Hat Nordkorea ein Piratenproblem? Hinweise aus chinesischen Medien auf ein kriminelles grenzübergreifendes Netzwerk


Heute möchte ich mich nochmal kurz den Hintergründen der jüngsten Fischerbootstory zwischen China und Nordkorea zuwenden, da die chinesischen Medien inzwischen sehr offen über diese Zusammenhänge berichten und damit einen ganzen Komplex sehr spannender Aspekte freilegen.
In den letzten Tagen gab es in der Global Post zwei Artikel und auf der Plattform China.org einen, die allesamt Hintergründe der Festsetzung eines chinesischen Fischerbootes und seiner Besatzung bis vor einer Woche recherchiert haben und öffentlich machen, die bisher wohl der chinesischen Zensur unterlagen. Der kommende Beitrag stützt sich vollkommen auf den Inhalt dieser drei Artikel.

Stille Wasser sind tief (Foto: Marc Ucker)

Still ruht die See. Aber das ist ja immer so eine Sache mit stillen Wassern… (Foto: Marc Ucker)

Der Anfang der Geschichte: Ein sparsamer Bootseigner

Dabei wird unter anderem auch aufgeklärt, warum die Bootsentführung überhaupt öffentlich wurde. Wie ich vermutet habe, lag es wohl daran, dass er Bootsbesitzer nicht bereit war, das aufgerufene Lösegeld zu zahlen. Nachdem ihm dann keine echte Hilfe von den chinesischen Behörden zuteilwurde, entschloss er sich den Sachverhalt über Weibo öffentlich zu machen. Sein Plan ist ja, wie wir wissen, aufgegangen und hat neben den direkt von ihm intendierten Folgen weitere Auswirkungen  nach sich gezogen. Denn nun ist das Thema so hoch auf der Agenda, dass auch die Hintergründe von den chinesischen Medien recherchiert werden und die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt wird. Dabei zeigt sich ein recht komplexes Bild.

Ein grundlegendes Problem: Nicht geregelte Grenzziehung

Wie bekannt, ist die Grenzziehung zwischen China und Nordkorea im Gelben Meer nicht endgültig geklärt. Daher berufen sich die Fischer auf Gewohnheitsrecht, nach dem „seit Generationen“ westlich des 124. Längengrades Ost chinesische Fischer ihrer Tätigkeit nachgegangen seien. Die chinesischen Behörden scheinen dagegen wenig Drang an den Tag zu legen, dem Nachzukommen. Es gäbe keine offizielle Dokumentation der See-Demarkation zwischen beiden Ländern und die chinesische Fischereibehörde sei chronisch unterbesetzt und -finanziert. Die Lösung des Problems scheint also nicht ganz oben auf der Agenda der chinesischen Führung zu stehen.

Und ein Verstärker: Das grünere Gras/der fettere Fisch auf der anderen Seite der Grenze

Allerdings ist die mangelhafte Abgrenzung zwischen den Staaten nur ein kleiner Teil des Problems. Zwar geben alle Fischer, die in den Berichten zu Wort kommen an, dass ihre Boote nie die inoffizielle Grenzlinie überquert hätten, allerdings wissen auch alle von anderen zu berichten, die in nordkoreanische Gewässer führen, um zu fischen (wobei mitunter wohl die Kontrollmechanismen umgangen werden, indem das GPS ausgeschaltet wird, was aber generell von den chinesischen Behörden geduldet würde) oder „vom Wind dort hingetrieben würden“. Aber die Boote, die im Endeffekt festgesetzt worden seien (wie schon zuvor berichtet, scheinen diese Fälle an der Regel zu sein), die seien natürlich nicht über die Grenzlinie gefahren, sondern in chinesischen Gewässern aufgegriffen worden. Da fragt man sich ja glatt, warum die nordkoreanischen Kidnapper sich solche Mühe machen und so ein Risiko eingehen, wenn es doch im eigenen Meer genug chinesische Fischer gibt, die man an Land ziehen. Aber auch die Tatsache, dass chinesische Fischer nicht unbedingt Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse auf See nehmen, ist bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Die seltsamen Vermittler: Verkauf von Fischereirechten (und Schutz)

