Parteikonferenz beendet: Kim Jong Un übernimmt die Führung, Kim Jong Il ein Ehrenamt und weitere Personalrochaden


Das erste Event der „nordkoreanischen Woche“ ist heute zu Ende gegangen und wurden bereits einige interessanten Ergebnisse sichtbar (Danke C.R. übrigens für die Updates in den Kommentaren, sogar mit Übersetzung. Super!).

Kim Jong Un wurde nicht zum Generalsekretär ernannt, aber irgendwie doch.

Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist die Tatsache, dass Kim Jong Un nicht Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas wurde, sondern ein Anderer. Ganz folgerichtig hat Kim Jong Il nach seinem Vater ebenfalls ein permanentes Amt erhalten. Während Kim Il Sung als ewiger Präsident in den Herzen der Nordkoreaner weiterlebt, soll Kim Jong Il das Gleiche als ewiger Generalsekretär tun. Das wird faktisch allerdings nicht viel ändern, denn Kim Jong Un wurde zum ersten Sekretär der PdAK gewählt. Vermutlich kommen dem Amt nach der Revision der Statuten (allerdings ist das noch nicht klar, weil die revidierten Statuten noch nicht bekannt sind) der Partei ähnliche bzw. die gleichen Kompetenzen zu, wie zuvor dem Generalsekretär.

Naja, jedenfalls ist der junge Kim damit jetzt der faktische Führer der Partei und mehr konnte man von der Konferenz nicht erwarten. Daneben scheint er jetzt auch an der Spitze der zentralen Militärkommission zu sitzen, denn dort wurde Choe Ryong-hae als stellvertretender Vorsitzender „gewählt“ (zu ihm werde ich später noch ein paar Takte schreiben), also auf den Posten, den Kim Jong Un vorher inne hatte.

Choe Ryong-hae. Teil des zentralen Führungsteams

Aber auch in den Kreisen unmittelbar um Kim Jong Un wurde kräftig rotiert. Wie ich bereits vermutet hatte, wurde ein freier Stuhl im Präsidium des Politbüros des Zentralkomitees der Partei neu besetzt. Und dort nahm der eben angesprochene Choe Ryong-hae Platz. Choe ist weder ein Shootingstar des Regimes, noch ein alter Recke, sondern irgendwas dazwischen. Er gilt als alter Freund Kim Jong Ils und scheint auch mit Jang Song-thaek (Kim Jong Uns strippenziehender Onkel) gut bekannt zu sein. Interessant ist er, weil er nach hoffnungsvoller Karriere 1998 von der Bildfläche verschwand und erst 2006 in der Provinz wieder auftauchte. Ab 2010, als das Regime dann unter Hochdruck an die Nachfolge Kim Jong Uns vorzubereiten begann, kehrte Choe dann nach Pjöngjang zurück und seitdem scheint sein Aufstieg nicht zu bremsen zu sein. Erst gestern wurde er zum Vize-Marschall der Armee ernannt, dadrüber kommt dann nur noch der Marschall und den gibt es eigentlich nie, wenn man nicht der Führerfamilie angehört. Choe scheint also eine weitere zentrale Figur in Kim Jong Uns neuem Führungsteam zu sein.

Erwartbare Beförderungen.

Daneben gab es einige wenig überraschende Beförderungen und Ernennungen. So bekamen Kim Jong-gak, Jang Song-thaek und Pak To-chun bekamen volle Mitgliedschaften im Politbüros des Zentralkomitees der Partei. Kim Jong Uns Tante Kim Kyong-hui wurde ins Sekretariat des Zentralkomitees gewählt, wo bisher auch eine sehr illustre Runde versammelt war. Die Namen des Führungsteams beginnen sich zu wiederholen.

Interessant Kim Jong-gaks neuer Job und Kim Yong-chuns Verlagerung

Eine weitere Personalie, die bereits gestern bekannt wurde, ohne dass KCNA sie bisher öffentlich verlautbart hätte, betrifft Kim Jong-gak und Kim Yong-chun. Ersterer hat nämlich von letzteren als Verteidigungsminister beerbt. Interessanterweise hatte ich beide als mögliche Kandidaten für den Platz im Präsidium des Politbüros gesehen. Kim Jong-gak ist jetzt auf eine andere Art aufgestiegen und wird wohl mehr in der militärischen als in der politischen Lenkung aktiv sein. Kim Yong-chun wurde heute zum Abteilungsleiter des Zentralkomitees ernannt. Hier weiß ich nicht genau, was davon zu halten ist, klingt für mich nicht nach Aufstieg, aber er hat ja noch den Vizevorsitz der NDC inne, was ja auch nicht schlecht ist. Nichtsdestotrotz kann man ihn mal im Auge behalten.

Rapide Machtkonsolidierung des Führungsteams

Insgesamt lässt sich sagen, dass Kim Jong Un und seine Leute weiter rasant an den neuen Machtstrukturen arbeiten. Kim Jong Un hat die Führung der Partei erlangt und einige seiner wichtigsten Gefolgsleute in Stellung gebracht. Es kann natürlich auch genau umgekehrt sein. Das lässt sich nur schwer sagen. Nichtsdestotrotz schreitet die Machtkonsolidierung der Führungsgruppe rapide voran und die nächste Runde dürfte es dann übermorgen im Rahmen des Zusammentretens der SPA geben.

