Warum ich nicht in Nordkorea investieren würde und weshalb es vielleicht trotzdem keine schlechte Idee ist


Eben habe ich in der WELT einen Artikel gelesen, den ich ganz interessant fand. Darin geht es um den bayrischen Schuhunternehmer Michael Ertl, der plant in der gemeinsam von Nord- und Südkorea auf nordkoreanischem Boden betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong zu investieren. Ich fand das deshalb relativ spannend, weil ich mir danach einfach mal überlegt habe, ob ich wohl aktuell Geld in Kaesong investieren würde. Anfangen will ich aber mit einem kleinen Korrekturblock, denn, naja, die WELT eben

WELT-Korrekturblock

Michael Ertl ist einer der ersten, aber definitiv nicht der Erste Deutsche, der in Nordkorea investieren will. Das hätte der Autor mit einem Blick ins eigene Archiv herausfinden können, wo er hätte lesen können: „Gerry Weber lässt in Nordkorea schneidern„. Oder er hätte es einfach mal beim zuverlässigen Startpunkt fast jeder Recherche versucht und sich den wirklich guten Wikipedia-Artikel zu den deutsch-nordkoreanischen-Beziehungen angeschaut (ich weiß, dass der ganz gut ist, weil ich bei der Erstellung ein (wenn auch nur geringen) Anteil hatte). Da hätte er lesen können, dass die Firma Prettl von 2007 bis 2010 in Kaesong investiert hatte, bevor sich die Pläne dort zerschlugen. Oder er hätte dort gelesen, dass die IT-Firma Nosotek seit 2008 in Nordkorea Software programmieren lässt und dass diese Firma im Gegensatz zu Ertls Plänen so richtig in Nordkorea sitzt und nicht in dem Mischgebiet Kaesong. Aber naja, ich hatte mir ja vorgenommen nicht zu kritisch zu sein und der Autor hat natürlich recht: „Erster Deutscher will in Nordkorea investieren“ ist eine wesentlich griffigere Schlagzeile als „Zirka vierter Deutscher will in Nordkorea investieren“, sowas interessiert ja dann echt keinen. Aber der Erste. Prima. Aber zurück zum Thema: Ist das jetzt eine gute Idee in Nordkorea bzw. in Kaesong zu investieren?

Würde ich in Kaesong investieren?

Hm, garnicht so einfach, weil ich natürlich nicht weiß, was in den nächsten fünf Jahren passiert:
Wenn sich Nordkoreas Außenpolitik in Zukunft friedlich und berechenbar darstellt, es keine Kriegsdrohungen mehr gibt und keine Schließungen der Sonderwirtschaftszone Kaesong und wenn man alle exportrechtlichen Fragen geklärt hat, dann ist es bestimmt keine total schlechte Idee in Kaesong zu investieren, obwohl es natürlich zumindest aktuell noch einige Hemmnisse gibt, die auch im WELT-Artikel beschrieben sind. Wenn sich das alles so wie beschrieben entwickelt, ist die Investition vermutlich vergleichbar mit einem Einstieg in einem anderen Niedriglohnland, mit gut ausgebildeten und disziplinierten Arbeitskräften.
Wenn sich aber das außenpolitische Verhalten Nordkoreas eher in aggressiven und unberechenbaren Bahnen verharrt, einschließlich Drohungen von oder tatsächlichen Schließungen der Sonderwirtschaftszone, dann  dürfte es schwierig werden, die Investitionssumme wieder reinzuholen. Zumindest wird sich Herr Ertl in diesem Fall nie sicher sein können, dass sich sein Investment je rentiert.
Da das Verhalten Pjöngjangs in den letzten fünf Jahren und auch nach dem Machtwechsel von Kim Jong Il auf Kim Jong Un sich nie dadurch ausgezeichnet hat, dass es besonders friedlich oder berechenbar gewesen wäre, würde ich eher vorsichtig sein mit positiven Prognosen für die nächsten Jahre. Gerade die Tatsache, dass Nordkorea im vergangenen Jahr erstmals so weit ging, Kaesong stillzulegen zeigt, dass die gesamte Anlage nicht so wichtig zu sein scheint, dass man sie nicht als Verhandlungsmasse nutzen würde. Ich würde nicht wetten, dass Pjöngjang in Zukunft davor zurückschrecken wird, den Komplex nochmal oder vielleicht auch komplett stillzulegen. Das Ferienressort im Kumgangsan, das seit Jahren im Dornröschenschlaf liegt, sollte hier als Mahnung dienen.

Andere Orte in Nordkorea bieten bessere Investitionschancen…

Kurz, wenn ich eine Million oder so über hätte, würde ich sie nicht in Kaesong investieren. Das soll aber kein Ratschlag sein, denn ich würde mich auch als besonders risikoavers einschätzen und natürlich hat Herr Ertl recht: Wenn man sich als erster in einem neuen Markt oder Standort etablieren kann, dann hat man bessere Chancen, wenn es irgendwann richtig losgeht. Es kann nur sein, dass man dafür einen langen Atem braucht, länger als ihn Gerry Weber und Prettl hatten. Ich würde mir sogar zweimal überlegen, ob ich als Deutscher ausgerechnet nach Kaesong ginge, denn diese Anlage ist meiner Meinung nach mit geringeren Chancen versehen, dafür aber mit höheren Risiken behaftet, als andere Optionen in Nordkorea:
Kaesong ist meiner Meinung nach sowas wie eine exterritoriale südkoreanische Produktionsstätte mit nordkoreanischen Arbeitern. Durch diese Konstellation ist der Zugang zum nordkoreanischen Markt erschwert und nur der Zugang zum südkoreanischen Wirtschaftsraum offen. Das heißt die Marktchancen, wenn sich in Nordkorea was ändert sind erstmal weniger dynamisch, als wäre man direkt im Land investiert. Gleichzeitig unterliegt Kaesong einem besonderen politischen Risiko. Immer wenn es Spannungen zwischen Seoul und Pjöngjang gibt, schwebt das wie ein Damoklesschwert über der Anlage. An anderen Orten in Nordkorea ist das so nicht gegeben.
Gleichzeitig ist Europäern der Weg nach Rason nicht verschlossen, im Gegensatz zu Südkoreanern  (Irgendwie hat mein Hinweis darauf, dass Südkoreanern der Weg nach Rason verschlossen sei, sich als Fehlannahme erwiesen. Danke Werner für die Richtigstellung!) Gleichzeitig stehen Europäern die Türen nach Rason weit offen.  Dort scheinen die Bemühungen des Regimes in Pjöngjang Wirkung zu zeigen und es entfaltet sich zur Zeit eine gewisse wirtschaftliche Dynamik. Gleichzeitig bestehen sowohl Marktchancen in Nordkorea, als auch wegen der geographischen Nähe in China und mit Abstrichen (weil es da nicht so viele Menschen gibt und so) in Russland. Politische Aspekte dürften sich eher nicht auf Rason auswirken, weil dort China und Russland die Nachbarn sind und mit denen ist vorerst nicht mit einem so tiefgreifenden Konflikt zu rechnen, wie er zwischen Nord- und Südkorea besteht.

…aber da würde ich auch nicht investieren…

Das heißt wiederum nicht, dass ich eine Investition in Rason empfehlen würde, aber wenn ich darüber nachdenken würde in Nordkorea zu investieren, dann würde ich mich eher für Rason als für Kaesong interessieren. Natürlich könnte ich auch noch über ein Joint-Venture außerhalb einer Sonderwirtschaftszone nachdenken, aber aktuell muss man dafür mutig sein. Wenn die Anfangsinvestition eher gering ist, wie ich das bei Nosotek einschätzen würde, dann kann man das Risiko vielleicht noch eingehen. Aber wenn man da viel aufbauen muss, dann zeigt der Fall Orascom (die haben scheinbar Schwierigkeiten an ihre Gewinne zu kommen, weil Pjöngjang die nicht transferiert), dass selbst globale Konzerne so ihre Schwierigkeiten mit der Führung in Pjöngjang bekommen können. Zwar bleibt man bei Orascom optimistisch, aber wenn man das viele Geld, das man in Nordkorea verdient hat, irgendwann mal woanders braucht, dann wird es kompliziert.

