Ein Bild von Nordkorea (I): Landwirtschaft


Mein Freund Marc Ucker hat mir und damit auch euch seine wirklich tollen Bilder von seinem Besuch in Nordkorea im letzten Jahr zur Verfügung gestellt und mir gesagt, ich könne sie verwenden wie ich mag. Das ist natürlich toll, so viel gutes Material bei der Hand zu haben und damit ein bisschen arbeiten zu können. Ich habe mir überlegt, dass ich immer mal in relativ kurzen Abständen, so alle ein bis zwei Wochen versuche ein paar Bilder zu einem Themenbereich zusammenzustellen. Da ich zu den Motiven eigentlich nicht mehr weiß als ihr, habe ich mir überlegt, dass ich einfach schreibe, was ich denke was zu sehen ist und dann noch ein paar subjektive Gedanken, Ideen und Assoziationen  dazuschreibe, die die Bilder bei mir wecken.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr auch was dazu beitragen würdet, also einfach auch dazuschriebt, was ihr glaubt oder wisst, was dort zu sehen ist und was euch für Gedanken, Ideen und Assoziationen kommen, wenn ihr die Bilder anguckt. Ich fände es toll, wenn wir so einen kleinen subjektiven Austausch über unsere Wahrnehmungen hinbekämen und bin gespannt, was ihr zu sagen habt.

Alle Rechte an allen folgenden Bildern liegen bei Marc Ucker.

 

Reisfelder klein

Alles so schön symmetrisch hier…
Reisfelder, die zum Teil vorbereitet werden.

 

KanalFeldarbeitklein

Handarbeit: Be-/Entwässerungskanäle werden hergerichtet.
Sieht aus als würden die beiden Leute gerade einen Zugang vom oberen wasserführenden Kanal in das Reisfeld graben. Keine Ahnung, kenne mich mit Reisanbau nicht so aus.

 

BodenverbesserungKlein

Keine Ahnung, was hier genau gemacht wird. Sieht aus, als würde nährstoffreicher Boden auf die Felder aufgebracht, aber irgendwie kommt mir das nicht ganz sinnig vor. Die eine Person trägt definitiv Erde auf dem Rücken und hinten sieht man, dass ein Teil des Untergrunds hell ist und ein Teil, wo gerade gearbeitet wird dunkel.
Hat von euch einer eine Idee?

 

Wohnthierwer

Ein Häuschen im Grünen…
Wohnt hier wer? Sieht irgendwie so aus. Irgendwie aber auch nicht…
Ich weiß nicht genau was ich hiervon halten soll. Kann ein Haus sein, kann aber auch eine Art Unterstand oder ein Lagerraum sein. Ein Haus wäre schon irgendwie abgefahren, aber entgegen der offiziellen Darstellung der nordkoreanischen Propaganda gibt es ja durchaus arme Menschen und Obdachlose in Nordkorea. Vielleicht hat sich hier einer ein Obdach gebaut.

 

TransportKlein

Feldarbeit hält fit — Besonders, wenn man sich bei der Arbeit nicht mit Maschinen etc. rumschlagen muss.
Sicher, die beiden arbeiten vermutlich fleißig und haben gut was zu tun, aber mit einer Karre oder so ginge das bestimmt besser…

 

FeldtransportKlein

Diehier schleppen zum Beispiel ordentlich was weg.
Hier wird sehr schön deutlich, wie personalintensiv die nordkoreanische Landwirtschaft ist. Das hat mit dem geringen Mechanisierungsgrad und dem maroden Maschinenbestand zu tun. Ich sehe da eigentlich auch kein großes Problem. Allerdings weiß ich nicht, ob es ein effizienter Personaleinsatz ist, wenn Studenten und Akademiker immer mal wieder zur Feldarbeit ausrücken müssen.

OchsenkarrenKaputtKlein

Außer…man hat ein Rad ab.
Mein absolutes Lieblingsbild. Warum? Wenn man sich den Jungen da mal anguckt, hat man das Gefühl, der bleibt da einfach stehen, bis er entweder umfällt, oder ihn jemand holt. Er sieht nicht hoffnungslos oder so aus (obwohl das zugegeben schlecht zu erkennen ist). Aber für mich sieht es so aus, als würde er einfach nur da stehen und das ist dann auch Ok so. Irgendwie könnte man das auch als Sinnbild für Nordkoreas Wirtschaft nehmen. Die ist zwar offensichtlich kaputt und es geht nix mehr, aber das nimmt man dann eben so hin…

VorzuchtKlein

Wenn mich nicht alles täuscht sind das Felder zur Vorzucht, vermutlich von Mais, könnte auch Gemüse sein, aber glaube ich eher nicht.
Irgendwann habe ich mal über die seltsame Praxis geschrieben, Mais unter geschützter Atmosphäre vorzuziehen und dann, wenn es das Wetter zulässt an seinen eigentlichen Standort im Freiland auszusetzen (Seltsam, weil das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag kaum zu rechtfertige ist). Dashier könnte so eine Vorzucht sein.