„Nordkoreanische Woche“: In den nächsten Tagen werden in Nordkorea entscheidende Weichen gestellt


Nachdem alle Osternester gefunden, alle Ostereier verspeist und alle Sünden erlassen (ich habe am Sonntag beim rumzappen zufällig genau zum richtigen Moment den Papst eingeschaltet, der in seine Generalamnestie für reuige Sünder netterweise auch diejenigen am Fernseher einschloss) sind, kann ich mich mal wieder den aktuellen Ereignissen in Pjöngjang widmen. Und zu widmen gibt es diese Woche ja viel. Daher will ich erstmal kurz die Großereignisse zusammenfassen, die uns in den kommenden sechs Tagen erwarten und jeweils darauf eingehen, was diese Ereignisse bringen können. (Rüdiger Frank hat übrigens auf 38 North einen sehr interessanten Artikel über die Ereignisse im April geschrieben, den ich euch empfehlen möchte. Er kennt sich einfach sehr gut aus und kann die ganze Situation auf eigenen Erfahrungen und jahrelanger Forschung basierend fundiert analysieren. Und erklären kann er auch noch klar aber unterhaltsam.)

Die Parteikonferenz: Wegweisende Personalentscheidungen

Morgen geht es ja auch schon los. Dann steht die Parteikonferenz an, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. Die letzte Veranstaltung dieser Art gab es ja erst Ende 2010 und damals wurde ein großer Teil der personellen Grundsteine gelegt, auf die Kim Jong Un sein Regime bauen sollte. So wurde zum Beispiel das zuvor sehr einsame Präsidium der Politbüros des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (manchmal muss man das einfach mal komplett hinschreiben) neu besetzt, so dass Kim Jong Il nicht mehr ganz allein darin sitzen musste. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl der gehobenen Parteiposten wurden mit relativ frischem Personal besetzt, von dem man vermuten kann, dass es den Kern des neuen Regimes um Kim Jong Un bilden sollte. Weiterhin trat zu diesem Anlass Kim Jong Un ins Licht der Öffentlichkeit und erhielt seine ersten Posten in Partei und Militär (bzw. im letzten Fall einen Rang).

Die diesjährige IV Parteikonferenz, die sehr dicht auf die von 2010 folgt (die Treffen werden bei Bedarf einberufen und eher unregelmäßig abgehalten) stand ein bisschen im Schatten der (bzw. zumindest eines) anderen Großereignisse dieser Woche und erhielt nicht soviel Beachtung wie die Vorherige. Aber das kann auch an der westlichen Berichterstattung, die stark auf Raketen fokussiert ist und an der inhaltlich und mengenmäßig seit 2010 ausgeweiteten Nachrichten der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA liegen. Nichtsdestotrotz könnten auf der Konferenz weitere wegweisende Personalentscheidungen verkündet werden.

So sind mit dem Tod Kim Jong Ils und Jo Myong-roks wieder zwei der fünf Stühle im Präsidium des Politbüros frei und man könnte sich vorstellen, dass Kim Jong Un auf einem davon Platz nehmen wird, vielleicht sogar als Generalsekretär der Partei. Sollte man den einen Stuhl neu besetzen, dann wird das vermutlich auch mit dem Anderen der Fall sein. Hier wird es spannend sein zu sehen, wer dort Platz nimmt. Ein eher junger Politiker, oder ein alter Recke. Ein Militär oder ein Ziviler. Ich denke es wird eher ein Militär werden (ich finde es sieht aus, als gäbe es da einen Proporz). Da Kim Jong Uns Onkel Jang Song-thaek, einer der notorischen Strippenzieher im Hintergrund (sagt man zumindest) seit neuestem ja auch Uniform trägt, wäre er ein Kandidat. Aber auch Kim Yong-chun wäre von seinem Einfluss, seiner relativen Jugend (unter 80) und weil er dem Regime schon lange angehört, ein Kandidat. Oder ein Shootingstar wie Kim Jong-gak bzw. jemand, den man garnicht so richtig auf der Rechnung hat (damit ist wohl alles abgedeckt, hehe). Jedenfalls könnte eine solche Personalie beispielsweise hinsichtlich der Frage ein Signal setzen, ob der Generationenwechsel im Regime, der ab 2010 begann, fortgesetzt wird, oder ob man auf Konstanz setzt. Letzteres könnte auf eine relative Schwäche Kim Jong Uns hindeuten. Dasselbe könnte man auch vermuten, wenn er nicht in weitere Positionen gehievt wird. Es ist zwar eigentlich nicht besonders klug, Prognosen abzugeben, weil man ja eigentlich immer nur im Schlamm stochert und weil man sich danach sagen lassen muss, dass man falsch geraten hat, aber ich habe das Gefühl, dass man anders als beim Tod Kim Il Sungs, die Nachfolge auch nominell recht zügig in trockene Tücher bringen will. Darauf deute zum Beispiel Kim Jong Uns schnelle Rückkehr zur alltäglichen Arbeit (Vor-Ort-Anleitungen) nach dem Tod seines Vaters hin. Also würde es mich eher überraschen, wenn nach der Konferenz und der Sitzung der SPA nicht ein paar neue Gesichter zu erkennen wären und Kim Jong Un sich nicht mit weiteren Posten schmücken könnte.

Die SPA: Änerungen in der NDC?

Das zweite Ereignis, dass auch eher personell-politischer Art ist, ist das Zusammentreten der Supreme People’s Assembly (SPA) am Mittwoch dem 13. April. Auch im Rahmen der jährlichen Sitzung des nordkoreanischen Parlaments gab es in den vergangenen Jahren interessante Personalien. Die betrafen vor Allem Änderungen in der Nationalen Verteidigungskommission (NDC), die oft als mächtigstes außenpolitisches Steuerungsorgan des Regimes beschrieben wird.

