Kim Jong Uns Schweizer Zeit revisited: Wo das Konstruieren von Realitäten noch witzig ist und wo es ernst wird


Fast genau vor einem Jahr beschäftigte ich mich mit der Geschichte um Kim Jong Uns Vergangenheit in der Schweiz und der Tatsache, dass es für diese angebliche Vergangenheit eigentlich keine belastbaren Belege gab. Ich stellte die These auf, dass gerade im Falle Nordkorea Medien, Experten und auch die Öffentlichkeit so etwas wie einen Konsens gefunden haben, dass Glauben fast so gut ist wie Wissen, weil man so wenig weiß und sonst so wenig sagen könnte. Seitdem ich mich damals mit dieser Schweizgeschichte beschäftigt habe, sind keine neuen Informationen zu diesem Thema bekannt geworden. Es gibt also weder neue Argumente für noch gegen eine Schweizer Zeit Kim Jong Uns.
Nur ist eben ein Jahr vergangen und man weiß noch immer sehr wenig. Also hat man die angesprochene Realität noch mehr für sich akzeptiert. Kim Jong Un war in der Schweiz und gut ist. So gab es bei n-tv eine ausführliche Geschichte über seine Schweizer Jugend, die BILD hat sogar neue Fotos von den Boulevardkollegen aus Korea und der von mir sonst geschätzte Sender Euronews hatte einen ausgiebigen Bericht, wo die Geschichte immerhin noch als nicht endgültig belegt dargestellt wurde. Auch die ZEIT hat sich umfangreich mit der Schweizer Jugend Kims befasst und nach eingehender Untersuchung für wahr befunden.
Nungut, dass Kim Jong Un in seiner Schweizer Zeit offensichtlich ziemlich gut englisch sprechen konnte, bei dem jüngsten Besuch von Dennis Rodman in Pjöngjang aber kaum noch, das ficht niemanden an, kann es ja schließlich verlernt haben oder auch einfach keine Lust gehabt haben, mit Rodman direkt zu sprechen. Denn wie gesagt. Es ist ja so eine schöne Geschichte, wenn er in der Schweiz war. Da hat dann jeder was zu zu sagen und man kann daraus so schöne Folgerungen ziehen.

Befürchtung bestätigt: Niebel glaubt an Kim Jong Uns schweizer Zeit

Vorgestern zum Beispiel. In der Sendung von Beckmann (die ich aber voll und ganz empfehlen kann, was nicht unbedingt an meiner Verehrung fü Beckmann liegt). Da hat unsere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was ich letztes Jahr als Befürchtung geäußert habe. Er gab eine Einschätzung über die Persönlichkeit Kim Jong Uns ab mit dem Hinweis darauf, der sei ja schließlich auch lange in der Schweiz gewesen (Min. 19:00). Na super; Wenn Herr Niebel das so genau weiß. Vielleicht hat es ihm ja der Ressortchef Politik der SZ geflüstert, der von ziemlich belastbaren Fotos wusste (ab Min 22:50). Nur Rüdiger Frank wollte nicht so ganz mit und meinte, dass man auf den Bildern bestimmt einen Nordkoreaner sehen könne, ob das aber Kim Jong Un sei oder nicht, das wisse man schlicht nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Das machte Stefan Kornelius von der SZ zwar kurz nachdenklich, aber nur kurz. Dann hatte er wohl beschlossen, dass es nicht sinnvoll sei weiter darüber nachzudenken.
Zwar dürfte die Tragweite der ministeriellen (vielleicht, oder auch nicht, Fehl-) Einschätzung auf Basis nicht vorhandener Informationen nicht besonders groß, aber meine Sorge ist, dass die Vergangenheit Kim Jong Uns nicht das Einzige ist, das auf Basis von unzureichenden Informationen bewertet und eingeschätzt wird und dass Herr Niebel (bei allem Respekt für die Bedeutung seines Amtes) nicht die einflussreichste Person ist, die solche Einschätzungen trifft.

Wo es relevant wird: Realitäten konstruieren im Fall von Raketen

Eine andere Beobachtung, die man seit einigen Tagen machen kann, deutet stark in diese Richtung. Am vergangenen Montag kamen erstmals später bestätigte Gerüchte auf,  dass die nordkoreanische Mittelstreckenrakete Musudan an die Ostküste verlegt würde. Dieser Schritt deutete dem Augenschein nach darauf hin, dass Pjöngjang als nächsten Schritt einen Raketentest plane. Eine Überlegung, die mit Blick auf vergangenes Verhalten Nordkoreas nicht ganz abwegig ist und die auch ganz gut zu der These vom Bedarf nach greifbaren Taten nach der überdrehten Rhetorik Pjöngjangs in den vergangenen Tagen gepasst hätte. Allein wollte und wollte Nordkorea seitdem keine Rakete testen. Vielmehr bewegte es die Raketen, als sie an ihrem Bestimmungsort angekommen war, mehrmals hin und her, ohne letztendliche Vorbereitungen zu unternehmen. Dementsprechend kommen heute erste Meldungen aus Südkorea, dass ein Test nicht unmittelbar bevorstehen würde. Haben also die Warnungen des Westens Nordkorea von diesem Schritt abgehalten?
Auch hier ist die Ungewissheit wieder treibendes Moment einer für uns zuerst konstruierten und dann akzeptierten plausiblen Realität. Wir haben mit Hilfe von Satellitenbildern festgestellt, dass die Raketen an der Ostküste aufgestellt wurden. Wir haben die Entwicklungen der letzten Tage im Kopf. Daher ist es plausibel, dass Nordkorea eine oder mehrere Raketen testen wird. Wir wissen nichts, sondern wir glauben, aber mangels besserer Erklärung, um die wir uns allerdings auch nicht sonderlich bemüht haben, akzeptieren wir.