…weil ich ängstlich bin. Aber: Den Mutigen gehört die Welt

Alles in allem gibt es in Nordkorea zwar große Chancen, aber die wurden schon seit langem kolportiert und nur wenige konnten wirklich Profit daraus schöpfen. Im Endeffekt hängt sehr vieles von der politischen Entwicklung im Lande ab und ich gehe nicht davon aus, dass es kurz- oder mittelfristig zu Entwicklungen kommen wird, die Nordkorea zu einem stabilen und vielversprechenden Markt machen. Vielmehr kann ich mir Entwicklungen vorstellen, die das Land destabilisieren und die Investitionen in Gefahr bringen. Entweder, weil das gegenwärtige System sich als Risiko darstellt oder weil es ins Wanken gerät und durch die entstehende Unordnung Risiken wachsen. Aber wie ich oben schonmal gesagt habe, das hängt von der individuellen Risikobereitschaft ab. Und es heißt ja nicht ohne Grund: Den Mutigen gehört die Welt…

Politisch relevant und symbolisch bedeutsam: Mongolischer Präsident besucht Nordkorea


Wie ja schon kürzlich angekündigt, ist heute der mongolische Präsident Tsachiagiin Elbegdordsch (in englischer Transkription Tsakhiagiin Elbegdor) für einen viertägigen Staatsbesuch in Pjöngjang eingetroffen. Dieser findet anlässlich des 65. Jahrestages der Aufnahme der bilateralen Beziehungen Nordkoreas und der Mongolei statt.
Nichtsdestotrotz sollte man die Staatsvisite aus mehreren Gründen nicht als reinen Höflichkeitsbesuch abtun. Die Reise ist vielmehr Ausfluss der sich rapide vertiefenden Verbindung beider Staaten. Dass sie nicht nur symbolische, sondern auch konkrete politische Ziele verfolgt, zeigt sich in der Tatsache, dass der Präsident einige Kabinettsminister mitgebracht hat. Jedoch sollte auch die Symbolik, die in dem Besuch liegt, nicht unterschätz werden, aber dazu später mehr. Ob Elbegdordsch mit Kim Jong Un zusammentreffen wird ist bisher noch nicht klar, aber ich denke, dass es eine ziemlich große Überraschung wäre, wenn das nicht passieren würde (Also warten wir die Bilder vom gemeinsamen Dinner, den beiden wie sie in Sesseln nebeneinander sitzen und vielleicht noch, wie sie einem Militärorchester lauschen oder so, ab).

Um euch einerseits einen kleinen Überblick über die Beziehungen beider Staaten und andererseits über die Bedeutung des Besuchs, auch im internationalen Kontext, zu geben, werde ich im Folgenden auf die diplomatischen, wirtschaftlichen und andere Themen zwischen Nordkorea und der Mongolei eingehen, bevor ich dann einen Blick auf die symbolischen Aussagen dieses Treffens werfe und abschließend kurz darstelle, welche Aspekte bei der Beobachtung dieses Besuchs meiner Meinung nach besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Die Beziehungen zwischen der Mongolei und Nordkorea

Um die Bedeutung der Reise und die eventuellen Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen beider Staaten zu verstehen, lohnt es sich einen näheren Blick auf die Entwicklung dieser Beziehungen in der letzten Zeit und die dabei wichtigen Themen zu werfen.

Sich rapide vertiefende diplomatische Beziehungen…

Auf diplomatischer Ebene war in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme des Austauschs beider Staaten zu verzeichnen (weil ich nicht weitere darauf eingehe, das Thema aber interessant ist, gibt es einen kleinen Überblick über die Anfänge der Beziehungen, in diesem Artikel). Hochrangige nordkoreanische Staatsmänner besuchten Ulan Bator und trafen dort zum Teil auch konkrete Vereinbarungen im wirtschaftlichen Bereich.
Weiterhin erarbeitete sich die Mongolei ein Profil als neutraler Vermittler mit Nordkorea. So fanden beispielsweise unter der Vermittlung Ulan Bators Gespräche zwischen Vertretern Nordkoreas und Japans über die Frage von Nordkorea entführter japanischer Staatbürger statt. Ein Thema, dass Pjöngjang generell meidet und das di Beziehungen zwischen Japan und Nordkorea in den vergangenen Jahren auf den Nullpunkt gebracht hatte.
Daneben tritt die Mongolei in letzter Zeit auf die alljährlichen Bitten Nordkoreas nach Lebensmittelhilfen als verlässlicher (wenn auch nicht übermäßig großer) Geber von Lebensmittelspenden auf. Diese Gaben, deren symbolische Bedeutung wohl über die tatsächliche Wirkung hinausgeht, werden relativ unabhängig vom Verhalten Nordkoreas auf internationalem Parkett gewährt. Generell hat die Mongolei in den vergangenen Jahren eine Position eingenommen, die zwar nicht unkritisch gegenüber Nordkorea ist, die aber unabhängig von allen anderen politisch schwergewichtigen Akteuren mit Bezug auf Nordkorea, also vor allem den USA und China zu sehen ist. Dieser Umstand dürfte die Mongolei für Nordkorea zu einem Partner machen, dem man sich relativ gleichrangig und ohne strategische Handlungszwänge gegenübersieht.

…aber auch gute wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die relativ guten politischen Beziehungen ziehen — anders als im Falle Nordkorea ansonsten häufiger — auch gute wirtschaftliche Verbindungen nach sich. Die Mongolei und Nordkorea sind durch vielfältige gegenseitige wirtschaftliche Verknüpfungen, die häufig auch auf relativ offensichtlichen Interessen beruhen, miteinander verbunden.
Beispiele hierfür sind die nordkoreanischen Arbeiter, die in der Mongolei für den nordkoreanischen Staat Devisen erwirtschaften und von den mongolischen Arbeitgebern dafür wohl nach den Wünschen Pjöngjangs „gehalten“ werden. Auch die Übernahme von Anteilen einer nordkoreanischen Raffinerie durch ein mongolisches Unternehmen Mitte dieses Jahres stieß international auf Aufmerksamkeit und machte die strategischen Interessen der Mongolei deutlich, denn ganz Risikolos ist ein solcher Schritt aufgrund des Umgangs der nordkoreanischen Seite mit internationalen Investoren, aber vor allem wegen der bestehenden und möglicher kommender Sanktionen der internationalen Gemeinschaft nicht.
Generell ist das Interesse der Mongolei an der nordkoreanischen Sonderwirtschaftszone Rason augenscheinlich und auch leicht nachvollziehbar. Die Mongolei, die ohne Meerzugang zwischen den beiden ökonomischen Riesen Russland und China „eingeklemmt“ ist, dürfte es nicht so leicht haben, sowohl für den Im- wie für den Export Zugänge zum internationalen Markt zu bekommen, die relativ unabhängig von Russland und China sind. Der Seezugang über Rason und die Möglichkeiten, die die dortige Sonderwirtschaftszone als „Vorposten“ zu nutzen (ähnlich wie im Falle der Raffinerie) dürfte der Mongolei die Chance bieten, einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden und damit wirtschaftlich von den beiden großen Spielern in der direkten Umgebung unabhängig zu werden. Das dürfte wohl auch eine Rolle spielen, um für die Kohle, das Hauptexportgut des Landes faire Preise zu bekommen. Nordkorea ist andersherum natürlich permanent auf der Suche nach Investoren, die die Sonderwirtschaftszone ins Rollen bringen und versucht gleichzeitig ebenfalls, die Abhängigkeit von China abzubauen.
Daneben scheint die relative Offenheit der Mongolei für Nordkorea auch in anderer Hinsicht reizvoll zu sein. Es gibt relativ eindeutige Hinweise darauf, dass Vertreter Nordkoreas mit einzelnen mongolischen Akteuren bzw. über die Mongolei illegalen Aktivitäten nachgehen. Besonders interessant fand ich den Fall, in dem Vertreter Nordkoreas versuchten, alte MIG-Antriebe  zu erwerben, um damit die eigene Flotte ein bisschen in Schuss zu bringen.
Interessant, wenn auch bisher ziemlich schattig, finde ich die Geschichte um das mongolische Unternehmen, das die Auktion um das zwangsversteigerte Hauptquartier der Nordkoreatreuen Chongryon in Tokio gewonnen hat. In Japan wird vermutet und befürchtet (wobei das die Japaner ja eigentlich garnichts angeht), dass das Unternehmen in irgendeiner Verbindung mit der mongolischen oder nordkoreanischen Regierung stehen könne und das Gebäude als Strohmann gekauft habe, um Chongryon so weiter die Arbeit dort zu ermöglichen, weshalb ein Gerichtsverfahren anhängig ist (soweit ich das verstehe). Diese Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden und ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt und ob tatsächlich etwas dahintersteckt (ich muss zugeben, dass mir der Verdacht recht zeitnah kam, als ich gehört habe, dass es ausgerechnet ein mongolisches Unternehmen war, das die Auktion gewonnen hat).

Ein Reizthema: Die Mongolei und nordkoreanische Flüchtlinge

Relativ selten, obwohl das für Nordkorea vermutlich ziemlich wichtig ist, wird die Rolle der Mongolei als Teil der „Underground Railroad“ auf der nordkoreanische Flüchtlinge nach Südkorea gelangen, genannt. Dieses Thema dürfte neben wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht zu vernachlässigen sein es dürfte bei den hochrangigen Konsultationen in den kommenden Tagen durchaus eine Rolle spielen, auch wenn es vermutlich nie öffentlich erwähnt wird.

Die symbolische Bedeutung des Besuchs

Der Besuch von Tsachiagiin Elbegdordsch und seiner Delegation in Pjöngjang wird sicherlich zu der einen oder anderen Unterzeichnung von Verträgen und Vereinbarungen führen und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir gerade mit Blick auf Rason noch von neuen Initiativen und Plänen hören werden. Diese praktischen Aspekte stellen damit für Nordkoreas Öffnungsstrategie wichtige Fundamente dar, auf die möglicherweise in Zukunft aufgebaut und mit denen wohl auch geworben werden kann. Aber neben dieser ganz praktischen Relevanz des Besuches gibt es auch noch eine symbolische Ebene, deren Bedeutung ebenfalls nicht weniger groß ist.

