Mutig Mutig! Der Vorschlag die Olympischen Winterspiele gemeinsam auszutragen und Nordkoreas Reaktion


In der letzten Woche gewann Südkorea oder um genau zu sein Pyeongchang ja den Wettbewerb um die olympischen Winterspiele 2018 (die Bewertung liegt bei jedem selbst, ich finde die Südkoreaner haben es verdient und vermutlich ist es zu niemandes Schaden, auch und vor allem nicht hier in Deutschland). Kurz darauf machte der Vorsitzende der oppositionellen Democratic Party (DP), Sohn Hak-kyu, von sich reden, als er vorschlug, die Spiele zusammen mit Nordkorea auszutragen. Er ließ sich mit den Sätzen:

I will seriously review the possibility of holding the Pyeongchang Winter Olympics jointly with North Korea […] The preparations for the Games will go beyond forming a single inter-Korean team and laying the foundation for joint training.

zitieren, was durchaus mutig ist, wenn man sich mal anschaut, wie oft beide Koreas bisher gemeinsame Mannschaften bei olympischen Spielen gebildet haben (mal ganz abgesehen von den nicht eben herzlichen Beziehungen die zurzeit auf der Koreanischen Halbinsel herrschen). Dass der Vorschlag nicht als wirre Idee eines Politikhinterbänklers gewertet werden kann, belegt die Tatsache, dass Sohn als aussichtsreicher Kandidat der DP für den Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Jahr gilt. Mittlerweile gibt es auch so etwas wie eine Antwort von der nordkoreanischen Seite (vielleicht doch eher nur von einem Nordkoreaner. Man weiß es nicht), die auf der einen Seite zeigt, dass sich Nordkorea dieser Idee nicht von vorne herein verschließt. Vor allem wird aber deutlich, wie dünn das Eis ist, auf dem Sohn da erste Wahlkampfpirouetten übt:

The political and military situations between the Koreas aren’t good, and they have to be improved. Otherwise, they could influence the Olympics.

sagte Jang Ung, ein hochrangiger Funktionär des olympischen Komitees Nordkoreas nordkoreanisches Mitglied des Internationalen Olymischen Kommittees gegenüber der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Die latente Drohung die da mitschwingt ist nicht zu überhören, denn wer nach Ansicht Jangs in der Bringschuld ist (ich hätte fast geschrieben „liefern muss“ obwohl ich dieses pseudo progressive möchtegern business Geschwafel sowas von zum ko… nicht besonders schätze), ist klar. Zwar wird auch deutlich, dass man in Nordkorea die Olympiade in Pyeongchang so oder so als Ansatzpunkt für mögliche Erpressungen sieht, aber wievielmehr erpressbarer wäre der Süden, wenn er den Erfolg der Spiele unmittelbar vom Mittun und damit dem „guten Willen“ der Nordkoreaner abhängig machen würde. Sicherlich würde die gemeinsame Ausrichtung der Spiele es den Nordkoreanern unmöglich machen, während der Spiele für Stress zu sorgen. Aber im Vorfeld dürfe das die Nerven der südkoreanischen Organisatoren mit Sicherheit belasten. Ob sich Sohn mit dem Vorschlag einen Gefallen getan hat, dass kann bis jetzt zumindest bezweifelt werden. Denn es könnte sein, dass er als möglicher Präsident die Verantwortung dafür tragen muss.

Jedoch wird aus seiner Idee eines sehr deutlich. Sollte er bei den Wahlen antreten und gewinnen, dann wird das Pendel der Nordkoreapolitik seines Landes wieder zurückschwingen. Für mich klingt das nach Hardcore-Sonnenschein. Ob das dann besser wäre als Lees Bulldozer-Politik weiß ich auch nicht. Dass der von Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun eingeschlagene Annäherungskurs nicht nachhaltig gewirkt hat und von Pjöngjang zumindest teilweise ausgenutzt wurde, ist heute hinlänglich bekannt. Aber wir werden sehen. Und bis dahin kann sich Sohn Hak-kyu ja noch überlegen, ob und wie er aus der „wir-richten-Olympia gemeinsam-aus-Geschichte“ nochmal rauskommt.

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