Ein Bild von Nordkorea (II): Perspektiven auf die Stadt


Heute habe ich seit längerem nochmal etwas mehr Zeit und kann mich daher auch mal den erfreulichen Dingen des Lebens widmen. Zum Beispiel ein paar Fotos angucken und verlinken. Kurz, ich setze heute die Serie fort, die ich vor gut zwei Wochen angefangen habe. Es hat mir damals viel Spaß gemacht und eben bei der Auswahl der Bilder habe ich gemerkt, dass es mir auch heute wieder Spaß machen wird.

Vielen Dank auch an diejenigen, die letztes Mal kommentiert haben und ihre Meinung oder ihr Wissen mit mir und dem Rest der Leser geteilt haben. Das fand ich super und ich würde mich freuen, wenn sich auch dieses Mal wieder einige bereichernde Kommentare von euch finden würden.

Alle Rechte an allen folgenden Bildern liegen bei Marc Ucker.

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Blick über die Stadt

Dieser Blick über Pjöngjang ist wohl nicht angetan, Begeisterungsstürme auszulösen und vielleicht ist man schnell dabei, sich irgendwelche Kommentare zu sozialistischer Baukultur abzugeben.
Aber in einer Stadt, die vom Koreakrieg nachhaltig eingeebnet wurde und das kann man glaube ich wörtlich nehmen, muss eben in erster Linie mal Wohnraum geschaffen werden. In unseren Breiten sind Städte die ähnlich kaputt waren auch nicht viel schöner, nur etwas moderner.

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Pjöngjang in Fotopose II

Aber apropos modern: Wenn dann mal was modern Aussehendes gebaut wird, dann finden wir das irgendwie auch wieder nicht gut. Schließlich wissen wir alle: Nordkorea ist ein armes Land und arme Länder sollen arm aussehen, daher sind vergammelte Platten genau das was wir uns wünschen.
Mal ganz abgesehen davon frage ich mich allerdings, ob so runde Häuser besonders praktisch sind. Hat man da auch gleich runde Möbel für gezimmert? Ich gestehe, bei architektonischen Fragen bin ich ganz zeitgeistig ein Verfechter von „quadratisch – praktisch – gut“.

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Symmetrie

Schon besser! Und symmetrisch ist auch noch alles.
Symmetrien sind allerdings selten ein Selbstzweck. Da ich aber am anderen Ende des Bildes keinen Fluchtpunkt erkenne, auf den die Symmetrie zuläuft, ist der Punkt von dem aus das Bild aufgenommen wurde, wohl der Fluchtpunkt auf den alles zuläuft.
Das Schöne an einer Symmetrie: So hässlich die Sachen, aus der sie sich zusammensetzt auch sind (obwohl „quadratisch – praktisch – gut!“), sie selbst bleibt trotzdem irgendwie ansprechend.

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Hinter all diesen Fenstern

Ein unspektakuläres Bild. Wohl wahr. Aber irgendwie auch wieder nicht.
Denn eigentlich besteht es ja nur aus Fenstern. Überall Fenster. Und irgendwie sind bestimmt hinter all diesen Fenstern Leute. Das ist was, was Nordkorea mit dem Rest der Welt gemein hat. Es gibt viele Fenster und hinter den Fenstern sind Leute. Und die Leute sind bestimmt irgendwie Leute wie du und ich…

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Erstaunlich: An dieses Lied hab ich bestimmt schon  seit acht Jahren nicht mehr gedacht. Und obwohl ich es nie besonders gut, mitunter sogar richtig nervig fand, jetzt finde ich es irgendwie passend. Nicht nur wegen des Album-Titels…

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Symmetrie 2

Und wenn wir schonmal bei Fenstern sind. Hier noch mehr. Sieht richtig schön sozialistisch aus. Und symmetrisch.
Weshalb in dem niedrigsten sichtbaren Geschoss wohl Gitter angebracht sind? Entweder es gibt dort extrem tieffliegende Tauben, die man so abhalten will, oder die Leute wollen ihren Teil des Volkseigentums eindeutig von den Teilen der anderen abschirmen, damit nicht am Ende wirklich einer auf die Idee kommt, das was in der Wohnung dieser Leute steht, gehöre auch ihm. Vermutlich ist etwas entsprechendes schonmal vorgekommen, sonst würde man doch garnicht auf diese Idee kommen.

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Da geht noch was

Noch ein unspektakuläres Bild, aber irgendwie auch wieder nicht.
Weil irgendwie kam mir, sofort als ich es gesehen habe die Idee: „Da geht noch was!“. Was genau? Keine Ahnung, es wäre zum Beispiel noch Platz für ein paar Autos. Dann gäbe es mal einen vernünftigen Stau. Das wäre doch mal was, oder? Naja, eigentlich braucht es ja keinen Stau.

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Nightfall

Und wer weiß, wenn es mal ein paar ordentliche Staus gäbe, dann würde es vielleicht nicht mehr nur so aussehen, als würde der Smog über der Stadt stehen.
Naja sei’s drum. Ich finde dieses Bild irgendwie abgefahren. Sieht aus, als wäre es aus meinem Traum ausgebrochen. Weiß nicht, ob das ein guter Traum war, aber irgendwie surreal kommt mir das alles rüber.

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Pjöngjang in Fotopose

Allerdings glaube ich, dass die nordkoreanischen Gastgeber dashier eher als einen gelungenen Schnappschuss verstehen würden. Ich meine, natürlich kann man nicht gerade sagen, die Stadt würde in einem Lichtermeer strahlen, aber die Fassadenbeleuchtung sieht doch irgendwie modern aus. Insgesamt würde ich bei diesem Bild, wenn die Kims nicht in der Mitte strahlen würden (im doppelten Sinn), nicht unbedingt als erstes an Nordkorea denken.

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Feierlaune

Und wenn wir schonmal bei „gelungenen Schnappschüssen“ sind. Dashier wäre wohl auch mit Wohlwollen betrachtet worden. Schließlich sieht man die richtigen Seiten der Häuser, wo die Fassaden schön frisch getüncht sind und die Girlanden schön wehen.

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Ein Farbklecks

Hier dagegen bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich mein, hier sieht ja nicht nur das Wetter trist aus. Es gibt zwar einen Farbklecks, den man mit Wohlwollen betrachten kann, aber der vermittelt eigentlich nur den Eindruck, man sei nicht ganz fertig geworden. Aber naja, die Geste zählt!

Update (12.02.2013): Was Nordkorea mit Deutschland gemeinsam hat und warum ich ein paar Tage weg bin


Update (12.02.2013):                            Fyi:

Pyongyang, February 12 (KCNA) — The Korean Central News Agency released the following report on Tuesday:

The scientific field for national defence of the DPRK succeeded in the third underground nuclear test at the site for underground nuclear test in the northern part of the DPRK on Tuesday.

The test was carried out as part of practical measures of counteraction to defend the country’s security and sovereignty in the face of the ferocious hostile act of the U.S. which wantonly violated the DPRK’s legitimate right to launch satellite for peaceful purposes.

The test was conducted in a safe and perfect way on a high level with the use of a smaller and light A-bomb unlike the previous ones, yet with great explosive power. It was confirmed that the test did not give any adverse effect to the surrounding ecological environment.

The specific features of the function and explosive power of the A-bomb and all other measurements fully tallied with the values of the design, physically demonstrating the good performance of the DPRK’s nuclear deterrence that has become diversified.

