Kempinski will nordkoreanisches Ryugyong Hotel betreiben — Implikationen und Hintergründe


Wer sich in der Vergangenheit ein bisschen mit Nordkorea beschäftigt hat, der kennt sicherlich das Ryugyong Hotel. Das hat vor allem etwas damit zu tun, dass es wohl kein anders so eindrückliches Foto gibt, das sinnbildlich für den Zustand der nordkoreanischen Wirtschaft und oft auch für das ganze System steht, als die vor sich hin gammelnde Megaruine (ich habe mir die Begriffe gerade selber ausgedacht. Sollte ich damit das geistige Eigentum eines Springer-Autoren verletzt haben, dann geschah das ohne Wissen und Absicht). Dementsprechend fehlte ein Foto von dem Ende der 80er Jahre begonnen und Anfang der 90er abgebrochenen Hotelgroßprojekt auch in annähernd keinem Artikel über das marode Nordkorea.

Das gute alte Ryugyong Hotel wie wir es kannten und liebten. Das perfekte Symbol für ein Land am Boden. (Foto: IsaacMao unter Creative Commons Lizenz: Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0))

Doch was war das? 2009 begann im Nebel des Desinteresses unserer Medien der Weiterbau des Hotels. Mit der Symbolik dahinter konnte sich nicht jeder anfreunden. (Foto: gadgetdan unter CC Lizenz Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-SA 2.0))

Sieht mittlerweile raketenmäßig fertig aus, das ganze. Allerdings nur von außen. Symbolisch wieder bedningt nutzbar. (Foto: Joseph A. Ferris III. unter CC Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0))

Gute Symbole – Schlechte Symbole – Keine Symbole

Als dann die Arbeiten am Hotel wieder aufgenommen wurden, wussten viele Medienvertreter nicht wirklich was damit anzufangen. Das schöne Symbol war dahin und aus der Tatsache, dass es jetzt eine Entwicklung zu geben schien, wollte kaum einer Schlüsse ziehen. Denn eigentlich hätte man das Hotel ja jetzt auch ganz gut als Symbol dafür nehmen können, dass sich was tut in Nordkorea. Hätte man. Wollte man aber nicht. Daher ignorierte man die Veränderungen eben so gut es ging. In den englischsprachigen Medien ist das noch ganz nett erkennbar, denn da hat sich wenigstens der sprechende „Spitzname“ „Hotel of Doom“ überdauern können und dient irgendwie noch als Symbolanker oder so. Naja, man konnte jedenfalls annähernd das Durchatmen in vielen Redaktionen hören, als Ende September klar wurde, dass das Hotel vorerst weiter als blendendes Symbol dienen kann. Damals wurden nämlich Fotos öffentlich, die zeigten, dass von dem Hotel außer der Fassade noch nicht viel fertig ist (innen sieht das noch recht roh aus). Da kann man ja wieder fein was draus basteln: „Jaja in Nordkorea tut sich was… Da werden Potemkinsche Hotels gebaut. Vermutlich sind alle Neuerungen in der Tradition des gepflegten Fassadenbaus entstanden…“

Renommierter Hotelkettenbetreiber will es wagen

Aber gestern kam dann der nächste Tiefschlag für Freunde der Hotelsymbolik. Da verkündete nämlich der Vorstandsvorsitzende der Kempinski AG, Reto Wittwer, dass ein Joint Venture, dass zur Hälfte in den Händen der Luxushotelkettenbetreiber ist (die andere Hälfte gehört der staatlichen chinesischen Tourismusgruppe BTG), mit nordkoreanischen Partnern über den Betrieb des Hotels verhandle. Teile des Hotels könnten bereits Mitte des nächsten Jahres öffnen. Damit sollte auch das triste Innenleben des Hotels bald aufgemöbelt und damit nicht mehr symbolisch verwertbar sein (außer in einer Art, der sich mancher Journalist bisher noch versperrt). Bisher sei aber noch keine endgültige Vereinbarung getroffen worden. Soweit ich das verstanden habe, wollen die Investoren das Hotel nicht kaufen, sondern betreiben, was einerseits natürlich die Investition und damit das Risiko im Rahmen hält, andererseits vermutlich auch dem Willen der nordkoreanischen Partner entspricht.

