Wird Nordkorea eine Atombombe Testen? Einflussfaktoren und Implikationen


Spätestens seit die nordkoreanische Rakete, die einen Wetterbeobachtungssatelliten ins All transportieren sollte, kurze Zeit nach dem Start auseinanderbrach und ins Meer stürzte, begannen man in Wissenschaft und kurz darauf auch Politik darüber nachzudenken, ob nun bald ein Nukleartest Nordkoreas zu erwarten sei. Daher dachte ich mir, dass ich mal ein bisschen beleuchte, welche Faktoren aktuell in Nordkoreas Kalkulation für oder gegen einen Test eingehen könnten.

Was auf einen Test hindeutet

Diese Überlegung ist bei einer näheren Betrachtung der Historie des nordkoreanischen Nuklearwaffenprogramms, aber auch der aktuellen Rahmenbedingungen nicht besonders abwegig.

Historisches Muster

Erstmal würde ein solcher Test einem bisher zweimal gesehenen Muster folgen. Danach gibt es einige Monate nach dem Test einer Langstreckenrakete (bzw. „Satellitenstart“ 2009) einen Nukleartest. Das war 2006 so und 2009 auch. Wieso das genau so war, darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht denkt man in Pjöngjang nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert…“ denn unabhängig davon, ob man „nur“ eine Rakete startet oder auch noch gleich eine Atombombe dazu testet; Die außenpolitische ist so oder so sehr angespannt und wenn man die „Paketlösung“ wählt, muss man nur einmal die Mühen auf sich nehmen, die die Reparatur des zerschlagenen Porzellans nach sich zieht. Da dieses Mal besonders viel Porzellan zu Bruch ging, gibt es jetzt nicht mehr so viel zu zerdebbern, so könnte man in Pjöngjang  denken.

Innenpolitische Erwägungen

Aber auch mit internen Bedürfnissen könnte ein solcher Test erklärt werden. Kim Jong Un ist neu im Amt und egal wie gut er reden kann und wie schnell er die Schlüsselpositionen im Staat besetzt, er wird irgendwann auch mal beweisen müssen, dass er eine Führungsperson ist. Und wie könnte er diesen Beweis besser antreten, als durch einen kräftigen Bums.

Gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der jüngste Satellitenstart in die Hose ging und man dies auch noch öffentlich vor der Bevölkerung eingestanden hat, könnte man in der Führungsspitze in Pjöngjang das Bedürfnis verspüren, Stärke zu beweisen. Ein ordentlicher Rums würde wohl auch helfen, mögliche Zweifel, die nach dem Raketenabsturz dem Einen oder Anderem gekommen sein könnten, zu zerstreuen.

Jedoch kann Kim Jong Un auf diesem Wege auch den Worten, die er an Opas Geburtstag sprach, nun auch Taten folgen lassen. Seine Ansage war unter Anderem, dass die Songun-Politik seines Vaters (dem Militär kommt eine Sonderstellung im Staat zu) weiterhin Leitlinie der nordkoreanischen Politik sei. Und das kann man zum Beispiel bestens demonstrieren, indem man dem Militärischen offensichtlich vor allem Anderen — vor allem aber vor dem Außenpolitischen — Priorität einräumt.

Damit eng verbunden wäre auch die Demonstration von Unabhängigkeit gegenüber allen äußeren Mächten, was einem Anspruch der Juche-Ideologie nachkäme, die einen starken Fokus auf diese Unabhängigkeit (manche sagen Autarkie) des Landes legt. Denn ein Nukleartest würde nicht nur die Gegner verärgern, sondern auch die Freunde. China hat schon geäußert, dass man keinen Nukleartest wünsche und vermutlich hat man das auch bei den hochrangigen Treffen der letzten Wochen so kommuniziert. Ein Nukleartest würde also zum wiederholten Male demonstrieren: „Niemand kann unsere Politik beeinflussen. Auch China nicht. Wenn wir einen Nukleartest für nötig halten, dann kann uns keiner davon abhalten.“

Technische Notwendigkeit

Weiterhin darf man natürlich nicht vergessen, dass die Tests nicht aus reinem Spaß aus der Freude bzw. nur aus politischer Motivation durchgeführt werden.  Nordkoreas „Bombe“ ist noch nicht wirklich fertiggebaut. Um das zu tun braucht man weitere Daten und um die zu bekommen brauch man Tests. Immerhin verbläst man mit jedem Test über 10 Prozent der Menge an Plutonium, die zur Verfügung stehen. Nach Expertenschätzungen verfügt Pjöngjang zurzeit über Plutonium für 8 Bomben. Das ist nicht wirklich viel. Daher wird man die Tests nicht allein am politischen, sondern auch am technischen Bedarf ausrichten (denn was würde es Pjöngjang bringen, wenn man irgendwann das perfekte Know How zum Bau einer Bombe hat, aber kein Material mehr, um das umzusetzen).

Ihr seht, es gibt gute Gründe einen Nukleartest zu erwarten und dementsprechend tun das auch viele. Am witzigsten haben Noland und Haggard diese Erwartung kommuniziert. Sie hatten scheinbar keine Lust viel darüber zu schreiben und starteten stattdessen den „We begin bombing in five minutes”-contest. Gewinner in dem Wettbewerb ist derjenige, der am besten tippt, wann Nordkorea seinen nächsten Nukleartest durchführt. Ein bisschen ernsthafter sind naturgemäß die Aussagen aus der Politik, die sich unter den Sammelbegriff „Warnung“ fassen lassen und die eigentlich allenthalben, auch zum Beispiel von Ban Ki-moon, zu hören sind.

