Ein Strauß voll Buntes (XI): Chinesische Sanktionsliste, Kubanisches Waffenschiff, Pjöngjanger Metro etc. pp.


Lange keinen bunten Strauß für euch mehr gebunden. Das mag damit zu tun haben, dass ich in den letzten Monaten nicht ganz so gut im Auge hatte, was neues zu Nordkorea geschrieben wurde. Ein Glück, dass ich heute mal wieder schlecht geschlafen habe und euch deshalb nächtens ein schönes Sträußchen binden konnte. Und tatsächlich gibt es ein paar Dinge, auf die ich euch mit Freuden aufmerksam mache.

Bitte auf das Bild klicken, um zu den anderen bunten Sträußen zu kommen...

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Rüdiger Frank: Deutsche und englische Aufsätze

Anfangen möchte ich mit Rüdiger Frank. Der hat löblicherweise mal zur Abwechslung was auf Deutsch geschrieben, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Für den Asia Policy Brief der Bertelsmann Stiftung hat er in „Zwischen atomarer
Aufrüstung und Wirtschaftspragmatismus: Nordkorea im Wandel?“
die Entwicklung Nordkoreas unter Kim Jong Un zusammengefasst und analysiert. Wie meistens bei Frank bilden wirtschaftliche Aspekte einen großen Teil des Aufsatzes aber auch die Nachfolgemethoden Kim Jong Uns und ideologische Veränderungen werden betrachtet. Abschließend plädiert er, wie immer (und wie immer mit meiner vollen Zustimmung), für einen kooperativeren Umgang mit Nordkorea, der die Kräfte der wirtschaftlichen Freiheit im Land fördert und so Wandel induziert.
Daneben hat er auch mal wieder (leider nur in Englisch) seine neuesten Eindrücke von Besuchen in Nordkorea geschildert und zeichnet weiterhin das  Bild eines Wirtschaftssystems im Wandel. So sieht er beispielsweile mittlerweile neben der anhaltenden Entstehung von Verkaufsständen in Pjöngjang auch Veränderungen in anderen großen Städten des Landes. Unternehmen werben mit Marken für sich, Kreditkarten werden häufiger und neue Produkte werden eingeführt. Laut Frank sieht man eine entstehende Mittelschicht. Wie immer sind die beiden Berichte interessant zu lesen, weil sie mit unmittelbaren Beobachtungen angereichert sind und trotzdem zu theoretisch fundierten Aussagen führen.

Den deutschsprachigen Aufsatz werde ich wie immer zu der Seite Deutschsprachige Quellen und jüngere akademische Literatur hinzufügen.

Chinas Sanktionsliste

Vor einigen Tagen wurde in den Medien viel über die Liste Chinas geschrieben, die die Güter beinhaltet, die wegen der Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea nichtmehr dorthin exportiert werden dürfen. Den Sachverhalt fand ich durchaus spannend (eindeutiges Signal an Nordkorea! Politikänderung?) aber erstens hatte ich keine Zeit und zweitens zu wenig Ahnung das zu bewerten. Deshalb finde ich es Prima, dass es vom Nautilus Institute jetzt eine Analyse dazu gibt, die sowohl den Inhalt der Liste, als auch die Tatsache, dass diese Liste erstellt wurde (und wie, denn das muss auf oberster politischer Ebene passiert sein) bewertet. Das ist prima, denn die Leute von Nautilus haben Ahnung. Also lest hier nach, wenn euch der Sachverhalt interessiert oder ihr euch die komplette Liste mal anschauen wollt.

Das Waffenschiff aus Kuba. Ein paar neue Infos

Ein weiteres Thema, das wirklich spannend ist, ist die Geschichte um das nordkoreanische Schiff, das mit kubanischen Waffen an Bord im Panamakanal aufgebracht worden ist. Dazu gab es vor ein paar Tagen ein Hearing vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es waren drei Sprecher geladen. Davon hat einer ein sehr spannendes Statement abgegeben und zwei, naja, solala. Solala war einerseits Mary Beth Nikitin, die sich zwar mit der Materie Nordkorea und Proliferation prima auskennt, die aber irgendwie nicht viel zu sagen hatte. Andererseits fand ich auch Maria C. Werlaus Stellungnahme eher so mittelmäßig. Das mag mit ihrem Hintergrund zusammenhängen, denn die Dame arbeitet für so einen Free-Cuba-Verein und dementsprechend geht es ihr hauptsächlich darum, zu beweisen wie bösartig und was für ein fieser Wolf im Schafspelz Kuba doch ist, um Nordkorea geht es ihr nicht so wirklich.
Wirklich spannend dagegen fand ich die Aussage Hugh Griffiths vom Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Er analysiert er nochmal eingehend die auf dem Schiff gefundenen Güter und kommt zu dem Schluss, dass die Behauptung Kubas, der Kram sei zur Reparatur nach Nordkorea geschickt worden, totaler Nonsens sei. Weiterhin mutmaßt er u.a. auf Basis der Frachtdokumente, dass die Waren unter Anwesenheit einer hochrangigen nordkoreanischen Militärdelegation verschifft worden seien. Ein weiterer Anhaltspukt dafür sei die Anwesenheit des nordkoreanischen Luftwaffenchefs, Ri Pyong-chol, des Hauptaufgabe im Einkaufen von Ersatzteilen zu bestehen scheint. Am spannendsten finde ich aber die Schlussfolgerungen über die nordkoreanisch-kubanische Proliferationsbeziehung. Denn der Modus des Schmuggels lege die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein lange eingeübtes System handle, so Griffith.

Rodmans Nordkorea-trip. Doch nicht nur Boulevard

Eigentlich garnicht spannend fand ich die Reise von Dennis Rodman nach Nordkorea. Dass sich das ein kleines Stück weit geändert hat, dafür hat Daniel Pinkston von der International Crisis Group gesorgt. In seinem Blogbeitrag geht er nämlich darauf ein, dass Rodmans reisen durchaus den Startpunkt für zivilgesellschaftliche Kontakte in Nordkorea bilden könnten und damit langfristig zu einer mentalen Öffnung der Bevölkerung beitragen könnten. Stimmt schon, aber ob man dafür unbedingt so ein TamTam machen muss?

