Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (IV, UN (i, Sicherheitsrat und Generalversammlung))


Nachdem ich die letzten Wochen (mal wieder) etwas beschäftigt war und daher nicht dazu kam, meine Quellen-/Linksammlung mit guten Fundstellen zu Nordkorea zu erweitern, hab ich nun wieder etwas mehr Zeit und dementsprechend gibts mal wieder neues Futter für alle, die selbstständig zu diesem oder jenem Thema recherchieren möchten.

Da ich mich in der vergangenen Woche ja schonmal mit der UN, in diesem speziellen Fall mit dem Menschenrechtsrat der UN, beschäftigt habe und da die UN ja schließlich Unterorganisationen zu jedem vorstellbaren und nicht vorstellbaren Thema (kennt ihr EUROBATS? Das ist das Sekretariat unter dem United Nations Environmental Programme (UNEP), das sich der Umsetzung des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen widmet) hat, bietet die Gesamtorganisationen auch eine kaum überschaubare Informationsfülle zu allem und damit eben auch zu Nordkorea.

Über Erfolge und Misserfolge der UN kann man sicherlich trefflich streiten, allerdings ist dies hier erstens nicht der Platz dafür und zweitens sollten kritisch eingestellte Menschen mal kurz über die Alternativen (ohne UN) nachdenken. Wer handelt, dem unterlaufen Fehler. Und ich bin froh, dass die UN (wenn auch oft etwas schwerfällig) handelt. So, nun aber genug der Lanzenbrecherei und zurück zum eigentlichen Thema. Wohl am häufigsten, wenn man „Nordkorea“ und „UN“ in einem Satz hört, geht es um Resolutionen. Aber was in denen so drinsteht, das haben sich vermutlich die Wenigsten (manchmal habe ich den Verdacht, dass auch einige Journalisten, die über die Resolutionen schreiben ihr Wissen aus zweiter oder dritter Hand beziehen) selbst angeschaut. Dabei ist das erstens relativ einfach und zweitens durchaus lohnend.

Rechtliches: Resolutionen des Sicherheitsrates

Wer sich ein bisschen mit der Geschichte Koreas beschäftigt hat, dem wird sicher bewusst sein, dass die UN schon während des Koreakrieges, der letztendlich zur Spaltung führte, eine sehr interessante Rolle innehatte. Es waren nämlich UN-Truppen, die unter US-amerikanischem Kommando zur Verteidigung des Südens herbeieilten. Diese Tatsache beruhte auf einer Resolution des UN-Sicherheitsrates. Diese konnte nur zustande kommen, weil die Sowjetunion zu dieser Zeit die Sitzungen des Sicherheitsrates boykottierte, um dagegen zu demonstrieren, dass die Republik China (Taiwan), und nicht die Volksrepublik China zu dieser Zeit einen der fünf permanenten (und damit mit einem Veto ausgestatteten) Sitze im Rat hielt. Damit konnte die Sowjetunion den Beschluss nicht durch sein eigenes Veto verhindern. Naja, jedenfalls beschloss der Sicherheitsrat binnen kurzer Frist die Resolutionen 82 (fordert den Rückzug der nordkoreanischen Truppen hinter den 38. Breitengrad), 83 (fordert die UN Mitgliedsstaaten auf, der Republik Korea die nötige Hilfe zukommen zu lassen um den bewaffneten Angriff zurückzuschlagen), 84 (unterstellt die UN-Truppe amerikanischem Oberkommando und gestattet der Truppe, im Kampf gegen die Nordkoreaner die UN Flagge zu tragen) und 85 (betrifft vor allem administrative Regelungen zum Schutz und zur Unterstützung der Zivilbevölkerung), von denen 83 und 84 sicherlich die bedeutendsten sind, da hier die Grundlage des Kriegseinsatzes der UN-Truppen auf einer Seite im Kalten Krieg gelegt wurde. Naja, dann kehrte die Sowjetunion wieder in den Rat zurück und einige Zeit später kam auch noch (Rot-)China dazu. Dementsprechend dauerte es ein paar Jährchen (43), bis nochmal eine (mehr oder weniger) bedeutende Resolution zur Koreanischen Halbinsel erlassen wurde. 1993 (zwischenzeitlich hatte sich vieles geändert, aber eben nicht alles) ging es in Resolution 825 um die Drohung Nordkoreas, aus dem Nichtverbreitungsvertrag für nukleare Waffen auszutreten. Allerdings gab es hier nichts Bindendes sondern nur Bitten, Aufforderungen und Ermutigungen. Und damit sind wir Resolution mit 1695 vom 15. Juli 2006 schon fast im hier und jetzt angekommen. Die Resolution wurde aufgrund einiger Raketentests (vor allem dem der Langstreckenrakete Taepodong-2) Nordkoreas beschlossen, bezog sich aber noch nicht auf den Nukleartest, der erst im Oktober desselben Jahres erfolgte. Sie untersagt den UN-Mitgliedsstaaten den Im- und Export von Technologie, die zum Bau von Raketen genutzt werden kann. Resolution 1718 (das war die Reaktion auf den Nukleartest) ist mit der darauf Folgenden wohl die berühmteste und folgereichste Resolution, die erstmals weitreichende Importbeschränkungen (von Panzern und Flugzeugen über die schon oben genannte Raketentechnologie bis hin zu Luxusgütern) Nordkorea erlässt. Mit der Nummer 1874 wurde dann eigentlich im Jahr 2009 nurnoch einer draufgesattelt. Quantität und Qualität der sanktionierten Güter wurden ausgeweitet und die Handhabe der anderen Staaten bei verdächtigen Schiffen etc. verbessert.  Achja, noch was zur Benennung der Resolutionen des Sicherheitsrat. Die werden schlicht und einfach durchgezählt. Resolution 1718 ist also die eintausendsiebenhundertachzehnte Resolution des UN-Sicherheitsrat.

…und der Generalversammlung

Neben dem Sicherheitsrat hat auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen Resolutionen zum Thema Nordkorea erlassen, die sind aber bei weitem nicht so spektakulär, da die GA aufgrund des sehr demokratischen Abstimmungsmodus etwas schwerfälliger ist. Die Resolutionen 55/11 und 62/5 wurden anlässlich der beiden  Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und Südkorea in den Jahren 2000 und 2007 beschlossen und drücken die generelle Unterstützung der Staatengemeinschaft für den Friedensprozess auf der Koreanischen Halbinsel aus. Auch hier was zur Benennung, ist eigentlich ähnlich einfach. Die erste Zahl ist die Sitzungsperiode also zum Beispiel die fünfundfünfzigste und die zweite ist die Nummer der in dieser Periode beschlossenen Resolutionen, also die elfte Resolution der fünfundfünfzigsten Periode.

Briefe und Berichte als Fenster in die Vergangenheit

Neben den hochoffiziellen Resolutionen, gibt es allerdings noch weitere Dokumente, die jeweils einen recht interessanten Blick auf die Zeit erlauben, in der sie erstellt wurden. Das sind zum Beispiel Briefe oder Mitteilungen an den Sicherheitsrat, die meist zur Klärung von Fragen dienen, die vom dieser an ein bestimmtes Land gestellt hat, oder aber um ihn auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen. Ich habe einfach mal aufs Geratewohl ein paar rausgegriffen, die ich interessant fand. Im Jahr 1950 nach Beginn des Koreakriegs beklagt sich Nordkoreas Außenminister Pak Hen-en beim Generalsekretär der UN über die Bombardierung eines Krankenhauses und fordert, dass Schritte gegen die Aggression der USA unternommen werden müssten. Aus dem Jahr 1970 stammt dieser Bericht, den der Vertreter der USA beim UN-Sicherheitsrat einreicht. Er wurde entsprechend Resolution 84 des Sicherheitsrates angefertigt und behandelt Verstöße Nordkoreas gegen das Waffenstillstandsabkommen. Wirklich interessant zu lesen. Klingt als ob Kim Il Sung damals so ungefähr jeden Tag ein Terrorkommando gen Süden geschickt hätte. Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre sieht das ganze schon wieder komplett anders aus. Irgendwie scheint man in Pjöngjang Kreide gefressen zu haben (zumindest auf den ersten Blick). Ständig ist von Frieden, Vereinigung und Denuklearisierung die Rede (schon interessant wenn man weiß wie die Geschichte weitergeht). Auch 1998 klingt das Statement Nordkoreas noch recht friedliebend, aber es kommt auch Enttäuschung über die kaum vorhandenen Fortschritte in den Beziehungen zu Südkorea zum Ausdruck (was mich allerdings nicht wundert, wenn man bedenkt, dass die erste Nuklearkrise erst ein paar Jahre vorbei war (achja, hier ein Statement Nordkoreas zur Nuklearkrise etwa einen Monat vor Abschluss des Genfer Rahmenabkommens) und man vermutlich in Südkorea noch immer hoffte, der Norden werde bald kollabieren). 1999 klingt das Ganze schon weniger friedliebend, lustigerweise schlägt man jetzt die ausgestreckte Hand Kim Dae-jungs weg und zieht nach allen Regeln der Kunst über seine Sunshine-Policy her (Auch wieder lustig wenn man weiß wie die Geschichte weitergeht.). Naja und weil 1999 scheinbar ein Jahr der verbalen Rundumschläge war, kriegt auch Japan sein Fett weg, was im Fall der nicht wirklich geklärten kolonialen Vergangenheit in Korea nicht ganz unberechtigt ist, von Nordkorea jedoch auch gerne und mit Genuss breitgetreten wird. Warum diese ganzen Briefe? Ich halte das für einen durchaus interessanten Weg sich an wichtigen Stationen der nordkoreanischen Geschichte entlang zu hangeln. Außerdem sind Originalstatements Nordkoreas aus der Zeit vor 1997 im Internet ja auch nicht so einfach zu finden.

Reden zu diesem und jenem und Allem

Apropos Originalstatements: Die UN transkribiert sämtliche Reden im Sicherheitsrat und vor der Generalversammlung und hat damit bereits 1985 angefangen. Dementsprechend gibts hier auch einige Perlen zu finden. Wen interessiert was der nordkoreanische UN-Botschafter 2006 unmittelbar nach der Annahme von Resolution 1718 zu sagen hatte („Gangstermäßig“ kommt zum Beispiel in seiner Rede vor), oder aber, wie der Vertreter Nordkoreas 1994 zur Reform des Sicherheitsrates Stellung nahm (Hm, manchmal ist die UN schon schwerfällig, besonders wenns um heilige Kühe wie den Sicherheitsrat geht) der ist hier gut aufgehoben, jedenfalls wenn er sich nicht allzu sehr über diplomatisches Sprech aufregt (aber glücklicherweise verzichten die Vertreter Nordkoreas ja öfter mal darauf.

Und all das könnt ihr über UNBIS finden

Ok und wenn ihr selber irgendwas recherchieren wollt, könnt ihr einerseits über die Seiten der einzelnen Institutionen gehen, was aber mitunter mühsam sein kann, oder aber ihr nutzt das United Nations Bibliographic Information System (UNBIS). Die Seite kann zwar manchmal auch recht frustrierend sein, aber hat man sich dran gewöhnt, ist es echt ne Freude darin zu stöbern. Man kann praktisch nach allem suchen: Schlagwörter, Themen, Dokumententitel, Datum des Treffens oder der Rede und immer so weiter und ich vermute mal, dass das System genau deshalb öfter mal nicht funktioniert wie es soll, aber wie gesagt: Meiner Meinung nach lohnt es sich die Zeit zu investieren.

Achja, wo wir schon beim Thema Zeit investieren sind. Ich sehe gerade, dass ich schon ziemlich viel geschrieben habe und erst bei etwa der Hälfte von dem bin, was noch kommen soll. Daher teile ich das Ganze einfach mal und werde mich in der kommenden Woche Publikationen von Unterorganisationen, Sekretariaten etc. der UN widmen.

(to be continued…)

Diese und weitere Links zu Dokumenten der UN zu Nordkorea könnt ihr auch in meiner entsprechenden Linksammlung finden.

Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (III, Online Zeitschriften)


Nachdem ich ja vergangene Woche gelobt habe zu versuchen mich zu bessern, habe ich mich diese Woche daran gemacht, das Ganze in die Tat umzusetzen. Also stell ich heute mal wieder schöne Fundstellen im Internet vor, die kostenlose und vor allem gute Informationen zu Nordkorea anbieten. Die Tatsache, dass letzte Woche Professor Frank auf das Asia Pacific Journal/Japan Focus aufmerksam gemacht hat, nehme ich einfach mal zum Anlass, mich mal generell mit Online Zeitschriften zu beschäftigen, in denen es was zu Nordkorea zu finden gibt. Online Journale haben den Vorteil, dass sie in relativ geregelten und vorhersehbaren Abständen neue Artikel liefern, dass sie (auf jeden Fall wenn peer reviewed) gewissen Qualitätsstandards entsprechen und dass sie oftmals große Archive angesammelt haben, in denen man nach Herzenslust stöbern kann. Das kann allerdings auch etwas nervenaufreibend werden, wenn es keine (vernünftige) Suchfunktion gibt. Dann muss man nämlich jede Ausgabe aufrufen und sich alle Artikel einzeln anschauen, das kann man schonmal die Lust verlieren. Aber es ist wie so oft: stöbern lohnt sich und mitunter gibts ja auch gute Hilfsmittel. Aber nun zum Kern der Sache, die Journale.