Satellitenbilder

Dass alldas keine Spekuliererei im luftleeren Raum ist, zeigte sich spätestens am vergangenen Freitag, als die Fernaufklärer von 38 North mal wieder ein paar Ergebnisse ihrer Arbeit vorlegten. Danach konnte man auf dem Nukleartestgelände in Punggye-ri zwischen dem 08.März und dem 18. April auf rege Aktivitäten schließen und es gibt eindeutige Zeichen für die Lieferung von Material und Aushubarbeiten. Nach Aussage der Analysten von 38 North deutet dies darauf hin, dass die Vorbereitungen für einen Nukleartest so vorangetrieben würden, als sei der Test schon beschlossene Sache.

Was gegen einen Test spricht

Ich bin zwar immer wieder beeindruckt, was man alles so aus Satellitenbildern rauslesen kann, aber ich glaube man kann heutzutage noch nicht in die Köpfe der Akteure gucken. Dementsprechend kann man auch noch nicht wissen, ob der Test beschlossene Sache ist oder nicht, denn immerhin hat so ein Test auch einige Nachteile.

Außenpolitische Erwägungen, v.a. China

Neben einer zu erwartenden neuen Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die neue schärfere Sanktionen erhalten würde, die aber wohl zu verschmerzen wäre, würden vor allem die Beziehungen zu China ein weiteres Mal schwer belastet werden. China hält einige Lebensfäden Pjöngjangs in der Hand und weiß das auch, traut sich aber nicht so recht, sich mit der Schere an dem Einen oder Anderem dieser Fäden zu schaffen zu machen. Dafür muss es international viel Druck aushalten und diese Rücksichtnahme auf Pjöngjang stellt wiederum eine Belastung der Beziehungen zu anderen Schlüsselakteuren der Region dar. Die Andeutung einer Änderung der Flüchtlingspolitik hinsichtlich nordkoreanischer Flüchtlinge, stellte meiner Meinung nach eine erste Botschaft dar, dass man Pjöngjang nicht alles durchgehen lassen wird. Dem könnten weitere Botschaften folgen, die irgendwann auch wirklich schmerzhaft für Pjöngjang werden könnten.

Strategische Erwägungen: Die Abschreckungskraft des Nichtwissens

Ein weiterer Faktor der nicht zu vernachlässigen ist, ist die strategische Abschreckungskraft der Bombe. Denn die Abschreckungswirkung über die das Gerät zurzeit verfügt, dürfte nicht nur daraus erwachsen, was man über Nordkoreas Fähigkeiten weiß, sondern zu einem genauso großen Teil daraus, was man nicht weiß. Mit jedem Test gibt man zumindest ein Stück weit diesen strategischen Vorteil auf. Mit jedem Test sammeln nicht nur nordkoreanische Techniker weiteres Wissen, sondern auch amerikanische und südkoreanische Militärs. Man kann auch davon ausgehen, dass neben den wissenschaftlichen Fernaufklärern eine Menge militärischer Kollegen Matrial über die Vorbereitungen auswertet und wer weiß, was die daraus so alles erfahren können. Ein fehlgeschlagener Test kann daher aus strategischer Perspektive mehr Vor- als Nachteile mit sich bringen.

Wild Cards

Pjöngjang dürfte aus den dargestellten Gründen sehr vorsichtig sein und Vor- und Nachteile sehr genau gegeneinander abwägen. Natürlich kann ich das strategische Kalkül nicht wirklich nachvollziehen, weil die Datenbasis dafür viel zu dünn ist, aber die Kalkulation dürfte nicht super eindeutig sein. Vor allem weil noch einige weitere, nicht berechenbare Dinge zu bedenken bleiben.

Verhandlungsmasse?

Einerseits weiß Pjöngjang, dass die ganze Welt genau bei den aktuellen Erdarbeiten zusieht. Ich halte es nach wie vor nicht für unmöglich, dass der Test noch nicht beschlossen ist, sondern dass sich darüber verhandeln ließe. Es gab noch keine Ankündigung und wenn sich die anderen Parteien dazu durchringen würden, außer Warnungen auch Angebote auszusprechen, zum Beispiel für Verhandlungen, dann wäre der Test möglicherweise Teil der Verhandlungsmasse. Vielleicht sind die Vorbereitungen von Pjöngjang sogar so gedacht. Also quasi ein Lockmittel, der die anderen Parteien verhandlungsbereiter machen soll. Allerdings sieht es zurzeit nicht so aus, als habe jemand Lust zu verhandeln und daher werden wir das vermutlich nicht erfahren.

Besonderer Test?

Andererseits könnte es sein, dass Pjöngjang besondere Hoffnungen in diesen Test setzt, weil es ein besonderer Test werden soll. Wenn es einen Test gäbe, bei dem eine auf Uran basierende Bombe zur Explosion käme, dürfte dies das strategische Kalkül der Gegner durcheinanderwürfeln, denn damit wäre klar, dass Pjöngjang einen zweiten Weg zur Bombe kennt und momentan täglich neues Material für neue Bomben dazukommt, damit wäre die Materialbegrenzung Pjöngjangs aufgehoben, es gäbe keine auch nur annähernd zuverlässigen Schätzungen mehr, über wieviel Bombenfähiges Material Pjöngjang verfügt und die strategische Ungewissheit der Gegner würde sich damit wieder deutlich erhöhen (vor allem, weil Uran scheinbar für den Bau und die Miniaturisierung von Bomben wesentlich besser zu handhaben ist). Außerdem wäre ein solcher Test aber eine große Überraschung für westliche Beobachter und Geheimdienste, denn die vermuten, dass Pjöngjang noch einige Zeit brauchen wird, bis das Uranprogramm einen Anreicherungsgrad erreicht, der für den Bau einer Bombe ausreicht und würde dem Selbstbewusstsein der Schlapphüte wohl wieder einen empfindlichen Schlag versetzen. Aber dass Nordkorea in diesem Feld immer wieder für Überraschungen gut ist, wurde ja schon öfter bewiesen.