Denn allem Anschein nach hat sich in der Grenzstadt Dandong so etwas wie ein Schwarzmarkthandel mit Fischereirechten etabliert. Chinesische Fischer können gegen ein gewisses Entgelt das Recht erwerben, in nordkoreanischen Fischgründen zu fischen. Dazu ziehen sie dann neben ihrer chinesischen auch noch eine nordkoreanische Flagge auf. Diese Geschäfte werden aber nicht direkt mit der nordkoreanischen Seite abgewickelt, sondern mit „Firmen“, die in einem chinesischen Bericht unter den Oberbegriff „Bang Ting“ gefasst werden. Diese sind in „unterschiedlichen maritimen Gebieten Nordkoreas aktiv, aber wohl besonders in Dandong und haben einen direkten über die Grenze hinweg. Interessant finde ich dabei, die Tatsache, dass die Fischer, die die Rechte gekauft haben, „markiert“ sind, denn diese Markierung dürfte ja dann sozusagen als Schutz vor den Übergriffen der nordkoreanischen Militärs dienen und vermutlich wirkt das auch unabhängig davon, ob die Nordkoreaner das Boot jetzt in chinesischen oder in nordkoreanischen Gewässern aufbringen. Es werden also nicht nur Fischereirechte verkauft, sondern auch Schutz. Naja und wie das heißt, wenn man Entgelt für Schutz bezahlt, das weiß man ja aus den guten alten Mafiafilmen…

Bang Ting: Grenzübergreifende Vermittler in jeder Lebenslage…

Der Draht der Bang Ting nach Nordkorea geht aber nicht nur soweit, dass die jeweiligen Firmen den chinesischen Fischern Schutz verkaufen, sondern sie treten daneben auch als Vermittler auf, wenn es zur Festsetzung chinesischer Boote kommt. Dann scheinen sie die Lösegeldübergabe abzuwickeln und eben alles „Geschäftliche“ zu regeln. Daneben wird aber auch berichtet, dass die Firmen für den Verkauf von Booten von China nach Nordkorea zuständig seien. Auch würde Gerät und technische Ausrüstung, das häufig durch die Nordkoreaner von den festgesetzten Booten gestohlen würde, später wieder in Dandong auf anderen Schiffen auftauchen. Dies wird zwar nicht eindeutig den „Bang Ting“ zugeschrieben, aber da sie ja scheinbar so ziemlich für alle Vermittlungsaufgaben über die Grenze hinweg zuständig sind, dürfte ihnen auch hier eine Rolle zukommen.

In meinen Ohren klingt das…somalisch

Was man jetzt davon halten soll, kann man sich jeweils selber überlegen. Da werden von nichtstaatlichen Organisationen Fischereirechte und Schutz verkauft, da wird Schwarzgehandelt und es werden Schiffe und Menschen entführt und gegen Lösegeld freigelassen, also wenn das nicht in Nordkorea, sondern in Somalia passieren würde, dann gäbe es dafür einen altbekannten Namen.
Was man in China davon hält, sagt erstaunlich offen die Global Times:

When Yu’s story was confirmed by Chinese foreign ministry on May 20, online reports hinted that Chinese criminal organizations in the bordering areas have linked up with the North Korean military.
But while fishing boat owners know about the connection, they are very reluctant to talk.

[Als Yu’s Geschichte am 20. Mai vom Außenministerium bestätigt wurde, gab es in Online-Berichten Hinweise darauf, dass kriminelle Vereinigungen aus China sich im Grenzgebiet mit dem nordkoreanischen Militär zusammengetan hätten.
Während Fischerbootsbesitzer um diese Verbindungen wissen, sind sie allerdings sehr zurückhaltend damit, darüber zu sprechen.]

Da scheint sich an der Grenze eine Art mafiöses Piratennetzwerk aus chinesischen kriminellen und nordkoreanischem Militär gebildet zu haben, das unter Duldung chinesischer wie nordkoreanischer Behörden (denn sonst wäre das Spiel wohl schnell am Ende) die Hoheitsrechte Nordkoreas privatisiert zu haben scheint und die chinesischen Fischer, deren teils nicht ganz astreines Verlangen nach dem grüneren Gras auf der anderen Seite des Längengrads sie in eine schwierige Rechtsposition bringt, nach allen Regeln der Piratenkunst ausbeutet.
Für die nordkoreanische Regierung heißt das zwar einerseits, dass man ein bisschen was an Militärausgaben und Geschenken für die dortigen Kommandeure einsparen kann (schließlich haben  die eigenen lukrative Einnahmequellen), andererseits hat man aber nicht die volle Kontrolle über das eigene Territorium, man lässt der Korruption ihren Lauf und man sieht weg, wo unabhängige kriminelle Strukturen entstehen. Dass das problematisch werden kann, zeigt die Tatsache, dass nun schon zweimal binnen eines Jahres die nordkoreanisch-chinesischen Beziehungen durch das Agieren dieses kriminellen Netzwerkes beeinträchtigt wurden. Man hat im Grenzgebiet also einen unkontrollierbaren außenpolitischen Spieler entstehen lassen, der zwar nicht den Anspruch erhebt Außenpolitik zu machen, der aber durchaus in der Lage ist, die außenpolitischen Interessen Nordkorea durch sein Handeln zu schädigen.