The nuclear test will greatly encourage the army and people of the DPRK in their efforts to build a thriving nation with the same spirit and mettle as displayed in conquering space, and offer an important occasion in ensuring peace and stability in the Korean Peninsula and the region.

Wie gesagt: Ich bin gerade für ein paar Tage unterwegs. Frühestens gibt es was von mir am Donnerstag oder Freitag. Aber ihr seid herzlich eingeladen darüber zu diskutiren, zu kommentieren oder hinzuweisen. Ich werde zusehen, dass ich ab und zu moderieren kann.

Ursprünglicher Beitrag (10.02.2013): Ich wollte mich nur kurz für ein paar Tage abmelden (was ich eigentlich nicht tun würde, wenn ich es nicht für möglich hielte, dass man Anfang der Woche in Nordkorea einen Nukleartest durchführen würde und ihr vielleicht danach verwundert gewesen sein würdet, wenn ich dann nichts dazu zu sagen gehabt haben würde (ich glaube ich habe hier ein falsches Tempus gewählt, aber die Mischung aus Konjunktiv und Futur III hat mich einfach zu sehr gereizt…)) und daran ein paar kleine Gedanken über Basisfunktionen von politischen Systemen anschließen und dass diese Funktionen sich in ihrer Umsetzung manchmal ähnlicher sind, als man das denken mag (es sind keine bahnbrechenden Erkenntnisse, aber ich fand es irgendwie interessant darüber nachzudenken).

Ein Berlintrip

Der Grund meiner angekündigten Abwesenheit ist ein Besuch in der Bundeshauptstadt. Und zwar in der eben genannten Hauptstadtfunktion. Ich fahre nach Berlin und besuche meinen Abgeordneten. Das finde ich ganz interessant, weil man einige Einblicke in den Politikbetrieb erhält und einige Zugänge, die sonst ein bisschen schwieriger zu realisieren sind. Schön daran ist auch, dass ich eigentlich nichts zu organisieren brauch. Es ist quasi alles inklusive und das ist eine Erfahrung, die ich sonst auf egal welchen Reisen nicht kenne. Weiterhin — und das ist für mich ein sehr zentraler Punkt —  ist die Reise sehr, sehr kostengünstig. Organisiert und getragen wird das Ganze vom Bundespresseamt, das dazu schreibt:

Das Bundespresseamt betreut auch die Besucherinnen und die Besucher der Bundestagsabgeordneten. Jede und jeder Abgeordnete kann jährlich drei Besuchergruppen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen. Das sind 105.000 Bürgerinnen und Bürger im Jahr. Feste Programmpunkte dieser Besuche sind neben Gesprächen mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages Termine im Bundeskanzleramt, im Bundespresseamt und in den Ministerien. Darüber hinaus führen diese Informationsreisen in Museen und Gedenkstätten zur neueren deutschen Geschichte.

Ich halte das Ganze für eine gute Sache, nicht nur, weil  ich günstig nach Berlin kommen und nebenbei ein paar Freunde besuchen kann, sondern auch, weil das ein bisschen auch eine Aufgabe einer Demokratie ist, wie ich sie verstehe. Die gewählten Repräsentanten und die Regierung müssen den Bürgern zeigen, was sie machen (also Transparenz und Verantwortlichkeit zeigen) und sie müssen den Menschen Zugang gewähren, soweit das möglich ist. Die Besuchsreisen die das Bundespresseamt veranstaltet kann man unter diesem Gesichtsprunkt sicherlich gutheißen.

Eine kleine Assoziation

Allerdings kam mir im Vorfeld des Trips noch eine andere Assoziation. Ich erinnerte mich an eine Reihe von Artikeln, die Ende 2011 bei KCNA erschienen  und die ich damals ganz witzig fand. Die überschriften lauteten immer irgendwie so wie: Jagang Provincial Innovators Arrive in Pyongyang und es ging eigentlich immer darum, dass Innovatoren aus verschiedenen Provinzen oder Fabriken nach Pjöngjang kamen und dort dann verschiedene Orte besucht haben.

Irgendwie dachte ich dann jedenfalls: Ist ja garnicht so unähnlich. Die Regierung holt Leute aus der Provinz in die Hauptstadt und verwöhnt sie da ein bisschen. Nungut: Ich würde mich jetzt nicht unbedingt als Innovator bezeichnen (obwohl ich den Titel Innovator schon ziemlich cool finde), so viele Orden wie der durchschnittliche Teilnehmer aus der nordkoreanische Reisegruppe habe ich auch nicht zu bieten und auch einen so herzlichen Empfang wie er den Nordkoreanern in Pjöngjang zuteilwurde, kann ich mir nicht erhoffen. Aber wenn man ein bisschen abstrahiert, dann finden sich im Endeffekt schon ein paar Überschneidungen.

Die Gemeinsamkeiten

In beiden Fällen gehören der Reisegruppe irgendwie privilegierte Menschen an. In Nordkorea ist es selbstredend und in Deutschland hat man es sich recht schnell erschlossen. Es wird wohl selten der Fall sein, dass da jemand mitfährt, der nicht irgendwie Zugang zu seinem Abgeordneten oder einer „wichtigen“ Gruppe hat. Also wohl hauptsächlich Leute, die irgendwie aktiv am politischen Prozess partizipieren. Träger des Systems auf einer untergeordneten Ebene. In Nordkorea das Gleiche. Diese Leute werden dann in beiden Ländern die Hauptstadt gebracht und vom System gut behandelt. Man bekommt etwas geschenkt, nur weil man Teil eines Systems ist. Das ist sowas wie eine kleine Machtdemonstration. Wenn ich als kleines Licht, dessen Leistungen bisher begrenzt waren (nungut, die Leistungen der nordkoreanischen Innovatoren dürften ein bisschen größer gewesen sein, als die der durchschnittlichen deutsche Gruppe), schon jetzt einfach so ein Geschenk gemacht bekomme, was muss denn dann noch auf mich warten, wenn ich mal bedeutender werde? Gleichzeitig demonstriert die Einladung Anerkennung: Du bist wichtig für das System und das würdigen wir.

Deshalb kann man sagen, dass beide Systeme, so grundverschieden sie auch sein mögen, hier irgendwie das selbe tun. Sie binde die potentiellen Eliten an sich und fördern damit ihre Reproduktionsfähigkeit. Sie stärken die Zufriedenheit der Eliten und garantieren so, dass das System auch weiterhin über ausreichend Träger verfügt. Sie binden die Provinz an sich und stützen damit den regionalen Zusammenhalt des Landes. Irgendwie legen sie auch Rechenschaft über ihre Arbeit ab, indem sie den Besuchern demonstrieren, was sie in der Hauptstadt geleistet und aufgebaut haben und wie ihre politische Arbeit funktioniert. Durch den Besuch von Orten politisch/ideologischer Bedeutung werden die Besucher auch an die Ideenwelt des Systems gebunden und es wird damit eine mentale Verbindung geschaffen.

Gleiche Zielsetzungen

Wie ich am Anfang bereits sagte, das sind jetzt keine bahnbrechenden Erkenntnisse oder so, aber ich fand die Idee doch irgendwie interessant, wie ähnlich manche Dinge in beiden Staaten funktionieren. Ich meine: Naklar. Es ist kein Geheimnis, dass auch in ihren Grundlagen sehr unterschiedliche politische Systeme mit gleichen Herausforderungen und Aufgaben umgehen müssen, um ihr Fortbestehen zu sichern und das ist oberstes Ziel jeden politischen Systems (auch wenn man bei Demokratien nicht so gerne darüber nachdenkt. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass unsere Verfassung es verbietet, ein undemokratisches System einführen zu wollen (und das finde ich auch gut so), aus diesem Gesichtspunkt also nicht besonders demokratisch ist (oder glaubt ihr, dass ihr jemals in einer demokratischen Abstimmung für die Abschaffung der Demokratie stimmen könnt?)). Aber in den wenigsten Fällen sehen sich die Lösungswege so ähnlich, wie in dem von mir beschriebenen.