International Journal of Korean Studies:

Das International Journal of Korean Studies erscheint ein- bis zweimal jährlich. Die Artikel beschäftigen sich hauptsächlich mit zwischenstaatlichen Beziehungen im Dreieck Nordkorea – Südkorea – USA, aber auch mit innenpolitischen Fragen der beiden Koreas. Pro Ausgabe gibts so etwa zwischen sechs und acht Artikel, von denen sich mindestens zwei, meistens aber mehr, mit Nordkorea befassen. Da das Archiv bis 1997 zurückreicht hat sich schon einiges angesammelt. Die Artikel sind als PDFs gespeichert, was mir aus irgendeinem Grund (keine Ahnung wieso, vielleicht weils schöner aussieht, besser zu sortieren ist etc.) immer recht wichtig ist. Unter den Autoren sind einige amerikanische, aber auch südkoreanische Namen, die einem oft über den Weg laufen, wenn man sich mit Nordkorea beschäftigt (z.B. David Kang, Larry Niksch, Samuel Kim, Kim Hong-nack, Kihl Young-wahn usw.). Ein Besuch hier lohnt sich eigentlich immer, auch um einfach mal zu stöbern.

East Asian Review:

Der East Asian Review ist/war eine südkoreanische Zeitschrift, die viermal jährlich erschien(/scheint). Online sind nur Artikel aus den Jahren 1999 bis 2004 (Hinter der letzten Ausgabe blinkt immer noch ein „new“ button). Pro Ausgabe waren ungefähr sechs Artikel enthalten, die sich wie der Titel schon sagt mit China, Japan und den Koreas beschäftigen. Ab der Nummer 4 des Jahres 2000 gibts PDFs, vorher nicht. Zwar gibts hier nichts neues zu finden, wenn man nach bestimmten Inhalten sucht, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.

Asian Perspective:

Ich habe zwar letzte Woche bereits auf Asian Perspectives hingewiesen, aber natürlich gehört das hierher und daher erwähne ich die Zeitschrift nochmal. Sie beschäftigt sich mit den Staaten Nordostasiens und regionale und globalen Themen mit Einfluss auf diese Region. Es gibt immer zwei bis drei Themenfokusse denen die ca. sechs bis zehn Artikel zugeordnet werden. Nordkoreanische Themen werden in etwas mehr als jeder zweiten Ausgabe behandelt. Die Artikel liegen als PDF-Format vor und die ersten Artikel des vierteljährlich erscheinenden Journals datieren im Jahr 2003. Die angenehme Navigation ermöglicht es, die Seite schnell nach bestimmten Themen zu durchsuchen.

The Washington Quarterly:

Beim Washington Quarterly sind ein paar Sachen recht schnell erklärt. Zum Beispiel wie häufig er erscheint und wo er herkommt. Der WQ wird vom CSIS herausgegeben und nimmt die internationale Politik ähnlich wie „Comparative Connections“, das aus derselben Denkfabrik kommt, von der Position der USA aus in den Blick. Angenehm an der Seite des WQ ist, dass die Artikel, die als PDF vorliegen, nach Themen und nicht nach Ausgaben geordnet sind (Die ersten Beiträge sind aus dem Jahr 1999). Es gibt etwa 15 Artikel zu Nordkorea die teilweise von namenhaften Experten verfasst sind (Scott Snyder, John S. Park, Victor Cha). Wenn man was Bestimmtes sucht, lohnt sich ein Besuch immer, vor allem weil man bei der Recherche nicht viel Zeit verliert. Noch wertvoller ist die Zeitschrift natürlich, wenn man sich für US Politik interessiert, dann hat man ne echt kaum überschaubare Menge von Artikeln zu fast allen relevanten außenpolitischen Themen der USA.

Asia Policy:

Asia Policy wird herausgegeben vom National Bureau of Asian Research und erscheint zweimal im Jahr. Das Journal beschäftigt sich mit der Politik in Asien-Pazifik (eigentlich (Nord-)Ostasien + USA). Es gibt immer einen „Roundtable“ zu einem bestimmten Thema und einige Artikel sowie Buchbesprechungen. Roundtable sowie Artikel sind oft von bekannten Autoren (Marcus Noland, Andrei Lankov etc.) verfasst und liegen als PDF vor. Bisher sind neun Ausgaben erschienen und in über der Hälfte gab es mindestens einen Beitrag zu Nordkorea.  Hier gibts zwar nicht viele, aber dafür feine Beiträge zu finden.

Auf derselben Seite gibts außerdem noch Strategic Asia. Dieses wird einmal jährlich veröffentlicht und ist mittlerweile nicht mehr kostenlos. Die ersten vier Ausgaben gabs aber noch umsonst. Hier beschäftigen sich bedeutende Autoren (Nicholas Eberstadt, Victor Cha) mit Entwicklungen des vorrangegangenen Jahres in verschiedenen Regionen Asiens. Das Ganze ist durchaus lesenswert.

China Security:

Womit sich China Security beschäftigt dürfte klar sein. Das dreimonatlich erscheinende Journal steht jeweils unter Schwerpunkten im Zusammenhang mit sicherheitsrelevanten Themen Chinas. Und da Nordkorea eben auch zu diesen zählt, wird es gelegentlich erwähnt. Zwar gibts nicht besonders viele Beiträge zu diesem Thema, hier ist aber hervorheben, dass die Autoren diese aus einer eher chinesischen Perspektive verfassen, was einen anderen Blick auf das gleiche Problem erlaubt. Ansonsten gilt natürlich dasselbe wie beim Washington Quarterly: Interessiert man sich für chinesische Sicherheitspolitikgenerell, bietet China Security eine tolle Fundstelle.

The Asia Pacific Journal (ehem. Japan Focus):

Das Asia Pacific Journal ist eine wöchentlich erscheinende reine online Zeitschrift, in der unterschiedliche Themen, vor allem aus den Staaten Ostasiens, behandelt werden. Besonders hervorheben möchte ich, dass hier nicht nur die gewöhnlichen „harten Inhalte“ besprochen werden, sondern auch solche, die in den anderen Zeitschriften eher selten erwähnt werden (Bspw. Umweltschutz in Nordkorea etc.). In etwa jeder dritten Ausgabe ist ein Artikel zu Nordkorea enthalten und es gibt eine recht sinnvolle Suchfunktion. Leider sind die Artikel nicht als PDFs abzurufen. Wer sich zu anderen Themen als den „Mainstreamigen“ informieren möchte, der hat eine gute Chance hier fündig zu werden, aber auch für die generelle Recherche lohnt sich ein Besuch.

Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (II, Think Tanks und aktuelle Informationen und Analysen)


Vorweg erstmal ne kleine Entschuldigung. Ich hatte ja eigentlich vorgehabt, eine regelmäßige Artikelserie zu starten und hab schon zwischen dem ersten und zweiten Beitrag die selbst gelegte (zeitlich) Latte gerissen. Aber ich war mit dem Interview mit Herrn Klitz, der Korrektur-/Endphase diverser Diplomarbeiten von Freunde und dann privat relativ beschäftigt und hab dementsprechend nur zu aktuellen Entwicklungen, die dies meiner Meinung nach erforderten, geschrieben. Aber jetzt hab ich die unmittelbaren Stressfaktoren abgearbeitet und kann mein Vorhaben zumindest in Teilen einhalten. Besserung zu geloben, was meine Disziplin bei der Einhaltung von selbstgesteckten Zielen angeht, wäre wahrscheinlich etwas zu viel. Ich schwäche das einfach etwas ab und gelobe zu versuchen mich zu bessern. Und nach diesem kurzen mea culpa gehts schon los mit dem, das euch wohl wesentlich mehr interessieren dürfte.

Nachdem ich letztes Mal schon den Newsletter der Good Friends mit dazugenommen habe, dachte ich, schreibe ich euch heute mal darüber, wo man noch Informationen und Analysen zu aktuellen Entwicklungen finden kann, die regelmäßig erscheinen und die Vorgänge in Nordkorea von einer eher wissenschaftlichen Warte betrachten. Dazu gibts ein paar Seiten von Think Tanks, die ich wirklich wärmstens empfehlen kann.

Nautilus Institute: Täglicher Newsletter und Analysen zu aktuellen Entwicklungen sowie eine Vielzahl von Hintergrundressourcen

Das Nautilus Institute ist ein Think Tank der eine Vielzahl von Experten im Bereich Asien-Pazifik vernetzt. Als Ziele hat sich das Institut gesetzt Frieden und Sicherheit schaffen und Nachhaltigkeit zu fördern. Das Netzwerk der Experten aus Forschung und Praxis soll helfen, Lösungen für die miteinander verbundenen Gefahren eines Nuklearkrieges, städtischer- und Energieunsicherheit und dem Klimawandel in der Region Asien-Pazifik zu entwickeln. In diesem Rahmen beschäftigt sich das Nautilus Institute auch ausgiebig mit Nordkorea. Im täglich erscheinenden Newsletter, dem NAPSNet Daily Report, zur Region Asien-Pazifik sind immer die wichtigsten Ereignisse mit Bezug zu Nordkorea enthalten. Darüber hinaus gibt es mehrmals im Monat im Policy Forum Online Analysen (oft) namenhafter Wissenschaftler (Rüdiger Frank schreibt hier öfter und ich glaube Andrei Lankov auch) zu aktuellen Vorgängen in Nordkorea. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch das DPRK Briefing Book, das sich zu fast allen bedeutenden Themen mit Bezug zu Nordkorea beschäftigt, aber kein Buch im eigentlichen Sinne ist, sondern eine relativ gut sortierte und umfangreiche Materialsammlung. Da sind also jede Menge PDFs zu den verschiedenen Themen verlinkt. Kann ich nur jedem empfehlen, der eine Recherche zu einem etwas speziellern Thema anfängt. Leider wurde das Briefing Book, glaube ich seit einigen Jahren nicht mehr geupdated, so dass die neuesten Materialen aus dem Jahr 2005 sind, es ist aber trotzdem toll. Zu der Seite ist generell zu sagen, dass sie graphisch und technisch nicht besonders Nutzerfreundlich gestaltet ist, was ich nicht wirklich verstehe. Die haben echt sehr gute Inhalte, wieso schaffen sie es nicht da einen Informatiker dranzusetzen, der die Seite mal ein bisschen auf Vordermann bringt. Aber naja, so muss man schonmal n bisschen rumklicken bis man das gefunden hat was man sucht. Und das lohnt sich auf jeden Fall. Fazit: Hervorragende Inhalte, aber ausbaufähiger Internetauftritt.

Center for Strategic and International Studies (CSIS): Vierteljährlicher Newsletter mit Analyse

Das CSIS hat sich zum Ziel gesetzt strategisches Einsichten und Lösungen für die Regierung (v.a. der USA) internationale Organisationen, die private Wirtschaft und die Zivilgesellschaft zu generieren. Es beschäftigt sich mit allen Weltregionen, aber eben auch recht ausgiebig mit Asien. Wie schon gesagt ist das CSIS etwas US fokussiert, was aber die Qualität der Informationen keinesfalls schmälert, man kann es aber im Hinterkopf behalten. Vierteljährlich wird das E-Magazin Comparative Connections herausgegeben, in dem verschiedene Länderexperten zu den bilateralen Beziehungen Ost-Asiens (+USA) schreiben (Hier betätigen sich u.a. Scott Snyder und Victor Cha). Es werden auf jeweils etwa 10 Seiten die Beziehungen der Koreas zueinander und mit den USA und China im letzten Quartal revuepassieren gelassen und analysiert. Außerdem gibts ne chronologische Auflistung der Ereignisse in den jeweiligen Beziehungen, die sehr empfehlenswert ist, wenn man irgendwas nachgucken will. Außerdem gibts bei CSIS gelegentlich mal ne Analyse zu aktuellen Themen, aber das muss man dann auf der Seite recherchieren. Leider hab ich auch hier, obwohl sie optisch sehr schön gestaltet ist, nicht ganz den Durchblick, wo man was findet. Die ist auch irgendwie durcheinander. Aber suchen kann sich lohnen. Fazit: Comparative Connections ein Muss für jeden der sich für die bilateralen Beziehungen der Region und Nordkoreas interessiert.

IFES – Institute for Far Eastern Studies: Zeitnahe Informationen und Analysen zu Nordkorea und Online Journal

Das IFES ist ein forschungsorientierter Think Tank, der an der Kyunganam Universität Seoul angesiedelt ist. Es will durch Forschung mit Fokus auf die Koreanische Halbinsel zu Frieden auf derselben und zur Vereinigung Koreas beitragen. Ergebnis dieser Forschungsarbeit sind gleich mehrere lesenswerte Publikationen. Das NK Brief informiert zeitnah und mit oft ausführlicheren Hintergrundinformationen, als man in der Presse finden kann, zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehnissen in Nordkorea. Im IFES Forum sind Analysen südkoreanischer und internationaler Wissenschaftler zu aktuellen Vorgängen in Nordkorea zu finden. Im ICNK Forum schließlich werden, wenn auch in recht großen zeitlichen Abständen, sehr lesenswerte Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas veröffentlich. Weiterhin gibt es die wissenschaftliche Zeitschrift Asian Perspectives zum herunterladen. Das dreimonatlich erscheinende Journal beschäftigt sich zwar nicht ausschließlich mit Nordkorea, aufgrund seines Fokus auf Ostasien, gibt es allerdings in nahezu jeder Ausgabe mindestens ein Artikel zu diesem Thema. In seiner Gesamtheit deckt das Informationsangebot des IFES ein breites Spektrum von Informationen ab, so dass man hier immer mal vorbeischauen kann, wenn man Infos zu einem speziellen Thema sucht. Das NK Brief liefert außerdem einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in Nordkorea. Die sinnvolle und angenehme Navigation auf der Seite vereinfacht die Recherche hier noch zusätzlich. Fazit: Hervorragend wenn man keine bedeutende Entwicklung verpassen will oder zu speziellen (v.a. wirtschaftlichen Themen) recherchiert.

