Kosten-Nutzen-Rechnung mit Missionar: Warum in Nordkorea in letzter Zeit immer häufiger Missionare verhaftet werden


Vor ein paar Jahren, als Kim Jong Uns Vater Kim Jong Il noch unter den Lebenden weilte, habe ich es mir zur Angewohnheit werden lassen, jedes Mal recht ausführlich zu berichten, wenn die nordkoreanischen Strafverfolgungsbehörden mal wieder einen oder mehrere Ausländer festgesetzt hatten. Das konnte man damals auch recht gut machen, weil solche Geschichten ziemlich selten waren. Namen wie Robert Park, Laura Ling/Euna Lee und Ahjalon Mahli Gomes konnte ich mir deshalb auch noch merken. Aber seit Kim Jong Un auf seinen Vater gefolgt ist, häufen sich solche Fälle deutlich und ich mache mir kaum mehr die Mühe, Statistik über die Verhaftungen zu führen, geschweige denn die Namen zu lernen (naja, ein bisschen überspitzt ist das schon, aber man muss es eben im Verhältnis sehen). Immerhin den Namen Kenneth Bae konnte ich mir noch ganz gut merken. Der begleitet uns ja immerhin schon seit fast zwei Jahren.

Wieder ein US-Amerikaner in Nordkorea verhaftet…

Der Jüngste in einer ganzen Reihe ist der US-Amerikaner Jeffrey Edward Fowle, dessen Festnahme die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA heute bekanntgab.

Bisher fehlen nähere Details. KCNA erklärte nur, dass ein relevantes Organ (wie das immer so schön informationsleer formuliert wird) Fowle festgesetzt habe und nun ermittle, weil:

American citizen Jeffrey Edward Fowle entered the DPRK as a tourist on April 29 and acted in violation of the DPRK law, contrary to the purpose of tourism during his stay

Der amerikanische Bürger Jeffrey Edward Fowle reiste am 29. April als Tourist in die DVRK ein und verstieß – entgegen dem Zweck des Tourismus – während seines Aufenthalts gegen die Gesetze der DVRK

…wieder ein vom Glauben motivierter?

Naja, ich habe zwar fünf Finger, aber ganz so viele brauche ich garnicht, um abzuzählen, was mal wieder hinter der ganzen Sache steckt. Vermutlich war Fowle, wie fast alle die in jüngster Zeit in Nordkorea festgesetzt wurden, nicht nur in touristischer, sondern auch religiöser Mission (das kann man dann gerne wörtlich nehmen) unterwegs. Vermutlich hat auch er auf irgendeine Art versucht, vermutete oder tatsächliche Glaubensbrüder in Nordkorea zu fördern, oder bisher ungerettete Seelen der von ihm präferierten Richtung des christlichen Glaubens zuzuführen. Auf diese Mutmaßung deutet nicht zuletzt der Hinweis auf die „Zweckentfremdung“ des Aufenthaltes hin.

Besorgnis in Pjöngjang

Naja und selbst wenn ich mit dieser Vermutung falsch liege und Fowle sich als Taschendieb, Drogenhändler oder Bilderschänder betätigt haben sollte (zugegeben, die Liste ist nicht erschöpfend und die Sachverhalte unterschiedlich wahrscheinlich), so wirft doch die Tatsache, dass die Verhaftungen vor Fowle fast immer missionarische Tätigkeiten betrafen, doch ein gewisses Licht auf eine gewisse Besorgnis, die in Pjöngjang Raum zu greifen scheint.

Den „Kosten“ der Verhaftung von Tourist…

Scheinbar sieht man unt Kim Jong Un die Gefahr, dass missionarische Aktivitäten die Stabilität des Regimes gefährden könnten. Anders ist das relativ rigide Vorgehen kaum zu erklären, dass der Führung in Pjöngjang zumindest in zwei Bereichen die Arbeit erschweren dürfte:

  1. ist es offensichtlich, dass die Verhaftungen nicht unbedingt geeignet sind, mehr Touristen ins Land zu locken. Auch wenn das nur Leute betrifft, die tatsächlich gegen die Gesetze des Landes verstoßen (was bei deren schwammigen Texten mitunter garnicht so schwer sein dürfte), so dürfte doch bei dem einen oder anderen Abenteuerlustigen die Wahrnehmung hängenbleiben, dass man in Nordkorea schnell mal verhaftet wird und dann für ein paar Jahre im Arbeitslager verschwindet. Das dürfte den Einen oder Anderen am Reiseziel Nordkorea zweifeln lassen.
  2. macht es den Umgang mit anderen Staaten, mit denen man ja auch außenpolitische Ziele verknüpft, nicht unbedingt leichter, wenn deren Staatsbürger kurzzeitig (Australien) oder auch dauerhaft (USA) in nordkoreanischen Gefängnissen verschwinden.

…muss ein Nutzen gegenüberstehen

Diese Kosten scheint der gefühlte Nutzen der Verhaftungen zu überwiegen. Und wenn man sich jetzt mal anschaut, was der Nutzen solcher Verhaftungen sein könnte, dann fällt mir eigentlich nur die Abschreckung von Nachahmern ein. Die Botschaft ist hier: Wenn ihr herkommen und missionieren wollt, kann das ins Auge gehen! (Ob das allerdings bei Leuten, die sich scheinbar zum Teil nichts Tolleres vorstellen können, als in irgendeiner Art zum Märtyrer zu werden, eine sinnvolle Maßnahme ist, das sei mal dahingestellt). Aber wenn man Einbußen im Tourismus und außenpolitische Schwierigkeiten hinnimmt, um potentielle Missionare abzuschrecken, dann scheinen die wohl ein ernsthaftes Risiko für das Regime darzustellen.

