Kim entlässt Personal auf höchster Ebene. Hintergründe und Motive


Kaum redet man etwas mehr über nordkoreanische Eliten, da tut sich auch schon etwas in der obersten Führungsebene des Landes: Wie Yonhap berichtet wurde Kim Il-chol (Der Steckbrief kommt mal wieder von „North Korea Leadership Watch“ dort wirds wohl auch was zu diesem Fall zu lesen geben, wenn der Tag über den großen Teich gewandert ist), Marinegeneral, Vize-Verteidigungsminister und Mitglied des National Defense Commission (NDC), dem höchsten Entscheidungsgremium des Landes, von all seinen Posten entlassen (leider steht es noch nicht auf der englischsprachigen Seite von KCNA, daher nur aus zweiter Hand). Als Begründung sei das hohe Alter Kims angegeben worden (die Aussagen über das Alter schwanken zwischen 77 und 80 Jahren), was aber nicht so recht überzeugen kann, da zumindest zwei Mitglieder der NDC deutlich über 80 Jahre alt sind.  Der Vorgang der Entlassung ist laut der Medienberichte in zweierlei Hinsicht auffällig. Einerseits ist die Entlassung wie gesagt eine Änderung in den obersten Führungsstrukturen des Landes und bedarf daher der Aufmerksamkeit, andererseits ist es aber auch sehr ungewöhnlich, dass die nordkoreanischen Medien solche Änderungen überhaupt melden. Normalerweise werden nur Todesfälle oder Beförderungen verbreitet, nicht aber Entlassungen.

Kim Il-chol, Karriere und Person

Ein Blick auf die Hintergründe kann hier vielleicht schon etwas Licht ins Dunkel bringen. Wie gesagt ist Kim Il-chol zwischen 77 und 80 Jahren alt. Da er aber bereits zu Beginn des Koreakriegs als stellvertretender Kommandeur diente, scheint es mir etwas schlüssiger, wenn er 80 wäre, dann wäre er nicht bereits als 17 jähriger in einer gehobenen Position gewesen. Er wurde von 1962 bis 1968 auf einer russischen Marine-Universität ausgebildet und stieg danach kontinuierlich in den militärischen Rängen auf und wurde 1992 wurde zum General befördert. Ganz oben in der Führung des Landes kam er allerdings erst mit Kim Jong Il an. 1998, also in dem Jahr als die NDC ihre Bedeutungsaufwertung erfuhr, wurde er Mitglied dort und im selben Jahr (auch hier gehen die Berichte auseinander, manche Quellen sagen 1998, manche 1999 und manche 2000) wurde er zum Minister für die Streitkräfte (Minister of the People’s Armed Forces). In dieser hohen Position traf er im Jahr 2000 bei dem historischen Besuch Kim Dae-jungs in Pjöngjang als Teil einer Militärdelegation mit diesem zusammen. Ansonsten viel er aber eher durch markige Worte, vor allem gegenüber den USA und Südkorea, auf. In seinem Repertoire war der immer wieder gern genommene „sea of fire“ in Seoul, „gnadenlose Bestrafung der USA für ihr Fehlverhalten“ oder auch „Human Bombs“ als die sich die Soldaten in einem preemptiven Schlag gegen die US Imperialisten werfen könnten. Aber auch innenpolitisch scheute er sich nicht große Worte zu benutzen. Ebenfalls ein zeitloser Klassiker: „Comrades, we can live without candies, but we can’t live without bullets„. In der Zeit als Minister wurden Kim Il-chol von Beobachtern Chancen eingeräumt, in einem möglichen kollektiven Führungsgremium nach dem Tod Kim Jong Ils eine bedeutende Rolle zu spielen. Allerdings ist sein Stern nicht plötzlich verglüht. Er begann schon im vergangenen Jahr zu sinken, als er zum Vizeminister für die Streitkräfte degradiert wurde. Da er aber weiterhin den Posten in der NDC behielt, wurde dem von Beobachtern keine große Bedeutung beigemessen.

Warum musste er gehen?

Was könnten also Beweggründe für die Entlassung des bedeutenden Militärs sein? Da gibt es verschieden Möglichkeiten die unterschiedlich spekulativ sind. Unter anderem wird spekuliert, die Entlassung könne im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichts über eine gelungene Kernfusion zur Energiegewinnung stehen. Diese Idee kann man glaube ich sofort wieder vergessen. Wegen einer solchen Lappalie schraubt Kim Jong Il nicht an seiner Führung rum. Yonhap zitiert einen Forscher, der darauf hinweist, Kim Il-chol könnte mit seiner Degradierung im vergangenen Jahr unzufrieden gewesen und daher nun ganz aus der Führungsebene entfernt worden sein. Scheint nicht abwegig aber reicht meiner Meinung nach nicht aus. Vielleicht wäre die Entfernung Kims mit einem Schlag auch ein zu tiefer Einschnitt gewesen, bei dem es unter Umständen Widerstände gegeben hätte und man entschied sich daher für eine graduelle Entmachtung. In diesem Zusammenhang könnte man auch die vermutete Nachfolge Kim Jong Uns ins Spiel bringen. Vielleicht werden nun nach und nach Personen in Stellung gebracht, die Kim Jong Un loyal ergeben sind und die sein Vertrauen besitzen. Naja und wenn die nach oben wollen, müssen dafür andere gehen, wofür sich vermutlich am ehesten Mitglieder der Generation eigenen, die mit Kim Jong Uns Altersgruppe annähernd nichts mehr gemein hat. Wenn man dann sehr spekulativ sein will (stark Richtung Verschwörungstheorie, aber da mir die Idee kam will ich sie auch nennen) kann man auch über einen Zusammenhang zwischen dem Untergang der Cheonan und der Entlassung Kim Il-chols nachdenken. Kim war Marinegeneral, das würde schonmal passen. Er hat sich aggressiv gegenüber den USA und Südkorea geäußert, von Preemptivschlägen und Selbstmordattentaten gesprochen, das käme auch hin. Er wurde letztes Jahr degradiert (vielleicht weil es Unstimmigkeiten über die politische Linie gab), aber nicht soweit, dass er keinen Einfluss mehr hatte. Also hat er die Chance ergriffen und das Schiff versenken lassen um so seine Linie durchzupressen. Nordkorea hat sich entschieden die Verantwortlichkeit des verrückten Einzeltäters halbwegs öffentlich zu machen (nachdem das mit China abgesprochen war) um den Weg für Sechs-Parteien-Gespräche freizumachen indem man ein größtmögliches Maß an Aufklärung bietet. (Wenn man das so liest klingt es ja fast überzeugend. Aber das ist ja der Trick an Verschwörungstheorien. Man überlegt sich einfach irgendwas, das irgendwie zu möglichst vielen Fakten und Details gepasst haben könnte. Da es niemand besser wissen kann, gibt es immer ein paar Leute die es glauben.)

Für mich hört sich die Variante graduelle Entmachtung zur Vorbereitung Kim Jong Uns am besten an. Wir werden ja sehen, ob in nächster Zeit noch mehr Führungskräfte entlassen oder getauscht werden. Aber ich gehe mal ganz stark davon aus.