Alternative Realitäten

Auch das könnte ein Fehler sein, der von seinem Inhalt her schon etwas mehr Tragweite hat, als Kim Jong Uns sprachliche und gesellschaftliche Sozialisation in der Jugend. Es könnte, es muss aber nicht. Kann auch sein, dass in den nächsten Tagen eine Rakete fliegt. Aber zurück zu der kaum verfolgten Überlegung, dass wir hier einem Schnellschluss aufgesessen sind. Dazu habe ich drei Anmerkungen zu machen, die die These stärken könnten:

  1. Bisher gibt es keinen Beweis dafür, dass es sich bei Raketen des Bautyps Musudan, wie sie jetzt an die Ostküste verlegt wurden, um funktionsfähige Waffensysteme handelt. Bisher wurden sie nie getestet und bei ihrem ersten (und bisher einzigen) öffentlichen Auftritt auf einer Parade 2010 hatte es sich der Meinung eines ausgewiesenen Experten zufolge (in diesem Bericht aus 2012 nachzulesen) um eine Attrappe gehandelt. Gut möglich, dass es eine kleine Baureihe gab, aber nicht belegt, also nicht gewusst. Um diese Überlegungen wurden sich in den westlichen Medien aber wenig Gedanken gemacht. Die Raketen wurden an die Küste gebracht, also sollen sie getestet werden. Eine positive Ausnahme stellt hier Spiegel Online dar, wo sich ein Journalist mal ein bisschen näher mit der Rakete beschäftigt hat, die da angeblich getestet werden soll.
    Natürlich ist das alles kein Beweis dafür, dass man in Pjöngjang diese Rakete nicht testen will, aber irgendwie gehört diese Information der Vollständigkeit halber dazu und zweitens zieht sie die Konsistenz der Testgeschichte etwas in Zweifel: Wirklich eine Rakete, die noch nie getestet wurde, in so einer extrem gespannten Lage über Japan hinweg schießen. Ist das nicht ziemlich riskant, wenn man keinen Wert auf Krieg legt?
  2. Daniel Pinkston, Nordkorea-Experte der International Crisis Group, hat eine interessante andere Lesart der jüngsten Raketenbewegungen geliefert, die von ihrer Konsistenz her genausogut funktioniert, wie die Idee, Nordkorea wolle die Raketen testen, zuvor aber noch ein bisschen damit durch die Gegend fahren. Nachzulesen ist das ganze in diesem Tweet:

    Remember KPA & Strategic Rocket Forces have been training. So moving the missiles & TELs around is part of the training.

    Eine Übungen finde ich eigentlich garnicht so schlecht als  Erklärung für die Hin-und-Herfahrei der Raketen. Aber irgendwie scheint sich sonst keiner für die Idee erwärmen zu können. Vielleich auch deshalb, weil die allgemein akzeptierte Realität ja bereits ist, dass Nordkorea eine oder mehrere Raketen Testen will und weil es dann irgendwie blöd zu erklären wäre, dass man sich da eben geirrt hat. Da lassen sich im Nachhinein sicherlich bessere alternative Erklärungen finden.
    Auch dies ist wieder kein Beweis dafür, dass Nordkorea keine Rakete Testen will und das Eine schließt das Andere ja noch nichtmal aus: Man kann ja ein bisschen üben und wenn man meint, dass man damit durchkommt, ohne einen Krieg auszulösen, dann testet man das Ding eben noch. Aber es bietet eben auch eine Lesart, nach der der Zweck der Übung nicht unbedingt ein Raketenstart gewesen sein muss.