Mögliche Gründe und Implikationen

Nichtsdestotrotz hat mich die Meldung gestern wirklich überrascht. Kempinski ist einer der renommiertesten Akteure am Hotelmarkt und den hätte ich nicht sobald als Investor in Nordkorea erwartet. Dann schon eher irgendwelche chinesischen Staatsdampfer, die ja nicht wirklich frei entscheiden können. Aber vielleicht ist darin auch ein Teil der Erklärung zu suchen. Denn die Hälfte des Joint Ventures gehört ja mit BTG einem solchen Dampfer. Und wenn der dem ordentlich in China investierten Partner den Vorschlag macht, auch auf dem nordkoreanischen Markt tätig zu werden, dann könnte es Kempinski schwer gefallen sein, diese Avance abzulehnen. Das hieße dann, dass der Deal ein in den sauren Apfel beißen für die Kempinski Leute wäre. Dagegen spricht natürlich, dass Reto Wittwer das Hotel als „Gelddruckmaschine“ beschrieben hat. Es könnte also sein, dass die Kempinskis auch einfach davon überzeugt sind, dass sich Nordkorea nachhaltig öffnen wird und das Pjöngjang bald von zahlungskräftigen Ausländern überschwemmt wird, die mit Kusshand in einem Luxushotel nächtigen werden. Da hat man dann als erste große Kette am Platz natürlich eine Premiumposition. Dadurch, dass nur wenig eigenes Geld eingesetzt wird, wäre der monetäre Verlust bei eienm Fehlschlag außerdem überschaubar (allerdings kann ein Prestigeverlust für eine Marke wie Kempinski ja auch teuer werden).

Plaudern aus dem Nähkästchen.

Herr Wittwer war auch rund um die Bekanntgabe des Vorhabens recht auskunftsfreudig. So berichtete er, dass dem aktuellen Kooperationsplan eine lange Geschichte vorausging. Die Nordkoreaner scheinen ihn schon seit Jahren angebaggert zu haben, doch ein paar hundert Millionen in das Hotel zu stecken. Das schien ihm aber dann wohl doch nicht so „gelddruckmaschinenmäßig“ zu sein, weshalb er dem Ansinnen nicht nachkam. Nichteinmal — und das ist echt interessant — als ihm (nach seiner Aussage) südkoreanische Agenten anboten, ihn, bzw. Kempinski quasi als Strohfirma zur Investition von 500 Mio. US-Dollar in das Hotel zu nutzen. Natürlich ist dieses Angebot nicht unter dem aktuellen Präsidenten Lee Myung-bak, sondern seinem Vorgänger Roh Moo-hyun unterbreitet worden. Sollte das zutreffen (und ich wüsste nicht weshalb sich Herr Wittwer das ausdenken sollte), dann kann man das  (ich tue es jedenfalls) als ziemlich eindeutiges Anzeichen dafür sehen, dass unter Roh (vielleicht auch unter seinem Vorgänger Kim Dae-jung, über den ja einiges dahingehendes bekannt wurde) weitaus mehr Geld von Süd- nach Nordkorea geflossen ist, als offiziell verbucht wurde. Daneben berichtete Wittwer, dass die nordkoreanischen Partner ihm mehrmals ein Engagement im Kumgangsan angeboten hätten. Das habe er jedoch immer abgelehnt, weil es Hyundai-Asan, das das Ressort erschlossen hat und später von den Nordkoreanern an die Luft gesetzt wurde, gegenüber unfair gewesen sei.

Chancen und Risiken auf beiden Seiten

Ich finde es jedenfalls sehr erfrischend, dass Herr Wittwer so fröhlich frei aus dem Nähkästchen plaudert. Ich hoffe er bleibt dabei. Gleichzeitig dürfte das den Nordkoreanern in Zukunft häufiger wiederfahren, wenn die Partnerunternehmen nicht mehr chinesische Staatsfirmen oder westliche Mittelständler sind, sondern selbstbewusste globale Wirtschaftsakteure, die sich zumindest auf Augenhöhe mit den nordkoreanischen Partnern sehen. Das könnte noch mitunter ein unangenehmer Kulturschock werden. Vorerst wäre es ein großer Imagegewinn für das Regime in Pjöngjang, wenn das Ryugyong Hotel tatsächlich von Kempinski mitbetrieben würde. Für Kempinski ist es vorerst eher ein zweischneidiges Schwert. Bei Erfolg wird es ein visionärer und weitsichtiger Schritt gewesen sein, bei Misserfolg werden es alle schon vorher gewusst haben. Aber auch für Pjöngjang könnte sich ein solches Engagement noch zum Bumerang entwickeln. Wenn die Partner nämlich unbequem sind, wird man sie nicht so einfach ohne TamTam aus dem Hotel und dann aus dem Land rausekeln können. Sowas wäre ein ungeheurer Imageschaden, weil sich zeigen würde, dass nicht nur chinesische und südkoreanische Unternehmen bei Geschäften mit dem nordkoreanischen Staat kräftig auf die Nase fallen können, sondern auch westliche. Sowas würde die Investorensuche nochmal erschweren.