Erfolg für Kim

Denn der Besuch von Tsachiagiin Elbegdordsch ist nicht irgendein Staatsbesuch, sondern es ist der erste Besuch eines Staatschefs in Nordkorea seitdem Kim Jong Un die Führung des Landes übernommen hat. Damit markiert der Besuch auch eine weitere Stufe in der Karriere Kim Jong Uns als Führer Nordkoreas. Einerseits demonstriert er sich damit als Staatsmann, der auch von der Außenwelt anerkannt wird, gleichzeitig zeigt er aber auch, dass seines Erachtens seine Macht im Inneren so weit konsolidiert ist, dass er sich den Außenbeziehungen zuwenden kann. Wenn er dann noch Abkommen und Verträge mit der Mongolei präsentiert, dann kann dies als Beleg für seine erfolgreiche außenpolitische Strategie verkauft werden, die seine Wirtschaftsstrategie im Inneren ergänzt.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass der Besuch in einem Jahr erfolgt, in dem Nordkorea vor allem durch Konflikte und Säbelrasseln auf sich aufmerksam gemacht hat, eine Rakete ins All schoss und eine Atombombe testete und für all das scharf von der Staatengemeinschaft kritisiert wurde. Dass der Besuch des mongolischen Präsidenten trotzdem erfolgt ist daher ein nicht unwichtiges Zeichen nach innen, dass dieses Vorgehen Nordkorea nicht vollständig isoliert hat, gleichzeitig ist es tatsächlich ein Signal der Bedeutung, die Nordkorea für die Mongolei spielt, wenn der Präsident dem Land aus der Isolation hilft, denn es ist absolut klar: Die USA und ihre Verbündeten werden einiges daran gesetzt haben, die Reise zu unterbinden; Elbegdordsch dürfte also einigen internationalen Druck ausgehalten haben, um sein Vorhaben umzusetzen.

Botschaft an Peking

Und das nicht nur aus Washington, Seoul oder Canberra sondern wohl auch aus Peking, denn ein Signal, dass ich bisher noch nicht erwähnt habe, das aber wohl das Bedeutendste an alledem ist, geht an die Führung Chinas: Nachdem sich Kim Jong Un seit längerem vergebens um einen Besuch in China und ernstzunehmende Besucher aus China bemüht hat, scheint es den Nordkoreanern zu bunt geworden zu sein und so findet der erste Staatsbesuch auf Spitzenebene, den Kim Jong Un absolvieren wird, nicht mit Xi Jinping sondern eben mit Tsachiagiin Elbegdordsch statt. Das Signal an Peking ist klar: Wenn ihr nicht ernsthaft hinter uns steht, dann suchen wir uns eben andere Partner. Wir sind von niemandem abhängig und lassen uns nichts diktieren. Das dürfte China verstehen, wie es dann reagiert steht auf einem anderen Blatt. Jedoch kann es einer Macht mit Weltmachtanspruch nicht gefallen, wenn zwei kleine Staaten in unmittelbarer Nachbarschaft, die man eigentlich innerhalb des Chinesischen Macht- und Interessengebietes verordnen sollte, den Schulterschluss üben und sich dem Einfluss des großen Nachbarn zu entziehen versuchen.
Das Signal das in China ankommen könnte, könnte also unter anderem sein, dass es Probleme im eigenen Hinterhof gibt und dass man wohl kaum als Weltmacht gesehen werden kann, wenn sogar Staaten wie Nordkorea sich einfach abwenden wie es ihnen passt. Das Signal das Kim Jong Un nach innen sendet ist damit nicht zuletzt, dass sich Nordkorea auch unter ihm seine unabhängige außenpolitische Stellung bewahren wird und dass er sozusagen außenpolitischer Spieler von eigenen Gnaden ist, der wichtige Gäste empfängt und nicht seinen ersten außenpolitischen Schritt wie ein Tributpflichtiger nach Peking tut. Ein durchaus starkes Signal. Würde allerdings der Besuch der mongolischen Gäste ohne ein öffentliches Zusammentreffen zwischen Kim und dem Präsidenten der Mongolei zuende gehen, dann wäre das Signal genau umgekehrt: China hätte ihn mit Drohungen dazu bewegt, unterwürfig zu sein und sich erstmal dem Alphatier im Ring zu präsentieren. Wir werden sehen was passiert, aber ich wäre ernstlich überrascht, wenn Kim nicht stolz mit seinen Gästen posieren würde.

Was ich im Auge behalte

Die nächsten Tage werden mit Blick auf dieses Thema also interessant. Dabei werde ich vor allem die folgenden Punkte im Auge behalten:

  • Treffen sich Kim und Elbegdordsch? Wie wird das Treffen bzw. werden die Treffen von der nordkoreanischen Propaganda präsentiert?
  • Von welchen Treffen wird ansonsten noch berichtet?
  • Was werden für konkrete Ergebnisse des Besuchs präsentiert? Sehen wir neue Initiativen mit Blick auf Rason?
  • Reagieren andere Akteure unmittelbar auf den Besuch? (Wohl eher nicht) Oder ändert sich die Haltung relevanter Akteure (v.a. China) in den nächsten Wochen?
  • Gibt es vielleicht sogar neue Vermittlungsanläufe der Mongolei?

Naja, vielleicht gibt es auch noch ein paar andere spannende Sachen die passieren werden, aber dafür reicht momentan meine Vorstellungskraft nicht. Aber euch allen kann ich für die nächsten Tage die Lektüre von KCNA ans Herz legen. Wird bestimmt besonders spannend.

„quick & dirty #1“ Nordkoreas SWZ-Pläne — Tut sich was in NKs Wirtschaft oder nicht?


So meine Lieben, da ich irgendwie trotz allen Bemühungen nicht in der Lage scheine, meine Zeitbudgetrestriktionen in den Griff zu bekommen, muss ich vielleicht meine Art der Beitragsproduktion darauf anpassen. Heute ist ein guter Zeitpunkt das mal auszuprobieren, denn insgesamt habe ich nur ne dreiviertel Stunde und das soll reichen, was zu finden und zu produzieren, das sich für euch lohnt und meinen Ansprüchen entspricht. Dementsprechend werde ich es heute mal, wie es ein Kollege kürzlich in herrlich blödem Werbeagenturdeutsch formulierte, „quick and dirty“ versuchen…

Das heißt es gibt nicht superviele Links und auch kaum wörtliche Zitat, keine supergeschliffene Gedanken, sondern eine zentrale Info und dazu ein paar grob formulierte Ideen bzw. Gedanken. Werde versuchen ob ich das hinkriege und würde mich über Feedback freuen. So, also freut euch auf „quick & dirty #1“.

Info: Nordkoreas SWZ-Pläne

Und da hab ich direkt mal eine Info, die ich ziemlich heiß, aber auch irgendwie ziemlich fragwürdig finde:
Und zwar will Nordkorea seine wirtschaftliche Entwicklung über Sonderwirtschaftszonen ähnlich denen in Rason und Kaesong weiter vorantreiben (eine dritte, wird bisher wenig erfolgreich auf Flussinseln zwischen China und Nordkorea nahe Sinujiu entwickelt). Dazu wurde eine Konferenz abgehalten und eine Behörde (die jetzt als „Nichtregierungsorganisation bezeichnet wird) umbenannt. In einem Interview bei KCNA verkündete Ri Chol Sok, der Vize-Chef „Korea Economic Development Association“ unter anderem, dass Nordkorea verstärkte Bemühungen in die Entwicklung lokaler SWZs ähnlich der in Rason lege.

Meine Gedanken

Die Tatsache, dass Nordkorea verstärkte Hoffnung und auch mehr Engagement in die wirtschaftliche Entwicklung legt, ist nicht neu. Neu ist aber, dass man scheinbar SWZ offensiv vorantreiben will, was für mich nach einem Entwicklungsmodell nach chinesischem Vorbild aussieht.

Allerdings ist es wie so oft im Falle Nordkoreas. Das klingt erstmal gut, aber im Endeffekt kommt es auf die Substanz an, die hinter den Worten steht und auch auf den politischen Willen.

Weiterhin ist zu bedenken, dass das Beispiel Kaesong auf internationale Investoren eher abschreckend wirken könnte.

Den Terminus „Nichtregierungsorganisation“ finde ich sehr witzig. In Nordkorea ist momentan (noch) alles politisch und alles politische ist Sache der Führung. Es kann also keine Nichtregierungsorganisationen geben.

Ein positives Momentum für ein wirtschaftsorientierteres Entwicklungsmodell könnte sich aus den nicht ganz schlechten Rahmenbedingungen ergeben. Nordkorea hat sich aktiv um die Freundschaft anderer Staaten bemüht, beispielsweise kommen positive Signale aus der Mongolei. Außerdem ist die neue Präsidentin Südkoreas solchen Initiativen scheinbar deutlich weniger abgeneigt als ihr Vorgänger. Das sieht man beispielsweise daran, dass sie selbst gerade eine „verlängerte Seidenstraße“ vorgeschlagen hat, die von Europa aus durch Russland und Nordkorea nach Südkorea reichen soll. Das Projekt ist nicht neu, aber dass Park darüber spricht kann man als Chance sehen.