  3. Die Führung in Pjöngjang hat eine gewisse Meisterschaft im ‚Tarnen und Täuschen inne.
    1. Die Raketenattrappen, mit denen man schonmal gerne auf Paraden rumfährt und die gephotoshopten Bilder von Manövern sind dabei zwar viel belächelte, aber trotzdem zugehörige Elemente dieser Tarnen und Täuschen Strategie. Denn egal wie stümperhaft gemacht, führen diese Dinge zu zusätzlicher Unklarheit und Ungewissheit über die tatsächlichen Kapazitäten Nordkoreas. Und Ungewissheit ist eine der stärksten Abschreckungsmethoden, die Pjöngjang zur Verfügung hat.
    2. Vor allem weiß das nordkoreanische Militär aber sehr gut um die Begrenzungen der südkoreanischen und US-amerikanischen Aufklärung in Nordkorea. Die kann eigentlich fast nur von oben (was Sichtaufklärung) und von außen, was Abhören von Kommunikation angeht, erfolgen. In beiden Fällen hat Pjöngjang in der Vergangenheit bewiesen, dass es in der Lage ist, die toten Winkel der Überwachung auszunutzen (Ein absolut lesenswertes GIGA-Paper zu Grenzen und Risiken der Darstellung Nordkoreas mit Satellitenbildern habe ich hier verlinkt). So stellte das nordkoreanische Militär vor dem Beschuss der Insel Yonpyong alle Einheiten dort von Funkkommunikation auf klassische Telefonverbindungen um (S. 3, rechte Spalte), die eigens für den Einsatz gelegt wurden. Im Vorfeld des Raketenstarts vom Dezember warf man zuerst durch eine Meldung der Nachrichtenagentur KCNA Nebelkerzen, was den Termin anging, um anschließend nurnoch an der Rakete zu arbeiten, wenn gerade kein Satellit das Land überflog. Beide Male standen die Dienste der USA bzw. Südkoreas düppiert da. Vielleicht wollten die Nordkoreaner ja auch einfach mal testen, welche Methoden zur Aufklärung die USA und Südkorea hinzuziehen, wenn die Lage gespannt ist und wo dabei tote Winkel der Aufklärung zu finden sind.

Auch die Tarnen und Täuschen Überlegung schließt sich mit den zuvor angestellten Ideen nicht aus, aber könnte genausogut ein zentrales Ziel der ganzen Übung gewesen sein: Wie schnell merken die anderen, dass wir Raketen transportieren? Wieviel von dem das sie wissen wird bekannt? Wie lange dauert es, bis sie merken, dass sie vielleicht an der falschen Stelle Aufklärung betreiben? Alles das sind Fragen, auf die die nordkoreanischen Militärs durch ihre Manövrierei Antworten bekommen haben dürfte. Wertvolle Informationen, die man in der Zukunft für weitere Überraschungsmanöver einsetzen kann.

Was ist wahr, was nicht? Man weiß es nicht!

Mit diesen ganzen Ausführungen wollte ich euch nicht beweisen, dass Nordkorea in den nächsten Tagen keine Rakete testen will. Ich wollte nur zeigen, dass wir uns recht schnell auf eine Annahme festgelegt haben und alle Informationen, die wir zu dem ganzen Sachverhalt bekommen, unter der Maxime einordnen, dass diese Annahme zutrifft. Wir haben uns mal wieder eine Realität konstruiert, von der wir keine Ahnung haben ob sie zutrifft oder nicht, an die wir aber glauben, weil es am bequemsten ist.
Nur finde ich es, wenn es nicht mehr um Jugendfreundschaft, Basketball und Filmvorlieben, sondern um Raketen geht, sehr, sehr bedenklich, wenn das Risiko besteht, dass Leute die die Kompetenz zum Entscheiden haben, nicht auf Basis von Informationen, sondern von Glauben handeln. Hoffen wir also, dass die meisten Minister und Präsidenten nicht so leichtsinnig sind, das zu glauben, was sie in der Zeitung lesen (auch wenn es zehnmal drinsteht), sondern einen guten Stab um sich haben, der ihnen den Unterschied zwischen Wissen, Glauben und Nichtwissen klarmacht und ihnen das, was so in der Zeitung steht entsprechend einordnet. Das würde ungemein zu meiner Beruhigung beitragen.

P.S.:

Ich habe während ich das geschrieben habe jede viertel Stunde die Nachrichtenlage gecheckt, weil ich Sorge hatte, dass man in Pjöngjang doch beschließt, heute eine Rakete abzuschießen und alles, was ich hier geschrieben habe damit hinfällig wird…

Von Schlupflöchern, Fehlern und komplexen Mischkalkulationen: Pjöngjang manövriert Washington in die Zwickmühle


Gestern veröffentlichte KCNA eine Stellungnahme des nordkoreanischen Außenministeriums in dem es noch einmal klarstellte, dass man nicht von dem geplanten Satellitenstart abzubringen sei:

The DPRK will not give up the satellite launch for peaceful purposes, which is a legitimate right of a sovereign state and requirement essential for economic development.

[Die DVRK wird den Satellitenstart zu friedlichen Zwecken nicht aufgeben, der ein legitimes Recht eines souveränen Staates ist und eine essentielle Notwendigkeit für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt.]

Nichts anderes hatte ich erwartet und wenn es irgendetwas geben sollte (außer schlechtem Wetter (das wäre eigentlich eine gute Ausrede, wenn man eine bräuchte)), das die Nordkoreaner von dem Start abbringen kann, dann wäre ich ersten überrascht und bin zweitens gespannt was das ist.