Daily NK: Aktuelle Informationen oft direkt aus Nordkorea von Aktivisten für Menschenrechte und Demokratisierung in Nordkorea.

Daily NK ist eine weniger akademische Informationsquelle als die zuvor Genannten. Eigentlich ist es fast eine Art Online-Zeitung. Da die Macher aber klare politische Ziele verfolgen habe ich mich gescheut, Daily NK unter der Rubrik „Presse“ einzuordnen. Daily NK beschäftigt sich mit politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgängen in Nordkorea und hierzu gibt es mehrere sehr interessante Beiträge pro Tag zu lesen, die schön präsentiert und oft mit Fotos versehen sind. Besonders toll an der Seite ist, dass eine Vielzahl von Kontakten zu Menschen in Nordkorea zu bestehen scheint. Dies erlaubt oft interessante Einblicke in die Vorgänge in Nordkorea. Allerdings muss ich gestehen, dass ich Daily NK gegenüber immer etwas misstrauisch bin. Die Informationen sind nicht nachprüfbar und werden oft recht einseitig ausgelegt. Daher sollte man sich beim Lesen der Seite immer bewusst sein, dass die Macher versuchen könnten, die Meinung der Leser zu beeinflussen (vielleicht sogar zu manipulieren). Aber wenn man das beachtet und das gelesenen kritisch hinterfragt, bietet Daily NK eine durchaus lesenswerte und aufgrund ihrer Informationskanäle hochinteressante Informationsquelle. Fazit: Interessante Informationen oft von Menschen aus Nordkorea, aber mit Vorsicht zu genießen.

„Die Partei sitzt fest im Sattel“ – Interview mit Walter Klitz zur Situation und Zukunft Nordkoreas


Walter Klitz, der zuständige Projektleiter der „Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit“ in Korea hat sich die Zeit genommen, ein E-Mail-Interview mit mir zu führen. Dies ist eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen man einen ausführlichen Blick auf das Land aus erster Hand geliefert bekommt. Dabei spricht (oder vielmehr schreibt) Klitz von seiner Arbeit in Nordkorea, seinen Reisen dorthin und seinen persönlichen Eindrücken, die er gewinnen konnte. Außerdem beschreibt er die Hintergründe und Dynamiken der Währungsreform vom vergangenen Dezember, in deren Zuge es zu einer Revaluierung des Won kam. Weitere Themen sind die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes für Frieden und Stabilität nicht nur in Nordkorea selbst, sondern für die ganze Region sowie die Schwierigkeiten für Außenstehende, Vorgänge in Nordkorea zu verstehen und zu bewerten. Für diejenigen, die sich vorab etwas genauer über die Friedrich-Naumann-Stiftung Für den Frieden und ihre Arbeit in Nordkorea informieren möchten, habe ich hier einige Basisinformationen und weiterführende Links zusammengetragen. Jetzt aber genug der Vorrede, hier das Interview:

Sehr geehrter Herr Klitz, vorab schon einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mir einige Fragen zu beantworten. Im Rahmen Ihrer Arbeit für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit waren Sie in den letzten Jahren mehrmals in Nordkorea. Für die meisten Menschen ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie diese Erfahrung je machen werden. Vielleicht können Sie einmal schildern, welchen Eindruck Sie während Ihrer Aufenthalte vom Land, aber vor allem von den Menschen dort gewinnen konnten. Waren Sie ähnlich denjenigen, die das Land als Touristen bereisen, ständig in Begleitung von zwei eigens dafür abgestellten Personen, oder ist Ihre Bewegungsfreiheit dank des langen Kontaktes etwas größer geworden?

In den letzten drei Jahren war ich insgesamt 15mal in Nordkorea. Sicherlich haben sich in dieser Zeit recht gute Arbeitsbeziehungen entwickelt und man hat sich kennengelernt. Unsere Gesprächspartner wissen, dass wir uns an gewisse Spielregeln im Lande halten. Das hat dann doch auch dazu geführt, dass wir etwas mehr Bewegungsfreiheit erhalten haben und auch schon einmal alleine durch die Stadt schlendern dürfen.

War es möglich, persönliche Kontakte aufzubauen und über mehr zu sprechen, als Fachliches?

Anfangs waren unsere Gespräche schon recht unverbindlich. Aber im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein reger und offener Meinungsaustausch, bei dem mittlerweile beide Seiten ihre Positionen ohne jegliche Einschränkungen darlegen können. Man darf eben nur nicht nach der Rückkehr das Vertrauen, das der Arbeit der Stiftung mittlerweile entgegengebracht wird an die große Glocke hängen. Nordkoreaner legen großen Wert auf Vertraulichkeit. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen: bei meinem letzten Besuch bat ich darum, einen Journalisten der FAZ mitnehmen zu dürfen. Das wurde mir erlaubt, weil meine Gesprächspartner mir vertrauten, dass fair über ihr Land berichtet wird (Anm. d. Red.: Auf den daraus resultierenden Artikel kann hier zugefriffen werden). Noch mehr war ich beeindruckt, als ich die Gelegenheit hatte in meinen politischen Gesprächen, mich nachdrücklich für die Freilassung der beiden amerikanischen Journalistinnen im vergangenen Jahr einzusetzen. Nach etwa einer halben Stunde Diskussion fuhr ich in der Gewissheit nach Hause, dass eine befriedigende Lösung gefunden wird.

Konnten Sie auch Gebiete besuchen, die für Touristen sonst nicht zugänglich sind, sind Ihnen auch Armut und Mangel begegnet und können Sie eine grobe Einschätzung der derzeitigen Situation im Land geben?

Die Versorgungslage ist nicht gut. Das ist allgemein bekannt. Nordkorea fehlt jedes Jahr ca. eine Million Tonnen Reis, mal mehr mal weniger, je nach Witterung und das Land ist dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die deutsche Welthungerhilfe und das World Food Program leisten dort exzellente Arbeit. In weiten Teilen des Landes kann das staatliche Verteilungssystem den Bedarf nicht mehr decken. Auch in der Hauptstadt selbst gibt es gelegentlich Engpässe. Nordkorea gehört zu den Armenhäusern der Welt und dieser Armut begegnet man natürlich auf Schritt und Tritt je mehr Einblicke man in das Land erhält und je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt.

Wie erschienen Ihnen „normale Koreaner“, hatten Sie das Gefühl, dass die Menschen unglücklich und bedrückt wirken und sich der Besonderheit der Situation, in der Sie leben bewusst sind, oder ist das Alltagsleben dort ähnlich anderen Orten auf der Welt?

Nein, die Menschen sind zwar nicht zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, aber sie schultern es weitgehend mit einer erstaunlichen Geduld und Zuversicht, dass es ihnen unter der weisen Führung des Landes bald besser gehen wird.

Ich habe auf der Homepage der Friedrich Naumann Stiftung gelesen, dass Ihre Arbeit in Nordkorea vor allem auf Wissenstransfer fokussiert ist. Dabei informieren Sie Nordkoreaner über Funktionsweisen der Marktwirtschaft, Strategien wirtschaftlicher Modernisierung und Währungssysteme. Können Sie vielleicht kurz schildern, wie eine solche Veranstaltung abläuft?

Die Veranstaltungen laufen mittlerweile nicht anders ab als in Deutschland. Wir laden Redner ein, die vortragen und anschließend haben wir Zeit für Fragen und auch Diskussion. Das war zu Beginn unserer Tätigkeit noch anders. Da mussten die Teilnehmer ihre Fragen schriftlich einreichen und der Fragende blieb anonym.

Wer sind die Teilnehmer und was sind konkrete Themen?

Es handelt sich insbesondere um Teilnehmer von Instituten, Universitäten, Ministerien, Handelskammer und Partei. Im Jahre 2004 haben wir mit Trainingsseminaren über die Rolle der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und des betrieblichen Rechnungswesens in einer Marktwirtschaft angefangen. Heute behandeln wir Themen wie freier Welthandel, Modernisierung des Bankensystems,  Europäische Integration, Umweltschutz und Stadtentwicklung. Besonders erfolgreich waren die Veranstaltungen „Economic Reforms and the Development of Economic Relations between the European Union and the DPRK“ mit über 100 Teilnehmern und „Aspekte umweltverträglicher Stadtentwicklung“ mit über 60 Teilnehmern.

Sind die Teilnehmer immer die gleichen, oder unterschiedliche?

Unsere Arbeit ist immer zielgruppenorientiert, also haben wir je nach Thema immer unterschiedliche Teilnehmer.

Können Sie die Themen und konkreten Inhalte der Seminare frei wählen, oder sind die staatlichen Stellen Nordkoreas die letzte Instanz?

Die Themen werden mit unseren nordkoreanischen Ansprechpartnern eingehend besprochen, einvernehmlich vereinbart und richten sich nach dem Bedarf, der von nordkoreanischer Seite angemeldet wird. Je nach dem, mit wem wir die Veranstaltung durchführen, bedarf das Programm der Genehmigung des Kabinetts. Wenn Veranstaltungen direkt von der Arbeiterpartei angeregt werden geht das schneller, weil die Partei viel schneller entscheiden kann.

Es sind ja noch weitere deutsche oder deutschsprachige Organisationen in Korea aktiv. Mir fällt da erstmal die Hanns Seidel Stiftung ein, aber auch das Goethe Institut, das bis zum Ende des letzten Jahres einen Lesesaal in Pjöngjang unterhielt. Aber die Gruppe der Deutschen, die Projektarbeit in Nordkorea durchführen, ist ja trotzdem übersichtlich. Kennt man sich untereinander und arbeitet vielleicht sogar zusammen?

Es sind in der Tat nur sehr wenige internationale Organisationen in Nordkorea aktiv. Man wird sie an zwei Händen abzählen können. Wir sehen das als große Wertschätzung Deutschlands und unserer Arbeit, die wir dort leisten. Die deutschen Organisationen informieren sich regelmäßig über ihre jeweilige Arbeit, damit es zu keiner Konkurrenzsituation kommt.

Wenn es zu Ereignissen wie der Schließung des Lesesaals kommt, ist das für Sie dann auch ein größeres Thema, oder kriegt man das mehr am Rande mit?

Die Diskussion über den Lesesaal war ja nicht neu, insofern haben wir die Entwicklung schon verfolgt und sie kam nicht überraschend.

Die Schweiz hat ja beschlossen, ihre Entwicklungszusammenarbeit in Nordkorea zum 1.1.2012 einzustellen. Begründet wurde dies unter anderem mit den geringen Erfolgen der bisherigen Arbeit, die vor allem aus Capacity Building besteht. Ist Ihnen dieser Fall bekannt und machen Sie sich manchmal auch Sorgen, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung ihr Engagement in Nordkorea mit einer ähnlichen Begründung beenden könnte?

In Nordkorea gilt es eigentlich immer im Lichte der politischen Ereignisse abzuwägen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist oder nicht.  Gerade als liberale Stiftung, die einer Partei nahesteht, die die Ostpolitik der Annäherung maßgeblich gestaltet hat, wissen wir um die Bedeutung des Dialoges, ohne den kein Vertrauen gebildet werden kann.

Für Menschen, die nie in Nordkorea waren, ist es schwer, sich ein Bild von diesem Land zu machen und dabei richtige von falschen Informationen zu unterschieden. Wie war es für Sie, bevor Sie zum ersten Mal nach Nordkorea gereist sind. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe natürlich viel gelesen und habe dabei schon festgestellt, dass wir in der veröffentlichten Meinung seltsamerweise seit Jahren immer wieder die selben recycelten Fragen stellen. Gerade die Nordkorea Erfahrung zeigt mir aber, daß Reisen eben doch bildet. Ich kenne heute die Zusammenhänge viel besser und traue mir durch die Gespräche, die ich dort führe zu, Entscheidungen anders einordnen zu können. Die Diskussion über die Situation in Nordkorea ist allzuoft wishful thinking. Und basiert auf Erkenntnissen, die Jahre alt sind.  Es soll sich keiner was vormachen, die Partei sitzt fest im Sattel und keiner wird in Nordkorea den Führungsanspruch der Partei in Frage stellen.

War es ein komisches Gefühl, als Sie über die DMZ gefahren sind?