Nordkorea im mobilen Zeitalter: Das Handy als Gefahr oder Chance für Pjöngjang


Update II (22.10.2010): Eben habe ich durch zufall einen „Werbespot“ (oder was auch immer) gefunden, der über Nordkoreas Mobilfunknetz berichtet. Ich verstehe zwar nichts aber die Bilder sprechen für sich und das Ganze ist trotzdem interessant anzuschauen.

Update I (04.03): Yonhap berichtet über die öffentliche Erschießung eines Nordkoreaners nachdem ein Mobiltelefon mit chinesischer Sim Karte in seinem Haus entdeckt wurde. Dieses Vorgehen der Behörden belegt, dass die Handynutzung im Grenzgebiet zu China als Bedrohung gesehen und weiterhin radikal bekämpft wird.

Urspünglicher Beitrag (22.02): In unserer heutigen Welt spielen moderne Telekommunikationsmittel eine zunehmend prominente Rolle. Das Mobiltelefon ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Doch während es für uns eher eine Erleichterung im Alltag darstellt, die es uns ermöglicht, Tagesabläufe schneller zu planen und „freie“ Zeiten, z.B. in der Bahn, im Wartezimmer oder wo auch immer effizienter zu nutzen oder noch auf die Schnelle irgendwelche (mehr oder weniger wichtigen) Informationen einzuziehen (ob das begrüßenswert ist oder nicht, sei mal dahingestellt, Fakt ist, dass bei nicht gerade Wenigen ein gewisser Grad von Abhängigkeit zu ihrem Handy besteht), ist seine Bedeutung in anderen Regionen der Welt ganz anders einzuschätzen. Als Beispiel kann man hier den Iran nennen, in dem Handys für die Planung und Dokumentation der Protestveranstaltungen gegen die Regierung eine bedeutende Rolle gespielt haben, aber auch Länder Südostasiens, in denen Mobiltelefone wichtige Träger von SMS-Wahlkampagnen darstellen. Die Nutzung von Mobiltelefonen stellt gerade für solche Regierungen, die ihr Land autoritär regieren ein zweischneidiges Schwert dar. Den wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Chancen durch die Nutzung für die eigenen politischen Zwecke stehen Gefahren gegenüber, die aus der unerwünschten Nutzung von Mobiltelefonen durch Oppositionelle oder zumindest nicht linientreue Individuen oder Gruppen entstehen kann.

Auch in Nordkorea werden beide Seiten dieser Medaille deutlich. Einerseits scheint das Regime die Chancen der mobilen Telefonie für sich selbst und die wirtschaftlichen Entwicklung des Landes erkannt zu haben und versucht diese Potentiale nutzbar zu machen. Andererseits scheinen auch die Risiken nicht verborgen geblieben zu sein, so dass immer wieder scharf gegen die nicht der staatlichen Kontrolle unterliegende Handynutzung vorgegangen wird. Aufgrund dieser Tatsachen habe ich mich heute mal entschlossen, die Fakten über Handynutzung in Nordkorea zusammenzutragen und mich auch ein bisschen mit den Risiken und Perspektiven derselben auseinanderzusetzen.

