab ich wohl eine Kleinigkeit übersehen: Er ist nämlich Chef des Generalstabs der Koreanischen Volksarmee und wurde außerdem im Rahmen der Beförderungen im Militär vor der Parteikonferenz zum Vizemarschall erhoben. Innerhalb der Partei ist er stellvertretender Vorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei. Klingelt da was? Genau! Der stellt seinen Stuhl dann vermutlich direkt neben Kim Jong Un auf, der ja den selben Posten erhalten hat. Weiterhin ist Ri hochinteressant, weil er noch so jung ist und damit eine mögliche Machtübergabe an Kim Jong Un mitterleben könnte und auch danach noch eine Rolle spielen könnte. Die restlichen Mitglieder des Präsidiums sind zwar in wichtigen Positionen, aber mit 80 spricht die Sterbetafel klar gegen eine lange Tätigkeit dieser Drei im Präsidium. Auch die Biografien der Mitglieder des Politbüros würden sicherlich vieles hergeben. Allerdings würde ich dann (bei weit über 20 Profilen) vermutlich heute nicht mehr fertig werden und daher gibts nur einen oberflächlichen Blick, der aber trotzdem interessantes zeigt…

Die Mitglieder des Politbüros: Generationenwechsel im Wartestand

Erstmal die Namen und Alter: Vollmitglieder sind: Kim Yong-chun (geb. 1936), Jon Pyong-ho (geb.1926), Kim Kuk-thae (geb. 1924), Kim Ki-nam (geb. 1929), Choe Thae-bok (geb. 1930), Yang Hyong-sop (geb. 1925), Kang Sok-ju (geb. 1939), Pyon Yong-rip (geb. 1929), Ri Yong-mu (geb. 1925), Ju Sang-song (geb. 1933), Hong Sok-hyong (geb. 1936) und Kim Kyong-hui (geb. 1946, wie gesagt fehlt ihre Biographie bei KCNA).
Alternate members (ich glaub das sind sozusagen Ersatzleute): Kim Yang-gon (geb. 1942), Kim Yong-il (1947), Pak To-chun (geb. 1944), Choe Ryong-hae (geb. 1950), Jang Song-thaek (den kennt ihr ja, geb. 1946), Ju Kyu-chang (geb. 1928), Ri Thae-nam (geb. 1938), Kim Rak-hui (geb. 1933), Thae Jong-su (geb. 1936), Kim Phyong-hae (geb. 1941), U Tong-chuk (geb. 1942), Kim Jong-gak (geb. 1941), Pak Jong-sun (geb. 1928), Kim Chang-sop (geb. 1946) und Mun Kyong-dok (geb. 1957). Über viele von denen gibt es bei NK Leadership Watch Biographien, aber wenn die euch interessieren könnt ihr ja selbst nachschauen.

Das sind natürlich jetzt viele Namen und Daten und man fragt sich was das bringt: Erstmal die Erkenntnis, dass das Durchschnittsalter der Vollmitglieder mit etwa 78,5 Jahren nochmal höher liegt als im Präsidium, dass aber gleichzeitig das Durchschnittsalter der Nachrücker mit etwa 68,7 fast zehn Jahre niedriger liegt. Da scheint man einige der alten Garde noch in der ersten Reihe stehen gelassen zu haben, weil man sie zufrieden stellen muss, aber gleichzeitig auch weiß, dass sie den Platz nicht mehr besonders lange blockieren. Und die jüngeren kann man dann ja mit der Perspektive zufriedenstellen.

Was ich wirklich interessant finde, sind die Daten, zu denen die Mitglieder des Politbüros neue „Jobs“ in der Führung des Landes bekommen haben: Da ist nämlichb zu sehen, dass 25 der 32 Mitglieder des Politbüros (einschließlich Präsidium), in den letzten zwei Jahren eine neue Tätigkeit angetreten haben. Allerdings muss man dazu sagen, dass zwölf Neubesetzungen vermutlich in direktem Zusammenhang mit der Parteikonferenz stehen, (denn dies sind meist Direktoren u.ä. verschiedener Abteilungen der Partei, die ihren Job seit September 2010 haben). Nichtsdestotrotz wird augenscheinlich: Da hat sich was getan in den letzten zwei Jahren! Gleichzeitig sind kaum Mitglieder im Politbüro, die in den Jahren von 2001 bis 2008 in neue Positionen kamen. Was ich auch spannend finde: Das Sekretariat ist gleichgewichtig zwischen „Zivilen“ und Militärs besetzt. Unter den Vollmitgliedern des Politbüros sind aber nur drei von zwölfen Militärs, unter den Nachrückern nur vier von fünfzehn. Da scheint es eine recht genaue Proporzregel zu geben und da sich die „Vollmitglied-Militärs“ ziemlich genau an den Altersschnitt halten werden da wohl bald ein paar Positionen für jüngere (Militärs) frei.