Wenn die Schmuddelkinder miteinander spielen: USA besorgt über die Beziehungen zwischen Myanmar und Nordkorea


Scheinbar sind die USA nicht besonders glücklich mit den weiterhin glänzenden Beziehungen zwischen Myanmar und Nordkorea, die nicht zuletzt auf dem Handel mit Waffen (in Richtung Myanmar) beruhen. Dies legt zumindest eine Aussage des hochrangigen US-Diplomat Kurt Campbell (er ist im State Department für Ostasien zuständig) nahe, die er während einem Besuch in Myanmar äußerte. Myanmar habe zwar zugesagt sich an Resolution 1874 des UN-Sicherheitsrats zu halten, die verlangt dass u.a. Waffenlieferungen aus Nordkorea beschlagnahmt und zerstört werden, allerdings zeigten „jüngste Entwicklungen“, dass Myanmar diesen Verpflichtungen nicht nachkomme. Weiterhin sagte Campbell, er habe versucht eine Zusage der Junta zu erlangen, dass sie den internationalen Verpflichtungen in Zukunft nachkommen würde. Ohne eine solche Zusage würden sich die USA vorbehalten im Rahmen des von der internationalen Gemeinschaft gesetzten Rahmens eigene Maßnahmen zu ergreifen.

Die Aussage Campbells wird als deutliche Warnung der USA an die Junta davor verstanden, weiterhin Waffengeschäfte mit Nordkorea zu machen. Was genau die von Campbell genannten „jüngsten Entwicklungen“ sind, darüber gibt es nur Spekulationen, allerdings scheinen die USA etwas zu wissen, dass ihnen nicht gefällt. Wirklich kompromissbereit scheinen sich die Vertreter Myanmars allerdings auch nicht gezeigt zu haben, denn sonst hätte Campbell wohl ein freundlicheres Statement auf Lager gehabt. Jedenfalls sieht es so aus, als würden die glänzenden Beziehungen der beiden asiatischen Sorgenkinder in den USA vermehrt Stirnrunzeln hervorrufen.

Von Achsen-Träumen und neuen Kalten Kriegen: „China, Iran and North Korea: A triangular strategic alliance“


Irgendwie komme ich in letzter Zeit nicht so recht weg von der Achse des Bösen. Das hat nun aber nichts damit zu tun, dass ich ständig darüber nachdenken würde, ob da nicht doch eine Achse ist, und was die Beweise für ihre Existenz wären. Nein, eigentlich halte ich das Gerede von der Achse eher für eine Fußnote der Geschichte und ich bezweifle, dass sich zwischen denen, die George W. Bush damals in der Achse angesiedelt hatte, jemals eine wirklich enge Allianz ergeben wird. Allerding scheint es Andere zu geben, die sich von den Achsen-Träumen noch nicht so recht lösen können und scheinbar auch den relativ einfachen Denkstrukturen des Kalten Krieges („die und wir“) nachtrauern. Dr. Christina Y. Lin scheint ein solcher Mensch zu sein. Eben stieß ich auf ein Paper von ihr, das den sprechenden Titel „China, Iran and North Korea: A triangular strategic alliance“ trägt. Zuerst dachte ich: „Alles klar, mal wieder ein versprengter Irrer extrem Konservativer, der einfach nicht wahrhaben will, dass sein Weltbild schief war die Politik, die daraus resultierte grandios gescheitert ist und dass man sich nen neuen Ansatz suchen muss und der daher mit aller Macht gegen die Realität anschreibt.“ Hab dann ein bisschen recherchiert und gesehen, dass das Paper bei einer durchaus seriösen Institution veröffentlicht wurde und dass ihr akademischer Hintergrund auch ganz solide daherkommt (Also nicht mit Dr. von irgend ner komischen Wald und Wiesen Uni in der sich Hillbillies vor dem Angriff der UN-Armee fürchten oder so (Das war das was ich mir ungefähr vorgestellt hab als ich mit dem Schrieb durch war)) und sie auch schonmal für das State Department der USA gearbeitet hat (Unter welcher Regierung steht zwar nicht da, aber ich hab da so meine Vermutungen (dürfte auf jeden Fall über ein Jahr her sein)). Außerdem hab ich noch weitere Papers von ihr gefunden deren Namen ebenfalls für sich sprechen: „The King from the East: DPRK-Syria-Iran Nuclear Nexus and Strategic Implications for Israel and the ROK“ (Hier kommt auch der wunderbare Begriff „nuclear axis of evil“ vor) und „For Such a Time as This. The Sino-Russian Axis and Security Challenges for Transatlantic Relations“ (zwar nicht „evil“ aber immerhin „axis“). Das Erste hab ich mir ganz durchgelesen, die anderen Beiden nur überflogen.

Zusammenfassend und vorneweg möchte ich sagen, dass ich ihre Ergebnisse für totalen Quatsch halte, die Lektüre aber trotzdem interessant fand. Warum, das werde ich euch jetzt schildern. Dabei halte ich mich nur an das Nordkorea-China-Iran-Werk, weil die Anderen Nordkorea nicht so ausgiebig behandeln und weil  ich nicht die Nerven und die Zeit hatte, sie ganz zu lesen.

Schon beim ersten Satz ihres Aufsatzes dachte ich: „Da kann doch was nich stimmen!“

While the international community is facing a nuclear stalemate with Iran and North Korea, China is increasingly emerging as a Great Wall in blocking the path towards sanctions and peaceful resolution of the Iranian nuclear crisis and denuclearizaton of the Korean Peninsula.

Entweder habe ich was nicht richtig mitgekriegt oder sie. Ich für meinen Teil erinnere mich daran, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in den letzten vier Jahren drei Resolutionen gegen Nordkorea erlassen hat, von denen zumindest die letzten beiden erhebliche Einschränkungen für das Regime in Pjöngjang mit sich brachten. Hm, wo China da “zunehmend“ Sanktionen blockiert hat ist mir schleierhaft. Auch bezüglich der Iranfrage allein auf China zu zeigen scheint mir eine etwas verkürzte Darstellung (aber vermutlich passte Russland in diesem Kontext nicht). Aber zurück zu dem Text. Lin versucht Zusammenhänge herzstellen, wo kaum welche zu finden sind. Sie schafft es zwar Verbindungen zwischen China und Nordkorea (was für eine Überraschung), China und Iran und Nordkorea und Iran herzustellen. Aber Verbindungen zwischen China, Nordkorea und Iran (was ich als Dreieck und strategisches Bündnis verstehen würde), kann sie nicht herstellen.

Der Aufsatz besteht also aus mehreren Einzelteile, zwischen denen eigentlich nur die Überschrift als Bindeglied fungiert. Aber die Einzelteile sind recht interessant. Da gibts einen Teil zu Chinas „neuer Seidenstraße“ und der „Perlenkettenstrategie“, die beide mit Pekings zunehmender wirtschaftlicher und politischer Macht, vor allen Dingen aber mit Chinas Bedarf nach Rohstoffen, zu tun haben. Beide Elemente der chinesischen Strategie sind zwar nicht unbedingt neu, aber recht angenehm aufbereitet. Allerdings haben sie nichts aber auch garnichts mit Nordkorea zu tun und berühren Iran nur periphär (weil Iran am Ende der neuen Seidenstraße stehen würde und einen Teil der Perlenkette von Häfen und Stützpunkten bilden könnte, die den Einfussbereich der chinesischen Seestreitkräfte langfristig bis ans Horn von Afrika ausdehnen könnte).