Ich muss von Seoul aus immer über Beijing nach Nordkorea fliegen. Die Fahrt über die DMZ ist nicht möglich obwohl Pjöngjang nur etwa 250 Kilometer entfernt ist. Aber mein erster Flug mit Koryo Air, vor allem die Ansage beim Überfliegen des Yalu Flusses, also der chinesisch-nordkoreanischen Grenze, dass dies die Stelle sei, wo Kim Il-sung das imperialistische Japan bezwang, hatte schon etwas Surreales. Da wurden schon Erinnerungen an die deutsch-deutsche Grenze und Bahnhof Friedrichstraße zu Zeiten des Ost-Westkonfliktes wach.

Glauben Sie, dass man sich als jemand, der nicht in Nordkorea war, ein realistisches Bild von dem Land machen kann?

Sicherlich kennt man die Geschichte,  man weiss daß Nordkorea an die Traditon des alten Choson anknüpft, aber die Motive, die hinter politischen Entscheidungen von heute stecken, können sich niemandem erschließen, der keine Möglichkeit hat, sich mit Entscheidungsträgern darüber zu unterhalten.  Neulich habe ich z.B. einen Beitrag gelesen, in dem doch ernsthaft behauptet wurde, dass Nordkorea seine Atomwaffen nur gebaut habe, um sie als Verhandlungsmasse in die Sechsparteiengespräche einbringen zu können. Aus Sicht der Machthaber in Nordkorea bilden sie aber die einzige Abschreckungsmöglichkeit, die sie gegen die amerikanischen Truppen in Südkorea haben, von denen sie sich subjektiv bedroht fühlen. Oder nehmen Sie das letzte Beispiel: vor einigen Tagen hat KCNA, die nordkoreanische Presseagentur mitgeteilt, dass das Land eine neue Bank, die „State Development Bank“ eingerichtet habe, deren Aufgabe es sein wird, mit internationalen Finanzorganisationen zusammenzuarbeiten und für Investitionen in Nordkorea zu werben. In vielen Zeitungen wurde spekuliert, ob dies Zeichen der Öffnung seien. Kein Zweifel, das diesjährige Neujahrseditorial konnte sehr zuversichtlich stimmen in diese Richtung, aber ein genauerer Blick auf die Erklärung hätte schon verraten, dass die Entscheidung zur Gründung dieser neuen Bank von der National Defense Commission getroffen wurde und von daher ganz andere Fragen aufwirft, nämlich die Frage nach der Konkurrenz mit der bestehenden Foreign Trade Bank, die am 2. November 1959 durch Beschluss des Kabinetts gegründet wurde und weitgehend selbe Aufgaben hat.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich manche Medien und selbst wissenschaftliche Autoren, die zu Nordkorea publizieren, oft auf Halbwahres, auf Spekulationen und Gerüchte, stützen. Können Sie diese Wahrnehmung bestätigen?

Ja, leider ist das oft so, vor allem weil es sich oft weniger um wissenschaftlich fundierte Analysen handelt als viel mehr um poltische Bewertungen je nach dem, wo der Autor politisch steht.

Was glauben Sie ist die Ursache dieses Phänomens, das das begrenzte Wissen, das über Nordkorea existiert, noch zusätzlich unklar und schwammig werden lässt?

Es gibt ganz einfach zu wenig Informationen über Nordkorea.

Wie kann man als Mensch, der sich zu Nordkorea informieren möchte, Fehlinformationen entgehen?

Das wird sich wahrscheinlich nicht vermeiden lassen, aber man sollte sich deshalb immer bewusst sein, dass vieles spekulativ ist.

Wie ich gelesen habe, waren Sie erst kürzlich in Nordkorea und haben sich so in der ersten Zeit nach der überraschenden Währungsreform ein Bild von der Lage machen können. Was waren Ihre Wahrnehmungen hinsichtlich der Reaktionen der Nordkoreaner auf diese Reform?

Ich war das letztemal drei Tage vor der Währungsreform in Nordkorea. Insofern kann ich über die derzeitige Situation nichts sagen. Was ich sagen kann ist aber, dass ich auf dem Tongil-Markt, den ich besuchen dürfte schon drei Tage vor der Währungsrevaluierung mit zwei unterschiedlichen Preisen konfrontiert wurde. Ich glaube bei mir war die Irritation größer als bei den nordkoreanischen Händlern und Konsumenten, weil ich davon nichts wusste, sondern mir erst später einen Reim drauf machen konnte.

Haben Sie das Leben auf den geduldeten Märkten anders empfunden, als bei den vorherigen Besuchen?

Es war erst mein zweiter Besuch auf diesem Bauernmarkt. Der erste lag bereits drei Jahre zurück.  Nach wie vor haben die Marktfrauen das Sagen und es war, wahrscheinlich den besonderen Umständen geschuldet, viel mehr Betrieb.

Sehen Sie die Reform als Misserfolg bei einer möglichen wirtschaftlichen Liberalisierung Nordkoreas oder nur als kurzfristigen Rückschlag?

Ich sehe, dass durch die Revaluierung des Geldes das eigentliche Problem, nämlich die Bekämpfung der Inflation nicht gelöst wird. Solange die Preise staatlich festgesetzt werden und der Wert des nordkoreanischen WON sich ausschließlich am Konsum und nicht am Außenwert des WON orientieren, wird man sich nichts ändern, es sei denn, Nordkorea würde sich entscheiden, sich für den Weltmarkt zu öffnen. Es ist schon bemerkenswert, wenn Kim Jong-Il feststellt, dass zwischen der politischen und wirtschaftlichen Autarkiepolitik des Landes, also der Juche-Ideologie, und dem freien Welthandel kein Gegensatz besteht, sondern der Handel die Selbstständigkeit des Landes sogar noch fördern kann. Da gilt es drauf aufzubauen. Es bleibt also abzuwarten, was sich tut und ich werde das mit Sicherheit in meinen nächsten Gesprächen voraussichtlich im März ansprechen können.

Sehen Sie Zusammenhänge zwischen der Reform und nicht-wirtschaftlichen Aspekten, wie der vieldiskutierten Nachfolgeregelung für Kim Jong-il?

Eindeutig nein,  Versuche die Bauernmärkte zurückzudrängen und das staatliche Versorgungssystem zu stärken, gibt es schon länger und nicht erst seit vorletztem Jahr.

Kürzlich wurden ja die Baumaßnahmen am Ryugyong Hotel, die lange geruht hatten und so zum Symbol der wirtschaftlichen Schwäche Nordkoreas geworden waren, fortgesetzt und mittlerweile bietet das Hotel einen beeindruckenden Anblick. Sehen Sie das Hotel, dass ja mit Hilfe privater Investoren fertiggestellt wird, sozusagen als „Modell im Kleinen“ für die zukünftige Entwicklung Nordkoreas, nämlich eine Ausweitung von joint-ventures zwischen dem nordkoreanischen Staat und ausländischen Investoren?

Ich halte die wirtschaftliche Entwicklung von Nordkorea für eine Grundvoraussetzung für Frieden und Stabilität in dieser Region und für eine herausragende humanitäre Verpflichtung. Seitdem die internationale Staatengemeinschaft wegen der Raketenversuche und der Nukleartests Sanktionen verhängt hat, sind im Lande eben vermehrt Direktinvestitionen u.a. aus China und den arabischen Ländern festzustellen. Aus meiner Sicht ist die Sunshine Politik Südkoreas alternativlos. Sanktionen können und werden umgangen und führen zu Abhängigkeiten des Landes, die auch nicht unbedingt in unserem Interesse liegen können.

Kürzlich hat Nordkorea bekannt gegeben, die Sonderwirtschaftszone Rason neu zu beleben. Glauben Sie, dass nach dem relativen Erfolg der Zone in Kaesong, eine Entwicklung nach dem chinesischen Modell mit einer zunehmenden Zahl von solchen Sonderwirtschaftszonen einsetzen könnte?

Wichtig ist zunächst einmal, dass die südkoreanische Regierung die Ergebnisse der beiden Gipfel von 2000 und 2007 anerkennen sollte. Kaesong war kein relativer Erfolg, sondern ein uneingeschränkter. Immerhin haben südkoreanische Unternehmen dort über 40.000 Arbeitsplätze für Nordkoreaner geschaffen zu Arbeitsbedingungen, die ihresgleichen suchen in Nordkorea.

Ich habe einen Videoausschnitt vom Jeju Peace Forum gesehen, in dem Sie sich zu Ihren Wahrnehmungen bezüglich den politischen Verhältnissen im Land äußern. Sie sehen Kim Jong-il zurzeit fest im Sattel und nehmen an, dass sein dritter Sohn Kim Jong-un auf eine Nachfolge vorbereitet wird. Eine Übernahme der Regierungsverantwortung durch ein kollektives Führungsgremium nach dem Tod Kims halten Sie für unwahrscheinlich. Wurde während Ihrer Aufenthalte in Nordkorea, besonders während dem letzten, von Kim Jong-un gesprochen?

Ja

Haben Sie das Gefühl, dass man sich auch dort Gedanken über die Zeit nach Kim Jong-il macht?

Ja

Kims Sohn ist noch sehr jung und Kim selbst wurde 30 Jahre auf die Übernahme der Führung vorbereitet. In diesem Zusammenhang wurde oftmals Jang Song-thaek, der Schwager Kim Jong-ils ins Spiel gebracht. Es wird gemutmaßt, er würde die Macht, entweder in Vertretung für Kim Jong-un oder komplett, übernehmen, wenn Kim Jong-il sterben würde. Wie bewerten Sie das?

Sorry, an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht öffentlich. Ich gehe davon aus, dass es einen Übergang geben wird, der ohne große Verwerfungen ablaufen wird.

Kommen wir zum Schluss noch einmal zurück zur Arbeit Ihrer Stiftung. Wie sehen Sie die Arbeit der Stiftung in Nordkorea für die nähere Zukunft. Gibt es konkrete Pläne?

Unser Ziel ist es, in unser aller Interesse die Gesprächskanäle offenzuhalten. Mitte des Jahres werden wir eine Studienreise nach Deutschland zum Thema Stadtentwicklung durchführen, wie gesagt solange sich die politische Lage nicht weiter verschärft.

Gibt es konkrete Wünsche, die Sie für die Koreanischen Halbinsel und ihre Bewohner haben?

Ja, dass auch Nord- und Südkorea sich möglichst bald über eine Vereinigung in Frieden und Freiheit freuen können.

Vielen Dank für das informative und ausführliche Interview. Für Ihre wichtige Arbeit wünsche ich Ihnen auch weiterhin viel Erfolg.

Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (I, Menschenrechtssituation)


Ein von mir formuliertes Ziel meines Blogs war es ja, die vielfältigen open source Quellen, die man im Netz über Nordkorea finden kann, aufzuzeigen und besser zugänglich zu machen. Wie schon gesagt, kann natürlich auch jeder selbst suchen, aber nicht jeder hat Lust auf stundenlange Google-Recherchen, bei denen man dann aus der Unmasse von Seiten politischer Wirrköpfe (links, rechts, religiös oder einfach nur verrückt, egal) die Rosinen raussuchen muss. Ich habe eigentlich schon ziemlich viele Rosinen gefunden (vermutlich nicht alle, aber es werden eigentlich ständig mehr), was mich in die komfortable Lage bringt, euch an meinen Quellen teilhaben zu lassen, was euch wiederum in die komfortable Lage bringt, gute Informationen zu finden, ohne euer Hirn mit dem alltäglichen Schwachsinn des WWW zu verseuchen (Obwohl das auch mitunter lustig, aber eigentlich nie zielführend ist).

Meine Artikel, die sich mit Blogs und Nachrichtenquellen zum Thema Nordkorea beschäftigen, dürften möglicherweise dem Einen oder Anderen eine Hilfe gewesen sein, waren aber bereits ziemlich ausschweifend. Da das Feld, dem ich mich jetzt zuwenden möchte, noch breiter ist, ich aber eigentlich keine Lust habe, eine Woche an nem Artikel rumzuwerkeln, den dann aufgrund seiner Länge niemand liest, werde ich das Ganze in mundgerechten (wobei das Mund eigentlich nicht so passt, aber es ist nunmal n geflügeltes Wort und passt zu den..) Happen servieren. Also kurz und gut, diesesmal möchte ich mich mit Fundstellen aus Wissenschaft und Forschung auseinandersetzen und primär diejenigen aufzählen, wo ihr auch was Zitierfähiges finden könnt. Ob ihr vorhabt, irgendwas zu zitieren ist eigentlich egal, denn damit meine ich hauptsächlich, dass die Infos, die ihr da kriegt, Hand und Fuß haben, auch wenn die Inhalte der Publikationen natürlich etwas von den Standpunkten der Autoren gefärbt sein können, aber da werd ich versuchen euch vorzuwarnen. Ich glaube, dass es irgendwie schon besser ist zu wissen, dass der Autor eines Beitrages ein Wissenschaftler ist, der sich von Berufswegen mit der Materie beschäftigt, als zu hoffen, dass es kein ultrakonservativer Monarchist / Stalin-Fanclub-Vorsitzender / sendungsbewusster Religionsfanatiker, der während einer Gebetskampagne eine Erleuchtung bekommen hat, ist. Naja aus diesem Grund jedenfalls werd ich versuchen in relativ regelmäßigen Abständen (ich versuch nen Wochenrhythmus anzupeilen) so ungefähr drei vielversprechende Fundstellen vorzustellen, bis ich keine mehr kenne. Ich vermute mal, dass das ganze in 4 bis 5 Beiträgen reinpassen sollte. Ich werde versuchen, die Fundstellen thematisch zu ordnen, weiß aber noch nicht genau, inwiefern mir das gelingen wird, weil die Meisten recht breite Spektren abdecken. Nagut, bevor ich auch den letzten Leser mit meinem nicht enden wollenden Geschreibe vergraule, fang ich am Besten schnell mal an.