Dementsprechend können wir gespannt sein, ob dort neues Personal dazukommt, oder ob alles beim Alten bleibt. Je nach dem was sich da tut, könnten sich Schlüsse darüber ergeben, ob die NDC unter Kim Jong Un dieselbe hervorgehobene Rolle spielen wird, wie unter Kim Jong Il. Ich halte es nach wie vor für möglich, dass Kim Jong Un sich ein anderes Vehikel zur Steuerung des Landes suchen wird und die NDC relativ an Bedeutung verliert. Auch im Kabinett könnte es Umbesetzungen geben.

Weiterhin wird die Regierung zu diesem Anlass dem Parlament Bericht erstatten und das Budget fürs kommende Jahr vorstellen. Beides finde ich aber immer relativ wenig aufschlussreich, weil die Berichte die veröffentlicht werden und die Informationen übers Budget sich für gewöhnlich in schwammigen Phrasen ohne großen Informationsgehalt erschöpfen. Aber Pjöngjang sucht ja in jüngster Zeit recht offensiv nach Investoren für die neuen SWZ. Vielleicht versucht man die auch durch größere Transparenz oder durch irgendwelche besondere Posten im Budget zu überzeugen. Aber ich erwarte nicht allzuviel davon.

Der Kern der Sache: Kim Il Sungs Geburtstagsparty

Das dritte Ereignis ist für uns vermutlich garnicht so super spannend, aber für das Volk und vermutlich auch das Regime das Wichtigste. Am 15. April hätte Kim Il Sung seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Das will und muss entsprechend begangen werden. Die drei anderen Veranstaltungen die ich hier nenne, bilden quasi das offizielle Rahmenprogramm der Geburtstagsparty. Das Fest an sich wird wohl aus einer riesigen Parade (vielleicht gibt es für Leute, die sich mit Militärgerät auskennen, da was Neues aus Pjöngjangs Waffenschmieden zu sehen), rituellen Besuchen an wichtigen Orten (dem Mausoleum zum Beispiel, auch wenn es zurzeit nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist) und jede Menge Reden. Vielleicht wird in deren Rahmen ja auch etwas Wichtiges verkündet, immerhin schaut definitiv dann das ganze Land und ein beträchtlicher Teil der Welt nach Pjöngjang.

Apropos die Welt. Ich bin gespannt, aus welchem Land welche Art von Delegationen kommen wird. Eigentlich hätte man sich ja wichtige Chinesen und Russen erwarten können, aber die Sache mit dem Satellitenstart, könnte in der einen oder anderen Hauptstadt den Bedarf nach weiteren Zaunpfählen zum Winken wecken. Und wenn man nicht ganz so wichtige Leute schickt, ist das ein Signal. Wenn doch, allerdings auch vielleicht. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass die Gästetribüne für Pjöngjang relativ enttäuschend besetzt sein wird. Naja, und ansonsten kann man noch das übliche Spiel betreiben. Wer steht bei wem und vor allem nahe dem Zentrum, wer hält Reden etc.

Der Satellitenstart: Außenpolitisches Umfeld wird schwieriger

Über den vierten Punkt wurde ja eigentlich schon echt viel geschrieben und den meisten Medien sind die anderen Events neben dem Satellitenstart maximal einen kleinen Abschnitt wert. Ist aber auch irgendwie verständlich, denn hier handelt es sich nicht um „Familiengeschichten“, sondern es geht alle an. Dementsprechend wird der Satellitenstart (ich glaube mittlerweile haben auch die größten Optimisten die Hoffnung auf eine Absage fahren lassen) auch am stärksten medial begleitet.

Der Start ist zweifellos durch die Resolution 1874 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verboten und wenn man heutige Aussage aus Russland hört, die das genauso sieht, dann dürfte nach dem Start heiß über eine weitere Resolution und eine Verschärfung der Sanktionen diskutiert werden. Das Zustandekommen einer Resolution hätte dann wohl garnicht so schlechte Chancen und hängt dieses Mal allein von China ab, das sich auch schon unzufrieden über Nordkoreas Vorgehen geäußert hat. Wenn es dazu käme, aber vielleicht auch schon bei einer schwächeren Reaktion der Weltgemeinschaft, stehen die Chancen nicht schlecht, dass wir in einigen Wochen einen weiteren Nukleartest Pjöngjangs sehen werden. Damit stände dann wieder eine Zeit höherer außenpolitischer Spannungen an, was gerade unter den Bedingungen von Kim Jong Uns Nachfolge eventuelle auch Druck auf das Regime bedeuten könnte (vor allem, wenn China zu Strafmaßnahmen greifen würde).

All das zieht noch garnicht ins Kalkül, das bei dem Satellitenstart irgendwas schiefgehen könnte. Ich bezweifle, dass sich irgendwer trauen wird, die Rakete vom Himmel zu holen, wenn sie auf normalem Kurs unterwegs ist, aber unmöglich ist es nicht, dass man in Seoul oder Tokio beweisen will, dass man sich von Pjöngjang nicht mehr malträtieren lassen will. Ich würde als Stratege dort zumindest darüber nachdenken, aber die Folgen sind eben kaum absehbar. Wenn die Rakete wieder unbeschadet abhebt, dann ist das zumindest ein Beleg, dass Pjöngjangs Unberechenbarkeit nach wie vor ein gutes Abschreckungsmittel gegen die verbündeten und –feindeten Staaten darstellt. Seouls, Tokios und Washingtons drohendes Gerede aber nicht. Aber daneben ist zu bedenken, dass Pjöngjang bisher noch keinen erfolgreichen Start einer Rakete dieses Modells geschafft hat. Ist also nicht abwegig, dass der Flugkörper irgendwo auf dem Weg abschmiert. Weil aber gegenüber der anderen Route relativ nah an Land vorbei geflogen wird, könnte das Südkorea, Japan, die Philippinen oder Indonesien (bei ganz viel Abweichung von der Route vielleicht noch Taiwan) betreffen. Was passieren wird, wenn die Rakete unkontrolliert auf Festland stürzt, kann ich mir zwar nicht so genau vorstellen, aber es wird sicherlich nicht zum Frieden und der Stabilität in der Region beitragen. Daher hoffe ich einfach mal, dass die Rakete erfolgreich abhebt.