Der Teil über die strategische Allianz zwischen Iran und Nordkorea beruht so etwa zu einem Viertel auf Aussagen, die als gesichert gelten können, der Rest ist eine (durchaus interessante und fast vollständige) Sammlung wilder Gerüchte, inoffizieller Memos und Aussagen von Anonymen Leuten (das Übliche also). Nur wo es um die Kooperation bei der Produktion und Entwicklung ballistischer Raketen geht scheint einiges dran zu sein. Aber sie versucht auch noch eine nukleare Kooperation die in die Mitte der 1990er Jahre zurückreicht ins Spiel zu bringen (Ganz zu schweigen von der Miniaturisierung nuklearer Sprengköpfe, zu deren Zweck sich iranische und nordkoreanische Ingenieure ständig gegenseitig besuchen (Seit Anfang des Jahrausends)) und dem Tunnelbau, bei dem Nordkorea nicht nur dem Iran, sondern auch der Hisbollah im Libanon geholfen hat. Tja und da ist wieder so eine Dreiecksbeziehung, denn: China hat auch Tunnel! Wenn da mal keine Verbindung zwischen den dreien besteht (Ich frage mich nur, warum der Autorin nicht aufgefallen ist, dass die USA ihre Nuklearwaffen auch in unterirdischen Bunkern lagern? Ob Kims Leute die wohl auch gebaut haben?). Einen weiteren Beleg dafür, dass es ein strategisches Dreieck gibt sieht die Autorin darin, dass China nicht der von den USA geführten Proliferation Security Initiative (PSI) beigetreten ist, die u.a. die Durchsuchung verdächtiger Schiffe auf hoher See erlaubt. Naja, mal ganz abgesehen davon, dass das etwa hundert andere Staaten auch nicht getan haben sollte die Autorin recht genau wissen (und sie weiß es auch (schließlich hat sie bei der US-Regierung in der China-Abteilung gearbeitet), sagt es nur nicht, was ich nicht besonders redlich finde), dass die PSI gegen grundlegende Prinzipien des chinesischen Staates verstößt unter anderem einem besonderen Gewicht auf staatliche Souveränität. Naja, jedenfalls, so die These, fördere China dadurch, dass dessen Luftraum für nordkoreanische Flugzeuge offen sei, direkt die Proliferation von Massenvernichtungswaffen aus Nordkorea in den Iran.

Für die Beziehung zwischen China und Nordkorea fällt der Autorin nicht mehr ein, als dass Nordkorea als strategischer Puffer dienen könnte, sollte es zu einem Konflikt um Taiwan kommen. Hier könnte die nukleare Bewaffnung Nordkoreas die amerikanischen Truppen in Südkorea binden. Das mag eine Erwähnung, sein, aber ich glaube da hätte man noch einiges mehr schreiben können. Und vor allen Dingen: Was hat das denn mit Iran zu tun?

Spätestens in dem Moment, als sie für ihr Fazit noch die Collective Security Treaty Organization (CSTO) sowie die Shanghai Cooperation Orgnisation (SCO) zwei mäßig institutionalisierte Sicherheitsbündnisse, die bisher in der internationalen Politik nicht sonderlich stark in Erscheinung getreten sind und unter russischer und chinesischer Führung stehen, aus dem Hut zaubern musste, hätte der Autorin wohl auffallen sollen, dass das irgendwie alles nicht zusammenpasst. Aber darum geht es ihr glaube ich nicht. Sie will zeigen, dass sich eine neue Gegenmacht bildet. Dass Russland und China dabei sind autoritär regiere Schurkenstaaten um sich scharen (und gegenüber der Welt verteidigen) um, ja um was eigentlich? Das sagt sie nicht so direkt, aber implizit meint sie wohl sowas wie: Mehr Einfluss zu gewinnen. Auch folgender Satz deutet in diese Richtung:

Thus, it seems China has its own agenda towards Iran and the Middle East and is unwilling to take steps to hurt its strategic interests.

Die Autorin ist jedoch so darauf fixiert nachzuweisen, dass China eine Gefahr ist, dass ihr nicht mal auffällt, dass es für Staaten ziemlich normal ist, wenn sie keine Schritte unternehmen, die den eigenen strategischen Interessen Schaden zufügen oder mehr Einfluss zu gewinnen, so funktioniert internationale Politik nun mal. Dass es recht wahrscheinlich ist, dass Iran der CSTO beitritt, dass diese zusammen mit der SCO eine Art gegen-NATO bildet, dass daher langfristig ein regionaler Konflikt zwischen diesen beiden Organisationen und der NATO entstehen wird und das Iran einen nuklearen Schutzschirm über allerlei Terrororganisationen spannen will, muss ja eigentlich nicht mehr extra erwähnt werden, ist aber bei Frau Lin nachzulesen.

Warum ich euch jetzt solange damit gequält habe? Einerseits, weil ich euch zeigen wollte, dass es immernoch Leute gibt die an eine „Achse des Bösen“ und Schlimmeres, einen „Block des Bösen“ oder so glauben. Andererseits weil ich es immerwieder erstaunlich finde, was manche Doktores so vom Stapel lassen. Ich meine die Frau kann doch nicht ernsthaft glauben, dass das was sie da veröffentlicht hat, irgendwelchen Sinn macht, ganz zu schweigen von denen, die da den Namen ihrer Institution drübergeschrieben haben (na gut, ist ne israelische Uni. Da ist es schonmal sehr wichtig, dass der Iran sehr böse ist). Weiterhin zeigt der Artikel eindrucksvoll, dass viele Fußnoten nicht unbedingt ein Merkmal von Qualität sind (Besonders wenn sie kaum auf wissenschaftliche Arbeiten, sondern hauptsächlich auf Zeitungsartikel und Statements von Mr. X und co. verweisen). Warum Frau Lin so versessen auf eine angebliche Achsenbildung zwischen China und irgendwelchen Schurkenstaaten ist, kann man nur vermuten. Da sie aber taiwanesisch spricht, vermute ich mal, dass sie dort geboren und sozialisiert wurde. Und auf der Insel Chiang Kai-sheks soll es ja immernoch ein paar Leute geben, die so ziemlich alles Böse dieser Welt von den Rotchinesen (ist ein bisschen außer Mode gekommen das Wort, oder?) erwarten.

Also, solltet ihr euch nach der angenehmen Einfachheit der Gedankenwelt des Kalten Krieges sehnen, solltet ihr eine recht umfangreiche Gerüchtesammlung über nordkoreanisch-iranische Zusammenarbeit lesen wollen, oder wollt ihr euch einfach nochmal was abgefahrenes durchlesen, dann schaut euch doch einfach mal die oben verlinkten Aufsätze an. Viel Spaß dabei.

Achse des Bösen: Wirds doch noch was? — Mahmoud Ahmadinejad lädt Kim Jong Il ein


Ich habe mich ja vor einiger Zeit mal damit beschäftigt, dass die Ausrufung der berühmten Achse des Bösen durch George W. Bush als „Self fulfilling Prophecy“ gewirkt haben könnte. Dazu gab es heute eine interessante Meldung. Und zwar wird berichtet, Mahmoud Ahmadinejad habe der Delegation des Außenministeriums, die Pjöngjang vor ein paar Wochen besucht hat, eine Einladung für Kim Jong Il für einen Besuch in Teheran mit auf den Weg gegeben. Finde ich durchaus interessant. Jedoch weiß ich natürlich nicht, wie die Zugverbindungen von Pjöngjang nach Teheran so sind. Allerdings zeigt die Einladung (auf die sicherlich irgendein Staatsbesuch folgen wird), dass der Iran an engeren Beziehungen mit Nordkorea durchaus interessiert ist. Naja, ob die beiden Staaten dann wirklich ne richtige Achse bauen (wie auch immer so ne Achse genau aussieht, bis zu den „Achsenmächten“ fehlt wohl noch einiges) werden bleibt natürlich fraglich, aber immerhin „achsiger“, als die Beziehungen bisher waren.

