Nordkorea modernisiert sich! — Zumindest im Netz…


Gestern überraschte mich (und vor mir Bagameri. Vielen Dank für den Hinweis!) die Korean Central News Agency (KCNA) mal wieder mit einer umfassenden Neugestaltung und teilweise inhaltlichen Umstrukturierung ihres Internetauftritts. Damit setzt Pjöngjang sowas wie eine kleine Tradition fort, nach der zum Jahresanfang häufiger mal Neuerungen an den Internetauftritten der Staatsmedien vorgenommen werden. Anfang 2011 ging das Parteiorgan Rodong Sinmun mit ihrer Homepage an den Start und wenig später das Auslandsradio Stimme Koreas. Anfang 2012 beglückte uns die Rodong Sinmun dann mit einem englischsprachigen Auftritt.

Moderne(re) Optik

Der neue Auftritt ist von der Optik her (über vielmehr kann ich eh nicht urteilen, da hoffe ich auf die Computernerds, die sich ja gerne mit technischen Details auseinandersetzen) wesentlich moderner als der alte, was ihn aber noch lange nicht in die Internetmoderne bringt, aber näher ran als zuvor. Hier zum Vegleich die alte und die neu Startseite:

Der alte Auftritt von KCNA sah nicht unbedingt verheerend aus, aber irgendwie nach Marke Eigenbau.

Der alte Auftritt von KCNA sah nicht unbedingt verheerend aus, aber irgendwie nach Marke Eigenbau.

Die neue Startseite erscheint dagegen dirchaus moderner und frischer.

Die neue Startseite erscheint dagegen durchaus moderner und frischer.

Ich will jetzt hier nicht jedes inhaltliches Detail durchkauen, das mir an der neuen Seite aufgefallen ist, aber einiges finde ich dann doch erwähnenswert:

Registrierungsfunktion

Dank Bagameris Selbstversuch weiß ich, dass man sich gefahr- und folgenlos registrieren kann (man kann sich dann einloggen, aber das ändert erstmal nichts am Zugang etc.). Wozu das gut sein soll bleibt erstmal im Dunkeln, aber vielleicht interessiert man sich bei KCNA ja auch dafür, wer die Leser sind. Oder man hat langfristig ein selbsttragendes Finanzierungsmodell im Auge, wer weiß.

Kein Juche Jahr

Auf einen weiteren spannenden Aspekt macht North Korea Tech aufmerksam. Bei den Datumsangaben (in allen Sprachen) fehlt nämlich vollkommen die Juche Zeitrechnung. Stattdessen wird das Datum einzig nach dem weltweit gängigen Kalender angegeben. Zufall ist das jedenfalls nicht, denn im Zentrum der Startseite fliegt momentan auch permanent die 2012 und nicht die 101 ein. Was das zu bedeuten hat? Keine Ahnung. Vielleicht ein einfaches Signal, dass man nach vorne schaut und sich weltoffen geben will. Vielleicht hat es auch eine weitergehende symbolische Bedeutung, zum Beispiel, dass mit Kim Jong Un eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Wer weiß das schon. Ich jedenfalls nicht.

Kim Il Sung und Kim Jong Il verlieren ihre Plätze

Inhaltlich sind mir noch einige weitere Dinge aufgefallen, die etwas bedeuten können, aber nicht müssen. In den Kategorien im Kopf der Seite wurden die Reiter „Life“, „History“ und „Scenic Spots“ ausgemustert. Vor allem fehlen aber die zuvor prominent platzierten „Kim Jong Il’s Activities“, „Kim Jong Il’s Works“, „Kim Il Sung’s Works“ und „Kim Il Sung’s Reminiscences“ jetzt komplett. „Kim Jong Un’s Activities“ hat einen Platz in der Seitenleiste gefunden. Auch die Tatsache, dass Kim Jong Il und Kim Il Sung keine prominenten eigenen Plätze mehr auf der KCNA Homepage haben, könnte man durchaus als eine Hinwendung zur Gegenwart/Zukunft sehen. Als ein bewusstes Signal der Modernisierung. Die berühmte Fettschrift bleibt dagegen allen lebenden und toten Herrschern Nordkoreas erhalten.