Innere Stabilität als übergeordnetes Ziel

Das wiederum passt ganz gut zu meiner These, dass in der aktuellen Phase der Machtkonsolidierung der neuen Führung eigentlich alle politischen Ziele dem Ziel der Herstellung bzw, Erhaltung innerer Stabilität untergeordnet werden. Denn Missionare stellen durchaus ein Risiko für den Alleinherrschaftsanspruch der Führung in Pjöngjang und ihrer ideologischen Glaubensbasis dar. Wer an Gott glaubt, glaubt nicht an Juche. Und wer nicht an Juche glaubt, der ist kein absolut treuer Gefolgsmann. Der Schluss ist einfach: Das Regime muss Glaubensalternativen bekämpfen um der eigenen Stabilität gewiss sein zu können.

Der Umgang mit Missionaren als Indikator für gefühlte Stabilität

Damit könnte man das verschärfte Vorgehen des Systems gegen missionarische Aktivitäten (die es auch schon vor Kim Jong Uns Machtantritt gegeben hatte und die zum Teil vom Regime zumindest nicht scharf verfolgt, vielleicht sogar geduldet wurde (zu diesem Themenkomplex kann ich unter anderem diesen spannenden Artikel von den NK-News-Leuten empfehlen)) als eine weitere Maßnahme zur Sicherung der inneren Stabilität sehen, ähnlich dem Elitenaustausch, der zumindest im Militärischen und Sicherheitssektor ja in den letzten Jahren sehr aktiv und personalintensiv betrieben wurde. Und ähnlich wie im Bereich dieser Personalrotation würde ich auch hier eine Art Marker sehen: So lange diese aggressive Haltung gegenüber Missionaren beibehalten wird, ist sich die Führung ihrer Stabilität noch nicht sicher und wird weiterhin prioritär an der Erhaltung/Schaffung innerer Stabilität arbeiten. Erst wenn sich auch in diesem Feld alles beruhigt, sind ernsthafte Initiativen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Umstände oder der Außenbeziehungen zu erwarten. Also gilt es auch hier abwarten und beobachten.

Von wahrer Nächstenliebe und alten Verträgen: Neues von Wikileaks


Ihr habt vielleicht mitgekriegt, dass Wikileaks sämtliche gut 250.000 dipomatischen Dokumente der USA, die bisher nur stückweise, nach redaktioneller Bearbeitung, bekanntgemacht wurden, veröffentlicht hat. Das finde ich nicht gut, weil hier wirklich Daten einiger Leute zugänglich sind, die ihnen schaden könnten. Ich habe schon ein paar Dokumente gelesen, wo Namen und Teilweise auch Telefonnummern und E-Mail Adressen (wenn auch nicht neu, so trotzdem kritisch) zu finden waren. Das hätte nicht passieren dürfen und war wohl der große Knall, mit dem Wikileaks goodbye sagt. Nichtsdestotrotz sind jetzt sämtliche Dokumente zugänglich und ich werde in nächster Zeit sicher (wem würde es helfen wenn ich es nicht täte) ein bisschen darin stöbern. Ein wenig habe ich das auch schon gemacht und zwei Sachen die ich interessant und wichtig fand, möchte ich kurz vorstellen.

Wahre Nächstenliebe

Das Erste (auch ansonsten interessante) Dokument beschäftigt sich u.a. mit den Aktivitäten christlicher Gruppen im Grenzgebiet und wurde zu der Zeit verfasst, als sich Robert Park gerade auf seinem Welterrettungstrip nach Nordkorea befand. Ich sage nicht mehr dazu, ich glube der Text spricht für sich:

5. Religious contacts in Yanbian said they were initially optimistic that Robert Park was a man of the faith who would martyr himself in North Korea. They said they were severely disappointed that he had left North Korea reportedly singing the praises of DPRK religious freedom. Our Yanji priest said that Robert Park’s actions and the „extremist dialogue“ in his pre-crossing media outreach was just the latest in a long line of attempts by South Korean, Japanese, and Western religious NGOs to gravitate to the PRC-DPRK border with the goal of „helping“ DPRK defectors. He said that the dynamics of missionary funding and donation solicitation drove many of these groups to „manufacture conflict“ with the Chinese authorities in order to tug at the heartstrings of Western- and South Korea-based donors. He cited the NGO practice of locating safe houses and orphanages in not-so-safe and very conspicuous sites overlooking the PRC-DPRK border, so that journalists and foreigners could visit and „sense the danger.“ By comparison, others in the business of moving DPRK defectors tried to locate safe houses in remote areas of Heilongjiang and Inner Mongolia to avoid attention.

Wie gesagt, ich bin nicht gegen ehrlich gemeintes Engagement im Grenzgebiet, aber wenn man sowas liest…für mich sind Leute die so vorgehen keine Christen.

Häh? Keine Ahnung

Der zweite Punkt ist weniger ernst, aber dafür umso kurioser. Ich muss gestehen mir geht es da ähnlich wie den italienischen und amerikanischen Diplomaten. Ich habe keine Idee, was die Nordkoreaner mit dem angefragten Dokument hätten anfangen wollen. Vielleicht war es ja nur für historische Studien…

2. […] THE SECOND REQUEST WAS FOR A COPY OF A 1933 NON-AGGRESSION TREATY BETWEEN ITALY AND VARIOUS CENTRAL EUROPEAN COUNTRIES. WHEN PRESSED A BIT ON THIS SHE WAS UNABLE TO ANSWER IF IT HAD BEEN GIVEN TO THEM JUST YET, OR WHICH COUNTRIES EXACTLY IT APPLIED TO, ALTHOUGH SHE SAID ARCHIVISTS WERE RESEARCHING THE REQUEST. THE GOI IS WILLING TO HELP THE NORTH KOREANS LOCATE A COPY OF THE TREATY, VIEWING IT AS AN OPPORTUNITY TO ENGAGE THE REGIME, ALTHOUGH THEY REALIZE IT IS PECULIAR AND ARE NOT SURE HOW THE DPRK INTENDS TO BENEFIT FROM POSSESSING A COPY. (COMMENT: AN EIGHTY-YEAR OLD, MUSSOLINI-ERA TREATY MIGHT NOT BE THE BEST OPTION IF THE DPRK IS ATTEMPTING TO CRAFT A MODERN NON-AGGRESSION PACT. END COMMENT)

Vielleicht wollte man zu den Sechs-Parteien-Gesprächen schonmal den Vorschlag für einen Nichtangriffspakt mit den USA mitbringen, aber ob dafür Verträge von Mussolini hilfreich sind? Wer eine bessere Idee hat, kann sie gerne kundtun.