Internetseite zur Metro von Pjöngjang

Nicht eben neu, aber trotzdem spannend finde ich eine Internetseite, die ich irgendwie bisher immer übersehen habe. Kann sein, dass einige von euch sie schon kennen, aber ein paar vielleicht nicht und die finden das möglicherweise spannend. Worum sich die Seite „The Pyongyang Metro“ dreht, das könnt ihr euch wohl selbst denken. Aber die Infos, die der Autor da zusammengetragen hat sind so vielfältig und interessant, dass ich dachte, ich weise mal darauf hin. Immerhin gibt es beispielsweise auch jede Menge schöne Fotos von der Verladung der Berliner U-Bahn-Züge und so.

Den Link zu dieser Seite werde ich wie immer der Seite Links zur Selbstrecherche hinzufügen.

Seminar am 11./12.10

Und zum guten Schluss nochmal der Hinweis auf die Veranstaltung „Die deutsche Wiedervereinigung – ein Modell für Korea?“ in der Point Alpha Stiftung Geisa (nähe Fulda). Das relativ günstige zweitägige Seminar bietet ein paar durchaus interessante Referenten und das Thema finde ich auch höchst spannend. Der Preis ist mit 80 Euro (wenn man übernachtet, sonst 60) im Rahmen. Ich hab mein Anmeldeformular auf jeden Fall am Freitag eingeworfen, vielleicht hat ja auch einer von euch Lust zu kommen.

Neue Sicherheitsratsresolution und Nordkoreas Reaktion — Warum der Zusammenhang zwischen Worten und Taten sehr begrenzt ist.


Hm, ich bin heute ein bisschen müde, hatte aber Lust was zu schreiben, weil ich das Thema spannend fand. Das heißt, dass ich ziemlich viele Gedanken ziemlich knapp gefasst habe und dass vielleicht ein paar Sprünge im Text sind. Ich hoffe aber, dass trotzdem alles verständlich und nachvollziehbar geblieben ist. Wenn nicht, Kritik und Nachfragen gerne an mich.

Heute hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erneut eine Resolution gegen Nordkorea erlassen und damit bestehende Maßnahmen verschärft und einige neue in Kraft gesetzt. Mit Resolution 2094 wurde einiges in Kraft gesetzt, das dem Regime nicht schmecken kann. Immer schärfer zielen die Sanktionen nicht mehr nur direkt auf die Beschaffung und den Transfer von Gütern zur Fortsetzung der Nuklear- und Raketenprogramme und den Handel mit Waffen, zur Finanzierung der Programme, sondern auch auf Bereiche, die im weiteren Sinn für die Programme wichtig sind:

  • Erstmals rückt dabei deutlich der Transfer von Finanzmitteln in den Blick. Einerseits werden die Staaten aufgefordert, die Gewährung von Finanzdienstleistungen zu verhindern, die irgendwie den nordkoreanischen Programmen zugutekommen könnten. Wenn man nun aber einerseits die Natur des Geldes betrachtet (es kann zum Erwerb von allem möglichen eingesetzt werden) und andererseits die Natur des nordkoreanischen Wirtschaftssystem (es gibt keine Privatwirtschaft im eigentlichen Sinne), dann frage ich mich, welche Finanzdienstleistungen nicht irgendwie den nordkoreanischen Programmen zugutekommen könnten. Kurz: Streng ausgelegt kann Nordkorea damit nicht mehr wirklich Finanztranskationen vornehmen. Vor allem, weil andererseits auch der Transport großer Mengen von Bargeld ins Blickfeld der Sanktionen gerückt ist. Staaten sind aufgefordert solche Transfers, auch durch Geldkuriere zu verhindern.
  • Die Diplomaten Nordkoreas sind ins Radar der Resolutionen geraten. Sie werden als mögliche Unterstützer des Nuklear- und Raketenprogramms benannt und die Staaten werden aufgefordert, nordkoreanische Diplomaten im Auge zu behalten. Dass dieser Aspekt nicht unbedeutend ist, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass im Verfassungsschutzbericht der BRD regelmäßig darauf hingewiesen wird, dass in der nordkoreanischen Botschaft in Berlin eine diplomatisch getarnte Residentur des Büros für Allgemeine Aufklärung existiert, das dem Verteidigungsministerium untersteht, die exklusiv mit Beschaffung von Technologien und Know How fürs Militär befasst ist. Dieser Mitarbeiter wird es in Zukunft in seinem Job wohl noch ein bisschen schwerer haben.
  • Ich weiß nicht genau, inwiefern für diese Mitarbeiter auch eine andere Neuerung in Resolution 2094 zutrifft, aber nach meiner Wahrnehmung dürfte das der Fall sein. Staaten sind nämlich aufgefordert, nordkoreanische Individuen, die nach ihrer Bewertung in irgendeiner Art gegen die Resolutionen des Sicherheitsrates verstoßen oder Individuen oder Entitäten unterstützen, die unter die Sanktionen des Sicherheitsrates fallen, nach Nordkorea auszuweisen, wenn sie ihr Territorium betreten. Für den oben genannten Residenten hieße das wohl, dass er entweder freiwillig nach Hause fährt, sich ein neues Berufsprofil sucht oder in der Botschaft eingesperrt ist.
  • Zwar wurden auch die Regeln für die Untersuchung und Überprüfung von verdächtigen Schiffen und Flugzeugen ein weiteres Mal verschärft, aber da als Voraussetzung für die Durchsuchung weiterhin „glaubwürdige Informationen“ über illegale Fracht genannt werden, ist dieser Teil der Sanktionen weiterhin der Auslegung der jeweiligen Staaten überlassen (Was sind denn glaubwürdige Informationen? Wenn die CIA einen Tipp gibt?).

Alles in allem kann ich mir durchaus vorstellen, dass man die neue Resolution in Pjöngjang schmerzhaft spüren wird. Dass man den Inhalt der Resolution nicht gut fand, hat man ja auch schon durch allerlei präventive Drohungen zu verstehen gegeben. Am Dienstag drohte man die Aufkündigung des Friedensvertrages mit Südkorea von 1953 an und heute einen Präemptivschlag gegen die Stützpunkte der USA. Und das dürfte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein:

Nungut, das Außenministerium hat sich heute schon geäußert, aber der Standardchoreographie steht dem Außenamt Nordkoreas das erste Wort zu, wenn es mal wieder eine UN-Resolution gegen Nordkorea gab, wir werden morgen sehen, ob das Außenamt nochwas zu sagen hat, ich gehe mal davon aus. Auch die Nationale Verteidigungskommission hat normalerweise was zu sagen, das sich spektakulär anhört und bei Bedarf bläst auch noch das Komitee für die friedliche Wiedervereinigung des Vaterlands eine Drohsalve raus. Naja, vor der letzten Resolution gegen Nordkorea (2087) hatte jede der genannten Körperschaften eine eigene Drohung auf Lager. Deshalb können wir uns in den nächsten Tagen wohl auf was gefasst machen.