Der Satellitenstart und die ungewöhnliche Transparenz Pjöngjangs — es wurden ausländische Journalisten und Experten für den Start eingeladen und berichten schon kräftig aus dem Land — haben auch noch den positiven Seiteneffekt, dass die Medien dann noch gleich über die anderen Großereignisse mitberichten können. So hat man sich in Nordkorea zumindest die notwendige Publicity für die Ereignisse gesichert.

Potenzial für internen Unfrieden

Ganz egal, was in den nächsten Tagen konkret passieren wird. Wir werden danach auf jeden Fall ein gutes Stück mehr wissen. Was ich mich dabei frage, ist, ob das Regime sich mit alldem, das es gerade anstößt nicht selbst überfordert. Es werden innenpolitische Entscheidungen getroffen werden, bei denen es nicht nur Gewinner geben kann (auch wenn sich manche das vielleicht wünschen, so ist selbst noch nicht mal die DVRK mit Kim Il Sungs Juche-Ideologie dazu in der Lage). Und Verlierer sind mit ihrem Los öfter mal unzufrieden. Gleichzeitig werden außenpolitische Entscheidungen getroffen, die ebenfalls bei mancher Regimegröße für Ablehnung sorgen könnten. Das heißt, es bestehen Potenziale für internen Unfrieden. Daraus können unüberschaubaren Folgen entstehen. Da wir aber nicht wissen können, wie gut solche Konfliktlinien ausgeglichen oder zugedeckt werden können, bleibt es uns nur abzuwarten und zu beobachten.

Urbi et Orbi

Ich werde in den nächsten Tagen versuchen über die wichtigsten Ereignisse und Erkenntnisse aus dieser (im Fußball würde man wohl sagen „englischen-Woche“) nordkoreanischen-Woche zu berichten. Aber vorerst habt ihr ja schonmal einen kleine „Leitfaden“, was alles interessant sein wird in den nächsten Tagen. Und um aus dem Beitrag eine runde Sache zu machen schließe ich mit einem, mit dem ich auch begonnen habe und bin heute mal ganz einer Meinung mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche und wünsche mir, dass die Stadt und der Erdkreis seinen alljährlichen Friedenswünschen folgen.

Es ist angerichtet: Nordkorea bereitet Kim Il Sungs Geburtstagsparty vor


Es gibt ja Traditionen, denen gehen die Menschen in Aller Herren Länder nach. Einige davon haben mit Geburtstagen zu tun: Da kommt die ganze Familie zusammen, schmaust köstliche Leckereien, spricht über dies und das, was eben gerade wichtig ist und versucht darüber nicht in Streit zu geraten; Da gibt es jede Menge tolle Geschenke, vor allem für das Geburtstagskind aber auch schonmal für den Nachwuchs des Hauses; Und wenn der Jubilar eine wichtige Persönlichkeit ist oder zumindest reich (solche Leute neigen ja mitunter dazu, „Wichtigkeit“ aus Reichtum abzuleiten) dann wird auch schonmal zum Abschluss der Party ein Feuerwerk gezündet.

So in etwa haben sich das wohl auch die Veranstaltungsplaner von Kim Il Sungs rundem Jubiläum gedacht. Zum Hundertsten bekommt das Familienoberhaupt (als „ewiger Präsident“ wird er wohl auch das „ewige Familienoberhaupt“ sein) von seinen Abkömmlingen und Geschöpfen nämlich genau das. Das Feuerwerk ist ja schon bestellt und wird gerade aufgebaut und ein, oder eigentlich zwei Geschenke hängen damit mehr oder minder direkt zusammen. Das etwas greifbare ist der Wettersatellit, der im Idealfall irgendwann in zwei Wochen seine Arbeit aufnehmen kann. Er wäre ein manifester Beweis dafür, dass Kim Il Sungs Staat zu großen technologischen Leistungen im Stande ist und mit (oder trotz) seiner Idee einer weitgehenden Autarkie in der Lage ist, mit (mehr oder weniger) eigenen Entwicklungen, neue unbekannte Welten zu erobern. Das zweite Stützt sich auf diese Leistung. Denn was, wenn nicht die Entwicklung eines eigenen und nutzenbringenden (denn nach Ansicht der nordkoreanischen Propaganda kreisen ja aktuell zwei (Phantom-)Satelliten aus Nordkorea um die Erde und funken patriotisches Liedgut (was ja ganz nett ist, aber nicht wirklich nützlich)) Raumfahrtprogramms kann besser belegen, dass die Nation den Status einer „starken und prosperierenden Nation“ wie geplant erreicht hat.

Heute hat KCNA dann auch noch das zugehörige Familienfest terminiert. Die ganze Parteifamilie wird sich nämlich am 11. April in Pjöngjang treffen und eine Parteikonferenz abhalten (bisher war nur „Mitte April“ angegeben). Man wird wohl viel zu besprechen und auch zu entscheiden haben dort. Denn immerhin wurden Mitte Dezember letzten Jahres so ziemlich alle entscheidenden Staatsämter auf einen Schlag vakant und formell hat bisher noch niemand die Nachfolge angetreten. Das wird wohl die Hauptaufgabe der Konferenz sein. Und da haben wir dann auch schon die Geschenke für den Familiennachwuchs, denn ab dem 12. wird sich Kim Jong Un dann wohl Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas nennen können und auch Vorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei sein. Ob es noch weitere Positionen gibt, die er bekommen wird, muss sich dann zeigen. Das Feuerwerk wird der junge Kim dann wohl schon in seiner neuen Funktion zünden und sich auf die Fahnen schreiben können. Sein Opa wäre sicher stolz gewesen zu sehen, wie der Familienbetrieb floriert.