Reden ist Silber… Robert Park zu Handlungsoptionen in Nordkorea


Robert Park hat sich mal wieder zu Nordkorea geäußert. Es ist eigentlich nicht der Erwähnung wert, aber seine Spinnereien ärgern mich irgenwie und daher will ich kurz was dazu schreiben. Einen großteil seines mit: „When will we stop the genocide in North Korea?“ überschriebenen Artikels verwendet Park darauf, Kim Jong Ils Regime in das richtige Licht zu stellen. Vermutlich reichen die Stichwörter – Nukleare Bedrohung, – Nazi-Barbarei, – Stalinismus, – Holocaust und – Genozid um dieses Licht zu umschreiben (es ist nämlich mehr die Abwesenheit von Licht, das schwärzeste schwarze Loch reiner Bosheit, ein Wunder dass er Charles Manson nicht noch dazugenommen hat). Achja, eins hab ich noch vergessen. Kim Il Sung haste Gott seit dem Koreakrieg am Meisten:

It is common knowledge among refugees and people who follow North Korea that those discovered to have any kind of faith or religious belief — and their families, to three generations — are executed or sent to concentration camps for life.

Da hab ich irgendwie kürzlich aber was anderes gelesen, von jemandem, der auch aus der religiösen Ecke kommt, aber die Sache ein bisschen differenzierter sieht.

Aber natürlich geht es Park nicht darum, das Regime allein als Hort des Bösen darzustellen. Er will auch zum Handeln aufrufen. Seine Vorschläge sind:

  • An NGO strike. The nongovernmental organizations supporting the genocidal Pyongyang regime must withdraw all support from Kim Jong Il immediately and unambiguously declare their action a protest of the North’s concentration camps, systematic diversion of food aid and mass atrocities.
  • Use our resources effectively. The United States, South Korea, Japan and the rest of the international community must recognize that there is a way to effectively save those in desperate need. It is through the refugees, most of whom still have relatives and friends in the North with whom they are in secret communication. North Korean refugees and their ally organizations must be provided all possible resources.
  • Mass demonstrations. Never have more than 100,000 people gathered to protest the mass atrocities in North Korea. All who object to the genocide must organize, assemble and make their voices heard.

Also wenn ich das richtig verstehe sollen alle NGOs aus dem Land abziehen. Da werden sich aber einige freuen, als Unterstützer eines genozidalen Regimes beschimpft zu werden. Die Leute sollen dann vermutlich verhungern, aber dann kommen sie ja zu Gott. Außerdem sollen alle Ressourcen effektiv genutzt werden, wobei vor allem die Flüchtlinge eine Rolle spielen sollen. Was genau da für eine Idee hinter steht weiß ich nicht. Den Geflohenen Unterstützung zu geben ist keine schlechte Idee, aber alle verfügbaren Ressourcen? Und dann? Sollen sie das an ihre Verwandten schicken und diejenigen die keine Verwandten in Südkorea haben sind geliefert? Oder ist das ein verkappter „Invasion in der Schweinebucht“ Vorschlag, den man als guter Christ so aber natürlich nicht äußern darf? Wie auch immer. Die Sache mit den Demonstrationen ist sicherlich keine schlechte Idee, aber wie die Kims Herrschaft beenden soll weiß ich wirklich nicht.

Ein feiner Menschenfreund der Herr Park. In das Bild passt auch gut, dass er in seinem Artikel ganz zu erwähnen vergisst, dass gerade wieder der Fall eines Leidensgenossen bekannt wurde, der wie er aufgrund seines Glaubens in Nordkorea eingekerkert wurde. Aber was ist schon das Schicksal eines einzelnen gegen den Sieg der göttlichen Allmacht? Also ich weiß nicht, ob ich mich da von einer zutiefst empfundenen Antipathie leiten lasse, aber ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass bei Herrn Park vermutlich schon vor seiner Nordkorea-Aktion einige Synapsen zuviel durchgeschmort waren. Und wenn man das so liest, ist es da immernoch kräftig am bizzeln in seinem Oberstübchen.

Irgendwie mysteriös: US-Bürger seit November in nordkoreanischer Gefangenschaft…und keiner hats gemerkt


Meldungen zufolg befindet sich erneut ein US-Bürger in nordkoreanischer Gefangenschaft. Genauere Details sind bisher kaum bekannt, bzw. sehr schwammig. CNN berichtet unter Berufung auf ungenannte diplomatische Quellen, es handle sich um einen amerikanischen Geschäftsmann koreanischer Herkunft, der bereits im November verhaftet worden und mit einem regulären Visum nach Nordkorea eingereist sei. Der Mann werde (wie in solchen Fällen üblich) konsularisch von der schwedischen Botschaft in Pjöngjang betreut. Mitarbeiter der Botschaft hätten kürzlich Zugang zu dem Mann gehabt und arbeiteten daran, regelmäßig mit ihm sprechen zu können.