Wenn‘s knallt, dann knallt‘s. Aber vielleicht knallt’s ja garnicht…

Naja, lange Rede kurzer Sinn: Sollte Nordkorea in den nächsten Tagen einen Test durchführen, dann müsst ihr euch erstmal anderweitig informieren. Aber vielleicht kommt ja auch garkein Test. Tad Farrell von NK News hat dazu eine interessante Analyse geschrieben, in der er die aktuelle Situation und die medialen Veröffentlichungen Pjöngjangs mit denen vor den Tests 2006 und 2009 vergleicht (wobei er leider ein paar wichtige Statements außen vor lässt) und zu dem Schluss kommt, dass die ganze aktuelle Hysterie auch eine strategische Finte Pjöngjangs sein könnte. Mich überzeugt er allerdings damit nicht wirklich. Ich warte erstmal weiter auf den Test. Bis dahin, oder vielleicht nicht, wünsche ich euch ein paar nette Tage…

„Reisetagebuch“ zum Besuch der deutschen Parlamentarier in Nordkorea


Update (15.06.2010): Passt zwar inhaltlich nicht hundertprozentig zu Kiesslers Artikelserie aber thematisch sehr gut zu der Reise der Parlamentarier an sich, daher schreib ichs kurz hier dazu: Der Interviewblog hat nach dem Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber nochmal nachgelegt und Frank Hantke von der Friedrich-Ebert-Stiftung, der ebenfalls zur Delegation der SPD gehörte, zu der aktuellen und künftigen Rolle der Stiftung in Nordkorea, seiner Einschätzung der aktuellen Situation und der Zukunft des Landes und den Chancen wirtschaftlicher Kooperation befragt. Das Interview ist etwas ausführlicher als das mit Kelber und Hantke betrachtet das Ganze von einem eher wissenschaftlichen Standpunkt aus. Schöne ergänzende Infos zu dem, was man bisher lesen konnte.

Durchaus ehrbar dass die Betreiber des Blogs sich die Mühe machen gleich mehrere Interviews zu Nordkorea zu führen und so helfen die Informationslage zu verbessern.

Ursprünglicher Beitrag (14.06.2010): Leider habe ich auch heute nicht soviel Zeit zum schreiben (aber morgen dürfte das besser werden), daher nur der relativ kurze Hinweis auf eine durchaus lesenswerte Artikelserie. Richard Kiessler, der zweite Journalist der die Parlamentarier der SPD begleitete, die vor etwa einem Monat nach Nordkorea eine Woche lang durch Nordkorea reisten, beschreibt seine Eindrücke in einem fünfteiligen „Reisetagebuch“. Auch wenn sich einiges wiederholt (von den Reisfeldern war Kiessler scheinbar irgendwie beeindruckt) gibt es ein paar interessante Infos die man in den anderen Berichten zu der Reise noch nicht lesen konnte. So beschreibt er kurz die offiziellen Gesprächstermine, die die Delegation wahrgenommen hat und geht etwas nähre auf die Besichtigungstermine in der Glasfabrik in Däan, dem Museum für Völkerfreundschaft und dem Staudamm am Dae Dong ein. Mein Herz hat er allerdings schon mit seinem zweiten Absatz gewonnen:

Über diese „letzte Festung des Kommunismus“ sind vielerlei Klischees verbreitet: Dort huschten ausgemergelte Menschen als graue Gestalten durch verschimmelte Hochhaus-Siedlungen, habe ich gelesen, dort lernten die Kinder mit Panzern und Raketen das Rechnen, dort wüssten die Menschen nicht, wie die Welt draußen aussieht, dort hantiere ein todkranker Weltklasse-Diktator mit Atombomben herum, für die er allerdings keine Raketen habe.

Warum? Wenn ihr den „Reisebericht“ gelesen habt, der ein Mitarbeiter der BILD Zeitung veröffentlicht hat wisst ihr es. Und irgendwie fand ich es sehr schön, dass Kiessler die „Fakten“ die der BILD-Mensch (ich habe seinen Namen vergessen (nein habe ich nicht, aber irgendwie finde ich es zuviel der Ehre für ihn, von mir nochmal erwähnt zu werden)) kurz als Klischees disqualifiziert (kleine Spitzen sind doch was feines).

Naja, was ich damit sagen will: Lest euch Kiesslers Bericht durch, lohnt sich. Bei den Artikeln sind auch noch Videoschnipsel (Handykammera vermutlich) mit begrenztem Informationsgehalt dabei, wenn man bewegte Bilder mag kann man sich die durchaus auch mal anschauen.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Weitere Reiseberichte könnt ihr in der Kategorie „Reiseberichte“ finden.

Nordkorea im mobilen Zeitalter: Das Handy als Gefahr oder Chance für Pjöngjang


Update II (22.10.2010): Eben habe ich durch zufall einen „Werbespot“ (oder was auch immer) gefunden, der über Nordkoreas Mobilfunknetz berichtet. Ich verstehe zwar nichts aber die Bilder sprechen für sich und das Ganze ist trotzdem interessant anzuschauen.

Update I (04.03): Yonhap berichtet über die öffentliche Erschießung eines Nordkoreaners nachdem ein Mobiltelefon mit chinesischer Sim Karte in seinem Haus entdeckt wurde. Dieses Vorgehen der Behörden belegt, dass die Handynutzung im Grenzgebiet zu China als Bedrohung gesehen und weiterhin radikal bekämpft wird.

Urspünglicher Beitrag (22.02): In unserer heutigen Welt spielen moderne Telekommunikationsmittel eine zunehmend prominente Rolle. Das Mobiltelefon ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Doch während es für uns eher eine Erleichterung im Alltag darstellt, die es uns ermöglicht, Tagesabläufe schneller zu planen und „freie“ Zeiten, z.B. in der Bahn, im Wartezimmer oder wo auch immer effizienter zu nutzen oder noch auf die Schnelle irgendwelche (mehr oder weniger wichtigen) Informationen einzuziehen (ob das begrüßenswert ist oder nicht, sei mal dahingestellt, Fakt ist, dass bei nicht gerade Wenigen ein gewisser Grad von Abhängigkeit zu ihrem Handy besteht), ist seine Bedeutung in anderen Regionen der Welt ganz anders einzuschätzen. Als Beispiel kann man hier den Iran nennen, in dem Handys für die Planung und Dokumentation der Protestveranstaltungen gegen die Regierung eine bedeutende Rolle gespielt haben, aber auch Länder Südostasiens, in denen Mobiltelefone wichtige Träger von SMS-Wahlkampagnen darstellen. Die Nutzung von Mobiltelefonen stellt gerade für solche Regierungen, die ihr Land autoritär regieren ein zweischneidiges Schwert dar. Den wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Chancen durch die Nutzung für die eigenen politischen Zwecke stehen Gefahren gegenüber, die aus der unerwünschten Nutzung von Mobiltelefonen durch Oppositionelle oder zumindest nicht linientreue Individuen oder Gruppen entstehen kann.