Es sieht also ganz so aus, als würde Kim Il Sung eine rundum gelungene Party bekommen. Es wird jedenfalls spannend sein, das Fest zu verfolgen, denn ob es nicht noch weitere Überraschungen gibt, das kann man ja nie wissen. Außerdem ist es ja immer interessant zu beobachten, wer noch zur Familie gehört und wer verstoßen (oder schlimmeres) wurde. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch einen kleinen Familienstreit. Auch wenn das ziemlich unwahrscheinlich ist, so kann man sich ja gerade unter den gegebenen Umständen vorstellen, dass der Eine oder Andere am Ende des Tages mit dem Arrangement oder seinem Geschenk nicht glücklich ist.

Die Parteikonferenz und was wir daraus lernen: Zusammenfassung von Rüdiger Frank auf 38 North


Rüdiger Frank hat auf 38 North das gemacht, was ich am Montag in Grundzügen auch versucht habe. Er hat die Ergebnisse der Parteikonferenz der vergangenen Woche analysiert, und daraus Schlüsse gezogen. Nur eben viel umfassender, professioneller und hintergründiger als ich. Aber das ist ja auch sein Job. Jedenfalls ist das Ganze sehr interessant zu lesen (was ich euch nur empfehlen kann) und hilft einen Überblick über die Entscheidungen zu gewinnen, die durch die Parteikonferenz offenbar wurden (getroffen dürften  sie schon früher worden sein). Außerdem entwickelt Frank aus den gewonnenen Erkenntnissen Einschätzungen über die Strategie des Regimes für die Machtweitergabe und die Struktur der Führung nach Kim Jong Il (wobei er der Idee, Kim Jong Un werde eine Führungsfigur gleich seinem Vater oder gar Großvater, weiterhin sehr skeptisch gegenübersteht). Franks Kernthese hinsichtlich der Pläne zur künftigen Führungslegitimation in Nordkorea, die er in seinem Beitrag entwickelt lautet wie folgt:

What seems most notable is the renewed emphasis on Kim Il Sung as the sole source of legitimacy in North Korea. Kim Jong Il is not going to replace him, which would have been a precondition for the perpetuation of the current system of leadership. Therefore, in a sense, Kim Jong Un and all those who come after him will be, like Kim Jong Il, successors of Kim Il Sung.

Eine weitere interessante Vermutung ist, dass das Regime von Kim Jong Ils Erkrankung im Jahr 2008 zwar kalt erwischt wurde, aber nicht unvorbereitet. Dementsprechend ist die jetzt ablaufende Vorgehensweise keine ad-hoc Panikreaktion sondern folgt durchaus einem Plan, der zumindest in groben Zügen schon vorher bestanden hat — nur läuft der jetzt in komprimierter Form ab. Da glücklicherweise (für das Regime) 2012, also Kim Il Sungs Hundertster, bald ansteht, hat man vermutlich die strategische Entscheidung getroffen, die Nachfolgeplanung auf dieses Jahr auszurichten (oder dieses Jahr zumindest als sehr wichtige Wegmarke zu nutzen). Das könnte, so Frank, im Rahmen eines Parteikongresses (was Anderes und grundsätzlich Bedeutenderes als die Parteikonferenz, trotzdem gab es den Letzten 1980) stattfinden, bei dem dann weitere Weichen gestellt würden.

Ein bisschen gefreut hat mich, dass er hinsichtlich des Sekretariats des Politbüros einen ähnlichen Schluss gezogen hat wie ich: Ri Yong Ho, das 68 jährige Küken unter Greisen könnte interessant werden. Außerdem wird gemunkelt, dass er mit Kim verwandt ist, was ihn nochmal interessanter machen würde. Den sollten wir also im Auge behalten.

Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Phase der Veränderungen in Nordkorea habe ich außerdem noch eine interessante Analyse von Paul Carroll gelesen. Der dreht sich aber eher darum, wie die USA sich in dieser Phase verhalten sollten. (Naja ihr kennt mich ja:) Carroll warnt davor in Untätigkeit zu verharren und Chancen die sich in dieser Phase bieten verstreichen zu lassen. Durchaus lesenswert…

Das neue Personaltableau im Politbüro: Das Regime arbeitet schon seit zwei Jahren an der Nachfolge


Am vergangenen Wochenende habe ich am Seminar der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit über die Koreanische Halbinsel teilgenommen und ich muss sagen, es war sehr interessant und hat sich durchaus gelohnt. Es ist doch nochmal etwas anderes, wenn Menschen, die einen direkten Blick auf das Regime in Pjöngjang werfen konnten ihre Sichtweisen referieren und man sie auch zu manchen Sachen näher fragen kann, als einfach nur deren Texte zu lesen. Auch mal interessant war die Ansichten der Südkoreaner zu hören, die an dem Seminar teilgenommen haben, das hilft ein tieferes Verständnis für deren Sicht der Dinge zu gewinnen. Ich hatte mir ursprünglich überlegt einen kleinen Bericht darüber zu verfassen, habe die Idee aber aus verschiedenen Gründen verworfen, allerdings habe ich einige interessante Denkanstöße mitgenommen, die ich in den nächsten Wochen hier verarbeiten werde. Aber zu schreiben gibt es ja trotzdem was.