Weil diese Drohungen mit nuklearem Erstschlag etc. natürlich sehr drastisch klingen und ein nuklearer Erstschlag aus Nordkorea mein Blog relativ schnell obsolet machen würde (mangels Substanz, dann im wahrsten Sinne), habe ich mir ein bisschen Gedanken darum gemacht, wie glaubwürdig diese und andere Drohungen sind. Meiner Meinung nach sind sie garnicht glaubwürdig. Kim Jong Un mag Basketball und gutes Essen, er sucht wohl eher nicht nach einem zweifelhaften Heldentot (das gilt vermutlich für die gesamte Führungsriege in Pjöngjang). Da eine Umsetzung der jüngsten Drohungen sicher zu einem solchen Heldentot führen würde, dürfte das ausgeschlossen sein. Aber was für ein Zusammenhang besteht dann im Falle Nordkoreas zwischen Drohungen und Taten? Hm, in mir ist die Wahrnehmung gewachsen, dass der Zusammenhang nicht besonders groß ist. Ganz einfach gesagt tut Nordkorea nichts, das es vorher nicht angedroht hat, aber auf eine Tat Drohung folgt bei weitem nicht immer eine Tat (man stelle sich vor, wie oft andernfalls Seoul schon in Schutt und Asche gelegt worden wäre…).

Bei der Analyse von Nordkoreas „Provokationen“ hört man ja öfter mal das Wort „Eskalationszyklus“ und eigentlich finde ich das Wort ganz gut. Ein Zyklus so wie ich ihn sehe beinhaltet sowohl Worte als Taten und irgendwie gibt es eine Art kreisförmiger Verlauf, der aber nicht zwangsweise in eine Art spirale mündet, sondern auch an einer Stelle immer einen Ausweg für Pjöngjang beinhaltet. Und an diesem Punkt sind wir bald wieder angekommen. Erstmal will ich aber ganz kurz und schematisch den Zyklus darstellen:

  • Am Anfang steht eine Ankündigung/Androhung.
  • Diese wird umgesetzt (oder nicht).
  • Darauf erfolgt eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft.
  • Nordkorea reagiert mit Ankündigungen/Androhungen.
  • Diese werden umgesetzt oder nicht.

Nach den Drohungen besteht immer die Möglichkeit, den Worten Taten folgen zu lassen. Je nach politischer Zielsetzung tut man dies, oder auch nicht. Wenn keine Taten folgen, steht die Tür offen für einen anderen Zyklus, den diplomatischen Zyklus. Aber das ist hier nicht mein Thema. Hier geht es erstmal darum, dass es jetzt ein paar Tage mit wilden Drohungen geben wird und sich dann zeigen wird, ob Pjöngjang sich dafür entscheidet, aus den Eskalationszyklen auszusteigen. Wir werden sehen, aber ich hoffe, dass die nordkoreanische Führung jetzt erstmal genug Belagerungsgefühl und Bedrohungswahrnehmung geschaffen hat, um für interne Stabilität zu sorgen und das kein neuer Eskalationszyklus anfängt.

Juche-Rakete-redux: Nordkoreas Unha-3 besteht weitgehend aus nordkoreanischen Teilen — Warum ein näherer Blick trotzdem lohnt.


Kurz möchte ich euch von der Analyse der Teile der nordkoreanischen Unha-3 Rakete berichten, die die südkoreanischen Behörden bergen und analysieren konnte. Die Rakete hatte im Dezember erstmals (auch wenn die nordkoreanische Propaganda da anderes behauptet) erfolgreich einen nordkoreanischen Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht, was einen großen Erfolg für das nordkoreanische Raketenprogramm und damit für das Regime in Pjöngjang bedeutete (zumindest ein Bereich in dem man weiter ist als der Süden). Für diesen Erfolg interessierte man sich natürlich auch in Seoul und andernorts und sammelte deshalb fleißig den Schrott ein, der vor der südkoreanischen Küste trieb. Es gibt einige recht detaillierte und recht spannende Analysen, die aus dem Schrott Rückschlüsse über das nordkoreanische Raketenprogramm ziehen. Da ich aber im Gegensatz zu den Autoren weder im Waffenkontrollgewerbe noch in der Raketentechnik unterwegs bin, solltet ihr euch für nähere Infos vertrauensvoll bei Arms Control Wonk [1] [2] und auf All Things Nuclear umsehen (und vergesst nicht die Diskussionen unter dem Artikel anzugucken. Die sind gerade auf solchen Fachblogs immer unglaublich spannend und bereichernd).

Ähnliche Analysen wie dort dürften auch in der südkoreanischen Agency for Defense Development abgelaufen sein und die wurden jetzt für die Medien und Laien wie mich in verständliche Sprache übersetzt und lieferten durchaus spannende Ergebnisse. Leider habe ich den Bericht an sich nicht finden können, sondern nur das, was die südkoreanischen Medien daraus gemacht haben, aber auch das ist schon spannend. Denn tatsächlich scheint die Rakete weitgehend aus nordkoreanischen Teilen zusammengesetzt zu sein. Was die Technologie angeht weiß man ja, dass verschiedene weiterentwickelte Komponenten ausländischer Raketen (z.B. der russischen Scud, die die Nordkoreaner irgendwann vor Ewigkeiten (weiß nicht mehr genau aber ich glaube in den 70ern oder 80ern des letzten Jahrhunderts) bekamen und seitdem fleißig weiterentwickelt haben) die Basis für die Unha bilden. Nichtsdestotrotz kann das Ganze scheinbar jetzt weitgehend mit eigenen Teilen realisiert werden.