Klarstellung und Provokation

Ansonsten steht in der Verlautbarung das Übliche: Man hat sich doch alle Mühe gegeben transparent zu sein, ausländische Experten und Journalisten eingeladen und die internationalen Prozeduren eingehalten. Wenn die USA das Recht Nordkoreas auf den Start beschreiben, ist das nur ein Zeichen für die Feindseligkeit Washingtons.

Der Fehler der USA und ein interessantes Zitat

Interessant fand ich aber die Passage, in der man auf das Abkommen mit den USA eingeht, in dem ein Moratorium hinsichtlich Raketenstarts Nordkoreas ein Wichtiges Bestandteil war.

At the DPRK-U.S. high-level talks, the DPRK consistently maintained that a moratorium on long-range missile launch does not include satellite launch for the peaceful purposes. As a result, the DPRK-U.S. agreement dated February 29 specified a moratorium on long-range missile launch, not „launch of long-range missile including satellite launch“ or „launch with the use of ballistic missile technology“.

[In den Gesprächen zwischen den USA und der DVRK beharrte die DVRK durchgehend darauf, dass ein Moratorium bezüglich weitreichender [militärischer] Raketen keine Satellitenstarts zu friedlichen Zwecken beinhalte. Ergebnis war das Abkommen zwischen den USA und der DVRK vom 29. Februar, das ein Moratorium für weitreichende [militärische] Raketen festschrieb, nicht den „Start von weitreichenden [militärischen] Raketen einschließlich einem Satellitenstart“ oder einen „Start unter Nutzung von [militärischer] Raketentechnologie“.]

Exkurs: Von „missiles“ und „Raketen“

Eine kleine sprachlicher Exkurs vorweg: Im Englischen ist es eine völlig klare Sache, dass eine „missile“ eine Rakete militärischer Nutzung ist, während man „missile“ gerne mit „Rakete“ ins Deutsch übersetzen würde, was aber dann ein breiteres Spektrum an Bedeutungen abdeckt, als das englische „missile“. Eine „missile“ kann also nicht dazu dienen, einen Satelliten in den Orbit zu befördern. Dazu dient ein „launch-vehicle“ wörtlich könnte man das mit Start-Vehikel oder so übersetzen. „Ballistic missile technology“ ist wiederum eine umfassendere Formulierung, weil eben (wie wir ja in den letzten Tagen gelernt haben) „launch vehicles“ grundsätzlich dieselbe Technologie verwenden, wie „ballistic missiles“. Daher schließt die Formulierung mit „technology“ auch Trägerraketen ein, die Satelliten ins All befördern sollen. Das ist manchmal alles ein bisschen schwer auseinanderzuhalten und die Diskussionen über „ballistic missile“, oder „vehicle“, oder „ballistic missile technology“ erschließen sich kaum, wenn man das nicht im Hinterkopf hat.

Fehler USA

Jetzt aber zurück zum Inhalt: Diese Ausführungen sind sehr interessant, einerseits weil Pjöngjang hier behauptet, dass das Thema Satellitenstart Bestandteil der Diskussionen mit den USA war und bewusst nicht explizit in das Dokument aufgenommen wurde (was sich mit dem deckt, was ich bei Haggard gelesen habe). Wenn das so zutrifft müssen sich das die Verhandlungsführer der USA ankreiden, denn dann hat man das Risiko der jetzigen Eskalation in Kauf genommen, um ein Dokument präsentieren zu können. Und dann hat man noch weniger das Recht, das gesamte Abkommen in Frage zu stellen. Im Endeffekt wirft Pjöngjang Washington damit vor — wenn auch nicht zu lügen — so doch die Wahrheit zu verschweigen.

Provokation Pjöngjang

Andererseits finde ich aber auch die Formulierung „launch with the use of ballistic missile technology“ sehr interessant, die Pjöngjang als unmissverständlich bezeichnet. Warum? Weil sie nahezu ein wörtliches Zitat aus der Resolution 1874 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist, wo festgehalten ist:

2. Demands that the DPRK not conduct any further nuclear test or any launch using ballistic missile technology:

Das finde ich eigentlich eine ziemlich freche Sache, denn damit dass man diese Wendung in sein Statement einbaut, erinnert man ja geradezu an dieses Dokument, dass Pjöngjang verbindlich untersagt, eine solche Rakete zu starten. Und damit erinnert man wiederum daran, dass Pjöngjang sich bewusst über Resolution 1874 des Sicherheitsrates hinwegsetzt, obwohl es als Mitglied der UN, die Charta anerkennt, in der klar festgehalten ist, dass Entscheidungen des Sicherheitsrates für die Mitglieder bindend sind. Naja, dass Pjöngjang die Resolutionen nicht anerkennt, die es betreffen ist ja nicht neu, aber trotzdem hat man sich wohl bewusst dazu entschieden, diese Formulierung in das Statement aufzunehmen. Und was kann man da anderes im Sinn gehabt haben, als ein bisschen zu provozieren? Also mir fällt jedenfalls nicht viel ein.