Ausblick

Wir werden sehen, was aus den Bemühungen Nordkoreas wird, aber ich glaube es ist dort eine Entscheidung zu Gunsten wirtschaftlicher Entwicklung gefallen, die man bald nicht mehr rückgängig machen kann, selbst wenn man will. Und dann ist das Land in einem Prozess drin, der auch zu politischen Veränderungen führen wird. Wie die allerdings aussehen, dass muss die Zukunft zeigen.

Weiterlesen

Weitere gute Analysen dazu von Voice of America und NKNews.

Todesstoß schon gesetzt? Gemischte Aussichten für den Kaseong-Industriekomplex


Irgendwie habe ich ein Thema schon sehr lange ausgespart, das in den letzten Wochen und Monaten in den Medien eindeutig höher gehandelt wurde, das ich aber in gewisser Weise schon früher für überbewertet hielt und von dem ich auch denke, dass es in der Krise der letzten Monate zu hoch gehandelt wurde. Es geht um den Kaesong-Industriepark. Da in den letzten Tagen (vorerst) die letzten südkoreanischen Arbeitskräfte das Gelände (vorerst) verlassen haben und weil die ganze Geschichte, selbst wenn sie überbewertet ist (zwischenzeitlich propagierten die Medien ja, dass die Schließung des Komplexes der letzte Schritt vor einem Krieg sei), trotzdem nicht unwichtig ist, will ich mich diesem Thema widmen.

Der Kaesong-Industriekomplex

Die Fakten sind schnell aufgezählt: In dem 2004 eröffneten Industriekomplex arbeiteten etwa 53.000 nordkoreanische Arbeiter für etwa 120 südkoreanische Unternehmen (übrigens hatte das deutsche Unternehmen Prettl ursprünglich auch mal vorgehabt in der Zone aktiv zu werden, zog aber rechtzeitig die Reißleine), vor allem in Arbeitsintensiven Branchen. Insgesamt durchliefen die Zone im vergangenen Jahr Warne im Wert von knapp 2 Milliarden US-Dollar (was im Endeffekt nahezu das gesamte Handelsvolumen zwischen den beiden Koreas im vergangenen Jahr ausmacht). Ich habe die seltsame Formulierung des Durchlaufens gewählt, weil das es ist, was in der Zone passier: Es kommen (bzw. kamen) relativ rohe Waren dorthin, werden von nordkoreanischen Arbeitern veredelt und dann zurück in den Süden geschafft. Nordkoreanische Arbeit, südkoreanische Rohstoffe und Produkte, das ist die Formel. Unter Lee Myung-bak stockte die Entwicklung des Leuchtturmprojektes deutlich und blieb hinter den selbst gesteckten Ausbauzielen zurück. Jedoch kam es bisher nie zu einer Schließung des Komplexes aufgrund von politischen Spannungen.

Überschätztes Leuchtturmprojekt

Ich halte die Bedeutung der Sonderwirtschaftszone (SWZ) aus mehreren Gründen für überschätzt: Die Zone hat bisher nicht das Ziel erreicht eine Keimzelle für wirtschaftliche Entwicklung in Nordkorea zu bilden, weil sie rigide abgeschottet war. Den einzigen Kontaktpunkt in der Zone stellten die nordkoreanischen Arbeiter dar, aber selbst die waren dem wachsamen Auge ihres Staates nie entzogen, daher dürfte der Grad der zwischenmenschlichen Süd-Nord-Annäherung in der Zone begrenzt geblieben sein. Wie kritisch die nordkoreanische Führung die Kontakte der Arbeiter zu Südkoreanern sieht, zeigen Berichte darüber (Achtung, die Quelle ist der DailyNK, mit einer gewissen Vorsicht zu nutzen), dass die abgezogenen Arbeiter in sehr kleinen Gruppen über das Land verstreut scharfe ideologische Erziehungsmaßnahmen über sich ergehen lassen müssen. Aufgrund dieser scharfen Beobachtung und entsprechender flankierender Maßnahmen durch die nordkoreanische Führung, dürfte auch die Auswirkung „neuer Ideen“ auf die Köpfe der Arbeiter in Grenzen gehalten haben.
Was aber hat der Kaesong-Industriekomplex überhaupt auf der Habenseite zu verbuchen, wenn die Auswirkung auf die Köpfe der Menschen und auf die reale nordkoreanische Wirtschaft ausbleibt? Naja, beide Staaten hatten immerhin sowas wie ein gemeinsames Projekt und ein paar südkoreanische Unternehmen haben vermutlich etwas Geld verdient (ob mit oder ohne Subventionen, ist jedoch nicht ganz klar. Eher mit, zumindest indirekter, staatlicher Förderungen (oder fällt euch etwas ein, wo der Staat unternehmerische Risiken abfängt, wenn ein großer Schadensfall eintritt (außer Banken und Großkonzerne, das geht bei uns ja auch prima))), aber de facto war es das schon was die Zone geleistete hat. Nicht besonders viel für fast ein Jahrzehnt und Milliardeninvestitionen. Allerdings vermag niemand zu sagen, was passiert wäre, wenn statt Lee Myung-bak ein progressiver Präsident die Aussöhnungspolitik Kim Dae-jungs und Roh Moo-hyuns fortgeschrieben hätte, kann sein, dass ich dann heute weniger Anlass hätte, mich abfällig über die Verdienste der Zone zu äußern. Aber es kam eben nicht so und deshalb steht das zu Buche, was ich eben aufgezählt habe.

Nordkoreanische Bilanz der SWZ

Für die nordkoreanische Seite war die SWZ eine Devisenquelle (die hauptsächlich dem Staat, nicht den Arbeitern zugutekam, da sich die Südkoreaner bei der Auszahlung der Gehälter auf ziemlich viele Forderungen des nordkoreanischen Staates eingelassen haben. Das Geld wurde in Devisen an den Staat ausgezahlt, von ihm umgetauscht und in Won an die Arbeiter weitergegeben.), das ist wahr. Aber wenn ich mich richtig erinnere, kamen dabei pro Jahr noch nicht einmal 100 Millionen US-Dollar zusammen. Zwar wesentlich mehr als nichts, aber auch keine unglaubliche Summe (wenn auch nur eines der Gerüchte über Nordkoreas Drogen-, Waffen-, Falschgeld-, whatever-Geschäfte zutrifft, dann dürfte das jeweilige Volumen mindestens genauso hoch sein) und daher nicht zu überschätzen. Außerdem konnte man in Kaesong wahrscheinlich was über den Betrieb moderner Industrieanlagen lernen. Allerdings hat man jetzt neue SWZ im Norden des Landes und vermutlich lässt sich mit chinesischen Partnern wesentlich besser über den Umgang mit den Arbeitern etc. sprechen als mit den südkoreanischen. Und da bin ich schon bei einem Haupt-Knackpunkt: Wie oben bereits angedeutet kann ich mir schlicht nicht vorstellen, dass sich die nordkoreanische Führung überhauptkeine Sorgen gemacht hat, wenn permanent über 50.000 Einwohner des Landes Risiko liefen, von Südkoreanern „ideologisch infiltriert“ zu werden. Diese Sorge ist ansonsten eine zentrale Angst der Führung und wo läge diese Angst näher, als im Fall Kaesong. Daher dürfte die Zone permanent auf dem Prüfstein der Führung gestanden haben oder stehen. Man musste die erzielten Einnahmen und das gewonnene und noch zu gewinnende Know-How gegen die Risiken für die ideologische Reinheit der Bevölkerung abwägen.

Todesstoß schon gesetzt?

Nachdem im Norden des Landes zumindest die SWZ in Rason mehr und mehr in der Lage zu sein scheint, eine ähnliche Stellung wie der Kaesong-Industriekomplex einzunehmen, könnte sich die Frage nach der Daseinsberechtigung für die Zone in Kaesong stellen. In Rason kann man mehr eigene Entwicklungsimpulse erzielen und läuft gleichzeitig ein geringeres Risiko, dass den Arbeitern Südkorea allzu sympathisch wird. Daher kann ich mir durchaus vorstellen und erklären, dass Kaesong bei der nordkoreanischen Führung mehr und mehr zur Disposition steht. Und wer weiß, vielleicht hat man ja in ein paar Wochen oder Monaten die blendende Idee, die Anlagen dort einfach selber zu nutzen, eh sie verfallen. Das würde dann ein wildes Hickhack und allerlei juristische Überlegungen nach sich ziehen, aber wie am Kumgangsan, wo man es ja schonmal durchgezogen hat, sitzen die Nordkoreaner einfach am längeren Hebel.
Aber so weit sind wir natürlich noch nicht. Erstmal hängen die weiteren Entwicklungen davon ab, wie wichtig die Anlage der nordkoreanischen Führung noch ist und wie viel die südkoreanische Seite bereit ist, auf den Norden zuzugehen. Wenn man in Pjöngjang die Deviseneinnahmen weiterhin hoch schätzt und man in Seoul weiter an den Wert und die Zukunftsfähigkeit des Projektes glaubt, dann wird man sich zusammensetzen und eine Fortführung aushandeln. Jedoch steht ab jetzt der Park bei jeder weiteren Krise deutlicher zur Disposition als bisher und sowas ist nicht gerade lockend für potentielle Investoren. Kann also sein, dass das Vorgehen des Nordens in der Krise schon so oder so den Todesstoß für das Projekt bedeutet. Wir werden sehen.

Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel (III): Grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea


Klickt auf das Bild und findet die anderen Artikel der Serie, die bisher erschienen sind.

Nikola Medimorec

Der dritte Teil der Serie behandelt die grenzüberschreitenden Projekte von Russland, China und Südkorea mit Nordkorea. Hierbei geht es nicht zu sehr ins Detail, weil die vorgestellten Projekte in der Planung bzw. Umsetzung sind und sich so noch viele Veränderungen vollziehen können. Darüber hinaus ist das Thema mit seiner Mischung aus wirtschaftlichen und politischen Interessen sehr komplex. Vielmehr soll mit dem dritten Teil der Serie „Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel“ das Grundprinzip verdeutlicht werden, um die Bedeutung dieser Projekte verstehen zu können.

Das andere Korea

Südkorea ist eigentlich eine Insel. In drei Himmelsrichtungen von Meer umschlossen und im Norden ist die Grenze mit Nordkorea. Das führt zu absurden Überlegungen wie Tiefseetunnel nach Japan und sogar nach China. Die einzige Möglichkeit für die Expansion von Verkehrswegen ist in Richtung Norden, was unter den bestehenden Umständen nur wenige Kilometer über die Grenze möglich ist.

Die Karte zeigt vorhandene und fehlende Bahnverbindungen zwischen Süd- und Nordkorea. (Quelle: LEE, SUNG-WON (2010): Integrated Transport and Logistics Infrastructure Development for Northeast Asia: With Special Emphasis on Korean Peninsula, S. 17.)

Die Sonnenschein-Politik Südkoreas in der vorigen Dekade engagierte sich primär für grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea. Diese sollten für mehr Stabilität, Sicherheit und Annäherung sorgen. Die Wiederherstellung der Schienen- und Straßenverbindung der Kyungui-Linie nördlich von Seoul nach Kaesong (mit der Verlängerung nach Pyongyang), der Aufbau des Kaesong Industriekomplexes und die Entwicklung des Touristenressorts in der Bergregion Geumgang über die Ostküste zählen zu den Projekten. Heute wird nur noch die Autobahn Nr. 1 (oder auch Unification Highway genannt) zum Transport von Gütern und Personen zwischen Südkorea und Kaesong genutzt. Nachdem eine südkoreanische Touristin vom nordkoreanischen Militär im Gebiet von Geumgang erschossen wurde, wurden diese Touren suspendiert. In den fünf Jahren waren um die 300.000 Touristen dort. Ob man Kaesong als Erfolgsmodell bezeichnen kann, ist schwierig zu beurteilen. Die Infrastruktur wurde komplett von Südkorea gestellt und es ist eine Möglichkeit für südkoreanische Betriebe billig Produkte herstellen zu lassen. Die Zahl von Arbeitern und gefertigten Produkten steigt, aber ursprünglich war geplant, dass bis 2012 ca. 730.000 Nordkoreaner dort arbeiten. Diese Zahl wirkt illusionär, wenn man betrachtet, dass es heute nur 50.000 Arbeiter sind. 2008 suspendierte Nordkorea jeglichen Zugtransport von Kaesong in Richtung Süden. Aber der Gütertransport per Schiene hat sich wegen dem geringen Produktionsvolumen nie wirklich gelohnt. Auf der Westverbindung operieren nur noch Lkws, die Rohstoffe anliefern und mit fertigen Produkten wiederkommen. Als eine weitere Verbindung zwischen dem Norden und Süden könnte außerdem noch eine Schienen- und Straßenverbindung im Innern der Halbinsel durch einen Wiederaufbau von jeweils weniger als 30 km hergestellt werden.

Russland

Russland ist vor allem daran interessiert den Hafen von Rajin zu benutzen, weil es der nördlichste, über das Jahr komplett eisfreie Hafen an der Westpazifik-Küste ist. 2001, als sich King Jong-Il und Vladimir Putin trafen, wurde der Grundstein für dieses Projekt gelegt. Mittlerweile ist die ca. 52 km lange Schienenstrecke mit Mehrschienengleise (wegen der untersch. Spurbreite) fertiggestellt und ab Oktober 2012 sollen dort Gütertransporte durchgeführt werden. Außerdem spielt Russland eine signifikante Rolle in der Stabilität und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, weil Russland mit beiden Teilen gute Beziehungen unterhält. Das zeigt sich vor allem durch die Planung der Gas-Pipeline, die von Russland durch Nordkorea nach Südkorea verlaufen soll. Die Bedeutung dieses Projekts für eine Annäherung ist extrem hoch.

Bei den Nachbarn sehr begehrt. Der Hafen von Rajin. (Quelle: Google Earth)

Rohstoffhungriges China

Chinas Intentionen sind relativ klar: Ressourcen und Wirtschaftswachstum. China investiert sehr viel in Nordkorea. Es ist kein Geheimnis, dass China Nordkorea am Leben erhält. Die Investitionen lassen sich in zwei Arten einteilen: Förderung von Ressourcen und Ausbau der intranationalen Infrastruktur. Dazu kommt unter dem Schlagwort „Chang-Ji-Tu“ mehrere Projekte, die für Nordkorea bedeuten, dass China viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur stecken wird und dafür die Rechte auf bestimmte Bodenschätze erhält. Die Grenzgebiete Chinas würden wirtschaftlich von Kooperationen mit Nordkorea profitieren. Autobahnen und Grenzübergänge sind bereits auf chinesischer Seite realisiert. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist in Planung. Aber auf nordkoreanischer Seite läuft die Umsetzung viel langsamer ab und scheitert teils schon in der Planungsphase bei Verhandlungen oder Finanzierungsfragen. China ist wie Russland auch an der Nutzung von Rajin bzw. anderer Häfen an der koreanischen Ostküste interessiert. Die Straßenverbindung von der chinesischen Region Jilin bis nach Rajin sind verbessert worden und 2011 wurde chinesische Kohle über Land nach Rajin und dann per Schiff nach Shanghai transportiert.

 Grenzüberschreitende Projekte: Schwierige Aufgaben mit großem Potential

Die grenzüberschreitenden Projekte zeigen, wie schwer es unter den aktuell gegeben Umständen, also bei fehlender Stabilität, Sicherheit und Frieden, ist, zwischenstaatliche Kooperationen mit Nordkorea aufzubauen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, was für ein Potential Nordkorea in der Zukunft unter den Bedingungen einer freien Marktwirtschaft hätte. Für die wirtschaftliche Entwicklung der grenznahen Regionen Chinas und Russlands sind diese Kooperationen vorteilhaft und für Nordkorea überlebenswichtig. Jedes dieser Projekte wird wichtiger Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Entwicklung eines wiedervereinten Koreas.

 

Alle dargestellten Inhalte sind nur ein Abriss meiner Abschlussarbeit „Reunification Through Transport. Lessons from the German Transport Unity Transport Projects for the Korean Peninsula“. Wer sich für die Quellen, mehr Details, weitere Ausführungen interessiert und das gesamte Bild der Verkehrswegestruktur kennenlernen möchte, kann meine Abschlussarbeit unter folgendem Link erwerben: http://www.lulu.com/shop/nikola-medimorec/reunification-through-transport-lessons-from-the-german-unity-transport-projects-for-the-korean-peninsula/ebook/product-20282587.html

Der Weg führt nach Rason: Mongolei zeigt Interesse


Irgendwie seltsam, aber momentan sind hier die Länder im Fokus, aus denen man eigentlich ziemlich selten was hört (und noch seltener in einem Satz genannt mit Nordkorea). Nachdem gestern Fidschi dran war, habe ich heute etwas über die, bzw. aus der, Mongolei gelesen, das ich ebenfalls so interessant fand, dass ich kurz darüber berichten möchte.

Klickt auf die Karte, um zu einer anderen Karte zu kommen, die die regionalen Bahnverbindungen zeigt. (Karte: Google Maps)

Wenn ihr euch die Landkarte der Region mal anschaut, dann wisst ihr, dass sich die Mongolei in einer „Bedrängungssituation“ befindet, gegen sich die Nordkoreas auch nicht unbedingt behagliche Lage anfühle muss wie ein Hort der Freiheit. Das Land liegt eingeklemmt zwischen den Riesen Russland und China und hat keinen Seezugang. All das macht die Entwicklung nicht gerade leichter, denn man hat nicht wirklich viele Optionen, wenn man die vorhandenen Rohstoffe und Produkte des Landes verkaufen will. Entweder man kommt mit den Nachbarn ins Geschäft, oder man muss ihre Häfen nutzen (vor allem die Chinesischen, weil die dauerhaft eisfrei sind). Kurz: Irgendwie ist man abhängig.

Die Reise führt nach Rason

Naja, vielleicht fällt euch auf, wo die Reise hinführt (also im wahrsten Sinne), denn hier kann Nordkorea etwas für Linderung sorgen. Und zwar passenderweise mit der Sonderwirtschaftszone in Rason, oder genauer, mit den Häfen dieser SWZ, denn damit bietet sich ein Ausweg aus der unangenehmen Situation, immer von der schwächeren Ausgangssituation aus verhandeln zu müssen. Gleichzeitig wird damit die Verhandlungsbasis mit den beiden Schwergewichten etwas mehr ins Gleichgewicht gerückt, denn wenn sie nicht verhandeln wollen, dann schafft man seine Waren eben nach Rason und verschifft sie von dort aus wo hin, wo die Partner angenehmer sind. So habe ich mir das jedenfalls immer vorgestellt, nur hat sich bisher achsowenig in diese Richtung getan.