Blankoscheck

Weiterhin kann es natürlich noch sein, dass der China-Faktor garnicht eine so große Rolle spielt wie das gemeinhin angenommen wird (so glaubt Jonathan Pollack vom Brookings Institute zum Beispiel, dass sich Pjöngjang wegen China gegen einen Nukleartest entscheiden würde). Man spricht ja viel und auch hochrangig zwischen Pjöngjang und Peking und vermutlich wird da auch die Möglichkeit eines Tests eine Rolle spielen. Für das Kalkül Pjöngjangs dürfte es nicht zuletzt wichtig sein, welche Signale zu diesen Anlässen (beispielsweise dem Treffen zwischen Kim Yong-nam und Hu Jintao sowie anderen hochrangigen Vertretern Pekings vor ein paar Tagen) aus China kamen. Man kann sich da ja allerhand vorstellen (Die Spanne reicht von „Wenns notwenig ist, dann gut.“ über „Es gefällt uns nicht, aber wenns garnicht anders geht! Macht was ihr nicht lassen könnt aber ihr müsst euch auf einige kleinere Reaktionen gefasst machen“ bis zu „Das ist inakzeptabel und wir werden euch danach so richtig Ärger machen“) und was genau China von der Möglichkeit eines Nukleartests hält, werden wir wenn überhaupt erst im Nachgang an den Reaktionen Chinas oder deren Ausbleiben ablesen können.

Abwarten und nach Signalen Ausschau halten

Ob Nordkorea tatsächlich eine Bombe testen wird, werden wir wahrscheinlich in den nächsten Wochen erfahren. Im Moment ist es vor allem spannend zu beobachten, ob es von irgendeiner Seite Signale gibt, die eine ernsthafte Initiative hin zur Vermeidung eines solchen Tests andeuten könnte. Jedoch stehen die Zeichen im Moment eher auf Test.

Achja. Das Thema ist ja ein höchst komplexes und gleichzeitig liegt vieles im Dunkeln. Daher meine Fragen an euch: Was denkt ihr. Wird es in den nächsten Monaten einen Test geben und wenn ja, wann? Habe ich vielleicht irgendwelche Faktoren vergessen oder falsch bewertet? Was denkt ihr zu dem Themenkomplex?

Meine allgemeine Ansicht habe ich ja schon oben kundgetan und weil es ja gemein ist, von euch einen Termin zu erfragen, ohne selbst einen zu nennen, gehe ich einfach mal vorweg. Ich glaube, dass es einen Test geben wird und ich glaube es wird noch so zwei Wochen dauern (wenn alle möglichen Politiker warnen, dann gibt es bestimmt Erkenntnisse, die auf ein unmittelbares Bevorstehen hindeuten). Ich glaube es wird montags sein (Tradition und aus Medienökonomischen Gründen). 7. Mai. Würde mich übrigens freuen, wenn ich total danebenläge und Pjöngjang den „dagegens“ ein größeres Gewicht einräumen würde, als den „dafürs“.

Achja, da ich hier so viel vom Testen etc. geschrieben habe, möchte ich euch noch dieses eindrucksvolle Filmchen zeigen. Man sieht: Nordkorea folgt mit den Tests einer „guten alten Tradition…“

Nordkoreas Nuklearprogramm. CRS-Bericht bietet einen Überblick


Vom Congressional Research Service, dem wissenschaftlichen Dienst der beiden parlamentarischen Kammern der USA, gibt es einen geupdateten Bericht zum Nuklearprogramm Nordkoreas. Auf knapp 30 Seiten bietet der Bericht „North Korea’s Nuclear Weapons: Technical Issues“ einen sehr schönen Überblick über Geschichte, Entwicklungsstand, Verhandlungen und Maßnahmen bezüglich des nordkoreanischen Nuklearprogramms. Mit eingearbeitet sind auch die jüngsten Erkenntnisse, die sich aus den privaten Besuchen einiger wissenschaftlicher Delegationen im Land. Wer sich einen Überblick über das verschaffen will, was man über das Programm sicher weiß oder wer sich über die Geschichte des Programms und der Verhandlungen um selbiges informieren möchte, ohne Gerüchte und Halbwahrheiten von Realem trennen zu müssen, dem sei das Paper wärmstens empfohlen.

Nordkoreas Nuklearwaffen: Haufen Plutonium + Raketen ≠ Atomraketen


Nur ganz kurz, weil ich nicht soviel Zeit habe und gleich weg muss, möchte ich euch auf einen kleinen Absatz im „Bulletin of the Atomic Scientists“ aufmerksam machen der hilft, einige Missverständnisse hinsichtlich der nordkoreanischen Nuklearwaffen klarzustellen:

Despite two nuclear tests and production of enough plutonium for 8–12 nuclear bombs, North Korea has yet to demonstrate that it has operationalized any weapons. The U.S. intelligence community has yet to credit North Korea’s missile systems with a nuclear weapons capability, meaning that Pyongyang is not believed to be capable of delivering a nuclear warhead with a missile.