Wieder nordkoreanisches Schiff befreit: Nordkorea ist bei der Piratenbekämpfung scheinbar effektiver als die EU NAVFOR


Lange nichts mehr gehört von Piraten und wehrhaften Besatzungen auf nordkoreanischen Schiffen (Was auch ein bisschen an mit liegt, die Story ist nämlich nicht brandneu, sondern schon ne Woche alt, aber trotzdem so interessant, das ich sie euch nicht vorenthalten will). Da kommt es doch passend, dass die Besatzung des unter nordkoreanischer Flagge fahrenden Frachtschiffes MV Rim, das sich seit vier Monaten in der Hand somalischer Piraten befunden hatte, sich mal wieder als besonders wehrhaft erwiesen hat.

Wie ich eben über NK News.org gesehen habe, soll die Crew (scheinbar keine Nordkoreaner sondern Syrer) die somalischen Piraten scheinbar im Schlaf überwältigt (es wird auch vom Tod einiger der Piraten berichtet, ohne das nähere Angaben gemacht werden) und das Schiff wieder in die eigene Gewalt gebracht haben. Das der EU NAVFOR angehörige Kriegsschiff SPS Victoria entsandte dann auf einen Hilferuf der MV Rim hin einen Hubschrauber, der die Piraten verjagte, die der RIM mit einem anderen gekaperten Schiff nachsetzten.

Nach der Befreiung des Schiffs gab es Spekulationen über die Art der Fracht, die in verschiedenen Fakten begründet liegen. Da war einerseits eine Lösegeldforderung von 3 Millionen US-Dollar, die bei der offiziell als Lehm deklarierten Ladung des Schiffes, das angeblich auf seiner letzten Fahrt war, recht illusorisch ist. Andererseits sind die Besitzverhältnisse des Schiffes recht, nunja, fadenscheinig. Angeblich soll das Schiff noch einem libyschen Geschäftsmann gehören, aber es wird eben auch berichtet, dass das (nicht versicherte) Schiff durch Nordkorea erworben wurde. Alles ein bisschen mysteriös und da verwundert es nicht, dass die eine oder andere Spekulation über die Art der Ladung laut wird. Allerdings können manche Gerüchte mittlerweile wohl ausgeschlossen werden, da die Crew das Schiff an die NAVFOR übergeben hat, womit ein Waffentransport für Jemen wohl ausgeschlossen werden kann. Nicht ausgeschlossen werden kann allerdings, dass das Schiff etwas in Somalia ausgeladen hat.

Jedoch bewegt man sich mit dieser Spekulation in sehr seichten Gewässern und das ist ja, gerade dann wenn Somalia im Spiel ist, nicht eben ungefährlich!

Nordkoreanisches Schiff wehrt Piratenüberfall ab


Verschiedene Medien berichten, dass es am Horn von Afrika vorgestern erneut zu einem Überfall somalischer Piraten auf ein nordkoreanisches Schiff gekommen sein soll. Die MV Chol San Bong Chong Nyon Ho, ein unter nordkoreanischer Flagge segelndes Frachtschiff, das von der ebenfalls nordkoreanischen Magnolia MGA Shipping Co. Ltd. betrieben zu werden scheint soll vor der Küste Kenias nahe der Seegrenze zu Somalia von mehreren Piratenbooten attackiert worden sein. Der schwere Angriff soll unter anderem mit Panzerfäusten durchgeführt worden sein. Jedoch gelang es der Crew die Piraten daran zu hindern, das Schiff zu entern. Hierbei sollen neun Besatzungsmitglieder des Schiffes teilweise schwer verletzt worden sein. Die Attacke ist der jüngste einer ganzen Reihe von ähnlichen Angriffen. Auch in diesem Fall wird wieder deutlich, dass nordkoreanische Seeleute offensichtlich nicht bereit sind, ihre Schiffe kampflos preiszugeben. Dementsprechend kommt es bei Piratenüberfällen auf nordkoreanische Schiffe immer wieder zu Verletzten und Toten.