Weitgehend, weil durchaus noch einige ausländische Teile verbaut wurden. Allerdings waren das keine kritischen Raketenteilen sondern eher „Alltagselektronikartikel“ die man auch für allerlei anderes nutzen kann (z.B. ein Thermometer). Die Teile kamen aus China und vier Europäischen Ländern, zu denen die Schweiz und Großbritannien gehören sollen. (Upsa!) Aber wie gesagt: Es sind keine kritischen Teile und sie unterliegen deshalb auch keinen Sanktionen. Daher ist erstmal auch nichts gegen den Export nach Nordkorea zu sagen. Dort hat man die Sachen vermutlich im Ausland gekauft, weil der Import billiger ist als der Eigenbau. Da geht man dann ein bisschen flexibler mit Juche um. Die Unha ist also scheinbar sowas wie eine Juche-Rakete-Redux. Fast alleine gebaut. Allerdings wüsste ichtrotzdem mal gerne, aus welchen weiteren europäischen Staaten die Teile kamen. Selbst wenn sie vollkommen legal exportiert wurden, kann man daraus schließlich einige Rückschlüsse darüber ziehen, wo in Europa beschafft wird. Dazu fällt mir dann natürlich ein, dass in der nordkoreanischen Botschaft in Berlin ein Dienstposten stationiert, dessen Aufgabe die Beschaffung für das nordkoreanische Waffenprogramm ist. Und der wird nicht große nur nach illegalen Gütern suchen. Wer weiß, vielleicht steht deutsche Wertarbeit auch in Nordkorea hoch im Kurs. Das wäre doch mal ne potentielle Wirtschaftsbeziehung, wo auch die Leute von SpOn richtig was zu recherchieren hätten.

Bis ich hier angefangen habe zu schreiben habe ich auch nicht wirklich über weitere Implikationen der Story nachgedacht, aber wo ich jetzt gerade so am schreiben dran bin, fällt mir was auf: Soll nicht heute oder morgen eine neue Resolution des UN-Sicherheitsrates erlassen werden und sollen nicht in diesem Zusammenhang die bestehenden Sanktionen nachgezogen werden? Doch, das ist doch so. Da ist es doch passend, wenn vorher noch ein paar dual-use-Güter identifiziert werden, die man unbedingt sanktionieren muss. Z.B. Thermometer. Ok: Die Dinger braucht man jetzt nicht nur zum Raketenbau, sondern auch zum Acker- Backofen- und was weiß ich noch alles -bau. Naja, aber man darf nicht exportieren, was die Nordkoreaner zum Raketenbau brauchen, also Sanktion drüber. Da wäre es doch garnicht mal so abwegig, dass die zeitliche Koinzidenz zwischen der Einigung der USA und Chinas über Sanktionen und dem Erscheinen des Berichts über die Rakete nicht unbedingt ein Zufall war. Vielleicht zielte man damit auf die Verschärfung der Sanktionen und die Listung weiterer dual-use-Güter ab.

Dumm ist nur, wenn man diesen ach so smarten Ansatz weiterdenkt, dürfte man eigentlich garnichts mehr nach Nordkorea exportieren. Warum? Naja, erstmal ganz allgemein: Es darf nichts nach Nordkorea exportiert werden das später als Waffe dienen könnte. Und nach der Logik mit dem Thermometer kann auch so ziemlich alles dual-use-mäßig zur Waffe umfunktioniert werden. sah ich nicht kürzlich mal die Arbeiter und Bauernwehr auf einer Parade ihre Flaks oder was auch immer mit Traktoren ziehen? Die sollte man schonmal sanktionieren. Ach und habe ich nicht kürzlich was von nem Hammermord in Hintertupfing gelesen? Keine Hämmer für Nordkorea. Und ach übrigens. Kann man überhaupt irgendwann sicher sein, dass die Nordkoreaner aufhören diese Raketen zu bauen, solange sie leben? Am besten also eine Nahrungsmittelblockade und den ganzen Laden aushungern. Und schon haben wir mittels smarter Sanktionen ein schweres Problem gelöst. Naja, aber sind ja alles dual-use-Güter…

Alte Bekannte: Pak To-chun und Amroggang Development Banking Corporation auf der neuen Sanktionsliste der EU


Ein bisschen (oder vielmehr vollständig) hinter dem Tod Kim Jong Ils zurückgetreten ist die Tatsache, dass die EU Kommission am 2o.12. letzten Jahres die Durchführungsverordnung Nr. 1355/2011 zur Änderung der Verordnung Nr. 329/2007 des Rates über restriktive Maßnahmen gegen die Demokratische Volksrepublik Korea erlassen hat. Diese Durchführungsverordnung nimmt einige Ergänzungen im Anhang V der Verordnung Nr. 329/2007 vor. Klingt alles nicht besonders spektakulär, aber kann in der Konsequenz sehr weitreichende Folgen haben. Denn Anhang V regelt, welche Personen, Unternehmen und Banken den folgenden Restriktionen unterliegen (nach Verordnung (EU) Nr. 1283/2009 des Rates, die ebenfalls Verordnung Nr. 329/2007 änderte):

Artikel 6

[…]

(2) Sämtliche Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen, die Eigentum oder Besitz der in Anhang V aufgeführten Personen, Organisationen und Einrichtungen sind oder von diesen gehalten oder kontrolliert werden, werden eingefroren. In Anhang V werden die nicht von Anhang IV aufgeführten Personen, Organisationen und Einrichtungen aufgeführt, die gemäß Artikel 4 Absatz 1 Buchstaben b und c des Gemeinsamen Standpunkts 2006/795/GASP nach Feststellung des Rates

a) für Nordkoreas Nuklearprogramme oder seine Programme für andere Massenvernichtungswaffen oder für ballistische Flugkörper verantwortlich sind, sowie die Personen und Einrichtungen, die in ihrem Namen oder auf ihre Anweisung handeln, sowie Einrichtungen, die sich in ihrem Besitz befinden oder unter ihrer Kontrolle stehen, oder

b) Finanzdienste bereitstellen oder die Gelder, andere Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen, die für
Nordkoreas Nuklearprogramme oder Programme für andere Massenvernichtungswaffen oder für ballistische Flugkörper verwendet werden könnten, in oder durch das Gebiet der Union oder vom Gebiet der Union aus transferieren oder die solche Gelder, andere Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen unter Mitwirkung von Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten, von nach dem Recht der Mitgliedstaaten gegründeten Einrichtungen oder von im Gebiet der Union befindlichen Personen oder Finanzinstituten transferieren, sowie Personen oder Einrichtungen, die in ihrem Namen oder
auf ihre Anweisung handeln, und Einrichtungen, die sich in ihrem Besitz befinden oder unter ihrer Kontrolle stehen.
Anhang V wird in regelmäßigen Abständen, mindestens aber alle zwölf Monate überprüft.