Kim besucht China: Was auf der Agenda steht.


Der Besuch Kim Jong Ils in China, über den ja schon seit längerem spekuliert wurde, scheint heute Morgen begonnen zu  haben. Berichten zufolge überquerte Kims Zug um 5:20 Ortszeit bei Dandong die Grenze nach China und reiste dann in die Hafenstadt Dalian auf der Halbinsel Liaodong weiter. Kim, der sehr selten ins Ausland reist und sich dann immer auf sein bevorzugtes Fernreisemittel, die Bahn, verlässt (Gerüchte besagen er habe Flugangst) war zum letzten Mal im Jahr 2006 in China zu Besuch. Im November letzten Jahres hatte Chinas Präsident Hu Jintao Kim Jong Il eingeladen, eine „Angebot“ das Kim nur schwerlich ausschlagen konnte und das immer wieder zu Spekulationen über einen möglichen Besuch Kims in China geführt hat.

Wie Kims Reiseroute aussehen und was bei seinen Konsultationen mit Hu Jintao auf dem Programm stehen wird ist natürlich nicht bekannt, allerdings dürfte über einige Punkte sicherlich gesprochen werden. Schon die erste Station seiner Reise, die Stadt Dalian, die bei Beobachtern für einige Verwunderung sorgte, lässt vermuten, dass wirtschaftliche Fragen eine bedeutende Rolle spielen dürften. In den letzten Wochen waren Berichte laut geworden, Nordkorea wolle den Hafen in Rajin, der zu Sonderwirtschaftszone Rason gehört, ausbauen und es seien bereits Docks an chinesische und russische Unternehmen verpachtet worden. Es wird gemutmaßt, dass Kim in Dalian Expertise über Hafenentwicklung einziehen wolle. Ein weiteres Thema dürfte die Denuklearisierung Nordkoreas sein. Die Vorbereitungen der Sechs-Parteien-Gespräche um die Denuklearisierung des Landes waren in den vergangenen Monaten in eine Sackgasse geraten. Hier könnte der Besuch Kims, der in solch bedeutenden Themen die Entscheidungen trifft, entscheidende Impulse geben (Es würde mich nicht überraschen, wenn man in den nächsten Tagen einen neuen Anlauf Nordkoreas in diese Richtung sehen würde). Wie oben bereits angedeutet, dürften auch wirtschaftliche Themen einen hohen Stellenwert bei den Gesprächen haben. In den letzten Monaten sind Meldungen über Investitionen chinesischer Unternehmen in Nordkorea in kurzen Zeitabständen aufeinander gefolgt. Hier könnte über neue Deals gesprochen werden (außerdem hat man lange nichts mehr von dem 10 Milliarden Geschäft gehört, dass China angeblich im Norden plant). Vielleicht Ganz sicher tauscht man sich auch über den Untergang der Cheonan, seine möglichen Gründe und die Folgen aus (da würde ich gerne Mäuschen spielen (bin aber wohl nicht der Einzige)). Ein weiterer Punkt der anstehen könnte wäre eine  Vorstellung des vermutlichen „Thronfolgers“ Kim Jong Un. Es wurde in der Vergangenheit bereits viel darüber spekuliert, ob und wann er bereits China besucht hat. Aber seit sich (wenn es denn so ist) Kim auf ihn festgelegt hat, war es sicher nicht dort. Und ne formelle Vorstellung gegenüber dem wichtigsten Patron muss wohl sein. Außerdem muss der Junge ja auch mal was darüber lernen wie die Dinge in der „großen Politik“ laufen.

Tja da gibt es einiges zu besprechen und ich bin mir sicher, dass es auch das eine oder andere Ergebnis zu vermelden geben wird. Dementsprechend halte ich die Reise im Auge und werde mich, wenns was Neues gibt, dem auch ausgiebig widmen.

Reist Kim Jong Il nach China? Gerüchte verdichten sich


Jetzt scheints wirklich ernster zu werden um Kim Jong Ils Reise nach China. Nachdem Spekulationen darum schon seit Dezember letzten Jahres in regelmäßigen Abständen hochgekocht sind, verdichten sich nun die Hinweise, dass es in den nächsten Tagen soweit sein könnte. Südkoreanische Quellen berichten, dass eine „Vorhut“ bereits nach China gereist sei um die Reise vorzubereiten. In der Vergangenheit sei Kim solchen Vorhüuten im Abstand von etwa drei Tagen gefolgt. Weiterhin kam es vorgestern zu einem Zusammentreffen zwischen Kim Jong Il und dem chinesischen Botschafter.

Bei einem Besuch gäbe es ja auch einige bedeutende Themen zu besprechen. So wird vermutet/gehofft, dass eine solche Reise Kims der ersten Schritt für eine Rückkehr Nordkoreas zu den Sechs-Parteien-Gesprächen sein könnten. Sich darüber unterhalten wird man auf jeden Fall. Allerdings dürfte zuerst wohl die Suche nach einer Möglichkeit im Mittelpunkt stehen, wie Nordkorea ohne größeren Gesichtsverlust zu den Gesprächen zurückkehren kann. Schließlich hat Pjöngjang seine Bedingungen für die Rückkehr recht deutlich gemacht. Würde man sich nun ohne irgendwelche Zugeständnisse der anderen Parteien wieder an den Verhandlungstisch setzen, käme dies einem solchen Gesichtsverlust gleich. Tja und ob man in Pjöngjang bereit ist, aus einer solch demütigend Ausgangsposition zu den Gesprächen zurückzukehren, ist äußerst fraglich.

Weiterhin erinnere ich mich noch düster an eine vollmundige Ankündigung  einer zehn Milliarden Dollar Investition, die unter chinesischer Federführung in Nordkorea getätigt werden sollte. Die Verträge sollten soweit ich mich erinnere Mitte März unter Dach und Fach gebracht werden. Wenn ich aber nicht komplett geschlafen habe, hat man seitdem nichts mehr davon gehört. Daher dürfte auch hier Gesprächsbedarf bestehen.

Naja und dann gibts natürlich noch einige kleinere Themen, wie die bereits beschlossenen Deals, den kleinen Grenzverkehr zwischen den Ländern, der Nordkoreas Märkte mit Wahren aus China versorgt und den Nordkorea ja kürzlich erfolglos abzuwürgen versucht hat und vielleicht auch die Mobilfunkantennen, die aus China einem Teil der nordkoreanischen Bevölkerung den Zugang zum internationalen Mobilfunknetz ermöglichen, was beim Regime in Pjöngjang zunehmend Besorgnis zu verursachen scheint. Und nochwas fällt mir ein, das noch ein bisschen tiefer in der Gerüchteküche steckt. Vielleicht könnte Kim ja auch seinen Sohn Kim Jong Un einpacken und den Thronfolger mit dem wichtigsten Patron vertraut machen.

Wie gesagt, es gäbe einiges zu besprechen, wenn Kim denn fährt. Denn sicher sein, dass es sich nicht nur um Gerüchte handelt, kann man erst, wenn der Zug mit Kim drin über die Grenze fährt. Und was letztendlich besprochen wurde, das werden wir bestenfalls ein paar Tage später an der Realität ablesen, wenn überhaupt.