Schiff mit nordkoreanischer Crew von somalischen Piraten freigelassen


Ich hab mich ja vor ein paar Wochen mit nordkoreanischen Schiffen im weiteren Sinne beschäftigt, die vom derzeit wohl berühmtesten Wirtschaftszweig Somalias betroffen waren. Der Piraterie. Scheinbar ist nun ein solches Schiff, die MV Theresia VIII, ein Chemietanker der unter der Flagge der Virgin Inseln fuhr und von einem singapurischen Unternehmen betrieben wurde, gegen Zahlung eines Lösegeldes von 3,5 Millionen US Dollar freigekommen. Nordkoreanisch im weiteren Sinne ist das Schiff, das sich seit dem November letzten Jahres in der Hand der Piraten befand, weil die 28 köpfige Besatzung aus Nordkorea kommt (Dass das eigentlich nicht besonders „nordkoreanisch“ ist, hindert manche Medien aber nicht daran, das Schiff in seiner Gesamtheit als „nordkoreanisches Schiff“ zu deklarieren). Während der Kaperung war der Kapitän der Theresa ums Leben gekommen. Ob auch er aus Nordkorea stammt bleibt unklar.

Aber wer weiß, vielleicht konnte die Crew während ihres Aufenthaltes bei den Piraten ja Geschäftskontakte schließen. Schließlich haben beide Seiten etwas, das die jeweils Andere braucht. Die Piraten Geld und die Nordkoreaner, also nicht die Crew aber ihr geliebter Führer, Waffen.

Was Nordkorea mit Piraten gemeinsam hat und wieso sie trotzdem nicht miteinander klarkommen.


Eigentlich sollte man ja denken, dass sich Nordkoreaner und Piraten super verstehen. Sind ja beide ziemlich böse und ärgern permanent die Weltgemeinschaft, die in beiden Fällen nicht so recht weiß, wie sie das Problem angehen soll. Dem ist aber eindeutig nicht so. Vorgestern wurde vor der Küste Somalias das nordkoreanische Frachtschiff MV Rim von Piraten gekapert. Das unter libyscher Flagge fahrende Schiff ist damit das Zweite nordkoreanische, dass in der Hand somalischer Piraten ist. Im November 2009 wurde der unter nordkoreanischer der Flagge Kiribatis (Vielen Dank für den Hinweis Werner) segelnde Chemietanker MV Theresia VIII, der eine hauptsächlich nordkoreanische Crew hatte, überfallen und liegt seitdem vor der somalischen Küste (angeblich soll der Kapitän des Schiffes bei diesem Überfall ums Leben gekommen sein). Diesen beiden erfolgreichen Kaperungen stehehen drei fehlgeschlagenen Attacken gegenüber, die zum Teil mit massiver Gewalt der Schiffsbesatzungen zurückgeschlagen wurden. So wurden im Oktober 2007 mehrere Piraten getötet, als die nordkoreanische Besatzung der MV Dai Hong Dan ihr Schiff zurückeroberte. Die Piraten wurden in der Folge von einem US amerikanischen Kriegsschiff in Gewahrsam genommen. Im Mai 2009 schreckten Piraten nach dem Einsatz eines südkoreanischen Helikopters, der dem nordkoreanischen Frachter Da Bak Sol zur Hilfe kam, vor einem Angriff zurück und erst vor im Januar diesen Jahres konnte die Besatzung der, unter nordkoreanischer Flagge fahrenden, Napht Al Yemeni 1 einen Überfall abwehren. Die Piraten wurden dann später von einem in der nähe befindlichen US Zerstörer in Gewahrsam genommen.

Ganz schön viele nordkoreanische Schiffe, die da scheinbar vor Somalias Küste vorbeifahren, wenn man bedenkt, dass das Land eigentlich kaum nennenswerten Außenhandel hat außer mit China und Südkorea und dann noch n bisschen mit einigen südostasiatischen Staaten und Russland. Naja, aber erstmal ist es natürlich schwer zu sagen, was der Ausdruck „nordkoreanisches Schiff“ bedeutet. Ich muss zugeben, dass diese ganze Schifffahrtssache schon immer ein bisschen unverständlich war. Es gibt Schiffe die fahren unter nordkoreanischer Flagge, aber sonst scheint da nicht viel nordkoreanisches dran zu sein (wie die Napht Al Yemeni1), dann gibt es Schiffe die unter libyscher Flagge fahren und Libyern gehören, aber scheinbar nordkoreanische Fracht transportieren wie die MV Rim und dann gibts scheinbar noch Schiffe, die aus Nordkorea kommen, nordkoreanische Fracht transportieren und eine nordkoreanische Besatzung haben. Aber da ich wie gesagt nicht wirklich Ahnung davin habe, mach ichs mir einfach und halts wie die Medien, indem ich die alle als nordkoreanische Schiffe in einen Topf werfe.