Und zwar möchte ich mich mit einem sehr interessanten Artikel von KCNA beschäftigen. Dort gibt es kurze biographische Profile der Mitglieder des Sekretariats des Politbüros des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) (für den langen Namen kann ich nichts, da aber jedes „des“ sozusagen eine Entscheidungsstufe „höher“ bedeutet, sind das recht wichtige Leute) sowie Profile von Mitgliedern des Politbüros des Zentralkomitees der PdAK (zur näheren Erklärung und Bedeutung der Begriffe schaut am Besten mal bei NK Leadership Watch vorbei interessant hierzu war auch ein Beitrag der Joong Ang Ilbo). Wer sich Mitglied dieser Organe nennen darf, der gehör zweifelsohne zur Führungselite der Partei und des Landes.

Das Sekretariat: Drei alte Recken und ein „Jungspund“

Das Sekretariat des Politbüros (den Rest des Rattenschwanzes schneide ich mal ab…) ist mir fünf Personen besetzt. Zu vieren davon gibt es Angaben von KCNA, über den fünften weiß ja ohnehin jeder alles was es zu wissen gilt (allerdings dürfte das nicht der einzige Grund der Autoren gewesen sein, ihn (und interessanterweise seine Schwester Kim Kyong-hui, aber die hat ja auch ziemlich viel von Kim Il Sungs Blut) auszunehmen, Respekt ist eben alles). Im Präsidium sitzen neben Kim Jong Il Kim Yong-nam (geb. 1928), Choe Yong-rim (geb. 1930), Jo Myong-rok (geb. 1928) und Ri Yong-ho (geb. 1942) (wie immer wenns um Leute geht habe ich Links zu den hervorragenden Steckbriefen von NK Leadership Watch gesetzt). Schaut man sich die Leute etwas näher an, fällt oberflächlich einiges auf: Erstmal das hohe Durchschnittsalter (76 Jahre), das sogar gegenüber dem vorherigen Präsidium erheblich gestiegen ist (da lag es exakt beim Alter Kim Jong Ils, der Rest der Präsidiumsmitglieder hatte nämlich schon seit Längerem das Zeitliche gesegnet). Zusammen mit Ri Yong-ho ist Kim Jong Il hier das Nesthäkchen und es wäre wohl auch keine Überraschung, wenn das Gremium bald wieder übersichtlicher würde. Weiterhin ist interessant zu sehen, welche Ämter die Präsidiumsmitglieder sonst noch so bekleiden: Kim Yong-nam ist seit 1998 Präsident der Obersten Volksversammlung Nordkoreas und damit per Verfassung der administrative Vertreter Kim Il Sungs auf Erden (das Staatsoberhaupt). Über Choe Yong-rim haben wir ja kürzlich schon was gehört, da er erst im Juni zum Premierminister ernannt wurde und damit vor allem in wirtschaftspolitischen Fragen Einfluss gewonnen hat. Yo Myong-rok ist Vizemarschall (ich kenne mich mit Militärrängen einfach zu schlecht aus und weiß daher nicht genau was eine deutsche Entsprechung zu „vice marshal“ ist, aber viel höher geht es nicht, da es nur zwei richtige „marshals“ gibt) der nordkoreanischen Armee und Vize Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission (die ja bekanntlich das mächtigste Staatsorgan Nordkoreas ist), sein Job bei der Armee war/ist die Steuerung der Indoktrination und Überwachung der Armee (lebenswichtige Aufgaben für das Regime, wer das tut muss absolut auf Linie liegen). Ri Yong-ho schließlich hat keine ganz so herausgehobene Stellung wie die vorher genannten da hab ich wohl eine Kleinigkeit übersehen: Er ist nämlich Chef des Generalstabs der Koreanischen Volksarmee und wurde außerdem im Rahmen der Beförderungen im Militär vor der Parteikonferenz zum Vizemarschall erhoben. Innerhalb der Partei ist er stellvertretender Vorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei. Klingelt da was? Genau! Der stellt seinen Stuhl dann vermutlich direkt neben Kim Jong Un auf, der ja den selben Posten erhalten hat. Weiterhin ist Ri hochinteressant, weil er noch so jung ist und damit eine mögliche Machtübergabe an Kim Jong Un mitterleben könnte und auch danach noch eine Rolle spielen könnte. Die restlichen Mitglieder des Präsidiums sind zwar in wichtigen Positionen, aber mit 80 spricht die Sterbetafel klar gegen eine lange Tätigkeit dieser Drei im Präsidium. Auch die Biografien der Mitglieder des Politbüros würden sicherlich vieles hergeben. Allerdings würde ich dann (bei weit über 20 Profilen) vermutlich heute nicht mehr fertig werden und daher gibts nur einen oberflächlichen Blick, der aber trotzdem interessantes zeigt…

Die Mitglieder des Politbüros: Generationenwechsel im Wartestand

Erstmal die Namen und Alter: Vollmitglieder sind: Kim Yong-chun (geb. 1936), Jon Pyong-ho (geb.1926), Kim Kuk-thae (geb. 1924), Kim Ki-nam (geb. 1929), Choe Thae-bok (geb. 1930), Yang Hyong-sop (geb. 1925), Kang Sok-ju (geb. 1939), Pyon Yong-rip (geb. 1929), Ri Yong-mu (geb. 1925), Ju Sang-song (geb. 1933), Hong Sok-hyong (geb. 1936) und Kim Kyong-hui (geb. 1946, wie gesagt fehlt ihre Biographie bei KCNA).
Alternate members (ich glaub das sind sozusagen Ersatzleute): Kim Yang-gon (geb. 1942), Kim Yong-il (1947), Pak To-chun (geb. 1944), Choe Ryong-hae (geb. 1950), Jang Song-thaek (den kennt ihr ja, geb. 1946), Ju Kyu-chang (geb. 1928), Ri Thae-nam (geb. 1938), Kim Rak-hui (geb. 1933), Thae Jong-su (geb. 1936), Kim Phyong-hae (geb. 1941), U Tong-chuk (geb. 1942), Kim Jong-gak (geb. 1941), Pak Jong-sun (geb. 1928), Kim Chang-sop (geb. 1946) und Mun Kyong-dok (geb. 1957). Über viele von denen gibt es bei NK Leadership Watch Biographien, aber wenn die euch interessieren könnt ihr ja selbst nachschauen.