Nordkorea in der Sackgasse. Gesucht: Neue Strategie gegenüber den USA und Südkorea


Als vorgestern die Meldungen vom Untergang des südkoreanischen Schiffs nahe der Northern Limit Line (NLL) kamen, hab ich mir schon ein bisschen Sorgen um die Stabilität in der Region gemacht, weil ich mir diesmal durchaus hätte vorstellen können, dass Nordkorea seine Finger im Spiel hatte. Zu einer anderen Zeit und in einer anderen Situation hätte ich das vermutlich recht schnell als unwahrscheinlich abgetan und mich weiter dem Tagesgeschäft gewidmet, aber Nordkorea ist zur Zeit sowohl außenpolitisch als auch innenpolitisch in einer schwierigen Lage und daher ist es nicht aus der Luft gegriffen zu erwarten, dass man in Pjöngjang außenpolitisch auf der Suche nach einem „game-changer“sein könnte. Ich hab das ja schon früher mal angerissen, möchte euch aber, auch wenn die Geschichte mit dem Boot sich vermutlich nicht als direkter Effekt dieser Situation herausstellen wird, meine Sicht der schwierigen Umstände, in denen sich das Regime in Pjöngjang zurzeit befindet kurz darlegen. Dabei möchte ich mich weitgehend auf die außenpolitische Situation beschränken, da diese meiner Meinung nach erstens nur indirekt mit der innenpolitischen in Verbindung steht und das ganze ansonsten zweitens in endloses Spekulieren und Kaffeesatzlesen ausufern würde. Und wenn ihr das wollt könnt ihr die BILD oder die Chosun Ilbo (die in letzter Zeit erstaunlich viel im alten Kaffee gerührt hat) lesen. Folglich werde ich mich zu Beginn mit den grundlegenden Bedürfnissen Nordkoreas und den Wegen diese zu erlangen beschäftigen, dann auf aktuelle Hemmnisse eingehen und abschließend die Sackgasse, in dem das Regime meiner Meinung nach steckt, beschreiben.

Was Nordkorea braucht…

Ganz grundsätzlich ist Nordkorea auf den Zufluss von Gütern (oder Kapital, aber damit kauft man ja auch Güter) von außen angewiesen. Das Land ist nicht in der Lage den kompletten Bedarf (damit meine ich den Bedarf, der besteht um die Stabilität des Regimes zu sichern, nicht den der benötigt wird um der Bevölkerung ein gutes Leben zu ermöglichen) durch eigene Produktion zu decken und kommt deshalb nicht umhin, verschiedene Güter einzuführen. Diese dienen der Befriedigung der Bedürfnisse (wie die auch immer aussehen, das müssen nicht zwangsläufig die gern genannten Produkte Cognac und Pornos sein) der Eliten, denn kommt es zu Unzufriedenheit und Konflikten innerhalb dieser (staatstragenden) Gruppe, dürfte das Schicksal des aktuellen Regimes besiegelt sein. Weiterhin müssen die Wünsche des Militärs ((Aus)Rüstung) erfüllt werden. Zwar gehen die Meinungen bezüglich der Rolle der Truppen auseinander, aber selbst wenn das Militär zurzeit weiterhin das der Partei ist und sein Ziel vornehmlich im Schutz derselben sieht, so birgt Unzufriedenheit dort doch immer die Gefahr, dass sich die Generalität gegen seine Herren wendet, oder zumindest spaltet. Auch die Deckung einer gewissen Basisversorgung der Bevölkerung dürfte vonnöten sein, auch wenn diese recht knapp ausfällt. Eine schwere Versorgungskrise auf breiter Front könnte im Volk endgültig den Funken des Widerstands entzünden, daher müssen zumindest Teile der Bevölkerung grundlegend versorgt werden. Wie gesagt kann das Regime dies alles nicht im Rahmen der eigenen Produktion gewährleisten, sondern ist in allen Bereichen auf Einfuhren angewiesen. Wie die Zustandekommen ist dabei erstmal egal. Ob als Hilfen, als Freundschaftsgeschenke, im Rahmen von vertraglichen Abmachungen oder im Tausch gegen harte Währung oder Güter aus eigener Produktion (z.B. Raketen) spielt eine untergeordnete Rolle. Allerdings sind in der jüngeren Vergangenheit, besonders nach dem Amtsantritt Lee Myung-baks einige dieser Kanäle versiegt, oder zumindest enger geworden.

…und was dabei stört: UN Sanktionen,…

Die UN Sanktionen nach dem ersten Atomtest Nordkoreas bildeten hierfür den Auftakt, waren allerdings noch nicht sonderlich effektiv. Die Sanktionen auf Luxusgüter konnte jedes Land für sich im Detail definieren und auch die Versorgung zur Entwicklung und Produktion von Raketen konnte nicht abgeschnitten werden. Wesentlich schärfer wirkten sich die Sanktionen nach dem zweiten Nukleartest des Landes aus. Die Möglichkeiten zum Export von Waffen wurden deutlich eingeschränkt, wie z.B. die Fälle abgefangener Waffenlieferungen zeigen. Damit wurden auch die Chancen eingeschränkt, an Kapital zu gelangen, bzw. Tauschgeschäfte zu machen. In welchem Ausmaß die Sanktionen tatsächlich wirken (besonders auch auf der Importseite) ist schwer zu quantifizieren, allerdings tun sie es. Dies wird auch aus den wütenden Forderungen Nordkoreas nach dem Ende der Beschränkungen deutlich. Die Einschränkungen in diesem Bereich dürften vor allem die Bedürfnisse der Eliten und des Militärs treffen.

…Finanzsanktionen und…

Neben den Sanktionen der UN, haben auch die USA besonders unter der Regierung Obama ihre Bemühungen verstärkt, Finanzsanktionen gegen Nordkorea zu entwickeln. Auf den ersten Blick scheinen solche Sanktionen nicht bedeutend zu sein, da sie nicht direkt auf zu exportierende Güter wie Waffen abzielen. Durch die Hintertür stellen sie allerdings ein schlagkräftiges Instrument dar. Durch die Sanktionen drohen Konsequenzen seitens der USA für Finanzinstitutionen, die Geschäfte mit Nordkorea machen. Da aber die USA für nahezu jedes Geldhaus der Welt ein Geschäftsfeld von überragender Bedeutung sind und man sich daher nicht in Gefahr bringen will, selbst von Konsequenzen getroffen zu werden, sinkt der Anreiz, geschäftlich mit Nordkorea in Kontakt zu treten. Faktisch wird es für Nordkorea immer schwere Finanzgeschäfte abzuwickeln, also Güter zu kaufen oder verkaufen. Auch diese Sanktionen treffen hauptsächlich die Eliten und das Militär. Wie unangenehm solche Sanktionen der nordkoreanischen Seite sind zeigt die Geschichte mit der Banco Delta Asia. Als diese mit Nordkorea in Verbindung gebrachte Bank seitens der USA sanktioniert wurde (es ging oberflächlich um 25 Mio. Dollar, aber hintergründig um die oben beschriebenen Zusammenhänge), protestierte Pjöngjang wütend und machte ein Ende der Sanktionen zur Bedingung für weitere (dann auch eingetretene) Fortschritte beim Denuklearisierungsprozess.