Was wohl soviel heißt wie: Nordkorea ist nicht in der Lage seine Nuklearwaffen auf Raketen zu schrauben und kann diese de facto nur im eigenen Land zur Explosion bringen. Soviel also zu den Drohungen Nordkoreas mit nuklearer Abschreckung (obwohl das natürlich funktionieren könnte: „Wenn ihr einmarschiert zünden wir eine Bombe, dann seid ihr auch alle tot!“) und soviel zu den Horrorszenarienzeichnern die von Zeit zu Zeit den „irren Diktator“ mit seiner Bombe als riesige Bedrohung ausmalen.

Was aber viel interessanter ist, obwohl man es ja eigentlich wusste, aber es selten schwarz auf weiß gelesen hat: Die USA wissen, dass Nordkorea die Nuklearwaffen nicht auf seine Raketen schrauben kann. Noch nicht! Da frag ich mich doch glatt: Warum geben sie sich nicht mehr Mühe das auch zukünftig zu verhindern. Denn eins ist klar. Wenn die Fähigkeit erstmal besteht, dann ist die Situation für die USA wesentlich unkomfortabler. Und auch wenn man davon ausgeht, dass Nordkorea rational handelt und dieses Rakete nicht einfach so abschießt, so dürften während einer instabilen Situation in Nordkorea, die irgendwann zu erwarten ist, einigen Strategen in den USA Schweißperlen über die Stirn laufen. Wenn man in den USA also wirklich so lange wartet, hat Nordkorea auch gegen die USA den „Instabilitätstrumpf“ in der Hand: „Wenn ihr uns weiter sanktioniert könnte es sein, dass das Regime instabil ist. Und dann weiß niemand was mit unseren Atomraketen passiert…“ Aber naja, Strategic Patience ist ja auch ne tolle Politik. Bessert zwar die Lage nicht und verringert die Optionen für die Zukunft, dafür hats aber nen super klingenden Namen!

Reichert Nordkorea bereits seit 1996 Uran zum Bau von Nuklearwaffen an? Und wenn ja: Na und?


Einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge, der auf einem Exklusivinterview mit dem südkoreanischen Außenminister Yu Myung-hwan beruht, begann Nordkorea bereits 1996 mit dem Aufbau eines auf Uran basierenden Nuklearprogramms. Gerüchte und Streitigkeiten bezüglich dieses Programms führten zu einem Zusammenbruch der Sechs-Parteien-Gespräche im Jahr 2002 und sorgten auch in der Folge immer wieder für Konflikte, die einer möglichen Annäherung zwischen den USA und Nordkorea im Wege standen. Im September 2009 gab Nordkorea offiziell bekannt, die abschließende Phase der Urananreicherung erreicht zu haben und gestand damit erstmals die Existenz eines solchen Programms ein.

Die Frage nach der Existenz oder nicht-Existenz eines auf Uran basierenden Nuklearprogramms ist vor allem deswegen kritisch, weil eine erfolgreiche Urananreicherung einen zweiten (und dazu einfacheren) Weg zum Bau von Nuklearwaffen eröffnen würde (neben dem bekannten auf Plutonium basierenden Programm, dass immer wieder im Zusammenhang mit den Anlagen rund um Yongbyon im Gespräch ist). Außerdem würde die jahrelange Leugnung dieses Programms Nordkoreas auftreten im Rahmen der Verhandlungen mit den anderen Parteien seit 1996 in einem noch kritischeren Licht erscheinen lassen und damit möglicherweise auch ein Hindernis für weitere Gespräche zur Denuklearisierung Nordkoreas darstellen. Nordkorea wiederum würde ein weiteres Pfund besitzen, mit dem es in möglichen Verhandlungen wuchern könnte (und dass es wuchern wird, daran besteht wohl kaum ein Zweifel, den Nordkorea tu nichts lieber als wuchern…).

Nun aber mal zurück zu den Aussagen von Außenminister Yu Myung-hwan: Er sagte, dass Nordkorea möglicherweise seit 1994, aber sicher seit 1996 ein auf Uran basierendes Nuklearprogramm betreibt und dass dieses Programm möglicherweise genutzt werden solle, um höhere Zugeständnisse im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche zu erzielen. Was die Ausmaße und die Menge produzierten Uran angeht, konnte Minister Yu keine konkreten Angaben machen. Bezüglich einer Einigung im Nuklearkonflikt brachte Yu ähnlich wie Südkoreas Präsident Lee Myung-bak einen „grand bargain“ ins Gespräch, eine Paketlösung, bei der alle Fragen der Denuklearisierung Nordkoreas auf einmal gelöst werden sollen. Der Ansatz Schritt für Schritt vorzugehen und schwierige Fragen auszuklammern bzw. zu verschieben, würde Nordkorea nur dazu dienen, mehr Zugeständnisse von den anderen Teilnehmern der Sechs-Parteien-Gespräche zu ergattern.