RinderKlein

Eine kleine Rinderherde.
Die sehen zwar ein bisschen strubbelig und nicht besonders schön aus, aber daraus auf ihren Ernährungszustand zu schließen, wäre wohl Schwachsinn. Warum ich das schreibe? Wenn ich zum Beispiel für die WELT Bildunterschriften dichten würde, dann hätte ich mir vermutlich irgendwas Kreatives wie „Zwar gibt es hier und da Rinder, aber unter ihrem Fell tritt jede Rippe hervor, sie sind genauso hungrig wie die Menschen“ einfallen lassen.

PlantageKlein

Sieht aus wie eine recht neu angepflanzte Plantage (vielleicht eine der Obstplantagen von denen man öfter mal hört).
Da wächst etwas und wenn es auch nicht viel oder genug ist, so ist es doch ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn man die Hügel im Hintergrund anguckt, sieht man, wie karg das Land scheint und dass es wenige Bäume gibt. Eines der großen Probleme des Landes, denn hierdurch werden Überschwemmungen häufig verschlimmert und das Land ist stärker der Erosion ausgesetzt. Für die Waldlosigkeit werden meist zwei Gründe genannt: Im Koreakrieg wurden durch Bombardements und den Einsatz von Napalm weite Teile des Landes entwaldet. In der Wirtschaftskrise der 1990er Jahre wurde so ziemlich alles verfeuert was brennbar war. Mit den Folgen beider Ereignisse kämpft das Land noch heute.

 

Wie gesagt: Ich freue mich auf eure Gedanken…

Nordkoreanische Entwicklungshilfe: Von Reis bis Raketen


Werden die Worte Nordkorea und Entwicklungshilfe in einem Satz genannt, dann ist meist recht klar wo die Reise hingeht. Es wird darüber berichtet, dass China mal wieder so und soviele Milliarden/Millionen in dieses und jenes Projekt stecken will, um das Regime zu stützen, oder das Südkorea trotz der bösartigsten Drohungen wieder Desinfektionsmittel, Impfstoffe oder Nahrungsmittelhilfen nach Nordkorea verschifft, oder aber, dass das Atomprogramm des Landes eigentlich nur dazu diene, Hilfen vom Ausland zu erpressen. Kreativere Menschen stellen das Ganze auch mal gerne in den Zusammenhang mit dem Export von Raketentechnologie nach Iran, Nukleartechnologie nach Syrien oder Bunkerbauskills/-experten an Myanmar. Erstaunlicherweise scheint Nordkorea darüber hinaus aber über weitere Fähigkeiten und Technologien zu verfügen, die sich für den „Export“ eignen und in anderen Staaten nachgefragt werden. Da mir in letzter Zeit einige dieser Fälle aufgefallen sind, möchte ich im Folgenden drei Beispiele für technische Zusammenarbeit Nordkoreas mit anderen Staaten aufzählen, die zumindest nicht direkt mit Waffen und Gewalt in Verbindung stehen.

Niemand performt besser als Nordkoreaner..

Hanoi, die Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam feiert in Kürze ihr tausendjähriges Bestehen. Und wie geht man in (den paar verbliebenen) sozialistischen Staaten ein großes Fest? Genau, durch spektakuläre Massenperformances! Vielen werden da die letzten olympischen Sommerspiele, zu denen die Chinesen nicht schlecht aufgetragen haben, einfallen. Noch dicker kann allerdings, wenn es um Massenperformances geht, Nordkorea auftragen. Die veranstalten mit dem Arirang-Festival alljährlich das größte und (wenn auch in vielerlei hinsichtlich bedenkliche, so doch) spektakulärste Massenspektakel der Welt. Daher scheinen sich die Veranstalter der Geburtstagsparty für Hanoi vertrauensvoll an den Vizedirektor der der Abteilung Arirang-Festspiele des nordkoreanische Kultusministeriums, Song Pyong-won, gewandt zu haben. Und natürlich sind die Nordkoreaner ihrem sozialistischen Bruderstaat zur Hilfe geeilt, indem sie eine Delegation unter Leitung des genannten Song, die weiterhin aus Experten in den Bereichen „mass performance, stage design sound and lightning“ bestand, entsandten. Unter anderem sollen im Rahmen der Choreographie Bilder und Wörter mittels farbiger Kartons dargestellt werden. Diese Technik liefert auch beim Arirang Festival immer wieder beeindruckende Bilder.