Entwicklung des Mobilfunks in Nordkorea

Das bestehende Festnetzsystem in Nordkorea ist unter der strikten Kontrolle der Regierung (nicht autorisierte Telefonate werden zum Teil mit drakonischen Strafen belegt, die von Geldstrafen bis zur Einweisung in Arbeitslager reichen können), in großen Teilen veraltet (Verbindungen werden Teilweise noch manuell geschaltet, wie man es in Deutschland höchstens noch aus alten Filmen kennt) und Verbindungen ins Ausland bestehen nur sehr sporadisch (es bestehen direkte Verbindungen in 10 Länder). Für die Möglichkeit zu telefonieren, ohne dass der große Bruder über die Schulter schaut, scheint daher Zugang zur mobilen Telefonie notwendig zu sein. Schon Ende der 1990er Jahre begannen Pläne für die Einführung von Mobiltelefonen in Nordkorea. Jedoch führten die ersten Versuche unter südkoreanischer Beteiligung nicht zuletzt wegen einer Blockadehaltung der USA nicht zum Erfolg (Ein Patent der US Amerikanischen Firma Qualcomm auf CDMA Technologie in Verbindung mit Exportrestriktionen nach Nordkorea diente hier als Grund). Allerdings konnten die USA die Errichtung eines GSM-Netzes  nicht verhindern, da es hier keine hilfreichen Patente gab. Daher wurden seit 2002 Mobiltelefone in der SWZ Rajin-Songbon und der Tourismus Region im Kumgangsan eingeführt. Ab 2003 war Mobilfunk auch in Pjöngjang erhältlich, während zeitgleich an der chinesischen Grenze zunehmend Mobilfunkmasten aufgestellt wurden, die mobiles Telefonieren auch auf nordkoreanischem Gebiet ermöglichten (was offiziell allerdings nicht erlaubt war und ist). Im Jahr 2004 erreichte die Zahl offiziell registrierter Mobilfunknutzer 20.000. Mobiltelefone waren zu dieser Zeit für einen Preis zwischen 1.050 und 1.250 US Dollar zu erwerben, also für das gemeine Volk kaum erschwinglich. Dieses erste Aufblühen des Mobilfunkmarktes fand jedoch im Jahr 2004 ein jähes Ende, als die Nutzung von Handys untersagt und alle registrierten Mobiltelefone konfisziert wurden. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt, doch konstruieren Gerüchte einen Zusammenhang mit der schweren Explosion eines Zuges in Ryongchon (die wiederum von Gerüchten als versuchter Anschlag auf Kim Jong Il bewertet wird (wobei ich das Wort Gerüchte in diesem Fall eher so schreiben würde GERÜCHTE)), weiterhin wird darauf verwiesen, das Regime habe den Verlust der nahezu totalen Informationskontrolle gefürchtet. Die Nutzung des nach Nordkorea reichenden chinesischen Netzes ging allerdings trotz Gegenmaßnahmen der Regierung weiter.

Gute Zeiten für Vieltelefonierer gab es dann erst wieder im Jahr 2008. Nordkorea startete ein Joint Venture mit der ägyptischen Firma Orascom Telecommunications (Es gibt auch noch einen Orascom Hotel und einen Orascom Bau Zweig. Interessant dabei. Vor diesem Geschäft wurden im Rahmen eines anderen Deals nordkoreanische Arbeiter für Projekte des Orascom Bau Zweigs in den Mittleren Osten „verliehen“) bei dem 75 Prozent von Orascom gehalten werden und 25 Prozent die staatliche nordkoreanische Post- und Telekommunikationsgesellschaft. Orascom hat eine 25 Jahre Lizenz für ein GSM-Netz in Nordkorea und Exklusivrechte für vier Jahre. Das Unternehmen wollte bis zu 400 Millionen Dollar (über vier Jahre verteilt) in das Joint Venture investieren und strebte an, in den drei Pilotregionen 100.000 Kunden zu gewinnen. Ab Mai 2008 ging Orascom ans Netz, wozu unter anderem Antennen in den oberen Etagen der jahrelang als Wahrzeichen des ökonomischen Niedergangs Nordkoreas gesehenen Bauruine des Ryugyong Hotels aufgestellt wurden (Wiederum interessant: Mittlerweile wird das Hotel weitergebaut und ratet mal von wem. Genau, Orsacom Construction). (Diese ganzen Fakten hab ich aus einem Paper von Marcus Noland genommen, das ich jedem, der sich für Telekommunikation in Nordkorea interessiert nur empfehlen kann. Runterladen könnt ihr es hier.)

Vor kurzer Zeit kam dann die Meldung, Koryolink (so heißt das Joint Venture zwischen Orascom und Nordkorea) habe 100.000 Kunden gewonnen, wolle weiter expandieren und in den nächsten fünf Jahren „Millionen weiterer“ Kunden gewinnen. Man erwarte eine positive wirtschaftliche Entwicklung in Nordkorea und wolle davon profitieren. Zurzeit biete das Unternehmen nur Text- und Stimmdienste an, doch sei eine Ausweitung des Angebots zum Beispiel durch Auslandsgespräche und Roaming  denkbar. Die Preise für den Zugang sind mit um 200 Dollar zwar niedriger als beim vorherigen Anlauf, doch für Durchschnittsbürger noch immer nahezu unerschwinglich.