Das sind natürlich jetzt viele Namen und Daten und man fragt sich was das bringt: Erstmal die Erkenntnis, dass das Durchschnittsalter der Vollmitglieder mit etwa 78,5 Jahren nochmal höher liegt als im Präsidium, dass aber gleichzeitig das Durchschnittsalter der Nachrücker mit etwa 68,7 fast zehn Jahre niedriger liegt. Da scheint man einige der alten Garde noch in der ersten Reihe stehen gelassen zu haben, weil man sie zufrieden stellen muss, aber gleichzeitig auch weiß, dass sie den Platz nicht mehr besonders lange blockieren. Und die jüngeren kann man dann ja mit der Perspektive zufriedenstellen.

Was ich wirklich interessant finde, sind die Daten, zu denen die Mitglieder des Politbüros neue „Jobs“ in der Führung des Landes bekommen haben: Da ist nämlichb zu sehen, dass 25 der 32 Mitglieder des Politbüros (einschließlich Präsidium), in den letzten zwei Jahren eine neue Tätigkeit angetreten haben. Allerdings muss man dazu sagen, dass zwölf Neubesetzungen vermutlich in direktem Zusammenhang mit der Parteikonferenz stehen, (denn dies sind meist Direktoren u.ä. verschiedener Abteilungen der Partei, die ihren Job seit September 2010 haben). Nichtsdestotrotz wird augenscheinlich: Da hat sich was getan in den letzten zwei Jahren! Gleichzeitig sind kaum Mitglieder im Politbüro, die in den Jahren von 2001 bis 2008 in neue Positionen kamen. Was ich auch spannend finde: Das Sekretariat ist gleichgewichtig zwischen „Zivilen“ und Militärs besetzt. Unter den Vollmitgliedern des Politbüros sind aber nur drei von zwölfen Militärs, unter den Nachrückern nur vier von fünfzehn. Da scheint es eine recht genaue Proporzregel zu geben und da sich die „Vollmitglied-Militärs“ ziemlich genau an den Altersschnitt halten werden da wohl bald ein paar Positionen für jüngere (Militärs) frei.

Viele Daten und einige Schlussfolgerungen

Das Alles ist bei weitem nicht das, was die neue Komposition an der Parteispitze hergibt, aber dummerweise hab ich noch ein paar andere Sachen vor heute und überlasse es euch, ob ihr von dort noch ein bisschen weiter recherchieren wollt. Aber ich finde dieser oberflächliche Blick hat schon ein paar interessante Ergebnisse gebracht:

  • Das Sekretariat des Politbüros ist so gestaltet, dass man das recht bald neu mischen kann, ideal für einen möglichen Nachfolger, um es mit Vertrauensleuten zu besetzen.
  • Aus dem Rahmen fällt nur Ri Yong-ho, der mit 68 noch einiges vor sich haben könnte. Da er auch zusammen mit Kim Jong Un in der zentralen Militärkommission der Partei sitzt, könnte er eventuell eine weitere Bezugsperson des jungen Kim sein. Wie weit das geht, keine Ahnung aber liegt irgendwie nahe und man sollte das im Auge behalten. Da er aber nicht wie die anderen Premier oder Präsident der Obersten Volksversammlung ist und auch nicht mit wichtigen Jobs in Militär und Nationaler Verteidigungskommission betraut ist, scheint sein Funktion wo anders zu liegen…
  • Es gibt einen Proporz zwischen Partei und Militär: Im Präsidium 50:50 unter den Mitgliedern bei etwa einem Viertel.
  • Generell sind die Mitglieder des Politbüros sehr alt, allerdings zeichnet sich unter dn „Aufrückern“ eine jüngere „zweite Reihe“ ab, die darauf wartet nach vorne zu kommen. Außerdem bietet das hohe Alter einem möglichen Nachfolger Kim Jong Ils die Chance, Beförderungen durchzuführen, ohne jemandem aus dem Amt drängen zu müssen.
  • Seit Kim Jong Il seinen Schlaganfall im Jahr 2008 hatte, zeigt sich eine sehr große Dynamik innerhalb des Regimes. Ein Großteil der Mitglieder des Politbüros ist seitdem in neue Ämter gekommen. Das kann man als eindeutiges Zeichen dafür sehen, dass als Kim Jong Il wieder auf den Beinen war, die Vorbereitung für die Nachfolge sofort begann und das Regime seitdem damit beschäftigt war.

Zwar alt, aber nicht erstarrt

Das Regime ist nicht erstarrt und scheint zumindest zu einer graduellen Erneuerung des Führungspersonals fähig zu sein. Wie weit die Erfolge bei der Erneuerung allerdings gehen bleibt offen. Weiterhin muss man die Augen offen halten, ob noch jüngeres Personal innerhalb der zweiten Reihe positioniert wird. Die Vorbereitungen sind noch lange nicht abgeschlossen, aber hier sieht man gut, wie weit sie reichen.