Auch in Nordkorea werden beide Seiten dieser Medaille deutlich. Einerseits scheint das Regime die Chancen der mobilen Telefonie für sich selbst und die wirtschaftlichen Entwicklung des Landes erkannt zu haben und versucht diese Potentiale nutzbar zu machen. Andererseits scheinen auch die Risiken nicht verborgen geblieben zu sein, so dass immer wieder scharf gegen die nicht der staatlichen Kontrolle unterliegende Handynutzung vorgegangen wird. Aufgrund dieser Tatsachen habe ich mich heute mal entschlossen, die Fakten über Handynutzung in Nordkorea zusammenzutragen und mich auch ein bisschen mit den Risiken und Perspektiven derselben auseinanderzusetzen.

Entwicklung des Mobilfunks in Nordkorea

Das bestehende Festnetzsystem in Nordkorea ist unter der strikten Kontrolle der Regierung (nicht autorisierte Telefonate werden zum Teil mit drakonischen Strafen belegt, die von Geldstrafen bis zur Einweisung in Arbeitslager reichen können), in großen Teilen veraltet (Verbindungen werden Teilweise noch manuell geschaltet, wie man es in Deutschland höchstens noch aus alten Filmen kennt) und Verbindungen ins Ausland bestehen nur sehr sporadisch (es bestehen direkte Verbindungen in 10 Länder). Für die Möglichkeit zu telefonieren, ohne dass der große Bruder über die Schulter schaut, scheint daher Zugang zur mobilen Telefonie notwendig zu sein. Schon Ende der 1990er Jahre begannen Pläne für die Einführung von Mobiltelefonen in Nordkorea. Jedoch führten die ersten Versuche unter südkoreanischer Beteiligung nicht zuletzt wegen einer Blockadehaltung der USA nicht zum Erfolg (Ein Patent der US Amerikanischen Firma Qualcomm auf CDMA Technologie in Verbindung mit Exportrestriktionen nach Nordkorea diente hier als Grund). Allerdings konnten die USA die Errichtung eines GSM-Netzes  nicht verhindern, da es hier keine hilfreichen Patente gab. Daher wurden seit 2002 Mobiltelefone in der SWZ Rajin-Songbon und der Tourismus Region im Kumgangsan eingeführt. Ab 2003 war Mobilfunk auch in Pjöngjang erhältlich, während zeitgleich an der chinesischen Grenze zunehmend Mobilfunkmasten aufgestellt wurden, die mobiles Telefonieren auch auf nordkoreanischem Gebiet ermöglichten (was offiziell allerdings nicht erlaubt war und ist). Im Jahr 2004 erreichte die Zahl offiziell registrierter Mobilfunknutzer 20.000. Mobiltelefone waren zu dieser Zeit für einen Preis zwischen 1.050 und 1.250 US Dollar zu erwerben, also für das gemeine Volk kaum erschwinglich. Dieses erste Aufblühen des Mobilfunkmarktes fand jedoch im Jahr 2004 ein jähes Ende, als die Nutzung von Handys untersagt und alle registrierten Mobiltelefone konfisziert wurden. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt, doch konstruieren Gerüchte einen Zusammenhang mit der schweren Explosion eines Zuges in Ryongchon (die wiederum von Gerüchten als versuchter Anschlag auf Kim Jong Il bewertet wird (wobei ich das Wort Gerüchte in diesem Fall eher so schreiben würde GERÜCHTE)), weiterhin wird darauf verwiesen, das Regime habe den Verlust der nahezu totalen Informationskontrolle gefürchtet. Die Nutzung des nach Nordkorea reichenden chinesischen Netzes ging allerdings trotz Gegenmaßnahmen der Regierung weiter.

Gute Zeiten für Vieltelefonierer gab es dann erst wieder im Jahr 2008. Nordkorea startete ein Joint Venture mit der ägyptischen Firma Orascom Telecommunications (Es gibt auch noch einen Orascom Hotel und einen Orascom Bau Zweig. Interessant dabei. Vor diesem Geschäft wurden im Rahmen eines anderen Deals nordkoreanische Arbeiter für Projekte des Orascom Bau Zweigs in den Mittleren Osten „verliehen“) bei dem 75 Prozent von Orascom gehalten werden und 25 Prozent die staatliche nordkoreanische Post- und Telekommunikationsgesellschaft. Orascom hat eine 25 Jahre Lizenz für ein GSM-Netz in Nordkorea und Exklusivrechte für vier Jahre. Das Unternehmen wollte bis zu 400 Millionen Dollar (über vier Jahre verteilt) in das Joint Venture investieren und strebte an, in den drei Pilotregionen 100.000 Kunden zu gewinnen. Ab Mai 2008 ging Orascom ans Netz, wozu unter anderem Antennen in den oberen Etagen der jahrelang als Wahrzeichen des ökonomischen Niedergangs Nordkoreas gesehenen Bauruine des Ryugyong Hotels aufgestellt wurden (Wiederum interessant: Mittlerweile wird das Hotel weitergebaut und ratet mal von wem. Genau, Orsacom Construction). (Diese ganzen Fakten hab ich aus einem Paper von Marcus Noland genommen, das ich jedem, der sich für Telekommunikation in Nordkorea interessiert nur empfehlen kann. Runterladen könnt ihr es hier.)

Vor kurzer Zeit kam dann die Meldung, Koryolink (so heißt das Joint Venture zwischen Orascom und Nordkorea) habe 100.000 Kunden gewonnen, wolle weiter expandieren und in den nächsten fünf Jahren „Millionen weiterer“ Kunden gewinnen. Man erwarte eine positive wirtschaftliche Entwicklung in Nordkorea und wolle davon profitieren. Zurzeit biete das Unternehmen nur Text- und Stimmdienste an, doch sei eine Ausweitung des Angebots zum Beispiel durch Auslandsgespräche und Roaming  denkbar. Die Preise für den Zugang sind mit um 200 Dollar zwar niedriger als beim vorherigen Anlauf, doch für Durchschnittsbürger noch immer nahezu unerschwinglich.

Risiken des Mobilfunks und Reaktionen aus Pjöngjang

An der chinesischen Grenze wird die Nutzung von Mobiltelefonen unterdessen mehr und mehr zur Normalität. Die Menschen wickeln Geschäfte über das Handy ab, bleiben miteinander in Kontakt oder informieren Aktivistengruppen wie die Betreiber von Daily NK oder die Good Friends über neueste Entwicklungen. Mittlerweile dringen zunehmende Mengen detaillierter Informationen über solche Kanäle nach außen, was dem Regime in Pjöngjang natürlich ein Dorn im Auge ist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Informationsfluss nicht auf einer Einbahnstraße verläuft und so auch immer mehr Informationen von Außen nach Nordkorea dringt. Weiterhin bestehen über diese Handys auch Möglichkeiten in der Bevölkerung, untereinander Informationen auszutauschen. Diese unkontrollierte Mobilfunknutzung entzieht die Bevölkerung mehr und mehr dem festen Griff des Regimes und ermöglicht zunehmende Eigenständigkeit. All dies führt dazu, dass Pjöngjang verstärkte Gegenmaßnahmen ergreift. So wurden Arbeiter mit dem Angebot eines Straferlasses aufgefordert, ihre Mobiltelefone abzugeben, ansonsten drohten schwere Strafen. In den Grenzgebieten werden Störsender installiert und Sicherheitskräften mit Peilsendern sind unterwegs, um Telefonnutzer zu ertappen. Weiterhin versuchte Pjöngjang (offensichtlich erfolglos) die chinesische Regierung dazu zu bewegen, die Aufstellung von Sendemasten nahe der nordkoreanischen Grenze zu unterbinden.