(3) Die Anhänge IV und V enthalten, soweit verfügbar, Angaben zu den darin aufgeführten natürlichen Personen, damit die betreffenden Personen identifiziert werden können. Diese Angaben können Folgendes umfassen:

a) Nachname und Vornamen, einschließlich gegebenenfalls Aliasnamen und Titel;

b) Geburtsdatum und –ort;

c) Staatsangehörigkeit;

d) Reisepass- und Personalausweisnummern;

e) Steuer- und Sozialversicherungsnummern;

f) Geschlecht;

g) Anschrift oder sonstige Informationen über Aufenthaltsorte;

h) Funktion oder Beruf;

i) Datum der Aufnahme in die Liste.

Zudem werden in den Anhängen IV und V die Gründe für die Aufnahme in die Liste, beispielsweise die berufliche
Tätigkeit, genannt: In den Anhängen IV und V können die in diesem Absatz genannten Angaben zur Identifizierung auch über die Familienmitglieder der auf der Liste aufgeführten Personen erfasst werden, sofern sie im Einzelfall erforderlich sind, und ausschließlich zum Zweck der Überprüfung der betroffenen auf der Liste aufgeführten natürlichen Personen.

(4) Den in den Anhängen IV und V aufgeführten natürlichen und juristischen Personen, Organisationen und  Einrichtungen dürfen weder unmittelbar noch mittelbar Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden oder zugute kommen.

(5) Es ist untersagt, wissentlich und vorsätzlich an Aktivitäten teilzunehmen, mit denen die Umgehung der in den
Absätzen 1 und 2 genannten Maßnahmen bezweckt oder bewirkt wird.“

Wie man sieht, darf man mit den Leuten, Unternehmen und Banken, die auf dieser Liste stehen eigentlich keine Geschäfte machen, denn man darf ihnen ja keine Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zugeführt werden. Grundsätzlich ist dazu zu bemerken, dass vor allem die Zahl der Personen und Banken, die unter Anhang V fallen, seit 2009 stark zugenommen hat.

Pak To-chun

Allerdings wurden dieses Jahr auch zwei Personen neu auf diese Liste gesetzt, einer davon ein neuer Bekannter (der andere ist Kim Yong-chol, der natürlich auch kein unbeschriebenes Blatt ist). Pak To-chuns Karriere fand ich in der Vergangenheit ja bereits irgendwie bemerkenswert und nun zeigt sich, dass die EU vermutete, er habe als „Befehlshaber des Büros für Kernenergie“ eine entscheidende Rolle in Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm. Scheint also wirklich nicht unwichtig zu sein, der Mann.

Wichtige Nordkoreaner

So ist Pak (ganz hinten links) sehr häufig zu sehen…

Kim Jong Il guckt und alle gucken mit...

…zwar dabei aber immer im Hintergrund. Weiß nicht was es bedeutet, aber war mir schon immer aufgefallen.

…und die Amroggang Bank

Ebenfalls interessant finde ich eine andere sanktionierte Entität. Die Amroggang Development Banking Corporation, die jetzt von der EU sanktioniert wird (im in der Änderungsverordnung 1251/2010 von 2010 wurde sie noch nicht erwähnt) war mir nämlich 2010 schonmal aufgefallen, weil sie im Bericht des Experten Panels der Vereinten Nationen u.a. als Geschäftspartner der deutschen Commerzbank aufgeführt war. Naja, jetzt hat man in Frankfurt wohl entweder ein paar Konten eingefroren, oder man hat die Geschäftsverbindung schon früher gelöst. Ist ja nie gut fürs Image, wenn man in UN-Berichten zu Sanktionen auftaucht (Andererseits scheint man sich bei der Commerzbank ohnehin nicht für viel zu schämen. Also wenn ich mich vom Staat retten lassen müsste, mich dann nach einer Kapitalerhöhung teilweise freikaufen würde um ein paar Monate später schon wieder am Krückstock zu gehen, dann wäre mir das sehr peinlich. Irgendwie hätte man mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung doch auch das Eigenkapital stärken können, oder? Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema…).

Naja, das waren meine beiden Highlights, aber insgesamt ist dieser Anhang auch mal interessant um zu schauen, wer warum sanktioniert wird (die Ausführungen dazu sind eigentlich recht ausführlich und geben ein paar zusätzliche Hintergründe). Auch bemerkenswert finde ich es, dass es eigentlich überhaupt nicht öffentlich angesprochen wurde, dass diese wenn auch technischen, doch sehr weitreichenden Ergänzungen gemacht wurden.

Neue Sanktionen der USA gegen zwei nordkoreanische Unternehmen: Hintergründe


Gestern haben die USA bekanntgegeben, dass die bestehenden Sanktionen auf zwei weitere nordkoreanische Unternehmen ausgeweitet würden. Betroffen davon sind die Korea Daesong General Trading Corporation (a.k.a. Daesong Trading; a.k.a. Daesong Trading Company; a.k.a. Korea Daesong Trading Corporation; a.k.a. Korea Daesong Trading Corporation) und die Korea Daesong Bank (a.k.a. Choson Taesong Unhaeng; a.k.a. Taesong Bank), die mit dem ominösen „Büro 39“ in Verbindung gebracht werden, das einen beträchtlichen Teil der illegalen Aktivitäten des Regimes zu betreiben scheint. Wenn ihr mal alle Gerüchte, die es über das Büro 39 gibt in einer Monographie akkumuliert sehen wollt, kann ich euch nur das hier empfehlen. Wenn ihr wissen wollt was das Büro wirklich macht, bringt euch das wohl nicht so viel. Ich habs nur überflogen, aber dem vernünftigen Menschenverstand ist beispielsweise wohl kaum zugänglich, wieso das Regime in Pjöngjang Rebellen in Myanmar Waffen liefern sollte. Wenn dem so wäre, wären die Beziehungen mit den Generälen in Naypyidaw wohl kaum so gut. Aber naja, wenn die Autoren meinen, dass es der Welt und ihrer Regierung weiterhilft alle Gerüchte als Tatsachen darzustellen sollen sie das so machen. Und wenn man Kurzweil sucht ist das bestimmt auch lesenswert. Wie gesagt, über das was das Büro so alles treibt weiß man nicht so gut Bescheid. Aber dass es Devisen für das Regime besorgt und dabei nicht nur legale Mittel nutzt kann wohl als erwiesen gelten. Und aus genau diesen Gründen hat das US Department of the Treasury die beiden der schon recht beträchtlichen Liste von Sanktionierten Individuen und Unternehmen hinzugefügt. Wie groß die Auswirkungen der Maßnahmen sein werden wird sich wohl nur schwer messen lassen, allerdings entgeht Pjöngjang solchen Maßnahmen oft, indem alte Unternehmen umbenannt werden, oder Neue, unverdächtige (soweit das im Falle Nordkoreas überhaupt möglich ist) Firmen die Geschäfte weiterführen. Naja, auf jeden Fall werden sich die Deutsche Bank und andere nicht identifizierte Banken mit Sitz in Frankfurt beeilen, die bestehenden Geschäftsbeziehungen zu kappen. Man will ja nicht die US Treasury verärgern…