Marc C. Toner, dem Sprecher des US-Außenministeriums zufolge dürften keine Informationen über die Person veröffentlicht werden, da keine Freigabe für die persönlichen Daten des Individuums vorlägen. Das geht so weit, dass sogar das Geschlecht im Dunkeln bleiben sollte, allerdings hat sich Toner zweimal verhaspelt, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass es sich um einen Mann handelt. Ansonsten gab er sich die beste Mühe, nur die Informationen, dass es sich um einen US-Bürger handle, dass der von der schwedischen Botschaft betreut werde und dass die USA Nordkorea aufforderten, das Individuum aus humanitären Gründen freizulassen. Toner behauptete man wisse nicht, warum die Person festgehalten werde und wollte auch nicht annäherungsweise Andeutungen machen, seit wann. Ein Reporter fragte nach, ob die alleinige Berufung auf humanitäre Ursachen darauf hindeute, dass der Mann nicht ohne Grund in Gefangenschaft sei, aber Toner behauptete er wüsste nichts (was ich nicht wirklich glauben kann. Am besten ihr lest euch das Pressebriefing selbst durch, hat echten Unterhaltungswert). Auf eine mögliche Rolle Jimmy Carters bei der bevorstehenden Reise nach Pjöngjang angesprochen konnte Toner ebenfalls nicht viel sagen, allerdings bestätigte er, dass Carter ja gut bei solchen Dingen sei und das er mal bei seinen Bossen nachfragen werde.

Diese erneute Festnahme eines US-Bürgers erinnert natürlich auf den ersten Blick an die Fälle Lee/Ling, Park und Gomes. Allerdings auch nur auf den ersten Blick, denn auf den zweiten gibt es keinen Gemeinsamkeiten, außer dass es sich um US-Bürger handelte. In den drei vorhergehenden Fällen wurde die Gefangennahme immer fast unmittelbar bekanntgemacht und es gab Aktivisten auf dem Umfeld der Gefangenen, die auf die Situation aufmerksam machten. Außerdem standen alle vier vorherigen Gefangennahmen im Zusammenhang mit illegalen Grenzübertritten, die Gerüchte deuten hier in eine andere Richtung.

Das Ganze macht den Fall recht mysteriös und wirf weit mehr Fragen auf, als die enge Datenlage Antworten zu bieten hat:

  • Wenn der Mann tatsächlich seit November in Gefangenschaft ist, warum hört die Öffentlichkeit erst jetzt davon? Wussten die US-Behörden selbst auch nichts, oder haben sie es aus irgendeinem Grund geheim gehalten? Und wenn ja, aus welchem?
  • Warum wurde der Mann überhaupt festgesetzt und warum geben die Behörden das nicht bekannt? Ist das auch durch seine Persönlichkeitsrechte geschützt?
  • Was für ein Geschäft kann ein Mann treiben, der fast ein halbes Jahr von seinem Unternehmen fernbleiben kann, ohne dass das einem auffällt?
  • Und eine Familie scheint er auch nicht zu haben. Oder die ist sehr diszipliniert und wartet ein halbes Jahr lang ab, ob die US Behörden ihren Verwandten aus der Gefangenschaft holen. Was für ein Umfeld vermisst jemanden nicht, der nach Nordkorea reist und dann nicht zurückkommt und nichts von sich hören lässt?

Ich muss sagen, das ist alles reichlich geheimnisvoll. Allerdings müssen wir wohl noch abwarten, ob Toner heute bei seinem täglichen Pressebriefing mehr zu sagen hat. Wenn nicht, dann dürfte ich nicht der Einzige sein, der sich diese Fragen stellt und vermutlich werden einige Leute mit besseren Netzwerken auch ein paar Antworten bekommen. Bisher reicht die Spannweite von einemVerwirrten oder Touristen, der sich nicht an die Regeln halten wollte (und keine Freunde und Bekannte hat) über einen Menschen aus der Schattenwelt, dessen Geschäfte schlecht gelaufen sind bis zu einem Spion. Ziemlich sicher kann man sich dagegen sein, dass es sich nicht um einen erleuchteten Aktivisten oder sowas handelt. Ich bin gespannt in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Bevor man darüber nicht mehr weiß, braucht man eigentlich auch nicht weiterzuspekulieren.

Robert Park auf dem Weg der Besserung: Er redet wieder — Sehr viel!


Lange Zeit war es still um Robert Park, dem US-amerikanischen Missionar mit koreanischen Wurzeln, der Ende letzten Jahres nach Nordkorea einreiste, um ein Zeichen der Liebe zu setzen (oder sowas). Nachdem er etwa einen Monat später in die Freiheit entlassen worden war, gab es außer einem, offensichtlich auf etwas seltsamen Wegen zustande gekommenen (und noch in Gefangenschaft entstandenem) Interview mit der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA, eigentlich keine ernstzunehmenden Informationen von Park.

Nun scheint sich sein Zustand soweit gebessert zu haben, dass er über das Erlebte mit den Medien sprechen kann. Die Betonung liegt auf den. Ich bin gestern zufällig über ein Interview mit ihm gestolpert (interessanterweise bei der Falun-Gong Zeitung Epoch Times, aber Park wird sich wohl sagen: „Hauptsache religiös“) und hab dann ein bisschen weitergeguckt. Ohne viel Suchen habe ich vier verschiedene Interviews gefunden, die vor etwa einer Woche innerhalb recht kurzer Zeit entstanden sind. Das mit der Epoch Times (ins Deutsche übersetzt) und der Chosun Ilbo sogar an einem Tag in denselben Räumen. Gerade habe ich gemerkt, dass das Interview mit AP auch in denselben Räumlichkeiten stattfand, nur an einem anderen Tag (andere Klamotten). Außerdem hat er dem Christian Broadcasting Network (mehr muss ich dazu wohl nicht sagen), noch ein Telefoninterview gegeben (ca. 10 Min.), dass man hier nachhören kann.