Aber nochmal zurück zu der großen Zahl nordkoreanischer Schiffe, die vor Somalia in Schwierigkeiten mit Piraten kommen. Zurzeit werden in Somalia zwölf Schiffe festgehalten. Zwei davon nordkoreanischer Herkunft. Viel, oder. Ok, das ganze relativiert sich etwas, wenn man in Betracht zieht, dass im Jahr 2009 über 200 Angriffe vor der Küste Somalias stattfanden und nur 2 nordkoreanische Schiffe betrafen. Aber 1 Prozent ist für nordkoreanische Verhältnisse immer noch nicht wenig (Ich glaube in Pjöngjang würde man Freudensprünge machen, wenn das der nordkoreanische Anteil am Welthandel wäre). Aber neben diesen überraschenden Zahlen sind bei der ganzen Geschichte noch mehr Sachen auffällig. Erstens scheinen die nordkoreanischen Besatzungen ihre Schiffe nur sehr ungern aus der Hand zu geben. In drei der Fünf Fälle gab es handfeste Auseinandersetzungen und in zweien Tote. Zweitens wird die Informationslage, wenn es darum geht was die Schiffe transportiert haben, immer sehr dürftig. Drittens sind erstaunlich oft amerikanische oder südkoreanische Schiffe zur Stelle, um den Nordkoreanern zu helfen.

Wenn man an „Nordkorea“ und „Schiffe“ denkt, dann fallen einem recht schnell noch andere Geschichten ein, die nichts mit Piraten zu tun haben. Zum Beispiel von einem Schiff dass, vollbeladen mit Waffen (angeblich für den Iran), in den Vereinigten Arabischen Emiraten beschlagnahmt wurde. Oder von der Kang Nam, die nachdem sie etwas zu eng von US Kriegsschiffen überwacht wurde, auf hoher See umkehrte und in die Heimat zurückfuhr. Oder aber von einigen nordkoreanischen Schiffen, die wiederholt in Häfen Myanmars „Schutz vor schlechtem Wetter“ suchen mussten, bei den Gelegenheiten aber vermutlich auch Ladung ausluden.

Die Frage ist nur, was das alles bedeutet. Also erstmal offensichtlich, dass Nordkorea wohl öfter mal Wahren in die Region liefert, dass amerikanische Schiffe dann aufmerksam aufpassen und das man nie so genau weiß was transportiert wird. Ob die Schiffe in Verbindung mit irgendwas illegalem stehen? Man weiß es nicht. Aber wenn in der nächsten Zeit noch mehr Nordkoreanische Schiffe in der Gegend aufgebarcht, oder aber von, sich zufällig in der Nähe aufhaltenden amerikanischen Kriegsschffen gerettet werden, dann fände ich den Gedanken nicht unpassend, dass da irgendwas im Busch sein könnte.

Vorgestern wurde vor der Küste Somalias das nordkoreanische Frachtschiff MV Rim von Piraten gekapert. Das unter libyscher Flagge fahrende Schiff ist damit das Zweite nordkoreanische, das in der Hand somalischer Piraten ist. Im November 2009 wurde der unter nordkoreanischer Flagge segelnde Chemietanker MV Theresia VIII überfallen und liegt seitdem vor der somalischen Küste (angeblich soll der Kapitän des Schiffes bei diesem Überfall ums Leben gekommen sein). Diesen beiden erfolgreichen Kaperungen stehen drei fehlgeschlagene Attacken gegenüber, die zum Teil mit massiver Gewalt der Schiffsbesatzungen zurückgeschlagen wurden. So wurden im Oktober 2007 mehrere Piraten getötet, als die nordkoreanische Besatzung der MV Dai Hong Dan ihr Schiff zurückeroberte. Die Piraten wurden in der Folge von einem US-amerikanischen Kriegsschiff in Gewahrsam genommen. Im Mai 2009 schreckten Piraten nach dem Einsatz eines südkoreanischen Helikopters, der dem nordkoreanischen Frachter Da Bak Sol zur Hilfe kam, vor einem Angriff zurück und erst vor im Januar diesen Jahres konnte die Besatzung der, unter nordkoreanischer Flagge fahrenden, Napht Al Yemeni 1 einen Überfall abwehren. Die Piraten wurden dann später von einem in der Nähe befindlichen US Zerstörer in Gewahrsam genommen.