Quellen zum Thema Menschenrechte

Da in den vergangenen Wochen das Thema Menschenrecht von der, von mir nicht besonders geschätzten zutiefst verhassten Hilfsorganisation Missionierungs-, Propaganda- und Spendensammelagentur Open Doors, mal wieder hoch auf die Agenda gesetzt wurde, möchte ich heute Quellen vorstellen, die es ermöglichen, neutrale Informationen zu diesem Thema (im weiteren Sinne) einzuziehen.

E-Books und Berichte direkt von US Regierungsstellen: US Commission on International Religious Freedom und State Department

Anfangen möchte ich entsprechend meiner Einleitung mit der United States Commission on International Religious Freedom, die einen jährlichen Bericht zur religiösen Freiheit in Nordkorea herausgibt und darüber hinaus Transkriptionen der relevanten Hearings zum Thema anbietet. Vor allem gibts da aber zwei sehr ausführliche Berichte zum Download, die von ihren Ausmaßen an Bücher heranreichen und umfangreich zum Thema informieren. In „Thank you Father Kim Il Sung“ und „A Prison without Bars“ werden Geschichte und aktueller Status der verschiedenen Religionsgruppen eingehend thematisiert. Der aktuelle Status wird dabei vor allem basierend auf einer Umfrage unter Flüchtlingen beschrieben (Die Umfrage ist allerdings nicht gerade repräsentativ, da nur eine geringe Zahl (40 im ersten und 38 im zweiten Bericht) von Flüchtlingen befragt wurde) und erlaubt interessante Einblicke in die Lebenswirklichkeit in Nordkorea, beschreibt aber auch den Umgang des Staates mit den verschiedenen Religionsgruppen im Land. Natürlich könnte man kritisieren, dass eine Kommission, die einem Staat untersteht, nicht unbedingt als neutrale Quelle zu bewerten ist. Allerdings wird die konkrete Forschung von Wissenschaftlern betrieben und wenn man sich die Berichte anschaut, scheinen diese nicht unbedingt von politischen Zielen (außer der Durchsetzung des Menschenrechts auf freie Religionsausübung) bestimmt zu sein. Ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema Religion in Nordkorea auseinandersetzt. Und weil wir schonmal gerade bei Stellen des amerikanischen Staates sind: Hier gibts den Bericht des State Department zur Menschenrechtslage in Nordkorea. Wird jährlich geupdated und das Schöne ist, dass alle Menschenrechte aufgelistet sind und dann die jeweiligen Verstöße dagegen beschrieben werden. Übersichtlich aber informativ.

Eine Lobbyorganisation die mit der Wahrheit überzeugt (ja gibts tatsächlich): Committee for Human Rights in North Korea (HRNK)

Eine weitere Quelle hervorragender Informationen, die sich allgemeiner mit Menschenrechten in Nordkorea auseinandersetzen, ist das Committee for Human Rights in North Korea (HRNK). Diese Gruppe, der einige der bedeutendsten Forscher zum Thema Nordkorea angehören, hat es sich zum Ziel gemacht, die Menschenrechtssituation in Nordkorea zu verbessern und generell eine Öffnung des Landes herbeizuführen. Ein hohes Ziel, dass sie durch „Lobbyarbeit“, vor allem mit Hilfe gut recherchierter Berichte, zu verwirklichen suchen. Im Rahmen dieser Berichte versuchen sie gleichzeitig konkrete Lösungs- und Handlungsvorschläge zur Verbesserung der Situation zu formulieren. Auf der Seite dieser Organisation gibt es eine ganze Reihe hervorragender Berichte in Buchlänge zu finden. Diese Beschäftigen sich mit Flüchtlingen, der Nahrungsmittelsituation, der Menschenrechtslage im Allgemeinen und mit den berüchtigten Straflagern, in denen Schätzungsweise 200.000 Nordkoreaner leiden. Da ich nur letzteren Bericht gelesen habe, „Hidden Gulag“ von David Hawk, will ich nur diesen ausdrücklich empfehlen. Auch dieser Bericht baut in großen Teilen auf der Befragung Betroffener auf, was aufgrund der Materie noch bedrückender ist, als die Berichte über religiöse Freiheit. Weiterhin werden die einzelnen Lager anhand von Satellitenfotos näher beschrieben und es werden hervorragende Hintergrundinformationen zum Lagersystem insgesamt geliefert. Ein absolutes must read für jeden der sich hierzu informieren möchte. Und da fällt mir gerade noch was auf: Der Bericht „Hunger and Human Rights: The Politics of Famine in North Korea“ dürfte auch auf jeden Fall lesenswert sein. Die beiden Autoren Marcus Noland und Stephen Haggard haben ausgiebig zu dem Thema geforscht und sind im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen und nahezu allen Vertretern der Medien so ehrlich zu sagen, dass es unmöglich ist, genaue Zahlen zu den Todesopfern der großen Hungersnot von 1994 bis 1998 zu nennen. Sie schätzen die Opferzahlen annäherungsweise (wobei sie sich statistischer Analysemethoden bedienen) bei 600.000 bis einer Million (Das heißt immerhin eine Million weniger, als die in unseren Medien mittlerweile als feststehende Wahrheit verkauften zwei Millionen). Da ihre Artikel und Paper eigentlich immer fundiert und so weit es geht neutral sind, dürfte das auch hier der Fall sein. Aber wie gesagt, vermutlich sind auch die anderen Berichte es wert gelesen zu werden. Auf der Seite des (HRNK) hat sich schon seit 2007 nichts mehr getan. Man weiß ja nie was passiert, und daher würde ich dem interessierten Leser empfehlen auf Nummer sicher zu gehen und alle Berichte runterzuladen. Erspart das Suchen, sollte die Seite irgendwann nicht mehr erreichbar sein… Achja, auch hier wieder die Frage, inwiefern eine Lobbyorganisation neutral sein kann und die Antwort: Zumindest soweit, dass sie wissenschaftliche Standards erfüllt und Berichte kostenlos im Netz anbietet, die Infos liefern, die dem Alltagsleser sonst nicht so einfach und kostengünstig zugänglich sind. Der Fall Nordkorea ist eben ein so krasser, dass man die Realität nicht künstlich aufbauschen muss.

Zwar tendenziöse, vor allem aber exklusiv: Good Friends: Center for Peace, Human Rights and Refugees

Und abschließend noch eine Quelle, bei der ich lange überlegt habe, ob ich sie dazu nehmen soll oder nicht. Letztlich hab ich mich dafür entschieden, weil die Organisation „Good Friends: Center for Peace, Human Rights and Refugees“ in ihrem Newsletter „North Korea Today“ oftmals Infos haben, die noch nicht mal Yonhap liefern kann und weil die Good Friends natürlich einen Schwerpunkt auf Fragen der Menschenrechte haben, der hier hervorragend reinpasst. Was mich etwas zögern ließ war, dass einem bei der Lektüre des Newsletter nicht entgeht, dass er etwas einseitig und tendenziös ist. Aber wenn man da kritisch rangeht, dann überwiegen auf jeden Fall die gewonnenen Infos gegenüber dem Ärger beim Filtern. Wer up to date bleiben will oder nach bestimmten Fakten sucht, ist hier gut aufgehoben.

So, dass wars erstmal zur Menschenrechtssituation in Nordkorea. Es kann sein, dass mir da noch weitere Quellen einfallen, aber die werde ich dann an anderer Stelle nachzuliefern versuchen. Aber da viele Augen immer mehr sehen als zwei meine klare Ansage: Sollte jemand Ergänzungen zum Thema haben: Immer her damit!

 

Diese und weitere Links zum Thema findet ihr auch in meiner Linksammlung zum Thema Menschenrechte.

„Nordkorea“ von Christoph Moeskes günstig bei der bpb


Eigentlich bin ich ja komplett nichtkomerziell und so, also zumindest hier im Blog. Und um Bücher kümmere ich mich auch nicht, also zumindest hier im Blog. Heute will ich aber mal ne Ausnahme machen, weil es von der Bundeszentrale für politische Bildung das Buch „Nordkorea“ von Christoph Moeskes für vier Euro zu erwerben gibt (und die vier Euro sind ja wohl auch eher vor nem symbolischen, bzw. Materialkostenhintergrund zu sehen, als vor nem kommerziellen). Der Klappentext hört sich eigentlich recht interessant an. Keine trockene wissenschaftliche Abhandlung, aber auch kein subjektiver Bericht aus nur einer Perspektive:

Das Bild Nordkoreas in der Welt schwankt zwischen Groteske und Schrecken. Ein sozialistischer Staat mit dynastischer Erbfolge, Personenkult und Massenaufmärschen. Ein totalitäres Regime, das an Atomwaffen arbeitet, geheime Straflager unterhält und nicht in der Lage ist, seine Bevölkerung zu ernähren. Ein Land wie aus der Zeit gefallen, beängstigend und bizarr. Die Menschen leben unter ungewöhnlichen Bedingungen. Sich ein Bild von ihrem Alltag zu machen, ist durch die extreme Abschottung der Bevölkerung für Fremde schwierig. In diesem Buch geben Besucherinnen und Besucher, die als Touristinnen, Journalisten, humanitäre Helferinnen, Geschäftsleute, Künstlerinnen oder Politiker nach Nordkorea kamen, seltene Einblicke in ein rätselhaftes Land.

 Habs noch nicht gelesen, aber eben bestellt. Vom Klappentext hörts sich so an, als wärs dasselbe wie „Nordkorea: Einblicke in ein rätselhaftes Land“, nur halt unter anderem Namen und Preis veröffentlicht. Da sich die Kundenrezensionen für dieses Buch (auf Amaozon) durchweg gut anhören, glaub ich nicht, dass vier Euro ne Fehlinvestition sind.

Wo recherchiere ich zu Nordkorea? (II) Presse


Vor einiger Zeit hab ich ja schonmal über die mir bekannten und lesenswerten blogs geschrieben, in denen man sich gut über unterschiedliche Aspekte rund um Nordkorea informieren kann. Aber natürlich ist das nicht die einzige Quelle, die hilfreiche Infos liefert. Will mans etwas seriöser und vielleicht auch zitierfähig haben, dann macht es vielleicht eher Sinn, erstmal zu gucken, was die Presse so berichtet. (Klar, man kann auch schauen, was Fernsehen und Radio berichten, aber Presseberichte sind für gewöhnlich Umfangreicher, das heißt mit mehr Content gefüllt, man kann, wie gesagt, besser daraus zitieren (Hoch Lebe der Erfinder des Copy-Pasten) und dank des Internets sind die Berichte eigentlich auch aktueller. Daher mal ein kurzer Überblick darüber, wo man gute Infos in Internetauftritten von Printmedien/Nachrichtenagenturen finden kann.

Koreanische Nachrichtenagenture

Jede Recherche im Pressebereich sollte meiner Meinung nach ihren Ausgang bei Yonhap, der südkoreanischen Nachrichtenagentur, nehmen. Hier gibt es eigentlich zu allen relevanten Vorgängen im Norden sehr aktueller Berichterstattungen. Das Suchwerkzeug funktioniert relativ gut, allerdings sind nicht alle Artikel frei zu lesen und dummerweise sieht man das erst, wenn man den jeweiligen Artikel aufruft, das ist n bisschen frustrierend. Ist aber nicht so schlimm, denn es gibt ja den echt hervorragenden „North Korea Newsletter“ von Yonhap. Hier gibt es wöchentlich eine ausführliche Analyse zu einem Thema der vergangenen Woche, eine kürzere Zusammenfassung aller wichtigen Ereignisse der letzten Woche, bedeutende Berichte bezüglich Nordkorea aus externen Quellen, eine sehr knappe chronologische Auflistung aller wichtigen Ereignisse, sowie gelegentlich eine Rubrik zu den innerkoreanischen Beziehungen, Meinungsbeiträge von Wissenschaftlern und wenn es denn mal Daten zum Norden gibt, eine Rubrik die diese beinhaltet. Wenn man das durchguckt ist man schon relativ genau informiert. Weiterhin toll an dem Newsletter ist, dass das Archiv bis zum 1. Mai 2008 zurückreicht und man damit schon eine feine Fundgrube hat, wen man zu bestimmten Ereignissen recherchieren will.