Während also das offizielle Koryolink Netz zurzeit nicht als Bedrohung gesehen wird, versucht das Regime, die Nutzung chinesischer Mobilfunknetze in der Grenzregion zu unterbinden. Scheinbar wird gerade in der Folge der Währungsreform hier eine Bedrohung gesehen. Auch könnte die Tatsache, dass immer mehr Informationen nach außen dringen, als es dem Regime lieb sein kann, die verstärkte Aufmerksamkeit des Regimes geweckt haben. Hier sind die Vorgänge rund um die Währungsreform sowie die Schweinegrippe als Beispiele zu nennen. Allerdings könnten diese Fakten auch Auswirkungen auf das Koryolink Netz haben, denn hier wird deutlich, wie schnell der Mobilfunk zu einem Verlust der totalen Informationshoheit des Regimes führen kann, was langfristig einen entscheidenden Kontrollverlust bewirken könnte. Da ich natürlich nicht über die konkrete Kontrolle informiert bin, die das Regime über das Koryolink Netz hat, ist es schwer hier Aussagen zu treffen. Jedoch scheinen mir sowohl unkontrollierte und -bare Kontakte ins Ausland wie auch ein unbegrenzter Zugang von Millionen Nutzern nahezu unmöglich. Das Regime in Pjöngjang schaut auch Nachrichten und wird über die jüngsten Vorgänge im Iran informiert sein. Da für das Regime, um mit Marcus Noland zu sprechen „prioritizing political over economic objectives“ ein entscheidendes Leitmotiv der Politik ist, dürfte auch in Zukunft beim offiziellen Mobilfunknetz ökonomische den Sicherheitsinteressen untergeordnet werden. Die Nutzer des chinesischen Netzes werden sich in Zukunft vermutlich noch stärkeren Repressionen und Drohungen ausgesetzt sehen. Und sollte die Stabilität des Regimes ernsthaft bedroht sein, habe ich keine großen Zweifel, dass man in Peking eine Abschaltung des Netzes nahe Nordkorea veranlassen wird. Als Träger von Veränderungen ist der Mobilfunk in Nordkorea zurzeit noch nicht etabliert genug. Bei einer Zunahme der Nutzer können sich hier jedoch durchaus Potentiale entwickeln. Ob die Moderne (in Form des Handys) letztendlich zu Wandel oder Umbruch in Nordkoreabeitragen kann, wird die Zukunft zeigen.

Myanmar und Nordkorea. Gemeinsam in eine strahlende Zukunft?


Update (04.03.): Wie die Washington Post berichtet, scheinen den USA die enger werdenden Beziehungen zwischen Nordkorea und Myanmar 1. nicht entgangen zu sein und 2. Sorgen zu bereiten. Dementsprechend versucht die US Regierung einen Gesprächsfaden mit der Junta zu knüpfen und das Land aus seiner Isolation zu lösen um so den Bedarf nach Verbündeten wie Nordkorea zu verringern.

Ursprünglicher Beitrag (11.01.): Wie ja bereits angekündigt, möchte ich mal etwas auf die relativ wenig beleuchteten, dafür aber umso interessanteren Beziehungen zwischen Nordkorea und Myanmar eingehen. Hauptsächlich will ich dabei auf die, sich seit zwei Jahren glänzend entwickelnden Kontakte beider Länder eingehen, da aber auch die historischen Verwicklungen beider Staaten durchaus erwähnenswert sind, sollen auch diese kurz beschrieben werden. (Ich möchte mich kurz für die etwas reißerische Überschrift entschuldigen, aber: Erstens finde ich das Wortspiel irgendwie toll und Zweitens ist was reißerisches ja immer n eye-catcher mit dem man vielleicht ein paar mehr Interessenten für ein wirklich hochspannendes Thema interessieren kann.)

Geschichte der diplomatischen Beziehungen

In der Zeit nach der Unabhängigkeit des damaligen Burma von Großbritannien 1948 waren die Beziehungen zwischen dem damals demokratischen Staat und dem kommunistischen Nordkorea eher distanziert und formell. Dies änderte sich nachdem das Militär 1962 die Macht im Lande an sich gerissen hatte. 1974 nahmen beide Länder diplomatische Beziehungen auf und 1977 kam es sogar zu einem offiziellen Besuch des damaligen Führer Ne Win in Pjöngjang. Mit der guten Stimmung war es aber 1983 recht abrupt vorbei, als ein nordkoreanisches Terrorkommando bei einem Bombenanschlag in Rangun, der dem südkoreanischen Präsidenten Chun Doo-hwan galt, 23 Menschen, darunter vier Mitglieder des südkoreanischen Kabinetts tötete. Ein nordkoreanischer Terrorist wurde von burmesischen Sicherheitskräften getötet, einer wurde hingerichtet und einer scheint bis heute seine Strafe in Myanmar zu verbüßen. Kurz darauf mussten alle nordkoreanischen Diplomaten das Land verlassen und bis 2007 gab es keine offiziellen diplomatischen Kontakte und bis heute kam es nicht zu einer offiziellen Entschuldigung seitens Nordkoreas. Nichtsdestotrotz scheint es bereits in den 1990er Jahren zu ersten Annäherungen zwischen beiden Ländern gekommen zu sein. (Wer mehr zur Historie der Beziehungen lesen will kann das hier und hier tun)

Die diplomatischen Beziehungen heute

Im Jahr 2007 beschlossen beide Länder, die diplomatischen Beziehungen wieder herzustellen (Und sich damit einen kleinen Schritt aus der internationalen Isolation zu begeben. Während Nordkorea zu diesem Zeitpunkt mit 150 Ländern diplomatische Beziehungen hatte, waren es bei Myanmar nur 65). Jedoch war es bereits in den 1990er Jahren zu geheimen Treffen zwischen den Botschaftern beider Länder in Thailand gekommen. Dabei scheint unter anderem eine mögliche Überstellung des in Myanmar in Haft verbliebenen Attentäters Kang Min-chul diskutiert worden zu sein. Im Jahr 2000 besuchte eine hochrangige Delegation Myanmars Pjöngjang und im folgenden Jahr stattete Nordkoreas Vizeaußenminister Park Kil-yon Rangun seinen Gegenbesuch ab. Im Jahr 2008 kam es zu mehreren hochrangigen Besuchen auf beiden Seiten, darunter einer Visite von Myanmars Außenminister im Oktober in Pjöngjang und dem Gegenbesuch des nordkoreanischen Vize Außenministers Kim Young-il bei dem ein Visa Abkommen für Diplomaten vereinbart wurde. Auch im vergangenen Jahr kam es wiederholt zu Kontakten beider Staaten, wobei sich der Fokus jedoch von der diplomatischen- eher auf die Arbeitsebene verschoben hat. Hervorzuheben ist hier der Besuch General Thura Shwe Manns (der sich im Nachhinein für einige Beamte in Myanmar als äußerst verhängnisvoll herausgestellt hat), Myanmars Nummer drei, im November 2008 in Nordkorea, bei dem unter anderem ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet wurde (Bilder dazu hier), dass die militärischen Beziehungen beider Staaten formalisiert (Unter anderem sind Vereinbarungen zum Bau von Tunnels für Raketen, Flugzeuge und sogar Schiffe enthalten. Außerdem sollen Spezialeinheiten und Luft-Abwehr-Kräfte Myanmars vonNordkorea trainiert werden und es soll ein gegenseitiges Sprachtraining geben).