Und, was hatte Park zu sagen? Eigentlich nicht so viel. Über das Erlebte könne und wolle er nicht sprechen, da die Folter und der Missbrauch zu traumatisch seien (ähnliche Kommunikationsstrategie wie Lee und Ling, nur dass die nichts von Folter und Missbrauch zu berichten hatten). Als er ins Land gekommen sei habe er den Nordkoreanern erzählt, die Amerikaner, die Südkoreaner und Jesus würden sie lieben, um dann ein Kirchenlied anzustimmen. Das Interview bei KCNA sei ihm mit Gewalt abgezwungen worden und man müsse die Bemühungen verstärken, Kim Jong Ils Regime zu stürzen, wofür auch er alles tun werde. Außerdem hatte er bei allen Interviews einen Ordner mit Bildern von hungernden Kindern und so dabei.

Was mir auffiel: Seine Lethargie scheint er abgelegt zu haben, seine Auftritte waren ganzschön energiegeladen und er kann wirklich gut reden. Außerdem scheint er sich im Vorfeld recht genau überlegt zu haben, was er wohl sagen würde. Wie sonst hätte er es wohl geschafft, dass in allen Interviews die fast wortgleiche Aussage:

As a result of what happened to me in North Korea, I’ve thrown away any kind of personal desire. I will never, you know, be able to have a marriage or any kind of relationship

zitiert wird. Naja, wird sich wohl überlegt haben, was am besten passt und das schön auswendig gelernt zu haben. Auf jeden Fall scheint Park die nordkoreanischen Behörden ganz besonders extrem geärgert zu haben mit seinem Liebesgerede. Denn wie man bei dem AP-Interview nachlesen kann, wurden weder Ling und Lee, noch der kürzlich freigelassene Aijalon Mahli Gomes misshandelt, gefoltert oder gar missbraucht. Letzterem wurde von einem Arzt in den USA sogar attestiert, er sei „superbly“ behandelt worden. Aber wie gesagt. Wahrscheinlich sind die Nordkoreaner bei dem ganzen Kirchenlied-Gesinge von Park einfach ausgeflippt…

Welchen Zweck er mit seiner Interview-Offensive verfolgt ist mir noch nicht ganz klar. Anders als Laura Ling scheint Park noch kein Buch geschrieben zu haben, dass neben der Bewältigung des Erlebten sicherlich auch ein nettes Nebeneinkommen bieten würde. Aber mir scheint er auch tatsächlich ein Überzeugungstäter zu sein. Er glaubt an das was er macht, versucht sich jetzt zu einem Märtyrer zu stilisieren und an die Spitze einer „Wir-beten-Nordkorea-kaputt-Kampagne“ zu stellen. Meiner Meinung nach ist das nicht besonders erfolgversprechend (Einen weiß ich schonmal, der sich davon nicht überzeugen lässt. Der Autor von Monster Island scheint Park das ganze Buhei, das er verursacht hat, sowie sein Interview mit KCNA noch nicht so recht verziehen zu haben. (Allerdings hätte er sich die Spekulationen um Parks sexuelle Orientierung gerne sparen können, die sind unnötig und nicht besonders zielführend.)), aber solange Herr Park nicht nochmal über den Tumen rennt, ist ja alles gut…

Nordkorea nutzt Aijalon Mahli Gomes als Verhandlungsmasse


Lange hat man nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem US-Amerikanischen Mann, der im Januar dieses Jahres von China aus die Grenze nach Nordkorea überquert hatte und im April zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Der scheinbar religiös motivierte Gomes war dabei vermutlich dem Vorbild Robert Parks gefolgt, der sich freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft begeben hatte um auf die Menschenrechtssituation dort aufmerksam zu machen, aber nach einigen Wochen Haft wieder freigekommen war und seitdem (zumindest aus der Öffentlichkeit) untergetaucht ist. Da die USA im Fall Gomes scheinbar nicht gewillt waren, sich diplomatisch so weit aus dem Fenster zu lehnen wie das noch bei Laura Ling und Euna Lee der Fall war und Nordkorea Gomes auch nicht einfach so laufen lassen wollte, wie bei Robert Park geschehen, hätte es mich auch nicht überrascht, wenn man für mindestens acht Jahre nichts mehr von Gomes gehört hätte.

Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Und da die Situation auf der Koreanischen Halbinsel gerade besonders angespannt ist, erinnerte sich Nordkorea wohl des besonderen „Humankapitals“ das es da in einem Arbeitslager/Gefängniszelle noch hat und brachte diese „Verhandlungsmasse“ gestern durch eine KCNA-Meldung wieder ins Spiel:

Application of Wartime Law to American Prisoner under Examination

Pyongyang, June 24 (KCNA) — The U.S. is escalating the campaign to put international pressure upon the DPRK while persistently antagonizing the DPRK over the „Cheonan“ case. Such moves have gone beyond the tolerance limit.

The DPRK had already solemnly declared that it would consider the prevailing situation as a war phase and handle all relevant issues according to a wartime law.

An institution concerned is now examining the issue of what additional measure it will take against American Gomes in line with a wartime law. He is serving a prison term in the DPRK for the encroachment upon its sovereignty.

The U.S. government is requesting the DPRK to leniently set him free from a humanitarian stand, but such thing can never happen under the prevailing situation and there remains only the issue of what harsher punishment will be meted out to him.

If the U.S. persists in its hostile approach toward the DPRK, the latter will naturally be compelled to consider the issue of applying a wartime law to him.