…Lee Myung-bak

Daneben stellt der Amtsantritt Lee Myung-baks einen einschneidenden Moment für Nordkorea dar. Er versprach eine härtere Haltung gegen den ungeliebten Bruderstaat und hielt sich auch daran. In seiner Amtszeit schrumpften die Hilfen an Nordkorea (Nahrungsmittel, Dünger, etc.) deutlich (was aber nicht nur durch Süd- sondern auch durch Nordkorea verschuldet war), der in den Jahren zuvor explosionsartig gestiegene Handel zwischen beiden Ländern ging wieder leicht zurück und der (einseitige) touristische Austausch (da dürfte das Wort „Austausch“ wohl irgendwie fehl am Platz sein, aber ihr wisst ja was ich meine) ruht seit längerem (wieder nicht direkt und einzig die Schuld Lees). Diese Maßnahmen dürften sowohl die Bevölkerung als auch Eliten und Militär (es kommt ja weniger Geld in die Kassen) treffen.

Der zwiespältige Patron: China

Vor diesem Hintergrund muss sich das Regime in Pjöngjang zunehmend auf die Unterstützung Chinas verlassen. Dies mag zwar kurzfristig ein gangbarer Weg sein, vor allem, da die anderen Optionen ja nicht funktionieren, langfristig stellt jedoch auch China als alleiniger Unterstützer Nordkoreas für das Regime in Pjöngjang keine wirklich tragfähige Lösung dar. Einerseits weil man auf einem Bein schlecht steht. Wenn zum Beispiel Chinas Prioritäten sich ändern sollten, oder das Land aus irgendeinem Grund selbst in Schwierigkeiten geriete, wäre das Regime in Pjöngjang wohl eins der ersten Opfer einer solchen Entwicklung. Andererseits, weil man sich in Pjöngjang noch nie gerne (was eigentlich untertrieben ist) in die Abhängigkeit nur eines Patronen begeben hat. Tja, und damit sind wir wieder bei der Aussage, die ihr von mir ja öfter mal hört. Pjöngjang ist außenpolitisch zum Erfolg verdammt.

Drohungen: Früher effektiv…

In der Vergangenheit, besonders seit dem Ende des Kalten Krieges, gelang es Nordkorea in aller Regelmäßigkeit, den USA und Südkorea dadurch Zugeständnisse abzuringen, dass man provozierte. Man machte der anderen Seite glaubhaft, dass, würden die Wünsche Pjöngjangs nicht erfüllt, unabsehbare Folgen möglich seien. Man drohte mit dem Austritt aus dem Nichtproliferantionsvertrag, man trat aus dem Nichtproliferationsvertrag aus, man drohte mit dem Test von Raketen, man testete Raketen, man drohte mit dem Test von Nuklearwaffen, man testete Nuklearwaffen. Ja man exportierte sogar nukleare Technologie trotz der ausdrücklichen Warnung der USA. All diese Drohungen und Umsetzungen der Drohungen in die Tat hatten ihre Wirkung. Zusätzlich konnte man noch Konzessionen gewinnen, indem man das zuvor in die Tat umgesetzte wieder graduell (aber nie vollständig) rückgängig macht. Nur ist die Situation nun eine andere. Der Effekt dieser Provokationen bleibt zunehmend aus. Die USA und Südkorea haben sich scheinbar darauf geeinigt, nicht mehr darauf zu reagieren und die eigene politische Linie konsequent weiterzuführen.

…heute nur noch ein stumpfes Schwert (und was das jetzt eigentlich mit dem Schiff zutun hat)

Hier steht Nordkorea in der Sackgasse. Das eigene Schwert ist stumpf geworden, während das der Gegenseite noch immer geschliffen scharf ist und bei Bedarf noch nachgeschärft werden kann. Und damit kommen wir zurück zur Einleitung und zu dem Kriegsschiff. Denn die Frage die ich mir (erstaunlicherweise kurz bevor die Meldung vom Untergang des Schiffs kam, was das Ganze noch etwas unheimlicher gemacht hat)  gestellt habe ist: Was könnte die USA und Südkorea noch so provozieren, bzw. vielmehr erschrecken, dass sie ihre konsequente Haltung aufgäben? Noch ein Atomtest? Nein, das würde höchstens zu noch mehr Sanktionen führen. Der erfolgreiche Test einer Taepodong II? Vielleicht, aber um dazu muss die Rakete auch funktionieren und solange das nicht der Fall ist, scheidet das aus. Der Verkauf von atomwaffenfähigem Material? Bestimmt, allerdings dürfte das dann aber auch der Schritt zu weit sein und daher für das Regime, dass ja einem rationalen Kalkül mit dem Ziel des Überlebens folgt, kein Option. Natürlich funktionieren begrenzte Spitzen wie die Gefangennahmen von Südkoreanern und US-Amerikanern oder die Drohung Hyundai-Asan in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Aber eben nur begrenzt und nicht in einem solchen Maß, dass sie die geschlossenen Reihen der Gegner in ernsthafte Unordnung bringen könnten. Kurz mir ist nichts eingefallen. Und dann ist das Schiff gesunken und ich dachte mir, dass die ernsthafte Drohung mit einem Krieg (die Rhetorik hat sich schon vor Jahren abgeschliffen und ist höchstens in den Medien mal für ne Schlagzeile gut) zum Beispiel durch das Versenken eines südkoreanischen Kriegsschiffs in dieser Situation gut passen würde. Tja, deshalb hat mich die ganze Geschichte etwas erschreckt. Damit hat der Verhandlungsprozess um die Sechs-Parteien auch weiter eine Chance, aber je länger das ganze dauert und wenn dem Regime in Pjöngjang nicht eine ganz andere Möglichkeit einfällt, die eigenen Misere zu entschärfen ohne auf die althergebrachte Provokationsstrategie zurückzugreifen, desto höher wird die Gefahr, dass man mit neuen Mitteln der Provokation herumexperimentiert. Deswegen sehe ich zwar noch lange keine steigende Kriegsgefahr, denn das wollen weder der Süden und die USA noch Nordkorea. Aber so eine Aktion würde die Situation ja auch sicherlich nicht verbessern und außerdem ist und bleibt ein gewisses Restrisiko, dass man bei einem solchen Vorgehen doch mal über das Ziel hinausschießen könnte.

Nordkorea fordert „Exekution“ des Sonderberichterstatters für Menschenrechte…NEIN! — Nicht wie ihr denkt!


Da hab ich mich wohl getäuscht. Ich hatte ja gedacht, irgendwer würde sich  für den Bericht des Sonderberichterstatters des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen, Vitit Muntarbhorn, interessieren. Dem war aber irgendwie nicht so. Dabei war das Ganze schon irgendwie interessant.