Kyodo Banner

Ein anderes Detail, das ich schon immer seltsam fand und für das ich trotz relativ intensiver Recherche keine wirkliche Erklärung finden konnte, war der Link auf die japanische Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß der Seite (die anderen Banner dort gehören zu den nordkoreanische Seiten Naenara, Uriminzokkiri, Rodong Sinmun und Stimme Koreas), das m.E. nicht unbedingt dorthin passte.

Was mich schon immer gewundert hat, war das Banner der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß von KCNA.

Was mich schon immer gewundert hat, war das Banner der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo im Fuß von KCNA.

Dieses Banner findet man auf der neuen Homepage nicht mehr. Vielleicht ist das Banner auch einem Mitarbeiter von Kyodo aufgefallen und man bat, das doch in Zukunft wegzulassen. Oder es gab eine stillschweigende Kooperation, die dann irgendwann beendet wurde. Auch das weiß ich nicht, aber ich muss da ja in Zukunft auch nicht mehr drüber nachdenken.

Searchengine: Optimierung mit Google?

Was mich bis jetzt noch ein bisschen stört, ist das irgendwie seltsam funktionierende Suchwerkzug der Seite. So gibt die Seite für die Suchbegriffe „Jang Song Thaek“ und „Ri Yong Ho“ jeweils nur einen Treffer aus. Im Gegensatz dazu gibt es zu Kim Jong Un insgesamt 111 Trefferseiten mit Ergebnisse seit dem 1.1.2012. Ob die Tatsache, dass zu diesem Termin Kim Jong Il gerade zwei Wochen tot war ein Zufall ist oder das Datum bewusst gewählt ist, das weiß ich nicht, kann aber sein. Vielleicht kann Eric Schmidt von Google Kim Jong Un ja ein bisschen bei der Optimierung des On-Site Suchwerkzeugs beraten, wenn er in den kommenden Tagen/Wochen mit unklarer Mission nach Nordkorea fliegt. Das wäre doch mal eine feine Sache.

Das Logo: Kleine Stilkritik

Zum Schluss noch eine kleine Stilkritik an dem neu designten Medialogo von KCNA.

Das Bild ist unter „Medialogo“ abgelegt.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hatte nur positive Assoziationen. Eine Mischung aus Star Wars und Knight Rider. Keine Ahnung wieso, aber das ist doch mal was…

Radikaler Umschwung?

Wer weiß, wo gerade in unseren Medien alles Mögliche als Zeichen „radikalen Umschwungs“ gelesen wird (Wem außer der FAZ ist es denn bitte neu, dass Nordkorea nach ausländischen Investoren für seine Sonderwirtschaftszonen sucht? Auch wenn mich natürlich brennend interessieren würde, welche deutschen Wissenschaftler alles an dem Masterplan für Nordkoreas Wirtschaft arbeiten. Für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar…) warum sollte dieser Relaunch nicht der erste Schritt in eine völlig neue Zeit sein? Ein paar Schlauen wird die Idee bestimmt kommen.

Nordkoreas Netzoffensive geht weiter: Rodong Sinmun mit englischem Internetauftritt


Kurz möchte ich auf den neuesten Baustein in Nordkoreas internationaler Medien/Propagandaoffensive aufmerksam machen. Wie ich eben bei North Korea Tech gesehen habe, hat die Rodong Sinmun, das Organ der Partei der Arbeit Koreas nach dem koreanischsprachigen nun auch einen englischsprachigen Internetauftritt. Leider kann ich nicht wirklich nachvollziehen, ob alle Artikel der Tageszeitung dort übersetzt werden, oder nur ein Teil, aber es scheint mir, als sei letzteres der Fall. Jedenfalls sind im Archiv Artikel ab dem 1.12.2011 vorzufinden. Die Artikel sind einerseits inhaltlich ähnlich wie bei KCNA gegliedert und andererseits nach den Artikelarten „Editorial“, „article“, „Commentary“ und „Document“. Während in der ersten Gliederung vor allem von KCNA übernommene Inhalte zu finden sind, gibt es unter der zweiten Gliederung fast nur Selbstproduziertes zu lesen, das teilweise auch nicht bei KCNA erschienen ist.