Ganz schön viele nordkoreanische Schiffe, die da scheinbar vor Somalias Küste vorbeifahren, wenn man bedenkt, dass das Land eigentlich kaum nennenswerten Außenhandel hat außer mit China und Südkorea und dann noch n bisschen mit einigen südostasiatischen Staaten und Russland. Naja, aber erstmal ist es natürlich schwer zu sagen, was der Ausdruck „nordkoreanisches Schiff“ bedeutet. Ich muss zugeben, dass diese ganze Schifffahrtssache schon immer ein bisschen unverständlich war. Es gibt Schiffe die fahren unter nordkoreanischer Flagge, aber sonst scheint da nicht viel nordkoreanisches dran zu sein (wie die Napht Al Yemeni1), dann gibt es Schiffe die unter libyscher Flagge fahren und Libyern gehören, aber scheinbar nordkoreanische Fracht transportieren (wie die MV Rim) und dann gibts scheinbar noch Schiffe, die aus Nordkorea kommen, nordkoreanische Fracht transportieren und eine nordkoreanische Besatzung haben. Aber da ich wie gesagt nicht wirklich Ahnung davon habe, mach ichs mir einfach und halts wie die Medien, indem ich die alle als „nordkoreanische Schiffe“ in einen Topf werfe.

Aber nochmal zurück zu der großen Zahl nordkoreanischer Schiffe, die vor Somalia in Schwierigkeiten mit Piraten kommen. Zurzeit werden in Somalia zwölf Schiffe festgehalten. Zwei davon nordkoreanischer Herkunft. Viel, oder? Ok, das ganze relativiert sich etwas, wenn man in Betracht zieht, dass im Jahr 2009 über 200 Angriffe vor der Küste Somalias stattfanden und nur 2 nordkoreanische Schiffe betrafen. Aber 1 Prozent ist für nordkoreanische Verhältnisse immer noch nicht wenig (Ich glaube in Pjöngjang würde man Freudensprünge machen, wenn das der nordkoreanische Anteil am Welthandel wäre). Aber neben diesen überraschenden Zahlen sind bei der ganzen Geschichte noch mehr Sachen auffällig. Erstens scheinen die nordkoreanischen Besatzungen ihre Schiffe nur sehr ungern aus der Hand zu geben. In drei der Fünf Fälle gab es handfeste Auseinandersetzungen und in zweien Tote. Zweitens wird die Informationslage, wenn es darum geht was die Schiffe transportiert haben, immer sehr dürftig. Drittens sind erstaunlich oft amerikanische oder südkoreanische Schiffe zur Stelle, um den Nordkoreanern zu helfen.

Wenn man an „Nordkorea“ und „Schiffe“ denkt, dann fallen einem recht schnell noch andere Geschichten abseits von Piraterie ein. Zum Beispiel von einem Schiff dass, vollbeladen mit Waffen (angeblich für den Iran), in den Vereinigten Arabischen Emiraten beschlagnahmt wurde. Oder von der Kang Nam, die nachdem sie etwas zu eng von US Kriegsschiffen überwacht wurde, auf hoher See umkehrte und in die Heimat zurückfuhr. Oder aber von einigen nordkoreanischen Schiffen, die wiederholt in Häfen Myanmars „Schutz vor schlechtem Wetter“ suchen mussten, bei den Gelegenheiten aber vermutlich auch Ladung ausluden.

Die Frage ist nur, was das alles bedeutet. Also erstmal offensichtlich, dass Nordkorea wohl öfter mal Wahren in die Region liefert, dass amerikanische Schiffe dann aufmerksam aufpassen und das man nie so genau weiß was transportiert wird. Ob die Schiffe in Verbindung mit irgendwas Illegalem stehen? Man weiß es nicht. Aber wenn in der nächsten Zeit noch mehr nordkoreanische Schiffe in der Gegend aufgebracht, oder aber von, sich zufällig in der Nähe aufhaltenden amerikanischen Kriegsschiffen gerettet werden, dann fände ich den Gedanken nicht abwegig, dass da irgendwas im Busch sein könnte.

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