Die Aussagen Yus bringen eigentlich nicht viel Neues. Seine Behauptung, dass Nordkorea bereits seit 1996 an einem auf Uran basierendem Nuklearprogramm arbeite belegt er nicht mit einer Quelle. Vermutlich beruht diese Aussage also auf Geheimdienstinformationen. Aber was können diese Infos wert sein, wenn er nichts über das Ausmaß des Programms und die Menge des produzierten Urans sagen kann? Nicht sehr viel meiner Meinung nach. Generell scheint es Nordkorea bisher äußerst gut zu gelungen zu sein, sensible Informationen vor den hochgerüsteten Geheimdiensten Südkoreas und der USA zu verbergen. Dieses Faktum allein scheint mir schon recht erstaunlich in Anbetracht der Tatsache, dass seit 2002 ein begründeter Verdacht bestand Nordkorea könnte ein auf Uran basierendes Nuklearprogramm verfolgen. Und was macht man wenn man einen solchen Verdacht hat? Man schickt seine Geheimdienste los. Und was haben die in den letzten (mindestens) 8 Jahren gefunden? Genau: Scheinbar nichts bis auf das Erkenntnis, dass Nordkorea ein auf Uran basierendes Nuklearprogramm besitzt. Nicht besonders schwer rauszufinden wenn man bedenkt, dass Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA das vor ein paar Monaten selbst bekanntgegeben hat. Aber wer weiß, vielleicht weiß man noch was mehr. Aber hätte man damit in der angespannten Situation, die bis vor ein paar Monaten gab hinter dem Berg gehalten? Wohl eher nicht. Ein solches Wissen wäre das perfekte Mittel gewesen, Nordkorea im Vorfeld möglicher Verhandlungen einen Schuss vor den Bug zu geben und zu zeigen, dass das Regime in Pjöngjang im eigenen Land doch nicht alles unter Kontrolle hat. Hat es aber, zumindest was seinen Militärapparat angeht, wohl doch.

Bleibt nur noch die Frage, was Yu mit dem Interview bezweckt hat. Nachdem in den letzten Tagen von beiden Seiten der Demilitarisierten Zone versöhnliche Signale zu hören waren (Nordkorea verkündete, sich für ein beständiges Friedenssystem auf der Koreanischen Halbinsel einsetzen zu wollen während gleichzeitig Lee Myung-bak ein Gipfeltreffen mit Kim Jong Il in Betracht zu ziehen scheint) könnten die Aussagen Yus dazu dienen, die Position Südkoreas nochmal klarzustellen und darüber hinaus nach Pjöngjang zu signalisieren, dass sowohl für die Sechs-Parteien-Gespräche als auch für einen möglichen Gipfel die vollständige Aufdeckung der Aktivitäten rund um das auf Uran basierende Nuklearprogramm notwendig sind. Außerdem ist das Interview als Botschaft ans eigene Volk zu verstehen, dass die Regierung Lee Myung-bak nicht dieselben Fehler wie die progressiven Vorgängerregierungen machen wird. Nämlich Nordkorea Zeit (und Geld) zu schenken, ohne handfeste Gegenleistungen dafür zu bekommen.

Welche Erkenntnisse hat Yus Gespräch mit Yonhap also gebracht? Eigentlich nicht viele. Es wurde nur widergekäut, was eh schon bekannt war. Das einzige Ergebnis das für mich bleibt ist jenes, dass es dem Regime in Pjöngjang auch weiterhin gelingt, das Land effektiv nach außen hin abzuschirmen, während die Schlapphüte aus Südkorea und den USA scheinbar nicht vielmehr Infos zusammentragen können, als es mit Hilfe von Google zu finden gibt (Aber mit seinen Geheimdiensten hat Präsident Obama ja momentan eh so seine Problemchen! Einmal finden sie den Unterhosenbomber von Detroit nicht, dann lassen sie sich von Doppelagenten in Afghanistan in die Luft sprengen…). Nimmt man dies zum Maßstab, so scheint das Sicherheitsgefüge Nordkoreas weder durch Korruption noch durch Auflösungserscheinungen aufgrund von Geldmangel oder inneren Reibereien besonders tangiert zu sein.

Der Brief von Nordkoreas UN Botschafter, oder Wie jetzt! Uran auch noch?


UPDATE: Eine recht ausführliche Interpretation zum Brief von Nordkoreas Botschafter bei den Vereinten Nationen Sin Son-ho an den Präsidenten des Sicherheitsrates der VN, gab es gestern von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Hier wird der Brief hauptsächlich mit der Unzufriedenheit Nordkoreas mit der Obama-Administration erklärt, da diese bisher wenig Bereitschaft zu bilateralen Gesprächen mit der DVRK, anstelle der ungeliebten Sechs-Parteien-Gespräche, gezeigt habe:

Pyongyang’s provocative announcement indicates that the socialist country is apparently growing impatient at the Obama administration’s reluctance to talk bilaterally with Pyongyang outside of the six-nation disarmament talks.

[…]

 The warnings came just hours before Stephen Bosworth, the U.S. special representative on North Korea policy, was to arrive in Seoul as part of his three-nation Asia tour to discuss North Korea issues. Bosworth said after his arrival here that there was „nothing new“ to Pyongyang’s latest claims of its supposed progress in enriching uranium and weaponizing plutonium.

   He also declined an invitation from Pyongyang during his swing. The North reportedly extended an invitation to Bosworth to visit Pyongyang for bilateral talks, but the Obama administration rejected the offer, saying the North should first return to the six-way talks.

   Signaling its desire for direct talks with the U.S., the KCNA said, „The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S.“ „We have never objected to the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world itself. What we objected to is the structure of the six-way talks which had been used to violate outrageously the DPRK’s (North Korea’s) sovereignty and its right to peaceful development,“ it added.

Was Yonhap sonst noch zu dieser Problematik schreibt könnt ihr hier nachlesen.