Interessant ist weiterhin, dass ein Teil der Artikel mit Autorennamen gekennzeichnet ist, die nordkoreanische Presse kommt also ein Stück weit aus ihrer Anonymität. Das äußere der Seite ist zwar einfach, aber wie ich finde doch relativ gefällig (mir persönlich gefällt es besser als der Auftritt von KCNA). Ein letzter Punkt ist mir noch aufgefallen, den ich sehr interessant finde: Anders als bei KCNA haben die Führer keine gesonderten Kategorien, sondern Kim Jong Il und Kim Jong Un laufen gemeinsam unter „Supreme Leaders‘ Activities“. Das nenne ich konsequent. Schließlich sind Kim Il Sung, Kim Jong Il und Kim Jong Un eins, da können sie auch in einer Kategorie stecken. Bin gespannt, was als nächstes in englischer Sprache zu sehen ist: Simultan gedolmetschte Treffen der Obersten Volksversammlung? Kim Jong Uns Führerblog? Abwarten…

UPDATE: Rodong Sinmun geht Online — Wohin führt Nordkoreas Netzoffensive?


Update (22.02.2011):Werner hat eben darauf aufmerksam gemacht, dass es ein kurzes „Vergnügen“ war, mit dem Auftritt von Rodong Sinmun. Die Seite war nur an dem Tag, als ich darüber schrieb (und ein paar Tage davor), erreichbar. Wenn einer von euch darüber was weiß, kann er gerne bescheidgeben. Ich werde auch die Augen offenhalten.

Ursprünglicher Beitrag (17.02.2011): E-Papers sind ja nicht unbedingt was Neues und Internetauftritte von Tageszeitungen sind in unseren Breiten Standard. Spannend wird es allerdings, wenn nordkoreanische Publikationen ins Netz gehen, denn damit öffnen sich die Inhalte nordkoreanischer Propaganda für eine wesentlich breitere Lesergruppe. Den Schritt in die Weltöffentlichkeit hat nun Rodong Sinmun, das Organ des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas gemacht. Seit gestern kann man alle Inhalte des Propagandaorgans auf dem Internetauftritt http://www.rodong.rep.kp/ finden. Man kann sich entweder einzelne Artikel auf der Seite anschauen, oder sich das e-Paper im PDF-Format durchlesen. Auf North Korea Tech, durch das ich auf die Seite aufmerksam geworden bin, steht, dass das Archiv bis Anfang dieses Jahres zurückreicht. Als Grundvoraussetzung zur Lektüre des Blattes muss man allerdings der Koreanischen Sprache mächtig sein, denn eine englische Version ist nicht verfügbar. Aus dem Grund kann ich auch nicht wirklich was zu Struktur und Aufbau der Seite sagen.

E-Paper von Rodong Sinmun vom 17.02.2011, Seite 1

Für alle die die sprachlichen Fähigkeiten haben und sich für die interne Propaganda des Regimes interessieren dürfte der neue Internetauftritt aber eine großartige Fundstelle sein. Neben KCNA gibt es nun eine weitere Quelle, die man regelmäßig auswerten kann und die vielleicht einen noch stärkeren Blick auf die Sicht der Partei (ich weiß nicht wo KCNA organisatorisch eingeordnet ist) erlaubt und außerdem eine deutlichere Sicht auf die nach innen gerichtete Propaganda des Regimes gewährt. Denn Hauptadressaten der Rodong Sinmun dürften ja Nordkoreaner sein, was auch das Fehlen eines englischsprachigen Auftritts erklärt. Gleichzeitig wird damit aber die Frage nach dem Zweck des Auftritts aufgeworfen. Sehen wir hier erste Anzeichen, dass das Regime für Teile der Bevölkerung Teile des Internets bereitstellen will? Eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen, denn es wäre eine ungeheure Gefahr für das Regime, aber vielleicht gibt es da einen langfristplan.

Wenn man sich so anschaut, wie eifrig die „PR-Abteilung“ des Regimes in letzter Zeit an der Präsenz im Internet arbeitet, bin ich mal gespannt, was noch für Internetauftritte zu erwarten sind. Eine Organisationsseite der NDC oder des Kabinetts? Eine Fanseite für Kim Jong Un? Kim Jong Il bloggt über seine Sicht der Dinge (Er wäre ja nicht der Erste. Chavez tut es und Ahmadinedjad ist schon wieder drüber weg (obwohl ich seine Inhalte sehr geschätzt habe, irgendwie)? Wir wissen es nicht, aber ich bin gespannt und denke, dass da im kommenden Jahr noch einiges zu erwarten ist.