Stärkere Zusammenarbeit geplant: Rason im Zentrum

Daher fand ich es heute interessant, diese Meldung der Informationsplattform Info Mongolia zu finden. Darin wird von einem Gespräch zwischen dem Sprecher des mongolischen Parlaments Enkhbold und Nordkoreas Botschafter in Ulan-Bator Ri Chol-gwang berichtet. Unter anderem informierte Ri über das Vorhaben des nordkoreanischen Parlamentssprechers Choe Thae-bok (ihr kennt ihn vielleicht, er empfängt öfter mal Gäste aus dem Ausland, zuletzt auch Johannes P(f)lug), die Mongolei noch in diesem Jahr zu besuchen. Weiterhin wolle Nordkorea einen mongolisch-nordkoreanischen Wirtschaftsrat („Korea-Mongolia Business Council“) aufbauen. Vor allem aber plane Nordkorea, in der Sonderwirtschaftszone Rason einen „Hafen“ für die Mongolei bereitzustellen. Also vermutlich ein Pier für die Mongolen zu reservieren. Ein Transportgut scheint auch schon gefunden, denn weiter sprachen beide Seiten darüber, Kohle aus Tawan Tolgoi über Rason auf den Pazifik zu bringen. Dass die Regierung der Mongolei besonders an den Möglichkeiten, die die Häfen von Rason bieten interessiert ist, hatte der mongolische Regierungschef Sukhbaatar Batbold bereits im vergangenen Jahr klargestellt. Jetzt scheinen den Worten langsam Taten zu folgen.

Motor regionaler Integration

Gleichzeitig ist damit auch ein weiterer Schritt in die Richtung gemacht, die Greater Tumen Initiative schon seit fast zwanzig Jahren für Rason und Umgebung vorsieht, die bisher aber kaum voran kam. Nun scheint nach China und Russland auch die Mongolei in diese Richtung einzuschwenken. Würde Rason tatsächlich zu einem Umschlagplatz mongolischer Güter, würde dies die Chance erhöhen, dass die Sonderwirtschaftszone tatsächlich zu einem Motor regionaler Entwicklung würde. Nicht zuletzt würden sich in der Folge möglicherweise auch nennenswerte Handelsbeziehungen zwischen der Mongolei und Nordkorea entwickeln (bisher erreicht der Handel beider Länder nach mongolischen Angaben noch nichtmal den Wert einer Million US-Dollar). Damit würde sich nicht nur die Mongolei, sondern auch Nordkorea ein Stück weit aus dem ökonomischen Griff Chinas befreien.

Wo ein Wille ist… Nordkorea und China planen weitere Schritte zur gemeinsamen Entwicklung von zwei Sonderwirtschaftszonen


Entschuldigt bitte meinen Sinozentrismus, aber ich komme nicht umhin, heute schon wieder über China zu schreiben. Um genauer zu sein über den Besuch Jang Song-thaeks zum dritten Treffen des gemeinsamen Lenkungsgremiums, über den ich ja gestern schon geschrieben habe, im Nachbarland. Das Treffen hat nämlich, so wie ich das einschätze wirklich etwas Wichtiges zum Vorschein gebracht. Es wird nämlich immer deutlicher, dass die chinesische Seite bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen, um den Aufbau der nordkoreanische Wirtschaft und besonders der beiden Sonderwirtschaftszonen (Rason und Wihwa + Hwanggumphyong) zu fördern. So klingen jedenfalls die Verlautbarungen beider Seiten, die nach dem Treffen gemacht wurden.

Oben rechts hervorgehoben, die SWZ Rason, die an China und Russland grenzt. Oben Links die Hwanggumphyong and Wihwa Islands SWZ.

Was vom Treffen des Lenkungskomitees bekannt wurde

Ich will das jetzt alles garnicht im Einzelnen auseinandernehmen, sondern euch nur die m.E. wichtigsten bzw. bemerkenswertesten Punkte des Übereinkommens schildern. Das offizielle Statement des chinesischen Ministry of Commerce gibt es hier (manchmal läd es etwas langsam) und hier finden sich noch ein paar O-Töne von Vertretern des Ministeriums. Die Verlautbarung Nordkoreas wurde wie immer über KCNA veröffentlicht (und sobald sie auf der verlinkbaren Seite steht, setze ich den Verweis, bis dahin müsst ihr es hier selbst raussuchen). Ich versuche mal die wichtigsten Inhalte aus den Meldungen rauszufiltern und danach zu ordnen, was erreicht wurde, was vereinbart wurde und was geplant ist, um abschließend mögliche Streitpunkte aufzuzeigen.

Wo man steht

  • Im ersten Halbjahr 2013 trifft sich das Lenkungskomitee wieder.
  • Beide Seiten sind mit den Fortschritten der Zonen sehr zufrieden und sehr optimistisch hinsichtlich deren weiterer Entwicklung. (Ach!)
  • Für beide Zonen wurden Managementkomitees ins Leben gerufen. (Bei der Hwanggumphyong und Wihwa SWZ wurde dafür eine Vereinbarung zwischen den Provinzregierungen beider Seiten getroffen.)
  • Im letzten Jahr wurden aus China 300 Millionen US Dollar in Nordkorea investiert, umgekehrt immerhin 100 Millionen.
  • Der Mobilfunkanbieter (wenn ich das richtig verstehe) Panda International Information Technology Co., Ltd. bietet seit diesem Jahr seinen Service in Nordkorea an. (Das finde ich sehr interessant, denn ich dachte Orascom habe ein Monopol. Außerdem wird die staatliche Kontrolle der Mobilfunknetze immer schwieriger, je mehr Akteure mitmischen.)

Worauf man sich geeinigt hat

  • Ein positives Investitionsklima soll geschaffen werden, das internationalen Anforderungen entspricht. (Nordkoreas Job)
  • China will große Unternehmen animieren, in den SWZ zu investieren. (Chinas Job)
  • Beide Regierungen sollen das Engagement von Lokalregierungen und Unternehmen für die SWZ fördern. (Beide müssen hier mitwirken, aber besonders China ist in der Pflicht, da zentral gesteuerte nordkoreanische Unternehmen und auch Lokalregierungen leichter zu „motivieren“ sein dürften)
  • Beide wollen die Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone positiv fördern. (Job beider Regierungen, aber wohl besonders China, s.o.)
  • Für die gleiche SWZ gab es eine Vereinbarung über die Erstellung von Prozessen für grundlegende Einrichtungen (Was auch immer das genau heißt, vermutlich Infrastruktur, Grenzverkehr, Versorgung). (Ebenfalls zwischen den Provinzregierungen.)
  • Für Rason wurde eine Vereinbarung über Investitionen im Hafen und Industriegebiet getroffen. (Chinas Job)
  • Es wurde eine Vereinbarung über die Lieferung von Strom aus China für die Zone in Rason getroffen, die Einrichtungen dafür scheinen bereits fertig zu sein. (Ich habe ja bereits darüber geschrieben. Das ist ein sehr wichtiger Punkt für den Erfolg Rasons).

Wo die Reise hingehen soll

  • Die Zone in Rason soll sich eher zu einer industriellen Basis mit den Bereichen Maschinenbau, Leichtindustrie und Hightech, zu einem touristischen Zentrum und einem Logistikknoten entwickeln. (Ob das alles zusammen so funktionieren kann?)
  • Die Wihwa und Hwanggumphyong Zone soll sich eher den Bereichen IT, Tourismus, Landwirtschaft und Kreativwirtschaft widmen und wohl eher zu einem Dienstleistungszentrum weiterentwickelt werden. Interessant finde ich, dass in der People’s Daily noch was von „finance“ steht, was in der offiziellen Regierungsverlautbarung fehlt. Ein Übersetzungsfehler? (Die Idee der unterschiedlichen strategischen Ausrichtung ist deutlich und es wird auch erkennbar, dass für beide Zonen eine eher „evolutionäre“ Entwicklung vorgesehen ist. Das klingt alles erstmal realistisch, aber es muss sich zeigen, ob nicht beide Zonen auf den ersten Evolutionsstufen verharren werden. Rason als Rohstoffverarbeitungs- und -verschiffungsort, wo das gemacht wird, was den Chinesen zu dreckig ist und Wihwa als Zockerparadies und Geldwäscheknoten. Wir werden sehen.)