Da ist mal wieder „an institution concerned“ (ich wüsste wirklich zu gern, warum sie nicht einfach schreiben welche das ist, aber vielleicht wissen die Leute von KCNA das selbst nicht…) am Werk die untersucht, welche zusätzlichen Maßnahmen gegen Gomes unter Anwendung des Kriegsrechts ergriffen werden können. Aus Pressemeldungen geht hervor, dass die Anwendung des Kriegsrechts bis zu einer Todesstrafe führen könnte. Aber der Text der KCNA-Nachricht ist natürlich recht vage gehalten und es wird darin kein definitiver Beschluss das Kriegsrecht anzuwenden genannt, aber ein mehr als eindeutiger Hinweis ist es trotzdem: „Wenn ihr uns weiter wegen der Cheonan nervt geht es eurem Gomes bald schlecht!“ Die USA scheinen allerdings vorerst nicht gewillt zu sein sich durch die (nicht besonders) unterschwelligen Drohungen Nordkoreas einschüchtern zu lassen. Mehr als Appelle, Politik vom wohlergehen amerikanischer Privatleute zu trennen, war bisher nicht zu hören. Man scheint seine Linie gegenüber Nordkorea weiter beibehalten zu wollen. Allerdings wird es spannend zu sehen sein, ob diese „strategic patience“ auch dann noch als hilfreich angesehen wird, wenn Gomes tatsächlich vor einem nordkoreanischen Kriegsgericht steht, denn soweit wird Kims Regime auf jeden Fall gehen, ob man Gomes dann aber tatsächlich zum Schafott führen wird, steht auf einem anderen Blatt…

Nordkorea verhängt harte Strafe gegen US-Amerikaner


Lange nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem Amerikaner, der aus bisher noch nicht völlig geklärten Motiven (es wird aber vermutet, dass sie denen Robert Parks ähneln könnten) von China aus nach Nordkorea einreisteging. Jetzt gibt es allerdings Neuigkeiten. Und die hören sich nicht gut an. Yonhap berichtet unter Berufung auf KCNA, dass Gomes zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden sei. Weiterhin solle er eine Geldstrafe von 70 Millionen Won zahlen (nach offiziellem Wechselkurs 700.000 Dollar). Das sieht erstmal so aus, als wäre Gomes das „vergönnt“ was Robert Park ursprünglich angestrebt hatte. Aber erinnert man sich zurück an die Causa Ling & Lee, dann fällt einem natürlich ein, dass auch diese Beiden zu einem (mit zwölf Jahren noch etwas längeren) Aufenthalt in einem der berüchtigten nordkoreanischen Lager verurteilt wurden. Jedoch schwebte zur Rettung Medienwirksam Ex-US-Präsident Bill Clinton ein und brachte die Beiden in die Heimat zurück.

Nicht unwahrscheinlich, dass Nordkorea auch in diesem Fall darauf hofft, dass die USA versuchen werden ihren Bürger vor der Haft zu bewahren (unwahrscheinlich finde ich es dagegen, dass Nordkorea Gomes tatsächlich in eins der berüchtigten Gulags sperren wird, die bisher noch kein Westler in Augenschein nehmen konnte). Allerdings ist dieser Fall natürlich etwas anders gelagert, als derjenige Lees und Lings. Immerhin ging Gomes wie Park scheinbar freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft. Würden die USA Gomes einfach so freikaufen wäre das ein fatales Signal. Dass es in den USA eine recht große Zahl von Menschen gibt, die im festen Glauben, das Gott es schon richten wird irgendwelche mehr oder weniger sinnvollen Aktionen starten, ist ja nichts Neues. Für einige dieser Leute könnte es wohl das Zeichen sein die Koffer zu packen und sich nach Nordkorea aufzumachen, würde man Gomes freikaufen. Und dass es für die USA nicht eben angenehm wäre, alle paar Wochen als Bittsteller vor das Regime in Pjöngjang zu treten, um einen eigenen Bürger freizubekommen ist ja klar (Wenn man sich die Geldstrafe anschaut, könnte das für Nordkorea ja sogar noch zu einer neuen Einnahmequelle werden). Daher bin ich mal gespannt, wie die Geschichte um Gomes weitergeht…

Neues aus der Zelle: Im Januar verhaftetem Amerikaner soll der Prozess gemacht werden


Update II (24.03.2010): Die Hinweise verdichten sich, dass Aijalon Mahli Gomes tatsächlich aus ähnlichen Motiven wie Robert Park nach Nordkorea gegangen sein könnte. Angeblich stand er sogar in Kontakt mit diesem, ist gläubiger Christ und war auf Demonstrationen für die Befreiung Parks zu Tränen gerührt. Sein Gang in die Gefangenschaft könnte also von Park inspiriert sein. Da hat der Gute wohl doch mehr Menschen als nur sich selbst Schaden zugefügt. Vielleicht ist auch hier ein Grund für sein anhaltendes Schweigen zu finden.

Update I (23.03.2010): Mittlerweile gibts ein paar Details über Aijalon Mahli Gomes. Er soll 30 Jahre alt sein und in Boston gelebt haben, bis er vor zwei Jahren nach Südkorea ging um dort an einer Grundschule Englisch zu unterrichten. Vermutlich war seine Familie über seinen Verbleib informiert wahrte aber um seine Sicherheit zu schützen Stillschweigen über seinen Verbleib. Gerüchteweise ist weiterhin zu hören, Gomes sei sehr religiös. Aber diese Info kann natürlich auch deshalb stark gemacht worden sein, weil es so gut zur „causa Park“ passen würde. Dementsprechend sieht der Kollege von Free Robert Park Gomes auch bereits in den Fußstapfen Robert Parks. Aber dazu kennt ihr ja meine Meinung

Ursprünglicher Beitrag (22.03.2010): Lange nichts mehr gehört von den Ausländern, die (aus welchen Gründen auch immer) illegal nach Nordkorea eingereist sind. Während ich den Glauben daran das man jemals nochmal was von Robert Park hören wird (das ihm zweifelsfrei zuzuordnen ist) verloren hab, gibts heute nochmal Nachrichten von dem Amerikaner, der Ende Januar von den nordkoreanischen Behörden aufgegriffen wurde und über den bisher nicht mehr als Gerüchte bekannt waren.