Weil ich gerade schon bei Nachrichtenagenturen bin, will ich euch natürlich die Korean Central News Agency oder kurz und wohl auch allgemein bekannter KCNA, nicht vorenthalten. Das ist das nordkoreanische Pendant zu Yonhap, allerdings ist sie, nun ja, anders! Es gibt jeden Tag Meldungen zu den Ereignissen des Vortages, wobei der Fokus auf der Innenpolitik liegt. Natürlich kriegen aber vor allem Südkorea und die USA, je nach außenpolitischer Situation, in regelmäßigen Abständen (wenn ichs genau bedenke fast täglich) ihr Fett weg. Weiterhin kann man hier erfahren, wieviele Schweinefarmen Kim am Vortag besichtigt hat, wo es überall Seminare zur Verbreitung von Juche gibt (in Deutschland auch!) und aus welchen Staaten kürzlich wieder ein Blumenbouquet für Kim ankam. Außerdem sind ausgewählte Artikel immer ins Spanische übersetzt. Also: Wer ausgefallene Beschimpfungen auf Spanisch lernen will, dem seien diese Beiträge ans Herz gelegt. Aber jetzt mal Scherz beiseite. Da dieses die einzige Nachrichtenquelle auf englischer Sprache ist, die die nordkoreanische Position widerspiegelt wird in westlichen Medien ganzschön viel von KCNA zitiert und manchmal kann man hier auch sehr schön zwischen den Zeilen lesen. Ein Problem bei der ganzen Sache ist allerdings die Navigation, bzw. die Suche nach bestimmten Inhalten. Eigentlich kann man nur mit Hilfe einer Datumsnavigation suchen, was manchmal recht unkomfortabel ist, wobei das Archiv immerhin bis zum 1. Januar 1997 zurückreicht. Jedoch gibt’s in den Weiten des Internets ja eigentlich immer ein paar nette Mitmenschen Freaks, die scheinbar nichts zu tun haben, und sich daher mit Nordkorea beschäftigen. Und die, die mir von all denen vermutlich am liebsten sind, sind die Macher von NK News. Die haben nämlich ein Suchwerkzeugs für die Seite von KCNA entwickelt, so dass man über NK News bequem die Nachrichten von KCNA durchstöbern kann. Ich finde das wirklich großartig und es macht auch mal Spaß irgendwas einzugeben um zu sehen wie oft man das wohl in den letzten 12 Jahren benutzt hat. Das Wort „traitor“ (Verräter), das eigentlich weitgehend für die südkoreanische Administration und ihre Unterstützer reserviert ist, kommt immerhin in 1940 Artikeln vor, Respekt! Tja, und wenn man wie ich witzige Spielereien liebt, dann hat man bestimmt auch Freude am „KCNA Random Insult Generator„, der die meistgenutzten Beleidigungen von KCNA auf rein zufällige, aber trotzdem immer herrlich realitätsnahe (Hm, ob das was in Nordkorea so abläuft wirklich mit „Realität“ zu bezeichnen ist, wäre ne interessante Frage für einen Philosophen glaub ich) Art neu zusammensetzt.

Südkoreanische Zeitungen

Jetzt aber zurück zur wirklich realen Realität. Neben den Nachrichtenagenturen gibts natürlich noch jede Menge Zeitungen in Südkorea, die zur Informationsbeschaffung dienen können. Ich nenne hier nur einige, aber ich weiß selbst nicht genau wie sie politisch einzuordnen sind und so, aber das findet man ja für gewöhnlich selbst recht schnell raus, und wenn nicht, dann ist das ja ein rech gutes Zeichen bezüglich der  journalistische Qualität. Eigentlich berichtet jede dieser Zeitungen täglich irgendwas über Nordkorea, und natürlich gibt es häufiger Leitartikel zu irgendwelchen Nordkorea Themen. Zeitungen bei denen ich schonmal geschaut und auch was sinnvolles gefunden hab sind vor allem: Der Korea Herald (hat ein gutes Suchwerkzeug, aber leider keine eigene Rubrik zu Nordkorea), die Korea Times (leider nur mit schlechtem Suchwerkzeug ausgestattet, das die Artikel nicht chronologisch sortiert und in der Rubrik zu Nordkorea wird das Erscheinungsdatum der Artikel nicht gezeigt), die Chosun Ilbo (gutes Suchwerkzeug aber keine Rubrik zu Nordkorea) und die Dong-a Ilbo (Suchwerkzeug kann nur nach Datum filtern, eine Rubrik zu Nordkorea gibts leider auch nicht).

Recherche International

So, dass wars dann schonmal innerhalb von Korea. Außerhalb wird die ganze Sache natürlich ein ganzes Stück unübersichtlicher, weil es ja quasi ein unbeschränktes Angebot gibt. Ich hab auch tatsächlich keine Lust hier jede Zeitung aufzuzählen, die jemals irgendwas Gutes zu Nordkorea geschrieben hat. Deswegen hier kurz und knapp zwei Tipps, mit denen man aber auch schon recht weit kommen kann. Da wäre zuerst mal  die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zu nennen. Hier schau ich immer ganz gern rein, weil China recht nah an Nordkorea dran ist (geographisch und politisch) und eher eine Mittlerposition einnimmt, so dass man davon ausgehen kann, dass die Leute von Xinhua oft besser über Vorgänge in Nordkorea informiert sind als ihre westlichen Kollegen und gleichzeitig ziemlich neutral berichten, weil man weder Kim noch den westlichen Mächten, Japan und Südkorea auf den Schlips treten wollen. Wenn man aber in westlichen Medien recherchieren möchte, dann kann es natürlich recht schnell dazu kommen, dass man vollkommen den Überblick, oder die Lust, wahrscheinlich jedoch beides verliert. Hierfür gibts für die, dies noch nicht kennen das wirklich supertolle Newsnow das ist so eine Art Zeitungs-Meta-Suchmaschine  (oder wie man das auch immer nennen soll), die ganzschön viele Zeitungen weltweit erfasst. Natürlich ist Newsnow nicht auf Nordkorea beschränkt, sondern hat unglaublich viele Rubriken, die sowohl geographisch als auch thematisch und nach Personen gegliedert sind. Natürlich gibts auch eine Rubrik zu Nordkorea. Und wer keine Lust hat über die Rubriken zu gehen, der kann seine Suchanfrage auch direkt eingeben und je nachdem wie geschickt er die Anfrage formuliert kriegt er ziemlich genau das was er haben will. Aber man kann natürlich auch ne Stichwortsuche innerhalb bestimmter Rubriken machen… Was ich damit eigentlich nur sagen will: Newsnow ist ein extrem gutes allround Werkzeug zur Recherche zu egal welchem Thema und ich finds toll, dass es solche Services kostenlos gibt. Achja, natürlich solltet ihr die Quelle, von der die Nachricht stammt nicht vollkommen außer Acht lassen. Also: wenn euch Newsnow auf irgendeine obskure evangelikale Nachrichtenseite weiterleitet, dann ist vielleicht etwas Vorsicht bezüglich der Inhalte geboten…

So dass waren meine Tipps auch schon. Ich hoffe mal, dass ich nichts Wichtiges vergessen habe, aber bin eigentlich recht zuversichtlich, dass es nicht so ist, weil eigentlich sollten die genannten Seiten zu einer ausgiebigen Recherche langen. Also dann, viel Spaß dabei…

Von der Schwierigkeit über Nordkorea zu recherchieren (I, Christen)


Wie ja bereits angedeutet, möchte ich mich heute ein bisschen mit den Problemen beschäftigen, vor denen man so steht, wenn man versucht glaubwürdige Informationen über Nordkorea einzuziehen. Allgemein ist zu sagen, dass dieses Problem natürlich eine generelle Schwierigkeit ist, vor der man steht, wenn man im Internet recherchiert. Denn hier kann ja grundsätzlich erstmal jeder (ich zum Beispiel) schreiben, was ihm gerade einfällt. Und wenn er Lust dazu hat, kann er dementsprechend Fehlinformationen über ein beliebiges Thema für eine große Menge von Menschen zugänglich machen. Bei den meisten Themen ist das allerdings kein so großes Problem, weil man Informationen aus einer Vielzahl von Quellen schöpfen kann (meist auch direkt vom Gegenstand der Untersuchung). Im speziellen Fall Nordkorea wird das allerdings etwas schwieriger, denn: Erstens ist Nordkorea selbst (bzw. seine Staatsbediensteten bis hin zum Geliebten Führer) dafür berühmt und berüchtigt, einen etwas recht extrem kreativen Umgang mit der Realität bzw. mit Fakten zu pflegen. Daher fällt die Selbstauskunft zur Sammlung wirklich glaubwürdiger Informationen schonmal aus. Zweitens beschränkt sich die Tätigkeit der nordkoreanischen Staatsbediensteten nicht nur darauf, Fehlinformationen zu verbreiten, sie versuchen auch eine Verbreitung der realen Informationen zu verhindern. In Anbetracht der Tatsache, dass nur wenige ausländische Beobachter ins Land gelangen, und dort dann meist trotzdem auf die Informationen der Gastgeber angewiesen sind, gibt es kaum unabhängige Daten, die aus direkter Beobachtung gewonnen werden können. (Meist, so zum Beispiel auch bei den Wirtschaftszahlen, handelt es sich um, von Außen gewonnene Schätzungen (deren Qualität je nach Ressourcenausstattung und Methode der Schätzungen variiert). Aber mit wissenschaftlich gewonnen Schätzungen könnte man sich ja zufrieden stellen. Aber auf manchen Gebieten sind eben noch nicht mal die möglich, bzw. es hat noch niemand das erforscht. Da gibt es dann wirklich keine seriösen Zahlen. Drittens besteht allerdings die Schwierigkeit, dass sowohl Journalisten, als auch Wissenschaftler, die zu dem Thema forschen, nach konkreten Daten und Fakten lechzen. Ansonsten fragt man sich nämlich, warum man einen Text lesen soll, der sich permanent darauf beruft, dass seriöse Daten nicht vorhanden sind und man sich mit groben Schätzungen und allgemeinen Aussagen abfinden muss, so dass am Ende nicht einmal ein belastbares Ergebnis steht. Außerdem klingt es für einen Journalisten einfach viel knackiger zu schreiben „In dem Land, in dem Ende der 1990er Jahre  dreieinhalb Millionen Menschen verhungerten…“ als „In dem Land, in dem Ende der 1990er Jahre zwischen 220.000 und 3.500.000 Menschen verhungerten…“. Naja und was macht man, wenn es keine seriösen Zahlen gibt? Man hat genau zwei Möglichkeiten: Entweder man schreibt es wie es ist, oder man übernimmt die Zahlen, die man eben irgendwo finden kann. Und wenn die Zahlen dann erstmal von einigen Journalisten und Wissenschaftlern übernommen wurden, dann sind sie zitierfähig, sie stehen ja auch in ganz vielen anderen Werken, und ruckzuck sind  die „Fakten“ die sich irgendein Hanswurst ausgedacht hat zu einer Art Wahrheit geworden. Mit genau diesen Problemen muss man sich im Rahmen von Recherchen zu Nordkorea immer wieder rumschlagen, weshalb ich jedem, der was dazu rausfinden will nur raten kann, bei Zahlen immer misstrauisch zu sein, sie auf jeden Fall gegenzuchecken und im Zweifel zu gucken, was die Originalquelle ist. Und weil mir die ganze Sache schon länger extrem auf den Nerv fällt, hab ich mir gedacht, dass ich ab und zu wenn es sich anbietet, was zu konkreten Gebieten schreibe, auf denen man sich vor den „Fakten“ in Acht nehmen muss. Ich habe ja gestern was zu Religion in Nordkorea geschrieben und wers gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass mir das was „Open Doors“ macht, etwas sauer aufgestoßen (gestern hab ich das so ähnlich, nur etwas drastischer formuliert glaub ich) ist.

Das Problem mit „Open Doors“

Als ich meinen Beitrag zu Religion in Nordkorea geschrieben hab, wollte ich anfänglich nur zu Christen schreiben (hab mir dann aber überlegt, warum eigentlich und hab mich letztlich, weil ich keinen Grund gefunden hab, nur über Christen zu schreiben, für den breiteren Rahmen entschieden) und hab mal ganz allgemein bei Google „Christen“ und „Nordkorea“ eingegeben. Was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, ist das Acht der Zehn Treffer auf dieser (aber auch den folgenden Seiten) von „Open Doors“ zitierte, auf diese verlinkten, oder Seiten direkt von „Open Doors“ waren. Ich war auch bei meiner Recherche zur Reise Wolfgang Huber durch einen Artikel im „Rheinischen Merkur“ bereits auf den Namen gestoßen und dachte, wenn selbst die Zeitungen darauf verweisen, wirds wohl seriös sein. Und, ach wie herrlich, „Open Doors“ bietet auch noch Zahlen zu Christen in Nordkorea. Also könnte in diesem Augenblick meine Recherche eigentlich schon vorbei sein: Einfach den Artikel ein bisschen zusammenfassen, besonders die Aussage um:

Das Überleben der Christen, die sich nur im Untergrund versammeln können, ist extrem hart. Entdeckte Christen werden verhaftet, gefoltert oder getötet. Open Doors schätzt, dass es mindestens 200.000 Christen im Untergrund gibt, die Zahl könnte wahrscheinlich sogar bei 400.000 bis 500.000 liegen.

etwas ausbauen, und gut is. Aber irgendwie kommen mir Aussagen wie „die Zahl könnte wahrscheinlich sogar bei 400.000 bis 500.000 liegen“ dann doch etwas schwammig und seltsam vor. Es werden keinerlei Quellen, noch nicht einmal Mitarbeiter vor Ort oder sowas genannt. Was weiterhin komisch ist, ist das zwar auf den Bericht „A Prison without Bars“ verwiesen wird, allerdings ohne den Namen zu nennen, oder gar darauf zu verlinken. Warum das denn? Vielleicht weil in dem Bericht steht, dass es nicht möglich ist, Aussagen über die Zahl der Christen in Nordkorea zu machen, die im Verborgenen praktiziert. Sieht ganz so aus. Und dann noch die Sache mit dem „Weltverfolgungsindex„, auf dem Nordkorea den ersten Rang einnimmt. Auf den ersten Blick ist das ja mal wieder herrlich zum zitieren. „Nordkorea liegt auf dem „Weltverfolgungsindex“ auf Rang 1″, super! Aber wie wird denn der ermittelt? Na ganz einfach:

Der WVI ist das Ergebnis intensiver Recherchen etwa über Übergriffe auf Christen im Berichtsjahr oder Einschätzungen von Länderexperten zur Entwicklung der Religionsfreiheit. Zudem benutzt Open Doors einen eigens hierfür erstellten Fragebogen aus 50 Fragen, die von mehreren erfahrenen und meist einheimischen Mitarbeitern vor Ort oder von Kirchenleitern beantwortet werden. Die Ergebnisse werden mit einer Punktzahl bewertet, die die Situation der Christen in einem Land bzw. Entwicklungen näher bewertet. Die Gesamtzahl der Punkte für ein Land bestimmt dessen Position im Weltverfolgungsindex.