Daraus folgt:…

Pjöngjang weiß, dass es sich mit dem Raketenstart (ein weiteres Mal) außerhalb des Rechtes stellt, aber es demonstriert gleichzeitig, dass es sich darum nicht schert. Anders ist die Sache hinsichtlich der Vereinbarung mit den USA. Nordkoreas Argument, dass in dem Text nirgends die Rede ist vom Start einer Trägerrakete zur Beförderung eines Satelliten ins All, trifft zu, in den Verlautbarungen beider Seiten steht übereinstimmend „long range missile„. Und  wenn der Vertreter der USA bei den Gesprächen noch so deutlich erklärt hat, dass auch ein Satellitenstart inakzeptabel für die USA sei, so hat er sich doch von den Nordkoreanern vorführen lassen, denn er hat es nicht zu Papier gebracht. Die lange zurückreichende und intensive Verhandlungserfahrung der USA mit nordkoreanischen Unterhändlern sollte doch langsam mal ausreichen, um zu wissen, dass jedes noch so kleine Schlupfloch Konsequenzen haben wird. Und einer Sache kann man sich sicher sein. Sollte Washington das Abkommen mit Pjöngjang nach dem Raketenstart aufkündigen, dann wird Pjöngjang dieses Argument in Zukunft bei jeder Gelegenheit als Beleg für die Unzuverlässigkeit der USA ins Feld führen und das nicht zu Unrecht.

…Washington in der Zwickmühle

Gleichzeitig kann man sich kaum vorstellen, dass die USA diese Kröte einfach so schlucken werden. Allein die Blamage für die Regierung kurz vor den Wahlen wäre sicherlich ein schwerer Schlag für Obama, denn wie bitte soll er in den USA verkaufen, dass er sich rechtlich verpflichtet hat, Nordkorea Hilfen zu leisten und dabei solche Möglichkeiten gelassen hat. Wie kommt er also aus der Geschichte wieder raus? Eigentlich fällt mir nicht viel dazu ein. Er kann den Deal auf Eis legen, weil durch den Raketenstart Spannungen entstehen. Das scheint ja seine aktuelle Rechtfertigungslinie zu sein. Doch was wenn keine Spannungen mehr da sind? Dann müssten die USA ihren Verpflichtungen nachkommen.

…Spannungen aufrechterhalten. Eine Rolle für den Sicherheitsrat?

Die einzige Lösung die ich sehe: Die Spannungen müssen zumindest bis nach den Wahlen bestehen, so das man nicht über seine Verpflichtungen sprechen muss (Danach will Obama ja ohnehin „flexibler“ sein (Erstaunlich das Profis sowas immer mal wieder passier)). Dazu wäre der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nicht schlecht. Dort hat man wie oben gesagt rechtliche Handhabe und dadurch, dass Peking und Moskau Position gegen den Satellitenstart bezogen haben, hat man auch garkein so schlechten Chancen, irgendetwas zu verabschieden. Dabei frage ich mich allerdings nur noch, was da noch kommen könnte. Nach Artikel 41 Kapitel VII hat man so ziemlich alles ausgeschöpft (man könnte nur die Listen von Personen etc. weiter vergrößern, aber das scheint ja nicht wirklich zu greifen) und für Maßnahmen nach Artikel 42 (das sind militärische Maßnahmen) wird China auf keinen Fall zu haben sein. Also was Zahnloses. Was dann? Weiß nicht so genau, aber bilateral und in Kooperation mit Seoul und Tokio einfach alles tun, um Pjöngjang zu ärgern.

…Pjöngjang zufrieden?

Und vielleicht erreicht Pjöngjang damit genau das, was es eigentlich wollte. Es kann die Belagerungsmentalität nach innen hin aufrechterhalten (schließlich verhalten sich die USA permanent feindselig) und sich ohne Störung von außen dem momentan wichtigsten widmen. Der Machtkonsolidierung des neuen (alten) Regimes.

…Unangenehme Schlüsselposition für Peking?

Nicht unwichtig wird dabei jedoch sein, wie Peking Position bezieht. Folgt man der Argumentation Pjöngjangs, dann hat man sich auch dort manipulieren lassen und wird nicht gerade glücklich damit sein. Verpasst man Pjöngjang einen Denkzettel, wozu man bilateral definitiv in der Lage wäre, wenn man auf einige Feldern die Politik änderte, dann läuft man Gefahr, dass vermutlich noch nicht wirklich austarierte Machtgefüge in Nordkorea ins Wanken zu bringen und damit die Gefahr einer chaotischen Situation im Nachbarland heraufzubeschwören. Wahrscheinlich wird man sich wohl mit milden Denkzetteln zufriedengeben, die dem Regime in Pjöngjang nicht wirklich wehtun, denn auch in Peking hat man in diesem Jahr eine relativ unsichere Zeit vor sich und da braucht man bestimmt kein angrenzendes Land, das ins Chaos stürzt. Keine Ahnung ob man in Pjöngjang diese ganzen Aspekte ins Kalkül gezogen hat, aber ich vermute, dass einige davon so oder anders Eingang in die Überlegungen gefunden haben.