Vorweg: Die Informationsbasis ist nur begrenzt besser geworden, aber immerhin. Während Mitarbeiter der schwedischen Botschaft, die US Bürger in Nordkorea konsularisch vertritt, vergangene Woche mit dem Amerikaner sprechen konnten, aber keine Details über seine Person an die Öffentlichkeit gaben, hat die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichten verschiedener Medien zufolge heute bekanntgegeben, bei dem Mann handle es sich um Aijalon Mahli Gomes, der in Boston lebe. Nun solle der 29 jährige vor Gericht gestellt werden, da sein „Verbrechen bestätigt worden sei“.

Erstaunlich finde ich bei der ganzen Sache, wie still es darum bisher geblieben ist. Entweder niemand hat Gomes vermisst, oder seine Angehörigen sind sehr diszipliniert und hoffen so seine Chancen, heil wieder aus der Geschichte rauszukommen, zu erhöhen. Ähnlich still ist es ja ebenfalls um die 4 Südkoreaner die nach Angaben Nordkoreas verhaftet worden sind. Auch hier gabs seit der Meldung keine weiteren Nachrichten. Naja, wir werden sehen was draus wird. Allerdings scheint es unwahrscheinlich, dass Gomes in Reihen der nordkoreanischen Armee gegen die Kapitalisten kämpfen wird (ob er das wirklich wollte, ist natürlich die andere Frage. War auf jeden Fall ein schönes Gerücht.)

Robert Park wurde missbraucht! — Nur von wem?


Ihr erinnert euch sicherlich noch an Robert Park, den jungen Mann der mit hehren Zielen und ohne sinnvollen Plan loszog um die Welt – spezieller Nordkorea – ein Stück besser zu machen und der nach über einem Monat Gefangenschaft in Nordkorea sichtlich angeschlagen und schweigend in die Heimat zurückkehrte. Viele (ich zumindest) haben sich seitdem sicherlich gefragt, wie es Park in Nordkorea ergangen ist und ob er seine Erlebnisse irgendwann mit der Öffentlichkeit teilen würde.

In den vergangenen Wochen sind immer wieder „Neuigkeiten“ aus angeblich informierten Kreisen gedrungen und es war viel von E-Mails die Rede, die einen Auftritt Parks hier, dort oder ganz woanders ankündigten, von der Sorge der Familie oder von Freunden künden, oder vom schlechten Zustand Parks berichten. Diese ganzen Aktivitäten nehmen mittlerweile schon fast „nordkoreanische“ Züge an. Nichts ist nachprüfbar, die Botschaften sind kryptisch und am Ende kommt doch nicht viel mehr als heiße Luft raus. Was dahintersteckt ist natürlich schwer zu sagen und unterstellen will man ja auch niemandem etwas.

Aber für mich hat das ganze einen recht unguten Beigeschmack. Völlig unabhängig davon wie gut oder schlecht es Park geht, was er erlebt hat und was er plant, scheint seine Story mittlerweile von Aktivisten quasi symbolisch genutzt zu werden, um ihre Ziele zu erreichen. Lese ich mir die Beiträge zu diesem Thema durch, springt mir die Heuchelei fast ins Gesicht. Der Mensch Robert Park wird auf dem Altar eines höheren Ziels geopfert. Tolle Christen sind das! (Hm, jetzt hab ich wohl doch jemandem etwas unterstellt! Aber ich konnte wohl nicht anders)

P.S. Ich habe nichts gegen Christen, wohl aber gegen Heuchler, besonders gegen die, die die schwere Last auf sich nehmen, andere für ihre eigenen Ziele zu opfern! Naja, es ist zu hoffen, dass Park noch fit genug ist, erstens aus seiner Schnapsidee nach Nordkorea  zu gehen und zweitens aus dem, was danach kam, seine Lehren zu ziehen und was vernünftiges mit seinem Leben anzufangen…

„Sie zeigten mir Gnade“ – Robert Park kehrt geläutert nach Hause zurück…Sagt Nordkorea


Als ich hörte, dass man Robert Park freigelassen hätte dachte ich, dass er wahrscheinlich genug von Nordkorea hätte und die Nordkoreaner vermutlich auch von ihm. Dann habe ich allerdings die Meldungen gelesen, die KCNA begleitend zu seiner Freilassung herausgegeben hat. Und die waren so bemerkenswert, dass ich nicht anders kann, als etwas dazu zu schreiben. Schon die kurze Meldung die es dazu gab, beinhaltet einiges durchaus humoriges:

DPRK Decides to Release American Trespasser

Pyongyang, February 5 (KCNA) — As already reported, the relevant organ of the DPRK conducted an investigation into Robert Park, an American national who was caught for trespassing on the northern border of the DPRK.

According to the results of the investigation, he trespassed on the border due to his wrong understanding of the DPRK.

The relevant organ of the DPRK decided to leniently forgive and release him, taking his admission and sincere repentance of his wrong doings into consideration.

Hier sehe ich besonders die Wortwahl des letzten Abschnitts als bemerkenswert an. Grob lässt sich das Ganze so übersetzen: Das relevante Organ der DVRK hat entschieden, Milde walten zu lassen, ihm vergeben und ihn freigelassen. Dabei wurden das Eingeständnis seiner Fehltritte sowie seine Bußfertigkeit in Betracht gezogen.

Hm, ein Missionar der bußfertig seine Fehltritte eingesteht und darauf hin Milde und Vergebung erfährt. Ich dachte man beichtet in der Kirche! Aber bei KCNA hört sich das ja glatt so an, als hätte Park das vor dem relevanten Organ der DVRK getan. Für mich klingt das wie ein fieser Scherz. Aber damit nicht genug. Netterweise hat KCNA nämlich auch noch ein Interview mit Park geführt (sagt KCNA jedenfalls. Ob das wirklich so war, wird Park wohl in den nächsten Tagen verlauten lassen.). Und das hat es wirklich in sich:

American Trespasser Interviewed

Pyongyang, February 5 (KCNA) — As already reported, American national Robert Park was detained for trespassing on the northern border of the DPRK in December last year.