Also der begründet sich in Recherchen oder Einschätzungen und irgendwelchen Fragebogen die entweder von Mitarbeitern vor Ort, oder auch nicht vor Ort, oder von Kirchenleitern (vor Ort oder nicht? keine Ahnung) ausgefüllt werden. Na Super, da kann man vermutlich auch bei Vollmond nen Kilo Hühnerknochen in die Luft werfen, danach den Kaffesatz von letzter Woche draufschütten, schön umrühren und dann daraus wissenschaftlich bestimmen, dass Nordkorea im Weltverfolgungsindex auf Rang 1 liegt. Schönundgut, also hab ich schonmal rausgefunden, dass ich mir die Nennung von „Open Doors“ als Quelle mal lieber spare. Aber weil ich ja von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, wollte ich jetzt auch wisssn, was „Open Doors“ überhaupt ist, was die Ziele sind und was es denen bringt, irgendwelche Fabelzahlen über Nordkorea zu verbreiten. Dazu hab ich in der Rubrik „Unsere Berufung“ nachgeschaut:

Im Mittelpunkt steht der Dienst an verfolgten oder benachteiligten Christen. Ziel ist, sie in ihrem Glauben zu stärken, damit sie auch in einer feindlich gesinnten Umwelt das Evangelium verkünden. Unsere Unterstützung gilt christlichen Kirchen aller Bekenntnisse.

Der Auftrag von Open Doors

1. Wir stärken die Kirche, den Leib Christi, wo sie verfolgt und unterdrückt wird, indem wir für ihre Bedürfnisse sorgen: mit Bibeln, Schulungsmaterial, Ausbildungskursen und sozialer und humanitärer Hilfe.

2. Wir helfen der Kirche in unsicheren und bedrohten Gebieten, sich auf bevorstehende Verfolgungen vorzubereiten und ermutigen sie, im Dienst der Verkündigung zu bleiben.

3. Wir informieren die Kirche in der freien Welt und ermuntern sie, sich für die verfolgte Kirche einzusetzen. Unser Grundsatz: «Wenn ein Glied leidet, leiden die anderen Glieder mit.» 1 Korinther, 12,26.

Beim oberflächlichen Lesen hört sich das erstmal nach christlichem Hilfswerk an, und so wird es in den Medien auch oft beschrieben, zum Beispiel von der ZEIT als: „wohltätige Organisation, die sich für bedrängte christliche Gemeinden und Individuen einsetzt“. Liest man aber genauer, so fragt man sich: Warum müssen die eigentlich Schulungsmaterialien und Bibeln verteilen. Klar: weil sie missionieren! Und „informieren“ und „ermuntern“, dass klingt für mich nach den Standardfloskeln, die man nennt, wenn man nicht „Lobbyarbeit“ sagen will. Und wieso betreibt man Lobbyarbeit? Vermutlich um Spenden einzutreiben, worum man auf der Seite von „Open Doors“ schließlich überall mehr oder weniger dezent gebeten wird. Und dann ist der Kreis ja auch schon geschlossen. Wenn die Mitarbeiter von „Open Doors“ ihren eigenen Aussagen glauben („Entdeckte Christen werden verhaftet, gefoltert oder getötet.“), dann ist ja recht klar was (Punkt 1) die Lieferung von Bibeln und Schulungsmaterialien und die „Ausbildung“ von neuen Christen bewirkt: Es gibt mehr verfolgte (Punkt 2) und „gefolterte oder getötete“ Christen in Nordkorea, aber die werden wahrscheinlich schon bei ihrer „Ausbildung“ darauf  „vorbereitet“. Und was macht man da? Genau man „informiert“ und „ermuntert“ (Punkt 3) die Kirchen zur Solidarität. Und wie drückt man die Solidarität am besten aus? Genau! Durch Spenden. Und schon sind wir wieder am Anfang, denn schließlich müssen die Gelder in irgendwas investiert werden; zum Beispiel in die Missionierung von Nordkoreanern. Und alle sind zufrieden…Außer vielleicht die Nordkoreaner, die ohne die tollen Maßnahmen von „Open Doors“ wohl eher nicht „gefoltert oder getötet“ werden würden. Aber es ist ja für eine gute Sache, den schließlich können dadurch wieder Mittel gewonnen werden, um „die Kirche, den Leib Christi“ zu stärken. Und schließlich hat das Märtyrertum im Christentum eine lange Tradition. Und wenn man als „Open Doors“ mal keine Zahlen zur Hand hat, dann erfindet man halt welche, achtet aber drauf, dass sie hoch genug sind, damit auch viele Leute zur Solidarität ermuntert werden. Das Hilfswerk „Open Doors“ (wobei helfen die eigentlich? Ach ja, die Helfen tausenden Koreanern, die bis dahin noch gar nichts vom Christentum wussten, auf schnellstem Wege Märtyrer zu werden!) sollte man daher als Quelle für harte Fakten eher umgehen.

Open Doors und die Medien

Leider tun das viele Journalisten (von privaten Internetnutzern gar nicht zu sprechen) nicht, was natürlich für Open Doors eine wunderbare Promo ist. Den ZEIT Artikel hab ich ja eben schon erwähnt, was ja schon irgendwie erschreckend ist, dass eine DER seriösen Wochenzeitungen so einer zwielichtigen Firma wie „Open Doors“ aufsitzt. (Das fand im Übrigen auch der „humanistische Pressedienst“ der sich kritisch mit Open Doors und Missionswerken im Allgemeinen beschäftigt). Erschreckender fand ich allerdings noch, dass der einzige Artikel zur Reise Wolfgang Hubers nach Nordkorea, der über die Pressemeldung hinausging, ausgerechnet auf „Open Doors“ als Informationsquelle verweist und Bischof Huber ans Herz legt, sich mit Papieren „wie sie zum Beispiel der Informationsdienst Compass Direct und das Werk „Open doors“ herausgeben“ auszustatten. Da hätte der Autor des Artikels, Herr Wolfgang Thielmann, mal fünf Minuten länger Googeln sollen. Aber vermutlich ist Wolfgang Huber da ein bisschen pfiffiger. Aber für „Open Doors“ mal wieder herrliche Pomo, ganz umsonst. Aber zu seiner Ehrrettung muss man dazu sagen, dass er bei weitem nicht der einzige Professionelle ist, der mal besser hätte googeln können. Andere Beispiele gibt es zum Beispiel hier und leider auch hier (Die gleiche Autorin hatte nämlich 2004 einen recht informativen Artikel zum gleichen Thema geschrieben, der noch nicht mit dem Datenmüll von „Open Doors“ verseucht war). Also das muss man den Jungs von „Open Doors“ jedenfalls lassen, in Sachen Propaganda und Desinformation haben sie was drauf. Dazu nutzen sie auch Kanäle wie Blogs oder ähnliches, wo sie so „freundlich“ sind Gastbeiträge zu schreiben. Auch auf Seiten die sich ausschließlich (auch wenn ich diese schon immer kritisch lese, da sie auch als Lobbyinstrument genutzt wird) mit der Problematik Nordkoreas beschäftigen, konnte „Open Doors“ seine „Informationen“ unterbringen.

Meine Meinung

Ok, das wars jetzt soweit von meiner Seite. Der Artikel sollte nur verdeutlichen, dass es recht schwierig ist, unabhängige Informationen zu manchen Themen bezüglich Nordkorea zu bekommen, dass man sich bei der Suche aber nicht davon blenden lassen soll, dass eine bestimmte Informationsquelle seriös aussieht, oder das bestimmte Zahlen immer wieder im Umlauf sind. Was der Artikel nicht sein soll (auch wenns manchmal so klingt), ist ein Frontalangriff gegen „Open Doors“ oder gar das Missionieren an sich. Ich bin zwar kein Fan davon und wenn ich persönlich von irgendwelchen Missionierungsversuchen betroffen bin, dann nervt mich das recht schnell. Aber wenn irgendwer sich aus seinem Glauben heraus berufen fühlt, andere von Selbigem zu überzeugen, dann soll ers halt tun. Was er aber in manchen Fällen bedenken sollte, ist das er den Menschen, die das betrifft (zum Beispiel in Nordkorea, aber bestimmt auch sonstwo), nicht unbedingt einen Gefallen tut. Vielleicht sollte er sich, wenn ihn das Schicksal der Nordkoreaner interessiert, eher für eine Menschenrechtsorganisation engagieren, die auf andere Weise versucht was zu ändern. Und wenn dann alles liberaler ist (ja ich weiß, sehr platt skizziert alles), dann kann er Nordkoreaner bekehren, solange er will und die werden dann bestimmt nicht gefoltert und umgebracht. (Da fällt mir ein: Lädt man nicht irgendwie Schuld auf sich als Christ, wenn man einen Menschen bekehrt, obwohl man weiß, dass der dafür umgebracht wird? Ich weiß, die Kirche würde es vermutlich nicht geben, wenn man das früher nicht gemacht hätte, aber heute sind die Zeiten ja dann doch irgendwie anders…) Und genau das ist es, was mich an „Open Doors“ dann irgendwie doch aufregt: Da sitzen irgendwelche Einfaltspinsel hier in Deutschland, schreiben einen schöne Texte über Nordkorea (und Jemen und Somalia und Irak…), generieren damit Spenden, die zum Missionieren genutzt werde, sind somit vielleicht mit Schuld am Tod von Menschen, und dann wird über die geschrieben, sie seien ein Hilfswerk und so und wahrscheinlich glauben sie den Quatsch auch noch selbst.

Reisebericht aus Nordkorea auf cathrinkas blog


Cathrin, ein Mädel das in Hanoi Geschichte studiert, macht Urlaub in Nordkorea und schreibt dazu nen Reisebericht in ihrem Blog. Ihre angenehm zu lesenden Posts werden eigentlich täglich geupdated und es gibt auch schöne Bilder zu sehen. Dementsprechend ist für alle, die an aktuellen Bildern und Impressionen aus Nordkorea interessiert sind (und sich nicht daran stoßen, dass es gelegentlich ziemlich eindeutige politische Meinungsäußerungen gibt, die ich zumindest diskussionswürdig finde), Cathrins Blog definitv einen Besuch wert! Ihrer Empfehlung für die Arte Doku über Nordkorea möchte ich mich im Übrigen zu hundert Prozent anschließen (Allerdings nicht ihrem Urteil über den deutschen Journalismus, aber das ist je eigentlich egal!).

Weitere Reiseberichte könnt ihr in der Kategorie „Reiseberichte“ finden.

Blog Titel mal ernstgenommen, oder: Wo recherchiere ich zu Nordkorea ? (I)


Letztes Update: Eigentlich bringt es ja sehr wenig einen Artikel zu updaten, den kaum noch jemand liest, weil er alt ist. Daher verweise ich die, die zufällig hier landen an „Links zur Selbstrecherche“ dort gibt es mehr und ständig aktualisierte Infos zu interessanten Blogs.

Update 4: Wiedereinmal kann ich die frohe Kunde vermelden, dass mir ein weiteres deutschsprachiges Blog aufgefallen ist, in dem man öfter mal was über Nordkorea lesen kann. Dem Autor von Zirkumflex liegt vor allem die Menschenrechtssituation weltweit am Herzen und im Zusammenhang mit diesem Thema gerät auch recht häufig (so einmal in der Woche im Schnitt) Nordkorea auf sein Radar. Und dann gibts nen einigermaßen knapp gehaltenen, gut lesbaren Artikel mit einer Vielzahl weiterführender Links aus dem Bereich, den ich mal grob „Nordkorea und Menschenrechte“ nennen will, zu lesen. Außerdem gibts hin und wieder nen witzigen/skurrilen/interessanten Link oder n Video aus derselben Kategorie über Nordkorea zu finden. Besonders diejenigen, die speziell an Fragen der Menschenrechte interessiert sind, sollten hier öfter mal vorbeischauen.