Viele Daten und einige Schlussfolgerungen

Das Alles ist bei weitem nicht das, was die neue Komposition an der Parteispitze hergibt, aber dummerweise hab ich noch ein paar andere Sachen vor heute und überlasse es euch, ob ihr von dort noch ein bisschen weiter recherchieren wollt. Aber ich finde dieser oberflächliche Blick hat schon ein paar interessante Ergebnisse gebracht:

  • Das Sekretariat des Politbüros ist so gestaltet, dass man das recht bald neu mischen kann, ideal für einen möglichen Nachfolger, um es mit Vertrauensleuten zu besetzen.
  • Aus dem Rahmen fällt nur Ri Yong-ho, der mit 68 noch einiges vor sich haben könnte. Da er auch zusammen mit Kim Jong Un in der zentralen Militärkommission der Partei sitzt, könnte er eventuell eine weitere Bezugsperson des jungen Kim sein. Wie weit das geht, keine Ahnung aber liegt irgendwie nahe und man sollte das im Auge behalten. Da er aber nicht wie die anderen Premier oder Präsident der Obersten Volksversammlung ist und auch nicht mit wichtigen Jobs in Militär und Nationaler Verteidigungskommission betraut ist, scheint sein Funktion wo anders zu liegen…
  • Es gibt einen Proporz zwischen Partei und Militär: Im Präsidium 50:50 unter den Mitgliedern bei etwa einem Viertel.
  • Generell sind die Mitglieder des Politbüros sehr alt, allerdings zeichnet sich unter dn „Aufrückern“ eine jüngere „zweite Reihe“ ab, die darauf wartet nach vorne zu kommen. Außerdem bietet das hohe Alter einem möglichen Nachfolger Kim Jong Ils die Chance, Beförderungen durchzuführen, ohne jemandem aus dem Amt drängen zu müssen.
  • Seit Kim Jong Il seinen Schlaganfall im Jahr 2008 hatte, zeigt sich eine sehr große Dynamik innerhalb des Regimes. Ein Großteil der Mitglieder des Politbüros ist seitdem in neue Ämter gekommen. Das kann man als eindeutiges Zeichen dafür sehen, dass als Kim Jong Il wieder auf den Beinen war, die Vorbereitung für die Nachfolge sofort begann und das Regime seitdem damit beschäftigt war.

Zwar alt, aber nicht erstarrt

Das Regime ist nicht erstarrt und scheint zumindest zu einer graduellen Erneuerung des Führungspersonals fähig zu sein. Wie weit die Erfolge bei der Erneuerung allerdings gehen bleibt offen. Weiterhin muss man die Augen offen halten, ob noch jüngeres Personal innerhalb der zweiten Reihe positioniert wird. Die Vorbereitungen sind noch lange nicht abgeschlossen, aber hier sieht man gut, wie weit sie reichen.

Nordkorea vor der Konferenz der Arbeiterpartei — Die Berichterstattung bei KCNA


In Nordkorea wirft die Parteikonferenz, die das Regime selbst am 26. Juni groß angekündigt hat als

a conference of the WPK for electing its highest leading body reflecting the new requirements of the WPK and the developing revolution in which decisive changes are taking place in the efforts to accomplish the revolutionary cause of Juche, the cause of building a prosperous and powerful socialist nation

weiter ihre Schatten voraus. Analysten und Beobachter in aller Welt warten gespannt auf das, was auf der Konferenz beschlossen wird, denn man ist sich einig, dass ein solch seltenes Ereignis (es ist erst die dritte dieser Art und die erste seit 30 Jahren) wegweisendes, vermutlich im Zusammenhang mit der Nachfolgeregelung, mit sich bringen wird. Die Erwartungen und Spekulationen westlicher Beobachter in diesem Zusammenhang sind ja hinreichend bekannt. Interessant könnte es aber auch sein, sich einmal anzuschauen, was die nordkoreanische Propaganda zu der Konferenz gesagt hat und sagt.

Nach der Ankündigung der Zusammenkunft wurde das Thema erstmal auf relativ niedriger Flamme gefahren. Hin und wieder wurde die Konferenz zwar erwähnt, wie zum Beispiel am 30 Juni, als ein Artikel der Rodong Sinmun (dem Organ des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas) zitiert wurde, der die Errungenschaften der Partei unter der weisen und weitsichtigen Führer Kim Il Sungs und seines Sohnes pries, um dann am Ende aber ein Appell an die Bevölkerung zu richten, im Vorfeld dieser Ereignisse die hoch gesteckten Produktionspläne vor dem Zeitplan zu erfüllen:

The editorial calls on all fields and units to conduct a dynamic general offensive full of conviction of sure victory and optimism under the uplifted revolutionary slogan „When the Party Is Determined, We Can Do Anything!“ and thus hit their high targets for this year set on the occasion of the 65th founding anniversary of the WPK earlier than scheduled.

Der Slogan „When the Party Is Determined, We Can Do Anything!“ taucht übrigens in letzter Zeit öfter mal auf.

Am 17 Juli wurde dann über einige Poster berichtet (bei denen es auch um die Steigerung der Produktion zu gehen scheint), die anlässlich dieses Ereignisse aufgelegt wurden und am 22. Juli rief Rodong Sinmun erneut dazu auf, die „single minded unity“ zu demonstrieren, indem man mit Enthusiasmus an der Erfüllung der Pläne der Partei arbeitet.