Bleibt nur noch die Frage, wie das Treasury rausfinden konnte, dass die Unternehmen mit dem Büro 39, das ja schon länger das Ziel von US Sanktionen ist, zusammenhängen? Geheimdienstarbeit? Vielleicht. Vielleicht hat man aber auch einfach gegoogelt. Die Tatsache, dass die Korea Daesong Bank dem Büro 39 untersteht, ist hier schließlich schon seit drei Jahren nachzulesen. Aber natürlich möchte ich den US Behörden nicht unterstellen, sie würden ihre Sanktionsziele via Google suchen, nur weil sie das im Fall der UN Sanktionen gegen den Iran so gemacht haben. Aber sei‘s drum. Hauptsache man hat ein Zeichen gesetzt…

Der CRS erklärt „strategic patience“ und mehr: Bericht über die Umsetzung der UN-Sanktionen


Der Congressional Research Service (CRS) der USA hat auf Anfrage des republikanischen Senators Richard G. Lugar einen Bericht zu den bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea, ihre Implementierung und Möglichkeiten das Sanktionsregime zu stärken, verfasst. Diesen hat Lugar netterweise ins Netz gestellt, so dass ich euch darauf aufmerksam machen kann. Das Dokument ist sehr interessant zu lesen, weil es einerseits den US-amerikanischen Standpunkt bezüglich der Sanktionen einnimmt, aber vor allem, weil  die Lektüre einen schönen Einblick in die Strategie der USA gegenüber Nordkorea in den letzten beiden Jahren gewährt und auch einen Ausblick auf die nächste Zeit ermöglicht.

Was ist „strategic patience“: Kurze Definition des CRS

Was ich besonders schön fand ist, dass man „strategic patience“ endlich mal in wenigen Worten klar definierte:

the Obama Administration has pursued a medium-to-long term policy of „strategic patience“ that has evolved to include four main elements: refusing to return to the Six Party Talks without a North Korean assurance that it will take „irreversible steps“ to denuclearize; gradually attempting to alter China’s strategic assessment of North Korea; using Pyongyang’s provocations as opportunities to tighten multilateral economic sanctions against North Korean entities; and not moving forward on diplomacy with North Korea without the consent of South Korea.

Der Absatz endet mit dem schönen und bezeichnenden Satz:

In the view of many observers, in the short term the approach amounts to a containment policy.

Im weiteren Verlauf des Dokuments wird dann deutlich, dass das wohl größte Problem bei der Umsetzung der Sanktionen gegen Nordkorea, China ist (also das was auch schon der Bericht des UN-Panels ergab). Also ist in Bezug auf das Chinas-strategische-Bewertung-gegenüber-Nordkorea-verändern- Element der Strategie wohl grandios gescheitert. Ebenfalls grandios gescheitert ist das Nordkoreas-Provokationen-zur-Verschärfung-der-Sanktionen-nutzen-Element, denn die Versenkung der Cheonan war wohl ne ziemliche Provokation. Da aber das mit Chinas Standpunkt verändern nicht geklappt hat, kam auch hier nur heiße Luft. Bleiben noch zwei Elemente: Die notwendige Versicherung Nordkoreas, nicht rückgängig machbare Schritte zur Denuklearisierung vorzunehmen, als Voraussetzung zur Rückkehr der USA zu den Sechs-Parteien-Gesprächen. Das beruht ja einzig auf Vertrauen, bzw. politischem Willen: Will man Nordkoreas Versicherungen glauben oder nicht. Bisher wollte man nicht. Das ist kein strategisches Element, sondern eine Reißleine. Wenn man nicht sprechen will sagt man, dass Nordkoreas zusagen nicht glaubwürdig seien. Und natürlich, was ich bisher noch nicht so deutlich gelesen habe: Südkorea führt. Man nimmt sich seine eigene Handlungsfreiheit obwohl man der Hauptadressat nordkoreanischer Annäherungsversuche ist. Damit ist man nicht nur den Launen des Regimes in Pjöngjang ausgeliefert sondern auch denen Seouls. Will man dort die keine Annäherung dann nimmt man eine harte Position ein. Und die USA folgen. Naja, soviel zu „strategic patience“… Weiterhin wurde aber auch gesagt, man folge eine zweigleisige Strategie aus Sanktionen und diplomatischen Bemühungen. Das vorgehen werde jeweils den Umständen entsprechend angepasst. Als Beispiel wurde das Bemühen der USA Ende 2009 Anfang 2010 beschrieben, den Sechs-Parteien-Gesprächen einen neuen Schub zu geben.

China: Das große schwarze Sanktionsloch

Was noch schön zu ist: Wie unwillig China ist die Sanktionen umzusetzen. Zwei Beispiele: Wie gesagt wäre nach der US-Strategie die Versenkung der Cheonan der perfekte Anlass gewesen, eine Verschärfung oder zumindest strenger Umsetzung der Sanktionen zu fordern und zu verwirklichen. Allerdings traute man sich noch nicht einmal eine Verschärfung der Sanktionen zu fordern. China wollte keine Verbindung zwischen dem Cheonan-Zwischenfall und Sanktionen und man fürchtete, dass China das bestehende Sanktionsregime sonst noch weiter schwächen und jegliche Reaktion der UN wegen des Zwischenfalls torpedieren (das war aber jetzt unpassend…) würde. Weiterhin hat China fast während des gesamten ersten Halbjahres 2010 ein Zusammentreten des UN-Experten-Panels über die Sanktionen gegen Nordkorea blockiert. Auch das bezeichnend.