Update 3: Aus irgendeinem Grund ist mir das sehr interessante Blog „North Korean Leadership watch“ bisher durchs Raster gefallen. Michael Madden beschäftigft sich hier annähernd jeden Tag mit Fragen der nordkoreanischen Führung. Dementsprechend schreibt er viel über Kim Jong Il. Was allerdings wirklich interessant ist, ist dass er darüber hinaus auch auf andere, wenig bekannte Figuren aus der politischen Elite Nordkoreas, eingeht. Weiterhin beschäftigt er sich auch mitunter mit den politischen Institutionen des Landes. Das Bog ist noch ziemlich neu, so drei Monate aber weil der Autor fleißig postet gibts schon ein ansehnliches Archiv. Außerdem hat er eine Vielzahl von Hintergrund Infos in Form von PDF Dokumenten zu den Biographien einer Vielzahl der politischen Elite angehörenden Personen, sowie zu den politischen Institutionen des Landes online. Auch das sehr interessant.

Update 2: Ein weiteres deutschsprachiges Blog das sich mit Ostasien beschäftigt und naturgemäß auch Beiträge zu Nordkorea bietet ist das von Bernhard Bartsch. Der Journalist, der für mehrere deutsche Tageszeitungen schreibt und seit 1999 in China lebt, beschäftigt sich in seinen ausführlichen Artikeln (manchmal auch auch in interessanten Interviews) mehrmals im Monat mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen Nordkoreas. Für diejenigen die gerne deutschsprachig zu Nordkorea recherchieren wollen definitv einen Besuch wert.

Update: Erstens scheint der Autor von „Communist Nation“ (ehemals DPRK Forum) aufgegeben zu haben. Zur Zeit ist die Seite nicht erreichbar. Ich werde das Blog noch ein Zeitchen in meiner Blogroll lassen, und wenn sich dann nichts tut, löschen.

Das Zweite was ich vermelden wollte ist etwas erfreulicher. Mir ist bei meiner Stöberei im Netz aufgefallen, dass sich Newsbento, ein deutschsprachiges Blog, das sich vorrangig mit gesellschaftlichen und politischen Themen Ostasiens beschäftigt, relativ regelmäßig zu wichtigen Entwicklungen in Nordkorea postet. Dementsprechend kann ich meiner Blogroll auch endlich was deutschsprachiges hinzufügen.

Ursprünglicher Beitrag: So, nachdem der erste Beitrag  ja recht leicht von der Hand ging stellt mich der zweite schon eher vor Schwierigkeiten. Leicht ist ein bisschen allgemeines Gesülze zum Thema abzusondern, schwerer wird es allerdings, wenn man dann konkret in die thematische Arbeit einsteigen soll. Denn: womit soll man jetzt anfangen? Unvermittelt irgendein Thema rausgreifen? Die aktuelle Entwicklung bearbeiten? Oder vielleicht irgendwas zu einem der vielen Kuriosa, die Nordkoreas Führungskräfte ja in erstaunlicher Regelmäßigkeit produzieren? Aber, stopp, das lässt sich ja vorerst noch umgehen, einfach nochmal was allgemeines, was die Leser aber trotzdem interessiert! Naja, dann will ich mal nicht weiter damit hinter dem Berg halten, sondern diejenigen Fundstellen im Internet auflisten, die sich für einen Einstieg zur allgemeinen, aber auch zur speziellen Recherche zu Fragen bezüglich Nordkoreas besonders eignen, bzw. die ich regelmäßig nutze.

Da ich hier ja schließlich in einem Blog schreibe und der Gedanke der Vernetzung in der Bloggosphäre (ich mag das Wort nicht, aber mir fällt kein besseres ein) eine große Rolle spielt, mache ich einfach mal den Anfang mit den meiner Meinung nach wichtigsten Blogs zum Thema. Das großartige Blog North Korean Economy Watch von Curtis Melvin, in englischer Sprache verfasst, kommt dem, wo ich vielleicht mal hinmöchte wohl am nächsten (und wenn ich nicht deutsch, sondern englisch bloggen würde, hätte ich mich vermutlich gehütet, ein Konkurrenzprojekt anzufangen). Melvin aktualisiert sein Blog mehrmals wöchentlich, fast täglich, und hat seinen Schwerpunkt zwar auf wirtschaftliche Themen gelegt, bedient aber auch andere Felder von Interesse. Er greift auf ein breites Spektrum an Informationen aus dem Netz, teilweise aber auch von interessierten Usern zurück und verdichtet diese zu durchweg lesenswerten Beiträgen. Wenn aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas erscheinen so sind diese samt Einschätzung Melvins zeitnah hier zu finden. Die Aktualität und Seriosität dieses Blogs zahlt sich auch durch eine relativ aktive und scheinbar zahlreiche Leserschaft aus, die Melvins Beiträge oftmals durch eigene Hinweise erweitert. Leider ist durch die große Zahl der erschienenen Beiträge die Navigation durch seine Kategorien etwas erschwert worden, da die Anzahl der Kategorien und Unterkategorien mittlerweile ausufert. Ein äußerst wertvolles, wenn auch mittlerweile etwas „vollgepacktes“ tool bietet Melvin mit der Google Earth Kartierung Nordkoreas an. North Korea uncovered beinhaltet sowohl Elemente ziviler als auch militärischer Infrastruktur, aber auch Statuen Kim Jong Ils und Kim Il Sungs und (vermutete) Wohnorte der Führungselite des Landes und viele weitere interessante geographische Angaben. Nicht nur zu Recherchezwecken, sondern auch um eine satellitengestützeten Annäherung an Nordkorea zu gewinnen ist dieses tool eine tolle Hilfe. Sofern man des Englischen mächtig ist, kann dieses Blog als Ausgangspunkt von Recherchen, vor allem zu wirtschaftlichen Aspekten, dienen. Ich hoffe ich habe an dieser Stelle nicht soviel Werbung gemacht, dass dies euer letzter Besuch dieses Blogs war, aber North Korean Economy Watch hat die Aufmerksamkeit jedes Nordkorea interessierten verdient und wahrscheinlich wäret ihr beim surfen früher oder später eh darauf gestoßen.

Ein weiters lesenswertes Blog stellt DPRK Studies dar, das von der inhaltlichen Ausrichtung her ein breiteres Feld abdeckt und von den professionellen bedingten Kenntnissen des Autors über Nordkorea profitiert. Allerdings aktualisiert der Autor das Blog weniger regelmäßig, vermutlich aufgrund beruflicher Verpflichtungen, was dazu führen kann, dass auch bei bedeutsamen aktuellen Entwicklungen in Nordkorea zugehörige Artikel garnicht oder erst mit Verspätung erscheinen. Allerdings ist ein wöchentlicher Blick in diese Blog trotz dieses Defizits durchaus angebracht. Neben den inhaltlichen Beiträgen bietet diese Seite eine breite und interessante Linksammlung zu einer Vielzahl von weiterführenden Seiten (Allerdings funktionieren leider einige der Links nicht mehr) und zu bedeutenden Dokumenten wie zwischenstaatlichen Verträgen, aber auch zur Verfassung von 1972 (JA, Nordkorea hat eine Verfassung, auch wenn diese seit 1972 mehrmals verändert wurde und generell nicht so bedeutend in der Tagespolitik ist wie das in westlichen Demokratien gewöhnlich der Fall ist). Generell bietet auch dieses Blog einen guten Ausgangspunkt zur vertiefenden Recherche.

Ein etwas jüngeres Blog sowohl was die „Bloghistorie“ als auch den Stil des Blogs angeht ist DPRK Forum. Seit Ende 2008 werden hier Themen mit Bezug zu Nordkorea (gelegentlich auch ohne Verbindung zum Thema Nordkorea, aber nicht störend oft) behandelt. Dabei setzt der Autor oft (Nachrichten-)videos und Bilder ein, was die Lektüre des Blogs erleichtert und auch als Fundstelle dienen kann, wenn man auf der Suche nach kurzen Videobeiträgen oder Bildern (hier ist die Fotosammlung hervorzuheben, die einige beeindruckende Einblicke in die nordkoreanische Alltagswelt anbietet) zum Thema ist. Allerdings sind die inhaltlichen Analysen weniger tiefgründig als diejenigen in den beiden zuvor beschriebenen Blogs. Nichtsdestotrotz ist auch dieses Blog einen gelegentlichen Besuch wert.

Wer sich einmal näher mit der Materie Nordkorea beschäftigt hat, mag schon einmal auf den Namen Andrei Lankov gestoßen sein. Lankov, ein ausgewiesener Experte zu Nordkorea, den seine Laufbahn auch schon an die Kim Il Sung Universität in Pjöngjang führte, verfügt sicherlich über tiefe Einblicke in das „Innenleben“ Nordkoreas die er auch relativ häufig in seinem Blog preisgibt. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass er auf russisch blogt. Dies macht die Lektüre für viele potentielle Leser relativ kompliziert. Zwar kann man sich hier zum Glück mit dem Google Übersetzungstool behelfen, allerdings wird der, der dieses Tool schonmal genutzt hat wissen, dass das nicht immer die reine Freude ist. Wer aber über diese Klippe gehen will (irgendwie kommt mir diese Redewendung in diesem Zusammenhang mal wieder komisch vor, aber ich folge da meiner Intuition und belasse sie an diesem Ort), dem bieten sich sicherlich interessante und fast tagesaktuelle Analysen eines wirklich kompetenten Wissenschaftlers.

The Marmot’s Hole von Robert J. Koehler ist zwar kein dezidiertes Nordkorea-Blog, sondern beschäftigt sich vielmehr mit koreanischen Belangen insgesamt. Allerdings ist es trotzdem einen Blick wert, da der Autor seit über zehn Jahren in Seoul lebt und von dort aus blogt und so eher einen südkoreanischen Blick auf Nordkorea widerspiegelt (auch wenn er seine amerikanische Herkunft nicht verbergen kann und will) und mehrmals in der  Woche über nordkoreanische Themen schreibt.

Wer  sich für Meinungen bezüglich Nordkorea interessiert die eher dem Lager der amerikanischen Falken zuzuordnen sind, der sollte sich One free Korea von Joshua Stanton ansehen. Seine relativ harte Position was das Vorgehen gegenüber Nordkorea angeht, wird in fast jedem seiner täglichen Beiträge deutlich. Wer sich nicht an der oftmals fast aufdringlich deutlich bezogenen Position Stantons stört, für den bietet sich einerseits ein relativ guter Überblick über Menschenrechtsfragen, vor allem zu Nordkoreas Straflagern, andererseits kann man hier teilweise auch einen Überblick über das Meinungsspektrum in den USA zum Thema Nordkorea bilden, da Stanton auch offen Aussagen derjenigen zu widerlegen sucht, die am anderen Ende des Meinungsspektrums liegen. Generell existieren in den USA einige Blogs, die sich mit Menschenrechtsfragen und Nordkorea auseinandersetzen und ein Spiegel einer relativ schlagkräftigen Lobbyarbeit in dieser Beziehung zu sein scheinen. Wer sich mit Menschenrechtsfragen in Nordkorea auseinandersetzt und gleichzeitig die Tatsache im Hinterkopf behält, dass es sich hier oftmals um die Ergebnisse aktiver Lobbyarbeit handelt, der kann sich Love North Korea oder auch North Korean Human Rights Matters ansehen.

Euch wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich bis hierher kein deutsches Blog genannt habe. Das hat seinen Grund und der ist nicht, dass ich mich vor Konkurrenz fürchte. Nein, mir ist einfach keiner bekannt. Das kann daran liegen, dass ich zu schlecht recherchiert habe, oder dass der mögliche Betreiber dieses Blogs denselben nicht gut genug vermarktet hat. Sei es, wie es ist, sieht so aus als würde ich mich in einer Marktlücke bewegen. Super, wenn ich nicht zuviel Werbung für die teilweise hervorragende englischsprachige Konkurrenz gemacht habe oder ihr lieber auf Deutsch lest, dann seid ihr wohl bis auf weiteres auf mich angewiesen. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden…

Hm, abschließend bleibt zu sagen: sollte ich ein hervorragendes Blog vergessen haben, vielleicht sogar ein deutschsprachiges, dann gebt mir bescheid. Ich schaus mir an und werde es gegebenenfalls hinzufügen. Wenn jemand koreanisch kann und ein echt gutes südkoreanisches Blog zu dem Thema hat, kann er mir auch gerne bescheidgeben, ich werde dann versuchen das gegenzuchecken und ggf. s.o..

Weiter Quellen zur Recherche über Nordkorea jenseits der „Bloggosphäre“ (wie ich das Wort hasse! Alternative Formulierungsvorschläge nehme ich gerne entgegen!) gibts dann bald. Und bis dahin ein Tipp: Wikipedia mag zwar gut sein um nen Überbick zu bekommen, die Grenzen der Erkenntnisgewinnung sind damit aber noch nicht vollkommen ausgereizt! Aber das wisst ihr ja schon alle, sonst wärt ihr ja jetzt nicht hier, sondern würdet euch schließlich gerade das hier durchlesen. Und wenn ihr damit schon durch wäret dann vielleicht das hier, obwohl, ihr wollt ja ernsthafte Information, aber recht lustig ist das trotzdem und wers noch ne Nummer platter mag dem sei dieses Prachtstück gesammelten Blödsinns ans Herz gelegt.