Ursprünglicher Eintrag: Nanana, was musste man denn gestern auf der Seite der Korean Central News Agency (KCNA) lesen? Nordkorea hat die experimentelle Phase der Urananreicherung erfolgreich beendet und will auch mit der Plutoniumaufbereitung fortfahren. Und das alles hat man in einen Brief an den Präsidenten des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (VN) reingeschrieben. Das will ja alles so gar nicht zu dem passen, was man in den letzten Wochen vom Regime in Pjöngjang gehört hat und irgendwie ist es auch was ganz anderes, als ich mir das vorgestellt habe (ich meine, die Sache mit dem australischen Schiff in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Waffen für Iran, das hätte man ja noch als Betriebsunfall verbuchen können). Aber eins nach dem Anderen: Erstmal: was hat Nordkorea eigentlich genau gesagt gestern, das kann man entweder bei der KCNA nachlesen, oder direkt hier ge-copy-pasted: 

Der Brief

Pyongyang, September 4 (KCNA) — The permanent representative of the DPRK to the United Nations sent a letter to the president of the UN Security Council Thursday.

Noting that he would like to bring the attention of the president to the DPRK’s already stated principled stand and countermeasures in connection with a letter addressed to the DPRK by the so-called „Sanctions Committee“ of the United Nations Security Council (UNSC) requesting a clarification, he continued:

The DPRK totally rejects the UNSC „Resolution 1874“ which was unfairly orchestrated in June 13 in wanton violation of the DPRK’s sovereignty and dignity and that the DPRK will never be bound by this resolution.

We do not feel, therefore, any need to respond to the request made by the UNSC „committee“.

Had the UNSC, from the very beginning, not made an issue of the DPRK’s peaceful satellite launch in the same way as it kept silent over the satellite launch conducted by south Korea on August 25, 2009, it would not have compelled the DPRK to take strong counteraction such as its 2nd nuclear test.

It is all fair and square to find that the DPRK took its steps of action to cope with the high-handed act and threat which are aimed at depriving the DPRK of its rights to peaceful economic construction.

It would be a miscalculation if the UNSC, rather than apologizing for violating the legitimate right of a member state of the UN, thought that we would recognize the „sanctions resolution“ which was framed up in the same way as the thief turning on the victim with a club over the DPRK’s self-defensive steps.

We have never objected to the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world itself. What we objected to is the structure of the six way talks which had been used to violate outrageously the DPRK’s sovereignty and its right to peaceful development.

The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S. nuclear policy toward the DPRK.

The DPRK has already made clear its countermeasures to cope with sanctions as well.

Reprocessing of spent fuel rods is at its final phase and extracted plutonium is being weaponized.

Experimental uranium enrichment has successfully been conducted to enter into completion phase.

We are prepared for both dialogue and sanctions.

If some permanent members of the UNSC wish to put sanctions first before dialogue, we would respond with bolstering our nuclear deterrence first before we meet them in a dialogue.

If the UNSC only continues this standoff without making a proper judgment of which path is more favorable for the denuclearization of the Korean Peninsula and of the world, the DPRK will be left with no choice but to take yet stronger self-defensive countermeasures as it had already warned.

So weit so gut. Da hat der Vertreter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen ja einiges reingepackt in seinen Brief: Also erstmal interessant finde ich, dass er sich darüber auslässt, das man keinen Grund sehe, auf eine Anfrage des Sanktionskommitees des Sicherheitsrates zu reagieren… Aber irgendwie hat man ja doch reagiert. Man hat ja einen Brief geschrieben, aber halt an den Präsidenten des Sicherheitsrates! Aber wer ist denn überhaupt der Präsident? Die Präsidentschaft rotiert in alphabetischer Reihenfolge und wechselt jeden Kalendermonat. Und wie es der Zufall so will, hat Anfang September – ja ratet mal wer? – Genau! Der Vertreter der Vereinigten Staaten diese Position eingenommen. So hat der nordkoreanische Abgesandte also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Den VN ne Botschaft zukommen gelassen, wobei aber durch das Timing recht deutlich wird, wem sie eigentlich gilt.

Dann geht es weiter, indem man sich darüber beklagt, dass Resolution 1874 des Sicherheitsrates nach dem „friedlichen Satellitenstart“ der DVRK in unverantwortlicher Weise in die Souveränität Nordkoreas eingegriffen hätte und dadurch „starke Gegenmaßnahmen wie den zweiten Nukleartest“ verursacht hätte. Hier wird auch auf angebliche Doppelstandards hingewiesen, da beim Satellitenstart Südkoreas am 25. August 2009 Stille bewahrt worden sei. Weiterhin halte ich den Vergleich des Sicherheitsrates und seiner Resolution 1874 mit einem Dieb mit einem Knüppel für ein weiteres wunderbares Beispiel nordkoreanischer Kreativität im weiten Feld der Beschimpfungen!

Im Folgenden wird es dann aber auch inhaltlich interessanter: Man habe kein Problem mit der Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel, oder der ganzen Welt (Gestern habe ich ja über die Positionen der deutschen Politiker zu Nordkorea geschrieben. Mich erinnert der Satz ehrlich gesagt sehr Stark an die Aussagen der Linken, ob das Zufall ist? Keine Ahnung!). Das Problem sei die Struktur der Sechs-Parteien Gespräche, die genutzt worden seien, um die Souveränität Nordkoreas und sein Recht auf friedliche Entwicklung auf unerhörte Art und Weise zu verletzen. Scheinbar ist man in Nordkorea zurzeit nicht zufrieden zu sein mit dieser Struktur. Unmittelbar danach zielt  der Rundumschlag dann auf die USA. Hier wird die Verbindung zwischen der amerikanischen Nuklearpolitik gegenüber Nordkorea und der Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel hergestellt. Man kritisiert zuerst die Struktur der Sechs-Parteien Gespräche und adressiert danach genau einen Teilnehmer: Die USA. Wenn dass mal kein Appell für bilateral Gespräche ist… (Oder vielleicht ne Art „Erinnerung“, sich an getroffene Abmachungen zu halten?)