Diese Verbesserung der bilateralen Beziehungen können einerseits als Teil einer „Charmeoffensive“ Myanmars seit 2008 gesehen werden, mit deren Hilfe das Land versuchte seine International schwache Position zu stärken. Nach der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten im Jahr 2007 und dem internationalen Druck zur Öffnung des Landes für humanitäre Hilfe nach dem Taifun Nargis im Jahr 2008 (damals war in der westliche Welt unter anderem offen über die Möglichkeit einer „humanitären Intervention“ diskutiert worden), hatte das Land versucht seine Beziehungen zu anderen anti-westlichen Staaten, unter anderem dem Iran zu stärken. Andererseits dürften jedoch auch praktische Erwägungen (vor allem militärische Kooperation) eine große Rolle gespielt haben. Generell scheinen in den Beziehungen beider Länder praktische Erwägungen, vor allem militärische Zusammenarbeit eine größere Rolle zu spielen als diplomatische Überlegungen. Hier kam es zu einer Vielzahl von Kooperationen, die vom Handel mit konventionellen Waffen über logistische Unterstützung bei der Errichtung von Militäranlagen und der Ausbildung von Ingenieuren und Militär bis zu Spekulationen über eine nukleare Kooperation beider Länder reichen. Die wichtigsten diskutierten Punkte auf diesem Gebiet möchte ich in der Folge kurz darstellen, wobei immer zu bedenken ist, dass bei diesen  naturgemäß im Geheimen stattfindenden Geschäften immer eine gewisse Gefahr besteht, dass existierende Informationen falsch sind.

Handel mit konventionellen Waffen und U-Boote

Bereits 1998 kam es angeblich zu einem ersten Waffengeschäft zwischen den Staaten, bei dem Nordkorea 12 bis 16 130mm M-46 Kanonen an Myanmar verkaufte. Außerdem sollen in den 1990er Jahren 20 Milionen Ak-47 (die gute alte „Kalaschnikow“) Patronen an Myanmar geliefert worden sein. Im Jahr 2003 waren 15 bis 20 nordkoreanische Techniker auf der Flottenbasis Monkey Point nahe Rangun tätig und es wird vermutet, dass sie dort Schiffe oder Boote der Marine Myanmars mit Raketentechnologie ausrüsteten. Im Zusammenhang mit den Waffengeschäften der Länder findet auch die Tatsache immer wieder Erwähnung, dass Häfen in Myanmar wiederholt von mysteriösen nordkoreanischen Schiffen angelaufen wurden. Dabei wird unter Berufung auf Geheimdienste von einer Vielzahl von Fällen gesprochen, die jedoch nicht näher aufgeklärt sind. Drei dieser Ereignisse sind jedoch bestens dokumentiert: Im November 2006 lief das nordkoreanische Frachtschiff MV Bong Hoafan in einem Hafen in Myanmar an um Schutz vor einem Sturm zu suchen (Allerdings fanden Myanmars Behörden nach eigenen Angaben bei der Durchsuchung nichts, das gegen die UN-Sanktionen gegen Nordkorea verstieß (Vielleicht weil zuvor schon alles entladen worden war?)). Die nordkoreanische Schifffahrt schien zu dieser Zeit unter keinem besonders guten Stern zu stehen, denn im April 2007 musste wiederum ein nordkoreanisches Frachtschiff, die Kang Nam I, Schutz vor einem Sturm suchen. Erstaunlicherweise war es dasselbe Schiff, dass im Juni 2009 tagelang von der amerikanischen Marine unter dem Verdacht verfolgt wurde, Ware nach Myanmar zu transportieren, deren Verkauf einen Verstoß gegen die UN-Sanktionen dargestellt hätte. Glücklicherweise kam es bei dieser Reise nicht zu einem Sturm, so dass die Kang Nam I auf offener See umdrehen und nach Nordkorea zurückkehren konnte. Weiterhin scheint Myanmar im Jahr 2002 Interesse am Kauf nordkoreanischer U-Boote gezeigt zu haben. Allerdings kamen diese Geschäfte bisher aufgrund von Finanzierungsproblemen oder der mangelhaften Fähigkeiten der Marine Myanmars, solche Schiffe zu handhaben, nicht zu Stande.

Bunker und Tunnel

Wie sich im Streit um humanitäre Hilfe im Gefolge des Taifuns Nargis im Jahr 2008 zeigte, scheint die Junta in Myanmar was Paranoia angeht, dem Regime in Pjöngjang nicht besonders viel nachzustehen (Ob berechtigt oder unberechtigt sei mal dahingestellt, aber ich kann es irgendwie nachvollziehen, dass man „großzügige“ Hilfsangebote von Staaten, die in jüngerer Vergangenheit durch aggressive Rhetorik („Vorposten der Tyrannei“) geglänzt haben, Hilfslieferungen mit Kriegsschiffen (!) ins Land zu bringen, ablehnt). Scheinbar besteht eine permanente Angst, die USA könnten die Junta durch Luftschläge oder eine Attacke von See aus angreifen wollen. Dementsprechend hat man die Hauptstadt von Rangun, dass von der See her leicht zugänglich ist, nach Naypidaw im Landesinneren verlegt. Und dementsprechend zeigen die Generäle ein großes Interesse für die, in Nordkorea weit entwickelte Kunst des Tunnel- und Bunkerbaus. So scheint seit 2002 eine Vielzahl von unterirdischen Strukturen entstanden zu sein und Berichten zufolge werden die Baumaßnahmen seit 2006 von nordkoreanischen Tunnelbau-Experten unterstützt. Die Bestimmung der Tunnel ist zwar nicht immer klar zuzuordnen (Dazu gibts hier auch n paar Bilder, die unter anderem die nordkoreanisch-myanmarische (kann man „myanmarisch“ schreiben oder ist das fallsch? Ich hab immer Verdacht, dass sich viele westliche Journalisten einfach deshalb weigern den Namen „Myanmar“ zu nutzen, weil „burmesisch“ soviel einfacher von der Zunge geht als „myanmarisch“) Kooperation in diesem Bereich belegen), allerdings gilt es als Erwiesen, dass neben der Gewinnung von Energie durch Wasserkraft auch Tunnel und Bunker entstanden sind, die eindeutig militärischen Zwecken wie der Produktion von Waffen oder dem Schutz vor (Luft-)Angriffen dient. Die Zahl der bisher entstandenen Tunnel wird mit ca. 800 angegeben (S. 3), wobei jedoch wie gesagt der genaue Zweck nicht bekannt ist. Auch beim Besuch Shwe Manns 2008 in Nordkorea standen unterirdische Raketenfabrik und Schutztunnel für Militäreinheiten auf dem Besuchsplan, so dass eine weitere Zusammenarbeit in diesem Bereich zu erwarten ist.