Risiken des Mobilfunks und Reaktionen aus Pjöngjang

An der chinesischen Grenze wird die Nutzung von Mobiltelefonen unterdessen mehr und mehr zur Normalität. Die Menschen wickeln Geschäfte über das Handy ab, bleiben miteinander in Kontakt oder informieren Aktivistengruppen wie die Betreiber von Daily NK oder die Good Friends über neueste Entwicklungen. Mittlerweile dringen zunehmende Mengen detaillierter Informationen über solche Kanäle nach außen, was dem Regime in Pjöngjang natürlich ein Dorn im Auge ist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Informationsfluss nicht auf einer Einbahnstraße verläuft und so auch immer mehr Informationen von Außen nach Nordkorea dringt. Weiterhin bestehen über diese Handys auch Möglichkeiten in der Bevölkerung, untereinander Informationen auszutauschen. Diese unkontrollierte Mobilfunknutzung entzieht die Bevölkerung mehr und mehr dem festen Griff des Regimes und ermöglicht zunehmende Eigenständigkeit. All dies führt dazu, dass Pjöngjang verstärkte Gegenmaßnahmen ergreift. So wurden Arbeiter mit dem Angebot eines Straferlasses aufgefordert, ihre Mobiltelefone abzugeben, ansonsten drohten schwere Strafen. In den Grenzgebieten werden Störsender installiert und Sicherheitskräften mit Peilsendern sind unterwegs, um Telefonnutzer zu ertappen. Weiterhin versuchte Pjöngjang (offensichtlich erfolglos) die chinesische Regierung dazu zu bewegen, die Aufstellung von Sendemasten nahe der nordkoreanischen Grenze zu unterbinden.

Während also das offizielle Koryolink Netz zurzeit nicht als Bedrohung gesehen wird, versucht das Regime, die Nutzung chinesischer Mobilfunknetze in der Grenzregion zu unterbinden. Scheinbar wird gerade in der Folge der Währungsreform hier eine Bedrohung gesehen. Auch könnte die Tatsache, dass immer mehr Informationen nach außen dringen, als es dem Regime lieb sein kann, die verstärkte Aufmerksamkeit des Regimes geweckt haben. Hier sind die Vorgänge rund um die Währungsreform sowie die Schweinegrippe als Beispiele zu nennen. Allerdings könnten diese Fakten auch Auswirkungen auf das Koryolink Netz haben, denn hier wird deutlich, wie schnell der Mobilfunk zu einem Verlust der totalen Informationshoheit des Regimes führen kann, was langfristig einen entscheidenden Kontrollverlust bewirken könnte. Da ich natürlich nicht über die konkrete Kontrolle informiert bin, die das Regime über das Koryolink Netz hat, ist es schwer hier Aussagen zu treffen. Jedoch scheinen mir sowohl unkontrollierte und -bare Kontakte ins Ausland wie auch ein unbegrenzter Zugang von Millionen Nutzern nahezu unmöglich. Das Regime in Pjöngjang schaut auch Nachrichten und wird über die jüngsten Vorgänge im Iran informiert sein. Da für das Regime, um mit Marcus Noland zu sprechen „prioritizing political over economic objectives“ ein entscheidendes Leitmotiv der Politik ist, dürfte auch in Zukunft beim offiziellen Mobilfunknetz ökonomische den Sicherheitsinteressen untergeordnet werden. Die Nutzer des chinesischen Netzes werden sich in Zukunft vermutlich noch stärkeren Repressionen und Drohungen ausgesetzt sehen. Und sollte die Stabilität des Regimes ernsthaft bedroht sein, habe ich keine großen Zweifel, dass man in Peking eine Abschaltung des Netzes nahe Nordkorea veranlassen wird. Als Träger von Veränderungen ist der Mobilfunk in Nordkorea zurzeit noch nicht etabliert genug. Bei einer Zunahme der Nutzer können sich hier jedoch durchaus Potentiale entwickeln. Ob die Moderne (in Form des Handys) letztendlich zu Wandel oder Umbruch in Nordkoreabeitragen kann, wird die Zukunft zeigen.

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