He was interviewed by KCNA at his proposal while he was under investigation by the relevant organ of the DPRK.

At the interview, he said that he was taken in by the false rumor spread by the West and committed a criminal act in the end.

He went on to say:

I trespassed on the border due to my wrong understanding of the DPRK caused by the false propaganda made by the West to tarnish its image.

The West is massively feeding „Children of Secret State“, „Seoul Train“ and other documentary videos with stories about non-existent „human rights abuses“ and „mass killings“ in the DPRK and „unbearable sufferings“ of its Christians and the like.

This false propaganda prompted me, a Christian, to entertain a biased view on the DPRK.

So I didn’t know what to do at that time. I just prayed and fasted and that was my initial response, but year by year more news reports, international media reports came and there were more videos saying the same thing, in fact, saying that it was getting worse, and so that’s why I started to become more and more distraught. If there are people in concentration camps, if Christians are dying like this, if there is starvation I have to die with them. If I help them I would go to Heaven but if I don’t help them I would go to Hell.

At last I made up my mind to go to the DPRK.

Upon trespassing on the border, I thought I would be either shot to death by soldiers or thrown behind bars, prompted by Americans‘ false propaganda about the DPRK.

However, the moment I trespassed on the border, the attitude of soldiers toward the trespasser made me change my mind.

Not only service personnel but all those I met in the DPRK treated me in a kind and gentlemanly manner and protected my rights.

I have never seen such kind and generous people.

People have been incredibly kind and generous here to me, very concerned for my physical health as never before in my life. I mean, my family, of course, is concerned about my physical health but people here have been constantly concerned and I’m very thankful for their love.

Another shocking fact I experienced during my stay in the DPRK is that the religious freedom is fully ensured in the DPRK, a reality different from what is claimed by the West.

Being a devout Christian, I thought such things as praying are unimaginable in the DPRK due to the suppression of religion.

I, however, gradually became aware that I was wrong.

Everybody neither regarded praying as something unusual nor disturbed it. I was provided with conditions for praying everyday as I wished.

What astonished me more was that a bible was returned to me.

This fact alone convinced me that the religious freedom is fully ensured in the DPRK.

I came to have stronger belief as I had an opportunity to attend the service in the Pongsu Church in Pyongyang.

I worshipped and there, there was the Jondosa, there, there was a pastor, there was a choir, they knew the hymns, they knew the word of God. That’s why I was completely amazed. But I began to weep and weep in the Christian service because I learned that there are churches and Christians such as Pongsu Kyohoe (Church) in different cities and regions all throughout the DPRK. They worship, pray and preach freely the word of the Bible and Christ word. I’ve learned that in the DPRK people can read and believe whatever they want, whenever they want, wherever they want, that there’s complete religious freedom for all people everywhere throughout the DPRK.

What I have seen and heard in the DPRK convinced me that I misunderstood it. So I seriously repented of the wrong I committed, taken in by the West’s false propaganda.

I would not have committed such crime if I had known that the DPRK respects the rights of all the people and guarantees their freedom and they enjoy a happy and stable life.

I have felt shock, embarrassment, shame. Here I’m in the lands where people respect human rights and, not just respecting human rights, they have actually loved me and showed me more than just human rights. They have shown me grace. I repent and ask for forgiveness to the DPRK for my misunderstanding totally DPRK’s reality and my criminal illegal behavior. Had I known the reality of the DPRK, what I’ve learned here, what I have been shown here, what I’ve been taught here, what I’ve been informed here by all the kind people here about the DPRK, I would have never done what I did on the December 25th and I repent and I’m very sorry.

Prompted by my desire to redeem the crime I committed against the government of the DPRK, I would make every effort to let those who misunderstand the DPRK properly know what I experienced here so they may have a correct understanding of it.

He, as a Christian, expressed his will to earnestly pray so reunification may be achieved and peace settle on the Korean Peninsula as early as possible.

Hm, um das ganze mal in aller Kürze zusammenzufassen: Park ist auf die westliche Propaganda hereingefallen und wollte seinen unterdrückten Brüdern und Schwestern in Nordkorea helfen. Als er jedoch ins Land kam, stellte er fest, dass alle Nordkoreaner schrecklich nett zu ihm waren, dass es überall freie Religionsausübung gibt und seine religiöse Freiheit in Nordkorea vollkommen geachtet wurde. Park war geschockt und beschämt. Die Nordkoreaner achteten nicht nur die Menschenrechte, sie liebten ihn und zeigten ihm mehr als Menschenrechte. Sie zeigten ihm Gnade. Park kehrt geläutert heim und will in Zukunft für die Wiedervereinigung Nordkoreas und eine schnellstmögliche Friedenslösung beten.

Ich weiß nicht wie das Interview zustande kam und ob Park dabei anwesend war (ich wünsche ihm das nicht, ansonsten müsste man sich nämlich auch noch Gedanken machen, wie dieser Sinneswandel zustande kam), aber böseren Spott gibt es wohl nicht (Außer natürlich, Park hat das alles wirklich und in voller Überzeugung gesagt, aber dann wären wir wieder bei Spekulationen über seinen Geisteszustand). Die Verwendung der religiösen Schlagworte „Love“ und „Grace“ wird wahrscheinlich kein Zufall sein und auch ansonsten wird in diesem Interview alles in den Himmel gelobt, was Park mit seiner Einreise in Nordkorea brandmarken wollte.

Wie die ganze Geschichte zu bewerten ist, das werden wir wohl bald erfahren und bis dahin verbleibe ich in starrer Verwunderung über den bösen sarkastischen Humor der KCNA Redaktion.