Raketen

Aufgrund der ständigen Angst vor einem US Angriff auf das Land, aber auch wegen einer klaren Niederlage in kleineren Grenzstreitigkeiten mit Thailand in den Jahren 2001 und 2002, die unter Anderem auf eine deutliche Luftüberlegenheit Thailands zurückzuführen war, strebt Myanmar seit einigen Jahren nach dem Ausbau seiner Luftabwehr, aber auch nach Erwerb von Raketentechnologie. Dementsprechend war Myanmar seit 2001 in Bulgarien, der Ukraine, Russland, China und vermutlich auch Nordkorea auf Einkaufstour. Mit Hilfe der osteuropäischen Staaten und Russland konnte es vor allem seine Luftabwehrfähigkeit stärken. Es wird vermutet, dass Myanmar bereits Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 1.000 km erworben hat. Im Jahr 2007 wurden drei japanische Geschäftsmänner unter dem Verdacht festgenommen, dass sie Material, dass zur Entwicklung von Langstreckenraketen genutzt werden kann, nach Myanmar liefern zu wollten. Eine Beteiligung Nordkoreas gilt in diesem Fall als höchst wahrscheinlich. Myanmar scheint also mit Hilfe Nordkoreas eigene Produktionskapazitäten für Raketen aufbauen zu wollen. Gleichzeitig wird darüber spekuliert, dass Myanmar bereits Kurz- und Mittelstreckenraketen in einem Tauschhandel erworben haben könnte und bereits Raketen des Typs SCUD-E mit einer Reichweite von 1.500 km geordert hat. Unbestritten sind jedoch einerseits das Interesse, das hochrangige Vertreter Myanmars an Nordkoreas Raketenprogramm zeigen und andererseits die Bereitschaft Nordkoreas, Raketentechnologie an andere Staaten weiterzugeben, solange die Kasse stimmt.

Myanmars nukleare Ambitionen und die Rolle Nordkoreas

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Aktivitäten, die in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden, stieß die Möglichkeit einer nuklearen Kooperation zwischen Nordkorea und Myanmar in den deutschen Medien auf Interesse (Atombomben sind eben spannender als Tunnel…). Über große Teile seiner Geschichte hinweg war Burma ein klarer Gegner nuklearer Rüstung. Seit 1957 war Burma Vollmitglied der Internationalen Atom Energie Behörde (IAEA) und unterzeichnete alle bedeutenden Abkommen des Non-Proliferations-Regimes. Auch als die demokratische Herrschaft durch eine Militärdiktatur ersetzt wurde, änderte sich diese Haltung nicht. Weiterhin ist Myanmar Unterzeichner des Abkommens der ASEAN Staaten eine Atomwaffenfreie Zone. In der Öffentlichkeit tritt Myanmar bis heute als starker Unterstützer der nuklearen Abrüstung auf.

Im Jahr 2000 zeigte Myanmar jedoch Interesse an der Errichtung eines 10 Megawatt Reaktors, der mit russischer Hilfe gebaut werden und Forschungszwecken dienen sollte. Dabei folgte Myanmar den formalen Vorgaben der IAEA und im September 2001 erging eine Anfrage der Abteilung für Atomenergie des Wissenschafts- und Technologieministeriums Myanmars an die IAEA, Unterstützung beim Erwerb eines nuklearen Reaktors zu gewähren. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Finanzierung, wurde der Bau jedoch immer weiter aufgeschoben und das Projekt gilt seit 2007 als gescheitert. Die Pläne Myanmars, für die es einerseits kaum plausible Begründungen liefern konnte und die andererseits immer wieder starke Sicherheitsbedenken (aufgrund der Gefahr von Naturkatastrophen u.ä. weckten), führten dazu, dass es immer wieder zu Spekulationen über die Fortschritte und die Hintergründe des Nuklearprogramms kam. Die stattfindende Annäherung zu Nordkorea lieferte diesem Misstrauen neue Nahrung. Es wurde gemutmaßt, dass Myanmar nach dem Scheitern des Reaktorbaus mit russischer Hilfe auf Unterstützung durch Nordkorea zurückgreifen könnte. Auch das lebhafte Interesse Myanmars an nordkoreanischen SCUD-Raketen wurde in diesem Zusammenhang als Beleg gesehen. In der Folge kam es periodisch zu Medienberichten, die als Beleg für eine nukleare Kooperation dienen sollten. Allerdings konnten all diese Berichte keine schlagenden Beweise für eine solche Zusammenarbeit liefern. Im Jahr 2007 schreckten Berichte zweier Flüchtlinge die Weltöffentlichkeit auf, Myanmar arbeite mit Nordkoreas Hilfe an der Entwicklung von Nuklearwaffen und habe dabei schon bedeutende Fortschritte gemacht. Aber auch diese Berichte sind Forschern zufolge Haltlos. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass selbst Untersuchungen der Regierungen der USA und Großbritanniens Ambitionen Myanmars, Nuklearwaffen zu erwerben, als äußerst unwahrscheinlich einstuften. Im vergangenen Jahr flammten dahingehende Befürchtungen erneut auf, als auf Sattelitenfotos ein Gebäude identifiziert wurde, von dem manche dachten es könnte ein Reaktor sein. Doch auch diese Möglichkeit wurde nach eingehender Überprüfung der Fotos durch Forscher als äußerst unwahrscheinlich zurückgewiesen. Generell wird davon ausgegangen, dass höchstens eine kleine Gruppe innerhalb der Militärjunta den Erwerb von Nuklearwaffen überhaupt in Erwägung zieht. Daher dürfte kurzfristig ein Streben nach nuklearer Bewaffnung durch Myanmar, mit wessen Hilfe auch immer, äußerst unwahrscheinlich sein. (Zu Myanmar und eventuellen nuklearen Entwicklungen gibts hier ein ausführliches Paper. Hauptsächlich zu der Geschichte mit dem mysteriösen Gebäude, aber auch zur Kooperation zwischen Myanmar und Nordkorea allgemein gibts hier ne umfangreiche Materialsammlung)

Fazit

Das sich mit Myanmar und Nordkorea, zwei isolierten Staaten, die sich von den westlichen Mächten, allen Voran den USA, bedroht fühlen, zwei Verbündete gefunden haben, deren Gemeinsamkeiten solche Beziehungen fast folgerichtig erscheinen lassen, ist meiner Meinung nach eine Entwicklung, die man annähernd natürlich nennen könnte. Wer zu bestimmten Gütern oder Rohstoffen nur begrenzten Zugang hat, wendet sich an die, bei denen er seine Bedürfnisse stillen kann. Wer sich von einem übermächtigen Gegner bedroht fühlt wendet sich an Andere, denen es ähnlich ergeht: Der Feind meines Feindes ist mein Freund! Solange die Bedrohungsperzeption in Nordkorea und Myanmar ähnlich bleibt und sie in internationaler Isolation verbleiben, dürften die Beziehungen zwischen beiden Staaten eher enger werden. Welche Güter dabei zwischen beiden Seiten ausgetauscht werden, ist vermutlich allein eine Frage des Bedarfs (und vielleiht noch des Geldes) auf beiden Seiten. Auch wenn die internationale Gemeinschaft auf den höchstwahrscheinlich ablaufenden Waffenhandel von Nordkorea nach Myanmar aufmerksam geworden ist, so ist es doch unwahrscheinlich, dass dieser völlig unterbunden werden kann, vor allem da neben dem Seeweg theoretisch auch der Landweg durch China und der Luftweg dafür offen stünden. Die Kooperation dürfte jedoch vorerst im konventionellen Bereich verbleiben, da Seitens Myanmar zurzeit vermutlich schlicht kein Bedarf für nukleare Rüstung besteht. (Um noch schnell die Frage, die ich in der Überschrift aufgeworfen habe zu beantworten: Gemeinsam ja, (nuklear)strahlend nein! (Und anders strahlend wahrscheinlich auch nicht.))