…Pjöngjangs Kalkulationen sind komplizierter als oft angenommen

Die häufig getroffene Standardannahme, Pjöngjangs Provokationen seien immer hauptsächlich der Versuch, der Welt Hilfsgüter abzupressen, finde ich nämlich schon lange nicht mehr haltbar. Wenn Pjöngjang verhandelt, provoziert oder sich einigelt, dann steckt da immer eine Mischkalkulation zwischen Innenpolitik (was sich vor allem auf die Stabilität des Regimes und der Machtsicherung gegenüber der Bevölkerung bezieht), Außenpolitik und wirtschaftlicher Entwicklung hinter, bei der dem Inneren die erste Priorität zukommt, während sich Äußeres und wirtschaftliches sich um die Plätze streiten. Natürlich sind die drei Kategorien eng miteinander verbunden, aber ich denke, dass man eine außenpolitisch günstige Situation verstreichen lässt oder verhagelt, wenn daraus irgendwelche Risiken für die innere Stabilität erwüchsen.

UPDATE II (30.03.2012) Öfter mal was Neues: Nordkoreas Satellit mit neuer Startrichtung — Japan, die Philippinen und Indonesien werden überflogen


Update II (30.03.2012): 38 North hat neue exklusive Satellitenbilder die zeigen, dass die Vorbereitungen für den Start nach Plan voranschreiten. Ich sehe auf den Bildern immer nur Punkte, aber die SAIS dürfte ein paar Leute haben, die sich mit Fernaufklärung auskennen und nen Tankwagen von der Kuh (oder so) unterscheiden können. Na dann steht dem Satellitenstartspektakel wohl nichts mehr im Weg (außer das Wetter vielleicht).

Update I (27.03.2012): Zwar hat man sich sich in Jakarta etwas Zeit gelassen mit der Verurteilung des Satellitenstarts, aber jetzt ist das Statement da, wenn das Ganze auch etwas halbherzig klingen mag.

Ursprünglicher Beitrag (23.03.2012): Viel geschrieben über Nordkoreas Satellitenstart in letzter Zeit, aber ist ja auch ne wichtige Sache und deshalb wird das noch ein Weilchen so bleiben. Naja, jedenfalls hat Nordkorea vorgestern und gestern zwei relevante internationale Organisationen (Luftfahrt und Meeresorganisation) darüber informiert, wo planmäßig die beiden ersten Stufen der Trägerrakete auf die Erde fallen sollen (detaillierte Informationen und Kartenmaterial dazu findet ihr bei North Korea Tech). Dadurch wird deutlich, dass für den Start im April nicht nur eine neue Abschussbasis genutzt wird, sondern dass die Rakete auch eine andere Route nehmen soll. Während die vorherigen Starts immer Richtung Osten gingen und über Japans Hauptinsel Honshu hinwegflogen (oder fliegen sollten), wird die Rakete diesmal in Richtung Süden starten. Dementsprechend soll die erste Stufe der Rakete vor der südkoreanischen Küste ins Ostchinesische Meer fallen. Die zweite wird dann nach der Überquerung einiger kleiner japanischen Inseln nach dem Plan im Meer östlich der philippinischen Hauptinsel Luzon einschlagen. Die Rakete soll/wird ihren Weg dann in Richtung Süden fortsetzen, was dann wohl auch einen Überflug Indonesiens und Australiens bedeuten würde.

In den betroffenen Staaten regt sich bereits einige Besorgnis. Die Philippinen wollen ihren Verbündeten USA um Hilfe bitten, die Route der Rakete zu verfolgen, da hierzu keine eigenen Kapazitäten vorhanden sind. In Japan spricht man gern und viel davon, die nordkoreanische Rakete bei Bedarf vom Himmel zu holen, wobei japanisches Territorium ja eigentlich nur marginal berührt wird.

Australiens Außenminister Carr sprach mit Kurt Campbell, einem hochrangigen Mitarbeiter des US-State Department und der warnte davor, dass die Rakete grob gesagt irgendwo zwischen den Philippinen, Indonesien und Australien einschlagen könnte. Interessant fand ich dabei, dass in dem Artikel angemerkt wird, dass die USA den drei genannten Staaten nahegelgt hätten, gegenüber Pjöngjang deutlich zu machen, dass die Pläne eine Provokation darstellten und das Nordkorea davon abrücken solle. Von Australien und den Philippinen gab es auch entsprechende Äußerungen. Aus Indonesien habe ich allerdings nichts dergleichen gelesen. Entweder man drückte in Jakarta seinen Unmut dezenter aus oder es gab keine dementsprechende Äußerung. Jedenfalls sieht man daran recht deutlich, wer eng mit den USA verbunden ist und wo die Sachlage weniger eindeutig ist.