„Military First“: Kim Jong Un erhält erste offizielle Position — Als General


Kim Jong Ils Regime hat schon vor Beginn der Konferenz der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) eine wegweisende Entscheidung getroffen. Kim Jong Il hat mit Anordnung Nummer 0051 unter anderem seinen Sohn Kim Jong Un zum General ernannt, meldet KCNA. Damit wird Kims jüngster Sohn erstmals in den nordkoreanischen Medien erwähnt. Die Ernennung zum General dürfte einen ersten Schritt beim Aufstieg des jungen Kim darstellen und ihm helfen, Einfluss innerhalb des Militärs zu gewinnen. Ob ihm auf der Konferenz der PdAK die heute begonnen hat weitere Ämter zukommen werden ist bisher nicht klar, wäre aber keine Überraschung.

Nicht nur seine Ernennung zum General sorgte für Aufsehen auch seine Tante Kim Kyong-hui wurde in diesen Stand erhoben. Kim Jong Ils Schwester, die mit Jang Song-thaek verheiratet ist, dem ebenfalls großer Einfluss innerhalb des Regimes zugeschrieben wird, könnte Kim Jong Un bei seiner Machtübernahme unterstützen (was von der Mehrzahl der Analysten als wahrscheinliche Erklärung gesehen wird), oder Teil eines kollektiven Führungsgremiums sein, in dem Kim Jong Un eine eher repräsentative Rolle innehätte. In den letzten Wochen und Monaten waren bei Neubesetzungen von Ämtern vor allem im Kabinett und der Nationalen Verteidigungskommission (National Defence Commission, NDC) immer wieder Personen berücksichtigt worden, die Beziehungen mit Jang Song-thaek und Kim Kyong-hui haben. Für weitere Analysen muss wohl abgewartet werden, was die Konferenz der Partei heute noch beschließt (außer der wenig überraschenden Tatsache, dass Kim Jong Il weiterhin Generalsekretär der Partei bleibt).

Neben den reinen Personalien, fiel mir in dem KCNA-Artikel, der über die Ernennung Kim Jong Uns Und Kim Kyong-huis zu Generälen Berichtet, noch der Tonfall der Aussagen auf, die Kim Jong Il im Rahmen der Anordnung Nummer 0051 getroffen hat (Aber Achtung! Das ist jetzt reines Kaffesatzlesen):

He said in his order that all the servicepersons of the People’s Army and people are now significantly celebrating the 65th anniversary of the founding of the Workers‘ Party of Korea with unbounded reverence for President Kim Il Sung

Das klingt irgendwie so, als hätten die Servicepersons der Armee vorher nicht significantly genug den Geburtstag der Partei gefeiert und hätten erst jetzt damit angefangen. Oder findet ihr nicht?

Vor allem aber der Absatz:

Expressing the firm belief that the commanding officers of the KPA who have grown up under the care of the party and the leader would creditably discharge their honorable missions and duties as the mainstay and main force of the revolution in accomplishing with arms the revolutionary cause of Juche which started in Mt. Paektu, remaining true to the Party’s leadership in the future, too

klingt für mich eher wie ein Versuch, die Armeeführung an ihre Pflichten gegenüber der Partei und dem Führer z erinnern. Warum muss denn bitte Kim Jong Il seinen „firm belief“ ausdrücken, dass die Armee ihre Pflichten erfüllt und sich weiterhin der Führung der Partei unterwerfen. Eigentlich sollte das doch keiner weiteren Erklärung wert sein, außer, es gab da Unstimmigkeiten wer sich wem unterwerfen muss.

Wirklich signifikant und wichtig sind jedenfalls die beiden oben beschriebenen Personalien: Kim Jong Un ist erstmals von den nordkoreanischen Medien erwähnt worden und hat eine Position bekommen und zwar innerhalb des Militärs. Seine Tante Kim Kyong-hui (deren Namen wir uns spätestens jetzt gut merken sollten) ist ebenfalls zu militärischen Ehren gekommen und könnte dem jungen Kim zur Seite stehen.

Das sind wichtige aber möglicherweise nicht die letzten Ergebnisse hinsichtlich der Nachfolge Kim Jong Uns, die sich aus der Konferenz der Arbeiterpartei ergeben. Ich bin gespannt und versuche dran zu bleiben…

Hauptsache spektakulär: Südkoreanische Medien „machen“ Kim Jong Il krank


Kim Jong Il ist zu Krank um auf der Parteikonferenz aufzutreten, deshalb hat die noch nicht angefangen.“ Diese Information ist in den letzten Tagen unter Berufung auf den südkoreanischen Fernsehsender YTN durch den Blätterwald gerauscht. Offensichtlich ist er aber nicht zu krank, um diverse Fabriken etc. durch seine Besuche zu beglücken. Nun gut, das könnte vielleicht nicht wahr sein, denn KCNA hat ja eine recht eigene Sicht der Welt. Damit ist KCNA nicht allein. Denn YTN hat in diesem Jahr schon einmal von sich reden gemacht, indem eine Nachricht lanciert wurde, die zwar nichts mit der Realität zu tun hatte, dafür aber so spektakulär war, dass die großen Nachrichtenagenturen Reuters und AP sie übernahmen. Ihr erinnert euch an den unmittelbar bevorstehenden dritten Atomtest Nordkoreas? Das hat YTN auch erfunden und sich auf  ähnliche Quellen berufen wie diesmal: ungenannte Offizielle.

So, mehr gibts dazu nicht, denn was soll ich mir für Meldungen ohne Substanz die Finger wund schreiben. Nur merken: Wenn was von YTN kommt, kann mans wohl direkt wieder vergessen (Dazu hier auch 38 North). Schön wärs jetzt noch, wenn die internationalen und deutschen Qualitätsmedien das auch mal merken würden…