Myanmar verhängt nach Weitergabe von Informationen über Kontakte mit Nordkorea Todesstrafe für Beamte


Berichten zufolge hat Myanmar gegen zwei Beamte, die für die Weitergabe von Bildern und Informationen über einen Besuch von Shwe Mann, der Nummer drei in der Nomenklatura der Militärjunta, in Nordkorea verantwortlich gemacht werden, die Todesstrafe verhängt. Ein Weiterer wurde mit einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren belegt. Die drei Beamten gehörten dem Außen- und Verteidigungsministerium an und wurden für schuldig befunden, Fotos des hochrangigen Besuchs im November 2008, an regimekritische Medien weitergegeben zu haben. Nach dem Bekanntwerden der undichten Stelle waren dutzende weitere Beamte der beiden Ministerien verhaftet worden, deren Verbleib aber bisher unklar bleibt.

Die drakonische Strafe an sich könnte einerseits als Zeichen gesehen werden, dass das Regime in Naypidaw über das Bekanntwerden des hauptsächlich auf militärischer Zusammenarbeit beruhenden Besuchs, nicht besonders glücklich extrem erzürnt war. Wahrscheinlicher ist aber, dass schlicht ein Exempel statuiert werden soll, um zu signalisieren, dass man sensible Militärinformationen besser nicht veröffentlichen.

Die Strafen stehen also vermutlich in keinem direkten Zusammenhang mit dem Besuch in Nordkorea. Nichtsdestotrotz wirft die ganze Geschichte ein interessantes Licht auf die wechselhaften (immerhin haben nordkoreanische Attentäter 1983 in Rangun fast das halbe südkoreanische Kabinett in die Luft gesprengt, was die Beziehungen naturgemäß stark beschädigt hat) Beziehungen zwischen Myanmar und der DVRK. Die scheinen sich in der jüngsten Vergangenheit immer weiter zu verbessern. Während der letzten Jahre gab es verschieden (mehr oder weniger) stichhaltige Spekulationen über die Weitergabe von Waffen, Know-how und Technologie zum Tunnelbau und zur Luftabwehr und gar Nukleartechnologie (was natürlich, obwohl am spekulativsten, die höchsten Wellen schlug).

Zwar rücken diese Kontakte immer mal wieder ein bisschen ins Licht der deutschen Medienöffentlichkeit, aber so richtig viel hört man eigentlich nicht über die Beziehungen dieser beiden „rogue states“. Daher werde ich glaub ich in den nächsten Tagen mal was näheres dazu schreiben. Außerdem zeigt diese Beziehung (wie auch andere, z.B. Nordkorea und Iran, oder Nordkorea und Syrien) auch, dass sich das was George W. Bush 2002 ohne jede reale Grundlage als „Achse des Bösen“ bezeichnete, nun doch noch nachträglich bilden könnte. Und wer weiß, vielleicht bildet sich das Ganze so zu sagen als „self-fulfilling-prophecy“, gerade weil George W. Bush die Achse ausrief und seine Politik daran orientierte (Ich weiß, hört sich alles n bisschen ungar und nach Verschwörungstheorie an, aber für mich hat der Gedanke schon einen gewissen Charme: Was machen viele isolierte und bedrohte Bösewichte? Sie kooperieren!). Aber das werde ich glaub ich auch bald mal in nem eigenen Beitrag etwas näher bedenken.

Bosworths Pjöngjang-Reise, oder: Wie die Medien einen langweiligen Besuch aufwerten


Hab mir eben mal kurz angeschaut wie die Medien den Besuch von Stephen Bosworth so bewerten und fand das Ergebnis so interessant, dass ich spontan entschieden hab, dass ich dazu was kurzes schreiben muss. Warum das einen Beitrag wert ist? Weil die armen Medienvertreter so gar nicht wissen, wie sie den Ertrag von Bosworths Reise zu bewerten haben. Die Schlagzeilen zu dem Thema reichen von: „Ein Amerikaner bewegt Nordkorea zu Atomgesprächen„, oder „Nordkorea will zurück an den Verhandlungstisch„, „Pjöngjang will Atomgespräche wieder aufnehmen„, über „Nordkorea zu Verhandlungen bereit„, „Nordkorea grundsätzlich für Wiederaufnahme der Atomgespräche„, bis zu „Zeitpunkt für Atomgespräche mit Nordkorea ungewiss„, „US-Gesandter ohne Zusagen aus Nordkorea abgereist„, oder „Nordkorea verweigert Zugeständnisse„.

Ein Strauß voll Buntes sozusagen. Für jeden was dabei. Wenn man grundsätzlich positiv drauf ist und immer ans Gute im Menschen glaubt, dann kann man sich ja für eine der ersten Schlagzeilen entscheiden. Rechnet man permanent mit dem Ende der Welt und ist die einzige Frage, wie das kommen wird, dann ist man wohl eher am Ende der Liste gut aufgehoben. Herrlich! Ist ja auch langweilig wenn immer das Gleiche in allen Zeitungen steht. Ich meine, klar, in den Kommentaren und auf den Meinungsseiten gibt’s öftermal deutliche Unterschiede. Aber wenn man einfach nur aufgrund von Fakten über ein Ereignis berichtet, find ichs schon erstaunlich, dass es sich in der einen Schlagzeile so anhört, als würde Nordkorea morgen sein komplettes Nuklearprogramm einschrotten und übermorgen der Weltfrieden ausbrechen, während die andere so klingt, als sei man in Pjöngjang weiterhin voll auf stress gebürstet und würde weiterhin einen Konfrontationskurs fahren. Aber ist ja auch nicht einfach für die, die die Artikel verfassen müssen.Und wie kommt das Ganze im Endeffekt zu Stande? Ich habe ja gestern bereits gesagt, dass es nicht viel ist, was Bosworth aus Pjöngjang mitgebracht hat. Da man aber nicht aus Nordkorea heimkehren und dann überhaupt nichts sagen kann, hat er n paar Allgemeinplätze und diplomatische Plattitüden zum Besten gegeben. Das Problem der Medien ist  nun, dass das Thema Nordkorea zwar einen gewissen Nachrichtenwert hat, man also berichten muss. Dass man aber schlecht berichten kann, dass es nichts zu berichten gibt. Was also tun? Genau! Man interpretiert die Aussagen die man hat möglichst so, dass es nach ner interessanten Nachricht klingt und Leser findet. Am besten sind dazu natürlich eindeutig negative oder eindeutig positive Nachrichten. Der Leser interessiert sich schließlich nicht für „mittelmäßige“ Schlagzeilen. Dementsprechend sind es mit dem dradio und der Deutschen Welle auch zwei öffentlich rechtliche Medien, die sich mit mittelmäßigen Schlagzeilen begnügen, die sind schließlich nicht so sehr wie die privaten auf Leser angewiesen (Meiner Meinung ein (kleiner) Beleg für den Wert öffentlich rechtlicher Medien!). Unsere Leitmedien (Natürlich vor allen Dingen der Spiegel, aber ich nehm auch mal den Focus dazu) sehen die Sache eher positiv, ohne jedoch (sicherlich, um nicht am Ende falsch zu liegen) überschwänglich zu werden. Ein Großteil der (Gesamt-)Nachrichten ist weiterhin eher dem positiven Lager zuzuordnen (Ich stütze mich dabei auf die nichtwissenschaftliche Methode einer Google-Analyse). Vermutlich weil es für ne richtige Weltuntergangsnachricht nicht reicht und man von Seiten Nordkoreas sonst besser verwertbare Weltunteragangsnachrichtenvorlagen (herrliches Wort) kennt (Nicht einmal ne klitzekleine Drohung gab es!).Ich frag mich ob irgendwer die Verzweiflung der Berichterstatter hinsichtlich der „richtigen“ Interpretation der Ergebnisse von Bosworths Reise genauso witzig/kurios findet wie ich, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es nicht so ist. Seis drum..