Insgesamt finde ich die Richtung des Raketenstarts jedoch vor allem hinsichtlich des Risikos eines Fehlschlages bemerkenswert. Denn anders als auf der östliche Route (auf der hinter (oder geographisch korrekt: „östlich von“) Japan lange nichts mehr kommt) überfliegt die Rakete relativ viel Land. Und wenn eine außer Kontrolle geratene Rakete da irgendwo draufstürzen würde, dann gäbe es sicherlich große Schwierigkeiten. Da ich mich mit den technischen Details nicht wirklich auskenne, habe ich keine Ahnung, ob und warum diese Richtung für die Rakete besser ist als die östliche, jedoch wird es schon gute Gründe geben, weshalb das Geschoss dieses Mal in eine andere Richtung abgefeuert wird.

Update (27.03.2012): Neues zu Nordkoreas Satellitenstart: Kurze Zusammenfassung


Update (27.03.2012): Stephan Haggard hat eine weitere Fachkundige Meinung zum Thema Satellitenstart vs Raketentest eingeholt die sich deutlich mit dem beißt, was ich unten geschrieben habe. Danach sind die Unterschiede zwischen einer Trägerrakete für einen Satellitenstart und einer Interkontinentalrakete doch nicht so frappierend. Der größte Unterschied bestehe in der Verpackung der getragenen Last (eine Satelliten muss man nicht für einen Widereintritt in die Erdatmosphäre schützen), die Technik was Antrieb und Steuerung angeht ist dagegen identisch.

Ursprünglicher Beitrag (21.03.2012): Nachdem sich der Nebel ein bisschen gelichtet hat und Politiker wie Analysten Zeit hatten, die neueste Überraschung aus Nordkorea zu überdenken und zu diskutieren, möchte ich nochmal kurz auf das Thema des geplanten nordkoreanischen Satellitenabschusses eingehen und die wichtigsten Erkenntnisse und Maßnahmen zusammenfassen, die es in den letzten Tagen zu berichten gab.

Satellitenstart vs Raketentest

Als erstes zu einem Thema, mit dem ich mich nicht besonders gut auskenne: Das Verhältnis, in dem ein Satellitenstart zu einem Test einer Interkontinentalrakete steht. Meine Aussage, dass die Unterschiede hauptsächlich im Namen bestünden kann man so schonmal nicht stehenlassen. Erstens sind dabei technische Unterschiede zu nennen: Während eine Rakete für einen Satellitenstart nur den Weltraum erreiche muss, um den Satelliten auszusetzen, muss eine Interkontinentalrakete den Weltraum ebenfalls erreichen, vor allen Dingen jedoch danach wieder in einem Stück in die Erdatmosphäre eintreten. Wie ich lesen konnte ist dies recht kompliziert und bisher gab es noch keinen Fall, in dem ein Staat zuerst eine Weltraumrakete entwickelt hat und diese dann zu einer Interkontinentalrakete um/weiterentwickelt hat. Der umgekehrte Weg scheint hier das Mittel der Wahl zu sein. Jedoch möchte ich hierzu noch etwas anmerken: Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Nordkorea die Technik bisher noch nicht soweit beherrscht, dass es eine funktionierende dreistufige Rakete bauen konnte. Und auf dem Weg zu dieser Fähigkeit ist es doch erstmal egal, ob die Rakete wieder heil Richtung Erde zurückfliegen kann oder nicht. Darum kann man sich kümmern, wenn man den vorherigen Schritt beherrscht.

Zweitens sind natürlich auch rechtliche Unterschiede zu nennen. Das Recht den Weltraum zu erkunden und zu nutzen steht allen Staaten gleichermaßen zu und es ist zumindest zu hinterfragen, ob eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen Staaten dieses Recht entziehen kann und darf. Wenn Nordkorea auf seinem Recht besteht, den Weltraum friedlich zu nutzen, dann ist dies zunächst mal eine geschickte Strategie (Hier eine wirklich gute Zusammenfassung zu dem gesamten Raketenkomplex von Stephan Haggard).

Keiner wie Genaues nicht

Natürlich wurde unter Kennern und Experten viel diskutiert, was Gründe und Hintergründe der Ankündigung Nordkoreas angeht. So richtig schlüssig ist man sich nicht geworden und die Meisten Kenner der Materie bieten zumindest zwei Erklärungsansätze für den Vorgang an. Diese Vorsicht sagt schon Einiges: Im Endeffekt versteht keiner so richtig was da abgelaufen ist.

Einhellige Reaktionen aus der Staatenwelt

Neben den Analysen der Wissenschaftler gab es natürlich auch die Reaktionen der Politiker. Und die vielen weitaus weniger gemischt aus. Sämtliche Kommentare aus der Staatenwelt besagten ungefähr das Gleiche: Die Unterschiede erschöpfen sich weitgehend darin, dass bei manchen Äußerungen der „Besorgnis“ das Wort „starke“ fehlte. Ansonsten äußerten Staaten von allen Seiten des Globus ebenjene Besorgnis (die Liste ist echt lang). Bemerkenswert dabei ist eigentlich nur, dass auch Russland und China dazu zählten. Aber klar: Der Unmut darüber, dass Nordkorea ein Andauern der Hängepartie auf der Koreanischen Halbinsel scheinbar einer Fortsetzung der Sechs-Parteien-Gespräche vorzieht wird nicht zuletzt in Peking beträchtlich gewesen sein, denn China als Gastgeber verweist ja immer auf diese Gespräche zur Entspannung der Situation auf der Halbinsel. Aber im multilateralen Bereich dürfte aus der Staatenwelt frühestens nach dem Raketenstart eine Reaktion kommen und je nachdem welche Position China und Russland dann einnehmen, wird das Recht aller Völker auf die friedliche Nutzung des Weltraums dann wieder eine Rolle spielen.