Noch mehr Interessantes

Ansonsten fand ich noch einen kleinen Satz interessant:

U.N. sanctions clearly have raised the level of risk — and presumably the cost — of doing business with the DPRK, both legitimate and illicit

Also wirken die Sanktionen auch auf Geschäfte, die nichts Anrüchiges an sich habe. Ich bin kein Experte bezüglich des Themas Sanktionen, aber das geht dann ja eher in Richtung eines abgespeckten Handelsembargos. Das kann und darf (meiner Meinung nach) nicht das Ziel von Sanktionen sein. Wenn man dieses Werkzeug nutzt, sollte es genau wirken und nicht in der Breite Schaden anrichten.

Weiterhin hält der Bericht in vielen Teilen die Fakten, die man schon im Bericht des Experten-Panels nachlesen konnte. Mal wieder gibt es im Anhang einiges zu finden, dass für „Zahleninteressierte“ spannend ist, also Handelszahlen etc.. Was ich in dem Zusammenhang noch gerne wüsste ist, wie es dazu kam, dass Nordkorea 2007 plötzlich über 2 Milliarden US-Dollar Schulden bei französischen Banken hatte. Da muss man wohl was Größeres angeschafft haben…

Naja, für alle die sich für die US-Politik gegenüber Nordkorea oder die Sanktionen gegen das Land interessieren ist der Bericht auf jeden Fall lesenswert…

Pokern auf hohem Niveau: US-Sanktionskoordinator Einhorn vs Nordkorea


Der Eine oder Andere von euch wird vielleicht schon gelesen haben, dass Robert Einhorn der Sonderberater des US-State Departments für Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und Rüstungskontrolle, vor allem aber frisch ernannter Koordinator für die Implementierung der Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran, gerade auf einer Reise durch Ostasien ist. Dabei hat er unter anderem seinen Kollegen Daniel Glaser vom Department of the Treasury, der dort für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung verantwortlich ist.

Worum es geht ist klar: Neue Finanzsanktionen

Damit dürfte die Zielrichtung der Reise auch schon recht umfassend beschrieben sein. Es geht um Sanktionen (u.a. gegen Nordkorea) mit einer finanziellen Zielrichtung. Über alles Andere gibt es allerdings hauptsächlich Gerüchte. Wirklich substantielles äußerten die Beteiligten kaum, allerdings hat der Autor von One Free Korea eine Vielzahl von Infos zusammengetragen, die aus den (oft und vor allen Dingen kryptischen) Kommentaren amerikanischer Offizieller hervorgingen und so schon einmal eine Übersicht darüber gegeben, was ungefähr zu erwarten ist. Danach sollen die Sanktionen vor allem Individuen und Unternehmen, die in illegale Geschäfte, Waffenhandel und den Erwerb von Luxusgütern verwickelt sind von den internationalen Finanzflüssen abschneiden.

Die Banco Delta Asia Episode zeigte: Eine wirksame Waffe

Dieses Vorgehen erinnert nicht zufällig an die Episode mit der Banco Delta Asia (BDA). Im Jahr 2006 hatten die USA diese Bank, die ominöse Konten Nordkoreas (über dessen Natur bis heute nichts Valides bekannt ist) verwaltete, sanktioniert und auch unterschwellige Drohungen gegen solche Banken ausgesprochen, die mit dem Geldhaus Geschäfte machten. Daher waren nicht nur die 25 Millionen Dollar eingefroren, die nordkoreanische Individuen oder Unternehmen bei der BDA deponiert hatten, sondern Banken aus anderen Ländern machten auch keine Geschäfte mehr mit der Bank. Darüber hinaus führte das Vorgehen der US-Finanzsanktionierer auch  noch dazu, dass Banken in aller Welt sich ganz genau überlegten, ob sie überhaupt Geschäfte mit Banken machen wollten, die irgendwie mit Nordkorea in Verbindung gebracht wurden. Für Nordkorea bestand die Gefahr seiner Möglichkeiten beraubt zu werden, Geld international zu transferieren. Dies hätte Nordkoreas (illegalen) Handel empfindlich getroffen, da dann vermutlich weltweit ziemlich viele Waffenhändler etc. aus Nordkorea mit Bargeldkoffern unterwegs gewesen wären. Dementsprechend empfindlich (man könnte auch sagen gereizt, oder besser noch (extrem) wütend) fielen die Reaktionen Nordkoreas aus und es gelang dem Regime schließlich auch die Rücknahme dieser Sanktionen zu bewirken. Der Mann der damals maßgeblich für diese Sanktionen verantwortlich war: Daniel Glaser, der jetzt im Gefolge Robert Einhorns unterwegs ist (eine Tatsache, die den Autor von One Free Korea veranlasst zu schreiben, Glasers Seoul-Besuch habe mehr Abschreckungswirkung als die Platzierung eines Flugzeugträgers vor Nordkoreas Haustür).

Worum es konkret  geht? Keiner weiß es

Dass alleine die Androhung neuer Finanzsanktionen schon Wirkung zeigt, belegen Berichte (jedenfalls wenn sie stimmen), dass sowohl die Behörden Luxemburgs als auch der Schweiz angekündigt haben, verdächtige Konten zu prüfen (Allerdings wundert mich ein bisschen, dass diese Berichte aus Südkorea kommen, während ich direkt aus diesen beiden Ländern keine Berichte darüber finden konnte (ich kann aber auch nicht supergut französisch, daher könnte ich es übersehen haben)). Neben diesen, meiner Meinung nach nur begrenzt aussagekräftigen Berichten nannte Einhorn auch schon eine konkrete Institution und ein Individuum: Die nordkoreanischen Tanchon Commercial Bank und deren Chef Kim Tong-myong. Surprise, Surprise, die Bank steht ohnehin schon unter Sanktionen des UN-Sicherheitsrates und dass die USA dann noch den Chef auf die Liste setzen, ist wohl keine Überraschung. Ansonsten gibt es eben nur Gerüchte über die konkrete Art der Sanktionen und die Zahl der Individuen und Institutionen, die betroffen sein sollen. Diese Gerüchte wurden zuletzt etwa alle drei Tage von anonymen und gut informierten Quellen weitergegeben, während Einhorn und seine Crew meist markige Worte ohne Inhalt zu Protokoll gaben, wobei sie allerdings ungewöhnlich deutlich mit dem Finger auf China zeigten.