Probleme und mögliche strittige Punkte

  • Sowohl in der chinesischen als auch in der nordkoreanischen Verlautbarungen sind Hinweise zu finden, dass man mit den Fortschritten der Wihwa und Hwanggumphyong SWZ nicht zufrieden ist und das dort noch viel zu tun ist. Auch an den beschlossenen Maßnahmen wird klar, dass man dort noch am Anfang steht, während man in Rason schon kräftig implementieren kann.
  • Die chinesische Seite erwartet weitere Fortschritte in den Bereichen: -Erarbeitung von Verfahrensmechanismen, -der Ausbildung von Personal -dem Entwerfen detaillierter Pläne, Gesetze und Regulierungen -der Vereinfachung von Zollregeln und -erstattung -dem Aufbau von Telekommunikationsverbindungen und der Zusammenarbeit im Bereich Landwirtschaft und im Bau von Anlagen dort. (Das alles wird nur im Statement der chinesischen Seite so beschrieben, als seien dort noch deuliche Fortschritte nötig. Man kann das also als Forderungen an Nordkorea lesen.)
  • Prinzip der Zusammenarbeit soll ein staatlich gelenktes, Unternehmenszentriertes, an gegenseitigen Vorteilen auf Basis von Marktmechanismen orientiertes System sein. (Jedenfalls wenn es nach der chinesischen Seite geht. In der nordkoreanischen Verlautbarung findet sich davon kein Wort.)

Der Wille ist da und die Aussichten sind gut (zumindest für Rason)

Jedenfalls wird bei Betrachtung dieses Kataloges und durch die Tatsache, dass man ihn überhaupt öffentlich gemacht hat deutlich, dass sich bereits einiges getan hat und das vor allem in der Zone in Rason möglicherweise schon bald weitere sichtbare Fortschritte vermeldet werden können. Weiterhin zeigt sich China willig, die Zonen aktiv zu fördern. Vielleich hat dazu auch Pjöngjangs sehr aktive Reisediplomatie der letzten Zeit in Südostasien beigetragen, wo man wohl versucht hatte, Investitionen für die SWZ zu gewinnen und damit vermutlich einigen Druck auf China ausgeübt hat (Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, aber ob das dem Monopolisten gefällt, steht auf einem anderen Blatt). Gleichzeitig scheint man mit der Entwicklung der Wihwa und Hwanggumphyong SWZ nicht zufrieden zu sein. Hier muss scheinbar noch grundlegende Infrastruktur etc. errichtet werden. Allerdings scheint auch hier noch ein Wille zum Erfolg zu existieren. Es könnten latente Meinungsverschiedenheiten über die Grundprinzipien der Zusammenarbeit und der gegenseitig noch zu erbringende Arbeit bestehen, aber bisher scheint man das gut überdecken zu können.

Jang Song-thaeks Projekt und der positive Effekt aus Kim Jong Ils Tod

Grundsätzlich ist noch zu erwähnen, dass es den Zonen von nordkoreanischer Seite aus vermutlich sehr zugute kommt, dass sie schon vor dem Ableben Kim Jong Ils zu Jang Song-thaeks Projek wurden. Jang hat mit Kims Tod an Einfluss gewonnen und wird dieses in Waagschale werfen, um sein Projekt zu einem Erfolg zu machen. Kim Jong Un kann ihm dabei vermutlich nicht mit Einwänden oder Ideen so leicht dazwischenfunken, als sein Vater das konnte und wohl auch getan hat. Hier könnte Kim Jong Ils Tod einen positiven Effekt für Nordkoreas Wirtschaft nach sich ziehen.

China und Nordkorea nähern sich nach Kim Jong Ils Tod wieder an und kennen nur ein Thema: Wirtschaft!


Wie mir irgendwann zwischen gestern und eben aufgefallen ist, habe ich bei meiner gestrigen Zusammenfassung der letztwöchigen Ereignisse im Zusammenhang doch glatt etwas außer Acht gelassen. Den China-Faktor! Irgendwie ist mir in diesem Zusammenhang ein mittelmäßig wichtiges und ein wirklich wichtiges Ereignis durchgegangen, dass ich jetzt auch noch um einen aktuellen ebenfalls nicht unwichtigen Sachverhalt ergänzen kann.

Handel expandiert weiter

Erstmal zu der weniger wichtigen Meldung: Bereits vor gut zwei Wochen wurde unter Berufung auf Informationen des US-Radiosenders Voice of America berichtet, dass der Handel zwischen China und Nordkorea weiter kräftig wachse und im ersten Halbjahr 2012 die Grenze von drei Milliarden US-Dollar überschritten habe. Dabei nahmen Exporte aus Nordkorea um 22% auf 1,3 Mrd. US-Dollar und Importe nach Nordkorea um 26% auf 1,8 Mrd. US-Dollar zu.

In Nordkorea dürfte man diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Denn natürlich ist es nicht schlecht, wenn Waren ins Land kommen und man eigene Güter verkaufen kann. Aber gleichzeitig steigt die wirtschaftliche Abhängigkeit gegenüber China. Einerseits scheint das Handelsdefizit gegenüber dem großen Nachbarn zuzunehmen und irgendwo muss ja schließlich das Geld für diese Einkäufe herkommen. Im Endeffekt wird es sowas wie Kredit aus China sein. Das ist schön und gut, solange er gewährt wird. Fällt er aus, weil China bspw. harte Währung verlangt, dann ist es vorbei mit Exporten auf Pump. Diese Erfahrung hat man in Nordkorea bereits einmal, nach dem Niedergang des Ostblocks gemacht und etwas Ähnliches würde der nordkoreanischen Wirtschaft erneut einen heftigen Schlag versetzen. Aber mal ganz davon abgesehen, ist China zurzeit schlicht der einzige relevante Handelspartner Nordkoreas. In den Statistiken folgt häufig — mit größerem Abstand aber auch die Milliardengrenze deutlich überschreitend — Südkorea. Aber das sind meiner Meinung nach recht fragwürdige Statistiken, denn was unter der aktuellen Regierung in Seoul an handel läuft, beschränkt sich nahezu vollständig auf die Sonderwirtschaftszone in Kaesong. Und da sieht der Handel wie folgt aus: Rohstoffe bzw. Vorprodukte aus Südkorea werden dorthin gebracht (= nordkoreanische Importe aus Südkorea), dann von nordkoreanischen Arbeitern „veredelt“, also weiterverarbeitet und anschließend zurückgebracht (= nordkoreanische Exporte nach Südkorea). Das ist nicht haargenau das, was solche Handelszahlen vermuten lassen und kann daher vernachlässigt werden (denn was bringt es der nordkoreanischen Wirtschaft außer den Arbeitslöhnen?). Und wenn man das tut, ist die einseitige Abhängigkeit Nordkoreas von China noch erdrückender. Naja, aber kurzfristig dürfte man sich wie gesagt über jeden wirtschaftlichen Impuls freuen, während man für die lange Frist vermutlich schon auf der Suche nach Gegengewichten ist.

Kim Jong Un wird außenpolitisch aktiv

Das zweite wichtiger Ereignis fand eher im diplomatischen Bereich statt: Kim Jong Un empfing Anfang des August Wang Jiarui, den Abteilungsleiter für Auswärtige Beziehungen des ZK der KP Chinas. Damit gab der junge Kim in seiner Funktion als Nachfolger seines Vaters sein Debüt im diplomatischen Bereich. Gleichzeitig wurde damit die relative Funkstille zwischen Nordkorea und China auf höchstem politischem Niveau beendet, die seit dem Tod Kim Jong Ils zu verzeichnen war.

Dass Kim Jong Un nun auch außenpolitische Aufgaben übernimmt und die Beziehungen zu China wieder aufgewärmt werden, kann als Signal verstanden werden, dass man in Pjöngjang glaubt, innenpolitisch aus dem Gröbsten raus zu sein und so fest im Sattel zu sitzen, dass man sich wieder mehr nach außen wenden kann. Die Tatsache, dass es ein Vertreter Chinas war, den der junge Kim traf ist nicht weiter überraschend, alles andere wäre dagegen verwunderlich gewesen. China ist und bleibt (vorerst) der herausragende außenpolitische (und außenwirtschaftliche) Pfeiler, auf den sich das Regime in Pjöngjang stützen kann.

In den chinesischen Medien ist von diesem Besuch vor allem eines hängen geblieben, dass folgende Zitat Kim Jong Uns, das seitdem in allerlei Medien die Rund gemacht hat und weiter macht:

developing the economy and improving people’s livelihood so that the Korean people lead happy and civilized lives is the goal the Korean Workers‘ Party is working toward

[die Entwicklung der Wirtschaft und die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen, so dass die koreanische Bevölkerung frohe und zivilisierte Leben führen kann, ist das Ziel, an dem die Koreanische Arbeiterpartei arbeitet]

Das wird natürlich gerne als Signal für einen stärkeren wirtschaftlichen Fokus des Kim Jong Un Regimes interpretiert und ganz abwegig ist das auch nicht. Allerdings wurde, wenn ich mich recht erinnere auch Kim Jong Il von chinesischer Seite öfter mal mit ähnlichen Aussprüchen zitiert. Man weiß eben in Pjöngjang auch recht genau, was man in Peking hören will. Daher sollte man das auch nicht überinterpretieren.

Jedenfalls wird man von Kim Jong Un in Zukunft wohl öfter auch Auftritte im außenpolitischen Bereich sehen. Es wird spannend zu beobachten bleiben, wen er noch so in Pjöngjang empfängt (Russen, Südostasiaten, z.B. Laoten?), wann er seine erste Reise nach China macht, ob er auch in andere Länder fährt und wie stark sein Engagement in diesem Feld sein wird.