Bilateral: Die USA zeigen sich gereizt

Bilateral sieht das natürlich anders aus. Japan erklärte, dass es die Rakete bei Bedarf vom Himmel holen könnte (ich glaube das sagte man 2009 ungefähr genauso). Was das Gerede soll weiß ich nicht, denn dass das am Ende nicht passieren wird ist ziemlich sicher. Aber vor allem die USA zeigten sich sehr reizbar. Nachdem man gedroht hatte, dass das den ganzen Deal mit Nordkorea in Gefahr bringen könnte, erklärte man heute, dass man die Suche nach gefallenen US-Soldaten in Nordkorea beenden werde, bis Nordkorea sich wieder entsprechend der internationalen Verhaltensregeln benähme. Fällt euch was auf? Genau: Also wenn die USA damit jemanden bestrafen, dann maximal die Familien der gefallenen Soldaten. Besser kann man wohl kaum Hilflosigkeit demonstrieren, als durch eine solche „Strafe“.

Nordkorea ärgert weiter

Und damit sind wir auch schon beim spannendsten Akteur. Denn auch aus Nordkorea gab es etwas zu hören. Man verkündete, dass man die Inspektoren der IAEO einlade, die mit den USA vereinbarten Schritte zu unternehmen (denn schließlich stehe ein Satellitentest nicht im Konflikt mit dem Abkommen mit den USA, das weiter gelte (womit wir schon wieder bei rechtliche Auslegungen wären)). Hm, wenn ich mich recht erinnere habe ich genau das vor ein paar Tagen als eine mögliche Spielart Pjöngjangs genannt, Washington weiter zu reizen. Gleichzeitig verdichten sich Hinweise bzw. Gerüchte, nach denen Pjöngjang den Satellitentest schon länger geplant hatte (also auch vor der Verkündigung des Deals mit den USA). Einerseits wird berichtet, dass zentrale Figuren des Raketenprogramms, darunter Pak To-chun in den letzten Wochen mit Ehrungen bzw. Beförderungen versehen wurden, was darauf hindeutet, dass der Start schon damals länger geplant war. Vor allem wird jedoch von einer ungenannten diplomatischen Quelle in Washington berichtet, Pjöngjang habe bereits im Dezember, einen Tag vor Kim Jong Ils Tod erklärt, es wolle einen Satelliten starten (in dem selben Artikel wird übrigens gesagt, die IAEO bespräche mit den USA, ob man nach Nordkorea gehen solle. Da frage ich mich doch glatt: Was hat denn die IAEO die USA zu fragen bei der ganzen Geschichte. Soweit ich das verstehe garnicht!). Da es sozusagen der letzte Wille Kim Jong Ils gewesen sei, sei der Start für das Regime unumgänglich. Aber vielleicht erinnert ihr euch: Auch damals stand die Verkündigung des Deals zwischen den USA und Nordkorea kurz bevor. Wenn dieses letzte Gerücht stimmen sollte, dann wäre es absolut undenkbar, dass die USA nicht mit der Möglichkeit eines Satellitenstarts gerechnet hätten und dann wäre alle aktuelle Verwunderung und Empörung pure Heuchelei. Vor allem stellt sich aber die Frage (das habe ich ebenfalls aus dem Haggard Artikel): Wenn die USA um das Risiko wussten; Warum haben sie das nicht dezidiert in den Deal mit aufgenommen. Es ist klar, dass über diese Möglichkeit gesprochen wurde, aber  wenn man etwas nicht schriftlich hat, dann kann man es am Ende nicht beweisen.

Nordkorea hat sich selbst auf die Agenda des Gipfels zur Nuklearsicherheit in Seoul gesetzt

Noch eine kleine Sache fällt mir auf: Nordkorea hat sich heute sehr scharf gegen den Weltgipfel zur Nuklearsicherheit in einer knappen Woche in Seoul ausgesprochen (man könnte auch sagen es hat gedroht). Dabei dürfte den Strategen in Pjöngjang nur zu bewusst sein, dass man Nordkorea spätestens mit der Ankündigung des Satellitenstarts ganz oben auf die Agenda (zumindest die inoffizielle) des Gipfels gesetzt hat. Das sieht doch ganz stark danach aus, als wollte man nach innen hin das Belagerungsgefühl stärken.

Es wird sich vermutlich noch einiges tun in nächster Zeit. Aber ich bleibe dabei: Eines ist ziemlich sicher zu erwarten. Nordkorea wird im April eine Rakete starten. Alles andere muss sich vor- und nachher zeigen.