The single-minded unity of the party, the army and the people–this represents the strength, victory and rosy future of the DPRK. The WPK conference is at hand, and it is high time that we demonstrated once again the might of single-minded unity that was cemented in the protracted historic struggle and grew stronger on the road of the Songun revolution.

There will be no fortress impossible for us to attain when we have the do-or-die spirit and the matchless working spirit to materialize the plan and intention of the WPK without fail.

In dieser Phase wurde die Berichterstattung also immer in den Zusammenhang gestellt mit dem Aufruf an die Bevölkerung, ihren Einsatz bei der Arbeit zu erhöhen um noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Der Fokus änderte sich aber ab dem 26. August deutlich und es ging gleichzeitig in die „heiße Phase“, denn seitdem gab es annähernd jeden Tag etwas zu der Versammlung zu lesen und eigentlich ging es immer um das Selbe: Die Wahl der Delegierten für die Konferenz. Eine gute Zusammenfassung dessen, was die Berichte enthalten liefert der erste Artikel bei KCNA vom 26. August zu diesem Thema, der sich wiederum auf die Rodong Sinmun beruft. Funktionäre halten reden, bei denen sie die Errungenschaften Kim Jong Ils und der Partei preisen, dann werden Delegierte gewählt die

distinguished themselves in implementing the Party’s line and policies in the spirit of defending the leader with their lives and implementing the leader’s instructions, remaining loyal to the Songun revolutionary leadership of Kim Jong Il.

Und was in diesem Artikel fehlte, holt derjenige vom 27. August nach. Dort wird über die Wahl Kim Jong Ils als Delegierter für die Versammlung berichtet. Auf einem Treffen von Funktionären der Arbeiterpartei und der Koreanischen Volksarmee

Kim Jong Gak courteously proposed the election of Kim Jong Il as a delegate to the conference of the WPK, representing the unanimous will and desire of all the servicepersons.

Delegates of party organizations of units at different levels of the KPA in their speeches fully supported and approved his proposal.

A decision on electing Kim Jong Il as a delegate to the conference of the WPK was adopted with a unanimous approval at the meeting.

The meeting also elected delegates to the conference of the WPK.

Die folgenden Berichte vom 28., 29. und 30. August, sowie dem 01., 02., 03. und 04. September sind alle mit der gleichen Schablone geschrieben. Delegierte der Partei in verschiedenen Provinzen oder staatlichen Organisationen haben sich getroffen um die Delegierten für die Konferenz zu wählen. Oft sind hohe Parteifunktionäre aufgelaufen, und haben Reden zu den Errungenschaften der Partei und Kim Jong Ils gehalten. Dann kam es dazu, dass jeweils der letzte Redner:

courteously proposed the election of Kim Jong Il as a delegate to the conference of the WPK, representing the unanimous will and desire of all the servicepersons.

Delegates of party organizations of units at different levels of the KPA in their speeches fully supported and approved his proposal.

A decision on electing Kim Jong Il as a delegate to the conference of the WPK was adopted with a unanimous approval at the meeting.

The meeting also elected delegates to the conference of the WPK.

Diese Absätze sind in jedem der Berichte gleich (also wirklich gleich), so dass man sich vorstellen kann wie spannend die Treffen wohl waren. Was ich nicht so recht verstehe bei der Sache: Ist Kim Jong Il jetzt Delegierter für alle genannten Körperschaften und Provinzen? Hat er dann jedes Mal eine Stimme (nicht das die Sache mit den Stimmen so wichtig wäre)? Aber klar, es wäre wohl ein Fauxpas gewesen, wenn er in einer Provinz nicht einstimmig zum Delegierten gewählt worden wäre. Der Sinn entgeht mir trotzdem ein bisschen…

Einen Beitrag der ein bisschen aus der Reihe fällt, aber trotzdem (und gerade deshalb) vielsagend ist, ist der Bericht vom 02. September der sich damit beschäftigt, dass Wen Jiabao gutes Gelingen für die Konferenz gewünscht hat. Wichtig dürfte dies aus zwei Gründen sein. Einerseits ist dies die einzige ausländische Reaktion auf die Konferenz, die in die Berichterstattung von KCNA einging, womit vermutlich ein weiteres Mal die Besonderheit der Beziehungen zwischen China und Nordkorea zum Ausdruck gebracht werden sollte. Außerdem könnte man darin die Unterstützung Chinas für die wie auch immer gearteten Ergebnisse der Konferenz sehen, denn die chinesische Führung dürfte schon vorab über die zu erwartenden Ergebnisse informiert worden sein.

Gestern gab es übrigens keinen Bericht, der sich mit der Konferenz beschäftigte. Ob dies der Fall ist, weil die Konferenz schon angefangen hat ist nicht klar, denn es wurde beispielsweise auch am 31. August nicht darüber geschrieben. Ich bin jedenfalls gespannt, was die Ergebnisse der Konferenz sein werden und was die nordkoreanischen Medien dann von sich geben.