Zwar hat Muntarbhorn eigentlich nichts sagen können, das nicht eh schon bekannt war. Er hatte ja keinen Zugang nach Nordkorea und musste so auf die Quellen zurückgreifen, die weitestgehend auch allen Anderen offenstehen die ein Interesse daran haben (auch die Tatsache, dass er scheinbar keine Mitarbeiter hatte, seine Berichte selbst abtippen musste (hat er so gesagt) und ehrenamtlich gearbeitet hat, dürften hinderlich bei der Erstellung gewesen sein). Interessant war das Ganze trotzdem. Muntarbhorn hat kein Blatt vor den Mund genommen und die unkooperativen Haltung des „country concerned“, die Maßnahmen zur Unterdrückung der Märkte und die Währungsreform, die Erosion des Bildungs- und Gesundheitssystems, die fast gänzliche Nichteinhaltung der Freiheitsrechte, die auch im Gegensatz zur Verfassung Nordkoreas stehen und verbunden damit, die Existenz von Straflagern und das strikte Vorgehen gegen Flüchtlinge (hier klingt auch Kritik an China mit, wenn er fordert, dass in einigen Ländern Flüchtlinge aus Nordkorea als illegale Einwanderer klassifiziert würden und dass hier ein „flexiblerer Ansatz“ notwendig sei.) eindeutig kritisiert. Er forderte wie angekündigt, dass die Frage der Menschenrechtsverletzungen „internationalisiert“ werden solle, da auf nationaler Ebene kein Interesse an Änderungen bestünde und brachte den VN Sicherheitsrat sowie den Internationalen Strafgerichtshof als mögliche Akteure ins Spiel. Zusammenfassen beschrieb Muntarbhorn die Menschenrechtsverletzungen als „grauenvoll und erschreckend (harrowing and horific)“ und „lud die Regierung Nordkoreas ein“ kurzfristig und umgehend verschiedene Maßnahmen umzusetzen (ich will sie nicht alle aufzählen, aber mit meinen Worten zusammengefasst sagte er: „Hört auf die Menschenrechte zu verletzen!“). Wie gesagt, keine besonderen Neuigkeiten, aber ne gute Zusammenfassung der Umstände in Nordkorea.

Da es sich aber um eine Vorstellung des Berichts im Plenum handelte, gab es nach dem Vortrag des Sonderberichterstatters Wortmeldungen verschiedener Staaten und die waren dann irgendwie doch interessant. Als erstes durfte natürlich der Vertreter des betroffenen Staates in diesem Fall Choe Myong-nam antworten. Der sah den Bericht als Mittel er Konfrontation durch die USA, Japan und die EU. Der Bericht sei dem verschwörerischen Vorgehen dieser drei Parteien entsprungen, die immer wieder konfrontative Resolutionen gegen Nordkorea veranlassen würden. Choe machte sich nicht die Mühe, die Vorwürfe des inhaltlich zu bestreiten. Vielmehr drosch er verbal auf die Verfahrenspraxis des Menschenrechtsrats ein. Dabei hat er aber auch einige, meiner Meinung nach durchaus kritikwürdige, Punkte vorgebracht. So hinterfragte er die Motive, die dazu führten, dass die Position eines Sonderberichterstatters für Menschenrechte in Nordkorea eingerichtet wurde und deutete an, dass Menschenrechte nur ein vorgeschobenes Motiv seien um Druck auf Nordkorea zu entfalten. Dann war er ziemlich schnell beim Irakkrieg, dem Mittleren Osten, in Afghanistan und natürlich bei der japanischen Geschichte und fragte wo denn hier die Berichterstatter seien, die nach Menschenrechten fragten. Wie das Nordkorea ja immer gern tut, geißelte er die „double standards“ und stellte fest, dass Berichte über einzelne Länder nur Instrumente imperialistischer Politik seien, was besonders daran erkennbar sei, dass nur Entwicklungsländer und keine Industriestaaten von solchen Berichten betroffen seien. Wie gesagt, die Fragen die er aufwirft kann man auch als Nicht-Nordkoreaner stellen. Der Schluss den er aus seinen Ausführungen zog klingt dann wieder besonders „nordkoreanisch“, wenn auch unfreiwillig. Er forderte nämlich dass der: „anachronistic special rapporteur on the Democratic People’s Republic of Korea must be eliminated once and for all.“ Obs da dem Herrn Muntarbhorn wohl ein bisschen unheimlich geworden ist? Aber vermutlich dachte Choe dann doch nicht an das Verfahren, das Nordkorea sonst für illegale Handybesitzer und Auswanderer heranzieht…

Natürlich gabs noch weitere Wortmeldungen und nicht so natürlich (es handelt sich ja schließlich um den Menschenrechtsrat) stand Nordkorea nicht ganz allein da. Ein paar übliche Verdächtige sprangen Choe zur Seite: Hier sind Syrien, Kuba, Myanmar, der Sudan und Pakistan zu nennen. China sagte natürlich auch nichts gegen Nordkorea, aber das was der Vertreter Pekings von sich gab war so „diplomatisch“, dass es eigentlich alles bedeuten konnte und kann. Auf der anderen Seite standen ebenfalls übliche Verdächtige, die auch das Übliche von sich gaben. Großteils kann man für die Aussagen der jeweiligen Vertreter tatsächlich das BIP des jeweiligen Landes als Indikator nehmen (Oder die Regierungsform, aber da dürfte ja auch ne gewisse Korrelation bestehen).

War sonst noch was? Achja, ganz witzig fand ich den Direktor des Rates, den Senegalesen Bacre Waly Ndiay, der schien irgendwie nicht besonders interessiert an der ganzen Sache (Nur dumm, dass er direkt neben dem Special Rapporteur und damit ziemlich mittig im Bild der Kamera saß). Nachdem er drei Minuten lang seine Brille geputzt hatte, ging er dazu über sein Handy zu bearbeiten. Vermutlich musste er noch was Wichtiges recherchieren. Irgendwann am Ende von Muntarbhorns Vortrag hat ihn dann sein Kollege darauf aufmerksam gemacht, dass man die Handy Aktivitäten besser (vor den Kameras) verbergen kann, wenn man sein Namensschild n bisschen mittiger vor sich stellt. Hat Ndiay dann auch gemacht. Nur mit Handy spielen war dann nicht mehr viel. Scheinbar war das Ganze so anstrengend, dass er erstmal n Nickerchen machen musste. Also scheut euch den Wonneproppen mal an… Angucken könnt ihr das hier, braucht man nen Real Player für, aber das sollte ja kein Problem sein.

Robert Park wurde missbraucht! — Nur von wem?


Ihr erinnert euch sicherlich noch an Robert Park, den jungen Mann der mit hehren Zielen und ohne sinnvollen Plan loszog um die Welt – spezieller Nordkorea – ein Stück besser zu machen und der nach über einem Monat Gefangenschaft in Nordkorea sichtlich angeschlagen und schweigend in die Heimat zurückkehrte. Viele (ich zumindest) haben sich seitdem sicherlich gefragt, wie es Park in Nordkorea ergangen ist und ob er seine Erlebnisse irgendwann mit der Öffentlichkeit teilen würde.

In den vergangenen Wochen sind immer wieder „Neuigkeiten“ aus angeblich informierten Kreisen gedrungen und es war viel von E-Mails die Rede, die einen Auftritt Parks hier, dort oder ganz woanders ankündigten, von der Sorge der Familie oder von Freunden künden, oder vom schlechten Zustand Parks berichten. Diese ganzen Aktivitäten nehmen mittlerweile schon fast „nordkoreanische“ Züge an. Nichts ist nachprüfbar, die Botschaften sind kryptisch und am Ende kommt doch nicht viel mehr als heiße Luft raus. Was dahintersteckt ist natürlich schwer zu sagen und unterstellen will man ja auch niemandem etwas.

