Lockt Rason internationale Investoren? Berichte über Investition aus der Schweiz


Medienberichten zufolge plant die Schweiz [sic!], ein Pier in der Sonderwirtschaftszone (SWZ) Rajin-Sonbong (Rason) zu pachten. Zeitgleich informiert KCNA über den Aufenthalt einer Delegation des Außenministeriums der Schweiz um den Botschafter und Chef der Politischen Abteilung II Asien/Ozeanien in der Politischen Direktion des Ministeriums, Beat Nobs (allerdings wird dort nichts über das mutmaßliche Rason-Geschäft gesagt). Die Berichte kommen nur wenige Tage nach einer Eröffnungszeremonie für den erneuten Anlauf in der SWZ Rason, gemeinsam mit China (über Details zu den Plänen berichtet IFES hier näher).

Zunehmende Aktivitäten um Rason

Die Zone, die schon vor etwa 20 Jahren ausgewiesen wurde, kann bisher nicht als Erfolgsprojekt gelten. Allerdings hatten Investoren aus China seit etwa einem Jahr begonnen, massiv in die Infrastruktur rund um die SWZ zu investieren (erst kürzlich berichteten chinesische Medien von einer Reise chinesischer Touristen nach Rason, die erstmalig per Auto durchgeführt wurde, was wohl auch durch den Ausbau der Straßenverbindung möglich wurde). Außerdem sind bereits zwei Piers im Hafen von Rason verpachtet, einer für 20 Jahre an China (oder chinesische Unternehmen) und einer für 50 Jahre an Russland (oder russische Unternehmen). NK Economy Watch hat dazu ein Satellitenbild ausgewertet des Hafens und bietet auch ansonsten jede Menge Infos (viel umfassender als ich) zu den Entwicklungen um Rason. Wenn das Satellitenbild tatsächlich alle Anleger des Hafens zeigt, dann haben sich die Investoren aus der Schweiz den letzten freien Pier gesichert.

Grundsätzlich interessantes Investitionsobjekt

Der Hafen von Rason bietet potentiellen Investoren einige interessante Eigenschaften: Für die Nordostchinesischen Provinzen stellt er mit Abstand den nächsten Hafen dar, um Ware nach Japan oder über den Pazifik zu verschiffen. Für den russischen Fernen Osten dürfte die Tatsache, dass der Hafen dauerhaft eisfrei ist, interessant sein (wobei es vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, bis auch Wladiwostok im Winter ohne Eis bleibt). Daher ist der Anspruch Nordkoreas, Rason zu einem Logistikknoten auszubauen, grundsätzlich nicht abwegig. Allerdings hängt die Entwicklung der Zone wohl entscheidend von den politischen Rahmenbedingungen sowie dem Vertrauen möglicher Investoren in selbige ab.

Signalwirkung

Sollten sich die Berichte über die Investition aus der Schweiz bestätigen, dann ist dies sehr interessant. Bei diesem Geschäft werden wohl politische Motive keine große Rolle spielen. Während man bei Geldern die aus Russland oder China fließen mit der Vermutung, dass es sich nicht in erster Linie um wirtschaftliche Überlegungen handelt, die zu der Investition führten, nicht immer falsch liegen dürfte, ist das bei der Schweiz eher abwegig. Allerdings ist es natürlich nicht ganz auszuschließen, dass es sich um eine vornehmlich spekulative Anlage handelt. Wenn die Pachtkosten beispielsweise nicht übermäßig hoch sind, kann man sich ja durchaus vorstellen, dass die Investition getätigt wurde, um bei einer positiven Entwicklung eine gute Startposition zu haben. Da es sich auch um den letzten Pier handelt, der noch frei war dürften die Optionen für das weitere Verfahren jedenfalls recht vielfältig sein, sollte Rason in Fahrt kommen. Aber definitiv ist dies ein Signal, dass es unternehmerisch denkende Investoren gibt, die in die SWZ Rason investieren. Das dürfte auch die Aufmerksamkeit anderer Anleger auf Rason und vielleicht auch andere SWZ lenken. Wir werden sehen…

Wie China von der Öffnung Rasons profitiert


Auf der staatlichen chinesischen Internetseite china.org.cn habe ich eben einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie die chinesische Stadt Hunchun von der Erschließung der nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Rajin-Sonbong und besonders von der Nutzbarmachung des Hafens für chinesische Fracht profitiert. Die Stadt Hunchun (auf dieser Karte ziemlich rechts oben, Rajin heißt hier glaube ich Najin) verfügt über große Kohlevorkommen (hier sind 1,2 Milliarden Tonnen angegeben) und exportiert bereits Kohle in die umliegenden chinesischen Regionen. Der Transport über Land ins prosperierende Shanghai hat bisher aber zehn Tage gedauert. Eine erste Ladung von 20.000 Tonnen Kohle, die im Januar im Hafen von Rason eingeschifft wurde, hat Shanghai dagegen binnen drei Tagen erreicht. Aufgrund dieser verkürzten Frachtwege kann Hunchun seine Rohstoffe wesentlich günstiger anbieten und es ist daher geplant, den Weg über Rason häufiger zu nutzen. Weiterhin will man von Hunchun aus auch Strom aus dem neuen Kohlekraftwerk nach Nordkorea verkaufen.

Die wirtschaftliche Verflechtung in der Region scheint sich also so langsam über den kleinen Grenzverkehr hinaus zu entwickeln. Grundsätzlich ist das ganz nach den Vorstellungen des Regimes in Pjöngjang, aber um diese Entwicklung nachhaltig zu gestalten muss man sich auch als verlässlicher Geschäftspartner präsentieren. Dies ist wiederum eine Aufgabe, mit der das Regime in der Vergangenheit immer wieder so seine Schwierigkeiten hatte.

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