Und zum Schluss werden – und das ist der Teil der Nachricht, den die Medien hauptsächlich aufgegriffen haben – die Maßnahmen aufgezählt, die Nordkorea als Reaktion zur Verfügung stehen: Die Aufbereitung der Brennstäbe aus Jongbjon und die Umwandlung in Atomwaffen, sowie die erfolgreiche experimentelle Anreicherung von Uran, so dass diese nun in die Fertigstellungsphase eintreten könne. Daher sei man sowohl für Dialog als auch für Sanktionen gewappnet. Die Sache mit dem Uran, dass war für die Medien der eigentliche Sprengstoff hinter der Nachricht. Denn bisher hatte Nordkorea immer geleugnet, ein auf Uran basierends Nuklearprogramm zu haben. Das ist also eine Art Bekenntnis. Was der Unterschied zwischen einem auf Uran und einem Plutonium basierendem Programm ist, darauf will ich unten noch kurz näher eingehen. Jetzt erstmal zur Nachricht zurück: In den Medien wurde das Bekenntnis, ein auf Uran basierendes Programm zu besitzen, hauptsächlich als Drohung und ähnliches aufgefasst. Schaut man sich diese fünf kurzen Abschnitte aber genau an:

1. The denuclearization of the Korean Peninsula is closely related with the U.S. nuclear policy toward the DPRK.

2. The DPRK has already made clear its countermeasures to cope with sanctions as well.

3. Reprocessing of spent fuel rods is at its final phase and extracted plutonium is being weaponized.

4. Experimental uranium enrichment has successfully been conducted to enter into completion phase.

5. We are prepared for both dialogue and sanctions. [habs der Einfachheit halber durchnummeriert.]

dann fällt von der Struktur hier einiges auf:  In 1. wird die Bedeutung der USA für die Denukliarisierung hervorgehoben, eben schon als Gesprächsappell interpretiert. 2. verweist auf Sanktionen. 3. und 4. sind eine Art Statusbericht Nordkoreas, es sagt, was es hat und wo es steht, nicht mehr (ich sehe hier keine Drohung), aber auch nicht weniger (immerhin gibt es erstmals zu ein auf Uran basierendes Programm zu besitzen, das ist an sich schonmal einiges). Aber dann kommt der eigentliche Kern in 5. man ist sowohl zu einem Dialog (1.) bereit, als auch zu Sanktionen (2.). Wenn man die Sache mit dem Dialog, die von den Medien eher weniger gewürdigt wurde, durch denkt, dann hat die Nennung des Uran-Programmes in Zusammenhang mit Dialog eine ganz andere Bedeutung. Man legt die Uran Karte nicht nur als Bedrohung auf den Tisch, sondern sie wird zur Verhandlungsmasse ein Schritt, zu dem Nordkorea bisher offensichtlich nicht bereit war. In diesem Satz steckt also ein großes Angebot.

Abschließend wird dann der schwarze Peter einigen Mitgliedern des Sicherheitsrates zugeschoben. Wenn diese Sanktionen vor Dialog setzten, so müsste Nordkorea sein Arsenal ausbauen, bevor es zum Dialog käme. Auf gut Deutsch: Nordkorea ist bereit dies Situation weiter zu verschärfen und versucht den anderen Parteien (den USA) klar zu machen, dass der einzige Effekt weiterer Sanktionen sei, dass man dann später einem noch stärkeren Nordkorea (mit noch mehr Verhandlungsmasse) gegenüberstünde. Aber an sich ist auch hier die Bereitschaft für Verhandlungen zu erkennen. Was allerdings der Preis ist, dass wissen wohl nur die beteiligten Parteien. Nordkorea jedenfalls hat den Wetteinsatz erhöht, indem es sein Uran-Programm noch auf sein Plutonium-Programm draufgelegt hat.

Uran und Plutonium, der feine Unterschied…

So, nun nochmal kurz zu der Sache mit dem Uran und dem Plutonium. Die Zeitungen und Nachrichtensendungen unterscheiden zwar beides, erklären aber wenig über die tatsächlichen Unterschiede und die sind beträchtlich. Ich will jetzt hier auch nur ne Kurzform abgeben, weil ne Lange Version echt zu umfangreich wäre. Das mach ich vielleicht die Tage mal. Also erstmal Plutonium: Plutonium-239 eignet sich am Besten zum Bau einer Nuklearwaffe, es ist eine Art „Abfallprodukt“ aus dem Betrieb von bestimmten Kernkraftwerken (die um es ein bisschen verwirrender zu machen, auf Basis von Uran arbeiten) und kommt in der Natur nicht vor. Allerdings ist das Zeug, was dann in den abgebrannten Brennstäben solcher Kernkraftwerke drin ist noch immer nicht Atomwaffenfähig, sondern muss noch wiederaufbereitet werden. Danach kann dann ne Bombe gebaut werden, wenn genug Plutonium-239 vorhanden ist, welches zu mindestens 93 % angereichert ist. Allerdings ist der Bau der Bombe an sich nach dem leichten Gewinnungsprozess recht kompliziert und auch mit Testerei verbunden. Also: Produktion: relativ einfach: Bau: relativ schwer.