Die „Videowand“ an der Rückseite hat etwa 20.000 Pixel, die zu nicht-Arirang Zeiten auch als Schulkinder verwendet werden können.

Ob der Iran auch auf diesem Bereich auf nordkoreanische Entwicklungshilfe zurückgreift bleibt unklar.

Herausragende Erfahrungen im Bau von Monumentalstatuen

Auch das nächste Beispiel für nordkoreanische Entwicklungshilfe bezieht sich eher auf die kulturellen Errungenschaften des Landes. In Dakar der Hauptstadt des Senegals baute Nordkorea das „African Renaissance Monument“. Präsident Wade machte sich einerseits die niedrigen Arbeitskosten der nordkoreanischen Arbeiter, vor allem aber die jahrzehntelange Erfahrung Nordkoreas im Bau monumentaler Statuen, zu Nutze. Die etwa 50 Meter hohe Statue soll Senegal zum Spottpreis (zumindest für so ne große Statue, ob das Geld nicht trotzdem sinnvoller hätte verwendet werden können ist fraglich) von 17 Millionen Pfund bekommen haben. Auch in anderen Ländern haben sich nordkoreanische Arbeiter um den Bau ansehnlicher Monumente verdient gemacht. So zum Beispiel in Namibia eine Statue eines Soldaten mit einer AK-47 (im Volksmund auch Kalaschnikow); aber vielleicht war das ja auch der Bonus beim Kauf der Millionsten Waffe aus nordkoreanischer Produktion…

Die können nicht nur nutzlos: Nordkoreanische Reisanbautechnologie erobert die Welt

Aber Nordkorea kann natürlich noch mehr als nur die guten alten (böse Zungen sagen: „überkommenen“) sozialistischen Traditionen zu pflegen. Gestern habe ich einen recht interessanten Artikel auf der Seite der staatlichen malaysischen Nachrichtenagentur Bernama gefunden. Dieser berichtet davon, dass malaysische Bauern bald mit Hilfe nordkoreanischer Technologien in der Lage sein werden, kommerziell Reis anzubauen. Das Projekt, dem fünf nordkoreanische Experten beratend zur Seite stehen, soll auf einem 263 Hektar großen Gebiet umgesetzt werden. Die (nicht näher) genannten nordkoreanischen Technologien würden auch in anderen Ländern wie China, Uganda und den Philippinen erfolgreich angewandt. Auf diesem Gebiet scheint Nordkorea also gewisse Fähigkeiten zu besitzen, die jedoch leider nicht ausreichen, um die eigenen Leute ausreichend zu verpflegen. Vielleicht sollten sich die fünf Experten lieber um den Reisanbau in Nordkorea kümmern. Stattdessen könnte dann der Bautrupp der im Senegal fertig ist, in Malaysia ein monumentales Reiskorn bauen (In Nordkorea dürfte der Bedarf an Monumentalstatuen vermutlich etwas geringer sein, als derjenige an ausreichend Nahrung!) und alle währen zufrieden!

Die Moral? Keine Moral!

Und die Moral von der Geschicht? Scheinbar verfügt Nordkorea durchaus über ein paar Fähigkeiten, die für andere Länder interessant sind, ohne dass man Menschen damit töten könnte. Die Frage der Nützlichkeit für die Menschen bleibt zwar zumindest bei zwei von drei Fällen offen, aber mein Gott was ist den Menschen schon nützlich? Ob es den nordafrikanischen Ländern wohl mehr nützt, wenn wir ein riesiges Solarkraftwerk in ihre Wüst pflanzen und den gewonnen Strom unter dem Mittelmeer durch nach Europa bringen? Aber hey, wir sind die Guten!

Notification of absence.

Achja, eh ich es vergesse. Ich werd mal n paar Tage in Urlaub sein. (Wer wird sich schon die Chance entgehen lassen, die größte Kuckucksuhr der Welt in Natura zu sehen.) Also macht euch keine Sorgen, ich bin weder gestorben, noch reich und berühmt geworden. Und sollte Nordkorea explodieren oder den Weltfrieden ausrufen, dann gibts ja jede Menge andere Quellen mit mindestens genauso zweifelhafter Seriosität, aus denen ihr eure Infos beziehen könnt. Bis die Tage…