Pokern auf hohem Niveau: Einhorn versucht den Gegner auszuspielen

Was das alles zu bedeuten hat? Ich weiß es nicht genau, aber mir ist vor allem eines daran aufgefallen: Man ist in den USA sehr darum bemüht die Finanzsanktionen als Thema in den Medien zu halten (auch Einhorns Vorgesetzte Hillary Clinton sprach ja mehrmals davon ohne etwas zu sagen), schickt eine Delegation nach Südkorea, die dort scheinbar nichts tun soll, als Werbung für ein Produkt zu machen, dass keiner genau kennt und übt sich ansonsten im Abwarten. Das alles kommt mir so vor, als habe man sich entschieden, einfach mal die Karten neu zu mischen und zu hoffen, dass sich das Blatt bessert. Vielleicht kommen ja ein paar schweizerische und luxemburgische Banker angekrochen und gestehen mit Schweißperlen auf der Stirn, dass Kim tatsächlich seit Jahren Milliarden bei ihrer Bank gebunkert hat oder es sind hektische Umschichtungen auf verdächtigen Konten zu sehen. Vielleicht werden auch die Nordkoreaner nervös und geben deutlich zu erkennen, dass sie reden wollen und bereit sind, Bedingungen zu erfüllen. Und sollte das alles nicht eintreten, dann kann man mit den Sanktionen ja immernoch Ernst machen und sehen, wie Kim dann reagiert. Dann steht  allerdings die Frage im Raum, was die USA wissen und was sie bereit sind zu nutzen (es kann ja sein, dass es mit den eigenen Erkenntnissen nicht so weit her ist wie Einhorn das vortäuscht, schließlich hat er bisher noch keinerlei Neuigkeit zu Berichten gehabt) , denn letztendlich liegt das Ausmaß der Sanktionen wohl nicht in Einhorns Hand und da man sich der Empfindlichkeit Nordkoreas in diesem Bereich bewusst sein dürfte, kann es auch sein, dass man Angst hat, wirklich hohe Einsätze zu spielen.

Das Blatt ist interessant, aber nicht entscheidend

Erstmal pokert der US-Gesandte weiter. Ob sein Blatt wirklich gut ist, wird man erst sehen, wenn er es aufdeckt. Bis dahin dürften weiterhin (inhaltsleere) „Details“ aus gut informierten Kreisen durchgesteckt werden um den Gerüchtebrei am Köcheln halten. Ich bin gespannt, wie viele Trümpfe Einhorn hat, wenn er Farbe bekennt. Aber beim Pokern ist es ja eine Binsenweisheit, dass oft nicht das beste Blatt gewinnt, sondern der beste Spieler…

Ooops they did it again…Wieder nordkoreanisches Waffengeschäft aufgeflogen


Gestern wurde erneut ein Versuch Nordkoreas bekannt, gegen bestehende UN-Sanktionen Waffenhandel zu betreiben. Der Vorfall wurde zwar erst gestern bekannt, hatte sich aber bereits im November des vergangenen Jahres ereignet. Nun meldeten die südafrikanischen Behörden, die das verdächtige Schiff aufgebracht hatten, den Zwischenfall offiziell an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Die Lieferung, die an die Republik Kongo (Kongo Brazzaville, also nicht das „Herz der Finsternis“ sondern der andere Kongo, der seltener (aber nicht nie) wegen bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den Medien ist) adressiert war, bestand scheinbar aus, als Bulldozer Ersatzteile deklarierten, Ersatzteilen für Panzer des sowjetischen Bautypen T-54/T-55, die dort in den 1940er und 1950er Jahren produziert worden waren und dann in anderen Teilen der Welt. Scheinbar hatte die Fracht eine recht abenteuerliche Reise hinter sich. Sie wurde von einer nordkoreanischen Firma in China auf ein Schiff geladen, dann in Malaysia gebracht, dort auf ein französisches Schiff gebracht, bevor es in Südafrika abgefangen wurde. Scheinbar war die französischen Firma CMA CGM (oder die Besatzung des Schiffes, die Berichte unterscheiden sich hier) misstrauisch geworden und hatte die Behörden (keine Ahnung welche da zuständig sind) informiert. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass es sich hier um einen klaren Verstoß gegen die Sanktion 1874 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen handele. Der Vorfall solle nun näher untersucht werden und wird als weiterer Beleg dafür gesehen, dass die Sanktionen greifen. In Anbetracht der Tatsache, dass dies nur einer von mehreren Ähnlichen Vorfällen in jüngster Vergangenheit war, untermauert diese These. Im Dezember wurde in Bangkok ein Flugzeug mit Waffen aus Nordkorea beschlagnahmt, das ein unbestimmtes Ziel ansteuerte. Im August des selben Jahres wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Schiff mit nordkoreanischen Waffen an Bord entdeckt. Die Geschäfte werden schwieriger für Nordkorea!

Soweit zu den Fakten. Die Geschichte wirft für mich ein paar Fragen auf. Die wichtigste: Warum dauert das denn über 2 Monate den Vorfall an die UN zu melden? Ich kann es mir nicht so recht erklären, allerdings wurde die Sache mit dem Flugzeug innerhalb kürzester Zeit, die dem anderen Schiff innerhalb von zwei Wochen publik. Aber wenn ich mich richtig an den November zurückerinnere, fand kurze Zeit später der Besuch des US-Sondergesandten Bosworth in Pjöngjang statt. Vielleicht wollte man ja eine Art von Feelgood-Atmosphäre schaffen, um die Gespräche zu vereinfachen und gleichzeitig ein Druckmittel parat zu haben. Und nachdem sich Nordkorea nicht so kooperativ zeigt wie erhofft, deckt man nun eine neue Karte auf.

Achja und wenn ich höre, dass eine französische Firma die Waffen in ein Kernland „Francafriques“ bringt, dann frag ich mich doch glatt, ob das Zufall ist. Generell überrascht mich so ein Handel überhaupt nicht. Aber dass man sogar mit Nordkorea entgegen UN-Sanktionen zusammenarbeitet. Tststs! Aber auch dass sich Nordkorea bei solch geheimen Geschäften auf französische Spediteure verlässt ist mir irgendwie suspekt.

Außerdem scheint es ja tatsächlich so zu sein, dass Nordkorea von den Sanktionen zunehmend tangiert wird. Daher kann man sich fragen, inwiefern Nordkoreas Forderungen nach einer Aufhebung der UN Sanktionen tatsächlich ernst gemeint und nicht nur taktisches Geplänkel sind.