Aber für mich hat das ganze einen recht unguten Beigeschmack. Völlig unabhängig davon wie gut oder schlecht es Park geht, was er erlebt hat und was er plant, scheint seine Story mittlerweile von Aktivisten quasi symbolisch genutzt zu werden, um ihre Ziele zu erreichen. Lese ich mir die Beiträge zu diesem Thema durch, springt mir die Heuchelei fast ins Gesicht. Der Mensch Robert Park wird auf dem Altar eines höheren Ziels geopfert. Tolle Christen sind das! (Hm, jetzt hab ich wohl doch jemandem etwas unterstellt! Aber ich konnte wohl nicht anders)

P.S. Ich habe nichts gegen Christen, wohl aber gegen Heuchler, besonders gegen die, die die schwere Last auf sich nehmen, andere für ihre eigenen Ziele zu opfern! Naja, es ist zu hoffen, dass Park noch fit genug ist, erstens aus seiner Schnapsidee nach Nordkorea  zu gehen und zweitens aus dem, was danach kam, seine Lehren zu ziehen und was vernünftiges mit seinem Leben anzufangen…

Nordkoreanische Entwicklungshilfe: Von Reis bis Raketen


Werden die Worte Nordkorea und Entwicklungshilfe in einem Satz genannt, dann ist meist recht klar wo die Reise hingeht. Es wird darüber berichtet, dass China mal wieder so und soviele Milliarden/Millionen in dieses und jenes Projekt stecken will, um das Regime zu stützen, oder das Südkorea trotz der bösartigsten Drohungen wieder Desinfektionsmittel, Impfstoffe oder Nahrungsmittelhilfen nach Nordkorea verschifft, oder aber, dass das Atomprogramm des Landes eigentlich nur dazu diene, Hilfen vom Ausland zu erpressen. Kreativere Menschen stellen das Ganze auch mal gerne in den Zusammenhang mit dem Export von Raketentechnologie nach Iran, Nukleartechnologie nach Syrien oder Bunkerbauskills/-experten an Myanmar. Erstaunlicherweise scheint Nordkorea darüber hinaus aber über weitere Fähigkeiten und Technologien zu verfügen, die sich für den „Export“ eignen und in anderen Staaten nachgefragt werden. Da mir in letzter Zeit einige dieser Fälle aufgefallen sind, möchte ich im Folgenden drei Beispiele für technische Zusammenarbeit Nordkoreas mit anderen Staaten aufzählen, die zumindest nicht direkt mit Waffen und Gewalt in Verbindung stehen.

Niemand performt besser als Nordkoreaner..

Hanoi, die Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam feiert in Kürze ihr tausendjähriges Bestehen. Und wie geht man in (den paar verbliebenen) sozialistischen Staaten ein großes Fest? Genau, durch spektakuläre Massenperformances! Vielen werden da die letzten olympischen Sommerspiele, zu denen die Chinesen nicht schlecht aufgetragen haben, einfallen. Noch dicker kann allerdings, wenn es um Massenperformances geht, Nordkorea auftragen. Die veranstalten mit dem Arirang-Festival alljährlich das größte und (wenn auch in vielerlei hinsichtlich bedenkliche, so doch) spektakulärste Massenspektakel der Welt. Daher scheinen sich die Veranstalter der Geburtstagsparty für Hanoi vertrauensvoll an den Vizedirektor der der Abteilung Arirang-Festspiele des nordkoreanische Kultusministeriums, Song Pyong-won, gewandt zu haben. Und natürlich sind die Nordkoreaner ihrem sozialistischen Bruderstaat zur Hilfe geeilt, indem sie eine Delegation unter Leitung des genannten Song, die weiterhin aus Experten in den Bereichen „mass performance, stage design sound and lightning“ bestand, entsandten. Unter anderem sollen im Rahmen der Choreographie Bilder und Wörter mittels farbiger Kartons dargestellt werden. Diese Technik liefert auch beim Arirang Festival immer wieder beeindruckende Bilder.

Die „Videowand“ an der Rückseite hat etwa 20.000 Pixel, die zu nicht-Arirang Zeiten auch als Schulkinder verwendet werden können.

Ob der Iran auch auf diesem Bereich auf nordkoreanische Entwicklungshilfe zurückgreift bleibt unklar.

Herausragende Erfahrungen im Bau von Monumentalstatuen

Auch das nächste Beispiel für nordkoreanische Entwicklungshilfe bezieht sich eher auf die kulturellen Errungenschaften des Landes. In Dakar der Hauptstadt des Senegals baute Nordkorea das „African Renaissance Monument“. Präsident Wade machte sich einerseits die niedrigen Arbeitskosten der nordkoreanischen Arbeiter, vor allem aber die jahrzehntelange Erfahrung Nordkoreas im Bau monumentaler Statuen, zu Nutze. Die etwa 50 Meter hohe Statue soll Senegal zum Spottpreis (zumindest für so ne große Statue, ob das Geld nicht trotzdem sinnvoller hätte verwendet werden können ist fraglich) von 17 Millionen Pfund bekommen haben. Auch in anderen Ländern haben sich nordkoreanische Arbeiter um den Bau ansehnlicher Monumente verdient gemacht. So zum Beispiel in Namibia eine Statue eines Soldaten mit einer AK-47 (im Volksmund auch Kalaschnikow); aber vielleicht war das ja auch der Bonus beim Kauf der Millionsten Waffe aus nordkoreanischer Produktion…

Die können nicht nur nutzlos: Nordkoreanische Reisanbautechnologie erobert die Welt

Aber Nordkorea kann natürlich noch mehr als nur die guten alten (böse Zungen sagen: „überkommenen“) sozialistischen Traditionen zu pflegen. Gestern habe ich einen recht interessanten Artikel auf der Seite der staatlichen malaysischen Nachrichtenagentur Bernama gefunden. Dieser berichtet davon, dass malaysische Bauern bald mit Hilfe nordkoreanischer Technologien in der Lage sein werden, kommerziell Reis anzubauen. Das Projekt, dem fünf nordkoreanische Experten beratend zur Seite stehen, soll auf einem 263 Hektar großen Gebiet umgesetzt werden. Die (nicht näher) genannten nordkoreanischen Technologien würden auch in anderen Ländern wie China, Uganda und den Philippinen erfolgreich angewandt. Auf diesem Gebiet scheint Nordkorea also gewisse Fähigkeiten zu besitzen, die jedoch leider nicht ausreichen, um die eigenen Leute ausreichend zu verpflegen. Vielleicht sollten sich die fünf Experten lieber um den Reisanbau in Nordkorea kümmern. Stattdessen könnte dann der Bautrupp der im Senegal fertig ist, in Malaysia ein monumentales Reiskorn bauen (In Nordkorea dürfte der Bedarf an Monumentalstatuen vermutlich etwas geringer sein, als derjenige an ausreichend Nahrung!) und alle währen zufrieden!

Die Moral? Keine Moral!

Und die Moral von der Geschicht? Scheinbar verfügt Nordkorea durchaus über ein paar Fähigkeiten, die für andere Länder interessant sind, ohne dass man Menschen damit töten könnte. Die Frage der Nützlichkeit für die Menschen bleibt zwar zumindest bei zwei von drei Fällen offen, aber mein Gott was ist den Menschen schon nützlich? Ob es den nordafrikanischen Ländern wohl mehr nützt, wenn wir ein riesiges Solarkraftwerk in ihre Wüst pflanzen und den gewonnen Strom unter dem Mittelmeer durch nach Europa bringen? Aber hey, wir sind die Guten!

Notification of absence.

Achja, eh ich es vergesse. Ich werd mal n paar Tage in Urlaub sein. (Wer wird sich schon die Chance entgehen lassen, die größte Kuckucksuhr der Welt in Natura zu sehen.) Also macht euch keine Sorgen, ich bin weder gestorben, noch reich und berühmt geworden. Und sollte Nordkorea explodieren oder den Weltfrieden ausrufen, dann gibts ja jede Menge andere Quellen mit mindestens genauso zweifelhafter Seriosität, aus denen ihr eure Infos beziehen könnt. Bis die Tage…