Bei Uran ist die Sache etwas anders gelagert: Das Zeug kommt in der Natur vor (im Übrigen auch in größeren Mengen in Nordkorea), allerdings liegt der Anteil von Uran-235 welches für den Bau einer Bombe notwendig ist bei 0,71 %. Um waffentaugliches Uran zu haben braucht man aber zumindest einen Anteil von 90 % Uran-235 (Die Zahlen sind hier unterschiedlich). Also muss man auch hier Anreicherung betreiben. Allerdings bleibt das nicht wie beim Plutonium schön einfach  als Abfall vom Betrieb eines Kenkraftwerkes übrig. Nein, hier gibts verschiedene Methoden, wobei die mit den berühmten Gaszentrifugen der zur Zeit gängigste Weg unter Schurkenstaaten zu sein scheint. Genau, das Zeug mit dem auch der Iran dauernd rumhantiert, das Libyen nach erfolgloser Probiererei wieder abgebaut hat und das (bzw. das know how dazu )der pakistanische Wissenschaftler Abdul Kadir Khan scheinbar an jeden weitergegeben hat, der genug Bares auf der hohen Kante hatte oder im Tausch Raketentechnologie geliefert hat (stimmt! Das war Kim und seine Gang). Naja jedenfalls ist hier die Produktion anspruchsvoller und Energieintensiver (was für Nordkorea evtl. eine Rolle spielen dürfte, wie diese Bilder nahelegen), aber wenn man das Zeug erstmal hat, dann ist die Herstellung einer Bombe wesentlich leichter als im Fall von Plutonium und kann evtl. auch ohne Tests ablaufen. Außerdem brauchst du hierfür kein Kernkraftwerk, das jeder sehen, und wie im Fall vom Irak 1981 und vermutlich Syrien vor 2 Jahren auch kaputtmachen kann. Also: Produktion: relativ kompliziert aber einfacher zu verbergen; Bau relativ einfach und evtl. ohne Tests durchführbar.

Und was man daraus lernt

Ja und wenn Nordkorea jetzt wirklich beides hat, dann heißt das erstens: Wenn man auch Jongbjon kaputtmachen würde, so hätten sie immernoch scheinbar nicht lokalisierte Anlagen zur Anreicherung von Uran. Zweitens: wäre das Arsenal kaum mehr abzuschätzen, drittens: könnte es sein, dass sie auch ohne weitere Tests, Bomben bauen würden, die Tests wären also nicht mehr sicheres Zeichen dafür, wie erfolgreich sie auf dem Weg zur Bombe sind. Viertens: gäbe es plötzlich wie oben schon gesagt eine wesentlich größere Verhandlungsmasse. Und fünftens könnte das auch Implikationen für die Bewertung früherer und künftiger Zusammenarbeit mit dem Iran haben. Wahrscheinlich hab ich noch einiges vergesse, aber das kann ich ja dann schreiben, wenn ich ausführlicher auf die beiden möglichen Nuklearprogramme etc. eingehe. Nachlesen könnt ihr den ganzen Krma mit Uran und Plutonium, einfach und schwer etc. pp. erstmal in unterschiedlichen Komplexitätsstufen und mit variierendem Umfang hier zur Uranproduktion (auf der Seite gibts noch mehr Lesenswertes), oder hier zum kompletten Produktionsprozess von Atomwaffen, oder auch hier kurz und knackig zum Unterschied zwischen Uran- und Plutonium basierenden Nuklearwaffenprogrammen.  

Übrig bleibt nachdem ich das geschrieben hab immernoch eine wichtige Frage: Warum versetzt Nordkorea gerade jetzt, wo doch alle Zeichen auf Entspannung stande, die Welt mit seinem Bekenntnis wieder in Aufregung?

Wissen kann das wohl keiner, aber es gibt da ein paar Möglichkeiten sich das zu erklären. Eine währe, dass die Hypothesen um einen internen Machtkampf in Pjöngjang stimmen und dass nachdem eine Fraktion die Weichen auf Friede-Freude-Eierkuchen gestellt hatte, ein Heckenschütze aus ner anderen Fraktion, das wieder sabotieren wollte. Eine Andere währe, dass man mal wieder versucht die USA und Südkorea auseinanderzudividieren. Während man mit den Einen (Südkorea) auf Liebkind macht, packt man die Anderen (USA) etwas härter an. (Macht aber wenig Sinn, weil dann der Umgekehrte Weg sicherlich gangbarer gewesen wäre (Obama eher der relaxte Typ; Lee Myung-bak eher der Fiese)). Und natürlich könnte das alles, was ich zumindest in Teilen glaube. Von den Medien falsch aufgefasst worden sein. Vielleicht ist der berühmte Brief in erster Linie ein Eingeständnis, das nur aus traditionellen Gründen mit ein paar markigen Worten eingepflegt wurde. Und vielleicht war das offene Eingeständnis des auf Uran basierenden Nuklearprogramms auch eine Forderung der USA an Nordkorea, bevor es zu weiteren Verhandlungen kommt. Und wer will bei so einem Eingeständnis schon zu Kreuze kriechen. Nordkorea sicherlich nicht. Oder es war eine Art bluff, um ein bisschen Dynamik in die ganze Situation zu bringen (wobei man so richtige Bluffs von Nordkorea eher selten sieht).

Wie gesagt, man weiß es nicht. Aber um mit Fox Mulder zu sprechen „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen“ und ähnlich wie Fox Mulder das desöfteren Tat, gehe ich davon aus, dass die US Regierung mehr weiß. Deswegen werd ich mir die Reaktionen auf den Brief Seitens der US-Vertreter in den nächsten Tagen mal ganz genau anschauen.

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