Jang Song-thaek in China

Heute gab es dann weitere Meldungen bezüglich der Beziehungen zwischen China und Nordkorea. Kim Jong Uns Onkel Jang Song-thaek, dem viel Einfluss im Regime zugeschrieben wird und der wohl einer der entscheidendsten Strippenzieher in der bisherigen Nachfolge Kim Jong Uns war, ist mit einer ansehnlichen Delegation (50  Leute) aus Außen- vor allem aber Wirtschaftspolitikern nach China gereist. Anlass der Reise ist laut nordkoreanischen und chinesischen Medien ein Treffen, bei dem es um die gemeinsame Entwicklung der nordkoreanischen Insel Hwanggeumpyeong und der Sonderwirtschaftszone Rason gehen soll. Zum dritten Mal tritt eine chinesisch-nordkoreanische Kommission zusammen, die hierbei federführend ist und der Jang Song-thaek für die nordkoreanische Seite vorsteht.

Es wird viel diskutiert werden, was Jang Song-thaeks Reise zu bedeuten hat, aber auch hier sollte man nicht überinterpretieren, denn erstmal ist es eben sein Job, als Vorstand der Kommission bei den entsprechenden Treffen dabeizusein. Weiterhin ist es ja selbstverständlich, dass Projekte wie die beiden SWZ einer Steuerung bedürfen und dass bei gemeinsamen Projekten auch Koordination notwendig ist. Weiterhin läuft vermutlich nicht alles so, wie man es sich in Nordkorea vorgestellt hat und daher muss hier weiter Engagement gezeigt werden. Gleichzeitig sind die Chinesen von der Idee, den kleinen Nachbarn über den Weg wirtschaftlicher Abhängigkeit zu bändigen vermutlich ziemlich angetan (mal abgesehen von den Billionenschweren Rohstoffreserven unter der nordkoreanischen Erde) und möchten die Projekte daher ebenfalls vorantreiben. Nimmt man dazu eine vermutete oder tatsächliche stärkere Ausrichtung des Kim Jong Un Regimes am wirtschaftlichen Wohl der nordkoreanischen Bevölkerung, dann ist es selbstverständlich, dass diese Fragen mit hoher Priorität behandelt werden.

Was die chinesische Seite  von dem Treffen erwartet, macht dieser Artikel jedenfalls ziemlich deutlich: Wirtschaft! Wirtschaft! Wirtschaft! Interessant in dem Artikel fand ich in diesem Zusammenhang noch einen kleinen Absatz. Dort wird darauf hingewiesen, dass Kim Yong-nam kürzlich für einen dreitägigen Besuch in Vietnam weilte. Laos wird mit keiner Silbe erwähnt. Warum? Vietnam könnte aus chinesischer Sicht als Entwicklungsmodell für Nordkorea dienen, Laos nicht. Die Marschrichtung ist klar. Bleibt nur noch die oben angesprochene Frage, ob man in Pjöngjang bereit sein wird, sich dauerhaft in die Abhängigkeit Chinas zu begeben und damit auch die politische Handlungsautonomie mehr und mehr zu verlieren.

Rasons langer Weg zum Logistikknoten: Russland und Nordkorea eröffnen in diesem Jahr Bahnverbindung zum Gütertransport


Langsam aber stetig schreitet die Entwicklung der Sonderwirtschaftszone in Rason voran. Die Zone ist für die Nachbarstaaten ja nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie potentiell gute Bedingungen bietet, um in Zukunft als Logistikdrehscheibe zu dienen. Den nordöstlichen Provinzen China bietet sie einen nahen Zugang zum Pazifik, der einen weiten Überlandtransport von Gütern erspart und für Russland ist die Tatsache interessant, dass der Hafen der Zone ganzjährig Eisfrei ist und damit eine gewisse Sicherheit in den Abtransportmöglichkeiten bietet.

Aber um ein regionales Logistikzentrum zu werden, ist es natürlich unerlässlich, dass Rason an die regionalen Verkehrsnetze angebunden wird, denn wenn keine Waren hinkommen können, dann können auch keine weiter transportiert werden. Dementsprechend arbeiten China und Nordkorea daran, die Straßenverbindung nach Rason so zu gestalten, dass die chinesischen Produkte auf diesem Weg durchs Land gelungen können und dementsprechend haben Russland und Nordkorea gemeinsam die Bahnverbindung zwischen Rajin (eine der beiden Städte, die den Kern von Rason bilden, die zweite ist Sonbong) und dem Russischen Khasan in den letzten Jahren ausgebaut. Nun hat Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA verkündet, dass noch in diesem Jahr regelmäßig Güterzüge auf dieser Strecke verkehren sollen. Schon im Oktober vergangenen Jahres verkehrte ein Testzug auf der neuen Stecke und ab Oktober diesen Jahres soll es dann ernst werden.

Dann können etwa 100.000 Container pro Jahr auf diesem Weg transportiert werden. Bis dahin sollen laut nordkoreanischen Angaben noch die Bahnhöfe und Kommunikationsnetze an der Strecke in Stand gesetzt werden. Der 54 km lange Schienenweg sei von der Eastern Railway Ryonun Company, einer Tochter der russischen Bahngesellschaft RZD, gepachtet worden, so dass die russische Bahn nun die Rechte an diesem Abschnitt hält. Das dürfte den Russen Geschäftssicherheit bieten und für die nordkoreanische Seite wohl nicht so wichtig sein, denn hier wünscht man hauptsächlich, dass das „Warenbächlein“, das momentan zwischen beiden Seiten tröpfelt (der Handel belief sich im vergangenen Jahr auf 110 Millionen US-Dollar) zu einem echten Warenstrom wird. Diese Strecke ist sicherlich eine gute Möglichkeit dazu.

Ob allerdings der Wunsch in Erfüllung geht, durch den Steckenausbau Rason zu dem entscheidenden Verbindungsstück zwischen Europa und Nordostasien zu machen, wird sich erst noch herausstellen müssen. Ein wichtiger Schritt allemal. Das entsprechende Container-Terminal in Rajin scheint schon fertig zu sein und auf den Warenstrom aus Russland zu warten (der aber für einen wirklichen „Logistikknoten“ noch nicht reichen würde. Zum Vergleich: Der Hafen in Hamburg schlug 2010 knapp 8 Millionen Container um (aber das ist zugegeben eine hohe Messlatte)). Die Zukunft wird zeigen, ob die Pläne so umgesetzt werden, aber die Investitionen von russischer Seite zeigen zumindest, dass ein  echtes Interesse besteht.

Noch kurz drei Anmerkungen zu dem Video, dass KCNA mitgeliefert hat.

1. Etwa bei Sekunde 13 sieht man sehr schön, dass die Gleise auf diesem Teilstück für zwei Spurbreiten verlegt wurden. Die breitere russische und die schmale nordkoreanische. Scheinbar sollen auch nordkoreanische Züge auf der russischen Strecke fahren dürfen.

2. Der russische Vertreter war bei der Unterzeichnung des Vertragswerks echt leger gekleidet. das mit dem Business-Dresscode ist wohl von Land zu Lad verschieden.

3. Interessant finde ich, dass auch in diesem Video wieder so ein moderner Zug gezeigt wird. Ich hatte mal auf der Freien Beitragsseite gefragt, was das für ein Zug sein soll und Tobias (Danke dafür) hat recht ausführlich geantwortet, dass es sich dort um CRH-Hochgeschwindigkeitszüge handelt, die in China verkehren. Da frage ich mich doch glatt, warum man die so gern in die eigenen Videos einbaut. Hofft man, dass die Dinger auch bald in Nordkorea verkehren? Oder ist das einfach, um das ganze Video ein bisschen dynamischer aussehen zu lassen?

Erster Schritt auf langem Weg: China beginnt Kohletransport via Rason im Regelbetrieb


Vor lauter Kim Jong Un verliert man ja mal leicht die anderen Themen aus den Augen. So hat China scheinbar von der Welt weitgehend unbemerkt, am 08. Januar die Transitstrecke für Kohle via Rason in Regelbetrieb genommen. Das meldete jedenfalls KBS World am Freitag. Im vergangenen Jahr hatte es zwar bereits Probetransporte von insgesamt 100.000 Tonnen gegeben, jedoch sei die erste Lieferung von 7.000 Tonnen Kohle, die in China gefördert wurden und via den Rason (oder vielmehr den Hafen von Rajin) nach Südchina verschifft würden, der Auftakt für Kohletransporte in vollem Umfang. Dies sei vor dem Hintergrund des Abschlusses des Straßenausbaus von der chinesischen Grenze nach Rason zu sehen.

Natürlich bedeutet allein die Nutzung Rasons als Transporthafen noch nicht, dass die Sonderwirtschaftszone Rason tatsächlich erfolgreich ist. Jedoch würden reibungslose und erfolgreiche Abläufe beim Transport eventuell einen gewissen Werbeeffekt auf andere Unternehmen zeitigen, die auch etwas zu transportieren haben. Und wenn Rason tatsächlich zu einem Logistikknoten würde, dann wäre auch die Ansiedlung von Unternehmen vor Ort nicht abwegig. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg, der alles andere als vorgezeichnet ist. Hier gibt es beispielsweise eine eher pessimistische Bewertung von Marcus Noland, auch mit Blick auf die lange Geschichte Rasons (die Kommentare sind auch interessant).

Aber jede noch so weite Reise fängt eben mit dem ersten Schritt an. Und immerhin ist der schonmal getan. Ob weitere Folgen wird sich zeigen.